Unverschämtes Glück von Jamel Brinkley

„Das amerikanische Debüt des Jahres“ so wird das Buch von Jamel Brinkley in den US Medien beschrieben. Unverschämtes Glück ist ein Buch mit neun Kurzgeschichten und jede Einzelne von Ihnen hat unverschämt viel Tiefgang. Jamel Brinkley verfügt über eine großartige Sprache und nimmt den Leser unweigerlich mit. Die Protagonisten in seinen Geschichten erfahren am eigenen Leib mit der Wahrheit konfrontiert zu werden. Und zwar der Wahrheit über sich selbst. Sie erleben Geborgenheit und Familie und aber auch das harte, unverblümte Leben. Unverschämtes Glück ist dafür in meinen Augen die richtige Buchbeschreibung, manche Protagonisten müssen lernen, welches Glück sie haben und wie sie dieses Glück heraus fordern können. Andere wiederum haben nie ein solches Glück erfahren. Tiefe menschliche Gefühle, aber auch Abgründe vermag Jamel Brinkley hier zu verbinden.

Ein bisschen was zum Inhalt

Ich könnte die einzelnen Geschichten gar nicht komplett beschreiben und vor allem würde ich Ihnen nicht gerecht werden. Also werde ich Euch nun ein paar Auszüge aus dem Buch zeigen, welche mir besonders gut gefallen haben:

J’Ouvert 1996: Diese Kurzgeschichte hat mich beeindruckt. Der kleine Ty und sein Bruder haben ihren Vater verloren. Er wird vermisst oder sitzt im Gefängnis, so ganz habe ich es nicht verstanden. Man erkennt in der Erzählung, dass farbige Bürger damals oft vermisst wurden und das vor allem auch die Justiz immer strenger mit ihnen umgegangen ist, als mit weißen Bürgern. Leider gibt es diese Art von Menschen/Rassenhass bis heute. Ty versucht also der starke Bruder zu sein und kommandiert seinen kleinen Bruder herum. Ihre Mutter ist mit sich selbst und ihren Männern beschäftigt, selbst für einen Friseurbesuch muss Ty betteln und bekommt keine Aufmerksamkeit. Sein kleiner Bruder hat sich eine „Scheinfreundin“ erschaffen, rein psychologisch ein Beweis für seine Einsamkeit. Ty empfindet jede Menge Liebe für seinen Bruder, doch er kann es erst zeigen, als der kleine Bruder kurz in einer Menschenmenge droht zu verschwinden. Eine traurige Geschichte, aber auch unverschämtes Glück, denn die beiden haben einander.

Unverschämtes Glück: Auch diese kleine Geschichte von Lincoln gefiel mir sehr. Lincoln fotografiert mit seinem Handy gerne junge Frauen, man könnte meinen, dass es eine sehr anstößige Geschichte ist. Doch er ist einfach nur fasziniert von ihnen, ein Fotograf ohne Mittel in meinen Augen. Was für mich aus dieser Geschichte hervor geht, ist das er seine eigene Tochter unendlich vermisst und in anderen Frauen ihr Gesicht zu erkennen vermag. Seine Tochter studiert in einer anderen Stadt und ist nur noch selten zu Hause. Lincoln wird mitten auf der Straße von weißen Männern angegriffen, weil sie glauben das er einer Frau hinterher geschaut hat und dieses mit schlechten Gedanken getan hat. Ich bin fest davon überzeugt, dass er nie etwas schlechtes im Hinterkopf hatte, sondern eher etwas künstlerisches. Aber ich kann mich auch täuschen.

Meine eigene Meinung

Jede dieser Kurzgeschichten hat etwas ganz besonderes, jede hat ihre eigene Message. Und die Art, wie Jamel Brinkley die tiefen Gefühle seiner Protagonisten beschreibt ist einzigartig. Literarisch ein Meisterwerk und ich hoffe er wird noch mehr Bücher schreiben. Zeitweise wirken die Geschichten subtil und simpel, doch im zweiten Blick erhascht man immer ein gewisses Detail. Man muss in diesem Buch eindeutig zwischen den Zeilen lesen – sehr sehr gut gearbeitet. Was aus diesen Erzählungen heraus geht ist immer wieder, dass die Welt eines farbigen immer noch anders läuft, wie die eines weißen Menschen. Für mich natürlich nicht verständlich, weil ich dieses Problem nicht kenne. Ich persönlich finde allerdings Menschen mit anderer Herkunft unglaublich interessant. Erschreckend ist einfach, das es in einem so modernen Buch immer noch ein Thema zu sein scheint. Und das in einer Stadt wie New York, wo Multikulti eigentlich an der Tagesordnung steht. Genau deshalb muss es immer wieder Bücher geben, die daraufhin weisen, dass es immer noch die Rassenungleichheit gibt. Diversität ist immer noch ein Thema, um das wir nicht herum kommen und das immer noch oder wieder mehr an Wichtigkeit gewinnt.

Ich liebte die Eindrücke aus New York und gerade aus Brooklyn in diesem Buch, es beschreibt meine Sehnsucht in diese Stadt. In meinen Augen ein ganz wunderbares Debüt und absolut lesenswert. Würde ich Sterne vergeben, wären es fünf von fünf Sterne. Und ganz wichtig: Ich liebe den Buchumschlag! Richtig gut gestaltet.

Danke an den Kein&Aber Verlag für dieses Exemplar, es war mir ein Vergnügen es lesen zu dürfen.

Rezensionsexemplar/ Kein&Aber Verlag/ Deutsche Ausgabe 2019/ 329 Seiten/ 22,00 €

Ein Baum wächst in Brooklyn von Betty Smith

Ein Baum wächst in Brooklyn von Betty Smith, ein Buch, dass schon ein wenig länger in meinem Bücherregal stand und nun endlich den Weg auf meinen Nachttisch gefunden hat. Ich hatte vorher schon so viele positive Kritiken gelesen, sodass ich nun nicht umhin kam, mir dieses tolle Buch nun endlich vor zu nehmen. Betty Smith wurde 1896 in Brooklyn geboren und ihr Roman “ Ein Baum wächst in Brooklyn“ ist bereits 1943 ein Riesen Erfolg gewesen. Sie war sogar 1944 für den Pulitzerpreis nominiert und dieser Erfolg hält bis heute an. Mich ziehen Bücher die im alten New York oder wie hier Brooklyn spielen magisch an, denn es ist einer meiner Lieblingsorte auf dieser Erde. Also war es unumgänglich, dass ich dieses Buch lesen musste.

Francie Nolan aus Williamsburg

Die Geschichte spielt Anfang des 19’ten Jahrhunderts in Williamsburg Brooklyn. Heute eines der In-Viertel schlecht hin am East River gelegen, war damals noch eines der ärmsten Bezirke von New York. Dort wächst die kleine Francie Nolan mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder auf. Schon zu Beginn des Buches spürt man, dass die kleine Francie ein ganz besonderes Mädchen ist und das sie eines Tages ihre Träume erreichen wird. Francie ist aufgeweckt, liebenswürdig und unglaublich klug. Ihre Mutter wird mit Anfang zwanzig bereits schwanger und ist mit Anfang dreißig Mutter zweier Kinder, arbeitet von morgens bis abends und wirkt eher unglücklich mit ihrer eigenen Situation. Die Familie lebt in ärmlichsten Verhältnissen und hat selten Geld für Lebensmittel oder gar anderer Dinge, die es zum Leben braucht. Francie und ihr Bruder müssen früh lernen, was es heißt, sich seinen Lohn hart zu verdienen.

Eine große Botschaft

Ein Baum wächst in Brooklyn erzählt aus einer Zeit, in der es viele Immigranten in den Vereinigten Staaten von Amerika gab. Viele Juden, Iren und Italiener sind zu dieser Zeit über den großen Fluss gekommen und haben geglaubt eine neue Welt entdecken zu können. Auch Francie’s Familie stammt ursprünglich aus Irland. Gefunden haben die meisten aber nur die Armut und das Leid einer noch jungen Generation von Weltenbummlern. Mit dem Start des Ersten Weltkrieges wurde dieses Leid nur noch größer und die Familien nur noch ärmer. Dennoch hat dieses Buch eine unglaublich positive Botschaft: man kann alles schaffen und vieles bewegen, wenn man nur daran glaubt. Francie unsere Protagonistin ist der beste Beweis dafür. Sie hört niemals auf daran zu glauben, dass sie es einiges Tages schaffen wird einen Highschool Abschluss zu machen und auf’s College zu gehen, weil sie Autorin werden möchte. Sie glaubt und sie kämpft sich durch, für mich ein großartiger Charakter den Betty Smith dort geschaffen hat.

( Zitat von Walt Whitman )

Ein Baum wächst in Brooklyn

Nun, was hat es mit dem Baum wohl auf sich? Ich denke, der Baum steht für Beständigkeit und für Heimat. Trotz all den Schwierigkeiten und trotz all der Armut, Francie weiß wo sie hin gehört und sie liebt ihr Brooklyn. Der Roman “ Ein Baum wächst in Brooklyn“ vermittelt uns ganz klassische Werte, so wie z.B.: Liebe, Familie, Zusammenhalt, Glauben, Nächstenliebe und vor allem Freude am Leben. Francie entdeckt eines Tages im Innenhof ihres Hauses einen Baum, dieser wächst und gedeiht, bis er eines Tages gefällt wird. Und nach einigen Jahren fängt er wieder an zu wachsen- er ist wie Francie selbst, er kämpft sich durch, um zu wahrer Größe zu gelangen.

Mein Fazit

Ein Baum wächst in Brooklyn von Betty Smith darf in keinem Bücherregal fehlen! Eine so starke Message verpackt in großartiger Literatur – mein absoluter #buchtipp

Lieblingssatz aus dem Buch:

Es musste ja dunkle und trübe Gewässer geben, damit die Sonne einen Hintergrund für ihre strahlende Herrlichkeit hatte.