Yaa Gyasi – Ein erhabenes Königreich

Mein zweites Buch von Yaa Gyasi und ich muss direkt im ersten Satz sagen, ich bin ein Fan. Sie hat einen ergreifenden Schreibstil, dass man ihre Bücher einfach mögen muss. Bei „Ein erhabenes Königreich“ brauchte ich tatsächlich ein wenig länger, um in die Geschichte hinein zu finden, aber zum Schluss war es wieder einmal superschön.

Gifty

Die Hauptprotagonistin Gifty lebt mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in einer kleinen Wohnung. Sie sind zusammen nach Amerika gekommen, um ein besseres Leben als zu Hause in Ghana zu haben. Gifty kennt Ghana eigentlich auch gar nicht wirklich und empfindet Amerika als ihre Heimat. Eigentlich war der Vater auch mitgekommen, doch relativ früh verlässt er die Familien und kehrt nach Ghana zurück. Für Gifty’s Bruder fehlt die Vaterrolle ganz besonders, er fühlt sich allein gelassen. Nana macht viel Sport und ist sehr angesehen in seinem Team. Durch eine schwere Verletzung muss er leider aussetzen und stürzt sich in den Drogen Konsum. Leider stirbt der Bruder an einer Überdosis und Gifty’s Mutter verfällt in eine tiefe Depression. Generell scheinen psychische Probleme die Familie zu prägen. Sie können alle vier ihre Schicksalsschläge nur schwer verkraften. Man muss aber sagen, dass dieses Buch zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit Trauer oder Verlust umgehen. Man sieht deutlich, dass jeder in der Familie komplett anders auf die Ereignisse reagiert. Das macht dieses Buch so vielschichtig.

Gifty wird Wissenschaftlerin und erforscht das Suchtverhalten der Menschen an Tierversuchen mit Mäusen. So versucht sie ihre Trauer zu erarbeiten und versucht heraus zu finden, was in einem süchtigen Menschen vor geht. Sie erhofft sich Antworten auf ihre eigenen Fragen in ihrer Arbeit zu finden. Ihre Mutter wohnt nach dem Tod des Sohnes bei ihr und bewegt sich nicht mehr aus dem Bett heraus. Gifty versucht alles, um ihre Mutter wieder aus dem Bett zu bekommen, leider vergebens. Währenddessen wird auch Gifty’s Gefühlswelt auf den Kopf gestellt und allgemein ist es nie wirklich leicht für die junge Frau. Der geflohene Vater ist gar keine Hilfe und hat ein neues Leben in Ghana bekommen inklusive neue Familie. Auch das macht Gifty und ihrer Mutter schwer zu schaffen.

Der Glauben

Eine zentrale Rolle in diesem Buch spielt der Glaube zu Gott. Für mich sehr schwierig, da ich selbst nicht so sehr gläubig bin. Gifty glaubt eigentlich an Gott, doch die Geschehnisse mit ihrem Bruder lassen sie zweifeln. Ihre Mutter ist sehr gläubig, doch auch sie fühlt sich nach dem Tod von Nana verlassen. Gifty begibt sich aber dann in die Kirchengemeinde ihrer Mutter und versucht ihren Glauben neu aufzubauen, sie schreibt sogar ein Tagebuch an Gott in jungen Jahren. Ich denke, dass der Glaube ihr am Ende auch hilft, dass alles zu überstehen. Denn leicht hat sie es nie und hatte sie auch niemals. Sie tut mir tatsächlich sehr leid, denn auch die Mutter vergisst, dass sie noch ein zweites Kind hat. Gifty versucht alles mit Arbeit davon abzulenken, aber ich denke im Inneren fühlt sie genau dieses allein gelassen sein und nur Gott hört ihr in dem Moment richtig zu.

Meine eigene Meinung

Ich brauchte ein paar Seiten, um in dieses Buch herein zu kommen. Die vielen Gespräche mit Gott waren mir persönlich ein bisschen zu viel, aber das ist auch nur eine eigene Meinung. Als Autorin mag ich sie sehr und ich frage mich bei ihren Büchern immer wieder, wie viel Autobiographisches dort verarbeitet wurde. Ghana ist für mich als Land interessanter geworden durch ihre Bücher. Ihren Schreibstil mag ich sehr und ich mag ihre tiefgründigen Gedanken. Yaa Gyasi schafft es, den Leser*in in den Bann zu ziehen und tief zu treffen. Man kann ihre Bücher nicht lesen, ohne danach darüber nachdenken zu können. Danke an den Dumont Buchverlag, dass ich dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen durfte.

Rezensionsexemplar/ Dumontbuchverlag/ Auflage 2021/ Gebundene Ausgabe/ 299 Seiten/ 22,00€

Mein Bücherjahr 2018

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, heute ist der letzte Tag in diesem Jahr und ich lasse dieses Bücherjahr 2018 Revue passiere. Welche Bücher habe ich gelesen? Welche Bücher haben mir gefallen? Und welche Bücher haben es nun schlussendlich in mein Bücherjahr 2018 geschafft. Ich habe 2018 circa 66 Bücher gelesen und eine undefinierbare Dunkelziffer an Ebooks. Ich finde, dass ist schon eine Menge Lesestoff für ein ganzes Jahr, vor allem wenn man bedenkt das ich auch noch eine große berufliche Herausforderung hatte. Das ich nebenbei doch noch eine so fleißige Leserin war, dass überrascht mich selbst. Alle 66 Bücher waren besonders ausgewählt und ich kann sagen, dass mir mindestens 90% davon richtig gut gefallen haben. Natürlich schafft es nicht jedes Buch in mein Bücherjahr 2018, daher folgen nun meine persönlichen literarischen Highlights aus 2018:

Die Ermordung des Commendatore 1 & 2 Haruki Murakami

Mein absolutes Highlight in 2018 waren definitiv diese beiden Bücher von Haruki Murakami. Er ist mein Lieblingsautor und hat es daher absolut verdient hier als Erstes genannt zu werden. Die Ermordung des Commendatore ist eine fiktive Geschichte über einen Mann der nach der Trennung von seiner Frau versucht sich selbst wieder zu finden. Er ist Maler und daher hat er immer ein offenes Auge für die Kunst. In einem abgelegen Haus in den Bergen fernab von der Großstadt Tokio entdeckt der Künstler ein altes Gemälde mit dem Namen “ Die Ermordung des Commendatore„. Sofort ist er völlig eingenommen von diesem Gemälde und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Als ihm dann auch noch dieser kleine Mann (der Commendatore) persönlich erscheint, beginnt eine wilde Jagd in die Vergangenheit und in eine Geschichte, die nicht seine Eigene ist. Zwei wirklich gelungene Bücher vom Großmeister Haruki Murakami. Ich muss zugeben, man muss seinen Stil mögen, aber ich bin hin und weg. Lest dazu auch meinen Beitrag hier.

Elefant von Martin Suter

Auch bei meinem zweiten Highlight wird es wieder fiktiv. Martin Suter zählt als Zweiter Autor in diesem Rückblick zu meinen Lieblingsautoren. Elefant ist eine so tolle Geschichte über Menschlichkeit und Fantasie zugleich. Martin Suter schafft in diesem Roman eine Verbindung zwischen fiktiven Darstellungen und menschlichem Verhalten bei seinen Protagonisten. Urplötzlich erscheint ein kleiner rosa leuchtender Elefant in der Höhle eines Obdachlosen und verändert fortan sein Leben. Entstanden ist dieser kleine Elefant aus einem Genprojekt eines wahnwitzigen Forschers. Es beginnt ein Kampf zwischen Gut und Böse wenn man so will und die Message ist ganz einfach und simpel zugleich: Menschlichkeit. Ein wirklich großartiger Roman, wo ich leider zugeben muss, dass ich die Rezension noch nicht verfasst habe. Ein Vorsatz für 2019 würde ich sagen, denn bisher fehlten mir tatsächlich die passenden Worte für dieses süße Meisterwerk.

Heimkehren von Yaa Gyasi

Heimkehren ist der emotionalste Roman in meinem Bücherjahr 2018. Das Buch, erschienen im Dumont Buchverlag hat mich viele Tage danach noch beschäftigt. Eine so gewaltige Geschichte, mit so viel Trauer und Verachtung. Sklaverei wie man sich sie noch nie vorgestellt hat. Ein Buch was dich erschauern lässt und wo du anfängst an dieser Welt zu zweifeln, die so grausam sein konnte und es auch bis heute noch sein kann. Heimkehren erzählt von mehreren Generationen einer Familie, die den Anfang in der Sklaverei macht. Im Laufe der Jahre/ Generationen erleben die Familienmitglieder immer wieder unglaublich schreckliche Dinge. Als eine Tochter dieser Familie irgendwann nach vielen Jahren wieder nach Hause zurück kehrt, beginnt ein wenig Hoffnung in diese dunkle Geschichte zu gelangen. Die Rezension zu Heimkehren von Yaa Gyasi könnt ihr hier noch einmal nachlesen.

Miss Everest von Bonita Norris

Mein aktuellstes Buch aus 2018. Dieses habe ich erst vor kurzem beendet und mir war klar, dass muss in mein Bücherjahr 2018 aufgenommen werden. Miss Everest ist die Geschichte von Bonita Norris, wie sie als erste Frau Englands den Mount Everest besteigt. Dieses Buch sprüht nur so vor Motivation. Wenn man irgendwann mal ein Ziel im Leben hat und dieses verfolgen möchte und man dazu aber noch einen kleinen Motivationsschub benötigt, dann ist dieses Buch absolut richtig. Bonita Norris ist heute selbst als Motivationstrainerin tätig und hält verschiedenste Vorträge in ganz England. Auch hierzu gab es einen Blog für Euch.

Lied der Weite von Kent Haruf

Ein weiteres Highlight aus dem Diogenes Verlag, für mich mit eines der besten Bücher des Jahres 2018. Auch in diesem Buch steht Menschlichkeit im Vordergrund. Eine Geschichte über ein Mädchen, was ohne die Unterstützung ihrer Familie mit einer schweren Last ihr Leben beschreiten muss. Sie gerät an den falschen Freund und wird schwanger und steht am Ende ohne alles da. Gäbe es da nicht zwei ganz wunderbare Menschen, die das Mädchen bei sich aufnehmen. Zwei Männer, welche bisher nur für die Landwirtschaft gelebt haben bekommen nun eine ganz neue spannende Aufgabe. Die drei werden zu einer richtigen Familie. Das aber so ein Teenager gar nicht so einfach ist, lernen die beiden auch ganz schnell kennen. Doch alleine durch ihre Menschlichkeit schaffen sie für das Mädchen und ihr ungeborenes Kind und wunderbares zu Hause. Eine so tolle Geschichte, welche ihr hier noch einmal genauer nachlesen könnt.

Die Wahrheit über das Lügen von Benedict Wells

Und noch ein Lieblingsautor! Benedict Wells ist für mich auch einfach ein Must Read der heutigen Zeit, ein großartiger Autor. In die Wahrheit über das Lügen hat der Autor eine ganze Reihe von Kurzgeschichten gepackt, wo eine schöner ist, als die andere. Unter anderem ist dort auch eine bisher nie erwähnte Szene aus “ Vom Ende der Einsamkeit“ beschrieben. Ein Buch, was ich vor kurzem erst gelesen habe und was ich jedem nur empfehlen kann. Ich mochte vorher eigentlich keine Kurzgeschichten, aber diese hier sind wirklich toll. Auch dazu gab es einen Beitrag hier auf meinem Blog.

Nun, das war es auch schon. Mein Bücherjahr 2018. Ich könnte mindestens noch zwanzig  weitere Bücher nennen, welche ich als Highlight bezeichnen würde, aber das würde in einem Beitrag nun wirklich überhand nehmen. Ich habe versucht aus allen 66 Büchern, die Besten heraus zu suchen. Ich hoffe ich konnte Euch inspirieren für das Jahr 2019. Mein Ziel für 2019 ist es, erst einmal meine noch ungelesen Bücher aus 2018 zu lesen und mich noch mehr auf Neuentdeckungen zu stürzen. Also, wenn jemand Tipps für 2019 hat – immer her damit! Jetzt wünsche ich Euch erst einmal einen tollen Start in das neue Jahr und auf das uns 2019 noch mehr tolle Bücher begegnen werden. Xoxo Sarah

 

Folgende Bücher waren Rezensionsexemplare: Heimkehren von Yaa Gyasi ( Dumont Buchverlag ), Die Wahrheit über das Lügen von Benedict Wells und Lied der Weite von Kent Haruf ( Diogenes Verlag ). Alle anderen Bücher habe ich selbst gekauft. Ich bewerbe dennoch alle Bücher aus freien Stücken, weil sie mir einfach gefallen haben. 🙂 Ich danke den Verlegern für das bereitstellen dieser wunderbaren Exemplare. 

Yaa Gyasi – Heimkehren

[ Werbung ] Ich habe gestern dieses großartige Buch beendet! Heimkehren von Yaa Gyasi ist mitreißend und spannend, aber auch tief traurig und bewegend. Dieses Buch musste ich mehrfach an die Seite legen, um das Gelesene zu verarbeiten. In den letzten Monaten habe ich einige Bücher gelesen, welche sich mit der Thematik des schwarz/weiß Rassismus beschäftigen, aber dieses hier hat mich noch einmal mehr bewegt. Yaa Gyasi ist in meinen Augen eine unfassbar talentierte Autorin.

Der Klappentext

Der Kampf zweier Familien um Heimat und Identität – Obwohl Effia und Esi Schwestern sind, lernen sie sich nie kennen, denn ihre Lebenswege verlaufen von Anfang an getrennt. Im Ghana des 18. Jahrhunderts heiratet Effia einen Engländer, der im Sklavenhandel zu Reichtum und Macht gelangt. Esi dagegen wird als Sklavin nach Amerika verkauft.Mit einer enormen erzählerischen Kraft zeichnet Yaa Gyasi die Wege der Frauen und ihrer Nachkommen über Generationen bis in die Gegenwart hinein. Heimkehren ist ein bewegendes Stück Literatur von beeindruckender politischer Aktualität.

Der Inhalt

Yaa Gyasi beginnt die Geschichte mit Effia und Esi, aber bereits im nächsten Kapitel wird ein neuer Nachkomme die Geschichte übernehmen. So folgen immer weitere Nachkommen, bis hin in die heutige Zeit. Beide Familien haben somit ihre eigenen Geschichten, welche aber ganz eng miteinander verbunden sind. Das Buch Heimkehren hat so viel Kraft und es reißt einen einfach mit. Mir persönlich war zwar bewusst, was ungefähr im 18. Jahrhundert im Sklavenhandel passiert ist, doch durch dieses Buch wird es einem noch einmal schmerzlich klar.

Ein Gedicht das bewegt

Brecht die Festung auf, findet mich, findet dich. Wir, beide, fühlten Sand, Wind, Luft.

Eine spürte die Peitsche, Gepeitscht. Dann verschifft.

Wir, beide, schwarz. Ich, du. Eine erwachsen aus Kakaoerde, geboren aus einer Schote, die Haut unverletzt, noch blutend. Wir, beide, waten hinaus.

Das Wasser scheint verschieden, ist doch dasselbe. Unseres. Schwesternhaut. Wer konnte es wissen? Ich nicht. Du nicht.

( Dieses Gedicht wird ziemlich am Ende des Buches vorgetragen und es beschreibt die beiden Wege der Familie treffend. Ein großartiges Gedicht, wie ich finde. )

Mein Fazit

Ein Buch, was mit Sicherheit nichts für jedermann ist. Nicht jeder von uns kann mit einer solchen Härte umgehen. Heimkehren ist ehrlich und aufrichtig und beschreibt jede auch noch so schlimme Situation absolut klar und unverschönt. Wie gesagt, ich musste es mehrfach aus der Hand legen, weil meine Gefühle mich überwältigt haben. Wer sich heran traut, den erwartet ein großartiges Meisterwerk.

Ich habe übrigens am Ende des Buches auch das Design des Covers von Dumont verstanden. Und auch diese ist im Zusammenhang natürlich großartig!

Danke an den Dumont Buchverlag für dieses tolle Leseexemplar. Es war mir eine große Freude, dieses Buch lesen zu dürfen.