Loyalitäten von Delphine de Vigan

Mein erstes Buch von Delphine de Vigan sollte Loyalitäten sein. Ich habe es im Zuge der Lesegruppe „Gemeinsam Mitlesen“ gelesen. Ich kannte die Autorin bisher noch nicht und musste schnell feststellen, dass ich bisher etwas verpasst hatte. Delphine de Vigan hat einen geraden und unverblümten Schreibstil. Sie bringt Empfindungen und Gefühle sofort auf den Punkt und hat offensichtlich auch keine Angst schwierige Themen zu besprechen. Loyalitäten ist ein Buch, welches einem vor Augen führt, dass man manchmal Grenzen überschreiten muss, um jemandem helfen zu können. Die Grenzen der Loyalität zu durchbrechen kann durchaus Vorteile haben, wie die Autorin hier hervorbringt.

Theo

Der Hauptprotagonist ist Theo. Er ist gerade einmal zwölf Jahre alt und ist bereits dem Alkohol zugeneigt. Dieses hat allerdings auch seine Gründe. Theo ist ein Scheidungskind, viele von uns können sich mit ihm identifizieren. Doch nicht nur, dass seine Eltern getrennt leben, sie lästern auch gegenseitig übereinander und machen Theo das Leben schwer. Theo’s Mutter bekommt in meinen Augen am wenigsten mit, dass mit ihrem Sohn etwas nicht stimmt. Sie ist so davon besessen, dass Theo’s Vater ein schlechter Mensch ist, dass sie einfach nicht mitbekommt, was bei ihrem Sohn gerade los ist. Selbst als seine Lehrerin sich beginnt einzumischen, kommt seine Mutter nicht auf die Idee, dass etwas nicht stimmen könnte.

Theo’s Vater lebt in einer Depression. Er hat seinen Job verloren, er hat sein Auto verkauft und kommt mittlerweile noch nicht mal mehr aus dem Bett. Theo schämt sich für seinen Vater. Dennoch muss er jede zweite Woche bei ihm sein. Obwohl es dort immer unsauber und herunter gekommen aussieht. Theo ist dann derjenige, der aufräumt und Lebensmittel einkaufen geht. Seine Mutter und auch sonst niemand weiß davon. Theo ist es peinlich, deswegen sagt er es keinem. Seiner Mutter schon gar nicht, denn das würde nur Streit geben.

In seiner Not flüchtet er sich in den Alkohol. Am liebsten würde er sich ins Koma trinken. Das warme Gefühl was sich in ihm ausbreitet, wenn der Alkohol seine Kehle runter fließt beruhigt ihn.

Helene

Seine Klassenlehrerin Helene merkt reichlich früh, dass mit Theo etwas nicht stimmt. Sie selbst wurde als Kind misshandelt und erkennt daher komische Verhaltensweisen. In ihrer Sorge neigt sie oftmals zu Überreaktionen und Übertritt Grenzen. Doch schlussendlich ist sie die Einzige, neben Theo’s Freund Mathis die etwas bemerkt und die Handeln möchte. Solche Lehrer kann man sich eigentlich nur wünschen. Sie hat ihre Regeln und Vorschriften und dennoch missachtet sie sie, damit sie helfen kann. Sie schafft Aufmerksamkeit und auch Mathis wird durch sie motiviert nicht mehr zu Schweigen. Im Buch geht hervor, dass Theo sie auch vertrauensvoll findet, sich aber nicht wirklich traut sich ihr zu öffnen. Am Ende hat sie aber die Möglichkeit zu helfen.

Mathis und Cecile

Mathis ist Theo’s bester Freund. Er trinkt mit ihm Alkohol, aber lange nicht im selben Maß. Dennoch zieht Theo ihn mit hinein. Mathis Mutter Cecile, die Eheprobleme hat, merkt auch sehr schnell, dass etwas nicht stimmt. Besonders als sie die beiden beim Alkohol trinken erwischt. Mathis versucht Theo immer zu schützen, er ist seinem Freund gegenüber Loyal. Cecile hat von Anfang an ein schlechtes Gefühl bei Theo, aber auch sie kennt die Hintergründe nicht. Sie ist selbst in psychologischer Behandlung, weil mit ihrer Ehe etwas nicht stimmt. Ihr Mann William hat offensichtlich ein digitales Doppelleben und beteiligt sich an Debatten im Internet. Dabei vertritt er eine aggressive und rasisstische Einstellung, welche Cecile völlig fremd ist. Von alle dem bekommt Mathis aber Gott sei Dank nichts mit, er wundert sich nur, warum seine Mutter Selbstgespräche führt.

Meine eigene Meinung

Ich mag ihren Schreibstil sehr und ich mag Geschichten, die einen Sinn haben. Wie eingangs bereits erwähnt, geht es für mich darum, Loyalitäten über Board zu werfen und Verantwortung zu übernehmen. Ich muss gestehen, dass ich jetzt noch mehr von Delphine de Vigan lesen muss. Ich bin der Lesegruppe „Gemeinsam Mitlesen“ immer wieder dankbar für diese tollen Buchtipps. Bisher war jedes Buch ein Erfolg für mich.

Rezensionsexemplar/ 174 Seiten/ Taschenbuch/ Auflage 2020/ 10€

Honigtot von Hanni Münzer

Nachdem ich meine neue Liebe für Hörbücher entdeckt habe, kam ich nicht umhin das kostenlose Wunschbuch bei Audible auch noch zu testen. Dort habe ich mir dann Honigtot von Hanni Münzer heraus gesucht und ich muss gestehen, dass meine Entscheidung keine schlechte war. Witziger Weise habe ich auf meinem Stapel ungelesener Bücher auch den zweiten Band aus der Reihe ( Marlene ) schon liegen und daher passte diese Kombi prima zusammen.

Felicity

Das Buch startet in der modernen Zeit und spielt zuerst in den USA. Felicity’s Oma stirbt und ihre Mutter reist von heute auf morgen ohne ein Wort ab. Sie begibt sich auf eine Reise nach Rom, um dort ihre Mutter zu finden. Ihre Mutter kommt ursprünglich aus Rom, so glaubt sie zumindest und daher startet Felicity dort ihre Suche. Als sie ihre Mutter endlich findet, muss sie erfahren, dass ihre Familiengeschichte noch weitere dunkle Geheimnisse zu bieten hat. Denn ihre Urgroßmutter Elisabeth lebte in München zur Zeit des zweiten Weltkrieges und war mitten im Geschehen, als der damalige Führer an die Macht kam.

Elisabeth

Elisabeth ist eine begnadete Opernsängerin und keine Unbekannte in ganz Europa. Sie ist ursprünglich aus Österreich gekommen und hat in München ihren Mann Gustav kennen und lieben gelernt. Mit ihm zog sie nach München und verlebte seither ein ruhiges und gutes Leben. Gustav war Arzt und konnte somit eine Familie ernähren, eine Köchin und ein Hausmädchen halten. Man könnte sagen, es ging ihnen gut. Bis irgendwann die braune Politik immer stärker wurde und die Juden verfolgt wurden. Gustav war Jude und verschwand eines Tages spurlos.

Für Elisabeth brach eine Welt zusammen und sie reiste nach Berlin, um dort Nachforschungen direkt bei der SS einzufordern. Sie war tatsächlich in meinen Augen in vielen Punkten ganz schön naiv unterwegs. Sie ließ ihre Kinder alleine zurück in München und brachte sich dann auch noch selbst in Gefahr und das obwohl ihr Ehemann doch schon längst verschwunden war. Es begannen rasante Monate für die junge Mutter und die Schlinge zog sich immer weiter zu. Ob sie ihren Gustav wieder sehen durfte, dass wusste sie nicht. Einzig ihre Tochter Deborah und der kleine Sohn Wolfgang blieben ihr noch und um deren Wohl musste sie kämpfen. Zumal die beiden Kinder Halbjuden waren und somit auch nicht gewollt im eigenen Land. Nun war es an Elisabeth ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Als die offizielle Meldung kommt, dass Gustav angeblich tot sei, brach für die kleine Familie eine Welt zusammen. Ob die Nachricht denn stimmt, dass wussten sie nicht. Doch Elisabeth war gezwungen zum eigenen Schutz einen SS Offizier zu heiraten und sich und die Kinder damit zu schützen.

Deborah oder Maria

Ich glaube Deborah ist die Schlüsselfigur in diesem Buch und sie stellt am Ende die Verbindung zur Zukunft her. Nach dem Tot ihrer Mutter musste sie sich dem Offizier annehmen und hatte somit das Erbe dieser Bürde angetreten. Deborah war ein gebrochenes Mädchen, zu viel war in ihrer Kindheit schon geschehen und zu sehr ließ sie sich von der neuen Welt beeindrucken. Der Offizier offenbart ihr eine neue Welt und reist mit ihr durch einige Städte in Europa. Sie essen in noblen Restaurants und besuchen die Kaffeehäuser Europas. Und das alles, obwohl doch Krieg herrschte. Also irgendwie surreal die Vorstellung in der heutigen Zeit, dass es damals auch so etwas wie Normalität gab. Aber wahrscheinlich hatten SS Offiziere auch einfach ein „normaleres“ Leben.

Deborah lernt auf ihrer Reise auch Marlene kennen. Marlene gibt vor Schauspielerin zu sein und ist tatsächlich aber Spionin. Die beiden Frauen beginnen eine tiefe Freundschaft und sie verbindet mehr als sie erahnen. Marlene hilft Deborah erwachsen zu werden und die Welt in anderem Licht zu sehen. Marlene wird auch die Hauptfigur im Zweiten Teil der Honigtot Saga sein. Eine sehr spannende Protagonistin wie ich finde.

Meine eigene Meinung

Ich muss gestehen, dass ich Geschichten aus dem Ersten & Zweiten Weltkrieg sehr mag. Ich mag die Tragödie in diesen Geschichten und auch hier mag ich wieder die Generationsunterschiede der verschiedenen Frauen. Dennoch waren die Frauen in diesen Büchern immer auch ein wenig naiv. Ob das in der realen Welt auch so war, kann ich nicht bezeugen, aber in den meisten Büchern über diese Zeit war das so. Hanni Münzer hat einen wunderbaren Schreibstil in meinen Augen. Sie beschreibt diese grauenhafte Zeit in einer wunderbar bildlichen Sprache mit sehr viel literarischem Hintergrund. Sie verbindet Fakten mit Fantasie und schafft ein perfektes Familiendrama. Tatsächlich gefällt mir die Figur der Deborah bisher am besten, ich mag Charaktere in Büchern die einen Zwiespalt leben. Honigtot ist kein herausragendes Buch, denn ähnliche Geschichten gibt es wie Sand am Meer, aber ich mochte die Art der Autorin dennoch sehr gerne. Und ich muss sagen als Hörbuch fand ich es wunderschön. Die Stimmen waren super gewählt, ich liebte den bayrischen Akzent beim Hören und die Hintergrund Musik der Oper war auch super gewählt. In Summe ein in sich stimmendes Hörbuch und eine Empfehlung von mir. Marlene werde ich nun als Taschenbuch auch noch lesen, mal sehen, wie es als Buch wirken wird- anstelle eines Hörbuches.

Keine Kooperation mit Audible an der Stelle, dass Hörbuch gab es kostenlos, weil ich Prime Mitglied bin.

Kostenloses Hörspiel aus Audible/ keine Kooperation/ Auflage 2015/ 480 Seiten Taschenbuch/ 11€