Hard Land von Benedict Wells

“ So was wie Euphancholie. Einerseits zerreißt’s dich vor Glück, gleichzeitig bist du schwermütig, weil du weißt, dass du was verlierst oder dieser Augenblick mal vorbei sein wird. Dass alles mal vorbei sein wird. „

In Hard Land kommt alles Gute von Benedict Wells zusammen. Ich mochte bisher alle seine Romane sehr gerne und Hard Land ist ein perfektes I- Tüpfelchen. Ein Coming of Age Roman in meinen Augen mit literarischem Tiefgang von Wells. Normalerweise sind solche Geschichten über Jugendliche leicht und dem klassischen Highschool Musical angepasst, nicht so in Hard Land. Benedict Wells schafft einen Roman über das Erwachsen werden und der Schwere des ersten Verliebtseins gepaart mit dem Tod eines geliebten Menschen.

Sam und Kristie

Sam ist der klassische Außenseiter, der Nerd unter den Schülern. Er hat vor allem möglichen Angst und zieht sich eher zurück. Seine Mitschüler finden ihn komisch. In den Sommerferien beginnt er im alten Kino im Ort Grady zu arbeiten, um sich etwas dazu zu verdienen. Die beste Entscheidung seines Lebens. Endlich kann er Anschluss finden, endlich kommt er aus sich raus. Vor allem, weil die Tochter des Besitzers des Kinos Kristie ihm den Kopf verdreht hat. Sam lernt im Kino neben Kristie auch noch Hightower und Cameron kennen. Zusammen verbringen sie einen tollen Sommer und Sam lernt endlich aus seinem Schneckenhaus heraus zu kommen. Er besteht Mutproben und erfährt was es heißt, verliebt zu sein. Die Drei sind ein Anker für Sam, eine Chance seine Jugend endlich zu genießen.

Sommer mit Schatten

Leider gibt es auch einen schweren Teil in diesem Roman. Sam’s Mutter hat Krebs und im Laufe des Sommers geht es ihr immer schlechter. Seine Eltern erzählen ihm aber nicht, dass es ihr so schlecht geht, denn sie möchten das er seinen Sommer genießen kann. Seiner Mutter ist klar, dass ihr Sohn endlich mal unter Menschen muss, um aus sich raus zu kommen. Sie möchte ihn nicht mit ihrer Krankheit belasten. Dennoch ahnt Sam, dass es jeden Tag zu Ende gehen könnte. Er hat fast jede Nacht Alpträume und versucht diese über die Tage hinweg zu vergessen. Er schreibt Songs über seine schwere Zeit und singt diese mit Gitarre bewaffnet seiner Mutter immer wieder vor. Sie ist stolz auf ihn und sie weiß, dass wenn sie gehen sollte, dann ist er auf einem guten Weg. Mit seinem Vater hat Sam ein schwieriges Verhältnis. Zumindest zu Beginn des Buches. Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, warum der Vater so unnahbar scheint und die Beziehung der Beiden entwickelt sich noch einmal in eine andere Richtung.

Zusammenfassung

Hard Land hat viele wunderbare Momente und doch auch so viele traurige. Benedict Wells hat eine so besondere Art, um Gefühle zu transportieren. Man kann nicht anders, als mit dem Protagonisten zu fühlen. Sam hat mich so sehr berührt, dass ich mehrfach schwer bedrückt beim lesen war. Eine Kleinigkeit hat mich auch an mich selbst erinnert. Grady ist ein kleiner, verschlafener Ort. Alle jungen Menschen wollen diesem Ort entfliehen und suchen die weite Welt für sich selbst. Dadurch das alle Jugendlichen verschwinden wollen, stirbt Grady nach und nach aus. Ich kenne dieses Gefühl, denn auch mich hat es in die Großstadt gezogen. Sam gehört zu den Menschen, mit denen man sich zu 100% identifizieren kann, denn die meisten Leute die ich kenne, hatten ähnliche Ängste in ihrer Jugend. Ich habe dieses Buch geliebt und möchte es Euch gerne ans Herz legen. Ein MUST READ!

Danke an den Diogenes Verlag für das tolle Rezensionsexemplar.

Nachtrag: Ein paar Hintergrund Infos von Benedict selbst:

Benedict hat extra im Vorfeld alte 80er Jahre Filme geschaut, um die Coming of Age Geschichte zu kreieren. Er hat sich generell sehr mit den 80ern beschäftigt und hat auch dazu extra eine Playlist erstellt. Diese findet ihr auch auf seiner Internetseite. Er sagt, schreiben sei wie eine lange Reise, man weiß nicht was auf dem Weg noch so kommt und wo es enden kann. Benedict Wells hat in Sam viel von sich selbst gesteckt, daher gibt es hier und da Parallelen. Er sagt selbst, dass Hard Land ihm sehr am Herzen liegt. ( Infos aus dem Bloggermeeting von Diogenes )

Mein Bücherjahr 2018

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, heute ist der letzte Tag in diesem Jahr und ich lasse dieses Bücherjahr 2018 Revue passiere. Welche Bücher habe ich gelesen? Welche Bücher haben mir gefallen? Und welche Bücher haben es nun schlussendlich in mein Bücherjahr 2018 geschafft. Ich habe 2018 circa 66 Bücher gelesen und eine undefinierbare Dunkelziffer an Ebooks. Ich finde, dass ist schon eine Menge Lesestoff für ein ganzes Jahr, vor allem wenn man bedenkt das ich auch noch eine große berufliche Herausforderung hatte. Das ich nebenbei doch noch eine so fleißige Leserin war, dass überrascht mich selbst. Alle 66 Bücher waren besonders ausgewählt und ich kann sagen, dass mir mindestens 90% davon richtig gut gefallen haben. Natürlich schafft es nicht jedes Buch in mein Bücherjahr 2018, daher folgen nun meine persönlichen literarischen Highlights aus 2018:

Die Ermordung des Commendatore 1 & 2 Haruki Murakami

Mein absolutes Highlight in 2018 waren definitiv diese beiden Bücher von Haruki Murakami. Er ist mein Lieblingsautor und hat es daher absolut verdient hier als Erstes genannt zu werden. Die Ermordung des Commendatore ist eine fiktive Geschichte über einen Mann der nach der Trennung von seiner Frau versucht sich selbst wieder zu finden. Er ist Maler und daher hat er immer ein offenes Auge für die Kunst. In einem abgelegen Haus in den Bergen fernab von der Großstadt Tokio entdeckt der Künstler ein altes Gemälde mit dem Namen “ Die Ermordung des Commendatore„. Sofort ist er völlig eingenommen von diesem Gemälde und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Als ihm dann auch noch dieser kleine Mann (der Commendatore) persönlich erscheint, beginnt eine wilde Jagd in die Vergangenheit und in eine Geschichte, die nicht seine Eigene ist. Zwei wirklich gelungene Bücher vom Großmeister Haruki Murakami. Ich muss zugeben, man muss seinen Stil mögen, aber ich bin hin und weg. Lest dazu auch meinen Beitrag hier.

Elefant von Martin Suter

Auch bei meinem zweiten Highlight wird es wieder fiktiv. Martin Suter zählt als Zweiter Autor in diesem Rückblick zu meinen Lieblingsautoren. Elefant ist eine so tolle Geschichte über Menschlichkeit und Fantasie zugleich. Martin Suter schafft in diesem Roman eine Verbindung zwischen fiktiven Darstellungen und menschlichem Verhalten bei seinen Protagonisten. Urplötzlich erscheint ein kleiner rosa leuchtender Elefant in der Höhle eines Obdachlosen und verändert fortan sein Leben. Entstanden ist dieser kleine Elefant aus einem Genprojekt eines wahnwitzigen Forschers. Es beginnt ein Kampf zwischen Gut und Böse wenn man so will und die Message ist ganz einfach und simpel zugleich: Menschlichkeit. Ein wirklich großartiger Roman, wo ich leider zugeben muss, dass ich die Rezension noch nicht verfasst habe. Ein Vorsatz für 2019 würde ich sagen, denn bisher fehlten mir tatsächlich die passenden Worte für dieses süße Meisterwerk.

Heimkehren von Yaa Gyasi

Heimkehren ist der emotionalste Roman in meinem Bücherjahr 2018. Das Buch, erschienen im Dumont Buchverlag hat mich viele Tage danach noch beschäftigt. Eine so gewaltige Geschichte, mit so viel Trauer und Verachtung. Sklaverei wie man sich sie noch nie vorgestellt hat. Ein Buch was dich erschauern lässt und wo du anfängst an dieser Welt zu zweifeln, die so grausam sein konnte und es auch bis heute noch sein kann. Heimkehren erzählt von mehreren Generationen einer Familie, die den Anfang in der Sklaverei macht. Im Laufe der Jahre/ Generationen erleben die Familienmitglieder immer wieder unglaublich schreckliche Dinge. Als eine Tochter dieser Familie irgendwann nach vielen Jahren wieder nach Hause zurück kehrt, beginnt ein wenig Hoffnung in diese dunkle Geschichte zu gelangen. Die Rezension zu Heimkehren von Yaa Gyasi könnt ihr hier noch einmal nachlesen.

Miss Everest von Bonita Norris

Mein aktuellstes Buch aus 2018. Dieses habe ich erst vor kurzem beendet und mir war klar, dass muss in mein Bücherjahr 2018 aufgenommen werden. Miss Everest ist die Geschichte von Bonita Norris, wie sie als erste Frau Englands den Mount Everest besteigt. Dieses Buch sprüht nur so vor Motivation. Wenn man irgendwann mal ein Ziel im Leben hat und dieses verfolgen möchte und man dazu aber noch einen kleinen Motivationsschub benötigt, dann ist dieses Buch absolut richtig. Bonita Norris ist heute selbst als Motivationstrainerin tätig und hält verschiedenste Vorträge in ganz England. Auch hierzu gab es einen Blog für Euch.

Lied der Weite von Kent Haruf

Ein weiteres Highlight aus dem Diogenes Verlag, für mich mit eines der besten Bücher des Jahres 2018. Auch in diesem Buch steht Menschlichkeit im Vordergrund. Eine Geschichte über ein Mädchen, was ohne die Unterstützung ihrer Familie mit einer schweren Last ihr Leben beschreiten muss. Sie gerät an den falschen Freund und wird schwanger und steht am Ende ohne alles da. Gäbe es da nicht zwei ganz wunderbare Menschen, die das Mädchen bei sich aufnehmen. Zwei Männer, welche bisher nur für die Landwirtschaft gelebt haben bekommen nun eine ganz neue spannende Aufgabe. Die drei werden zu einer richtigen Familie. Das aber so ein Teenager gar nicht so einfach ist, lernen die beiden auch ganz schnell kennen. Doch alleine durch ihre Menschlichkeit schaffen sie für das Mädchen und ihr ungeborenes Kind und wunderbares zu Hause. Eine so tolle Geschichte, welche ihr hier noch einmal genauer nachlesen könnt.

Die Wahrheit über das Lügen von Benedict Wells

Und noch ein Lieblingsautor! Benedict Wells ist für mich auch einfach ein Must Read der heutigen Zeit, ein großartiger Autor. In die Wahrheit über das Lügen hat der Autor eine ganze Reihe von Kurzgeschichten gepackt, wo eine schöner ist, als die andere. Unter anderem ist dort auch eine bisher nie erwähnte Szene aus “ Vom Ende der Einsamkeit“ beschrieben. Ein Buch, was ich vor kurzem erst gelesen habe und was ich jedem nur empfehlen kann. Ich mochte vorher eigentlich keine Kurzgeschichten, aber diese hier sind wirklich toll. Auch dazu gab es einen Beitrag hier auf meinem Blog.

Nun, das war es auch schon. Mein Bücherjahr 2018. Ich könnte mindestens noch zwanzig  weitere Bücher nennen, welche ich als Highlight bezeichnen würde, aber das würde in einem Beitrag nun wirklich überhand nehmen. Ich habe versucht aus allen 66 Büchern, die Besten heraus zu suchen. Ich hoffe ich konnte Euch inspirieren für das Jahr 2019. Mein Ziel für 2019 ist es, erst einmal meine noch ungelesen Bücher aus 2018 zu lesen und mich noch mehr auf Neuentdeckungen zu stürzen. Also, wenn jemand Tipps für 2019 hat – immer her damit! Jetzt wünsche ich Euch erst einmal einen tollen Start in das neue Jahr und auf das uns 2019 noch mehr tolle Bücher begegnen werden. Xoxo Sarah

 

Folgende Bücher waren Rezensionsexemplare: Heimkehren von Yaa Gyasi ( Dumont Buchverlag ), Die Wahrheit über das Lügen von Benedict Wells und Lied der Weite von Kent Haruf ( Diogenes Verlag ). Alle anderen Bücher habe ich selbst gekauft. Ich bewerbe dennoch alle Bücher aus freien Stücken, weil sie mir einfach gefallen haben. 🙂 Ich danke den Verlegern für das bereitstellen dieser wunderbaren Exemplare. 

Die Wahrheit über das Lügen von Benedict Wells

Ich habe heute wieder einen Benedict Wells für Euch im Gepäck! „Die Wahrheit über das Lügen„, sein neuestes Werk aus dem Hause Diogenes durfte ich in der letzten Woche lesen und möchte Euch diesen nun auch nicht vorenthalten. Ich bin ein bekennender Benedict Wells Fan und habe mich daher riesig über dieses Rezensionsexemplar von „Die Wahrheit über das Lügen“ gefreut. Ich mag seinen Schreibstil unglaublich gerne, denn er bedient sich einfachster Schreibweise und dennoch haben seine Worte so viel Kraft. In diesem kleinen Büchlein findet man zehn kleine Geschichten, unter anderem eine noch nicht veröffentliche Geschichte aus seinem Buch “ Vom Ende der Einsamkeit„.

Zehn kleine Geschichten 

Ich war vorher nie ein Fan von Kurzgeschichten, muss ich leider an dieser Stelle gestehen, aber wenn es um Benedict Wells geht, komme ich nicht umhin es zu versuchen. Jede der kleinen Geschichten hat etwas magisches und jede für sich, hat einen ganz besonderen Zauber. Die ein oder andere Geschichte ist tief traurig und berührend und zugleich so wunderschön. Schon die erste Geschichte “ Die Wanderung“ ist sehr bewegend. Ein Mann der für seinen Job lebt und selbst an einem Familienwochenende nicht aufhören kann zu arbeiten. Er begibt sich auf eine Wanderung und denkt während dieser immer öfter an seine großartigen Kinder und seine liebevolle Frau, welche zu Hause auf ihn warten. Am Ende der Wanderung allerdings stellt sich heraus, dass er nur aus Erinnerungen gezehrt hat und das in Wahrheit seine kleine heile Welt, gar nicht mehr so friedlich ist. Er registriert bei dieser Wanderung, dass er sein Leben an die Arbeit vergeudet hat und seine Familie darüber völlig vernachlässigt hat…leider zu spät. Gerade diese erste Geschichte hat mich bewegt, denn kennt man das nicht selbst? Man arbeitet und arbeitet und vergisst manches Mal die wichtigen Dinge im Leben? Eine hoch emotionale erste Geschichte in diesem tollen Buch.

Die Nacht der Bücher – Eine Weihnachtsgeschichte

Oh mein Gott – ich liebe diese kleine Geschichte so sehr! Zwei Teile dieser Geschichte sind auch aus dem Buch “ Vom Ende der Einsamkeit“ entsprungen. Jeder der Bücher liebt, der kann bei dieser Geschichte nicht umhin, sich in diese zu verlieben. Es ist Weihnachtsabend und die großen Geschichten dieser Welt finden sich in einer Bibliothek zusammen und wollen heraus finden, wer an diesem bedeutenden Abend die Weihnachtsgeschichte vorliest. Von Tolstoi über Hemingway bis hin zu Shakespeare – alle tollen Geschichtenerzähler sind erwähnt und man beginnt zu träumen. Jede noch so bedeutende Geschichte aus der Literatur ist kurz erwähnt und man kann sich regelrecht vorstellen, wie man in dieser alten, verstaubten Bibliothek sitzt und wie man den Büchern beim diskutieren zu hören kann. Wirklich eine kleine, wunderbare Geschichte.

Benedict Wells der Künstler unserer Zeit

Ich bin mir bewusst, dass ich in diesem Beitrag durchweg am schwärmen bin, aber ich kann auch einfach nicht anders. Ich bin begeistert von diesem Autor und ich finde, dass er der Künstler schlecht hin der Literatur von heute ist. Irgendwann wird es eine Geschichte wie die seine geben, in der ein Benedict Wells neben einem Tolstoi steht und auch als herausragende Literatur beachtet wird. Und dann werden sich die anderen verstaubten Bücher mit ihm darüber streiten, wer denn wohl die Weihnachtsgeschichte vorlesen mag.

Eine letzte Anmerkung zu einer Geschichte habe ich noch: ich bin ein absoluter Star Wars Fan und die Geschichte “ Das Franchise“ hat mich schockiert…nicht im negativen Sinne…George Lukas ist nicht der echte Erfinder dieses Epos? Oder vielleicht doch…?…, eine großartige Geschichte über die Wahrheit…“Die Wahrheit über das Lügen„.

Danke an den Diogenes Verlag für dieses Lesevergnügen. Ich kann es nur empfehlen und hoffe es werden noch sehr viele Menschen lesen, denn es ist großartig.

 

Rezensionsexemplar / Diogenes Verlag / Auflage 2018 / 244 Seiten / 22,00€/ Hardcover 

Spinner von Benedict Wells

Ich präsentiere Euch heute einen meiner Lieblingsautoren aus dem deutschsprachigen Raum – und zwar Benedict Wells. Seinen Roman „Spinner“ habe ich soeben beendet und komme nun nicht umhin, diesen auch direkt mit Euch zu teilen. Dieses tolle Buch aus dem Diogenes Verlag habe ich auch wieder auf einem Wühltisch entdeckt, mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass ich auf diesen Tischen eindeutig immer große Schätze entdecke. Ich lasse mich immer wieder von diesen kleinen weißen Büchern aus dem Hause Diogenes magisch anziehen und da ich Benedict Wells sowieso sehr mag, konnte ich nicht Wiederstehen.

Über den Autor 

Benedict Wells ist nur wenige Jahre älter, als ich selbst und gerade deshalb fasziniert mich seine Art zu schreiben. Er hat in seinen Büchern immer wieder eine ähnliche Sprache, wie diese meiner Generation. Ich kann mich in seine Gedanken, bzw. die Gedanken seiner Protagonisten immer sehr gut rein versetzen und verstehe deren wirre Verhaltensweisen nur zu Gut. Den Roman „Spinner“ hat er bereits mit neunzehn Jahren geschrieben, was ich persönlich überragend finde. Man merkt dem Roman seine jugendliche Einstellung an und doch ist er mit unter so tiefgründig, dass man gar nicht recht glauben kann, dass ein so junger Mann dieses geschrieben haben soll. Wenn man nun den Lebensweg von Benedict Wells selbst mit unserem Protagonisten Jesper Lier vergleicht, bekommt man den Eindruck, dass er ein wenig über sich selbst geschrieben hat.

Jesper Lier – ein Spinner?

Ich muss sagen, ich liebe den Charakter Jesper total! Er ist eigentlich sehr verloren und völlig hilflos und baut nur Mist, aber ist auch einfach so unglaublich sympathisch und witzig. Benedict Wells schafft es in ihm, in Jesper, das perfekte Ebenbild einer Generation zu erschaffen. Es ist der Anfang eines neuen Jahrtausends, wo alles möglich scheint und die Welt allen jungen Menschen offen steht. Einige wissen in jungen Jahren sofort, wo es sie hin zieht und andere wiederum sind erst einmal verloren. Jesper weiß, dass er Schreiben möchte, aber er verliert sich in seiner Fiktion und verschmelzt förmlich mit seinem Buch. Der Selbstmord seines Vaters nimmt ihn mehr mit, als das er es zugeben möchte und seine Flucht in das fremde Berlin ist der erste Schritt seinem Selbst zu entfliehen. Jesper ist durchaus kein Spinner, sondern einfach nur ein junger Mann, der gerade seinen Weg verloren hat und diesen wieder neu erkennen muss. Zum Glück hat er zwei ganz großartige Freunde an seiner Seite, die ihn trotz seiner ruppigen Art nicht links liegen lassen und für ihn da sind.

Der Weg zu sich selbst ist manchmal steinig

Ich kann mich gut in den Charakter des Buches rein versetzen, denn ich denke, so wie Jesper geht es vielen jungen Menschen. Gerade am Anfang des Milleniums haben viele nach etwas mehr gesucht, jeder wollte über sich hinaus wachsen und die Welt lag uns allen zu Füßen. Als junger Mensch den eigenen Weg finden ist kein leichtes unterfangen.

Zitat aus dem Buch: Erst bist du jung und machst dir tolle Pläne, und alles scheint möglich, und dreißig Jahre später wachst du auf und stellst fest, dass alles falsch ist. Und du kannst nichts mehr ändern, dabei hast du noch nicht mal große Fehler gemacht. Du hast nur hin und wieder nicht richtig aufgepasst….

Dieses Zitat sagt alles aus, was dieses Buch ausmacht. Die Angst, in jungen Jahren die Weichen nicht richtig zu stellen und sich hinterher dafür zu verurteilen. Ich glaube viele Menschen können sich an so eine Zeit in ihrem Leben zurück erinnern und fühlen mit unserem „Spinner“ diese totale Hilflosigkeit nach.

Mein Schlusswort

Spinner“ von Benedict Wells ist eine großartige Erzählung über eine Generation von jungen Menschen. Beschrieben mit fast schon anmaßendem Humor und doch so tief gefühlvoll. Ich habe extra nicht viel vom Inhalt verraten und nur umschrieben, denn Ihr solltet es selbst lesen, wenn es Euch interessiert. Ich kann nur sagen, es ist eine absolute #buchempfehlung ! Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich dieses Buch selbst erworben habe, dennoch möchte ich den Diogenes Verlag nennen, da ich dessen Bücher immer wieder gerne meinen Lesern empfehle.

 

Diogenes Verlag / Ausgabe 2010 / Taschenbuch / 10,00€ / 307 Seiten