1984 von George Orwell

In unserer Lesegruppe haben wir uns für dieses Jahr sehr viele Klassiker vorgenommen und daher kam George Orwell nun auch einmal dran. Ich persönlich hatte bisher nur „Die Farm der Tiere“ gelesen und war daher sehr gespannt auf 1984. Ich muss vorwegsagen, dass dieses Buch schon durchaus eine sehr harte Kost darstellt. Die Dystopie, welche George Orwell sich hier erschaffen hat nimmt den Leser eindeutig mit und beschäftigt den Geist nachhaltig.

Winston Smith & seine Umgebung

Winston ist die Hauptfigur in diesem Buch. Er ist 39 Jahre alt und schon sehr resigniert. Ist Mitglied der äußeren Partei von Ozeanien und arbeitet im Wahrheitsministerium als Büroangestellter. Er schreibt untere anderem Zeitungsberichte um, weil sich die Geschichte verändert hat. Die Partei kontrolliert alles und jeden über so genannte Telebildschirme. Man kann sich nicht frei bewegen oder frei sprechen oder sogar denken. Es gibt die Gedankenpolizei, welche sofort erkennt, wenn man den falschen Weg einschlägt. Winston Smith hat der Autor vom Namen Winston Churchill abgeleitet und hat diesen einfach mit Smith ersetzt (kleiner Funfact am Rande aus Wikipedia). Winston ist sich ziemlich sicher, dass die Partei die Vergangenheit immer wieder umschreibt. Er ist sich sicher, dass Ozeanien nicht schon immer mit Eurasien im Krieg war. Oder war es doch Ostasien?! So ganz sicher ist er nicht, aber er weiß, dass die Geschichte geändert wurde. Im Grunde zweifelt er an der Partei und dem großen Bruder, dem Oberhaupt des Staates.

George Orwell beschreibt eine sehr grausame Welt, wie wir sie schon in Filmen wie „Die Tribute von Panem“ oder „Die Bestimmung“ in der heutigen Zeit kennen. Ich vermute, dass diese Bücher/Filme von der Grundidee auf diesem Buch aufbauen, denn die Idee eines Überwachungsstaates ist sehr ähnlich. Und wenn man bedenkt, dass „Big Brother“ uns zeigt, dass so etwas tatsächlich möglich ist, gar nicht so abwegig. Nach meinen Recherchen beschreibt Orwell die Zeit um 1948 herum und hat nur die Daten vertauscht zu 1984 und er beschreibt ein wenig die Regierung Roosevelts. Zwar gab es keinen Überwachungsstaat in diesem Ausmaß, aber so ganz weit weg von der Realität war George Orwell damals nicht. Und auch heute findet man ähnliche Staatsprofile in unserer Welt.

Julia & die Gedankenpolizei

Winston lernt Julia kennen und stellt fest, dass auch sie das System nicht für gut befindet. Sie fügt sich zwar besser ein, als er, aber auch sie zweifelt an vielen Vorgehensweisen. Gemeinsam treffen sie sich heimlich zum Liebesspiel, denn Liebe zwischen Mann und Frau ist nicht erlaubt. Viele vor Ihnen sind dadurch der Gedankenpolizei zum Opfer gefallen. Diese Menschen wurden vaporisiert ( so nennt er es in diesem Buch ) diese Menschen hören einfach auf zu existieren. Lange geht das Versteckspiel gut, bis sie sich an O’Brien wenden. O’Brien so glaubt Winston, ist ein Verbündeter gegen die Partei. Sie suchen ihn auf, weil sie der geheimen Bruderschaft beitreten wollen, um die Partei und den Großen Bruder zu stürzen. O’Brien verspricht, dass er alles in die Wege leiten wird und das Julia und Winston der Bruderschaft beitreten können. Natürlich kommt am Ende alles anders. Julia und Winston landen im Ministerium für Liebe, welche nichts Gutes verheißen soll. Es gibt dort das Zimmer 101, ein Raum, in dem niemand rauskommt, als der, der er vorher war. Winston und Julia werden gefoltert und einer Gehirnwäsche unterzogen und sind danach völlig andere Menschen. Dies war der krasse Teil des Buches. Es klingt für jemanden der die deutsche Geschichte kennt, nach Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg oder danach. Ich denke, dass es auch da Zusammenhänge der Geschichte zu diesem Buch gab. Verhörtechniken und Folter waren auch im zweiten Weltkrieg nichts ungewöhnliches und auch Arbeiterlager ist uns allen ein Begriff. Umso mehr schockiert dieses Buch als Dystopie für das Jahr 1984, was für George Orwell in diesem Fall noch in der Zukunft lag. Am Ende des Buches ist Winston ein großer Fan der Partei und denkt, er wurde geheilt…

Ein Auszug aus dem Buch, der mich ganz gut gefallen hat:

„….Die Proleten ( Prolls ), so fiel ihm plötzlich ein, hatten sich diesem Zustand bewahrt. Sie waren nicht einer Partei, einem Land oder einer Idee treu, sie waren einander treu. Zum ersten Mal in seinem Leben verachtete er die Prolls nicht und betrachtete sie nicht nur als eine träge Kraft, die eines Tages zum Leben erwachen wird und die Welt erneuern würde. Die Prolls waren menschlich geblieben…“

Die Prolls übrigens waren die Arbeiterklassen. Sie gehörten nicht der Partei an und hatten auch keine große Bildung genossen. Sie durften weiter leben wie zuvor, zwar arm und mit Rationierungen, aber zumindest in Freiheit und ohne große Gesetze und Vorschriften. Wenn man es in den Buch liest, waren es ganz normale Menschen mit einem Job, aber auch auf der Straße lebende Menschen.

Meine eigene Meinung

Wie bereits erwähnt, fand ich dieses Buch wirklich teilweise grausam. Ich habe allerdings viele solche Geschichten schon einmal gelesen, mit dem Unterschied, dass dieses wahre Geschichten waren und keine Dystopien. George Orwell schafft es immer wieder Fantasie und Realität miteinander zu verbinden. Seine Geschichten haben auch immer einen Anteil Wahrheit. Er benutzt geschichtliche Geschehnisse und Namen und formt sie um und löst damit eine gewisse Panik in den Menschen aus. Literarisch eine Meisterleistung. Auch wenn das Buch sehr düster ist, finde ich es dennoch sehr gut. „Farm der Tiere“ fand ich nicht weniger grausam, aber auch genauso gut, denn der Autor ist wirklich großartig. Und leider verfasst er nicht immer nur reine Fantasie. In der Lesegruppe haben wir uns durchaus schwer getan mit dem Buch, aber ich bin froh es gelesen zu haben.

Selbst gekauft/ Nikol/Neuübersetzung 2021/ Gebundene Ausgabe/ 400 Seiten/ 7,95€

Menschen im Hotel von Vicki Baum

In unserer Buddyread Gruppe lesen wir momentan überwiegend klassische Literatur und da der Kiwi Verlag die Bücher von Vicki Baum in einer tollen Taschenbuch Ausgabe neu aufgelegt hatte, konnten wir nicht umhin, dieses Buch zu lesen. Menschen im Hotel haben wir alle drei zum ersten Mal gelesen und ich für meinen Teil hatte auch noch nie etwas von Vicki Baum gelesen. Dementsprechend hatten wir eine ganz große Erwartungshaltung an dieses Buch.

Menschen im Hotel

Im Grand Hotel in Berlin in den zwanziger Jahren treffen eine Handvoll Menschen aufeinander und keiner verlässt das Hotel am Ende so, wie er es betreten hatte. Vicki Baum beschreibt den Aufenthalt von fünf verschiedenen Hauptpersonen und wie sie im Hotel aufeinandertreffen und sich ihre Geschichten verstricken. Bis auf zwei Personen kannten sich die Gäste des Hotels vorher nicht und auch diese zwei Personen hatten sich vorher noch nie gesehen. Umso witziger ist die Tatsache, dass alle Geschichten sich irgendwie verstricken werden. Sie alle reisen allein, aus unterschiedlichen Gründen und ich würde behaupten, dass auch alle fünf in irgendeiner Form einsam sind und eine Gesellschaft dringend benötigen.

Eine der Personen ist die alternde Ballerina Grusinskaja. Sie hatte ihre Bühnen Erfolge und ist auch stadtbekannt, aber so langsam kommt sie in die Jahre. Aus Frust und aus Furcht vor Niederlagen kontrolliert sie ihr ganzes Ensemble und treibt alle um sie herum in den Wahnsinn. Ihre Vertrauten glauben weiterhin an ihren späten Erfolg und stehen ihr bei, dennoch ist sie ziemlich allein. Eines Nachts wird bei ihr im Hotelzimmer versucht einzubrechen. Baron Gaigern, ein anderer Hotelgast braucht dringend Geld und versucht ihre Perlen zu stehlen. Doch bei dem Versuch über die Balkone zu klettern kann er nicht rechtzeitig flüchten und wird von der Grusinskaja auf frischer Tat ertappt. Natürlich kann sich der feine Baron herausreden und eine wilde Nacht beginnt. Als er merkt, wie fertig mit den Nerven die Tänzerin ist, nimmt er sich ihrer an und umsorgt sie die ganze Nacht. Die Perlen vergisst er darüber hinaus völlig und eine kleine Liebesgeschichte beginnt. Diesen Teil des Buches mochte ich wirklich sehr, denn beide Charaktere waren wunderbar gezeichnet und die Story war witzig und unterhaltsam.

Auch interessant fand ich den Protagonisten Dr. Otternschlag. Er war ein einsamer Mann, der ganz allein reiste und auch offensichtlich keine Freunde hatte. Er fragte jeden Tag den Portier, ob den Post oder ein Anruf für ihn gekommen sei. Leider war dieses nie der Fall. Im Laufe der Tage im Grand Hotel begegnete er dem Herrn Kringelein, ein Mann, dem der Tod vorausgesagt wurde. Sie freundeten sich an und wollten sich zusammentreffen, doch leider kam auch hier Baron Gaigern dem Dr. Otternschlag zuvor und so verlor er auch diesen Freund. Dr. Otternschlaf hatte die These aufgestellt, dass kein Gast das Hotel durch die Drehtüre verlässt, wie er hineingekommen ist. So als ob diese Drehtür jedes Leben verändern würde. Diese Metapher fand ich großartig, denn im Prinzip ist jedes Leben wie diese Drehtür, denn es gibt keinen Stillstand, es verändert sich immer etwas.

Meine eigene Meinung

Natürlich könnte ich Euch noch mehr von den einzelnen Protagonisten erzählen, aber dann müsstet ihr dieses Buch nicht mehr lesen und das wäre wohl auch schade. Tatsächlich tat ich mich sehr schwer mit diesem Roman. Er hatte gute Szenen, aber auch lange Strecken. Zumindest ist das meine Meinung und im Buddyread kam diese Meinung auch ein wenig raus. Was ich allerdings sehr mochte, waren die Beschreibungen der Charaktere. Jeder von Ihnen war irgendwie spannend. Der eine sympathischer als der andere, aber alle spannend. Vicki Baum konnte also richtig gut Personen zeichnen und diese miteinander verbinden. Die Geschichte des Hotels an sich fand ich auch gut gewählt und auch die Botschaft dahinter hat überzeugt. Kein einfaches Buch für mich, aber dennoch mochte ich es irgendwie. Ich würde vielleicht keine fünf Sterne vergeben, weil es mich nicht komplett umgehauen hat, aber zumindest eine gute drei bis vier Sterne Bewertung hätte es schon verdient.

Hier ein Auszug aus dem Buch, welchen ich sehr nett fand:

Es ist eine dumme Fabel, dass Hotelstubenmädchen durch die Schlüssellöcher schauen. Hotelstubenmädchen haben gar kein Interesse an den Leuten, die hinter den Schlüssellöchern wohnen. Hotelstubenmädchen haben viel zu tun und sind angestrengt und müde und alle ein wenig resigniert, und sie sind vollauf beschäftigt mit ihren eigenen Angelegenheiten…

Selbst gekauft/ Kiwi Verlag/ Taschenbuch/ Auflage 2007/ 336 Seiten/ 12,00€

Thomas Mann – Buddenbrooks

Was für eine Geschichte! Ich habe lange überlegt, ob ich mich an einen Thomas Mann heran trauen möchte. Ich war bereits beim Zauberberg verzweifelt. Bücher aus der Zeit erscheinen einem zuweilen langwierig und zu schwere Kost für die heutige Zeit. Nicht so Buddenbrooks. Diese Familiengeschichte hat mich seit Beginn des Jahres 2022 begleitet. Auch hier habe ich dieses Buch in einer Lesegruppe gelesen und bin froh, dass wir es durch gezogen haben. Thomas Mann konnte auf jeden Fall wunderbar Familientragödien schreiben. Seine visuelle Sprache hilft einem dabei, sich in seine Welt denken zu können. Viele Stellen in diesem Buch haben mich wirklich beeindruckt.

Familie Buddenbrooks

Wir begleiten die Familie Buddenbrooks und beginnen mit dem Konsul Johann Buddenbrook. Dieser hat mit seiner Gattin drei Kinder: Thomas, Christian und Antonie ( Tony ). Alle drei wachsen in einem goldenen Zeitalter auf, das Handelsunternehmen ihres Vater, dieser ist Kaufmann, läuft sehr gut und die Familie Buddenbrooks hat ein großes Ansehen in der Stadt Lübeck. Sie wohnen in einem großen Haus, geben oft Gesellschaften und das Familienunternehmen steht an erster Stelle. Besonders in Sohn Thomas setzt der Konsul all seine Hoffnung. Er soll eines Tages das Geschäft weiter führen. Die drei wachsen als Kinder noch sehr unbeschwert auf. Sie haben alles was sie brauchen und noch keine Sorgen, noch ahnen sie nicht, was sie noch erleben werden.

Tony

Tony wächst zu einer hübschen jungen Frau heran und natürlich muss sie schnellstmöglich heiraten. Konsul Buddenbrooks nimmt dafür eine hohe Mitgift auf. Sie heiratet den Kaufmann Grünlich. Ein sehr unangenehmer Zeitgenosse, wenn man mich Fragen würde. Er war mir von Anfang an unangenehm und unsympathisch in diesem Buch. Gemeinsam zeugen sie die Tochter Erika und scheinen ein fast glückliches Leben in Hamburg zu führen. Doch Grünlich ist eigentlich Pleite und hat die Hochzeit nur genutzt, um an neues Geld heran zu kommen. Als Tony das merkt wendet sie sich an ihren Vater und die Ehe wird sofort beendet. Scheidung Nummer 1. Man muss dazu sagen, dass Tony sich vor der Hochzeit mit Grünlich eigentlich in einen anderen verliebt hatte. Der kam jedoch nicht aus einer angesehenen Familie. Grünlich hatte sie auch nur aus reinem Pflichtgefühl heraus geheiratet. Die zweite Ehe schloss sie mit dem Bayer Permaneder. Auch hier beginnt alles recht glücklich, bis er ihr fremd geht. Johann Buddenbrooks ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot und Thomas muss nun für seine Schwestern eintreten. Er versteht den Ärger zunächst nicht, denn ein fremdgehen könnte man doch verzeihen, seiner Meinung nach. Heutzutage gar nicht vorstellbar, dass man damals so gedacht hat. Also Scheidung Nummer 2. Tony ist somit eher das schwarze Schaf der Familie und entscheidet ab da für sich zu bleiben und sich ihrer Tochter Erika zu erfreuen. Doch auch Erika erlebt eine Scheidung. Alles finanziert aus dem Vermögen der Firma Buddenbrooks.

Thomas

Thomas ist das Oberhaupt der Familie nach dem Tod seines Vaters Johann. Von ihm wurde schon immer viel erwartet. Mit Anfang dreißig muss er nun eine Familie und ein Unternehmen führen. In der heutigen Zeit würde das viele junge Männer überfordern, denke ich. Er selbst heiratet die schöne Gerda aus Amsterdam. Sie liebt die Musik und verdreht Thomas den Kopf. Die meisten mögen sie aber nicht, da sie ein eher kühles Wesen hat. Sie unterstützt ihren Mann leider auch wenig und betrügt ihn eines Tages sogar. Dennoch haben sie gemeinsam einen Sohn, Johann Junior oder kurz Hanno genannt. Hanno lebt in seiner eigenen Welt. Er liebt es Klavier zu spielen und er hat überhaupt nichts übrig für die Firma Buddenbrooks. Sehr zum Leid von Thomas, denn er hätte ihn irgendwann gerne als Erben gesehen. Wer Thomas das Leben noch schwer macht, ist der Bruder Christian. Er ist eher ein Herumtreiber. Er arbeitet zwischendurch in London und will von den Pflichten zu Hause auch nicht viel hören. Thomas ärgert das sehr, denn er könnte Unterstützung gebrauchen. Als Thomas eines Tages nach einem missglückten Zahnarztbesuch nach Hause gehen möchte, fällt er auf der Straße um und stirbt an seinen Verletzungen. Er hatte schon vorher immer wieder Probleme mit den Lungen gehabt und hat sich eindeutig mehr als überarbeitet. Die ganze Last der Familie Buddenbrooks lag auf ihm und diese hat ihn irgendwann zerdrückt. Eigentlich ist Thomas mein Lieblingsprotagonist in diesem Buch, denn mit ihm hatte ich sehr viel Mitgefühl. Er wirkte oftmals zu streng, aber er hat alles nur für die Familie getan, um sein Versprechen seines Vaters gegenüber einzuhalten.

Christian

Er war eindeutig der glücklichere Bruder. Er hat sein Leben einfach gelebt und hatte immer einen lustigen Spruch auf Lager. Gesundheitlich war er zwar auch nie ganz fit und konnte auch gut darüber lamentieren, aber im Grunde hatte er es gut. Er hat das Erbe nicht angetreten und hat sich auch sonst schön heraus gehalten. Zu Feierlichkeiten oder Beerdigungen kam er, aber sonst war er viel unterwegs. Er verliebte sich eines Tages in eine Theaterdarstellerin, sehr zum Unverständnis seiner Familie. Vor allem Thomas war darüber nicht sehr begeistert. Die beiden Brüder stritten sich oft. Christian fand Thomas immer zu ernst und zu streng und Thomas kam mit der lockeren Art von Christian nicht klar und hielt ihn für verantwortungslos. Was ja auch meiner Meinung so war. Christian als Protagonist war super interessant, aber ich glaube als Bruder wirklich selten zu gebrauchen.

Meine eigene Meinung

Ich könnte noch stundenlang aus diesem Buch erzählen, denn es gab durchaus noch ganz viele weitere Darsteller in diesem Familiendrama. Nicht umsonst hat dieses Buch so viele Seiten. Mich hat es begeistert, wie gut Thomas Mann den Verfall dieser Familie verpacken konnte. Er hat einen wahnsinnigen tollen Schreibstil gehabt. Er hat den Leser mit genommen und konnte diese tragische Geschichte irgendwie noch fröhlich erzählen. Ganz große Kunst. Ich glaube Buddenbrooks ist eines meiner liebsten klassischen Bücher bisher. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen, wenn man mal Klassik lesen möchte. Es ist lang und zwischendurch auch mal zäh, aber es lohnt sich sehr. Danke noch mal an die liebe Kerstin und die liebe Ann-Kathrin, dass wir dieses Buch gemeinsam gelesen haben. Als Buddyread war es super geeignet und es war so spannend drei verschiedene Blickwinkel auf dieses Buch zu bekommen. Ich habe, wie man auf den Bildern sehen kann, unzählige Stellen markiert, aber ich möchte auch nicht noch tiefer in die Geschichte vorgreifen- denn man muss sie gelesen haben.

Selbst gekauft/ S.Fischerverlag/ 13. Auflage 2017/ 759 Seiten/ 20€

Die Ballade vom traurigen Café – Carson McCullers

Ein Klassiker aus dem Jahre 1971, dieses kleine Büchlein habe ich im Zuge einer Leserunde vom Diogenes Verlag gelesen und möchte Euch natürlich dazu auch ein bisschen was erzählen. Ich mag eigentlich „alte“ Bücher und kann mich auch gut in eine andere Zeit hinein versetzen, aber ich muss leider sagen, es fiel mir hier ein wenig schwer. Die Originalausgabe stammt aus 1943 und ich vermute mal, das auch die Geschichte so in etwa zu der Zeit spielt. Genau wird das nicht genannt und auch der genaue Ort ist mir nicht wirklich bekannt. Es spielt auf jeden Fall in den USA in einem einsamen Ort mitten im Nirgendwo. Klassische Weite der USA würde ich sagen. Die Charaktere haben auch ein bisschen was von einem alten Western.

Wild Wild West

Wie schon gesagt, der Roman “ Die Ballade vom traurigen Café“ erinnert mich an einen Westernstreifen. Carson McCullers selbst ist 1917 in Georgia geboren und irgendwie passt das von der Zeit alles in mein Bild. Aber zurück zum traurigen Café. Mitten im Nirgendwo, in einem kleinen Städtchen leben eine Hand voll Menschen den klassischen amerikanischen wilden Westen. Es gibt Farmland, Whiskey, Pferde und eine Baumwollfarm – wie gesagt, klassisch. Die Hauptfigur ist Miss Amelia. Als ich den Klappentext gelesen hatte, habe ich an eine kleine alte Dame gedacht, nun ja – falsch gedacht. Miss Amelia ist eine stämmige 1,85 Meter große Frau, die gerne Whiskey trinkt und diesen auch selbst brennt und die so ziemlich die raueste Person der Stadt ist. Am Anfang des Buches hatte ich fast schon Angst vor ihr, aber zum Ende hin hatte ich Mitleid mit Miss Amelia.

Zwei Männer, eine Frau und die Liebe

Miss Amelia hat es nicht leicht. Oder haben es die Männer nicht leicht? Ich bin mir nicht sicher. Ihr erster Mann ändert sein komplettes Leben für Miss Amelia. Vom Landstreicher und Taugenichts, wird er zum liebenden Verehrer und kann auch so ihr Herz kurzzeitig gewinnen. Doch nach der Hochzeit lässt sie ihn kalt abblitzen und der arme weiß sich nicht mehr zu helfen. Die Scheidung folgt und Marvin Macy wird wieder zum gesuchten Gangster und landet in einem Gefängnis in Atlanta. Auf einmal taucht nach Jahren ein vermeintlicher Vetter bei Miss Amelia auf. Vetter Lymon ist klein, hässlich und hat einen Buckel und behauptet ihr Vetter….wievielten Grades zu sein? Ich bin nicht ganz sicher. Sie selbst zweifelt vermutlich an der Verwandtschaft, aber dennoch lässt sie ihn bei sich wohnen. Viele Jahre gehen ins Land und Miss Amelia wird weicher und netter durch ihre Liebe zu Vetter Lymon. Aber klar, da war ja noch eine Rechnung mit Marvin Macy offen. Lange Rede, kurzer Sinn, die beiden Männer verbünden sich und lassen die arme Miss Amelia nach einem Zweikampf im Stich.

Das Café als Mittelpunkt der Gesellschaft

Was hat denn nun das Café damit zu tun?! Miss Amelia hat schon immer Whiskey gebrannt und diesen an ihre Nachbarn und Freunde verkauft, doch erst als Vetter Lymon auftaucht, machen die beiden aus dem “ Verkaufsraum“ ein Café. Jeden Abend kehren nun die Stadtbewohner ein, um etwas zu essen, Whiskey zu trinken und die neuesten Erzählungen auszutauschen. Das Café wird zum Mittelpunkt der Stadt und schafft eine nette Atmosphäre. Die Metapher für mich war an dieser Stelle, dass ein gemeinschaftlicher Ort so viel Wärme erzeugen kann, dass sogar ein so trauriges Städtchen ein bisschen Leben erschaffen kann. Leider wird das Café geschlossen, nachdem die beiden Männer unsere Miss Amelia verlassen haben. Die Stadt verkümmert genauso wie Miss Amelia selbst, denn ihr wurde das Herz gestohlen und der Stadt im selben Atemzug auch.

Mein Fazit

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es mag oder nicht. Die Geschichte ist eher traurig und fast schon bitter und die ganze Atmosphäre ist schon etwas eingestaubt. Ich mag aber tatsächlich den Charakter Miss Amelia, auch wenn sie am Anfang sehr schroff wirkt. Carson McCullers und sein Buch “ Die Ballade vom traurigen Café“ ist ein nettes Buch für zwischendurch, aber so richtig überzeugt hat es mich nicht. Aber, das ist nur meine Meinung, lest es doch einfach mal selbst.

Diogenes Verlag / Auflage 1971 / Taschenbuch / 10,00€ / 116 Seiten / selbst gekauft