Schlangen im Garten von Stefanie vor Schulte

Nach dem Debüt „Junge mit schwarzem Hahn“, welchen ich bereits super fand, folgt nun „ Schlangen im Garten“ von Stefanie vor Schulte welches im Diogenes Verlag erschienen ist. Die Autorin hat für mich einen einzigartigen Schreibstil, etwas, was ich schon lange nicht mehr so gelesen habe. Skurril und verwirrend manchmal, aber unbeschreiblich großartig.

Oft hat Adam den Eindruck, Opfer eines immerwährenden Anschlussfehlers zu sein. Wo er eben noch Schnürsenkel an seinen Schuhen bindet, aber im nächsten Moment barfuß steht. Eben eine blaue Hose trägt, aber kaum in einem anderen Raum, scheint die Hose rot oder grün.“

Familie Mohn

Adam hat seine Frau verloren. Micha, Linne und Steve haben ihre Mutter verloren. Mit dem Schmerz können sie alle nicht so richtig umgehen. Sie wollen nicht vergessen. Jedes einzelne Familienmitglied geht anders mit dieser Art von Trauer um, aber keiner von Ihnen kann es alleine überwinden. Doch zusammen funktionieren sie noch viel weniger. Das Traueramt hat aber eine ganz klare Meinung zu dieser skurrilen Familie und auch die Nachbarn teilen diese – die Familie muss nach vorne schauen und sich wieder normal verhalten. Das Traueramt schickt dazu einen Sachbearbeiter raus ( B. Ginster ), er soll das Familienleben prüfen. Jedoch schlägt er über die Strenge und wird zum regelrechten Stalker.

Auf ihrem Weg zur neuen Selbstfindung vollziehen die Mohns diverse Rituale. Unter anderem trauen sie sich nicht die alten Notizbücher von Johanne zu lesen, stattdessen essen sie die Seiten auf. Jede einzelne und kochen sogar richtige Menü‘s daraus. Ziemlich strange, wenn ihr mich fragt. Aber jede verarbeitet Trauer eben anders. Im Laufe der Geschichte in dem Buch begegnen die Mohns verschiedenen Personen, auch hier einer verrückter wie der andere. Alle haben eine Geschichte über Johanne zu erzählen, ob diese wahr sind oder nicht, dass weiß keiner. Dennoch hat mich besonders die Erzählung der obdachlosen Bille extrem emotional abgeholt.

Während des halbwegs täglichen Ablaufs begegnen die Kinder auf unterschiedliche Weise jeder einer Schlange. Der Buchtitel spricht auch von einer Schlange, so ganz kann ich nicht deuten, was die Autorin uns damit sagen möchte. Im alten Griechenland galt die Schlange wohl als Beschützerin der Unterwelt, also auch irgendwie der Toten denke ich. Vielleicht ist diese der Zusammenhang zu dieser Geschichte, wer weiß?! Meistens taucht aber auch Ginster im selben Zusammenhang auf, also so was wie „miese Schlange“ könnte es auch sein.

Meine eigene Meinung

Ich möchte gar nicht mehr zum Inhalt verraten, denn ihr sollt das Buch schließlich auch selbst lesen. Ich kann nur sagen, zum Ende des Buches wird es richtig skurril und die Verbindung von Fiktion und Realität geht verloren, man weiß als Leser nicht, was ist wahr und was nicht. Großartig geschrieben, ich mag sowas. Ein bisschen erinnert es mich an Murakami, bei ihm verschwimmen Fiktion und Wirklichkeit auch sehr oft. Stefanie vor Schulte hat in meinen Augen ein Riesen Talent. Dieser Schreibstil und es dann doch schaffen den Leser/in emotional abzuholen – großes Kino! Ich bedanke mich sehr bei dem Diogenes Verlag für dieses tolle Rezensionsexemplar. Ich möchte diese Autorin wirklich wärmstens empfehlen.

Rezensionsexemplar/ Diogenes Verlag/ Gebundene Ausgabe/ Auflage 2022/ 240 Seiten/ 24,00€

Ambivalenz von Amélie Nothomb

Die Autorin, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Amélie Nothomb hat keine Angst die Protagonisten so richtig auseinander zu nehmen und ihnen menschliche Abgründe zu verpassen. Großartig!

Claude

Claude verführt seine Dominique in vollen Zügen. Champagner, teures Parfüm und schöne Worte und schon ist Dominique hin und weg. Nach nur ein paar Tagen Dating macht er ihr einen Antrag und sie nimmt auch noch an. Sie geht mit ihm nach Paris, weil er dort gute Job Chancen hat und zusammen beginnen sie ein neues Leben. Doch Claude wird immer komischer, abweisend irgendwie. Dennoch möchte er ein Kind mit ihr und ist ganz erbost, das es nicht auf Anhieb klappt.

Als Épicène geboren wird, kann er das Mädchen noch nicht einmal ansehen, so sehr hasst er dieses Kind. Für Dominique unbegreiflich. Die Jahre ziehen dahin, das Kind wird zum Teenager und der Ehemann entzieht sich jeglicher Familienverantwortung. Doch eines Tages soll Dominique in der Schule von Épicène eine Mutter suchen, denn Sie ist die Frau seines Geschäftspartners und Dominique soll sich mit ihr anfreunden. Erstaunlicherweise befreundet sie sich auch mit Reine, ohne zu ahnen welche Vergangenheit Claude und Reine haben. Eine Vergangenheit die bald 20 Jahre zurück liegt.

Dominique erfährt wer ihr Ehemann wirklich ist und ergreift die Flucht. Zurück ins Dorf zu ihren Eltern. Zurück zu normalen Menschen, raus aus dem reichen Viertel in Paris. Sowohl sie, als auch ihre Tochter leben viel lieber bodenständiger. Die Wahrheit war also wie ein Befreiungsschlag. Gerade für Épicène ist es eine gute Zeit, denn auch sie hasst ihren Vater und kann ihm nicht verzeihen. Sie ist sowieso ein sehr spannender Charakter in diesem Buch.

Meine Meinung

Ich liebe Amélie Nothomb! Sie hat einen großartigen Schreibstil. Und auch wenn dieses Buch mit knapp über 100 Seiten auskommt, ist jede davon unglaublich gut. Nothomb beschreibt meistens kritische Themen, Themen die sonst nicht ausgesprochen werden oder übertritt Grenzen. Doch würde sie es nicht tun, wäre sie nicht so brillant. Ich möchte diese Autorin also wirklich wärmstens Empfehlen. Jedes Buch von ihr war bisher einfach super gut! Danke an den Diogenes Verlag.

Rezensionsexemplar/ Gebundene Auflage/ Auflage 2022/ 128 Seiten/ 20€

Der große Fehler – Jonathan Lee

Puh…was für ein Buch. Neben der kleinen Kriminalgeschichte ist dies auch eine kleine Biografie von Andrew Haswell Green. Mr. Green hat unteranderem den Central Park und die New York Public Library geplant. Er war ein bekannter und angesehener Mann in New York, wenn auch etwas zurück gezogen. Er hatte von Anfang an einen Plan für diese tolle Stadt und hat sie auch mit vielen wunderbaren Dingen bereichert.

Andrew Haswell Green

Andrew kam vom Land. Er ist in einer Farmerfamilie aufgewachsen und kannte nur dieses eine Leben. Seine Mutter ist tot und sein Vater braucht Geld, also beschließt Andrew nach New York zu gehen, um Geld zu verdienen. Er arbeitet mit Gelegenheitsjobs und schickt das Geld nach Hause. Er ist ein bescheidener Mann, aber er merkt, dass er auch mehr kann. Er möchte ein echter New Yorker Gentleman werden und beginnt Bücher zu lesen. Dabei fällt ihm auf, dass es keine öffentliche Bibliothek in New York gibt – ein Gedanke wird später zum Plan.

Auf seinem Weg lernt er den Anwalt und späteren Präsidentschaftskandidaten Samuel Tilden kennen. Beide mögen sich und freunden sich an. Wenn ich es richtig heraus gelesen habe, dann ist Samuel etwas älter als Andrew und fasziniert diesen aber sehr. Es nimmt für mich die Züge an, als würde Andrew Samuel tatsächlich sogar ein wenig lieben. Damals sprach man noch nicht über das „schwul“ sein, aber ich denke man würde es heute so bezeichnen.

Als Andrew Haswell Green in New York doch vorerst scheiterte zog es ihn nach Trinidad. Er half dort auf den Feldern und gab Unterricht an einer selbst gebauten Schule. Er musste hart arbeiten, verdiente aber sehr viel und konnte dieses Geld nach Hause schicken. Leider kommt es in Trinidad zu einem unschönen Vorfall mit seinem Chef, sodass Andrew doch wieder zurück nach New York kehrt, zurück zu Samuel und dann auch sein Geschäftspartner wird.

Der Mord

Der eigentliche Mord ist eine Verwechslung. Wie sie zu Stande kommt, möchte ich hier natürlich nicht verraten, denn ihr sollt das Buch ja noch lesen. Aber es spielt eine gewisse Bessie Davis eine Rolle. Sie war eine der ersten und erfolgreichsten farbigen Prostituierten des Landes und in New York Stadtbekannt. Damals war es noch die Zeit, wo farbige Menschen sehr diskriminiert worden sind und wo niemand wissen durfte das man zu einer Prostituierten ging, gleich welcher Hautfarbe. Bessie Davis hat allerdings auch eine sehr spannende Geschichte und laut Google gab es sie wirklich.

Eine weitere Rolle spielt der Kommissar McClusky. Er versucht den Mord aufzuklären, was ihm auch gelingt, doch auch er landet bei Bessie Davis. Und außerdem gibt es da noch die freundliche Haushälterin von Andrew – Miss Bray. Auch sie ist nicht ganz unspannend in der Geschichte.

Meine eigene Meinung

Ich liebe Geschichten aus New York! Punkt. 🙂 Natürlich konnte mich dieses Buch zu 100% überzeugen. Ich mag es sehr, wenn geschichtliche Hintergründe ein Buch stützen und manches an der Geschichte wahr ist. Natürlich hat der Autor auch ein paar Lücken gefüllt, denn die Tagebücher aus welchen er seine Daten zog, hatten diese Lücken eben auch. Ich mochte außerdem den Schreibstil von Jonathan Lee sehr. Man flog quasi durch die Geschichte und wollte die Seiten sofort verschlingen. Ich habe natürlich danach noch ein wenig weiter über Andrew Haswell Green recherchiert, denn das Buch hat mich noch neugieriger gemacht. Großartig, wenn ein Buch dazu motiviert weiter zu forschen. Danke an den Diogenes Verlag, dass ich dieses tolle Exemplar lesen durfte. Es ist eines meiner Highlights für 2022.

Rezensionsexemplar/ Diogenes Verlag/ Auflage 2022/ Taschenbuch/ 381 Seiten/ ca. 24€

Valerie Wilson Wesley – Ein Engel über deinem Grab

Ein Fall für Tamara Hayle

Tamara ist eine ehemalige Polizeibeamtin, die sich nun selbstständig gemacht hat und als Detektivin arbeitet. Eines Tages kommt ihr Ex-Mann DeWayne zu ihr, um sie um einen Gefallen zu bitten. Denn einer seiner Söhne wurde ermordet. Angeblich starb er nach einer Überdosis, aber da DeWayne erst vor einem Jahr einen weiteren Sohn auf merkwürdige Weise verloren hat, konnte er hier nicht an einen Zufall glauben. Er glaubt, dass jemand hinter seinen Söhnen her ist. Tamara bekommt Angst, denn auch ihr Sohn ist von DeWayne und auch er könnte in Gefahr sein. Doch erst einmal wird sie beauftragt um den Mord an seinem Sohn Terrence aufzuklären. Schon beim Besuch in dessen Wohnung begegnet Tamara merkwürdigen Personen, wie der Vermieterin Miss Lee. Sie kennt DeWayne auch schon sehr lange und auch sie macht irgendwie den Eindruck als könnte sie etwas verbergen. Die Ergebnisse der Polizei sind auch nicht zielführend. Sie gehen ganz klar von der Überdosis aus. Tamara ärgert es, denn sie fühlt sich noch oft wegen ihrer Hautfarbe anders beurteilt und findet das gerade bei der Polizei vieles dadurch noch falsch beurteilt wird. Was sie auch zum Ausstieg bei der Polizei gebracht hatte.

Viele Verdächtige und ein weiterer Mordfall

Tamara hat einige Verdächtige in diesem Fall. Einmal ist da Miss Lee , die Vermieterin von Terrence. Aber es gibt auch noch den Rivalen von DeWayne namens Basil. Und Basil speziell hat es Tamara auch schon seit einer Weile angetan. Es funkt zwischen den beiden. Doch Basil hat auch keine weiße Weste und auf der Beerdigung von Terrence kommt es zum Streit zwischen DeWayne und Basil. Neben den offensichtlichen Verdächtigen gibt es auch noch die durchaus merkwürdige Sekretärin von DeWayne’s Büro. Irgendwie taucht sie immer wieder auf und sie kennt DeWayne auch in und auswendig. Während Tamara allerdings weiter ermittelt, findet ein weiterer Mord statt. Gerard der zweite Sohn, welchen er mit Mutter Emma gezeugt hatte, wurde leblos in einer Badewanne gefunden. Nun blieben nur noch die Söhne Hakim und Jamal. Jamal war Tamaras Sohn und so langsam wurde sie nervös. Die Dinge spitzen sich zu und auch Hakim erwischt es im Laufe der Geschichte. Doch den Mörder zu finden wird immer schwieriger, zumal einen Zusammenhang entstehen muss. Eine wilde Suche beginnt für Tamara und das alles noch neben der Angst um Jamal. Und dann ist da auch immer noch Basil, ein Verdächtiger, der ihr dennoch vertrauen gibt. Tamara steht vor einem kaum zu lösenden Fall.

„Jeder Mensch ist zu einem Mord fähig- man muss nur wütend oder eifersüchtig oder habgierig genug sein. Das ist die bittere Wahrheit. Manche gehen das clever an, andere ausgesprochen dämlich, doch für jeden Menschen hinter Gittern läuft mindestens ein Ganove frei herum, der sich nicht in die Karten schauen ließ und alle Spuren verwischt hat.“

Meine eigene Meinung

Ich mag den Schreibstil sehr. Valerie Wilson Wesley hat manches mal einen sehr rauen Ton, aber genau das mochte ich. Sie verbindet hier einen Krimi mit einer Gesellschaftslektüre in meinen Augen. Kraftvoll und intelligent führt sie uns durch diesen Fall und präsentiert uns eine Starke Frau als Protagonistin. Das mag ich sehr und ich denke, ich werde noch mehr Bücher von ihr lesen wollen. Die Autorin wird gerade im Diogenes Verlag neu aufgelegt und ich denke, da werde ich mich noch einmal austoben. Gelesen habe ich dieses Buch im Zuge der Lesegruppe auf Facebook Diogenes Backlist Lesen.

Selbst gekauft/ Diogenes Verlag/ Auflage 1996/ 10,00€/ Taschenbuch/ 289 Seiten

Wenn ich wiederkomme von Marco Balzano

Wenn ich wiederkomme“ ist ein Roman, der ans Herz geht. Erzählt mit viel Einfachheit und dennoch wahrem Tiefgang. Marco Balzano schafft es einen Schwachpunkt der Menschheit sehr poetisch darzustellen und gibt seinen Protagonisten eine Stimme in seinem Buch. Er greift in „Wenn ich wiederkomme“ ein sehr kritisches Thema in Osteuropa auf und verschafft uns einen Einblick in eine andere Welt. Fernab von Wohlstand und Pflege.

Die Familie

Daniela lebt mit ihren beiden Kindern und ihrem Ehemann in einem kleinen Städtchen in Rumänien. Sie haben ein kleines, baufälliges Haus mit Garten und die Großeltern direkt im Nebengebäude. Klingt erst einmal nicht schlecht, aber die Bedingungen sind nicht so einfach. Während Daniela sich um die Kinder und den Haushalt gekümmert hat, hat ihr Mann das Geld rein gebracht. Doch durch seine ständige Trunkenheit verliert er seine Arbeit. Eine neue Arbeit zu finden, ist aber nicht leicht. In Rumänien gibt es wenig Arbeit und in dem kleinen Städtchen sowieso nicht. Auch zu Hause lässt er seine Frau mehr und mehr im Stich, sodass sie eine folgenreiche Entscheidung treffen muss.

Sie entscheidet sich dafür ihre Kinder Manuel und Angelica mit dem Vater zurück zu lassen und alleine nach Mailand zu gehen, um Arbeit zu finden. In Mailand werden Frauen gesucht, um Alte Menschen oder Kinder zu pflegen. Generell war es in Westeuropa normal, sich Frauen aus dem Osten für solche Arbeiten zu bestellen. Eine traurige Version unserer Generation. Die Mailänder in diesem Buch sind nicht dazu in der Lage sich um ihre eigene Familie zu kümmern und lassen es lieber von diesen armen Frauen machen. Sie nutzen aus, dass diese Frauen meist keine Wahl haben.

Manuel und Angelica

Die beiden Kinder verstehen nicht, warum die Mutter gegangen ist. Doch der Vater scheint sich für den Moment zu ändern. Er repariert Dinge am Haus und erhofft sich so, dass seine Frau wieder kommt. Doch sie schickt nur Geld zu ihnen nach Hause und arbeitet weiter in der großen Stadt. Neid kommt auf, doch nur weil sie alle drei nicht wissen, wie hart Daniela dort arbeiten und leben muss. Gerade der junge Manuel kann das alles nicht verstehen. Er liebt seine Mutter und braucht sie. Er fühlt sich verloren.

Angelica zieht aus um zu studieren und Manuel flüchtet sich zu seinem Großvater in den Garten. Als der Vater eines Tages auch los zieht, um arbeiten zu gehen, kümmern sich die Großeltern um Manuel. Für ihn ist klar, dass er einen Landwirtschaftlichen Beruf ausüben will, der Garten bereitet ihm Freude. Sehr zum Leid seiner Mutter, denn sie schickt extra Geld für seine Schulbildung. Als eines Tages dann der Opa stirbt, bricht für Manuel eine Welt zusammen. Er fühlt sich allein gelassen. Bei einer riskanten Autofahrt baut er einen Unfall und muss ins Koma versetzt werden. Erst da kommt Daniela zurück. Eine schwierige Zeit beginnt. Auch der Vater kehrt für einen kurzen Besuch zurück. Ob die Familie wieder zusammen finden wird ist unklar, doch die Mutter ist erst einmal wieder da und Manuel kann in Ruhe gesund werden.

Meine eigene Meinung

Eine tragische Familiengeschichte mit einem kleinen Happy End. Daniela tut mir sehr leid. Sie spiegelt das Leben von vielen Frauen wieder, die für ihre Familie alles tun würden. Ich möchte nicht wieder auf die Geschlechterfrage hinaus, doch auch bei solchen Geschichten merkt man wieder, dass die Frauen dieser Welt so viel mehr Courage haben wie manch ein Mann. Eigentlich haben wir schon immer die Familien zusammen gehalten. Marco Balzano hat für mich also eine tolle, wahre Geschichte geschrieben. Auch wenn es keine echt Daniela gibt, dennoch gibt es Frauen, die genau so etwas erlebt haben. Ich finde es toll, dass er diesen Frauen mit diesem Buch eine Stimme gegeben hat. Große Leseempfehlung an der Stelle von mir und Danke an den Diogenes Verlag für dieses wunderbare Exemplar.

Rezensionsexemplar/ Diogenes Verlag/ Gebundene Auflage/ 2021/ 312 Seiten/ 22,00€

Louise Brown – Was bleibt wenn wir sterben

„Was bleibt wenn wir sterben“ ist ein unerwartet motivierendes Buch. Louise Brown beschreibt, wie sie den Verlust ihrer Eltern verarbeitet hat und was sich daraus in ihrem beruflichen Leben verändert hat. Ein schweres Thema, was in diesem Roman sehr gut verpackt wird. Ein Buch was dazu auffordern soll aus einem Schicksalsschlag etwas positives zu ziehen. Louise Brown beschreibt, wie man Trauer verarbeiten kann. Besonders inspirierend ist die Tatsache, dass die Autorin selbst ihre Erlebnisse autobiographisch verarbeitet.

Die Trauerrednerin

Louise’s Eltern sterben quasi hinter einander. So ist es leider oftmals, dass wenn der eine Partner stirbt, dass der zweite folgen könnte. Bei Paaren, die seit Jahrzehnten verheiratet sind, nicht unüblich. Dennoch ist genau diese Tatsache für die Hinterbliebenen nicht immer einfach. Louise Brown hatte ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern und der doppelte Schicksalsschlag setzt ihr zu. Bei der Trauerfeier stellt sie fest, dass der Trauerredner ihr nicht zu einem Abschied verhelfen kann. Seine Rede ist es, die Louise über die Trauer nachdenken lässt. Was empfinden Menschen in ihrer Trauer, was kann helfen und welche Worte sollte ein Trauerredner in dem Moment finden. Es gibt zahlreiche tolle Redner auf Hochzeiten, aber eher selten einen sehr guten Trauerredner. Mit Trauer verbindet man meistens etwas schlechtes. Louise Brown lehrt uns aber in diesem Buch, dass man sich nicht Trauer hingeben soll, sondern aus ihr etwas positives ziehen soll.

Erinnerungen die bleiben

Eine Sache die aus ihrem Buch herausgeht, ist, dass man immer noch Erinnerungen hat. Meistens denken wir immer an die ganz großen Momente im Leben. Ein Geburtstag, eine Hochzeit und so weiter, aber meistens sind es die kleinen Dinge die im Gedächtnis bleiben. Momente, wo Menschen einem selbst nah waren. Kleine Gespräche, Gesten oder ganz simple witzige Situationen. Louise Brown beschreibt es ganz treffend, sie sagt es sei wie mit den Schnappschüssen aus einem Fotoalbum, diese landen meistens lose ganz hinten im Album. Aber genau auf diese Momente kommt es an, diese Momente zählen in einem Leben und machen die Geschichte des Verstorbenen rund. Louise möchte genau solche Momente in ihrem Reden aufleben lassen. Die Hinterbliebenen sollen genau an diese besonderen Momente denken. An einer anderen Stelle im Buch vergleicht sie es mit einem Film, dessen Abspann unbedingt gezeigt werden sollte, die sogenannten Out Takes.

Meine eigene Meinung

Ich war am Anfang sehr skeptisch, ob mir ein Buch, welches sich mit Trauer beschäftigt überhaupt gefallen könnte. Wobei ich sagen muss, dass die Autorin mal wieder sehr sympathisch ist. Nach dem Buch kann ich sagen, dass es jeder lesen sollte. Es öffnet uns die Augen. Louise Brown verrät uns in ihrem Roman “ Was bleibt wenn wir sterben“ vieles über uns selbst und darüber, welche Momente im Leben wirklich zählen. Sie gibt einen Hinweis darauf, dass wir auch die kleinen Momentaufnahmen nicht vergessen sollten. Das wir eben das Fotoalbum ganz füllen sollten und die vermeintlichen Schnappschüsse nicht außer Acht lassen sollten. Am Ende ergibt nur das ganze Puzzle unseres Lebens Sinn. Es gibt den Spruch, dass man jeden Moment leben sollte. Und genau das, sagt Louise Brown auch mit ihrem Buch aus. Eine Trauer zu bewältigen macht es deswegen nicht leichter, aber es hilft, sich an spezielle Ereignisse besser erinnern zu können. Rein aus ihren Erzählungen glaube ich, dass Louise Brown eine ganz besondere Trauerrednerin sein muss. Würde ich Sterne vergeben, dass sind es ganz klar 5 Sterne! Vielen Dank an der Stelle an den Diogenes Verlag für dieses tolle Leseexemplar. Ich finde übrigens auch das Cover wunderschön und sehr passend. Auch wenn man nicht an den Himmel glauben mag, dann zumindest daran, dass unsere Seelen hier irgendwo weiter leben, zumindest bleibt unsere Aura irgendwo in der Luft und tanzt mit den Vögeln. Ich persönlich finde so eine Vorstellung schön.

Rezensionsexemplar / Diogenes Verlag / Auflage 2021 / Taschenbuch / 250 Seiten / 22,00 €

Das Nest von Katrine Engberg

Ein neuer Teil der Kopenhagen Krimi‘s – endlich! Ab dem ersten Buch „Krokodilwächter“ verfolge ich nun die Kopenhagen Fälle von Jeppe Koerner und Anette Werner. Jeder Krimi für sich war bisher immer spannend und hatte dennoch auch einen kleinen Roman Part enthalten. Katrine Engberg selbst ist super sympathisch und ihre Krimi‘s einfach nur super spannend. Und Jeppe und Anette über alle Krimi‘s hinweg zu begleiten ist auch immer wieder interessant.

Familie Dreyer-Hoff

Oscar Dreyer-Hoff wird vermisst und seine gesamte Familie benimmt sich äußerst komisch. Aber auch der Vater seiner besten Freundin benimmt sich sonderbar. In einem Abfallentsorgungswerk wird eine Leiche gefunden, Oscar‘s Lehrer. Ist Oscar also geflohen, weil er seinen Lehrer umgebracht hat?! Oder sind beide einfach nur in Gefahr geraten. Sein Lehrer hatte auf jeden Fall eine starke Bindung zu seinem Schüler. Oscar‘s Bruder Victor allerdings hatte eher ein schwieriges zu dem Lehrer.

Victor viel in der Schule auf, weil er angeblich Oscar‘s beste Freundin sexuell belästigt hat und der Lehrer wollte diesen Fall aufklären. Aber ob das ein Mordgrund ist?! Der Familienvater selbst hat aber auch Dreck am stecken. Denn er ist in illegale Geschäfte gewickelt und macht gemeinsame Sache mit dem Vater der besten Freundin von Oscar. Zusammen verpfuschen sie CO2 Zahlen an der Abfallentsorgungsanlage. Und dann gibt es da noch Jenny, die Schwester von Oscar‘s Mutter. Sie handelt mit gestohlenen Kunstwerken.

Jeppe & Anette

Auch die beiden Ermittler erleben in diesem Krimi ihre persönlichen Höhen und Tiefen. In der Beziehung zwischen Jeppe und Sara läuft jede Menge schief. Und Anette beginnt auf einmal an einen anderen Mann zu denken, anstatt an ihren eigenen. Beide durchlaufen eine emotionale Achterbahnfahrt. Und nebenbei müssen sie aber noch den spannenden Fall rund um Oscar Dreyer- Hoff lösen.

Auch Esther die Laurenti spielt in diesem Krimi wieder eine Rolle. Die alte Dame hatte Jeppe schon mal bei einem Fall den entscheidenen Hinweis gegeben. Und auch dieses Mal stößt sie wieder, wenn auch spontan, auf den eigentlichen Mörder und kann zur Lösung des Falles beitragen.

Meine eigene Meinung

Ich mag Katrine Engberg super gerne. Und „Das Nest“ ist wieder mal sehr spannend. Ich finde nicht, dass man im Vorfeld den Mörder erahnen kann und das ist immer ein gutes Zeichen. Und die Figuren Jeppe und Anette machen mir jedes Mal auf‘s neue riesen Spaß. Einzig das Cover und der Titel bleiben für mich noch ein Rätsel. Ich hoffe da auch Erkenntnis in meiner Leserunde zu diesem Buch. Für mich ist diese Kopenhagen Reihe aus dem Diogenes Verlag immer eine Empfehlung wert. Ich bedanke mich bei Diogenes für dieses tolle Leseexemplar.

Rezensionsexemplar / Diogenes Verlag / Gebundene Ausgabe / Auflage 2021 / 415 Seiten / 22,00€

Bittersüße Zitronen von Luca Ventura

Nach seinem Roman „ Mitten im August“ erschien nun der zweite Capri Krimi von Luca VenturaBittersüße Zitronen“ im Diogenes Verlag. Ich mag leichte Krimis wie diesen sehr und vor allem im Sommer, im Urlaub sind solche Krimis wirklich klasse geeignet. Luca Ventura ist ein Pseudonym, der Autor selbst wohnt am Golf von Neapel. Und wie man hört, schreibt er bereits an einem dritten Buch aus der Capri Reihe.

Bittersüße Zitronen

Inselpolizist Enrico Rizzi steht erneut vor einem Rätsel. Eine junge Frau verunglückt mit einer Ape und ihr letzten Worte an Rizzi waren: „Es war kein Unfall“. Für den Inselpolizist steht fest, dass mehr hinter der Geschichte stecken muss und das die bekannte Limoncello Firma der Insel in irgendeiner Form involviert sein muss. Seine Komplizin Antonia Cirillo ist wieder seine Partnerin in diesem Fall, doch ganz grün sind die beiden sich immer noch nicht. Im ersten Buch konnte man schon erahnen, dass Cirillo auf die Insel zwangsversetzt wurde, aber leider wurde diese Tatsache auch im zweiten Buch noch nicht aufgeklärt. Ich hoffe nun im dritten Krimi mehr über sie zu erfahren. Cirillo kommt vom Festland und ist daher nicht ganz so nah involviert wie Enrico Rizzi. Er lebt auf der Insel und kennt alle beteiligten gut. Seine Gutgläubigkeit auf Grund seiner Nähe zu den Menschen steht ihm allerdings eher im Weg.

Die Tote Elisa Constantini hatte ein Verhältnis mit dem Erben der großen Limoncello Fabrik und noch dazu, war er ein farbiger, ein ehemaliger Zitronenpflücker. Alles sprach gegen diese Liebe und die Tatsache das Elisa schwanger war, verkomplizierte die Geschichte noch. Die bekannte Familie Bellini, dieser gehörte auch die verunglückte Ape, ist nicht unwichtig in Capri und der gute Name muss gewahrt werden. Elisa war eigentlich verheiratet und hatte nur ein Verhältnis zu dem Erben der Fabrik, ein Skandal in der Geschichte beider Familien. Und natürlich hält man einen farbigen Mann auf der Insel zuerst als Tatverdächtig. Doch bis zum Schluss bleibt es dieses Mal spannend. Klar ist zu Beginn, die Ape wurde manipuliert – aber wer hat es getan? Wer tötet eine schwangere Frau?!

Meine eigene Meinung

Ich mag Luca Ventura gerne. Ich mochte bereits das erste Buch. Ich habe jeweils beide im Urlaub im Wohnmobil gelesen und finde weiterhin, dass eine solche Lektüre bestens dafür geeignet ist. Die Capri Krimis sind spannend und die Protagonisten sympathisch gezeichnet. Wie gesagt wünsche ich mir noch mehr Input zu Antonia Cirillo, denn ich glaube, da gibt es noch ein Geheimnis zu lüften. Ernico Rizzi mag ich voll gerne, es macht ihn so sympathisch wie er seiner Familie und anderen Menschen auf der Insel so selbstverständlich zur Seite steht. Danke an den Diogenes Verlag für dieses Rezensionsexemplar. Ich möchte es sehr gerne weiterempfehlen.

Rezensionsexemplar/ Diogenes Verlag/ Broschierte Auflage 2021/ 313 Seiten/ 16€

Hard Land von Benedict Wells

“ So was wie Euphancholie. Einerseits zerreißt’s dich vor Glück, gleichzeitig bist du schwermütig, weil du weißt, dass du was verlierst oder dieser Augenblick mal vorbei sein wird. Dass alles mal vorbei sein wird. „

In Hard Land kommt alles Gute von Benedict Wells zusammen. Ich mochte bisher alle seine Romane sehr gerne und Hard Land ist ein perfektes I- Tüpfelchen. Ein Coming of Age Roman in meinen Augen mit literarischem Tiefgang von Wells. Normalerweise sind solche Geschichten über Jugendliche leicht und dem klassischen Highschool Musical angepasst, nicht so in Hard Land. Benedict Wells schafft einen Roman über das Erwachsen werden und der Schwere des ersten Verliebtseins gepaart mit dem Tod eines geliebten Menschen.

Sam und Kristie

Sam ist der klassische Außenseiter, der Nerd unter den Schülern. Er hat vor allem möglichen Angst und zieht sich eher zurück. Seine Mitschüler finden ihn komisch. In den Sommerferien beginnt er im alten Kino im Ort Grady zu arbeiten, um sich etwas dazu zu verdienen. Die beste Entscheidung seines Lebens. Endlich kann er Anschluss finden, endlich kommt er aus sich raus. Vor allem, weil die Tochter des Besitzers des Kinos Kristie ihm den Kopf verdreht hat. Sam lernt im Kino neben Kristie auch noch Hightower und Cameron kennen. Zusammen verbringen sie einen tollen Sommer und Sam lernt endlich aus seinem Schneckenhaus heraus zu kommen. Er besteht Mutproben und erfährt was es heißt, verliebt zu sein. Die Drei sind ein Anker für Sam, eine Chance seine Jugend endlich zu genießen.

Sommer mit Schatten

Leider gibt es auch einen schweren Teil in diesem Roman. Sam’s Mutter hat Krebs und im Laufe des Sommers geht es ihr immer schlechter. Seine Eltern erzählen ihm aber nicht, dass es ihr so schlecht geht, denn sie möchten das er seinen Sommer genießen kann. Seiner Mutter ist klar, dass ihr Sohn endlich mal unter Menschen muss, um aus sich raus zu kommen. Sie möchte ihn nicht mit ihrer Krankheit belasten. Dennoch ahnt Sam, dass es jeden Tag zu Ende gehen könnte. Er hat fast jede Nacht Alpträume und versucht diese über die Tage hinweg zu vergessen. Er schreibt Songs über seine schwere Zeit und singt diese mit Gitarre bewaffnet seiner Mutter immer wieder vor. Sie ist stolz auf ihn und sie weiß, dass wenn sie gehen sollte, dann ist er auf einem guten Weg. Mit seinem Vater hat Sam ein schwieriges Verhältnis. Zumindest zu Beginn des Buches. Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, warum der Vater so unnahbar scheint und die Beziehung der Beiden entwickelt sich noch einmal in eine andere Richtung.

Zusammenfassung

Hard Land hat viele wunderbare Momente und doch auch so viele traurige. Benedict Wells hat eine so besondere Art, um Gefühle zu transportieren. Man kann nicht anders, als mit dem Protagonisten zu fühlen. Sam hat mich so sehr berührt, dass ich mehrfach schwer bedrückt beim lesen war. Eine Kleinigkeit hat mich auch an mich selbst erinnert. Grady ist ein kleiner, verschlafener Ort. Alle jungen Menschen wollen diesem Ort entfliehen und suchen die weite Welt für sich selbst. Dadurch das alle Jugendlichen verschwinden wollen, stirbt Grady nach und nach aus. Ich kenne dieses Gefühl, denn auch mich hat es in die Großstadt gezogen. Sam gehört zu den Menschen, mit denen man sich zu 100% identifizieren kann, denn die meisten Leute die ich kenne, hatten ähnliche Ängste in ihrer Jugend. Ich habe dieses Buch geliebt und möchte es Euch gerne ans Herz legen. Ein MUST READ!

Danke an den Diogenes Verlag für das tolle Rezensionsexemplar.

Nachtrag: Ein paar Hintergrund Infos von Benedict selbst:

Benedict hat extra im Vorfeld alte 80er Jahre Filme geschaut, um die Coming of Age Geschichte zu kreieren. Er hat sich generell sehr mit den 80ern beschäftigt und hat auch dazu extra eine Playlist erstellt. Diese findet ihr auch auf seiner Internetseite. Er sagt, schreiben sei wie eine lange Reise, man weiß nicht was auf dem Weg noch so kommt und wo es enden kann. Benedict Wells hat in Sam viel von sich selbst gesteckt, daher gibt es hier und da Parallelen. Er sagt selbst, dass Hard Land ihm sehr am Herzen liegt. ( Infos aus dem Bloggermeeting von Diogenes )

Der süße Wahn von Patricia Highsmith

Der Roman „Der süße Wahn“ ist ein mitreißender Fluss an Irritationen und einer verschwindenden Grenze zwischen Realität und Einbildung es Hauptprotagonisten. Patricia Highsmith versteht wirklich gut, wie man seine Leser bei Laune hält. Auch wenn das Buch in der Mitte ein wenig Spannung verliert und Längen bekommt, so kann man dennoch nicht einfach aufhören zu lesen, weil man wissen muss wie es endet. 

….“natürlich habe ich nicht ernsthaft geglaubt, dass du mit mir in diesem Haus lebst. Aber manche Menschen flüchten sich in Alkohol, andere in ich-weiß-nicht-was, und ich habe es eben auf diese Art versucht…“

Eine verworrene Geschichte über krankhafte Liebe

David Kelsey ist ein alleinstehender Mitdreißiger, der in einem kleinen Zimmer in einem Wohnheim lebt und seiner täglichen Arbeit als Chemiker nachgeht. In Amerika ist üblich, dass man sich einzelne Zimmer mieten kann, wenn man nicht genug für eine Wohnung verdiente. Er wirkt ein wenig zerstreut zu Anfang und in seiner Liebe zu Anabelle gefangen. Er ist fast krankhaft verliebt und erfindet ein Leben, welches er gar nicht mehr führt. Ich finde die Geschichte unglaublich undurchsichtig. Die Grenze zwischen Realität und Fiktion ist verschwindend gering und man muss mehrfach überlegen, was man nun glauben kann und was nicht. David schreibt Anabelle fast täglich Briefe und beteuert ihr seine Liebe und wie gerne er mit ihr zusammen leben möchte. Das Ganze sehr zum Leidwesen von ihrem jetzigen Ehemann, denn der findet die Liebesbriefe von David alles andere als witzig. David wirkt krankhaft und verbissen. Mir persönlich hätten diese Briefe eher Angst eingejagt.

Neben David gibt es noch eine Bekannte von ihm, Effie Brennan. Auch diese Person ist äußerst suspekt. Sie ist wiederrum krankhaft in David verliebt und belügt sogar für ihn die Polizei. David führt ein Doppelleben und bewohnt am Wochenende ein Haus in einer anderen Stadt. Dort hat er sich unter falschem Namen eingemietet und glaubt, dass er dort eines Tages mit seiner Anabelle leben wird. Sie ist allerdings schon längt mit einem anderen Mann verheiratet und hat ein Kind bekommen. Mit seiner zweiten Identität „Mr. Neumeister“ baut er sich ein Parallelleben auf. Seinen „Freunden“ im Wohnheim erzählt er, dass er am Wochenende seine kranke Mutter im Pflegeheim besucht. Seine Mutter ist allerdings schon längst tot.

Die Geschichte gewinnt an Fahrt, als David aus Notwehr heraus den Mann von Anabelle tot schlägt und versucht dieses Verbrechen zu verdecken. Dadurch das er einen anderen Namen verwendet kommt er eine ganze Weile damit durch und auch Effie unterstützt seine Lüge und steht hinter ihm. Doch bei einem Tod soll es auch nicht bleiben und der süße Wahn scheint aus dem Ruder zu laufen.

Meine eigene Meinung 

Bei so einem spannenden Buch ist es schwer eine Rezension zu schreiben, die nicht zu viel verraten würde. Daher verzeiht mir mein Anreißen der Geschichte. Super viele Details würden auch direkt viel zu viel verraten. Ich kann nur sagen, dass Patricia Highsmith wirklich ein Talent hat, ihre Leser zu beeindrucken. Man weiß bis zum Ende nicht, wie das Buch ausgehen wird und ob David sich nun alles einbildet oder das alles wirklich passiert ist. Ich weiß bis zum Ende auch nicht, ob er einfach komplett verrückt ist oder tatsächlich die Welt es nicht gut mit ihm gemeint hat. Züge von Patricia Highsmith ähneln ein wenig Dennis Lehane, ein weiterer Autor den ich aus dem Diogenes Verlag sehr mag. Ich liebe Bücher mit Spannung und mit ein wenig Wahnsinn. Ich empfehle es sehr und ich freue mich auf weitere Geschichten von Patricia Highsmith aus meiner Sammlung.

 

Ich habe dieses Buch selbst gekauft und habe dieses im gemeinsamen Lesekreis vom Diogenes Verlag auf Facebook gelesen.

Diogenes Verlag/ Neuauflage 2021/ 442 Seiten/ 13,00€