Ich, Ellyn von Nell Leyshon

Ich, Ellyn ist wieder ein Buch von Nell Leyshon das nachträglich zu wirken vermag. Nach „Die Farbe von Milch“ und „Der Wald“ ist Ich, Ellyn wirklich wieder sehr großartig geschrieben. Nell Leyshon bewegt jeden Leser*in und schafft es trotz schwieriger Sprache etwas tolles zu gestalten.

Ellyn

Ellyn wächst in armen Verhältnissen auf. Sie muss zu Hause viel mit arbeiten, Felder bestellen, im Haushalt helfen. Sie haben nicht viel Geld und ihr Bruder ärgert sich ständig und fügt ihr Schmerzen zu. Ellyn ist überglücklich, denn sie hat eine kleine Schwester bekommen: Baby Agnes. Sie liebt ihre Schwester abgöttisch. Doch da ihr Vater ein gebrochenes Bein hat und die Mutter auch das Baby versorgen muss, müssen Ellyn und ihr Bruder viel arbeiten und Ellyn hat selten Zeit die kleine Agnes zu bewundern.

Ellyn hat eine Gabe- sie kann wunderschön singen. Dieses stellt sie eines Tages fest. Sie verirrt sich in eine Kirche, hört den Gesang, singt es nach und ist selbst verwundert, wie gut sie es kann. Ihr Talent bleibt auch nicht unentdeckt, denn eines Tages kommen Männer auf den Hof. Sie suchen Sänger für die Königin. Doch leider suchen sie nur Jungen. Mädchen sind nicht gewünscht. Einige Tage nach dem Besuch beschließt Ellyn sich die Haare zu schneiden und sich als Jungen auszugeben. Als John begibt sie sich zur Gesangsschule für Jungen. Oder besser gesagt einer Art Internat für Jungen.

Junge oder Mädchen?!

Einfach ist ihre Reise nicht. Sie trifft auf nette Jungs aber auch auf schlechte Jungs. Sie hat Fürsprecher, aber auch Neider. Sie muss aufpassen nicht aufzufallen und ein großes Manko: sie kann kaum richtiges Deutsch. Dieses wird ihr auf der Schule endlich beigebracht. Das Buch ist auch so aufgebaut, in der Ich Perspektive, dass die Sprache von Seite zu Seite besser wird. Ähnliches Vorgehen konnten wir auch bei „Die Farbe von Milch“ bewundern. Während der ganzen Tage im Internat hört Ellyn natürlich nicht auf an Baby Agnes zu denken, sie will der kleinen Schwester beweisen, dass Frauen auch mehr leisten können.

Nachdem Ellyn / John fast vergewaltigt wird von einem anderen Jungen, der scheinbar andere Jungen mag, offenbart sie ihr wahres Gesicht. Sie wird raus geschmissen, aber sie ist stolz auf sich. Sie konnte lernen, dass sie alles sein kann, was sie will. Frauen können alles sein, sogar eine Königin. Dieses will sie der kleinen Agnes unbedingt beibringen. Sie möchte ihr zeigen, dass man alles schaffen kann, wenn man an sich glaubt und Mut hat. Die Geschichte spielt in England im Jahr 1573, damals war von Frauenrechte noch gar keine Sprache und solche Mädchen wurden wahrscheinlich immer mit Vorsicht beobachtet. Umso mutiger scheint Ellyn zu sein.

Meine eigene Meinung

Ich mag die Bücher von Nell Leyshon sehr. Ich muss gestehen, dass ich immer schwer in die Sprache hinein komme. Umso weiter die Geschichte geht, umso einfacher wird es zum Glück. Ihre Geschichte haben aber immer eine besondere Botschaft im Gepäck. Und ich liebe bei jedem der drei Bücher die Covergestaltung sehr. Und, ich liebe die gezeichneten Charaktere in den Büchern. Nell Leyshon Bücher bekommen bei mir immer fünf Sterne, dieses hier natürlich auch.

Rezensionsexemplar/ Eisele Verlag/ Auflage 2022/ 223 Seiten/ 22€

Abschiedsgeschenk von Sarah Hölzl

Welch kleines Büchlein mit so viel Inhalt. In dem schmalen Buch von 127 Seiten verarbeitet Sarah Hölzl den Tod ihrer geliebten Oma. Abschiedsgeschenk ist im wahrsten Sinne ein Geschenk, welches sie ihrer Oma schreibt. Auch für jeden Leser*in ein Geschenk, denn es öffnet einem einen neuen Blickwinkel.

Der Abschied

Sarah und ihre Großmutter wollten dieses Buch eigentlich gemeinsam schreiben, denn das Schreiben hatte sie von dem schlimmen Krebs ferngehalten. Sie wollten nicht an die Krankheit denken, sondern an das gemeinsame Buch. Leider starb ihre Großmutter Lola bevor das Buch fertig war. Sarah brauchte dann eine ganze Weile, um sich zu überwinden das Buch zu beenden. Letztendlich war es ja ein Gemeinschaftsprojekt, aber nun als Abschiedsgeschenk wog dieses leichte Büchlein doch so viel mehr.

Sarah und Lola hatten ein tolles Verhältnis. Eine klassische Enkeltochter-Oma-Beziehung wie aus dem Bilderbuch. Ich kenne sowas leider nicht, aber es hört sich wunderbar an. Grundsätzlich ist es immer schwer einen lieben Menschen gehen zu lassen, aber bei besonderen Menschen fällt es noch schwerer. Sarah verarbeitet aber in diesem Buch ein wenig den Tod und nimmt die geschenkte Zeit mit ihrer Oma an. Sie lernt, dass ein Abschied auch schöne Erinnerungen hinterlässt.

Meine eigene Meinung

Das Buch ist aufgebaut wie eine Art Gedichtband, Geschehenes wird in kurzen Texten verpackt, dieses war zunächst ungewöhnlich, aber auch sehr nett. Ich finde die Idee toll, dass Sarah dieses Buch zu Ende schreibt und ihrer Großmutter widmet. Ich hoffe es verkauft sich super oft, einfach nur, weil es so rührend schön ist. Ich mochte dieses Buch sehr und freue mich das ich es lesen durfte. Ich wünsche Sarah alles Gute & viele tolle Erinnerungen an eine wunderbare Oma. Mehr möchte ich zu diesem kleinen, feinen Buch gar nichts sagen, denn es würde zu viel Inhalt verraten. Es hat es verdient gelesen zu werden – unbedingt!

Rezensionsexemplar/ Eisele Verlag/ Auflage 2022/ 127 Seiten