„Ist die Welt noch zu retten / Die Welt ist noch zu retten“ von Fabienne Schovenberg

Weltverbesserer gibt es viele und auch viele die meinen welche zu sein, aber es gibt auch die Stillen. Die Menschen, die etwas sehr gutes bewirken und sich dennoch nicht sicher sind, ob es ausreichen wird. Also sind sie still, um sich nicht schämen zu müssen. Totaler Quatsch, denn auch jeder kleine Schritt ist viel wert. Und dieses Buch „ Ist die Welt noch zu retten, die Welt ist noch zu retten“, beschreibt genau dieses Phänomen. Wir glauben schnell, dass wir nichts bewirken können, aber das stimmt nicht.

Auf der Suche nach Motivation beim Weltverbessern

Fabienne Schovenberg beschreibt zu Anfang des Buches, welche Erfahrungen sie selbst beim Weltverbessern gemacht hat. Sie beschreibt anschaulich und witzig, wie es ihr mit diversen Themen ging. Gerade dieser Anfang macht dieses Buch sehr sympathisch. Sie beschreibt in ihrem Buch, wie wichtig es ist, auch an die kleinen Dinge zu glauben. Wir Menschen neigen aber nunmal zum negativen Denken. Negative Gedanken bleiben irgendwie immer besser hängen, als die positiven. Deswegen sehen wir auch meistens alles erst einmal schwarz. Gerade das Thema Klimakrise scheint uns zu zerdrücken, weil wir glauben, dass wir nichts ausrichten können.

In dem Buch geht es darum, die Motivation wieder zu finden, um doch etwas zu bewegen. Es geht darum, das Problem nicht zu groß werden zu lassen. Was nicht heißt, dass der Klimawandel nicht schlimm oder verheerend sein kann. Sondern nur, das wir nicht das ganz große Problem sehen sollten, sondern die vielen kleinen Probleme. Kleinere Ziele stecken und einfach tun. Jeder, der etwas winziges tut, der hat schon etwas erreicht, nämlich, dass er/sie nicht nur zusieht, sondern aktiv wird. Dieses Buch zeigt einen Weg auf, um Probleme zu bewältigen und einfach anzufangen.

Aufbau des Buches

Das Buch ist unterteilt in: Hindernisse, Halbwissen, Überforderung und Wiedersprüche. Diese Unterteilung beschreibt den Weg raus aus den Hindernissen, hin zu etwas tun. Handeln. Das Buch kann helfen, um motiviert zu bleiben. Der Schreibstil ist super easy und toll zu lesen und die persönlichen Erfahrungen der Autorin bringt Authentizität rein. Jedes Kapitel ist begleitet von Wissenschaftlichen Zahlen oder Zitaten oder einfach Gedanken der Autorin. Eine tolle bunte Mischung. Aus der Menge meiner Post It‘s kann man erkennen, dass ich mir viele Punkte merken wollte. Die Gestaltung des Buches hat mir außerdem auch sehr gut gefallen. Tolle bunte Seiten und super dünn und praktisch.

Fabienne Schovenberg macht in dem Buch klar, dass Weltverbessern sehr oft, sehr schwer werden kann und hilft dennoch mit ihren Erklärungen die Motivation nicht zu verlieren. Es ist eine Message, dass wir alle zusammen etwas bewegen können. Es muss nicht gleich eine Riesen Bewegung, wie die von Greta Thunberg sein, aber es darf gerne auch eine kleine Idee sein. Weniger Fleisch essen hilft auch, zumindest ein wenig mehr, als ganz viel zu essen oder falsches Fleisch zu essen. Nicht jeder kann sofort Veganer werden, aber jeder kann versuchen etwas im Leben zu ändern. Diese Botschaft finde ich toll, denn darum geht es beim Thema Klimaschutz: Anfangen zu Handeln, egal wie groß oder klein, aber handeln!

Zitat aus dem Buch:

Die Absurdität unserer eigenen Existenz und von allen Dingen um uns herum erinnert uns daran, was wir alles in der Lage sind zu tun und was wir alles erreichen können.“

Ich könnte noch ganz viele tolle Zitate heraus suchen, aber ihr sollt das Buch ja noch lesen! Wer also ein bisschen Motivation beim verbessern der Welt sucht, der sollte es lesen. Die Botschaft ist klar, selbst beim informieren und lesen über das Thema könnt ihr was lernen. Und etwas bewegen. Und, in dem Fall sind die Tipps von Fabienne Schovenberg sogar gut für jede Lebenslage neben dem Weltverbessern.

Rezensionsexemplar/ VAS Verlag/ Taschenbuch/ Auflage 2020/ 169 Seiten/ 24,95€

1984 von George Orwell

In unserer Lesegruppe haben wir uns für dieses Jahr sehr viele Klassiker vorgenommen und daher kam George Orwell nun auch einmal dran. Ich persönlich hatte bisher nur „Die Farm der Tiere“ gelesen und war daher sehr gespannt auf 1984. Ich muss vorwegsagen, dass dieses Buch schon durchaus eine sehr harte Kost darstellt. Die Dystopie, welche George Orwell sich hier erschaffen hat nimmt den Leser eindeutig mit und beschäftigt den Geist nachhaltig.

Winston Smith & seine Umgebung

Winston ist die Hauptfigur in diesem Buch. Er ist 39 Jahre alt und schon sehr resigniert. Ist Mitglied der äußeren Partei von Ozeanien und arbeitet im Wahrheitsministerium als Büroangestellter. Er schreibt untere anderem Zeitungsberichte um, weil sich die Geschichte verändert hat. Die Partei kontrolliert alles und jeden über so genannte Telebildschirme. Man kann sich nicht frei bewegen oder frei sprechen oder sogar denken. Es gibt die Gedankenpolizei, welche sofort erkennt, wenn man den falschen Weg einschlägt. Winston Smith hat der Autor vom Namen Winston Churchill abgeleitet und hat diesen einfach mit Smith ersetzt (kleiner Funfact am Rande aus Wikipedia). Winston ist sich ziemlich sicher, dass die Partei die Vergangenheit immer wieder umschreibt. Er ist sich sicher, dass Ozeanien nicht schon immer mit Eurasien im Krieg war. Oder war es doch Ostasien?! So ganz sicher ist er nicht, aber er weiß, dass die Geschichte geändert wurde. Im Grunde zweifelt er an der Partei und dem großen Bruder, dem Oberhaupt des Staates.

George Orwell beschreibt eine sehr grausame Welt, wie wir sie schon in Filmen wie „Die Tribute von Panem“ oder „Die Bestimmung“ in der heutigen Zeit kennen. Ich vermute, dass diese Bücher/Filme von der Grundidee auf diesem Buch aufbauen, denn die Idee eines Überwachungsstaates ist sehr ähnlich. Und wenn man bedenkt, dass „Big Brother“ uns zeigt, dass so etwas tatsächlich möglich ist, gar nicht so abwegig. Nach meinen Recherchen beschreibt Orwell die Zeit um 1948 herum und hat nur die Daten vertauscht zu 1984 und er beschreibt ein wenig die Regierung Roosevelts. Zwar gab es keinen Überwachungsstaat in diesem Ausmaß, aber so ganz weit weg von der Realität war George Orwell damals nicht. Und auch heute findet man ähnliche Staatsprofile in unserer Welt.

Julia & die Gedankenpolizei

Winston lernt Julia kennen und stellt fest, dass auch sie das System nicht für gut befindet. Sie fügt sich zwar besser ein, als er, aber auch sie zweifelt an vielen Vorgehensweisen. Gemeinsam treffen sie sich heimlich zum Liebesspiel, denn Liebe zwischen Mann und Frau ist nicht erlaubt. Viele vor Ihnen sind dadurch der Gedankenpolizei zum Opfer gefallen. Diese Menschen wurden vaporisiert ( so nennt er es in diesem Buch ) diese Menschen hören einfach auf zu existieren. Lange geht das Versteckspiel gut, bis sie sich an O’Brien wenden. O’Brien so glaubt Winston, ist ein Verbündeter gegen die Partei. Sie suchen ihn auf, weil sie der geheimen Bruderschaft beitreten wollen, um die Partei und den Großen Bruder zu stürzen. O’Brien verspricht, dass er alles in die Wege leiten wird und das Julia und Winston der Bruderschaft beitreten können. Natürlich kommt am Ende alles anders. Julia und Winston landen im Ministerium für Liebe, welche nichts Gutes verheißen soll. Es gibt dort das Zimmer 101, ein Raum, in dem niemand rauskommt, als der, der er vorher war. Winston und Julia werden gefoltert und einer Gehirnwäsche unterzogen und sind danach völlig andere Menschen. Dies war der krasse Teil des Buches. Es klingt für jemanden der die deutsche Geschichte kennt, nach Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg oder danach. Ich denke, dass es auch da Zusammenhänge der Geschichte zu diesem Buch gab. Verhörtechniken und Folter waren auch im zweiten Weltkrieg nichts ungewöhnliches und auch Arbeiterlager ist uns allen ein Begriff. Umso mehr schockiert dieses Buch als Dystopie für das Jahr 1984, was für George Orwell in diesem Fall noch in der Zukunft lag. Am Ende des Buches ist Winston ein großer Fan der Partei und denkt, er wurde geheilt…

Ein Auszug aus dem Buch, der mich ganz gut gefallen hat:

„….Die Proleten ( Prolls ), so fiel ihm plötzlich ein, hatten sich diesem Zustand bewahrt. Sie waren nicht einer Partei, einem Land oder einer Idee treu, sie waren einander treu. Zum ersten Mal in seinem Leben verachtete er die Prolls nicht und betrachtete sie nicht nur als eine träge Kraft, die eines Tages zum Leben erwachen wird und die Welt erneuern würde. Die Prolls waren menschlich geblieben…“

Die Prolls übrigens waren die Arbeiterklassen. Sie gehörten nicht der Partei an und hatten auch keine große Bildung genossen. Sie durften weiter leben wie zuvor, zwar arm und mit Rationierungen, aber zumindest in Freiheit und ohne große Gesetze und Vorschriften. Wenn man es in den Buch liest, waren es ganz normale Menschen mit einem Job, aber auch auf der Straße lebende Menschen.

Meine eigene Meinung

Wie bereits erwähnt, fand ich dieses Buch wirklich teilweise grausam. Ich habe allerdings viele solche Geschichten schon einmal gelesen, mit dem Unterschied, dass dieses wahre Geschichten waren und keine Dystopien. George Orwell schafft es immer wieder Fantasie und Realität miteinander zu verbinden. Seine Geschichten haben auch immer einen Anteil Wahrheit. Er benutzt geschichtliche Geschehnisse und Namen und formt sie um und löst damit eine gewisse Panik in den Menschen aus. Literarisch eine Meisterleistung. Auch wenn das Buch sehr düster ist, finde ich es dennoch sehr gut. „Farm der Tiere“ fand ich nicht weniger grausam, aber auch genauso gut, denn der Autor ist wirklich großartig. Und leider verfasst er nicht immer nur reine Fantasie. In der Lesegruppe haben wir uns durchaus schwer getan mit dem Buch, aber ich bin froh es gelesen zu haben.

Selbst gekauft/ Nikol/Neuübersetzung 2021/ Gebundene Ausgabe/ 400 Seiten/ 7,95€

„Die Frau von Früher„ von Liane Moriarty

Ich habe zum ersten Mal ein Buch von Liane Moriarty gelesen und muss mich wundern, dass ich zuvor noch nichts von der Autorin gelesen hatte. „Die Frau von früher“ war also nun mein erstes Buch von ihr und ich kann sagen, dass ich noch mehr lesen werde. Eine Geschichte über eine neue Beziehung und wie die Ex-Freundin des neuen Angebeteten als Stalkerin der Hauptdarstellerin das Leben schwer macht. Eine Geschichte über Liebe, Verlust und Freundschaft verpackt in einen dicken, spannenden Schmöker.

Ellen & Patrick

Ellen ist frisch verliebt. Die Hypnotherapeutin wohnt und arbeitet direkt am Meer im Haus ihrer Großeltern, welches sie geerbt hat. Sie ist erfolgreich, selbstbewusst und witzig. Patrick lerne sie im Online Dating kennen und die beiden verlieben sich prompt. Mit ihm ist endlich alles perfekt und Ellen kann sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen. Patrick hat einen Sohn namens Jack, dieser entstammt der Ehe mit Colleen, seine verstorbene Exfrau. Nach ein paar Treffen und Zukunftsplänen erzählt Patrick seiner Ellen, dass er von seiner Ex-Freundin Saskia gestalked wird. Mit ihr war er nach dem Tod seiner Frau zusammen und sie konnte die Trennung nicht überwinden. Für Patrick kam diese Beziehung allerdings zu früh und deshalb trennte er sich von Saskia. Ellen findet es am Anfang spannend, dass Patrick und sie eine Stalkerin haben. Sie interessierte sich für die Beweggründe der anderen Frau. Wahrscheinlich ein Berufsrisiko als Hypnotherapeutin. Was Ellen zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht weiß, sie kennt Saskia bereits, und zwar unter dem Namen Deborah. Denn Deborah war eine neue Patientin und sie ahnt nicht, dass es sich um die Stalkerin handelt.

Als Ellen schwanger wird dreht Saskia förmlich durch und traut sich noch näher an das Paar heran und Patrick wird von Mal zu Mal angespannter, selbst sein Antrag an Ellen wird von Saskia gestört. Jack bekommt von all dem zum Glück zu Beginn gar nichts mit und wundert sich auch nicht, wenn Saskia versteckt immer seine Trainings und Spiele beobachtet. Neben dem Problem mit der Stalkerin hat Ellen auch noch das Problem, dass Patrick seit sie über Hochzeit und Baby sprechen immer wieder seine Ex-Frau erwähnt. Bei klassischen Schwangerschaftsproblemen vergleicht er diese immer wieder mit Colleen und Ellen fühlt sich zusehends unwohl in der Beziehung und als es dann auch noch zum Showdown mit Saskia kommt, droht das Familienglück kurzfristig zu wackeln.

Saskia

Mit Saskia schafft die Autorin eine Protagonistin, die auf der einen Seite verwundert, aber auch irgendwie sehr sympathisch rüberkommt. Ich persönlich habe mehrfach Mitleid mit Saskia gehabt und mochte sie daher als Charakter in diesem Buch super gerne. Saskia war damals neu nach Sydney gezogen, als sie Patrick kennen lernte. Es war für sie Liebe auf den ersten Blick, als die beiden sich auf einer Konferenz in Noosa kennen lernten. In der Beziehung war Saskia wie eine neue Mutter für Jack, sie kümmerte sich super um ihn und hat auch den ganzen Haushalt geschmissen. Für sie war alles perfekt, daher war sie auch einfach nur geschockt, als Patrick sich getrennt hatte. Sie konnte diese Trennung nicht verarbeiten, vor allem, weil kurz zuvor ihre Mutter gestorben war. Saskia hatte vor Patrick Freundinnen und eine Mutter und nach der Trennung stand sie ziemlich allein da. Freundschaften hatte sie keine geschlossen, weil sie sich aufopferungsvoll um Jack gekümmert hatte. Nach und nach entwickelt sich Saskia zu einer Stalkerin und extremer wird es, als Patrick auf einmal Ellen kennen lernt. Für Saskia bricht eine Welt zusammen. 

Es ist zwar erschreckend, zu was Stalker fähig sind, aber irgendwie konnte ich Saskia in diesem Buch auch verstehen. Sie hatte alles geopfert für diese Familie und bekam am Ende eine Trennung. Auch der Tod der Mutter hat sie schwer getroffen, sodass es nicht verwunderlich war, dass sie mit der Situation nicht klarkam. Am Ende wird es aber auch für Saskia in diesem Buch ein Happy End geben. Zwar anders als erwartet und mit einem schlimmen Zusammentreffen der Protagonisten, aber es hat mich gefreut, dass die Autorin auch für diesen Charakter ein tolles Ende gefunden hat.

Ein Auszug aus dem Buch, welcher mir gut gefallen hat:

Saskia’s Gedanken: „Da geht sie, die verrückte alte Hexe, mit ausgestreckten Klauenhänden hinkt sie ihrem schmerzfreiem Leben hinterher und versucht verzweifelt, ihre Krallen hineinzuschlagen und es zurückzuholen.“

Meine eigene Meinung

Liane Moriarty hat einen klasse Schreibstil. Obwohl das Buch echt nicht dünn war, konnte ich es ganz flüssig durchlesen und fand es zu keinem Zeitpunkt unspannend. Die Charaktere waren super gezeichnet und es machte Spaß dieses Buch zu lesen. Ich hatte mir dieses Buch gekauft und Gott sei Dank auch noch ein weiteres von ihr, dieses werde ich nun auch sehr schnell lesen wollen. Ich finde es auch immer gut, wenn Autoren die Spannung komplett halten können und der Leser nicht abschweifen kann. Und das schafft Liane Moriarty sehr gut.

Selbst gekauft/ Taschenbuch/ Diana Verlag/ Auflage April 2022/ 576 Seiten/ 11,00€

Hell strahlt die Dunkelheit von Ethan Hawke

Wenn ein oscarnominierter Schauspieler seinen zweiten Roman schreibt, man noch nie von ihm gehört hat und man dennoch sehr begeistert ist. So erging es mir mit „Hell strahlt die Dunkelheit“. Ethan Hawke habe ich zwar schon mal als Schauspieler gehört, aber als Schriftsteller noch nie. Ich muss sagen, seinen Schreibstil mag ich sehr und seine ehrlichen, unverblümten Worte noch viel mehr. „Hell strahlt die Dunkelheit“ war ein Spontankauf und ich bereue rein garnichts!

Hell strahlt die Dunkelheit

William Harding ist 32 Jahre alt und weltberühmt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Glücklich ist diese Ehe nicht, weswegen er auch einen Fehltritt wagt. Allerdings bleibt in der Promiwelt nichts im Geheimen und die Affäre kommt ans Licht. Natürlich kommt es ans Licht, dass der liebe Schauspieler aus all den tollen Filmen auf einmal der Bösewicht ist. Der Mann ist in dem Fall immer der Böse, egal was im Vorfeld gewesen ist. Ich will nicht sagen, dass ich es gut finde, aber im Laufe des Buches versteht man den Protagonisten William Harding sehr gut. Eigentlich starten William gerade seine Karriere am Broadway in einem Shakespeare Stück und möchte sich voll und ganz auf die Proben konzentrieren. Doch nun steckt er in einer Ehekriese, muss sich um seine Kinder kümmern und versucht jedem weiteren Skandal aus dem Weg zu gehen.

William hat einen interessanten Charakter. Er ist nicht immer der Saubermann, aber jemand mit vielen Stärken und tiefen Gefühlen. Er wird als großartiger Schauspieler beschrieben und seine Ängste und Sorgen sind fast greifbar. Ich denke gerade in der Öffentlichkeit wird vieles viel schlimmer ausgeschlachtet als im geheimen Leben eines Unbekannten. Und wenn man sich eigentlich auf seine Karriere konzentrieren will und jeder aber nur noch den Bösen in einem sieht, dann ist das eine schwierige Phase im Leben eines Schauspielers. Genau dieses Gefühl und diese Erfahrungen schreibt Ethan Hawke perfekt heraus, man kann als Leser mitfühlen und man entwickelt Sympathie für den Protagonisten. Und, was man nicht vergessen darf, es ist eine wunderbare Beschreibung des Theaters, denn Ethan Hawke nimmt uns auch noch mit hinter die Kulissen des Broadways. Ich weiß nicht, ob das Buch autobiografische Züge hat, aber ich könnte mir es gut vorstellen. Zumindest in Teilen ist es bestimmt ein wenig Erfahrung.

Meine Liebe zu diesen beiden Menschen war leicht, unkompliziert und endlos wie die Liebe zu Wasser, Sternen, Licht, Atmen und Nahrung. Die Ehe hatte für mich nicht gepasst, Elternschaft dagegen ein spontaner erfreulicher Reflex.

William erlebt in diesem Buch viele Höhen und Tiefen, aber die Liebe zum Theater bleibt am Ende. Auch dort wird er von einer Schauspielkollegin verführt und auch dort erlebt er, dass er nicht immer der Gute sein kann, aber er kann seiner Leidenschaft freien Lauf lassen und seine Erfahrungen auf und hinter der Bühne machen großen Spaß zu lesen. Man kann erleben, wie tief William mit dem Schauspiel verbunden ist und mit welcher großartigen Leidenschaft er am Theater spielen kann. Man konnte sich vorstellen, dass er seine Rolle super gespielt haben muss.

Meine eigene Meinung

Ich mochte dieses Buch sehr. Es ist unkompliziert und leicht geschrieben, aber hat dennoch den nötigen Tiefgang, um daraus einen hervorragenden Roman zu machen. Ich mag es sowieso, wenn Autoren/Autorinnen ehrlich schreiben und auch klare, verständliche Worte benutzen. Ich mag es nicht, wenn um den heißen Brei herumgeredet wird. Menschliche Abgründe bleiben nun mal menschliche Abgründe. Noch zu erwähnen ist, dass ich die Cover Gestaltung sehr cool finde. Eines meiner liebsten Cover im Regal, muss ich sagen.

Ein weiterer toller Auszug aus dem Buch:

Die Welt kann denken, was sie will. Sie können dich zum Versager erklären. Sie können einen scharlachroten Buchstaben auf deine Brust nähen und dich einen Schuft und Scharlatan nennen. Leise Stimmen können an jeder Ecke abschätzig über dich murmeln und tuscheln. Sie können dich hassen und darüber in Radio-Talkshows plappern, während die ganze Nation zuhört. Und trotzdem können sie alle verdammt danebenliegen.

Selbst gekauft/ KiWi Verlag/ Gebundene Auflage/ Auflage 2021/ 336 Seiten/ 23,00€

Menschen im Hotel von Vicki Baum

In unserer Buddyread Gruppe lesen wir momentan überwiegend klassische Literatur und da der Kiwi Verlag die Bücher von Vicki Baum in einer tollen Taschenbuch Ausgabe neu aufgelegt hatte, konnten wir nicht umhin, dieses Buch zu lesen. Menschen im Hotel haben wir alle drei zum ersten Mal gelesen und ich für meinen Teil hatte auch noch nie etwas von Vicki Baum gelesen. Dementsprechend hatten wir eine ganz große Erwartungshaltung an dieses Buch.

Menschen im Hotel

Im Grand Hotel in Berlin in den zwanziger Jahren treffen eine Handvoll Menschen aufeinander und keiner verlässt das Hotel am Ende so, wie er es betreten hatte. Vicki Baum beschreibt den Aufenthalt von fünf verschiedenen Hauptpersonen und wie sie im Hotel aufeinandertreffen und sich ihre Geschichten verstricken. Bis auf zwei Personen kannten sich die Gäste des Hotels vorher nicht und auch diese zwei Personen hatten sich vorher noch nie gesehen. Umso witziger ist die Tatsache, dass alle Geschichten sich irgendwie verstricken werden. Sie alle reisen allein, aus unterschiedlichen Gründen und ich würde behaupten, dass auch alle fünf in irgendeiner Form einsam sind und eine Gesellschaft dringend benötigen.

Eine der Personen ist die alternde Ballerina Grusinskaja. Sie hatte ihre Bühnen Erfolge und ist auch stadtbekannt, aber so langsam kommt sie in die Jahre. Aus Frust und aus Furcht vor Niederlagen kontrolliert sie ihr ganzes Ensemble und treibt alle um sie herum in den Wahnsinn. Ihre Vertrauten glauben weiterhin an ihren späten Erfolg und stehen ihr bei, dennoch ist sie ziemlich allein. Eines Nachts wird bei ihr im Hotelzimmer versucht einzubrechen. Baron Gaigern, ein anderer Hotelgast braucht dringend Geld und versucht ihre Perlen zu stehlen. Doch bei dem Versuch über die Balkone zu klettern kann er nicht rechtzeitig flüchten und wird von der Grusinskaja auf frischer Tat ertappt. Natürlich kann sich der feine Baron herausreden und eine wilde Nacht beginnt. Als er merkt, wie fertig mit den Nerven die Tänzerin ist, nimmt er sich ihrer an und umsorgt sie die ganze Nacht. Die Perlen vergisst er darüber hinaus völlig und eine kleine Liebesgeschichte beginnt. Diesen Teil des Buches mochte ich wirklich sehr, denn beide Charaktere waren wunderbar gezeichnet und die Story war witzig und unterhaltsam.

Auch interessant fand ich den Protagonisten Dr. Otternschlag. Er war ein einsamer Mann, der ganz allein reiste und auch offensichtlich keine Freunde hatte. Er fragte jeden Tag den Portier, ob den Post oder ein Anruf für ihn gekommen sei. Leider war dieses nie der Fall. Im Laufe der Tage im Grand Hotel begegnete er dem Herrn Kringelein, ein Mann, dem der Tod vorausgesagt wurde. Sie freundeten sich an und wollten sich zusammentreffen, doch leider kam auch hier Baron Gaigern dem Dr. Otternschlag zuvor und so verlor er auch diesen Freund. Dr. Otternschlaf hatte die These aufgestellt, dass kein Gast das Hotel durch die Drehtüre verlässt, wie er hineingekommen ist. So als ob diese Drehtür jedes Leben verändern würde. Diese Metapher fand ich großartig, denn im Prinzip ist jedes Leben wie diese Drehtür, denn es gibt keinen Stillstand, es verändert sich immer etwas.

Meine eigene Meinung

Natürlich könnte ich Euch noch mehr von den einzelnen Protagonisten erzählen, aber dann müsstet ihr dieses Buch nicht mehr lesen und das wäre wohl auch schade. Tatsächlich tat ich mich sehr schwer mit diesem Roman. Er hatte gute Szenen, aber auch lange Strecken. Zumindest ist das meine Meinung und im Buddyread kam diese Meinung auch ein wenig raus. Was ich allerdings sehr mochte, waren die Beschreibungen der Charaktere. Jeder von Ihnen war irgendwie spannend. Der eine sympathischer als der andere, aber alle spannend. Vicki Baum konnte also richtig gut Personen zeichnen und diese miteinander verbinden. Die Geschichte des Hotels an sich fand ich auch gut gewählt und auch die Botschaft dahinter hat überzeugt. Kein einfaches Buch für mich, aber dennoch mochte ich es irgendwie. Ich würde vielleicht keine fünf Sterne vergeben, weil es mich nicht komplett umgehauen hat, aber zumindest eine gute drei bis vier Sterne Bewertung hätte es schon verdient.

Hier ein Auszug aus dem Buch, welchen ich sehr nett fand:

Es ist eine dumme Fabel, dass Hotelstubenmädchen durch die Schlüssellöcher schauen. Hotelstubenmädchen haben gar kein Interesse an den Leuten, die hinter den Schlüssellöchern wohnen. Hotelstubenmädchen haben viel zu tun und sind angestrengt und müde und alle ein wenig resigniert, und sie sind vollauf beschäftigt mit ihren eigenen Angelegenheiten…

Selbst gekauft/ Kiwi Verlag/ Taschenbuch/ Auflage 2007/ 336 Seiten/ 12,00€

Ein Haus für viele Sommer von Axel Hacke

Ein Buch, wie ein kleiner Sommerurlaub. Ein Haus für viele Sommer nimmt den Leser mit auf eine wunderbare Reise in den Süden. Man kann den Sand unter den Füßen fühlen und man kann die frischen Zitronen riechen und das Meeresrauschen fast schon hören. Axel Hacke ist für mich ein großartiger Autor, der ganz oft den richtigen Nerv trifft und gerade in den schwierigen Zeiten in diesem Jahr entführt er uns an einen Traum Ort. Er selbst sagte in einem Interview, dass man in der Scheußlichkeit der Realität auch etwas zum Träumen benötigt. Man muss dem Alltag auch einmal entfliehen können und genau das passiert mir beim Lesen und bei diesem Buch ganz besonders.

Ein Haus für viele Sommer

Jedes Jahr fahren sie auf diese Insel und irgendwann kaufen sie ein Haus. Kein intaktes Haus, eher einen für die Region typischen Turm, aber es wird der Rückzugsort aus dem Alltag. Auf der Insel Elba werden Träume war. Tatsächlich hatte ich am Anfang des Buches keine Ahnung, wo und welche Insel es ist, die dort beschrieben wurde. Ich hatte sogar kurz an Sardinien gedacht, weil mich vieles in den Erzählungen an diese wunderschöne Insel erinnert. Nun es stellte sich heraus, dass es um Elba ging, auch ein sehr schöner Ort für so eine tolle Geschichte. 

Axel Hacke begegnet auf diese Insel ganz unterschiedlichenMenschen und beschreibt unterschiedliche Situationen. Man merkt, dass es nicht nur ein Urlaub ist, sondern ein Kennenlernen. Ein sich mit der Umgebung vertraut machen. Er taucht tief hinein in diese Umgebung und fühlt sich in die Insel hinein, er wird ein Teil von ihr. Gerade wenn man jedes Jahr ein gleiches Urlaubsziel hat, kann man das sehr gut nachvollziehen. Und wenn man dann auch noch ein Haus kauft, dann ist das eine Entscheidung für ein Leben. Man verändert sich selbst damit und das strahlt dieses Buch aus. Beim Lesen wandern man durch die Straßen des Dorfes und entdeckt mit Axel Hacke zusammen diese Insel. Es gibt lustige Momente, aber auch traurige, aber einfach sehr viele schöne Momente.

Einer meiner Lieblingsauszüge aus dem Buch:

Es war ja eine Zeit, in der es noch etwas zu entdecken gab in der Welt, eine Zeit des Aufbruchs, eine andere Zeit als heute, in der es nur noch ums Bewahren geht und um das Retten. Damals kamen die Leute mit der alten und immer neuen Sehnsucht nach etwas Wahrem, nicht Verfälschtem in ihrem Koffer, und hier öffneten sie diesen Koffer und packten die Sehnsucht aus…

Meine eigene Meinung

Ein kleines, feines Buch für den Sommer und vor allem ein Buch zum entfliehen aus dem Alltag. Wie bereits erwähnt, mag ich Axel Hacke sehr gerne, da er auch eine klare Sicht auf diese Welt hat. Immer wieder inspirierend von ihm zu lesen.

Selbst gekauft/ Gebundene Ausgabe/ Antje Kunstmann Verlag/ Auflage 2022/ 256 Seiten/ 24,00€

Ambivalenz von Amélie Nothomb

Die Autorin, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Amélie Nothomb hat keine Angst die Protagonisten so richtig auseinander zu nehmen und ihnen menschliche Abgründe zu verpassen. Großartig!

Claude

Claude verführt seine Dominique in vollen Zügen. Champagner, teures Parfüm und schöne Worte und schon ist Dominique hin und weg. Nach nur ein paar Tagen Dating macht er ihr einen Antrag und sie nimmt auch noch an. Sie geht mit ihm nach Paris, weil er dort gute Job Chancen hat und zusammen beginnen sie ein neues Leben. Doch Claude wird immer komischer, abweisend irgendwie. Dennoch möchte er ein Kind mit ihr und ist ganz erbost, das es nicht auf Anhieb klappt.

Als Épicène geboren wird, kann er das Mädchen noch nicht einmal ansehen, so sehr hasst er dieses Kind. Für Dominique unbegreiflich. Die Jahre ziehen dahin, das Kind wird zum Teenager und der Ehemann entzieht sich jeglicher Familienverantwortung. Doch eines Tages soll Dominique in der Schule von Épicène eine Mutter suchen, denn Sie ist die Frau seines Geschäftspartners und Dominique soll sich mit ihr anfreunden. Erstaunlicherweise befreundet sie sich auch mit Reine, ohne zu ahnen welche Vergangenheit Claude und Reine haben. Eine Vergangenheit die bald 20 Jahre zurück liegt.

Dominique erfährt wer ihr Ehemann wirklich ist und ergreift die Flucht. Zurück ins Dorf zu ihren Eltern. Zurück zu normalen Menschen, raus aus dem reichen Viertel in Paris. Sowohl sie, als auch ihre Tochter leben viel lieber bodenständiger. Die Wahrheit war also wie ein Befreiungsschlag. Gerade für Épicène ist es eine gute Zeit, denn auch sie hasst ihren Vater und kann ihm nicht verzeihen. Sie ist sowieso ein sehr spannender Charakter in diesem Buch.

Meine Meinung

Ich liebe Amélie Nothomb! Sie hat einen großartigen Schreibstil. Und auch wenn dieses Buch mit knapp über 100 Seiten auskommt, ist jede davon unglaublich gut. Nothomb beschreibt meistens kritische Themen, Themen die sonst nicht ausgesprochen werden oder übertritt Grenzen. Doch würde sie es nicht tun, wäre sie nicht so brillant. Ich möchte diese Autorin also wirklich wärmstens Empfehlen. Jedes Buch von ihr war bisher einfach super gut! Danke an den Diogenes Verlag.

Rezensionsexemplar/ Gebundene Auflage/ Auflage 2022/ 128 Seiten/ 20€

„In den Wäldern der Biber“ von Franziska Fischer

Nach einer langen Leseflaute hat mich dieses Buch wieder zurück zur Leseratte geholt. Dieses tolle Buch hat es geschafft mich wieder zu begeistern. Eine recht einfache Geschichte, aber mit sehr viel Liebe und Naturverbundenheit. Ich denke das Buch kam für mich zur richtigen Zeit. „In den Wäldern der Biber“ hat so etwas leichtes und doch ergreifendes und die Beschreibungen der Natur sind einfach wunderbar. Man merkt, die Autorin mag die Natur sehr.

Alina‘s Flucht aus Frankfurt

Alina hat sich gerade frisch von ihrem Freund Fabian getrennt. Sie haben in Frankfurt in der Wohnung seiner Eltern gewohnt. Alina und Fabian hatten anscheinend von Anfang an verschiedene Vorstellungen vom Leben und ein Beziehungsende kam eigentlich viel zu spät. Hals über Kopf verlässt Alina Frankfurt und reist nach Norden zu ihrem Großvater. Ihn hat sie seit über 10 Jahren nicht mehr gesehen, weil die Familie den Kontakt abgebrochen hat. Nach dem Tod von Alina‘s Vater, hat ihre Mutter den Kontakt zu seinen Eltern einfach abgebrochen. Alina weiß also auf ihrer Reise noch nicht, ob der Großvater sie überhaupt empfangen wird.

Durch den Umstand, dass ihr Opa vor Jahren umgezogen ist, landet Alina zunächst im alten Haus ihrer Großeltern und trifft auf Isabel, Elias und Mia. Isabel und Elias haben früher immer die Sommerferien dort verbracht und kennen Alina daher schon lange. Isabel hat inzwischen eine Tochter: Mia. Die allerdings, ist zunächst sehr schüchtern und geht Alina aus dem Weg. Elias weckt hingegen nette Erinnerungen. Während der Zeit bei ihrem Opa kommen sich alle auf unterschiedliche Weise wieder Nahe. Und natürlich nimmt der Großvater die Enkelin gerne vorübergehend bei sich auf.

Es gibt Momente, die sich in die Ewigkeit erstrecken. Die schon Erinnerungen sind, während man sie lebt, weil man spürt, wie sie an einem Tag in der fernen Zukunft zupfen, einem Tag, an dem man an diesen Moment zurückdenkt. Vielleicht glücklich, vielleicht nostalgisch, vielleicht traurig. Ich nicke diesem Zukunfts-Ich zu, auch wenn es mich nicht sehen kann. Alles wird gut, denke ich.

Die Wälder und die Biber

Alina‘s Opa beobachtet Biber. Er forscht richtig über sie und erklärt Alina alles über die Biber und über den Wald. Er geht mehrere Stunden am Tag im Wald spazieren und sortiert seine Gedanken. Eine wunderbare Vorstellung, wenn ihr mich fragt. Beim Lesen ist mir auch bewusst geworden, dass ich noch nie einen Biber gesehen habe. Alina und ihr Großvater kommen sich so wieder näher und werden unzertrennbar. Doch Alina muss immer noch eine Entscheidung treffen, bleibt sie in der Natur bei ihrem Großvater und Elias oder geht sie zurück nach Frankfurt und sortiert ihr Leben neu. Einen neuen Job braucht sie tatsächlich auch noch, denn diesen hatte sie bei ihrer Flucht aus Frankfurt auch einfach gekündigt.

Alina hat eine relativ fremde Beziehung zu ihrer Mutter. Sie hat einen neuen Mann und vergisst darüber anscheinend die Pflichten Mutter zu sein. Am Ende, muss ich gestehen, kommt mir das Thema ein wenig zu kurz, denn man weiß nicht, ob sie sich mit ihrer Mutter aussprechen wird oder nicht. Das fand ich etwas schade. Gibt dem Buch aber nicht weniger Zuspruch.

Meine eigene Meinung

Ich mochte das Buch sehr. Ich kann gut nachvollziehen, dass es jemanden mehr in die Natur als in die Großstadt zieht. Beides hat Vorteile, aber zum durchatmen ist ein Wald natürlich sehr viel besser geeignet. Mir gefiel besonders gut auch der Charakter Elias. Er hat sich für seine Schwester geopfert und sein Leben für sie und Mia neu sortiert. Er war ein super sympathischer Protagonist. Alles in Allem: Super, tolles Buch. Franziska Fischer kannte ich bisher nicht und mag ihren Schreibstil aber sehr. Übrigens liebe ich dieses Cover, vor allem weil grün meine Lieblingsfarbe ist. 💚

Selbst gekauft/ Dumont Buchverlag/ Gebundene Auflage/ Auflage 2022/ 219 Seiten/ 22,00€

Das Glück riecht nach Sommer von Meike Werkmeister

Ich habe in dieser Woche das erste Buch von Meike Werkmeister gelesen und offenbar hatte ich in der Vergangenheit einiges verpasst. Dieses Buch beschreibt nicht nur den Sommer, es holt einem auch den Sommer nach Hause. Eine leichte, sonnige Lektüre. Ihre bisherigen Bücher müssen nun auf jeden Fall mit mir durch den Sommer ziehen. Daran führt wohl kein Weg vorbei. Jetzt aber erst einmal zu „Das Glück riecht nach Sommer“.

Ina in Hamburg

Ina kommt eigentlich vom Meer aus der Nähe von St.-Peter-Ording ( ich liebe diesen Ort übrigens ). Sie hatte den Traum Kinderärztin zu werden, aber auf dem Land kann man sich nicht immer aussuchen, welche Stelle gerade frei ist. Geblendet von einem Mann bleibt sie aber an der See und verliert kostbare Jahre. Nachdem aus der großen Liebe nichts geworden ist, zieht es sie doch nach Hamburg und sie bewirbt sich auf der Inneren einer renommierten Hamburger Klinik. Doch trifft sie allerdings auf Tim, in ihn hatte sie sich bereits als Praktikantin verguckt und er ist mittlerweile verheiratet, wenn auch unglücklich. Eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle beginnt und ob das alles mit ihrer Bewerbung so passt, wird sich auch noch zeigen, denn Tim wäre dann ihr Chef.

Ina hofft bei ihrer Freundin Filiz unter zu kommen, diese wohnt in einer WG. Jedoch die die Mädels neben Filiz nicht ganz so begeistert und sie können Ina nur die Gartenlaube anbieten. Was besseres hätte Ina gar nicht passieren können, im Sommer ist es in den Lauben direkt am Alsterfleet wunderschön und Ina lernt jede Menge super interessante Leute kennen. Neben Tim taucht auch noch Sebastian auf. Sie kennt ihn vom Nachbarhof ihrer Eltern und trifft ihn nun in Hamburg. Sebastian verliebt sich in sie. Und Ina? Sie ist irgendwie ziemlich verwirrt. Auch bei den Freundinnen geht es heiß her und jede von Ihnen findet in diesem Buch irgendwie ihren eigenen Weg. Und es entsteht nebenbei eine wunderbare Freundschaft.

Das Glück riecht nach Sommer

Das schöne an solchen Romanen ist, dass es meistens ein Happy End gibt. Man weiß irgendwie, das es gut ausgehen muss. Daher mag ich solche Bücher im Sommer besonders gerne. Ina findet am Ende ihr Glück und auch ihre berufliche Bestimmung. Aber der Weg dahin ist alles andere als einfach. Es gerät erst einmal viel durcheinander bevor es in die richtige Richtung geht. Im Job und vor allem auch in der Liebe. In diesem Roman gab es neben Ina aber super viele andere tolle Charaktere. Meike Werkmeister ist in meinen Augen sehr gut im Zeichnen von Charakteren. Viele von Ihnen mochte ich sehr.

Meine eigene Meinung

Ich mochte das Buch sehr. Ina war als Protagonistin sehr überzeugend, ich konnte mich super mit ihr identifizieren- sowas mag ich immer. Meike Werkmeister hat einen sehr angenehmen Schreibstil und zum Glück habe ich über Instagram auch ihre anderen drei Bücher von einer Bloggerin geschickt bekommen. Ich werde diese also nun in diesem Sommer alle lesen. Ich kann das Buch empfehlen, wenn man eine locker leichte Lektüre braucht. Gerade im Sommer mag ich sowas gerne. Also, wer noch ein Urlaubsbuch braucht, hat es nun gefunden. Auf dem unteren Bild findet ihr übrigens ihre bisherigen Romane.

Rezensionsexemplar/ Goldmann Verlag/ Taschenbuch/ April 2022/ 11,00€

Tage in Sorrent von Andrea & Dirk Liesemer

Tage in Sorrent erzählt uns eine kleine Geschichte über Friedrich Nietzsche. Nicht alles in dem Buch ist genau so passiert, aber vieles deckt sich mit Aufzeichnungen seiner Zeit aus dem Jahr 1876. Die Autoren haben natürlich ein paar Personen und Beschreibungen fiktiv ergänzt, aber es gibt ein grobes Bild von Friedrich Nietzsche ab. Dazu wurde in diesem Buch das tolle Reiseziel Sorrent in Süditalien wunderbar beschrieben. Dieses Buch macht Lust auf Literatur, Zitronen und Sonne pur.

Eine Reise in den Süden

Friedrich Nietzsche beschließt mit Anfang dreißig in den Süden Italiens zu reisen und die Einladung der Schriftstellerin Malwida von Meysenbug anzunehmen, bei ihr zu wohnen. Zusammen mit dem Philosophen Paul Ree und dem Studenten Albert Brenner wollen die vier eine tolle Zeit im Süden verbringen. Friedrich Nietzsche erhofft sich, dass sich seine Gesundheit bessern kann, bei den warmen Temperaturen. Er leidet an bösen Kopfschmerzen, ich vermute heutzutage würde man Migräne sagen, und an Angstzuständen. Nach seinen „Anfällen“ muss er mehrere Tage im Bett bleiben und es dunkel haben. Im Süden hofft er geheilt zu werden, zumal er auf seinen Job als Professor auch wenig Lust hatte. Und zusammen wollen sie außerdem eine Akademie gründen.

Auch seine Wegbegleiter sind nicht gesund, vor allem der Student Brenner nicht. Er ist viel zu mager und nimmt auch einfach nicht zu. Auch er ist in den Dreißigern. Tatsächlich überrascht mich das jedes Mal auf‘s Neue, wenn ich lese wie früh damals die Menschen schwere Krankheiten hatten. Mir sind solche Tatsachen bereits in mehreren Büchern/Klassikern begegnet, dass man im 19ten Jahrhundert offenbar mit dreißig bereits schwer erkrankt sein konnte. Die Medizin war eben noch nicht so weit. Aber auch hier wirkt ein Friedrich Nietzsche mit Anfang dreißig super gebrechlich und alt, zumal auch das Verhalten sehr altklug wirkt in dem Buch.

In der Zeit in Sorrent und auf der Reise passieren so einige Dinge. Die Herren verlieben sich, müssen los lassen und verpassen teilweise Chancen. Aus der Idee mit der Akademie wird nichts und alles was bleibt, ist ein tolles Jahr in Sorrent. Die Zeit haben sie genossen. Sie haben die Umgebung erkundet, haben gut gegessen, haben jede Menge philosophiert und das Leben genossen. Aber leider konnten die Herren ihre Gesundheit nicht aufpeppeln. Die spannendste Figur war tatsächlich Malwida von Meysenbug. Sie war beträchtlich älter als die drei Jungen und sah sich auch eher als Mutter der drei. Sie hatte das Bedürfnis ihnen zu helfen und fühlte sich ohne den Besuch auch schrecklich Einsam. Sie tat mir irgendwie leid.

Meine eigene Meinung

Ich liebe Bücher aus dem Mare Verlag. Bisher hatte ich immer Glück bei meiner Auswahl. Tage in Sorrent ist eine tolle Geschichte, um sie mit in den Urlaub zu nehmen. Durch die Beschreibungen des italienischen Südens kommt man nicht umhin, sich in die Ferne zu träumen. Friedrich Nietzsche ist eine sehr interessante Persönlichkeit, wenn auch manchmal mit komischen Denkweisen. Er selbst beschrieb sich als „Freigeist“ , was heute nicht immer etwas positives assoziiert. Damals gab es aber viele Männer dieser Sorte. Auch wenn es viel Fiktion war, fand ich es dennoch sehr lesenswert in seine Welt einzutauchen. Danke für das tolle Exemplar an den Mare Verlag.

Rezensionsexemplar/ Mare Verlag/ Auflage 2022/ 254 Seiten/ 23€