Die Ballade vom traurigen Café – Carson McCullers

Ein Klassiker aus dem Jahre 1971, dieses kleine Büchlein habe ich im Zuge einer Leserunde vom Diogenes Verlag gelesen und möchte Euch natürlich dazu auch ein bisschen was erzählen. Ich mag eigentlich „alte“ Bücher und kann mich auch gut in eine andere Zeit hinein versetzen, aber ich muss leider sagen, es fiel mir hier ein wenig schwer. Die Originalausgabe stammt aus 1943 und ich vermute mal, das auch die Geschichte so in etwa zu der Zeit spielt. Genau wird das nicht genannt und auch der genaue Ort ist mir nicht wirklich bekannt. Es spielt auf jeden Fall in den USA in einem einsamen Ort mitten im Nirgendwo. Klassische Weite der USA würde ich sagen. Die Charaktere haben auch ein bisschen was von einem alten Western.

Wild Wild West

Wie schon gesagt, der Roman “ Die Ballade vom traurigen Café“ erinnert mich an einen Westernstreifen. Carson McCullers selbst ist 1917 in Georgia geboren und irgendwie passt das von der Zeit alles in mein Bild. Aber zurück zum traurigen Café. Mitten im Nirgendwo, in einem kleinen Städtchen leben eine Hand voll Menschen den klassischen amerikanischen wilden Westen. Es gibt Farmland, Whiskey, Pferde und eine Baumwollfarm – wie gesagt, klassisch. Die Hauptfigur ist Miss Amelia. Als ich den Klappentext gelesen hatte, habe ich an eine kleine alte Dame gedacht, nun ja – falsch gedacht. Miss Amelia ist eine stämmige 1,85 Meter große Frau, die gerne Whiskey trinkt und diesen auch selbst brennt und die so ziemlich die raueste Person der Stadt ist. Am Anfang des Buches hatte ich fast schon Angst vor ihr, aber zum Ende hin hatte ich Mitleid mit Miss Amelia.

Zwei Männer, eine Frau und die Liebe

Miss Amelia hat es nicht leicht. Oder haben es die Männer nicht leicht? Ich bin mir nicht sicher. Ihr erster Mann ändert sein komplettes Leben für Miss Amelia. Vom Landstreicher und Taugenichts, wird er zum liebenden Verehrer und kann auch so ihr Herz kurzzeitig gewinnen. Doch nach der Hochzeit lässt sie ihn kalt abblitzen und der arme weiß sich nicht mehr zu helfen. Die Scheidung folgt und Marvin Macy wird wieder zum gesuchten Gangster und landet in einem Gefängnis in Atlanta. Auf einmal taucht nach Jahren ein vermeintlicher Vetter bei Miss Amelia auf. Vetter Lymon ist klein, hässlich und hat einen Buckel und behauptet ihr Vetter….wievielten Grades zu sein? Ich bin nicht ganz sicher. Sie selbst zweifelt vermutlich an der Verwandtschaft, aber dennoch lässt sie ihn bei sich wohnen. Viele Jahre gehen ins Land und Miss Amelia wird weicher und netter durch ihre Liebe zu Vetter Lymon. Aber klar, da war ja noch eine Rechnung mit Marvin Macy offen. Lange Rede, kurzer Sinn, die beiden Männer verbünden sich und lassen die arme Miss Amelia nach einem Zweikampf im Stich.

Das Café als Mittelpunkt der Gesellschaft

Was hat denn nun das Café damit zu tun?! Miss Amelia hat schon immer Whiskey gebrannt und diesen an ihre Nachbarn und Freunde verkauft, doch erst als Vetter Lymon auftaucht, machen die beiden aus dem “ Verkaufsraum“ ein Café. Jeden Abend kehren nun die Stadtbewohner ein, um etwas zu essen, Whiskey zu trinken und die neuesten Erzählungen auszutauschen. Das Café wird zum Mittelpunkt der Stadt und schafft eine nette Atmosphäre. Die Metapher für mich war an dieser Stelle, dass ein gemeinschaftlicher Ort so viel Wärme erzeugen kann, dass sogar ein so trauriges Städtchen ein bisschen Leben erschaffen kann. Leider wird das Café geschlossen, nachdem die beiden Männer unsere Miss Amelia verlassen haben. Die Stadt verkümmert genauso wie Miss Amelia selbst, denn ihr wurde das Herz gestohlen und der Stadt im selben Atemzug auch.

Mein Fazit

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es mag oder nicht. Die Geschichte ist eher traurig und fast schon bitter und die ganze Atmosphäre ist schon etwas eingestaubt. Ich mag aber tatsächlich den Charakter Miss Amelia, auch wenn sie am Anfang sehr schroff wirkt. Carson McCullers und sein Buch “ Die Ballade vom traurigen Café“ ist ein nettes Buch für zwischendurch, aber so richtig überzeugt hat es mich nicht. Aber, das ist nur meine Meinung, lest es doch einfach mal selbst.

Diogenes Verlag / Auflage 1971 / Taschenbuch / 10,00€ / 116 Seiten / selbst gekauft 

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