Schlangen im Garten von Stefanie vor Schulte

Nach dem Debüt „Junge mit schwarzem Hahn“, welchen ich bereits super fand, folgt nun „ Schlangen im Garten“ von Stefanie vor Schulte welches im Diogenes Verlag erschienen ist. Die Autorin hat für mich einen einzigartigen Schreibstil, etwas, was ich schon lange nicht mehr so gelesen habe. Skurril und verwirrend manchmal, aber unbeschreiblich großartig.

Oft hat Adam den Eindruck, Opfer eines immerwährenden Anschlussfehlers zu sein. Wo er eben noch Schnürsenkel an seinen Schuhen bindet, aber im nächsten Moment barfuß steht. Eben eine blaue Hose trägt, aber kaum in einem anderen Raum, scheint die Hose rot oder grün.“

Familie Mohn

Adam hat seine Frau verloren. Micha, Linne und Steve haben ihre Mutter verloren. Mit dem Schmerz können sie alle nicht so richtig umgehen. Sie wollen nicht vergessen. Jedes einzelne Familienmitglied geht anders mit dieser Art von Trauer um, aber keiner von Ihnen kann es alleine überwinden. Doch zusammen funktionieren sie noch viel weniger. Das Traueramt hat aber eine ganz klare Meinung zu dieser skurrilen Familie und auch die Nachbarn teilen diese – die Familie muss nach vorne schauen und sich wieder normal verhalten. Das Traueramt schickt dazu einen Sachbearbeiter raus ( B. Ginster ), er soll das Familienleben prüfen. Jedoch schlägt er über die Strenge und wird zum regelrechten Stalker.

Auf ihrem Weg zur neuen Selbstfindung vollziehen die Mohns diverse Rituale. Unter anderem trauen sie sich nicht die alten Notizbücher von Johanne zu lesen, stattdessen essen sie die Seiten auf. Jede einzelne und kochen sogar richtige Menü‘s daraus. Ziemlich strange, wenn ihr mich fragt. Aber jede verarbeitet Trauer eben anders. Im Laufe der Geschichte in dem Buch begegnen die Mohns verschiedenen Personen, auch hier einer verrückter wie der andere. Alle haben eine Geschichte über Johanne zu erzählen, ob diese wahr sind oder nicht, dass weiß keiner. Dennoch hat mich besonders die Erzählung der obdachlosen Bille extrem emotional abgeholt.

Während des halbwegs täglichen Ablaufs begegnen die Kinder auf unterschiedliche Weise jeder einer Schlange. Der Buchtitel spricht auch von einer Schlange, so ganz kann ich nicht deuten, was die Autorin uns damit sagen möchte. Im alten Griechenland galt die Schlange wohl als Beschützerin der Unterwelt, also auch irgendwie der Toten denke ich. Vielleicht ist diese der Zusammenhang zu dieser Geschichte, wer weiß?! Meistens taucht aber auch Ginster im selben Zusammenhang auf, also so was wie „miese Schlange“ könnte es auch sein.

Meine eigene Meinung

Ich möchte gar nicht mehr zum Inhalt verraten, denn ihr sollt das Buch schließlich auch selbst lesen. Ich kann nur sagen, zum Ende des Buches wird es richtig skurril und die Verbindung von Fiktion und Realität geht verloren, man weiß als Leser nicht, was ist wahr und was nicht. Großartig geschrieben, ich mag sowas. Ein bisschen erinnert es mich an Murakami, bei ihm verschwimmen Fiktion und Wirklichkeit auch sehr oft. Stefanie vor Schulte hat in meinen Augen ein Riesen Talent. Dieser Schreibstil und es dann doch schaffen den Leser/in emotional abzuholen – großes Kino! Ich bedanke mich sehr bei dem Diogenes Verlag für dieses tolle Rezensionsexemplar. Ich möchte diese Autorin wirklich wärmstens empfehlen.

Rezensionsexemplar/ Diogenes Verlag/ Gebundene Ausgabe/ Auflage 2022/ 240 Seiten/ 24,00€

Fräulein Draußen von Kathrin Heckmann

Fräulein Draußen ist ein Blog auf Instagram, dem ich nun schon eine Weile folge. Ich hole mir gerne Tipps zum Wandern bei Kathrin Heckmann. Als ich dann gesehen habe, dass sie auch ein Buch geschrieben hatte, konnte ich nicht umhin dieses zu lesen. Ich möchte hier direkt erwähnen, dass ich keine Werbung für den Blog oder das Buch machen möchte, sondern es einfach gerne mag und gerne zeigen möchte. Wer am Ende dem Blog dazu tatsächlich folgt, dass entscheidet jede(r) selbst. Ich möchte hier nun gerne von dem Buch berichten.

Fräulein Draußen

Kathrin beschreibt in diesem Buch ihren Weg raus aus dem Job und rein in das Abenteuer. Der Job hatte sie lange aufgefressen und die Sehnsucht war da. Ein Bildschirmschoner auf ihrem Laptop erinnerte sie tagtäglich an ihre Sehnsucht und das es dort draussen noch mehr zu entdecken gibt, als in diesem stickigen Büro. Vielen Menschen geht es so, dass sie sich erdrückt fühlen von den täglichen Aufgaben, aber nur die wenigsten trauen sich, den Stecker zu ziehen und ein Abenteuer zu wagen. Kathrin hat es getan und hat eines Tages Job und Wohnung aufgegeben und ist in die weite Welt gereist. Der Blog, der sich um diese Reisen dreht, ist nebenbei entstanden und das er so ein Erfolg werden würde, dass hatte sie selbst nicht gedacht. Ich jedoch denke, dass viele Menschen beeindruckt sind von ihrem Mut. Gerade weil viele es sich nicht trauen, lesen sie dennoch gerne über solche Abenteuer. Es inspiriert zumindest, auch einmal etwas zu wagen.

Fräulein Draußen ist also ein Buch über das Abenteuer und eine Anregung tolle Wanderungen zu unternehmen zugleich. Beeindruckend ist, dass Kathrin Heckmann die meisten Reisen alleine bewerkstelligt. Was ich als Frau noch viel mutiger finde. Ich würde es mir, glaube ich, nicht zutrauen. Ihre erste Nacht alleine in einem Zelt verbringt Kathrin in den schottischen Highlands. Ich persönlich finde Schottland sehr interessant und die Erzählungen von ihr über die tolle Landschaft und ihre Erlebnisse gefallen mir sehr. Ich fand es toll zu lesen, wie es ihr in der ersten Nacht alleine ging. Wie sie wach liegt und jede Menge Geräusche hört und jede Menge Gedanken durch ihren Kopf schwirren. Ich konnte das Gefühl nachvollziehen, denn ich habe mal mit einer Gruppe im Wald im Freien geschlafen. Ohne Zelt. Es war eine Art Challenge für unsere Tanzgruppe. Ich kann mich genau in Kathrin hinein versetzen, was man dann auf einmal alles hört und welche Gedanken einen quälen können. Ich allerdings war dort in einer Gruppe, sie war ganz alleine und in einem fremden Land. Richtig mutig.

Ihre erste große Reise führte sie in den Südwesten der USA. Auch diese Erzählungen mochte ich sehr, denn vieles im Südwesten ist super spannend. Auch Alaska und Yukon hat sie besucht. Sie hat die ältesten Wälder in Südafrika besucht und hat Freundschaft mit Insekten geschlossen, aber die beeindruckendste Reise war für mich in diesem Buch die Fernwanderung in Großbritannien. Ich selbst wandere gerne, aber eine Fernwanderung könnte ich mir heute noch nicht vorstellen, obwohl viele z.B. den Jakobsweg wandern, um zu sich selbst zu finden. Ich denke, wenn man so lange mit sich selbst läuft, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als sich auch mit sich selbst zu beschäftigen. So erging es auch Kathrin Heckmann.

Eine, von vielen Lieblingsstellen im Buch

„Meine Augen wurden für die Tatsache geöffnet, dass sich das große Ganze erst offenbart, wenn man beginnt, den Blick auf das vermeintlich Unscheinbare zu richten. Wenn man nicht nur das Fenster herunterkurbelt, um schnell ein paar Fotos vom Parkplatz aus zu schießen, sondern Autos und Städte und Straßen weit hinter sich lässt, die Wanderschuhe schnürt und sich nach draußen begibt – ohne Barriere zwischen sich und der Welt, mit offenem Herzen und wachem Blick.“

Meine eigene Meinung

Ich mochte das Buch sehr. Ich fand es inspirierend und vor allem lehrreich. Ich gebe ihr Recht, dass man die Augen öffnen sollte für die Unscheinbaren Dinge. Bei dieser ganzen, schnellen Welt, wo täglich etwas Neues passiert und der Druck immer größer wird, ist es genau das, was wir Menschen brauchen. Die Wanderschuhe anziehen und los maschieren hilft, um zu erkennen, auf welcher Erde wir hier leben. Ich mochte es sehr, dass Kathrin auch sehr oft auf nachhaltige Aspekte unseres Lebens eingegangen ist und was der Schutz der Natur bedeuten kann. Ich fand es, wie bereits gesagt, super mutig alleine los zu ziehen. Ich finde, das Buch sollte man lesen und wenn es uns nur ein wenig Mut verleiht, auch mal über den Tellerrand zu blicken.

Selbst gekauft/ Ullstein Verlag/ Auflage 2021/ 249 Seiten/ 9,99€

Sommerfrische

Vor kurzen erreichte mich ein kleines, feines Buch, welches sich mit dem heute sogenannten Urlaub beschäftigt. Erreicht hat es mich im Juli, also mitten in den Sommerferien. Bis zum Lesen dieses Buches hatte ich nicht gewusst, dass der Begriff „Sommerfrische“ einmal im Zusammenhang mit Urlaub existiert hatte. Ich war also schnell neugierig, zumal ich in Urlaubsstimmung war.

Sommerfrische

Im späten 18. bis zum 20. Jahrhundert verstand man unter Sommerfrische einen Urlaub machen. Dabei spielte es keine Rolle, ob nun einen langen Urlaub oder auch nur ein verlängertes Wochenende. Ziel der Sommerfrische war es, aus den Städten heraus zu kommen. Frische Luft schnappen, ausruhen, wandern gehen und so weiter. Einfach einmal abspannen. Gerade zu dieser Zeit war es im Sommer in den Städten bereits unerträglich. Wie heute war es warm, aber damals kamen noch jede Menge unmögliche Gerüche dazu. Man muss sich schließlich vorstellen, dass es Toiletten und Abwassersysteme noch nicht so ausgebaut gab wie heute. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie dieses roch.

Sommerfrischler waren also die Menschen, die Urlaub machten. Nun konnte allerdings nicht ein jeder Urlaub machen, denn einigen fehlte das nötige Vermögen dazu. Damals wie auch heute ist Reisen nicht immer günstig. Die weniger gut verdienenden allerdings fuhren auch damals schon zum nächstgelegenen See und entspannten dort. In dem Buch Sommerfrische berichten die Autoren rund um „Der Leiermann“ über bekannte Persönlichkeiten wie zum Beispiel Thomas Mann und wie diese Personen ihre Sommerfrische verbrachten. Es sei zu erwähnen, dass ich gerade bei Thomas Mann sehr aufmerksam las, denn ich mag diesen Schriftsteller sehr.

Ein Auszug aus dem Buch:

„Eine Hauptquelle von Glück und Zufriedenheit ist das Reisen, der Orts- und Luftwechsel, der Leib und Seele frisch macht und einem zugleich die Vorzüge des Heims immer neu zu Bewusstsein bringt…“

Meine eigene Meinung

Ich mochte das Buch. Erstens war es mitten im Sommer sehr passend und vollkommen leicht und zweitens mochte ich die vielen Geschichten von bekannten Persönlichkeiten. Heute kann man sich einen Urlaub gar nicht mehr weg denken, aber es gab Zeiten, da konnte nun mal nicht ein jeder die Welt bereisen. Auch wenn viele der Persönlichkeiten die deutschen Grenzen nie verlassen haben. Heute sehen die Reiseziele durchaus anders aus. Aber der Grundgedanke des loslassens und abschaltens ist genau das, was viele sich unter Urlaub vorstellen. Die Autoren waren super, der Schreibstil sehr angenehm und die Gedichte sehr schön. Ich mochte es wirklich sehr.

Rezensionsexemplar/ Der Leiermann/ Taschenbuch/ Auflage 2022/ 224 Seiten ohne Quellenangabe/ Preis=?

„Ist die Welt noch zu retten / Die Welt ist noch zu retten“ von Fabienne Schovenberg

Weltverbesserer gibt es viele und auch viele die meinen welche zu sein, aber es gibt auch die Stillen. Die Menschen, die etwas sehr gutes bewirken und sich dennoch nicht sicher sind, ob es ausreichen wird. Also sind sie still, um sich nicht schämen zu müssen. Totaler Quatsch, denn auch jeder kleine Schritt ist viel wert. Und dieses Buch „ Ist die Welt noch zu retten, die Welt ist noch zu retten“, beschreibt genau dieses Phänomen. Wir glauben schnell, dass wir nichts bewirken können, aber das stimmt nicht.

Auf der Suche nach Motivation beim Weltverbessern

Fabienne Schovenberg beschreibt zu Anfang des Buches, welche Erfahrungen sie selbst beim Weltverbessern gemacht hat. Sie beschreibt anschaulich und witzig, wie es ihr mit diversen Themen ging. Gerade dieser Anfang macht dieses Buch sehr sympathisch. Sie beschreibt in ihrem Buch, wie wichtig es ist, auch an die kleinen Dinge zu glauben. Wir Menschen neigen aber nunmal zum negativen Denken. Negative Gedanken bleiben irgendwie immer besser hängen, als die positiven. Deswegen sehen wir auch meistens alles erst einmal schwarz. Gerade das Thema Klimakrise scheint uns zu zerdrücken, weil wir glauben, dass wir nichts ausrichten können.

In dem Buch geht es darum, die Motivation wieder zu finden, um doch etwas zu bewegen. Es geht darum, das Problem nicht zu groß werden zu lassen. Was nicht heißt, dass der Klimawandel nicht schlimm oder verheerend sein kann. Sondern nur, das wir nicht das ganz große Problem sehen sollten, sondern die vielen kleinen Probleme. Kleinere Ziele stecken und einfach tun. Jeder, der etwas winziges tut, der hat schon etwas erreicht, nämlich, dass er/sie nicht nur zusieht, sondern aktiv wird. Dieses Buch zeigt einen Weg auf, um Probleme zu bewältigen und einfach anzufangen.

Aufbau des Buches

Das Buch ist unterteilt in: Hindernisse, Halbwissen, Überforderung und Wiedersprüche. Diese Unterteilung beschreibt den Weg raus aus den Hindernissen, hin zu etwas tun. Handeln. Das Buch kann helfen, um motiviert zu bleiben. Der Schreibstil ist super easy und toll zu lesen und die persönlichen Erfahrungen der Autorin bringt Authentizität rein. Jedes Kapitel ist begleitet von Wissenschaftlichen Zahlen oder Zitaten oder einfach Gedanken der Autorin. Eine tolle bunte Mischung. Aus der Menge meiner Post It‘s kann man erkennen, dass ich mir viele Punkte merken wollte. Die Gestaltung des Buches hat mir außerdem auch sehr gut gefallen. Tolle bunte Seiten und super dünn und praktisch.

Fabienne Schovenberg macht in dem Buch klar, dass Weltverbessern sehr oft, sehr schwer werden kann und hilft dennoch mit ihren Erklärungen die Motivation nicht zu verlieren. Es ist eine Message, dass wir alle zusammen etwas bewegen können. Es muss nicht gleich eine Riesen Bewegung, wie die von Greta Thunberg sein, aber es darf gerne auch eine kleine Idee sein. Weniger Fleisch essen hilft auch, zumindest ein wenig mehr, als ganz viel zu essen oder falsches Fleisch zu essen. Nicht jeder kann sofort Veganer werden, aber jeder kann versuchen etwas im Leben zu ändern. Diese Botschaft finde ich toll, denn darum geht es beim Thema Klimaschutz: Anfangen zu Handeln, egal wie groß oder klein, aber handeln!

Zitat aus dem Buch:

Die Absurdität unserer eigenen Existenz und von allen Dingen um uns herum erinnert uns daran, was wir alles in der Lage sind zu tun und was wir alles erreichen können.“

Ich könnte noch ganz viele tolle Zitate heraus suchen, aber ihr sollt das Buch ja noch lesen! Wer also ein bisschen Motivation beim verbessern der Welt sucht, der sollte es lesen. Die Botschaft ist klar, selbst beim informieren und lesen über das Thema könnt ihr was lernen. Und etwas bewegen. Und, in dem Fall sind die Tipps von Fabienne Schovenberg sogar gut für jede Lebenslage neben dem Weltverbessern.

Rezensionsexemplar/ VAS Verlag/ Taschenbuch/ Auflage 2020/ 169 Seiten/ 24,95€

1984 von George Orwell

In unserer Lesegruppe haben wir uns für dieses Jahr sehr viele Klassiker vorgenommen und daher kam George Orwell nun auch einmal dran. Ich persönlich hatte bisher nur „Die Farm der Tiere“ gelesen und war daher sehr gespannt auf 1984. Ich muss vorwegsagen, dass dieses Buch schon durchaus eine sehr harte Kost darstellt. Die Dystopie, welche George Orwell sich hier erschaffen hat nimmt den Leser eindeutig mit und beschäftigt den Geist nachhaltig.

Winston Smith & seine Umgebung

Winston ist die Hauptfigur in diesem Buch. Er ist 39 Jahre alt und schon sehr resigniert. Ist Mitglied der äußeren Partei von Ozeanien und arbeitet im Wahrheitsministerium als Büroangestellter. Er schreibt untere anderem Zeitungsberichte um, weil sich die Geschichte verändert hat. Die Partei kontrolliert alles und jeden über so genannte Telebildschirme. Man kann sich nicht frei bewegen oder frei sprechen oder sogar denken. Es gibt die Gedankenpolizei, welche sofort erkennt, wenn man den falschen Weg einschlägt. Winston Smith hat der Autor vom Namen Winston Churchill abgeleitet und hat diesen einfach mit Smith ersetzt (kleiner Funfact am Rande aus Wikipedia). Winston ist sich ziemlich sicher, dass die Partei die Vergangenheit immer wieder umschreibt. Er ist sich sicher, dass Ozeanien nicht schon immer mit Eurasien im Krieg war. Oder war es doch Ostasien?! So ganz sicher ist er nicht, aber er weiß, dass die Geschichte geändert wurde. Im Grunde zweifelt er an der Partei und dem großen Bruder, dem Oberhaupt des Staates.

George Orwell beschreibt eine sehr grausame Welt, wie wir sie schon in Filmen wie „Die Tribute von Panem“ oder „Die Bestimmung“ in der heutigen Zeit kennen. Ich vermute, dass diese Bücher/Filme von der Grundidee auf diesem Buch aufbauen, denn die Idee eines Überwachungsstaates ist sehr ähnlich. Und wenn man bedenkt, dass „Big Brother“ uns zeigt, dass so etwas tatsächlich möglich ist, gar nicht so abwegig. Nach meinen Recherchen beschreibt Orwell die Zeit um 1948 herum und hat nur die Daten vertauscht zu 1984 und er beschreibt ein wenig die Regierung Roosevelts. Zwar gab es keinen Überwachungsstaat in diesem Ausmaß, aber so ganz weit weg von der Realität war George Orwell damals nicht. Und auch heute findet man ähnliche Staatsprofile in unserer Welt.

Julia & die Gedankenpolizei

Winston lernt Julia kennen und stellt fest, dass auch sie das System nicht für gut befindet. Sie fügt sich zwar besser ein, als er, aber auch sie zweifelt an vielen Vorgehensweisen. Gemeinsam treffen sie sich heimlich zum Liebesspiel, denn Liebe zwischen Mann und Frau ist nicht erlaubt. Viele vor Ihnen sind dadurch der Gedankenpolizei zum Opfer gefallen. Diese Menschen wurden vaporisiert ( so nennt er es in diesem Buch ) diese Menschen hören einfach auf zu existieren. Lange geht das Versteckspiel gut, bis sie sich an O’Brien wenden. O’Brien so glaubt Winston, ist ein Verbündeter gegen die Partei. Sie suchen ihn auf, weil sie der geheimen Bruderschaft beitreten wollen, um die Partei und den Großen Bruder zu stürzen. O’Brien verspricht, dass er alles in die Wege leiten wird und das Julia und Winston der Bruderschaft beitreten können. Natürlich kommt am Ende alles anders. Julia und Winston landen im Ministerium für Liebe, welche nichts Gutes verheißen soll. Es gibt dort das Zimmer 101, ein Raum, in dem niemand rauskommt, als der, der er vorher war. Winston und Julia werden gefoltert und einer Gehirnwäsche unterzogen und sind danach völlig andere Menschen. Dies war der krasse Teil des Buches. Es klingt für jemanden der die deutsche Geschichte kennt, nach Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg oder danach. Ich denke, dass es auch da Zusammenhänge der Geschichte zu diesem Buch gab. Verhörtechniken und Folter waren auch im zweiten Weltkrieg nichts ungewöhnliches und auch Arbeiterlager ist uns allen ein Begriff. Umso mehr schockiert dieses Buch als Dystopie für das Jahr 1984, was für George Orwell in diesem Fall noch in der Zukunft lag. Am Ende des Buches ist Winston ein großer Fan der Partei und denkt, er wurde geheilt…

Ein Auszug aus dem Buch, der mich ganz gut gefallen hat:

„….Die Proleten ( Prolls ), so fiel ihm plötzlich ein, hatten sich diesem Zustand bewahrt. Sie waren nicht einer Partei, einem Land oder einer Idee treu, sie waren einander treu. Zum ersten Mal in seinem Leben verachtete er die Prolls nicht und betrachtete sie nicht nur als eine träge Kraft, die eines Tages zum Leben erwachen wird und die Welt erneuern würde. Die Prolls waren menschlich geblieben…“

Die Prolls übrigens waren die Arbeiterklassen. Sie gehörten nicht der Partei an und hatten auch keine große Bildung genossen. Sie durften weiter leben wie zuvor, zwar arm und mit Rationierungen, aber zumindest in Freiheit und ohne große Gesetze und Vorschriften. Wenn man es in den Buch liest, waren es ganz normale Menschen mit einem Job, aber auch auf der Straße lebende Menschen.

Meine eigene Meinung

Wie bereits erwähnt, fand ich dieses Buch wirklich teilweise grausam. Ich habe allerdings viele solche Geschichten schon einmal gelesen, mit dem Unterschied, dass dieses wahre Geschichten waren und keine Dystopien. George Orwell schafft es immer wieder Fantasie und Realität miteinander zu verbinden. Seine Geschichten haben auch immer einen Anteil Wahrheit. Er benutzt geschichtliche Geschehnisse und Namen und formt sie um und löst damit eine gewisse Panik in den Menschen aus. Literarisch eine Meisterleistung. Auch wenn das Buch sehr düster ist, finde ich es dennoch sehr gut. „Farm der Tiere“ fand ich nicht weniger grausam, aber auch genauso gut, denn der Autor ist wirklich großartig. Und leider verfasst er nicht immer nur reine Fantasie. In der Lesegruppe haben wir uns durchaus schwer getan mit dem Buch, aber ich bin froh es gelesen zu haben.

Selbst gekauft/ Nikol/Neuübersetzung 2021/ Gebundene Ausgabe/ 400 Seiten/ 7,95€

„Die Frau von Früher„ von Liane Moriarty

Ich habe zum ersten Mal ein Buch von Liane Moriarty gelesen und muss mich wundern, dass ich zuvor noch nichts von der Autorin gelesen hatte. „Die Frau von früher“ war also nun mein erstes Buch von ihr und ich kann sagen, dass ich noch mehr lesen werde. Eine Geschichte über eine neue Beziehung und wie die Ex-Freundin des neuen Angebeteten als Stalkerin der Hauptdarstellerin das Leben schwer macht. Eine Geschichte über Liebe, Verlust und Freundschaft verpackt in einen dicken, spannenden Schmöker.

Ellen & Patrick

Ellen ist frisch verliebt. Die Hypnotherapeutin wohnt und arbeitet direkt am Meer im Haus ihrer Großeltern, welches sie geerbt hat. Sie ist erfolgreich, selbstbewusst und witzig. Patrick lerne sie im Online Dating kennen und die beiden verlieben sich prompt. Mit ihm ist endlich alles perfekt und Ellen kann sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen. Patrick hat einen Sohn namens Jack, dieser entstammt der Ehe mit Colleen, seine verstorbene Exfrau. Nach ein paar Treffen und Zukunftsplänen erzählt Patrick seiner Ellen, dass er von seiner Ex-Freundin Saskia gestalked wird. Mit ihr war er nach dem Tod seiner Frau zusammen und sie konnte die Trennung nicht überwinden. Für Patrick kam diese Beziehung allerdings zu früh und deshalb trennte er sich von Saskia. Ellen findet es am Anfang spannend, dass Patrick und sie eine Stalkerin haben. Sie interessierte sich für die Beweggründe der anderen Frau. Wahrscheinlich ein Berufsrisiko als Hypnotherapeutin. Was Ellen zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht weiß, sie kennt Saskia bereits, und zwar unter dem Namen Deborah. Denn Deborah war eine neue Patientin und sie ahnt nicht, dass es sich um die Stalkerin handelt.

Als Ellen schwanger wird dreht Saskia förmlich durch und traut sich noch näher an das Paar heran und Patrick wird von Mal zu Mal angespannter, selbst sein Antrag an Ellen wird von Saskia gestört. Jack bekommt von all dem zum Glück zu Beginn gar nichts mit und wundert sich auch nicht, wenn Saskia versteckt immer seine Trainings und Spiele beobachtet. Neben dem Problem mit der Stalkerin hat Ellen auch noch das Problem, dass Patrick seit sie über Hochzeit und Baby sprechen immer wieder seine Ex-Frau erwähnt. Bei klassischen Schwangerschaftsproblemen vergleicht er diese immer wieder mit Colleen und Ellen fühlt sich zusehends unwohl in der Beziehung und als es dann auch noch zum Showdown mit Saskia kommt, droht das Familienglück kurzfristig zu wackeln.

Saskia

Mit Saskia schafft die Autorin eine Protagonistin, die auf der einen Seite verwundert, aber auch irgendwie sehr sympathisch rüberkommt. Ich persönlich habe mehrfach Mitleid mit Saskia gehabt und mochte sie daher als Charakter in diesem Buch super gerne. Saskia war damals neu nach Sydney gezogen, als sie Patrick kennen lernte. Es war für sie Liebe auf den ersten Blick, als die beiden sich auf einer Konferenz in Noosa kennen lernten. In der Beziehung war Saskia wie eine neue Mutter für Jack, sie kümmerte sich super um ihn und hat auch den ganzen Haushalt geschmissen. Für sie war alles perfekt, daher war sie auch einfach nur geschockt, als Patrick sich getrennt hatte. Sie konnte diese Trennung nicht verarbeiten, vor allem, weil kurz zuvor ihre Mutter gestorben war. Saskia hatte vor Patrick Freundinnen und eine Mutter und nach der Trennung stand sie ziemlich allein da. Freundschaften hatte sie keine geschlossen, weil sie sich aufopferungsvoll um Jack gekümmert hatte. Nach und nach entwickelt sich Saskia zu einer Stalkerin und extremer wird es, als Patrick auf einmal Ellen kennen lernt. Für Saskia bricht eine Welt zusammen. 

Es ist zwar erschreckend, zu was Stalker fähig sind, aber irgendwie konnte ich Saskia in diesem Buch auch verstehen. Sie hatte alles geopfert für diese Familie und bekam am Ende eine Trennung. Auch der Tod der Mutter hat sie schwer getroffen, sodass es nicht verwunderlich war, dass sie mit der Situation nicht klarkam. Am Ende wird es aber auch für Saskia in diesem Buch ein Happy End geben. Zwar anders als erwartet und mit einem schlimmen Zusammentreffen der Protagonisten, aber es hat mich gefreut, dass die Autorin auch für diesen Charakter ein tolles Ende gefunden hat.

Ein Auszug aus dem Buch, welcher mir gut gefallen hat:

Saskia’s Gedanken: „Da geht sie, die verrückte alte Hexe, mit ausgestreckten Klauenhänden hinkt sie ihrem schmerzfreiem Leben hinterher und versucht verzweifelt, ihre Krallen hineinzuschlagen und es zurückzuholen.“

Meine eigene Meinung

Liane Moriarty hat einen klasse Schreibstil. Obwohl das Buch echt nicht dünn war, konnte ich es ganz flüssig durchlesen und fand es zu keinem Zeitpunkt unspannend. Die Charaktere waren super gezeichnet und es machte Spaß dieses Buch zu lesen. Ich hatte mir dieses Buch gekauft und Gott sei Dank auch noch ein weiteres von ihr, dieses werde ich nun auch sehr schnell lesen wollen. Ich finde es auch immer gut, wenn Autoren die Spannung komplett halten können und der Leser nicht abschweifen kann. Und das schafft Liane Moriarty sehr gut.

Selbst gekauft/ Taschenbuch/ Diana Verlag/ Auflage April 2022/ 576 Seiten/ 11,00€

Hell strahlt die Dunkelheit von Ethan Hawke

Wenn ein oscarnominierter Schauspieler seinen zweiten Roman schreibt, man noch nie von ihm gehört hat und man dennoch sehr begeistert ist. So erging es mir mit „Hell strahlt die Dunkelheit“. Ethan Hawke habe ich zwar schon mal als Schauspieler gehört, aber als Schriftsteller noch nie. Ich muss sagen, seinen Schreibstil mag ich sehr und seine ehrlichen, unverblümten Worte noch viel mehr. „Hell strahlt die Dunkelheit“ war ein Spontankauf und ich bereue rein garnichts!

Hell strahlt die Dunkelheit

William Harding ist 32 Jahre alt und weltberühmt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Glücklich ist diese Ehe nicht, weswegen er auch einen Fehltritt wagt. Allerdings bleibt in der Promiwelt nichts im Geheimen und die Affäre kommt ans Licht. Natürlich kommt es ans Licht, dass der liebe Schauspieler aus all den tollen Filmen auf einmal der Bösewicht ist. Der Mann ist in dem Fall immer der Böse, egal was im Vorfeld gewesen ist. Ich will nicht sagen, dass ich es gut finde, aber im Laufe des Buches versteht man den Protagonisten William Harding sehr gut. Eigentlich starten William gerade seine Karriere am Broadway in einem Shakespeare Stück und möchte sich voll und ganz auf die Proben konzentrieren. Doch nun steckt er in einer Ehekriese, muss sich um seine Kinder kümmern und versucht jedem weiteren Skandal aus dem Weg zu gehen.

William hat einen interessanten Charakter. Er ist nicht immer der Saubermann, aber jemand mit vielen Stärken und tiefen Gefühlen. Er wird als großartiger Schauspieler beschrieben und seine Ängste und Sorgen sind fast greifbar. Ich denke gerade in der Öffentlichkeit wird vieles viel schlimmer ausgeschlachtet als im geheimen Leben eines Unbekannten. Und wenn man sich eigentlich auf seine Karriere konzentrieren will und jeder aber nur noch den Bösen in einem sieht, dann ist das eine schwierige Phase im Leben eines Schauspielers. Genau dieses Gefühl und diese Erfahrungen schreibt Ethan Hawke perfekt heraus, man kann als Leser mitfühlen und man entwickelt Sympathie für den Protagonisten. Und, was man nicht vergessen darf, es ist eine wunderbare Beschreibung des Theaters, denn Ethan Hawke nimmt uns auch noch mit hinter die Kulissen des Broadways. Ich weiß nicht, ob das Buch autobiografische Züge hat, aber ich könnte mir es gut vorstellen. Zumindest in Teilen ist es bestimmt ein wenig Erfahrung.

Meine Liebe zu diesen beiden Menschen war leicht, unkompliziert und endlos wie die Liebe zu Wasser, Sternen, Licht, Atmen und Nahrung. Die Ehe hatte für mich nicht gepasst, Elternschaft dagegen ein spontaner erfreulicher Reflex.

William erlebt in diesem Buch viele Höhen und Tiefen, aber die Liebe zum Theater bleibt am Ende. Auch dort wird er von einer Schauspielkollegin verführt und auch dort erlebt er, dass er nicht immer der Gute sein kann, aber er kann seiner Leidenschaft freien Lauf lassen und seine Erfahrungen auf und hinter der Bühne machen großen Spaß zu lesen. Man kann erleben, wie tief William mit dem Schauspiel verbunden ist und mit welcher großartigen Leidenschaft er am Theater spielen kann. Man konnte sich vorstellen, dass er seine Rolle super gespielt haben muss.

Meine eigene Meinung

Ich mochte dieses Buch sehr. Es ist unkompliziert und leicht geschrieben, aber hat dennoch den nötigen Tiefgang, um daraus einen hervorragenden Roman zu machen. Ich mag es sowieso, wenn Autoren/Autorinnen ehrlich schreiben und auch klare, verständliche Worte benutzen. Ich mag es nicht, wenn um den heißen Brei herumgeredet wird. Menschliche Abgründe bleiben nun mal menschliche Abgründe. Noch zu erwähnen ist, dass ich die Cover Gestaltung sehr cool finde. Eines meiner liebsten Cover im Regal, muss ich sagen.

Ein weiterer toller Auszug aus dem Buch:

Die Welt kann denken, was sie will. Sie können dich zum Versager erklären. Sie können einen scharlachroten Buchstaben auf deine Brust nähen und dich einen Schuft und Scharlatan nennen. Leise Stimmen können an jeder Ecke abschätzig über dich murmeln und tuscheln. Sie können dich hassen und darüber in Radio-Talkshows plappern, während die ganze Nation zuhört. Und trotzdem können sie alle verdammt danebenliegen.

Selbst gekauft/ KiWi Verlag/ Gebundene Auflage/ Auflage 2021/ 336 Seiten/ 23,00€

Menschen im Hotel von Vicki Baum

In unserer Buddyread Gruppe lesen wir momentan überwiegend klassische Literatur und da der Kiwi Verlag die Bücher von Vicki Baum in einer tollen Taschenbuch Ausgabe neu aufgelegt hatte, konnten wir nicht umhin, dieses Buch zu lesen. Menschen im Hotel haben wir alle drei zum ersten Mal gelesen und ich für meinen Teil hatte auch noch nie etwas von Vicki Baum gelesen. Dementsprechend hatten wir eine ganz große Erwartungshaltung an dieses Buch.

Menschen im Hotel

Im Grand Hotel in Berlin in den zwanziger Jahren treffen eine Handvoll Menschen aufeinander und keiner verlässt das Hotel am Ende so, wie er es betreten hatte. Vicki Baum beschreibt den Aufenthalt von fünf verschiedenen Hauptpersonen und wie sie im Hotel aufeinandertreffen und sich ihre Geschichten verstricken. Bis auf zwei Personen kannten sich die Gäste des Hotels vorher nicht und auch diese zwei Personen hatten sich vorher noch nie gesehen. Umso witziger ist die Tatsache, dass alle Geschichten sich irgendwie verstricken werden. Sie alle reisen allein, aus unterschiedlichen Gründen und ich würde behaupten, dass auch alle fünf in irgendeiner Form einsam sind und eine Gesellschaft dringend benötigen.

Eine der Personen ist die alternde Ballerina Grusinskaja. Sie hatte ihre Bühnen Erfolge und ist auch stadtbekannt, aber so langsam kommt sie in die Jahre. Aus Frust und aus Furcht vor Niederlagen kontrolliert sie ihr ganzes Ensemble und treibt alle um sie herum in den Wahnsinn. Ihre Vertrauten glauben weiterhin an ihren späten Erfolg und stehen ihr bei, dennoch ist sie ziemlich allein. Eines Nachts wird bei ihr im Hotelzimmer versucht einzubrechen. Baron Gaigern, ein anderer Hotelgast braucht dringend Geld und versucht ihre Perlen zu stehlen. Doch bei dem Versuch über die Balkone zu klettern kann er nicht rechtzeitig flüchten und wird von der Grusinskaja auf frischer Tat ertappt. Natürlich kann sich der feine Baron herausreden und eine wilde Nacht beginnt. Als er merkt, wie fertig mit den Nerven die Tänzerin ist, nimmt er sich ihrer an und umsorgt sie die ganze Nacht. Die Perlen vergisst er darüber hinaus völlig und eine kleine Liebesgeschichte beginnt. Diesen Teil des Buches mochte ich wirklich sehr, denn beide Charaktere waren wunderbar gezeichnet und die Story war witzig und unterhaltsam.

Auch interessant fand ich den Protagonisten Dr. Otternschlag. Er war ein einsamer Mann, der ganz allein reiste und auch offensichtlich keine Freunde hatte. Er fragte jeden Tag den Portier, ob den Post oder ein Anruf für ihn gekommen sei. Leider war dieses nie der Fall. Im Laufe der Tage im Grand Hotel begegnete er dem Herrn Kringelein, ein Mann, dem der Tod vorausgesagt wurde. Sie freundeten sich an und wollten sich zusammentreffen, doch leider kam auch hier Baron Gaigern dem Dr. Otternschlag zuvor und so verlor er auch diesen Freund. Dr. Otternschlaf hatte die These aufgestellt, dass kein Gast das Hotel durch die Drehtüre verlässt, wie er hineingekommen ist. So als ob diese Drehtür jedes Leben verändern würde. Diese Metapher fand ich großartig, denn im Prinzip ist jedes Leben wie diese Drehtür, denn es gibt keinen Stillstand, es verändert sich immer etwas.

Meine eigene Meinung

Natürlich könnte ich Euch noch mehr von den einzelnen Protagonisten erzählen, aber dann müsstet ihr dieses Buch nicht mehr lesen und das wäre wohl auch schade. Tatsächlich tat ich mich sehr schwer mit diesem Roman. Er hatte gute Szenen, aber auch lange Strecken. Zumindest ist das meine Meinung und im Buddyread kam diese Meinung auch ein wenig raus. Was ich allerdings sehr mochte, waren die Beschreibungen der Charaktere. Jeder von Ihnen war irgendwie spannend. Der eine sympathischer als der andere, aber alle spannend. Vicki Baum konnte also richtig gut Personen zeichnen und diese miteinander verbinden. Die Geschichte des Hotels an sich fand ich auch gut gewählt und auch die Botschaft dahinter hat überzeugt. Kein einfaches Buch für mich, aber dennoch mochte ich es irgendwie. Ich würde vielleicht keine fünf Sterne vergeben, weil es mich nicht komplett umgehauen hat, aber zumindest eine gute drei bis vier Sterne Bewertung hätte es schon verdient.

Hier ein Auszug aus dem Buch, welchen ich sehr nett fand:

Es ist eine dumme Fabel, dass Hotelstubenmädchen durch die Schlüssellöcher schauen. Hotelstubenmädchen haben gar kein Interesse an den Leuten, die hinter den Schlüssellöchern wohnen. Hotelstubenmädchen haben viel zu tun und sind angestrengt und müde und alle ein wenig resigniert, und sie sind vollauf beschäftigt mit ihren eigenen Angelegenheiten…

Selbst gekauft/ Kiwi Verlag/ Taschenbuch/ Auflage 2007/ 336 Seiten/ 12,00€

Ein Haus für viele Sommer von Axel Hacke

Ein Buch, wie ein kleiner Sommerurlaub. Ein Haus für viele Sommer nimmt den Leser mit auf eine wunderbare Reise in den Süden. Man kann den Sand unter den Füßen fühlen und man kann die frischen Zitronen riechen und das Meeresrauschen fast schon hören. Axel Hacke ist für mich ein großartiger Autor, der ganz oft den richtigen Nerv trifft und gerade in den schwierigen Zeiten in diesem Jahr entführt er uns an einen Traum Ort. Er selbst sagte in einem Interview, dass man in der Scheußlichkeit der Realität auch etwas zum Träumen benötigt. Man muss dem Alltag auch einmal entfliehen können und genau das passiert mir beim Lesen und bei diesem Buch ganz besonders.

Ein Haus für viele Sommer

Jedes Jahr fahren sie auf diese Insel und irgendwann kaufen sie ein Haus. Kein intaktes Haus, eher einen für die Region typischen Turm, aber es wird der Rückzugsort aus dem Alltag. Auf der Insel Elba werden Träume war. Tatsächlich hatte ich am Anfang des Buches keine Ahnung, wo und welche Insel es ist, die dort beschrieben wurde. Ich hatte sogar kurz an Sardinien gedacht, weil mich vieles in den Erzählungen an diese wunderschöne Insel erinnert. Nun es stellte sich heraus, dass es um Elba ging, auch ein sehr schöner Ort für so eine tolle Geschichte. 

Axel Hacke begegnet auf diese Insel ganz unterschiedlichenMenschen und beschreibt unterschiedliche Situationen. Man merkt, dass es nicht nur ein Urlaub ist, sondern ein Kennenlernen. Ein sich mit der Umgebung vertraut machen. Er taucht tief hinein in diese Umgebung und fühlt sich in die Insel hinein, er wird ein Teil von ihr. Gerade wenn man jedes Jahr ein gleiches Urlaubsziel hat, kann man das sehr gut nachvollziehen. Und wenn man dann auch noch ein Haus kauft, dann ist das eine Entscheidung für ein Leben. Man verändert sich selbst damit und das strahlt dieses Buch aus. Beim Lesen wandern man durch die Straßen des Dorfes und entdeckt mit Axel Hacke zusammen diese Insel. Es gibt lustige Momente, aber auch traurige, aber einfach sehr viele schöne Momente.

Einer meiner Lieblingsauszüge aus dem Buch:

Es war ja eine Zeit, in der es noch etwas zu entdecken gab in der Welt, eine Zeit des Aufbruchs, eine andere Zeit als heute, in der es nur noch ums Bewahren geht und um das Retten. Damals kamen die Leute mit der alten und immer neuen Sehnsucht nach etwas Wahrem, nicht Verfälschtem in ihrem Koffer, und hier öffneten sie diesen Koffer und packten die Sehnsucht aus…

Meine eigene Meinung

Ein kleines, feines Buch für den Sommer und vor allem ein Buch zum entfliehen aus dem Alltag. Wie bereits erwähnt, mag ich Axel Hacke sehr gerne, da er auch eine klare Sicht auf diese Welt hat. Immer wieder inspirierend von ihm zu lesen.

Selbst gekauft/ Gebundene Ausgabe/ Antje Kunstmann Verlag/ Auflage 2022/ 256 Seiten/ 24,00€

Ambivalenz von Amélie Nothomb

Die Autorin, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Amélie Nothomb hat keine Angst die Protagonisten so richtig auseinander zu nehmen und ihnen menschliche Abgründe zu verpassen. Großartig!

Claude

Claude verführt seine Dominique in vollen Zügen. Champagner, teures Parfüm und schöne Worte und schon ist Dominique hin und weg. Nach nur ein paar Tagen Dating macht er ihr einen Antrag und sie nimmt auch noch an. Sie geht mit ihm nach Paris, weil er dort gute Job Chancen hat und zusammen beginnen sie ein neues Leben. Doch Claude wird immer komischer, abweisend irgendwie. Dennoch möchte er ein Kind mit ihr und ist ganz erbost, das es nicht auf Anhieb klappt.

Als Épicène geboren wird, kann er das Mädchen noch nicht einmal ansehen, so sehr hasst er dieses Kind. Für Dominique unbegreiflich. Die Jahre ziehen dahin, das Kind wird zum Teenager und der Ehemann entzieht sich jeglicher Familienverantwortung. Doch eines Tages soll Dominique in der Schule von Épicène eine Mutter suchen, denn Sie ist die Frau seines Geschäftspartners und Dominique soll sich mit ihr anfreunden. Erstaunlicherweise befreundet sie sich auch mit Reine, ohne zu ahnen welche Vergangenheit Claude und Reine haben. Eine Vergangenheit die bald 20 Jahre zurück liegt.

Dominique erfährt wer ihr Ehemann wirklich ist und ergreift die Flucht. Zurück ins Dorf zu ihren Eltern. Zurück zu normalen Menschen, raus aus dem reichen Viertel in Paris. Sowohl sie, als auch ihre Tochter leben viel lieber bodenständiger. Die Wahrheit war also wie ein Befreiungsschlag. Gerade für Épicène ist es eine gute Zeit, denn auch sie hasst ihren Vater und kann ihm nicht verzeihen. Sie ist sowieso ein sehr spannender Charakter in diesem Buch.

Meine Meinung

Ich liebe Amélie Nothomb! Sie hat einen großartigen Schreibstil. Und auch wenn dieses Buch mit knapp über 100 Seiten auskommt, ist jede davon unglaublich gut. Nothomb beschreibt meistens kritische Themen, Themen die sonst nicht ausgesprochen werden oder übertritt Grenzen. Doch würde sie es nicht tun, wäre sie nicht so brillant. Ich möchte diese Autorin also wirklich wärmstens Empfehlen. Jedes Buch von ihr war bisher einfach super gut! Danke an den Diogenes Verlag.

Rezensionsexemplar/ Gebundene Auflage/ Auflage 2022/ 128 Seiten/ 20€