Spinner von Benedict Wells

Ich präsentiere Euch heute einen meiner Lieblingsautoren aus dem deutschsprachigen Raum – und zwar Benedict Wells. Seinen Roman „Spinner“ habe ich soeben beendet und komme nun nicht umhin, diesen auch direkt mit Euch zu teilen. Dieses tolle Buch aus dem Diogenes Verlag habe ich auch wieder auf einem Wühltisch entdeckt, mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass ich auf diesen Tischen eindeutig immer große Schätze entdecke. Ich lasse mich immer wieder von diesen kleinen weißen Büchern aus dem Hause Diogenes magisch anziehen und da ich Benedict Wells sowieso sehr mag, konnte ich nicht Wiederstehen.

Über den Autor 

Benedict Wells ist nur wenige Jahre älter, als ich selbst und gerade deshalb fasziniert mich seine Art zu schreiben. Er hat in seinen Büchern immer wieder eine ähnliche Sprache, wie diese meiner Generation. Ich kann mich in seine Gedanken, bzw. die Gedanken seiner Protagonisten immer sehr gut rein versetzen und verstehe deren wirre Verhaltensweisen nur zu Gut. Den Roman „Spinner“ hat er bereits mit neunzehn Jahren geschrieben, was ich persönlich überragend finde. Man merkt dem Roman seine jugendliche Einstellung an und doch ist er mit unter so tiefgründig, dass man gar nicht recht glauben kann, dass ein so junger Mann dieses geschrieben haben soll. Wenn man nun den Lebensweg von Benedict Wells selbst mit unserem Protagonisten Jesper Lier vergleicht, bekommt man den Eindruck, dass er ein wenig über sich selbst geschrieben hat.

Jesper Lier – ein Spinner?

Ich muss sagen, ich liebe den Charakter Jesper total! Er ist eigentlich sehr verloren und völlig hilflos und baut nur Mist, aber ist auch einfach so unglaublich sympathisch und witzig. Benedict Wells schafft es in ihm, in Jesper, das perfekte Ebenbild einer Generation zu erschaffen. Es ist der Anfang eines neuen Jahrtausends, wo alles möglich scheint und die Welt allen jungen Menschen offen steht. Einige wissen in jungen Jahren sofort, wo es sie hin zieht und andere wiederum sind erst einmal verloren. Jesper weiß, dass er Schreiben möchte, aber er verliert sich in seiner Fiktion und verschmelzt förmlich mit seinem Buch. Der Selbstmord seines Vaters nimmt ihn mehr mit, als das er es zugeben möchte und seine Flucht in das fremde Berlin ist der erste Schritt seinem Selbst zu entfliehen. Jesper ist durchaus kein Spinner, sondern einfach nur ein junger Mann, der gerade seinen Weg verloren hat und diesen wieder neu erkennen muss. Zum Glück hat er zwei ganz großartige Freunde an seiner Seite, die ihn trotz seiner ruppigen Art nicht links liegen lassen und für ihn da sind.

Der Weg zu sich selbst ist manchmal steinig

Ich kann mich gut in den Charakter des Buches rein versetzen, denn ich denke, so wie Jesper geht es vielen jungen Menschen. Gerade am Anfang des Milleniums haben viele nach etwas mehr gesucht, jeder wollte über sich hinaus wachsen und die Welt lag uns allen zu Füßen. Als junger Mensch den eigenen Weg finden ist kein leichtes unterfangen.

Zitat aus dem Buch: Erst bist du jung und machst dir tolle Pläne, und alles scheint möglich, und dreißig Jahre später wachst du auf und stellst fest, dass alles falsch ist. Und du kannst nichts mehr ändern, dabei hast du noch nicht mal große Fehler gemacht. Du hast nur hin und wieder nicht richtig aufgepasst….

Dieses Zitat sagt alles aus, was dieses Buch ausmacht. Die Angst, in jungen Jahren die Weichen nicht richtig zu stellen und sich hinterher dafür zu verurteilen. Ich glaube viele Menschen können sich an so eine Zeit in ihrem Leben zurück erinnern und fühlen mit unserem „Spinner“ diese totale Hilflosigkeit nach.

Mein Schlusswort

Spinner“ von Benedict Wells ist eine großartige Erzählung über eine Generation von jungen Menschen. Beschrieben mit fast schon anmaßendem Humor und doch so tief gefühlvoll. Ich habe extra nicht viel vom Inhalt verraten und nur umschrieben, denn Ihr solltet es selbst lesen, wenn es Euch interessiert. Ich kann nur sagen, es ist eine absolute #buchempfehlung ! Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich dieses Buch selbst erworben habe, dennoch möchte ich den Diogenes Verlag nennen, da ich dessen Bücher immer wieder gerne meinen Lesern empfehle.

 

Diogenes Verlag / Ausgabe 2010 / Taschenbuch / 10,00€ / 307 Seiten

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