Paul Jankowski – Das Wanken der Welt

Ich habe mich seit langem mal wieder an ein geschichtliches Sachbuch ran gewagt. Ich lese gerne Sachbücher, aber ich muss auch die nötige Lust dazu haben. In diesem Fall hatte ich wirklich große Freude daran, dieses Buch zu lesen. Mich interessiert die Geschichte rund um den zweiten Weltkrieg sowieso, weil ich gerne mehr erfahren möchte, als die Schulen uns gelehrt haben. Und in „Das Wanken der Welt- Wie 1933 der Weltfrieden verspielt wurde“ ist im Prinzip die Vorgeschichte zum zweiten Weltkrieg, eine Zeit zu der ich in der Schule rein gar nichts gelernt habe. Der erste Weltkrieg kommt meistens gar nicht vor und beim zweiten Weltkrieg lernt man auch immer nur die deutsche Sicht kennen. In “ Das Wanken der Welt“ ist es aber so, dass alle Seiten bedacht werden. Alle Länder die sich nach dem ersten Weltkrieg dem sogenannten Völkerbund anschlossen, werden in diesem Buch berücksichtigt. So bekommt der Leser einen wunderbaren Eindruck, wie die einzelnen Länder und deren Staatsoberhäupter zwischen den Kriegen agiert haben. Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar vom S.Fischerverlag bekommen und freue mich sehr, dass ich es lesen durfte.

Wie 1933 der Weltfrieden verspielt wurde

Um das ganze Buch zu verstehen, muss man es tatsächlich lesen. Ich könnte es nie in Gänze wieder geben, aber ich kann ein paar Fakten nennen, welche ich mir heraus geschrieben habe. Ich habe versucht zu verstehen, was damals geschehen ist. Ich muss sagen, dass Buch ist sehr gut aufgebaut, denn jedes Land hat sein eigenes Kapitel. Natürlich ist Hitler sehr oft genannt in diesem Buch, schließlich hat er schlussendlich die Welt noch mehr ins Wanken gebracht. Im Prinzip einigen sich die Staaten nach dem ersten Weltkrieg sich mit dem Völkerbund ein Versprechen zu geben, sie wollen zu dem Zeitpunkt keinen Krieg mehr und möchten, dass jeder Staat seine Schulden bei dem jeweils anderen begleichen kann. Heutzutage würde man es ein Abkommen nennen. Der Völkerbund entstand 1920 als Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz. Die ersten Jahre hielt das Ganze auch noch an, doch mit Jahr um Jahr kamen die Gedanken der einzelnen Länder ins Wanken. Viele Völker waren in Sorge, denn es herrschte nach dem ersten Weltkrieg eine Depression. Die Weltwirtschaft hatte durch den Krieg gelitten und in vielen Ländern versuchte man die Schäden zu beseitigen und Hunger gab es leider auch noch eine Menge in der Welt.

Der erste „Diktator“ wurde in Italien 1922 ins Amt gewählt. Mussolini wurde Ministerpräsident von Italien. Er war zwar nicht so sehr in Kritik wie Hitler, aber dennoch nicht zu unterschätzen. 1927 folgte dann Josef Stalin als Diktator der Sowjetunion und 1932 dann unser bekannter Hitler. Alle Drei waren jede Menge Munition, um einen neuen Krieg zu beginnen. Außerdem gab es immer noch Unstimmigkeiten zwischen Japan und China und Japan viel 1932 in China ein. Die USA wollte sich erst einmal aus allem raus halten und das eigene Land schützen. Nach Hoover, welcher den ersten Weltkrieg Präsident der vereinigten Staaten war, folgte Roosevelt. Er war einer der beliebtesten Präsidenten in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er musste das Land durch den zweiten Weltkrieg führen und starb zum Ende des Krieges an seiner schweren Krankheit.

Ein weiterer Part in der Geschichte spielte Stalin. Er führte die Sowjetunion bis lange nach dem zweiten Weltkrieg mit starker Diktatur. Er ließ 1927 bis 1932 eine Kollektivierung der Landwirtschaft in der Ukraine erwirken. Jeder Bauer*in durfte seine Ernte nicht behalten, sondern musste diese an den Staat abgeben. Wieder andere wurden vom Staat gekauft oder das Land wurde auch komplett verkauft und enterbt. Zwischen 1928 und 1929 starben mehrere Millionen Menschen an Hungerleiden. Stalin ließ die Menschen in der Ukraine absichtlich verhungern. Ich finde diesen Teil der Geschichte sehr wichtig, denn alle haben immer nur ein Auge auf Deutschland geworfen, wenn es um die Zeit zwischen und während dem zweiten Weltkrieg geht. Aber Stalin war mindestens genauso grausam wie Hitler es war und wahrscheinlich waren auch beide die Initiatoren dieses unsagbar grausamen Krieges. Eigene Meinung, kann falsch sein, aber so denke ich nun mal. Denn unabhängig wer diesen Krieg begonnen hat, in diesem Buch geht hervor, dass einige Länder es genauso wollten und heimlich schon dafür planten.

Als 1932 Hitler als Bundeskanzler ins Amt trat, so dachte man zuerst, dass nichts schlimmes passieren würde. Ein so nüchterner Mann kann doch kein Diktator werden, so dachte man. Er war unscheinbar, wenn auch böse, aber man hatte ihn damals eindeutig unterschätzt. Auch das Regime der Nazis hat sich erst nach und nach gebildet. Mit immer kleinen Spitzen, wie z.B. der Bücherverbrennung 1933 oder dem Reichstagsbrand wurde immer mehr klar, dass Hitler zu mehr fähig war. Nur die Oberhäupter der anderen Länder haben die Gefahr nicht sofort erkannt, viele wollte sogar mit ihm kooperieren.

Klaus Mann schrieb damals: “ Du willst Deutschland regieren? Diktator willst du sein? Mit der komischen Nase? Daß ich nicht kichere!….Du kommst nie zur Macht!“ Doch auch er sollte sich täuschen. Und spätestens als seines Vaters Bücher verbrannt wurden, muss es ihm klar geworden sein. Die New York Post schrieb damals, er sei der Innbegriff des kleinen Mannes. Unterschätzt, wie ich bereits sagte. Doch würden wir in dieser Zeit leben, so würden wir vielleicht gleich denken. Das Problem war, dass das Volk nach dem ersten Weltkrieg den Mut verloren hatte. Man wusste nicht, wo die Reise hingehen soll. Die Wirtschaft wurde nicht so richtig angekurbelt und der „kleine Mann“ hatte zumindest einen Plan. Zu der Zeit war auch noch nicht ganz das Ausmaß seines Judenhasses klar. Die Menschen folgten ihm, weil er eine Perspektive bot, wenn sie sich nun zum Ende als die falsche Perspektive heraus gestellt hatte.

Meine eigene Meinung

Wie bereits beschrieben, kann man dieses Buch ganz schlecht wieder geben. Man kann nur erahnen, wie diese ganzen Ereignisse zu dem geführten haben, was danach folgte. Doch dieses Buch gibt einem zumindest eine Idee davon. Fakten die aus der Geschichte resultieren. Paul Jankowski hat sehr gut recherchiert und hat anschaulich erklärt, wie es damals in den zweiten Weltkrieg geführt hat. Trotz das es ein Sachbuch ist, ist es sehr locker geschrieben. Ich finde es hat einen sehr guten Schreibstil für so ein schweres Thema. Es sind auf jeden Fall 464 Seiten Informationen, von denen so ziemlich jede wichtig ist. Ich habe zumindest jede Menge Post It’s gesetzt und mir einen Notizzettel mit Daten geschrieben, um alles für diese Rezension auf dem Schirm zu haben. Ich hoffe es ist mir gelungen einen Eindruck von diesem Buch zu geben. Wenn dieses Thema interessiert, der sollte es lesen. Achso eine Anmerkung noch, in der Mitte des Buches gibt es Fotos von damaligen Zeitungsartikeln und Propaganda Plakaten, teilweise sind diese wirklich lesenswert und interessant. Sehr gut gelungen ist es auf jeden Fall, diese mit einzubringen. Danke an den S.Fischerverlag für dieses Rezensionsexemplar.

Rezensionsexemplar/ S.Fischerverlag/ Gebundene Auflage von 2021/ 464 Seiten ohne Dank und Quellenverzeichnis/ 39,00 €

Lana Lux – Kukolka

Ein unfassbar ergreifendes Buch habe ich hier gelesen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass dieses Buch mich so sehr einfangen wird. Lana Lux zeigt eine Geschichte über eine tragische Wahrheit, denn Fälle wie diese von Samira gibt es leider heute noch. Jeder der das liest, sollte nicht zart besaitet sein. Die Geschichte spielt in der Ukraine in den 90er Jahre. Die Ukraine ist gerade erst selbstständig geworden, nach einer langen Zeit unter den Fängen der Sowjetunion. Es gibt viele Menschen die zu der Zeit immer noch der Armutsgrenze leben und bettelnde Kinder sind immer noch Normalität.

Samira – Kukolka

Samira lebt in einem Waisenhaus, ihre Eltern kennt sie nicht. Sie hat weniger Freundinnen, weil alle sie für eine Zigeunerin halten, weil sie so ein dunkler Typ ist. Eines Tages lernt sie Marina kennen und freundet sich mir ihr an. Die beiden sind unzertrennlich, bis Marina eines Tages adoptiert wird. Sie wird zu einer Familie nach Deutschland gebracht. Von da an hat Samira den Traum nach Deutschland zu gehen. Sie versucht aus dem Waisenhaus abzuhauen und mit dem Bus nach Deutschland zu fliehen. Aber leider hat sie nicht genug Geld und weiter als bis zum Bahnhof kommt sie nicht. Als sie dort zu betteln beginnt trifft sie auf Rocky. Er wirkt besorgt um sie und bietet ihr an, ihr ein zu Hause zu geben. Dafür muss sie nur eine Arbeit verrichten. Sie vertraut ihm, man muss dazu sagen Samira ist super naiv und ist durch fehlende Erziehung und Erfahrungen auch sehr dumm in diesem Moment. Rocky bringt sie in ein Haus wo mehrere Kinder verschiedenen Alters leben. Sie haben keine Heizung und auch kein warmes Wasser, aber ein Dach über dem Kopf. Die Kinder haben verschieden Aufgaben im Haus und drum herum. Einige müssen betteln, andere müssen klauen und ein besonderes Mädchen muss putzen und Rocky Freude machen. Samira ( von Rocky wird sie Kukolka genannt ) muss betteln gehen, weil sie noch so jung ist und viele sie süß finden und viel geben. Es wirkt auf den Leser erst einmal alles relativ harmlos, denn Rocky bietet den Kindern irgendwie ein zu Hause. Doch bei näherer Betrachtung merkt man, dass es sich einfach um klassische Kinderarbeit handelt und die Kinder ausgenutzt werden. Es geschehen einige schlimme Dinge und für Samira ist die Kindheit eindeutig vorbei.

Samira kann sehr gut singen und beginnt eines Tages am Bahnhof zu singen und damit Geld zu verdienen. Ihr begegnet eines Tages ein in ihren Augen wunderbarer Mann über den Weg. Er mag ihren Gesang und macht ihr Komplimente und kauft ihr Essen. Dina wirkt sehr freundlich auf Samira. Sie beginnt sich in ihm zu verlieben, obwohl er fast doppelt so alt ist wie sie. Er schmiert ihr Honig um den Mund und möchte sie angeblich aus den Fängen von Rocky befreien. Im ersten Moment glaubt man diesem netten Mann, selbst als Leser. Doch auch Dina möchte die arme Samira nur ausnutzen. Er nimmt sie mit nach Hause und sperrt sie ein. Er kauft ihr jede Menge neue Kleidung und lässt sie waschen, schminken und frisieren. Er gibt ihr Essen ohne Ende und gaukelt ihr das Schlaraffenland vor. Irgendwann aber muss Samira mit auf Party gehen, wo sie nett für fremde Männer singen soll und wo fremde Männer sie anfassen dürfen. Samira merkt ihren Untergang nicht, denn sie ist verliebt in Dima. Und außerdem hat er ihr versprochen sie nach Deutschland zu bringen, was ja nun ihr Traum war. Sie wollte Marina wieder sehen. Nach Deutschland kommt sie auch eines Tages, aber dort wird alles noch viel, viel schlimmer…

Meine eigene Meinung

Puh… ich war beeindruckt und geschockt zu gleich. Ganz, ganz hartes Buch in meinen Augen. Aber auch ein Buch was einem die Augen öffnet, denn wie gesagt, so etwas gibt es in Wirklichkeit immer noch. Und das es solche Geschichten in der heutigen Zeit noch gibt, ist einfach eine Katastrophe. Lana Lux hat einen unverschämten Schreibstil und beschreibt die noch so schlimme Misshandlung voll aus. Als Leser fällt einem dieses Buch eindeutig schwer, aber ich finde es dennoch äußerst lesenswert. Ich kann es empfehlen, aber es wirkt noch sehr lange nach. Und ob es ein Happy End gibt, dass werde ich natürlich nicht verraten. Das muss jeder selbst raus finden, aber eines kann ich sagen, man wünscht sich so sehr ein Happy End für diese Protagonistin. Schlimm fand ich auch, dass man oft dachte: „Wieso macht sie das jetzt? Wieso ist sie so naiv?“ , aber sie hatte nun nichts gelernt. Keinen Zugang zu Bildung und keine Erziehung. Keiner hat ihr beigebracht, was gut und was schlecht ist. Samira hat einfach in jedem Menschen das Gute gesehen, was die Protagonistin auch einfach so liebevoll machte. Man wollte sie beschützen und ihr ein zu Hause geben.

Selbst gekauft/ Aufbau Verlag/ Auflage 2019/ Taschenbuch/ 12,00€/ 375 Seiten

Jarka Kubsova – Bergland

Viele wunderbare Bücher entdecke ich in einer Lesegruppe, so auch Bergland von Jarka Kubsova. Dieses wunderbare Buch, welches in den Alpen spielt habe ich kurz vor Jahresende 2021 in der Lesegruppe Gemeinsam Mitlesen gelesen. Da ich bisher nicht zum bloggen kam, kommt es nun aber endlich auch hier auf diesem Blog. Gute Bücher sollte man schließlich nicht verschweigen, sondern in die Welt hinaus schicken.

„….Sie nahm Erde in die Hand. Es ist Erde, wir laufen darüber, die meiste Zeit beachten wir sie gar nicht, Aber eigentlich ist alles, was darin passiert, Magie!“

Bergland

In Bergland geht es um zwei verschiedene Generationen von Frauen, die einen Hof hoch oben in den Bergen halten und welche Herausforderungen ist dort oben gibt. Die erste Frau ist Rosa. Sie lebt in den vierziger Jahren rund um den zweiten Weltkrieg. Zu Beginn der Geschichte lebt sie in einer intakten Familie wo das Erbe des Hofes eigentlich einem der Männer zustehen sollte. Der Krieg allerdings ändert alles und Rosa steht vor der Herausforderung den Hof alleine zu managen. Sie lernt wie der Hof funktioniert von ihrem Vater, der leider zu alt ist, um den Hof noch selbst zu bedienen. Ihr Mann kehrt leider auch nicht aus dem Krieg zurück und somit muss sie es alleine schaffen. Sie lernt, wie mit den Tieren umzugehen ist, welche Pflanzen wann gepflanzt werden müssen und wie die Ernte funktioniert. Das alles passiert auf dem sogenannten Höchsten in den Alpen in Tiefenthal. Man kann sich vorstellen welche Naturverhältnisse zu dieser Zeit herrschen mussten. Scharfe und kalte Winter und schwüle Sommer, gerade in den Alpen kann das Wetter unangenehm werden, umso großartiger finde ich es, wie Rosa in diesem Buch dieses schwere Erbe annimmt. Sie beweist, dass sie es kann und sie wird nach einigen Jahren auch wieder glücklich und entwickelt eine Routine.

In der nächsten Generation haben wir Hannes und Franziska kennen gelernt. Hannes ist Rosa’s Enkel und erbt auch irgendwann den Hof. Im 20ten Jahrhundert sieht das Leben auf dem Hof ganz anders aus. Die Bauern wetteifern umeinander, da jeder Hof mittlerweile Touristen beherbergt. Und jeder von Ihnen möchte noch innovativer werden. Franziska ist gestresst und erkrankt an einer kurzfristigen Nervenkrankheit, sie hat sozusagen einen Nervenzusammenbruch. Beide sind kurz davor den Hof zu verkaufen, weil sie sich überfordert fühlen. Tourismus ist nicht einfach, es gibt Regeln und es gibt Bewertungssysteme von denen die beiden sich steuern lassen. Erst als sich beide wieder dessen erinnern, was der Hof schon alles erlebt hat, finden sie ihren eigenen Weg. Sie können aus alten Traditionen und neuen Ideen neuen Mut ziehen und auch in ihrer Ehe finden sie wieder mehr zueinander. Zwei Generationen mit unterschiedlichen Erlebnissen und Herausforderungen.

“ Die Tiefenthaler waren es gewohnt, dass ihnen genommen wurde. Einmal war es die Grippe, mal eine Blutvergiftung. Man verlor seine Lieben durch Krankheiten und Unglücke wie Baumstürze und Steinschlägen….. Die Tiefenthaler waren es gewohnt, dass ihnen der Herr oder die Natur regelmäßig nahmen, was ihnen am Herzen lag. Aber niemand hatte sie je um so viel gebracht wie der Krieg.

Meine eigene Meinung

Ich mochte an diesem Buch sehr, dass die Autorin sehr viel positive Dinge über die Natur geschrieben hat. Man merkt, dass sie einen Bezug dazu hat und zu schätzen weiß, was unsere Natur uns geben kann. Ich mochte auch, dass Rosa und auch Franziska beides sehr starke Frauen sind. Auch wenn es zweit unterschiedliche Generationen sind, merkt man, wie viel mehr Frauen manchmal kämpfen können. Wir sind das starke Geschlecht und das beweisen solche Geschichten. Nicht das Männer das alles nicht können, aber gerade die Nachkriegszeit zeigt, dass Frauen sich aus diesem Elend teilweise alleine heraus kämpfen mussten. Und das haben sie gut gemacht. Bergland von Jarka Kubsova ist auf jeden Fall ein tolles Buch, was ich sehr gerne gelesen habe.

Selbst gekauft/ Random House Verlagsgruppe/ Wunderraum/ Auflage 2021/ Gebundene Auflage/ 284 Seiten

Valerie Wilson Wesley – Ein Engel über deinem Grab

Ein Fall für Tamara Hayle

Tamara ist eine ehemalige Polizeibeamtin, die sich nun selbstständig gemacht hat und als Detektivin arbeitet. Eines Tages kommt ihr Ex-Mann DeWayne zu ihr, um sie um einen Gefallen zu bitten. Denn einer seiner Söhne wurde ermordet. Angeblich starb er nach einer Überdosis, aber da DeWayne erst vor einem Jahr einen weiteren Sohn auf merkwürdige Weise verloren hat, konnte er hier nicht an einen Zufall glauben. Er glaubt, dass jemand hinter seinen Söhnen her ist. Tamara bekommt Angst, denn auch ihr Sohn ist von DeWayne und auch er könnte in Gefahr sein. Doch erst einmal wird sie beauftragt um den Mord an seinem Sohn Terrence aufzuklären. Schon beim Besuch in dessen Wohnung begegnet Tamara merkwürdigen Personen, wie der Vermieterin Miss Lee. Sie kennt DeWayne auch schon sehr lange und auch sie macht irgendwie den Eindruck als könnte sie etwas verbergen. Die Ergebnisse der Polizei sind auch nicht zielführend. Sie gehen ganz klar von der Überdosis aus. Tamara ärgert es, denn sie fühlt sich noch oft wegen ihrer Hautfarbe anders beurteilt und findet das gerade bei der Polizei vieles dadurch noch falsch beurteilt wird. Was sie auch zum Ausstieg bei der Polizei gebracht hatte.

Viele Verdächtige und ein weiterer Mordfall

Tamara hat einige Verdächtige in diesem Fall. Einmal ist da Miss Lee , die Vermieterin von Terrence. Aber es gibt auch noch den Rivalen von DeWayne namens Basil. Und Basil speziell hat es Tamara auch schon seit einer Weile angetan. Es funkt zwischen den beiden. Doch Basil hat auch keine weiße Weste und auf der Beerdigung von Terrence kommt es zum Streit zwischen DeWayne und Basil. Neben den offensichtlichen Verdächtigen gibt es auch noch die durchaus merkwürdige Sekretärin von DeWayne’s Büro. Irgendwie taucht sie immer wieder auf und sie kennt DeWayne auch in und auswendig. Während Tamara allerdings weiter ermittelt, findet ein weiterer Mord statt. Gerard der zweite Sohn, welchen er mit Mutter Emma gezeugt hatte, wurde leblos in einer Badewanne gefunden. Nun blieben nur noch die Söhne Hakim und Jamal. Jamal war Tamaras Sohn und so langsam wurde sie nervös. Die Dinge spitzen sich zu und auch Hakim erwischt es im Laufe der Geschichte. Doch den Mörder zu finden wird immer schwieriger, zumal einen Zusammenhang entstehen muss. Eine wilde Suche beginnt für Tamara und das alles noch neben der Angst um Jamal. Und dann ist da auch immer noch Basil, ein Verdächtiger, der ihr dennoch vertrauen gibt. Tamara steht vor einem kaum zu lösenden Fall.

„Jeder Mensch ist zu einem Mord fähig- man muss nur wütend oder eifersüchtig oder habgierig genug sein. Das ist die bittere Wahrheit. Manche gehen das clever an, andere ausgesprochen dämlich, doch für jeden Menschen hinter Gittern läuft mindestens ein Ganove frei herum, der sich nicht in die Karten schauen ließ und alle Spuren verwischt hat.“

Meine eigene Meinung

Ich mag den Schreibstil sehr. Valerie Wilson Wesley hat manches mal einen sehr rauen Ton, aber genau das mochte ich. Sie verbindet hier einen Krimi mit einer Gesellschaftslektüre in meinen Augen. Kraftvoll und intelligent führt sie uns durch diesen Fall und präsentiert uns eine Starke Frau als Protagonistin. Das mag ich sehr und ich denke, ich werde noch mehr Bücher von ihr lesen wollen. Die Autorin wird gerade im Diogenes Verlag neu aufgelegt und ich denke, da werde ich mich noch einmal austoben. Gelesen habe ich dieses Buch im Zuge der Lesegruppe auf Facebook Diogenes Backlist Lesen.

Selbst gekauft/ Diogenes Verlag/ Auflage 1996/ 10,00€/ Taschenbuch/ 289 Seiten

Das letzte grüne Tal von Mark Sullivan

Mein erstes Buch in 2022 hat es direkt in sich gehabt. Eine so bewegende und auch schöne Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. Ich liebe Romane, die einen autobiografischen Touch haben. Wobei hier nicht der Autor selbst das beschriebene erlebt hat, sondern er hat dazu eine Familie befragt und Fakten über einen längeren Zeitpunkt zusammen gesammelt. Ich finde es bemerkenswert, wenn Autoren Fakten recherchieren und über Monate oder Jahre an ihrem Werk arbeiten. Ich würde diese Geduld wahrscheinlich nicht aufbringen, doch das Warten hat sich in dem Fall sehr gelohnt.

Familie Martels Reise ins letzte grüne Tal

Adeline und Emil Martel kommen aus der Ukraine. Unter der Regierung von Stalin erlebten sie bereits bittere Zeiten. Geschichtlich ist bewiesen, dass in der Sowjetunion ein Beschluss gefasst wurde, der das Land Ukraine hat verhungern lassen. Lebensmittel wurden absichtlich zurück gehalten und Bauern mussten alles staatlich abgeben. Dem nicht genug befinden sie sich noch im zweiten Weltkrieg, und die Deutsche Wehrmacht kämpft gegen die Sowjetunion in der östlichen Ländern Polen, Ungarn und der Ukraine. Im Grunde flüchten sie schlussendlich vor der Roten Armee. Die Nazis bieten ihnen eine Sicherheit an, um in den Westen zu ziehen. Adeline und Emils Familie sind laut Stammbaum Deutsche ( mit „reinem“ Blut ) und dürfen daher zurück nach Deutschland kommen, mit dem Ziel das Dritte Reich zu gründen.

Nun beginnt eine beschwerliche Reise durch die Ukraine und Polen. Mitten zwischen den beiden Fronten versucht die Familie im Schutze der Nazis zu fliehen. Mit Ihnen ihre beiden kleinen Söhne Waldemar und Willi. Und Adeline‘s Mutter, sowie Schwester. Und Emil‘s Eltern und seine Schwester. Bepackt mit dem nötigsten reisen sie in der Pferdekutsche Richtung Westen. Was sie zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen, sie sollen das neue dritte Reich bilden. Sie werden in Polen in Häuser untergebracht, die vorher Juden gehörten. Sie tragen sogar ihre alten Klamotten. Adeline und Emil fühlen sich schrecklich bei dem Gedanken. Ihr Ziel ist es, so weit wie nur möglich nach Westen zu kommen, um weder von Stalin, noch von Hitler abhängig sein zu müssen. Beide Regierungen bieten nur Angst und Unterdrückung.

Ab Polen wird es nur schlimmer…

Auf dem Weg nach Polen erfährt Emil‘s Schwester einen bösen Unfall, denn sie fällt aus dem Zug und beide Beine müssen amputiert werden. Ein schwerer Schlag für die lebensfrohe Resi. Danach geht die Reise nur noch beschwerlich weiter. Emil trifft auf Sturmbannführer Haussmann, diesem ist er bereits schon einmal begegnet. Und weil Emil sich damals weigerte Juden zu erschießen, hat Herr Haussmann ihn und seine Familie nun im Visier. In Polen dann der große Schlag, Emil wird der Familie entrissen und wird in ein Arbeiterlager weit im Osten der Ukraine zurück gebracht.

Adeline und der Rest der Familie muss alleine weiter gehen. Emil‘s Eltern beschließen zurück in die Ukraine zu gehen, als es hieß, dass der Krieg kurz vor dem Ende stehen würde. Adeline hingegen möchte noch weiter in den Westen, sie hatte es Emil versprochen und er wollte sie finden im Westen. Sie landet schlussendlich in Berlin. Leider im östlichen Teil, wo die Sowjetunion das sagen hat und noch keine Alliierten eingedrungen sind. Wieder wird sie verhört, muss Aussagen über Nachbarn, Freunde und ihren Boss machen. Sie steht unter ständiger Beobachtung. Dem nicht genug, dürfen die sowjetischen Soldaten jeden Samstag deutsche Frauen vergewaltigen. Das erlaubt die Regierung als Wiedergutmachung für den Krieg. Für Adeline beginnt ein Spießrutenlauf.

Der Westen

Ich möchte das Ende natürlich nicht verraten. Nur so viel: die Familie Martel finden den Westen, zumindest der halbe Teil der gesamten Familie. Wie sie dort hin kommen und wer alles dabei sein wird, dass müsst ihr nun selbst erlesen. Es ist auf jeden Fall mit der spannendste Teil des Buches. Mark Sullivan trifft Waldemar und Willi später in den USA und von ihnen erfährt er die ganze Geschichte. Eine tragische Reise, die dennoch auch schöne Momente hatte. Adeline fand ich dabei unglaublich mutig, wie sie es ohne ihren Emil nach Berlin geschafft hat. Auch Emil ist ein bemerkenswerter Charakter in diesem Roman.

Adeline träumte davon, dass sie weit in den Westen flüchten und ein grünes Tal finden. Sie hat ein solches Tal auf einem Foto gesehen und seither ist das ihr persönliches Traumziel. Das Bild strahlt Frieden und Ruhe aus, mehr wünscht sie sich nicht für ihre Familie. In Montana werden sie schlussendlich fündig.

Meine eigene Meinung

Ein wirklich spannendes „Abenteuer“. Bewegen, traurig und manches Mal dennoch wunderschön. Die Liebe zwischen Adeline und Emil bringt einen wunderbaren Touch in die sonst so düstere Geschichte. Mich hat beeindruckt, dass es eine Geschichte auf wahren Begebenheiten ist. Man kennt mittlerweile viele Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg, aber jede einzelne ist es Wert erzählt zu werden, um daran zu erinnern wie schlecht die Menschheit sein kann. Schlimm ist nur, dass es nicht nur zu dieser Zeit schlechte Menschen gab, sondern auch heute noch. Wir haben leider nicht sehr viel gelernt. Dieses Buch auf jeden Fall mag ich sehr gerne empfehlen! Ich mag Mark Sullivan und seinen Schreibstil und der Roman ist wirklich sehr spannend. Ein tolles Jahresstart in Sachen Bücher für mich.

Selbst gekauft/ Tinte & Feder Verlag/ Auflage 2021/ 608 Seiten/ 9,99€

Ritchie Girl von Andreas Pflüger

Eines meiner letzten Bücher im Jahr 2021 war Ritchie Girl von Andreas Pflüger. Was sich zum Schluss als ein Highlight dargestellt hat. Ritchie Girl ist ein Roman aus einer Mischung Fiktion und Wirklichkeit, welches Situationen aus dem Ende des zweiten Weltkrieges beschreibt. Teilweise schwere Kosten, aber mit einem Funken Liebe und jede Menge Spannung.

Paula Bloom

Paula ist eine amerikanische Besatzungsoffizierin, die zu Beginn des zweiten Weltkrieges aus Deutschland geflüchtet ist. Sie ist in Amerika ins Ritchie Lager berufen worden. Dort lernte sie alles, was sie als Besatzungsoffizierin wissen musste. Danach zog sie quer durch Europa mit immer anderen Aufträgen. Sie hat den Krieg hautnah miterlebt. Zum Ende des zweiten Weltkrieges wird sie zurück nach Frankfurt versetzt. Dort arbeitet die US Army längst wieder mit den Nazis zusammen. Währenddessen unlängst in Nürnberg die hochrangigen Nazi Verbrecher verurteilt werden. Frankfurt sieht nach Ende des Krieges nicht mehr wie eine Stadt aus, eher wie eine komplette Ruinen Landschaft, was Paula sehr erschreckt.

Paula lernt in Ritchie ihren Kollegen Sam kennen. Er wird zu einem sehr guten Freund in Amerika und in Frankfurt gibt es endlich ein Wiedersehen. Sam hat mittlerweile Gefühle für Paula entwickelt und wartet Geduld, bis sie bereit ist. Denn Paula sucht ihren damaligen Freund, welcher bei den Nazis gelandet ist. Sie tut sich schwer, sich Sam gegenüber zu öffnen, obwohl sie ihn auch sehr mag. Sam ist ein guter Freund und vor allem ein Vertrauter, was in diesen Zeiten mit am wichtigsten war.

Johann Kupfer

Im US Army Lager in Frankfurt halten die Amerikaner Nazis gefangen, um diese auszufragen oder ggf. auch mit Ihnen zusammen zuarbeiten. Gegen die Russen versteht sich. Unter den Insassen befindet sich auch Johann Kupfer, er war angeblich der größte Spion des zweiten Weltkrieges. Ob das stimmt, dass muss Paula heraus finden. Doch Johann Kupfer hat noch ganz andere Wahrheiten für Paula im Gepäck, denn er kennt ihren Ex-Freund Georg Melzer. Doch was er ihr zu Georg zu berichten hat, wirft Paula aus der Bahn. Und auch die eigene Geschichte von Johann Kupfer ist tatsächlich sehr spannend. Außerdem kennt er auch Paulas Vater und auch dessen Vergangenheit hat seine Risse.

Meine eigene Meinung

Ich fand das Buch unglaublich spannend. Manche Teile dieser Geschichte sind tatsächlich so passiert, auch wenn die Namen der Protagonisten natürlich frei erfunden sind. Es ist erschreckend, wie mit angeblichen Verbrechern weiter zusammen gearbeitet wurde. Dieser Teil der Geschichte stimmt, denn dazu gab es Berichte. Auch der Spion Johann Kupfer, der übrigens Jude war, wurde genutzt, obwohl er zum verhassten Volk gehörte. Diese ganzen Hintergründe machen den zweiten Weltkrieg noch viel schlimmer, als er ohnehin schon war. Andreas Pflüger hat auf jeden Fall einen sehr spannenden Roman daraus gemacht und ich mochte seinen Schreibstil auch sehr gerne. Das Buch hatte ich nur durch Zufall bei einen anderen Blogger entdeckt und nun bin ich froh, dass ich es noch zum Abschluss von 2021 gelesen habe. Und: Ich liebe den roten Buchschnitt – vor allem weil die Farbe rot eine Bedeutung im Buch hat.

Selbst gekauft/ Suhrkamp Verlag/ Auflage 2021/ 463 Seiten/ 24,00€

Das Insel Weihnachtswunder von Janne Mommsen

Janne Mommsen gehört mittlerweile zu einem meiner Lieblingsautoren aus Deutschland. Als nun ein Weihnachtsbuch heraus kommt, welches wieder auf der tollen Insel spielt, konnte ich nicht umhin dieses zu lesen. Das Insel Weihnachtswunder ist perfekt, um mich auf Weihnachten einzustimmen.

Carola die Inselpastorin

Carola kennen wir bereits aus den anderen Büchern von Janne Mommsen. Sie ist die Inselpastorin. Bekannt wurde sie bereits in der kleinen Inselbuchhandlung, weil Carola dort erotische Romane kaufte, welche Greta immer für sie versteckt verkauft hatte. Ihr liegt Weihnachten sehr am Herzen, aber leider feiert sie meistens alleine. In diesem Jahr soll es anders sein, sie möchte ein Festmal an Heilig Abend organisieren mich allen einsamen Seelen der Insel.

Aber nicht nur ihr Heilig Abend ist in Planung, sondern auch der einer besonderen alten Frau auf der Nachbar Hallig Langeneß. Die Mutter von Torin ist sehr alt und es könnte sein, dass sie den heiligen Abend nicht mehr erlebt. Also bittet er Carola mitten im Dezember einen Heiligen Abend vorzuspielen. Sie reist also auf die Hallig und hält eine frühzeitige Messe für die Familie. Dabei funkt es ein wenig zwischen Carola und Torin. Auf dem Heimweg über das stürmische Meer geriet sie in schwere Wellen und kann dabei den Immobilienmakler Rick retten. Dieser verliert allerdings einen Koffer voll mit Geld. Rick ist nicht sonderlich beliebt auf der Insel, denn er verkauft die wenigen Häuser teuer an Feriengäste.

Torin und Carola finden das Geld und wollen damit etwas Gutes tun. Ein Weihnachtswunder sozusagen, aber sie tun es geheim. Es gibt das Gerücht auf der Insel, dass es einen Troll namens Nils Puk geben soll. Eine Sagengeschichte. Aber die beiden nutzen seinen Namen bei den Spenden. Eine Robbin Hood Geschichte sozusagen. Doch den wahren Helden wird Carola dann noch ernennen und dieser rettet vielleicht sogar ihr Weihnachtsfest. Und auch mit Torin passiert noch etwas in dem Buch, aber ich will Euch nicht den ganzen Inhalt verraten.

Meine eigene Meinung

Ich mag die Bücher von Janne Mommsen. In jedem Buch stellt er uns einen neuen Charakter vor. Alle sind bisher sehr liebenswürdig. Carola mochte ich aber fast am meisten. Ein wunderbares Buch zu Weihnachten – das perfekte Geschenk für die Feiertage. Danke an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar. Auf dem unteren Bild findet ihr meine bisherige Sammlung der Bücher, über die kleine Insel. Vielleicht sprechen sie Euch auch an.

Rezensionsexemplar/ Rowohlt Verlag/ Auflage 2021/ Gebundene Ausgabe/ 186 Seiten/ 18,00€

Das Flüstern der Feigenbäume von Elif Shafak

Ich habe dieses wunderbare Buch von Elif Shafak endlich beendet. Ich mag die Autorin sehr und musste dieses hier unbedingt lesen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass der Kein & Aber Verlag es mir geschickt hat. In den Büchern von Elif Shafak kann man immer etwas lernen, finde ich. In diesem hier kommt ihre Liebe zur Natur und zur Insel Zypern sehr gut heraus, was mich noch einmal mehr bewegt hat.

Das Flüstern der Feigenbäume

Die Geschichte beginnt in der Zukunft wo die kleine Ada seit einem Jahr mit ihrem Vater alleine in London lebt. Ihre Mutter ist gestorben und die beiden müssen alleine klar kommen. Ihr Vater ist Grieche und ihre Mutter war Türkin und Ada ist somit eine tolle Mischung. Ihre Familie stammt aus Zypern und die Schatten dieser Insel liegen immer noch über Ihnen. Auf Zypern waren beide Kulturen zerstritten und konnten irgendwann nur noch im Krieg enden. Eine schlimme Vergangenheit begleitet die Eltern in ihrem Geist.

Im Garten in London hat die Familie einen alten Feigenbaum stehen. Auch dieser meldet sich immer wieder zu Wort in diesem Buch. Durch den Feigenbaum ( übrigens weiblich in dem Buch ) erfahren wir sehr viele Geschichten im Hintergrund. Wir erfahren aber auch, wie wichtig einzelne Komponenten in der Natur zusammen spielen und wie wichtig jedes noch so kleine Lebewesen ist. Ich liebe diesen Teil in dem Buch, weil es nicht nur die Geschichte von Kostas und Defne erzählt, sondern auch eine Geschichte der Menschheit. Denn bei all dem Krieg, den wir Menschen führen, vergessen wir immer wieder, was wir der Natur antun. Die Autorin arbeitet das sehr gut heraus.

„…Keine Spezies ist dazu verpflichtet, eine andere zu mögen, das steht fest. Aber wenn man die höchste aller bisherigen und gegenwertigen Lebensformen zu sein behauptet – so wie es die Menschen tun – muss man sich doch mit den ältesten lebenden Organismen der Erde beschäftigen. Mit denen, die es viel länger gibt als einen selbst und die noch immer da sein werden, wenn man verschwunden ist.“

Ada

Die kleine Ada hatte bisher noch nicht viel ihrer eigenen Geschichte erfahren. Zu Hause sprach man selten von der Vergangenheit. Erst als ihre Tante aus Zypern zu Besuch kommt erfährt Ada einiges von ihrer Mutter. Defne konnte die Vergangenheit nie richtig verarbeiten. Sie lebte in Zypern zur Zeit der Kriege und hat gute Freunde verloren. Kostas wurde vor dem Krieg von seiner Familie aus dem Land geholt. Sie liebten sich schon früh und mussten dann aber einige Jahre getrennt verbringen. Erst nach vielen Jahren haben sie wieder zusammen gefunden. Defne war zu der Zeit schon stark Alkohol süchtig. Ada fand ihre Mutter irgendwann tot in der Wohnung und auch sie konnte es nur schwer verarbeiten. Vor allem, weil sie die Vergangenheit bis dahin nicht kannte.

Meine eigene Meinung

Wie schon eingangs erwähnt, mochte ich das Buch sehr. Ich finde die bewegende Familiengeschichte sehr spannend, aber auch den Bezug zur Natur. Ich hatte zuvor nicht gewusst, was sich auf Zypern abgespielt hatte. Umso mehr mag ich es, wenn ich noch etwas lernen darf. Elif Shafak hat einen tollen Schreibstill und das sie eingebaut hat, dass der Feigenbaum aus seiner Perspektive erzählen durfte, fand ich sehr raffiniert. Alles in Allem eine absolute Buchempfehlung. Danke an den Kein & Aber Verlag für dieses tolle Rezensionsexemplar.

Rezensionsexemplar/ Auflage 2021/ 496 Seiten/ Kein & Aber Verlag/ Gebundene Ausgabe/ 25,00€

Gesammelte Werke von Lydia Sandgren

Dieses Buch von der schwedischen Autorin Lydia Sandgren muss man, glaube ich, gelesen haben. Rund 900 Seiten schrecken zwar erst einmal ab, aber jede einzelne Seite lohnt sich. Gesammelte Werke ist ein über zehn Jahre entstandenes Buch mit sehr viel literarischem Wert. Ein so langes Buch, so zu gestalten, dass der Leser die Motivation nicht verliert, dass nenne ich große Kunst. Aber meine Meinung folgt ja eigentlich erst zum Schluss dieses Beitrages. Kann mich wieder nicht beherrschen.

Eine Geschichte über Freundschaft

Martin und Gustav kennen sich noch aus Schultagen und verbringen ihre Studienzeit zusammen. Sie kennen den anderen in und auswendig und durchleben gemeinsam alle möglichen Ereignisse. Besonders zusammen geschweißt hat die beiden ihre Zeit in Paris. Beide waren dort zum Auslandsstudium und diese Zeit bleibt unvergessen. Gustav ist der Künstler und Martin der Schreiber, das perfekte kreative Duo sozusagen. Gustav ist ansonsten zwar der gesellige Typ, aber privat lebt er lieber alleine für sich. Heiraten oder eine Familie gründen ist nichts sein. Zuweilen muss man sich eher Sorgen um Gustav machen, da er hin und wieder zu tief ins Glas schaut. Bei Martin sieht das schon anders aus. Martin ist der vernünftige der beiden Freunde.

Eines Tages begegnet er Cecilia und sie wird seine große Liebe. Doch auch Gustav hat gefallen an ihr und malt von da an immer wieder Gemälde von ihr. Gustav findet in dem Paar die besten Freunde. Auch wenn man sich über Monate mal nicht sieht, die Drei halten zusammen. Cecilia ist eine eher egoistische Person, so kommt sie zumindest rüber, sie ist auf ihre Arbeit oder ihr Studium fixiert und hat gerne ihre Ruhe. Zu viel familiäre Nähe engt sie ein. Nachdem Martin und sie ihr zweites Kind bekommen haben, wird ihr alles zu viel und Cecilia verschwindet spurlos ohne Erklärung. Sie lässt Mann und Kinder einfach im Stich.

Rakel

Die älteste Tochter Rakel ist eine Art Schlüsselrolle in diesem Buch, denn sie kommt ihrer Mutter als Einzige auf die Schliche. Durch einen deutschen Roman, welchen Sie übersetzen soll für den Verlag ihres Vaters, kommt Rakel auf die Spur von Cecilia. Rakel hat viel von ihrer Mutter geerbt, unter anderem die sprachlichen Talente. Von ihr hatte sie auch deutsch gelernt. Wie dieser Roman und ihre Mutter in Verbindung stehen findet Rakel nach und nach heraus und auch ihr Patenonkel Gustav spielt eine entscheidende Rolle in diesem Roman. Rakel ist eine starke weibliche Rolle. Sie musste lernen ohne Mutter aufzuwachsen. Sie hatte ihren Vater und ihren kleinen Bruder, aber durchkämpfen musste sie sich alleine und aus ihr ist eine talentierte, intelligente Person geworden.

Gesammelte Werke

Der Buchtitel passt so gut zum Protagonisten Martin, denn er sammelt auch über Jahre hinweg jede Menge begonnene Schriften, welche zu einem Roman werden sollen. Eigentlich wollte er kein Verleger werden, sondern Autor. Doch die Vernunft ließ ihn erst einmal einen Verlag mit seinem Kumpel Per gründen. An seinem Roman schreibt er im Prinzip sein ganzes Leben. Er nennt ihn Nachtsonaten und die meiste Zeit spielt er in Frankreich in Antibes. Auch er sammelt seine Werke und wenn ich es richtig verstanden habe, veröffentlicht er diese auch am Ende.

…. Aber die Sache ist doch: Wir Menschen erfinden ständig Geschichten, um unser Leben auf Abstand zu halten, vielleicht macht diese Scheinwelt unser Leben überhaupt erst erträglich. Die meisten von uns zensieren die Wirklichkeit und modellieren sie um. Das Gedächtnis ist trügerisch….

Meine persönliche Meinung

Ich habe sehr viele schöne Stellen markiert, da so viel poetisches enthalten war. Lydia Sandgren ist wirklich eine tolle Autorin und ich hoffe sie schreibt noch mehr solche Bücher. Gesammelte Werke könnte für meine Begriffe auch gut und gerne eine Fortsetzung vertragen. Mich würde total interessieren, ob die Familie wieder zusammen finden kann. Lydia Sandgren schafft auf jeden Fall ein Bild von tollen Freundschaften, großer Liebe, ein wenig Betrug und starken Charakteren. Ein wahrlich großartiger Roman, den ich unbedingt empfehlen mag. Traut Euch an diese 900 Seiten ran, denn jede einzelne lohnt sich sehr. Vielen Dank an den Mare Verlag für dieses tolle Exemplar. Wieder einmal ein Glücksgriff aus dem Indie Verlag.

Rezensionsexemplar/ Mare Verlag/ Auflage 2021/ 912 Seiten/ 28,00€

Der kleine rote Drache und der Prinz

Pünktlich zu neuen Karnevalssession habe ich ein wunderbares Kinderbuch für Euch im Programm. „Der kleine rote Drache und der Prinz“ von Brigitte Hintzen-Bohlen aus dem Bkb Verlag in Köln. Dieses Kinderbuch beinhaltet die Geschichte des kleinen roten Drachen und wie er jede Menge über den Karneval lernt. Für mich das perfekte Geschenk für groß und klein zum Start der Session oder zu Weihnachten. Leichter versteht man den Karneval bestimmt nicht mehr.

Der kleine rote Drache

Früher gab es in Köln eigentlich immer Drachen, doch die Menschen haben ihre Dienste nicht zu schätzen gewusst. So kam es, dass die Drachen sich unsichtbar machten und nur noch von Prinzen gesehen werden konnten. Der kleine rote Drache lebt ganz verborgen im Ülepooz an der Stadtmauer und erwacht durch grobes Hämmern. Er denkt, dass ihn keiner sehen kann, bis ein kleiner Junge vor ihm steht. Und der kann ihn sehen. Der kleine Tom ist nämlich Prinz Karneval und Prinzen können den kleinen Drachen ja schließlich sehen.

Es beginnt eine aufregende Reise durch Köln für den kleinen Drachen. Er lernt die Regeln im Fastelovend kennen und entdeckt sogar alte Bekannte wie das Gürzenich wieder. Die Gebäude standen nämlich schon zur Zeit der Drachen. Nach und nach lernt der Drache warum es ein Dreigestirn gibt, was eine Sitzung ist und warum es die roten und die blauen Funken gibt. Von Seite zu Seite wird der kleine rote Drache selber ganz jeck. Und zusammen mit dem Kinder Dreigestirn durchlebt er eine wunderbare Session.

Meine eigene Meinung

Ich liebe dieses Kinderbuch. Es wird auf einfach Weise der Karneval und alles drum herum erklärt. Im hinteren Teil des Buches werden sogar noch einmal Begrifflichkeit erklärt. Die Kleinen können so super viel lernen, verpackt in eine tolle Geschichte über Freundschaft. Gerade zur neuen Session ein gelungenes Buch. Vor allem muss man bedenken, dass der Brauchtum auch an die jüngere Generation weiter gegeben werden soll und so können viele Kinder schon die ersten Dinge spielerisch lernen. Ich finde es toll und die Illustrationen sind super süß. Ich freue mich auf Band 2. Denn das wird der kleine rote Drache erst richtig jeck.

Rezensionsexemplar / Bkb Verlag / Auflage 2021 / 19,95€