Unsere Seelen bei Nacht von Kent Haruf

Kent Haruf habe ich im letzten Jahr für mich entdeckt. Nachdem ich den Roman „Lied der Weite“ gelesen hatte, war Kent Haruf auf meiner Liste immer ganz oben. Da war es naheliegend, dass ich “ Unsere Seelen bei Nacht“ auch lesen musste. Dieses Buch ist nun im Vergleich zu meinen letzten Büchern ein sehr ruhiges und aufgeregtes Buch. Kent Haruf ist der Meister der leisen Töne würde ich sagen. In seinen Büchern geht es nicht um wilde Ereignisse, sondern um starke Gefühle.

Die Geschichte von Addie und Louis

Louis und Addie sind ich schätze mal so etwa im Alter von 60 bis 70 Jahren. Beide haben ihren Ehepartner verloren und leben alleine. Deren Kinder wohnen nicht mehr in der selben Stadt und beide leben ein ganz bescheidenes und einsames Leben. Die Geschichte spielt in der Kleinstadt Holt ( ich vermute irgendwo in Arizona ), sowie auch schon das Buch „Lied der Weite“ dort gespielt hat. Addie kommt vor lauter Einsamkeit auf die Idee, dass sie ihren Nachbarn Louis doch einfach mal einladen könnte. Nun will die muntere, ältere Dame ihn aber nicht nur zum Tee einladen, sondern sie möchte, dass Louis bei ihr übernachtet. Sie sehnt sich in den langen einsamen Nächten einen Gesprächspartner. Louis findet den Vorschlag zwar merkwürdig, willigt aber ein und geht fortan jede Nacht Addie besuchen und verbringt die Nacht neben ihr im Bett. Sie liegen nebeneinander und tauschen sich aus, über ihr Leben, über ihre Kinder und was sonst noch so passiert. Die Leute in der Stadt fangen irgendwann an zu lästern, doch das stört die beiden nicht im geringsten. Addie’s Sohn findet das Ganze äußerst seltsam und möchte diese Freundschaft unterbinden. Er möchte keine Mutter, die sich in ihrem Alter noch mit einem völlig fremden Mann trifft. Vor allem, da der kleine Jamie ( sein Sohn ) etwas komisches denken könnte. Denn nachdem er seine Sommerferien bei Oma Addie verbracht hat, ist er ganz verrückt nach seiner Grandma und Louis.

Die Moral von der Geschicht

Ich fand das Buch Stellenweise eher langweilig, da nicht wirklich viel passiert ist. Es gab ein paar nette Dialoge, aber der große Akt hat mir tatsächlich gefehlt. Aber es gab mal wieder, so kenne ich es nun von Kent Haruf, eine Message in diesem Buch. Und zwar, dass Freundschaft manchmal alles bedeuten kann und das Liebe uns wirklich glücklich machen kann. Addie und Louis sind am Anfang nur Freunde, aber ich denke zum Ende wird klar, dass die beiden sich innig lieben. Es ist keine körperliche Liebe, so wie sie es vielleicht in jungen Jahren empfunden haben, sondern eine tiefe Verbindung von zwei Menschen. Kent Haruf schafft es, immer wieder, die tiefsten emotionalen Seiten eines Menschen heraus zu arbeiten. Und auch wenn ich das Buch nicht komplett überzeugend fand, so fand ich doch die Kunst des Autors mal wieder sehr gut. “ Unsere Seelen bei Nacht“ ist ein absolut menschliches Buch, voll von Liebe und Freundschaft und es zeigt, dass nicht immer die Familie der Mittelpunkt sein muss, sondern das auch aus ganz fremden Menschen Verbündete werden können.

Danke an den Diogenes Verlag für dieses Rezensionsexemplar. Ich bin und bleibe Fan von Kent Haruf und kann es jedem Fan des Autors nur Nahe liegen.

Rezensionsexemplar / Diogenes Verlag / Auflage 2017 / 197 Seiten / Taschenbuch / 12,00 €

Mein Bücherjahr 2018

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, heute ist der letzte Tag in diesem Jahr und ich lasse dieses Bücherjahr 2018 Revue passiere. Welche Bücher habe ich gelesen? Welche Bücher haben mir gefallen? Und welche Bücher haben es nun schlussendlich in mein Bücherjahr 2018 geschafft. Ich habe 2018 circa 66 Bücher gelesen und eine undefinierbare Dunkelziffer an Ebooks. Ich finde, dass ist schon eine Menge Lesestoff für ein ganzes Jahr, vor allem wenn man bedenkt das ich auch noch eine große berufliche Herausforderung hatte. Das ich nebenbei doch noch eine so fleißige Leserin war, dass überrascht mich selbst. Alle 66 Bücher waren besonders ausgewählt und ich kann sagen, dass mir mindestens 90% davon richtig gut gefallen haben. Natürlich schafft es nicht jedes Buch in mein Bücherjahr 2018, daher folgen nun meine persönlichen literarischen Highlights aus 2018:

Die Ermordung des Commendatore 1 & 2 Haruki Murakami

Mein absolutes Highlight in 2018 waren definitiv diese beiden Bücher von Haruki Murakami. Er ist mein Lieblingsautor und hat es daher absolut verdient hier als Erstes genannt zu werden. Die Ermordung des Commendatore ist eine fiktive Geschichte über einen Mann der nach der Trennung von seiner Frau versucht sich selbst wieder zu finden. Er ist Maler und daher hat er immer ein offenes Auge für die Kunst. In einem abgelegen Haus in den Bergen fernab von der Großstadt Tokio entdeckt der Künstler ein altes Gemälde mit dem Namen “ Die Ermordung des Commendatore„. Sofort ist er völlig eingenommen von diesem Gemälde und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Als ihm dann auch noch dieser kleine Mann (der Commendatore) persönlich erscheint, beginnt eine wilde Jagd in die Vergangenheit und in eine Geschichte, die nicht seine Eigene ist. Zwei wirklich gelungene Bücher vom Großmeister Haruki Murakami. Ich muss zugeben, man muss seinen Stil mögen, aber ich bin hin und weg. Lest dazu auch meinen Beitrag hier.

Elefant von Martin Suter

Auch bei meinem zweiten Highlight wird es wieder fiktiv. Martin Suter zählt als Zweiter Autor in diesem Rückblick zu meinen Lieblingsautoren. Elefant ist eine so tolle Geschichte über Menschlichkeit und Fantasie zugleich. Martin Suter schafft in diesem Roman eine Verbindung zwischen fiktiven Darstellungen und menschlichem Verhalten bei seinen Protagonisten. Urplötzlich erscheint ein kleiner rosa leuchtender Elefant in der Höhle eines Obdachlosen und verändert fortan sein Leben. Entstanden ist dieser kleine Elefant aus einem Genprojekt eines wahnwitzigen Forschers. Es beginnt ein Kampf zwischen Gut und Böse wenn man so will und die Message ist ganz einfach und simpel zugleich: Menschlichkeit. Ein wirklich großartiger Roman, wo ich leider zugeben muss, dass ich die Rezension noch nicht verfasst habe. Ein Vorsatz für 2019 würde ich sagen, denn bisher fehlten mir tatsächlich die passenden Worte für dieses süße Meisterwerk.

Heimkehren von Yaa Gyasi

Heimkehren ist der emotionalste Roman in meinem Bücherjahr 2018. Das Buch, erschienen im Dumont Buchverlag hat mich viele Tage danach noch beschäftigt. Eine so gewaltige Geschichte, mit so viel Trauer und Verachtung. Sklaverei wie man sich sie noch nie vorgestellt hat. Ein Buch was dich erschauern lässt und wo du anfängst an dieser Welt zu zweifeln, die so grausam sein konnte und es auch bis heute noch sein kann. Heimkehren erzählt von mehreren Generationen einer Familie, die den Anfang in der Sklaverei macht. Im Laufe der Jahre/ Generationen erleben die Familienmitglieder immer wieder unglaublich schreckliche Dinge. Als eine Tochter dieser Familie irgendwann nach vielen Jahren wieder nach Hause zurück kehrt, beginnt ein wenig Hoffnung in diese dunkle Geschichte zu gelangen. Die Rezension zu Heimkehren von Yaa Gyasi könnt ihr hier noch einmal nachlesen.

Miss Everest von Bonita Norris

Mein aktuellstes Buch aus 2018. Dieses habe ich erst vor kurzem beendet und mir war klar, dass muss in mein Bücherjahr 2018 aufgenommen werden. Miss Everest ist die Geschichte von Bonita Norris, wie sie als erste Frau Englands den Mount Everest besteigt. Dieses Buch sprüht nur so vor Motivation. Wenn man irgendwann mal ein Ziel im Leben hat und dieses verfolgen möchte und man dazu aber noch einen kleinen Motivationsschub benötigt, dann ist dieses Buch absolut richtig. Bonita Norris ist heute selbst als Motivationstrainerin tätig und hält verschiedenste Vorträge in ganz England. Auch hierzu gab es einen Blog für Euch.

Lied der Weite von Kent Haruf

Ein weiteres Highlight aus dem Diogenes Verlag, für mich mit eines der besten Bücher des Jahres 2018. Auch in diesem Buch steht Menschlichkeit im Vordergrund. Eine Geschichte über ein Mädchen, was ohne die Unterstützung ihrer Familie mit einer schweren Last ihr Leben beschreiten muss. Sie gerät an den falschen Freund und wird schwanger und steht am Ende ohne alles da. Gäbe es da nicht zwei ganz wunderbare Menschen, die das Mädchen bei sich aufnehmen. Zwei Männer, welche bisher nur für die Landwirtschaft gelebt haben bekommen nun eine ganz neue spannende Aufgabe. Die drei werden zu einer richtigen Familie. Das aber so ein Teenager gar nicht so einfach ist, lernen die beiden auch ganz schnell kennen. Doch alleine durch ihre Menschlichkeit schaffen sie für das Mädchen und ihr ungeborenes Kind und wunderbares zu Hause. Eine so tolle Geschichte, welche ihr hier noch einmal genauer nachlesen könnt.

Die Wahrheit über das Lügen von Benedict Wells

Und noch ein Lieblingsautor! Benedict Wells ist für mich auch einfach ein Must Read der heutigen Zeit, ein großartiger Autor. In die Wahrheit über das Lügen hat der Autor eine ganze Reihe von Kurzgeschichten gepackt, wo eine schöner ist, als die andere. Unter anderem ist dort auch eine bisher nie erwähnte Szene aus “ Vom Ende der Einsamkeit“ beschrieben. Ein Buch, was ich vor kurzem erst gelesen habe und was ich jedem nur empfehlen kann. Ich mochte vorher eigentlich keine Kurzgeschichten, aber diese hier sind wirklich toll. Auch dazu gab es einen Beitrag hier auf meinem Blog.

Nun, das war es auch schon. Mein Bücherjahr 2018. Ich könnte mindestens noch zwanzig  weitere Bücher nennen, welche ich als Highlight bezeichnen würde, aber das würde in einem Beitrag nun wirklich überhand nehmen. Ich habe versucht aus allen 66 Büchern, die Besten heraus zu suchen. Ich hoffe ich konnte Euch inspirieren für das Jahr 2019. Mein Ziel für 2019 ist es, erst einmal meine noch ungelesen Bücher aus 2018 zu lesen und mich noch mehr auf Neuentdeckungen zu stürzen. Also, wenn jemand Tipps für 2019 hat – immer her damit! Jetzt wünsche ich Euch erst einmal einen tollen Start in das neue Jahr und auf das uns 2019 noch mehr tolle Bücher begegnen werden. Xoxo Sarah

 

Folgende Bücher waren Rezensionsexemplare: Heimkehren von Yaa Gyasi ( Dumont Buchverlag ), Die Wahrheit über das Lügen von Benedict Wells und Lied der Weite von Kent Haruf ( Diogenes Verlag ). Alle anderen Bücher habe ich selbst gekauft. Ich bewerbe dennoch alle Bücher aus freien Stücken, weil sie mir einfach gefallen haben. 🙂 Ich danke den Verlegern für das bereitstellen dieser wunderbaren Exemplare. 

„Lied der Weite“ von Kent Haruf

Ich habe heute wieder ein neues Buch für Euch im Gepäck. Und zwar habe ich diese Woche „Lied der Weite“ von Kent Haruf beenden dürfen. Dieses stammt aus dem Diogenes Verlag und ich freue mich sehr, dass ich es lesen durfte. Zu Beginn habe ich einen Moment gebraucht, um in die Geschichte hinein zu kommen und es hat auch bis zum Schluss gedauert, bis das ich den Sinn überhaupt verstanden habe. Genau das, war es aber, was mich absolut von diesem Buch beeindruckt hat. Kent Haruf hat seine unglaubliche Message von Familie und Liebe bis zum Schluss immer ein wenig verschleiert. Ein wahrlich großartiges Buch.

Der Klappentext

Victoria, siebzehn und schwanger, wird von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt. Da überredet ihre Lehrerin Maggie die Brüder McPheron, zwei alte Viehzüchter, das Mädchen bei sich aufzunehmen. Ein erst wiederwilliger Akt der Güte, der das Leben von sieben Menschen in der Kleinstadt Holt in Colorado umkrempelt und verwandelt.

Kent Haruf lässt uns im Kleinen dem Großen, im Flüchtigen dem Bleibenden und in den Schwächen der Menschen der Kraft der Liebe begegnen. Für mich ist er einer der großen amerikanischen Schriftsteller.“ Bernhard Schlink ( Zitat )

Über das Buch

Lied der Weite“ erzählt eine Geschichte über ganz viel Nächstenliebe und Güte. Ein verlorenes Mädchen auf der Suche nach Halt und Anerkennung und zwei „alte“ unerzogene und total vereinsamte Männer, die ihr genau diese Liebe zu schenken vermögen. Oder beruht das sogar auf Gegenseitigkeit?! Kent Haruf versteht es, alles an Gefühl in seine Worte zu legen und den Leser tief zu berühren. Mich hat dieses Buch gefesselt und ich kam nicht umhin, es in nur wenigen Tagen durch zu lesen. „Lied derWeite“ ist kein Werk, was man nicht aus der Hand legen kann, weil es so spannend ist, sondern weil es vielmehr ein unsichtbares Band spinnt, welches dich nicht aufhören lässt zu lesen.

Die Brüder McPheron

Meine beiden Lieblingsprotagonisten in diesem Buch oder in so ziemlich jedem Buch, was ich bisher dieses Jahr lesen durfte. Diese beiden Brüder sind einfach unglaublich toll! Sie sind beide lange alleine gewesen und man sollte meinen, dass sie mit einem siebzehn jährigen Mädchen, welches auch noch schwanger ist, heillos überfordert sein müssten, aber sie legen einfach all ihr Herzblut in diese neue Aufgabe und begeistern damit jeden Leser. Ich hoffe diese beiden lieben Menschen gibt es wirklich irgendwo auf dieser Welt, denn wir brauchen eindeutig noch viele mehr von Ihnen. Menschen, die ihr eigenes Leben hinten anstellen, um einem schutzlosem Wesen wie Victoria zu helfen und ihr ein zu Hause zu geben.

Mein Schlusswort

Jeder sollte „Lied der Weite“ von Kent Haruf gelesen haben. Für mich ein literarisches Meisterwerk an amerikanischer Kleinstadtgeschichte. Ich beendete dieses Buch mit einem leichten Seufzer und einem wohligem Gefühl – großartig!

(Werbung) Danke an den DiogenesVerlag für dieses tolle Lesevergnügen.