Das Glück riecht nach Sommer von Meike Werkmeister

Ich habe in dieser Woche das erste Buch von Meike Werkmeister gelesen und offenbar hatte ich in der Vergangenheit einiges verpasst. Dieses Buch beschreibt nicht nur den Sommer, es holt einem auch den Sommer nach Hause. Eine leichte, sonnige Lektüre. Ihre bisherigen Bücher müssen nun auf jeden Fall mit mir durch den Sommer ziehen. Daran führt wohl kein Weg vorbei. Jetzt aber erst einmal zu „Das Glück riecht nach Sommer“.

Ina in Hamburg

Ina kommt eigentlich vom Meer aus der Nähe von St.-Peter-Ording ( ich liebe diesen Ort übrigens ). Sie hatte den Traum Kinderärztin zu werden, aber auf dem Land kann man sich nicht immer aussuchen, welche Stelle gerade frei ist. Geblendet von einem Mann bleibt sie aber an der See und verliert kostbare Jahre. Nachdem aus der großen Liebe nichts geworden ist, zieht es sie doch nach Hamburg und sie bewirbt sich auf der Inneren einer renommierten Hamburger Klinik. Doch trifft sie allerdings auf Tim, in ihn hatte sie sich bereits als Praktikantin verguckt und er ist mittlerweile verheiratet, wenn auch unglücklich. Eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle beginnt und ob das alles mit ihrer Bewerbung so passt, wird sich auch noch zeigen, denn Tim wäre dann ihr Chef.

Ina hofft bei ihrer Freundin Filiz unter zu kommen, diese wohnt in einer WG. Jedoch die die Mädels neben Filiz nicht ganz so begeistert und sie können Ina nur die Gartenlaube anbieten. Was besseres hätte Ina gar nicht passieren können, im Sommer ist es in den Lauben direkt am Alsterfleet wunderschön und Ina lernt jede Menge super interessante Leute kennen. Neben Tim taucht auch noch Sebastian auf. Sie kennt ihn vom Nachbarhof ihrer Eltern und trifft ihn nun in Hamburg. Sebastian verliebt sich in sie. Und Ina? Sie ist irgendwie ziemlich verwirrt. Auch bei den Freundinnen geht es heiß her und jede von Ihnen findet in diesem Buch irgendwie ihren eigenen Weg. Und es entsteht nebenbei eine wunderbare Freundschaft.

Das Glück riecht nach Sommer

Das schöne an solchen Romanen ist, dass es meistens ein Happy End gibt. Man weiß irgendwie, das es gut ausgehen muss. Daher mag ich solche Bücher im Sommer besonders gerne. Ina findet am Ende ihr Glück und auch ihre berufliche Bestimmung. Aber der Weg dahin ist alles andere als einfach. Es gerät erst einmal viel durcheinander bevor es in die richtige Richtung geht. Im Job und vor allem auch in der Liebe. In diesem Roman gab es neben Ina aber super viele andere tolle Charaktere. Meike Werkmeister ist in meinen Augen sehr gut im Zeichnen von Charakteren. Viele von Ihnen mochte ich sehr.

Meine eigene Meinung

Ich mochte das Buch sehr. Ina war als Protagonistin sehr überzeugend, ich konnte mich super mit ihr identifizieren- sowas mag ich immer. Meike Werkmeister hat einen sehr angenehmen Schreibstil und zum Glück habe ich über Instagram auch ihre anderen drei Bücher von einer Bloggerin geschickt bekommen. Ich werde diese also nun in diesem Sommer alle lesen. Ich kann das Buch empfehlen, wenn man eine locker leichte Lektüre braucht. Gerade im Sommer mag ich sowas gerne. Also, wer noch ein Urlaubsbuch braucht, hat es nun gefunden. Auf dem unteren Bild findet ihr übrigens ihre bisherigen Romane.

Rezensionsexemplar/ Goldmann Verlag/ Taschenbuch/ April 2022/ 11,00€

Der große Fehler – Jonathan Lee

Puh…was für ein Buch. Neben der kleinen Kriminalgeschichte ist dies auch eine kleine Biografie von Andrew Haswell Green. Mr. Green hat unteranderem den Central Park und die New York Public Library geplant. Er war ein bekannter und angesehener Mann in New York, wenn auch etwas zurück gezogen. Er hatte von Anfang an einen Plan für diese tolle Stadt und hat sie auch mit vielen wunderbaren Dingen bereichert.

Andrew Haswell Green

Andrew kam vom Land. Er ist in einer Farmerfamilie aufgewachsen und kannte nur dieses eine Leben. Seine Mutter ist tot und sein Vater braucht Geld, also beschließt Andrew nach New York zu gehen, um Geld zu verdienen. Er arbeitet mit Gelegenheitsjobs und schickt das Geld nach Hause. Er ist ein bescheidener Mann, aber er merkt, dass er auch mehr kann. Er möchte ein echter New Yorker Gentleman werden und beginnt Bücher zu lesen. Dabei fällt ihm auf, dass es keine öffentliche Bibliothek in New York gibt – ein Gedanke wird später zum Plan.

Auf seinem Weg lernt er den Anwalt und späteren Präsidentschaftskandidaten Samuel Tilden kennen. Beide mögen sich und freunden sich an. Wenn ich es richtig heraus gelesen habe, dann ist Samuel etwas älter als Andrew und fasziniert diesen aber sehr. Es nimmt für mich die Züge an, als würde Andrew Samuel tatsächlich sogar ein wenig lieben. Damals sprach man noch nicht über das „schwul“ sein, aber ich denke man würde es heute so bezeichnen.

Als Andrew Haswell Green in New York doch vorerst scheiterte zog es ihn nach Trinidad. Er half dort auf den Feldern und gab Unterricht an einer selbst gebauten Schule. Er musste hart arbeiten, verdiente aber sehr viel und konnte dieses Geld nach Hause schicken. Leider kommt es in Trinidad zu einem unschönen Vorfall mit seinem Chef, sodass Andrew doch wieder zurück nach New York kehrt, zurück zu Samuel und dann auch sein Geschäftspartner wird.

Der Mord

Der eigentliche Mord ist eine Verwechslung. Wie sie zu Stande kommt, möchte ich hier natürlich nicht verraten, denn ihr sollt das Buch ja noch lesen. Aber es spielt eine gewisse Bessie Davis eine Rolle. Sie war eine der ersten und erfolgreichsten farbigen Prostituierten des Landes und in New York Stadtbekannt. Damals war es noch die Zeit, wo farbige Menschen sehr diskriminiert worden sind und wo niemand wissen durfte das man zu einer Prostituierten ging, gleich welcher Hautfarbe. Bessie Davis hat allerdings auch eine sehr spannende Geschichte und laut Google gab es sie wirklich.

Eine weitere Rolle spielt der Kommissar McClusky. Er versucht den Mord aufzuklären, was ihm auch gelingt, doch auch er landet bei Bessie Davis. Und außerdem gibt es da noch die freundliche Haushälterin von Andrew – Miss Bray. Auch sie ist nicht ganz unspannend in der Geschichte.

Meine eigene Meinung

Ich liebe Geschichten aus New York! Punkt. 🙂 Natürlich konnte mich dieses Buch zu 100% überzeugen. Ich mag es sehr, wenn geschichtliche Hintergründe ein Buch stützen und manches an der Geschichte wahr ist. Natürlich hat der Autor auch ein paar Lücken gefüllt, denn die Tagebücher aus welchen er seine Daten zog, hatten diese Lücken eben auch. Ich mochte außerdem den Schreibstil von Jonathan Lee sehr. Man flog quasi durch die Geschichte und wollte die Seiten sofort verschlingen. Ich habe natürlich danach noch ein wenig weiter über Andrew Haswell Green recherchiert, denn das Buch hat mich noch neugieriger gemacht. Großartig, wenn ein Buch dazu motiviert weiter zu forschen. Danke an den Diogenes Verlag, dass ich dieses tolle Exemplar lesen durfte. Es ist eines meiner Highlights für 2022.

Rezensionsexemplar/ Diogenes Verlag/ Auflage 2022/ Taschenbuch/ 381 Seiten/ ca. 24€

Tage in Sorrent von Andrea & Dirk Liesemer

Tage in Sorrent erzählt uns eine kleine Geschichte über Friedrich Nietzsche. Nicht alles in dem Buch ist genau so passiert, aber vieles deckt sich mit Aufzeichnungen seiner Zeit aus dem Jahr 1876. Die Autoren haben natürlich ein paar Personen und Beschreibungen fiktiv ergänzt, aber es gibt ein grobes Bild von Friedrich Nietzsche ab. Dazu wurde in diesem Buch das tolle Reiseziel Sorrent in Süditalien wunderbar beschrieben. Dieses Buch macht Lust auf Literatur, Zitronen und Sonne pur.

Eine Reise in den Süden

Friedrich Nietzsche beschließt mit Anfang dreißig in den Süden Italiens zu reisen und die Einladung der Schriftstellerin Malwida von Meysenbug anzunehmen, bei ihr zu wohnen. Zusammen mit dem Philosophen Paul Ree und dem Studenten Albert Brenner wollen die vier eine tolle Zeit im Süden verbringen. Friedrich Nietzsche erhofft sich, dass sich seine Gesundheit bessern kann, bei den warmen Temperaturen. Er leidet an bösen Kopfschmerzen, ich vermute heutzutage würde man Migräne sagen, und an Angstzuständen. Nach seinen „Anfällen“ muss er mehrere Tage im Bett bleiben und es dunkel haben. Im Süden hofft er geheilt zu werden, zumal er auf seinen Job als Professor auch wenig Lust hatte. Und zusammen wollen sie außerdem eine Akademie gründen.

Auch seine Wegbegleiter sind nicht gesund, vor allem der Student Brenner nicht. Er ist viel zu mager und nimmt auch einfach nicht zu. Auch er ist in den Dreißigern. Tatsächlich überrascht mich das jedes Mal auf‘s Neue, wenn ich lese wie früh damals die Menschen schwere Krankheiten hatten. Mir sind solche Tatsachen bereits in mehreren Büchern/Klassikern begegnet, dass man im 19ten Jahrhundert offenbar mit dreißig bereits schwer erkrankt sein konnte. Die Medizin war eben noch nicht so weit. Aber auch hier wirkt ein Friedrich Nietzsche mit Anfang dreißig super gebrechlich und alt, zumal auch das Verhalten sehr altklug wirkt in dem Buch.

In der Zeit in Sorrent und auf der Reise passieren so einige Dinge. Die Herren verlieben sich, müssen los lassen und verpassen teilweise Chancen. Aus der Idee mit der Akademie wird nichts und alles was bleibt, ist ein tolles Jahr in Sorrent. Die Zeit haben sie genossen. Sie haben die Umgebung erkundet, haben gut gegessen, haben jede Menge philosophiert und das Leben genossen. Aber leider konnten die Herren ihre Gesundheit nicht aufpeppeln. Die spannendste Figur war tatsächlich Malwida von Meysenbug. Sie war beträchtlich älter als die drei Jungen und sah sich auch eher als Mutter der drei. Sie hatte das Bedürfnis ihnen zu helfen und fühlte sich ohne den Besuch auch schrecklich Einsam. Sie tat mir irgendwie leid.

Meine eigene Meinung

Ich liebe Bücher aus dem Mare Verlag. Bisher hatte ich immer Glück bei meiner Auswahl. Tage in Sorrent ist eine tolle Geschichte, um sie mit in den Urlaub zu nehmen. Durch die Beschreibungen des italienischen Südens kommt man nicht umhin, sich in die Ferne zu träumen. Friedrich Nietzsche ist eine sehr interessante Persönlichkeit, wenn auch manchmal mit komischen Denkweisen. Er selbst beschrieb sich als „Freigeist“ , was heute nicht immer etwas positives assoziiert. Damals gab es aber viele Männer dieser Sorte. Auch wenn es viel Fiktion war, fand ich es dennoch sehr lesenswert in seine Welt einzutauchen. Danke für das tolle Exemplar an den Mare Verlag.

Rezensionsexemplar/ Mare Verlag/ Auflage 2022/ 254 Seiten/ 23€

Ich, Ellyn von Nell Leyshon

Ich, Ellyn ist wieder ein Buch von Nell Leyshon das nachträglich zu wirken vermag. Nach „Die Farbe von Milch“ und „Der Wald“ ist Ich, Ellyn wirklich wieder sehr großartig geschrieben. Nell Leyshon bewegt jeden Leser*in und schafft es trotz schwieriger Sprache etwas tolles zu gestalten.

Ellyn

Ellyn wächst in armen Verhältnissen auf. Sie muss zu Hause viel mit arbeiten, Felder bestellen, im Haushalt helfen. Sie haben nicht viel Geld und ihr Bruder ärgert sich ständig und fügt ihr Schmerzen zu. Ellyn ist überglücklich, denn sie hat eine kleine Schwester bekommen: Baby Agnes. Sie liebt ihre Schwester abgöttisch. Doch da ihr Vater ein gebrochenes Bein hat und die Mutter auch das Baby versorgen muss, müssen Ellyn und ihr Bruder viel arbeiten und Ellyn hat selten Zeit die kleine Agnes zu bewundern.

Ellyn hat eine Gabe- sie kann wunderschön singen. Dieses stellt sie eines Tages fest. Sie verirrt sich in eine Kirche, hört den Gesang, singt es nach und ist selbst verwundert, wie gut sie es kann. Ihr Talent bleibt auch nicht unentdeckt, denn eines Tages kommen Männer auf den Hof. Sie suchen Sänger für die Königin. Doch leider suchen sie nur Jungen. Mädchen sind nicht gewünscht. Einige Tage nach dem Besuch beschließt Ellyn sich die Haare zu schneiden und sich als Jungen auszugeben. Als John begibt sie sich zur Gesangsschule für Jungen. Oder besser gesagt einer Art Internat für Jungen.

Junge oder Mädchen?!

Einfach ist ihre Reise nicht. Sie trifft auf nette Jungs aber auch auf schlechte Jungs. Sie hat Fürsprecher, aber auch Neider. Sie muss aufpassen nicht aufzufallen und ein großes Manko: sie kann kaum richtiges Deutsch. Dieses wird ihr auf der Schule endlich beigebracht. Das Buch ist auch so aufgebaut, in der Ich Perspektive, dass die Sprache von Seite zu Seite besser wird. Ähnliches Vorgehen konnten wir auch bei „Die Farbe von Milch“ bewundern. Während der ganzen Tage im Internat hört Ellyn natürlich nicht auf an Baby Agnes zu denken, sie will der kleinen Schwester beweisen, dass Frauen auch mehr leisten können.

Nachdem Ellyn / John fast vergewaltigt wird von einem anderen Jungen, der scheinbar andere Jungen mag, offenbart sie ihr wahres Gesicht. Sie wird raus geschmissen, aber sie ist stolz auf sich. Sie konnte lernen, dass sie alles sein kann, was sie will. Frauen können alles sein, sogar eine Königin. Dieses will sie der kleinen Agnes unbedingt beibringen. Sie möchte ihr zeigen, dass man alles schaffen kann, wenn man an sich glaubt und Mut hat. Die Geschichte spielt in England im Jahr 1573, damals war von Frauenrechte noch gar keine Sprache und solche Mädchen wurden wahrscheinlich immer mit Vorsicht beobachtet. Umso mutiger scheint Ellyn zu sein.

Meine eigene Meinung

Ich mag die Bücher von Nell Leyshon sehr. Ich muss gestehen, dass ich immer schwer in die Sprache hinein komme. Umso weiter die Geschichte geht, umso einfacher wird es zum Glück. Ihre Geschichte haben aber immer eine besondere Botschaft im Gepäck. Und ich liebe bei jedem der drei Bücher die Covergestaltung sehr. Und, ich liebe die gezeichneten Charaktere in den Büchern. Nell Leyshon Bücher bekommen bei mir immer fünf Sterne, dieses hier natürlich auch.

Rezensionsexemplar/ Eisele Verlag/ Auflage 2022/ 223 Seiten/ 22€

Abschiedsgeschenk von Sarah Hölzl

Welch kleines Büchlein mit so viel Inhalt. In dem schmalen Buch von 127 Seiten verarbeitet Sarah Hölzl den Tod ihrer geliebten Oma. Abschiedsgeschenk ist im wahrsten Sinne ein Geschenk, welches sie ihrer Oma schreibt. Auch für jeden Leser*in ein Geschenk, denn es öffnet einem einen neuen Blickwinkel.

Der Abschied

Sarah und ihre Großmutter wollten dieses Buch eigentlich gemeinsam schreiben, denn das Schreiben hatte sie von dem schlimmen Krebs ferngehalten. Sie wollten nicht an die Krankheit denken, sondern an das gemeinsame Buch. Leider starb ihre Großmutter Lola bevor das Buch fertig war. Sarah brauchte dann eine ganze Weile, um sich zu überwinden das Buch zu beenden. Letztendlich war es ja ein Gemeinschaftsprojekt, aber nun als Abschiedsgeschenk wog dieses leichte Büchlein doch so viel mehr.

Sarah und Lola hatten ein tolles Verhältnis. Eine klassische Enkeltochter-Oma-Beziehung wie aus dem Bilderbuch. Ich kenne sowas leider nicht, aber es hört sich wunderbar an. Grundsätzlich ist es immer schwer einen lieben Menschen gehen zu lassen, aber bei besonderen Menschen fällt es noch schwerer. Sarah verarbeitet aber in diesem Buch ein wenig den Tod und nimmt die geschenkte Zeit mit ihrer Oma an. Sie lernt, dass ein Abschied auch schöne Erinnerungen hinterlässt.

Meine eigene Meinung

Das Buch ist aufgebaut wie eine Art Gedichtband, Geschehenes wird in kurzen Texten verpackt, dieses war zunächst ungewöhnlich, aber auch sehr nett. Ich finde die Idee toll, dass Sarah dieses Buch zu Ende schreibt und ihrer Großmutter widmet. Ich hoffe es verkauft sich super oft, einfach nur, weil es so rührend schön ist. Ich mochte dieses Buch sehr und freue mich das ich es lesen durfte. Ich wünsche Sarah alles Gute & viele tolle Erinnerungen an eine wunderbare Oma. Mehr möchte ich zu diesem kleinen, feinen Buch gar nichts sagen, denn es würde zu viel Inhalt verraten. Es hat es verdient gelesen zu werden – unbedingt!

Rezensionsexemplar/ Eisele Verlag/ Auflage 2022/ 127 Seiten

„Die Paradiese von Gestern“ Mario Schneider

Heute nehme ich Euch mit nach Bordeaux und Paris, denn dieses Buch entführt dich nach Frankreich. „Die Paradiese von Gestern“ ist eine wunderbare Liebesgeschichte und irgendwie auch eine Suche nach einem selbst. Ich mag es ja persönlich sehr, wenn die Protagonisten in einem Buch auf der Suche nach sich selbst sind. Meistens stecken dann spannende Geschichten hinter den Personen. So ist es auch hier. Auf der einen Seite haben wir ein verliebtes Pärchen aus der DDR, die kurz nach der Wende nach Frankreich reisen und wir haben Charlotte de Violet und ihren Diener Vincent, welche ein altes Hotel an einem Weingut gelegen betreiben. Das Hotel hat allerdings die besten Jahre hinter sich, sodass Rene und Ella die letzten Gäste sein werden.

Rene und Ella

Das verliebte Paar aus der DDR reist zum ersten Mal in ein anderes Land. Bevor sie am Hotel ankommen, haben sie schon ein paar wunderbare Orte in Frankreich gesehen. Im Hotel von Charlotte landen sie eher zufällig und doch ist es ihr Schicksal in diesem Chateau zu stranden. Auch wenn beide sehr verliebt sind, so erleben sie doch zum ersten Mal was Freiheit bedeutet. Und Freiheit heißt auch, dass man sich selbst in einem neuen Licht sehen kann. Sie erfahren in diesem Buch, wie die Menschen außerhalb der DDR bisher gelebt haben. Gerade Rene erfährt durch den Sohn des Hauses De Violet eine Menge von Paris, denn Alain nimmt ihn mit in die Welt der Schönen und Reichen. Der Kapitalismus war beiden bisher eher fremd gewesen. Sowohl Ella als auch Rene lernen sich selbst besser kennen und das ein paar Tage getrennt von einander. Ella bleibt im Chateau und verbringt viel Zeit mit Vincent und Rene reist mit Alain nach Paris. Getrennt voneinander finden sie zu sich selbst und lernen, was Liebe für jeden einzelnen bedeutet.

Charlotte und Vincent

Charlotte de Violet ist in dem Schlosshotel aufgewachsen, ihre Familie betreibt seit Generationen dieses Weingebiet. Die Weinberge allerdings gibt es seit dem Krieg nicht mehr und das Hotel, welches sie mit ihrem Mann nach dem Krieg aufgebaut hatte, hat auch schon mal bessere Tage gesehen. Vincent ist ihr Diener und eigentlich aber auch ihre geheime Liebe. Ihr Ex-Mann fühlte sich immer unwohl in dem Hotel und hat sie eines Tages verlassen. Seither leben Charlotte und Vincent alleine in dem großen Schloss und leisten sich Gesellschaft. Gäste kamen schon einige Jahre nicht mehr so richtig, das junge Paar ist ein Highlight zum Abschluss des Hotels. Es soll geschlossen werden und gerade Charlotte fällt es schwer sich damit abzufinden. Sie kann sich nicht vorstellen, alleine zu wohnen und nicht mehr in ihren geliebten Gemäuern. Weiterhin gibt es auch noch ein großes Missverständnis mit ihrem Sohn Alain. Bei einem gemeinsamen Diner kommt es zum Streit und die Suche nach jedem selbst beginnt.

Bei beiden Beziehungen merkt man, dass die eigenen Wünsche oftmals die Wünsche der gemeinsamen Zukunft überblenden. Gerade auch bei Ella und Charlotte. Beide Frauen sind sich sehr ähnlich. Sie suchen beide das vollkommene Glück, beide haben Angst vor zu wenig Veränderung und beide kennen sich irgendwie selbst nicht richtig. Bei Charlotte und Vincent ist die Zeit ein wenig abgelaufen, aber bei Rene und Ella gibt es noch Hoffnung. Ich denke allerdings, auch wenn es eine fiktive Geschichte ist, dass beide sich irgendwann trennen werden. Beide sind in meinen Augen doch zu unterschiedlich.

Meine eigene Meinung

Ich mochte das Buch sehr. Mario Schneider hat einen sehr angenehmen Schreibstil. An manchen Stellen war es mir zu lang und die Handlung etwas zäh. Ich mochte allerdings die Atmosphäre und vor allem die Beschreibungen von Bordeaux und Paris. Frankreich konnte man im ganzen Buch spüren und ein wenig Urlaubsfeeling kam auf. Die Charaktere waren alle super gezeichnet, besonders Vincent mochte ich sehr. Er tat mir in dem Buch auch am meisten Leid, denn er liebte Charlotte über Jahrzehnte hinweg im Stillen und diese Liebe bliebt bis auf Weiteres auch unerfüllt. Das fand ich bewegend, vor allem weil Vincent anscheinend ein sehr netter Mann war. Es war mein erstes Buch aus dem Mitteldeutschen Verlag und ich mochte es wirklich sehr und werde wohl noch mehr Bücher aus diesem Verlag lesen müssen! Vielen Dank für das Rezensionsexemplar. Würde ich Sterne vergeben müssen, wären es 4 von 5, aber den Abzug gibt es auch nur für die Länge des Buches. Ein paar Seiten weniger hätten der Geschichte nicht wehgetan. Aber ich bleibe dabei: Ich mag es sehr.

Rezensionsexemplar/ Mitteldeutscher Verlag/ Auflage 2022/ 552 Seiten/ 28€

Panda Tage von James Gould-Bourn

Diese ergreifende und zugleich witzige Lektüre hat mich wirklich begeistert. Ich würde zu Anfang direkt sagen, dass Panda Tage ein Buch für meine Highlights 2022 werden wird. Ein super bezaubernde Vater-Sohn Geschichte, mit viel Humor und dennoch sehr viel traurigen Momenten. Ich hatte im Vorfeld bereits viel positives gelesen darüber, aber selten glaube ich einem Internet Hype bei Büchern, in diesem Fall würde ich gerne den Hype wieder aufleben lassen wollen.

Der Panda Tanz

Danny Malooley ist Witwer und muss sich seit dem Tod seiner Frau alleine um seinen Sohn Will kümmern. Will hat allerdings seit dem Tod der Mutter aufgehört zu sprechen. Ich hat einfach keine Worte mehr übrig und mit seinem Vater hatte er sowieso nie so ein gutes Verhältnis wie zu seiner Mutter. Danny arbeitet als Bauarbeiter, doch leider wird er kurzer Hand gekündigt. Sein Vermieter sitzt ihm aber auch im Nacken und dieser ist keiner der netten Sorte, sondern eher der Typ Vermieter, der einem Schläger auf den Hals hetzt, wenn man keine Miete zahlt. Danny hat einen ganz wunderbaren Freund und Kollegen: Ivan. Ivan kommt aus der Ukraine ( sehr passend für den Moment, wie ich gerade merke ) und ist ein herzensguter Freund. Er kümmert sich um Danny und backt ihm sogar immer heimlich einen Kuchen. Er sagt seine Frau backt ihn, aber in Wahrheit backt der den Kuchen immer selbst für Danny. Er ist für ihn da und steht ihm zur Seite. Ivan war einer meiner Lieblingsprotagonisten in diesem Buch, muss ich gestehen. Auch bei dem Vermieter kann Ivan ein wenig nützlich sein.

Kommen wir zu Will. Er wird in der Schule immer gemobbt, vor allem weil er nicht sprechen möchte. Auch seine Lehrer kommen nicht an ihn heran. Er hat eigentlich nur einen richtigen Freund. Er kann den Tod der Mutter nicht verarbeiten und sein Vater ist ständig nur am Arbeiten. Mit seiner Mutter hatte er Gemeinsamkeiten, und mit Danny eben nicht so. Als er eines Tages im Park einen Panda Bären trifft, beginnt er Vertrauen zu gewinnen und beginnt auch wieder zu sprechen. Er vertraut sich dem Panda Bären an, ohne zu ahnen, dass dies sein eigener Vater ist. Denn Danny hat aus verzweifelter Jobsuche heraus ein Panda Kostüm gekauft und tanzt im Park für ein paar Münzen am Tag. Im Park lernt Danny dann auch Krystel kennen. Eine Tänzerin aus einem Nachtclub. Diese bittet er um Hilfe, um tolle Tanzmoves zu lernen. Er möchte an einem Tanzwettbewerb für Straßenkünstler teilnehmen, wo man 10.000€ gewinnen kann. Krystel hilft ihm und es entwickelt sich eine weitere Freundschaft für Danny.

„Wir kommen als ein hässlicher kleiner Klumpen Nichts heraus, und dann gibt uns das Leben Farbe und gestaltet uns zu verschiedenen Formen und Größen, bis wir schließlich werden, wer wir sind.“

Meine eigene Meinung

Ich liebe Geschichten mit Happy End und ich mag Familiendramen, alles findet man in diesem Buch. Es ist an vielen Stellen wirklich witzig und an vielen Stellen ergreifend schön. Besonders gefallen hat mir, dass die Freundschaft dabei so gut weg kommt und wie wichtig tatsächlich Freundschaften in unserem Leben sind. Ohne gute Freunde wäre Danny wahrscheinlich aufgeschmissen gewesen. Die Protagonisten waren super gewählt und man mochte fast jeden in diesem Buch. Selbst die „Bösewichte“ waren gut gezeichnet. Ich kann dieses Buch daher nur empfehlen. Wer etwas herzerwärmendes lesen möchte, der findet hier das passende Buch.

Rezensionsexemplar/ KiWi Verlag/ Taschenbuch/ Auflage 2021/ 380 Seiten/ 12€

Der Winzerhof von Linda Winterberg

Wiesbaden 1945 – der Krieg ist gerade vorbei und die Stadt liegt in Trümmern. Wiesbaden war einer der Städte neben Frankfurt die sehr stark getroffen worden sind im zweiten Weltkrieg. Henni ist die Erbin der Sektkellerei Herzberg und sie versucht nach dem Krieg die Kellerei wieder aufzubauen. Ihr Mann wird in Russland vermisst und niemand weiß, ob er noch lebt. Wie so oft in Büchern aus dieser Zeit, sind es die Frauen, die dieses Land wieder aufgebaut haben. Sie waren übrig und sie waren stark, dass wird in diesem Buch wieder wunderbar dargestellt. Der Winzerhof ist eine Geschichte über drei starke Frauen, die nach dem Krieg ihr Leben und ihr Erbe wieder neu aufbauen und dabei versuchen ihr eigenes Glück wieder zu finden.

Die drei Schwestern und das Erbe

Hanni ist als Erbin eingetragen, aber sie hat auch noch zwei Schwestern. Lisbeth lebt in Berlin und ist mit einem Nazi verheiratet, dieser sitzt allerdings im Gefängnis wegen Kriegsverbrechen. Bille, die jüngste Schwester, war im Krieg als Krankenschwester an der Front beschäftigt, und ist seitdem verschwunden. Hanni hofft sehnlich, dass Bille noch lebt und irgendwann zurück findet. Lisbeth findet den Weg zurück zur Kellerei, ist aber erst einmal nicht gerne gesehen. Es wiegt schwer, dass sie einen Nazi geheiratet hatte. Außerdem hat sie sich in der Vergangenheit sehr wenig für die Kellerei interessiert. Hanni hingegen lebt seit Zeit ihres Lebens für die Familienkellerei und sie kennt alle Angestellten und die Kollegen*innen schätzen die junge Chefin sehr. Sie steht nun vor der schweren Aufgabe einen Kredit zu bekommen, um die Kellerei wieder aufzubauen. Zum Glück hatte sie im Krieg nicht viel abbekommen und die Gebäude waren nutzbar.

Hanni betraut einen bekannten ihres verstorbenen Vaters mit dieser Angelegenheit. Der alte Herr ist gewillt ihr den Kredit zu gewähren, aber nur unter der Voraussetzung, dass Hanni seinen Sohn Adam heiratet. Adam ist schwul und diese Geschichte darf nicht auffliegen. Hanni, die durch einen Brief der Regierung erfahren hat, dass ihr Mann gefallen ist, ist noch nicht bereit für eine neue Ehe. Sie schätzt Adam als Freund, aber sie liebt ihn nicht. Dennoch willigt sie ein, denn sie will das Familienunternehmen retten. Lisbeth entdeckt in der Zeit, dass es auch noch wichtiger Dinge auf der Welt gibt als Party und Reichtum. Sie lernt Frauen kennen die alles verloren haben und das verändert ihre Denkweise. Dennoch bereitet sie Hanni Sorgen und versucht ihr die Kellerei weg zu schnappen.

Eines Tages taucht auch Bille wieder auf, doch sie ist verändert. Das unbeschwerte Mädchen ist verschwunden, denn Bill war in einem Gefangenenlager zuvor gelandet. Diese Erfahrungen haben sie geprägt. Außerdem hat sie bei ihrer Arbeit als Krankenschwester einen Arzt kennen gelernt, die Liebe ihres Lebens, allerdings weiß sie nicht, wo er nach dem Krieg gelandet ist.

Die Zukunft der Kellerei

Die Schwestern finden am Ende alle einen Weg ihr Leben zu regeln. Sowohl beruflich, aber auch vor allem in Sachen Liebe. Die Kellerei kann auch gerettet werden, aber der Weg dahin ist steinig. Ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen und das Ende nicht gänzlich verraten, aber es gibt ein Happy End. Ich mag es, wie diese Frauen, so unterschiedlich sie auch sind, mit ihren eigenen Hürden und auch Fehlern klar kommen. Wie sie sich aus dem Nichts wieder aufrichten und nach vorne schauen. Es war schön zu lesen, dass ein Familienunternehmen weiter gelebt werden muss und wie es ist mit Leidenschaft für etwas zu brennen, so wie Hanni es in diesem Buch tut. Die Kellerei und auch die Mitarbeiter*innen sind gerettet und Hanni als Chefin ist sehr angesehen und auch die beiden anderen Schwestern können ihren Platz einnehmen.

Meine eigene Meinung

Ich mag Geschichten rund um den zweiten Weltkrieg und vor allem mag ich es, wenn heraus geht, dass die Frauen in dieser Epoche sehr, sehr mutig und stark waren. Nach einem solchen Krieg ein Leben wieder neu aufzubauen kostet Kraft und jeden Menge Mut. Alle drei Frauen in diesem Buch haben mich begeistern können. So wie ich es verstanden habe, ist es eine Saga, sprich es kommen noch mehr Teile dieser Geschichte, was mich sehr freut. Der Winzerhof ist ein sehr emotionaler Roman und jede Menge fürs Herz. Manchmal ein wenig zu schnulzig für mich, aber wirklich gut gelungen.

Rezensionsexemplar/ Aufbau Verlag/ Taschenbuch/ Auflage 2022/ 381 Seiten/ 12,99€

Thomas Mann – Buddenbrooks

Was für eine Geschichte! Ich habe lange überlegt, ob ich mich an einen Thomas Mann heran trauen möchte. Ich war bereits beim Zauberberg verzweifelt. Bücher aus der Zeit erscheinen einem zuweilen langwierig und zu schwere Kost für die heutige Zeit. Nicht so Buddenbrooks. Diese Familiengeschichte hat mich seit Beginn des Jahres 2022 begleitet. Auch hier habe ich dieses Buch in einer Lesegruppe gelesen und bin froh, dass wir es durch gezogen haben. Thomas Mann konnte auf jeden Fall wunderbar Familientragödien schreiben. Seine visuelle Sprache hilft einem dabei, sich in seine Welt denken zu können. Viele Stellen in diesem Buch haben mich wirklich beeindruckt.

Familie Buddenbrooks

Wir begleiten die Familie Buddenbrooks und beginnen mit dem Konsul Johann Buddenbrook. Dieser hat mit seiner Gattin drei Kinder: Thomas, Christian und Antonie ( Tony ). Alle drei wachsen in einem goldenen Zeitalter auf, das Handelsunternehmen ihres Vater, dieser ist Kaufmann, läuft sehr gut und die Familie Buddenbrooks hat ein großes Ansehen in der Stadt Lübeck. Sie wohnen in einem großen Haus, geben oft Gesellschaften und das Familienunternehmen steht an erster Stelle. Besonders in Sohn Thomas setzt der Konsul all seine Hoffnung. Er soll eines Tages das Geschäft weiter führen. Die drei wachsen als Kinder noch sehr unbeschwert auf. Sie haben alles was sie brauchen und noch keine Sorgen, noch ahnen sie nicht, was sie noch erleben werden.

Tony

Tony wächst zu einer hübschen jungen Frau heran und natürlich muss sie schnellstmöglich heiraten. Konsul Buddenbrooks nimmt dafür eine hohe Mitgift auf. Sie heiratet den Kaufmann Grünlich. Ein sehr unangenehmer Zeitgenosse, wenn man mich Fragen würde. Er war mir von Anfang an unangenehm und unsympathisch in diesem Buch. Gemeinsam zeugen sie die Tochter Erika und scheinen ein fast glückliches Leben in Hamburg zu führen. Doch Grünlich ist eigentlich Pleite und hat die Hochzeit nur genutzt, um an neues Geld heran zu kommen. Als Tony das merkt wendet sie sich an ihren Vater und die Ehe wird sofort beendet. Scheidung Nummer 1. Man muss dazu sagen, dass Tony sich vor der Hochzeit mit Grünlich eigentlich in einen anderen verliebt hatte. Der kam jedoch nicht aus einer angesehenen Familie. Grünlich hatte sie auch nur aus reinem Pflichtgefühl heraus geheiratet. Die zweite Ehe schloss sie mit dem Bayer Permaneder. Auch hier beginnt alles recht glücklich, bis er ihr fremd geht. Johann Buddenbrooks ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot und Thomas muss nun für seine Schwestern eintreten. Er versteht den Ärger zunächst nicht, denn ein fremdgehen könnte man doch verzeihen, seiner Meinung nach. Heutzutage gar nicht vorstellbar, dass man damals so gedacht hat. Also Scheidung Nummer 2. Tony ist somit eher das schwarze Schaf der Familie und entscheidet ab da für sich zu bleiben und sich ihrer Tochter Erika zu erfreuen. Doch auch Erika erlebt eine Scheidung. Alles finanziert aus dem Vermögen der Firma Buddenbrooks.

Thomas

Thomas ist das Oberhaupt der Familie nach dem Tod seines Vaters Johann. Von ihm wurde schon immer viel erwartet. Mit Anfang dreißig muss er nun eine Familie und ein Unternehmen führen. In der heutigen Zeit würde das viele junge Männer überfordern, denke ich. Er selbst heiratet die schöne Gerda aus Amsterdam. Sie liebt die Musik und verdreht Thomas den Kopf. Die meisten mögen sie aber nicht, da sie ein eher kühles Wesen hat. Sie unterstützt ihren Mann leider auch wenig und betrügt ihn eines Tages sogar. Dennoch haben sie gemeinsam einen Sohn, Johann Junior oder kurz Hanno genannt. Hanno lebt in seiner eigenen Welt. Er liebt es Klavier zu spielen und er hat überhaupt nichts übrig für die Firma Buddenbrooks. Sehr zum Leid von Thomas, denn er hätte ihn irgendwann gerne als Erben gesehen. Wer Thomas das Leben noch schwer macht, ist der Bruder Christian. Er ist eher ein Herumtreiber. Er arbeitet zwischendurch in London und will von den Pflichten zu Hause auch nicht viel hören. Thomas ärgert das sehr, denn er könnte Unterstützung gebrauchen. Als Thomas eines Tages nach einem missglückten Zahnarztbesuch nach Hause gehen möchte, fällt er auf der Straße um und stirbt an seinen Verletzungen. Er hatte schon vorher immer wieder Probleme mit den Lungen gehabt und hat sich eindeutig mehr als überarbeitet. Die ganze Last der Familie Buddenbrooks lag auf ihm und diese hat ihn irgendwann zerdrückt. Eigentlich ist Thomas mein Lieblingsprotagonist in diesem Buch, denn mit ihm hatte ich sehr viel Mitgefühl. Er wirkte oftmals zu streng, aber er hat alles nur für die Familie getan, um sein Versprechen seines Vaters gegenüber einzuhalten.

Christian

Er war eindeutig der glücklichere Bruder. Er hat sein Leben einfach gelebt und hatte immer einen lustigen Spruch auf Lager. Gesundheitlich war er zwar auch nie ganz fit und konnte auch gut darüber lamentieren, aber im Grunde hatte er es gut. Er hat das Erbe nicht angetreten und hat sich auch sonst schön heraus gehalten. Zu Feierlichkeiten oder Beerdigungen kam er, aber sonst war er viel unterwegs. Er verliebte sich eines Tages in eine Theaterdarstellerin, sehr zum Unverständnis seiner Familie. Vor allem Thomas war darüber nicht sehr begeistert. Die beiden Brüder stritten sich oft. Christian fand Thomas immer zu ernst und zu streng und Thomas kam mit der lockeren Art von Christian nicht klar und hielt ihn für verantwortungslos. Was ja auch meiner Meinung so war. Christian als Protagonist war super interessant, aber ich glaube als Bruder wirklich selten zu gebrauchen.

Meine eigene Meinung

Ich könnte noch stundenlang aus diesem Buch erzählen, denn es gab durchaus noch ganz viele weitere Darsteller in diesem Familiendrama. Nicht umsonst hat dieses Buch so viele Seiten. Mich hat es begeistert, wie gut Thomas Mann den Verfall dieser Familie verpacken konnte. Er hat einen wahnsinnigen tollen Schreibstil gehabt. Er hat den Leser mit genommen und konnte diese tragische Geschichte irgendwie noch fröhlich erzählen. Ganz große Kunst. Ich glaube Buddenbrooks ist eines meiner liebsten klassischen Bücher bisher. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen, wenn man mal Klassik lesen möchte. Es ist lang und zwischendurch auch mal zäh, aber es lohnt sich sehr. Danke noch mal an die liebe Kerstin und die liebe Ann-Kathrin, dass wir dieses Buch gemeinsam gelesen haben. Als Buddyread war es super geeignet und es war so spannend drei verschiedene Blickwinkel auf dieses Buch zu bekommen. Ich habe, wie man auf den Bildern sehen kann, unzählige Stellen markiert, aber ich möchte auch nicht noch tiefer in die Geschichte vorgreifen- denn man muss sie gelesen haben.

Selbst gekauft/ S.Fischerverlag/ 13. Auflage 2017/ 759 Seiten/ 20€

Loyalitäten von Delphine de Vigan

Mein erstes Buch von Delphine de Vigan sollte Loyalitäten sein. Ich habe es im Zuge der Lesegruppe „Gemeinsam Mitlesen“ gelesen. Ich kannte die Autorin bisher noch nicht und musste schnell feststellen, dass ich bisher etwas verpasst hatte. Delphine de Vigan hat einen geraden und unverblümten Schreibstil. Sie bringt Empfindungen und Gefühle sofort auf den Punkt und hat offensichtlich auch keine Angst schwierige Themen zu besprechen. Loyalitäten ist ein Buch, welches einem vor Augen führt, dass man manchmal Grenzen überschreiten muss, um jemandem helfen zu können. Die Grenzen der Loyalität zu durchbrechen kann durchaus Vorteile haben, wie die Autorin hier hervorbringt.

Theo

Der Hauptprotagonist ist Theo. Er ist gerade einmal zwölf Jahre alt und ist bereits dem Alkohol zugeneigt. Dieses hat allerdings auch seine Gründe. Theo ist ein Scheidungskind, viele von uns können sich mit ihm identifizieren. Doch nicht nur, dass seine Eltern getrennt leben, sie lästern auch gegenseitig übereinander und machen Theo das Leben schwer. Theo’s Mutter bekommt in meinen Augen am wenigsten mit, dass mit ihrem Sohn etwas nicht stimmt. Sie ist so davon besessen, dass Theo’s Vater ein schlechter Mensch ist, dass sie einfach nicht mitbekommt, was bei ihrem Sohn gerade los ist. Selbst als seine Lehrerin sich beginnt einzumischen, kommt seine Mutter nicht auf die Idee, dass etwas nicht stimmen könnte.

Theo’s Vater lebt in einer Depression. Er hat seinen Job verloren, er hat sein Auto verkauft und kommt mittlerweile noch nicht mal mehr aus dem Bett. Theo schämt sich für seinen Vater. Dennoch muss er jede zweite Woche bei ihm sein. Obwohl es dort immer unsauber und herunter gekommen aussieht. Theo ist dann derjenige, der aufräumt und Lebensmittel einkaufen geht. Seine Mutter und auch sonst niemand weiß davon. Theo ist es peinlich, deswegen sagt er es keinem. Seiner Mutter schon gar nicht, denn das würde nur Streit geben.

In seiner Not flüchtet er sich in den Alkohol. Am liebsten würde er sich ins Koma trinken. Das warme Gefühl was sich in ihm ausbreitet, wenn der Alkohol seine Kehle runter fließt beruhigt ihn.

Helene

Seine Klassenlehrerin Helene merkt reichlich früh, dass mit Theo etwas nicht stimmt. Sie selbst wurde als Kind misshandelt und erkennt daher komische Verhaltensweisen. In ihrer Sorge neigt sie oftmals zu Überreaktionen und Übertritt Grenzen. Doch schlussendlich ist sie die Einzige, neben Theo’s Freund Mathis die etwas bemerkt und die Handeln möchte. Solche Lehrer kann man sich eigentlich nur wünschen. Sie hat ihre Regeln und Vorschriften und dennoch missachtet sie sie, damit sie helfen kann. Sie schafft Aufmerksamkeit und auch Mathis wird durch sie motiviert nicht mehr zu Schweigen. Im Buch geht hervor, dass Theo sie auch vertrauensvoll findet, sich aber nicht wirklich traut sich ihr zu öffnen. Am Ende hat sie aber die Möglichkeit zu helfen.

Mathis und Cecile

Mathis ist Theo’s bester Freund. Er trinkt mit ihm Alkohol, aber lange nicht im selben Maß. Dennoch zieht Theo ihn mit hinein. Mathis Mutter Cecile, die Eheprobleme hat, merkt auch sehr schnell, dass etwas nicht stimmt. Besonders als sie die beiden beim Alkohol trinken erwischt. Mathis versucht Theo immer zu schützen, er ist seinem Freund gegenüber Loyal. Cecile hat von Anfang an ein schlechtes Gefühl bei Theo, aber auch sie kennt die Hintergründe nicht. Sie ist selbst in psychologischer Behandlung, weil mit ihrer Ehe etwas nicht stimmt. Ihr Mann William hat offensichtlich ein digitales Doppelleben und beteiligt sich an Debatten im Internet. Dabei vertritt er eine aggressive und rasisstische Einstellung, welche Cecile völlig fremd ist. Von alle dem bekommt Mathis aber Gott sei Dank nichts mit, er wundert sich nur, warum seine Mutter Selbstgespräche führt.

Meine eigene Meinung

Ich mag ihren Schreibstil sehr und ich mag Geschichten, die einen Sinn haben. Wie eingangs bereits erwähnt, geht es für mich darum, Loyalitäten über Board zu werfen und Verantwortung zu übernehmen. Ich muss gestehen, dass ich jetzt noch mehr von Delphine de Vigan lesen muss. Ich bin der Lesegruppe „Gemeinsam Mitlesen“ immer wieder dankbar für diese tollen Buchtipps. Bisher war jedes Buch ein Erfolg für mich.

Rezensionsexemplar/ 174 Seiten/ Taschenbuch/ Auflage 2020/ 10€