Thomas Mann – Buddenbrooks

Was für eine Geschichte! Ich habe lange überlegt, ob ich mich an einen Thomas Mann heran trauen möchte. Ich war bereits beim Zauberberg verzweifelt. Bücher aus der Zeit erscheinen einem zuweilen langwierig und zu schwere Kost für die heutige Zeit. Nicht so Buddenbrooks. Diese Familiengeschichte hat mich seit Beginn des Jahres 2022 begleitet. Auch hier habe ich dieses Buch in einer Lesegruppe gelesen und bin froh, dass wir es durch gezogen haben. Thomas Mann konnte auf jeden Fall wunderbar Familientragödien schreiben. Seine visuelle Sprache hilft einem dabei, sich in seine Welt denken zu können. Viele Stellen in diesem Buch haben mich wirklich beeindruckt.

Familie Buddenbrooks

Wir begleiten die Familie Buddenbrooks und beginnen mit dem Konsul Johann Buddenbrook. Dieser hat mit seiner Gattin drei Kinder: Thomas, Christian und Antonie ( Tony ). Alle drei wachsen in einem goldenen Zeitalter auf, das Handelsunternehmen ihres Vater, dieser ist Kaufmann, läuft sehr gut und die Familie Buddenbrooks hat ein großes Ansehen in der Stadt Lübeck. Sie wohnen in einem großen Haus, geben oft Gesellschaften und das Familienunternehmen steht an erster Stelle. Besonders in Sohn Thomas setzt der Konsul all seine Hoffnung. Er soll eines Tages das Geschäft weiter führen. Die drei wachsen als Kinder noch sehr unbeschwert auf. Sie haben alles was sie brauchen und noch keine Sorgen, noch ahnen sie nicht, was sie noch erleben werden.

Tony

Tony wächst zu einer hübschen jungen Frau heran und natürlich muss sie schnellstmöglich heiraten. Konsul Buddenbrooks nimmt dafür eine hohe Mitgift auf. Sie heiratet den Kaufmann Grünlich. Ein sehr unangenehmer Zeitgenosse, wenn man mich Fragen würde. Er war mir von Anfang an unangenehm und unsympathisch in diesem Buch. Gemeinsam zeugen sie die Tochter Erika und scheinen ein fast glückliches Leben in Hamburg zu führen. Doch Grünlich ist eigentlich Pleite und hat die Hochzeit nur genutzt, um an neues Geld heran zu kommen. Als Tony das merkt wendet sie sich an ihren Vater und die Ehe wird sofort beendet. Scheidung Nummer 1. Man muss dazu sagen, dass Tony sich vor der Hochzeit mit Grünlich eigentlich in einen anderen verliebt hatte. Der kam jedoch nicht aus einer angesehenen Familie. Grünlich hatte sie auch nur aus reinem Pflichtgefühl heraus geheiratet. Die zweite Ehe schloss sie mit dem Bayer Permaneder. Auch hier beginnt alles recht glücklich, bis er ihr fremd geht. Johann Buddenbrooks ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot und Thomas muss nun für seine Schwestern eintreten. Er versteht den Ärger zunächst nicht, denn ein fremdgehen könnte man doch verzeihen, seiner Meinung nach. Heutzutage gar nicht vorstellbar, dass man damals so gedacht hat. Also Scheidung Nummer 2. Tony ist somit eher das schwarze Schaf der Familie und entscheidet ab da für sich zu bleiben und sich ihrer Tochter Erika zu erfreuen. Doch auch Erika erlebt eine Scheidung. Alles finanziert aus dem Vermögen der Firma Buddenbrooks.

Thomas

Thomas ist das Oberhaupt der Familie nach dem Tod seines Vaters Johann. Von ihm wurde schon immer viel erwartet. Mit Anfang dreißig muss er nun eine Familie und ein Unternehmen führen. In der heutigen Zeit würde das viele junge Männer überfordern, denke ich. Er selbst heiratet die schöne Gerda aus Amsterdam. Sie liebt die Musik und verdreht Thomas den Kopf. Die meisten mögen sie aber nicht, da sie ein eher kühles Wesen hat. Sie unterstützt ihren Mann leider auch wenig und betrügt ihn eines Tages sogar. Dennoch haben sie gemeinsam einen Sohn, Johann Junior oder kurz Hanno genannt. Hanno lebt in seiner eigenen Welt. Er liebt es Klavier zu spielen und er hat überhaupt nichts übrig für die Firma Buddenbrooks. Sehr zum Leid von Thomas, denn er hätte ihn irgendwann gerne als Erben gesehen. Wer Thomas das Leben noch schwer macht, ist der Bruder Christian. Er ist eher ein Herumtreiber. Er arbeitet zwischendurch in London und will von den Pflichten zu Hause auch nicht viel hören. Thomas ärgert das sehr, denn er könnte Unterstützung gebrauchen. Als Thomas eines Tages nach einem missglückten Zahnarztbesuch nach Hause gehen möchte, fällt er auf der Straße um und stirbt an seinen Verletzungen. Er hatte schon vorher immer wieder Probleme mit den Lungen gehabt und hat sich eindeutig mehr als überarbeitet. Die ganze Last der Familie Buddenbrooks lag auf ihm und diese hat ihn irgendwann zerdrückt. Eigentlich ist Thomas mein Lieblingsprotagonist in diesem Buch, denn mit ihm hatte ich sehr viel Mitgefühl. Er wirkte oftmals zu streng, aber er hat alles nur für die Familie getan, um sein Versprechen seines Vaters gegenüber einzuhalten.

Christian

Er war eindeutig der glücklichere Bruder. Er hat sein Leben einfach gelebt und hatte immer einen lustigen Spruch auf Lager. Gesundheitlich war er zwar auch nie ganz fit und konnte auch gut darüber lamentieren, aber im Grunde hatte er es gut. Er hat das Erbe nicht angetreten und hat sich auch sonst schön heraus gehalten. Zu Feierlichkeiten oder Beerdigungen kam er, aber sonst war er viel unterwegs. Er verliebte sich eines Tages in eine Theaterdarstellerin, sehr zum Unverständnis seiner Familie. Vor allem Thomas war darüber nicht sehr begeistert. Die beiden Brüder stritten sich oft. Christian fand Thomas immer zu ernst und zu streng und Thomas kam mit der lockeren Art von Christian nicht klar und hielt ihn für verantwortungslos. Was ja auch meiner Meinung so war. Christian als Protagonist war super interessant, aber ich glaube als Bruder wirklich selten zu gebrauchen.

Meine eigene Meinung

Ich könnte noch stundenlang aus diesem Buch erzählen, denn es gab durchaus noch ganz viele weitere Darsteller in diesem Familiendrama. Nicht umsonst hat dieses Buch so viele Seiten. Mich hat es begeistert, wie gut Thomas Mann den Verfall dieser Familie verpacken konnte. Er hat einen wahnsinnigen tollen Schreibstil gehabt. Er hat den Leser mit genommen und konnte diese tragische Geschichte irgendwie noch fröhlich erzählen. Ganz große Kunst. Ich glaube Buddenbrooks ist eines meiner liebsten klassischen Bücher bisher. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen, wenn man mal Klassik lesen möchte. Es ist lang und zwischendurch auch mal zäh, aber es lohnt sich sehr. Danke noch mal an die liebe Kerstin und die liebe Ann-Kathrin, dass wir dieses Buch gemeinsam gelesen haben. Als Buddyread war es super geeignet und es war so spannend drei verschiedene Blickwinkel auf dieses Buch zu bekommen. Ich habe, wie man auf den Bildern sehen kann, unzählige Stellen markiert, aber ich möchte auch nicht noch tiefer in die Geschichte vorgreifen- denn man muss sie gelesen haben.

Selbst gekauft/ S.Fischerverlag/ 13. Auflage 2017/ 759 Seiten/ 20€