Das Jahr ohne Worte von Syd Atlas

Das Jahr ohne Worte ist definitiv ein Buch, was man nicht so schnell wieder vergessen kann. Syd Atlas erlebt eine wahre Geschichte über die Krankheit ihres Mannes und was diese mit ihrem eigenen Leben anrichtet. Wenn der Ehepartner auf einmal tödlich erkrankt verläuft das für jeden Einzelnen von uns in unterschiedlicher Weise ab, doch für Syd Atlas wurde es zum persönlichen Alptraum. Zwischen Liebe, Verlust und Betrug spielt sich dieser Roman ab, welcher im Rowohlt Verlag erschienen ist.

Ein Leben mit ALS

Theo ist der Mann von Syd und er sollte ihre große Liebe sein. Nach der Scheidung ihres ersten Mannes und der Vater des ersten Kindes, wollte sie mit Theo noch einmal neu beginnen. Ein gemeinsamer Sohn und eine Hochzeit sollen das Ganze bestärken. Doch Theo bekommt die Diagnose ALS – die Krankheit die Steven Hawking hatte. Tatsächlich kann man auch sehr viele Parallelen zu dem Krankheitsverlauf von Steven Hawking und Theo beobachten. Von ersten Lähmungserscheinungen bis hin zum kompletten Stimmverlust. Auch Theo muss irgendwann mit einem Computer das sprechen neu lernen.

„Sich zu verlieben ist, als würde man Zirkusartisten dabei zusehen, wie sie durch die Luft wirbeln, sich drehen und rollen, immer mit dem Risiko, in den Tod zu stürzen, aber mühelos Schwerkraft überwinden wie eine Zeitfalte. Genau so habe ich mich gefühlt.“

Syd erlebt eine Zeit voller Angst, denn diese Krankheit verläuft in der Regel tödlich. Und voller Überforderung, denn zwei Kinder einen kranken Mann und einen Job, dass schaffen die wenigsten. Zumal Theo in seinem Charakter auch von Monat zu Monat schwieriger wird und sie nicht mehr wirklich an ihn heran kommen kann. Im Unterschied zu der Geschichte rund um Steven Hawking, bleibt Syd ihrem Theo immer treu und versucht alles, um die Beziehung nicht aufzugeben. Es fällt ihr sichtlich schwer, denn neben den krankheitsbedingten Beschwerden wird Theo einfach unerträglich zu Hause. Sogar ihre beiden Jungs können den Vater nur noch schwer ertragen.

Irgendwann kommen Syd auch Gedanken wie: “ Was wäre, wenn ich ihn nie kennen gelernt hätte? Wäre ich dann glücklicher?“ Man kann sich nur vorstellen in welcher Zwickmühle sie sich befunden hat und als Theo sie dann auch noch richtig verletzt kann man nur Mitleid mit Syd haben. Ihr Leben ist zu dieser Zeit unglaublich schwer und es wird ihr noch schwerer gemacht. Zum Glück ergeben sich in dieser Zeit aber auch neue Job Angebote, denn Syd ist Motivations Coach und das nicht einmal un erfolgreich. Der Job hält sie am Leben und bringt ihr ein wenig Glück.

„Glauben wir, was wir glauben wollen? Oder ist es, wenn man sein Leben in der Wüste vollbracht hat, vielmehr unmöglich, sich vor einem heraufziehenden Schneesturm zu fürchten, weil man keine Vorstellung davon hat?“

Meine eigene Meinung zum Buch

Ich mochte das Buch sehr und ich habe es auch sehr schnell durch gelesen. Syd Atlas hat einen sehr angenehmen und ehrlichen Schreibstil, sodass man flüssig lesen kann. Ihre Geschichte hat mich bewegt und es hat mich beeindruckt, wie stark Syd ist. Tatsächlich fand ich es ein bisschen störend, dass so vieles in diesem Buch an die Geschichte von Steven Hawking erinnert. Nicht nur die Krankheit sondern auch das drum herum. Ich möchte nicht anmaßend sein und behaupten Teile sind dessen entsprungen, denn wenn Syd Atlas wirklich dieses erlebt hat, wie es in dem Buch „Ein Jahr ohne Worte“ erzählt wird, dann ist dieses wirklich grausam und bewundernswert.

Ich bedanke mich bei Syd Atlas und den Rowohlt Verlag, dass ich dieses Buch lesen durfte. Tatsächlich hat mir übrigens dieses tolle bunter Cover auch sehr viel Freude bereitet. Die Geschichte sollte auf jeden Fall gelesen werden und ich wünsche der Autorin alles erdenklich Gute und hoffe, dass sie ihr Glück wieder finden wird und das das Leben ihr etwas zurück geben wird.

Rezensionsexemplar/ Rowohlt Verlag/ Auflage 2020/ Gebundene Ausgabe/ 20,00€/ 256 Seiten

Der Defekt von Leona Stahlmann

Ein Buch, was einer Grenzüberschreitung gleicht. Sehr viel verbotenes oder besser gesagt unausgesprochenes verbirgt sich in diesem Roman. Der Defekt von Leona Stahlmann hat sehr viel Tiefe und eine ausgezeichnete Sprache. Der Defekt ist als Rezensionsexemplar für mich aus dem Kein & Aber Verlag gekommen und ich freue mich sehr, dass ich dieses lesen durfte. Ich habe mich zu Anfang ein wenig schwer getan, aber nach einer Weile kam ich gut rein und muss sagen, dass es klasse ist. Leona Stahlmann hat eine ausschweifende Sprache und geht in jeder Erklärung unglaublich in die Tiefe und schafft somit ein umfassendes Bild der jeweiligen Situation. Manch einer wird es zu umschrieben finden, jedoch jeder der Sprache mag, wird es mögen.

Mina und Vetko

Mina ist ein scheinbar gewöhnliches Mädchen, welches in einem kleinen Dorf im Schwarzwald lebt und gut behütet aufwächst. Vetko geht auf die selbe Schule und ist aber ein bisschen Älter als Mina. Sie findet jedoch sofort gefallen an ihm und er wird sie in ganz andere Welten entführen. Es entwickelt sich eine unglaublich ungewöhnliche Liebesbeziehung. Mina verliert ihre Unschuld auf eine Weise, wie keine von uns es sich vorgestellt hätte. Leona Stahlmann überschreitet hier Grenzen, sie beschreibt Dinge, die kannte ich bisher so noch nicht. Dennoch ist es spannend zu lesen, welche sexuelle Ausprägung Menschen haben können. Vetko entführt Mina weit tiefer in den SM Bereich, als ihr zu Anfang vielleicht bewusst war.

Was mir in diesem Buch nicht ganz klar geworden ist, ist das Alter der Protagonistin. Oder besser gesagt das Alter, wo Mina tatsächlich entjungfert wurde. Ich fand es sehr erschreckend, dass die meisten Erzählungen rund um ihren 16ten Geburtstag herum erzählt werden. Mit 16 schon solche Vorlieben zu haben scheint erst einmal hart. Ich bin auch zum Ende des Buches nicht ganz sicher, ob Mina das wirklich alles aus freien Stücken getan hat oder weil sie Vetko so sehr geliebt hat. Im Grund geht es aber um die Tiefe der Gefühle und wie weit Menschen bereit sind zu gehen, um eventuell dem anderen zu Gefallen. Ich bin mir sicher, dass Mina das mit der Zeit wollte und auch nicht mehr anders konnte, eine Art Sucht sozusagen. Ich denke es ist wie ein Sog aus dem man nicht so leicht entkommen kann.

Die Brennnessel 

In dem Buch und auf dem Cover kommt uns oftmals die Brennnessel entgegen. Zu Anfang versteht man den Hintergrund gar nicht, doch zum Ende wurde mir bewusst, dass es genau das Leben von Mina beschreibt. Die Brennnessel ist anders als die anderen Pflanzen, genau wie Mina. Die meisten Menschen mögen keine Brennnesseln, oder meistens nur in Form von Tee. Mina jedoch mag diese Pflanze gerne, weil sie eben auch anders ist und weil sie sich eben auch nicht an die Norm anpasst. Sie ist nicht unglaublich schön und unglaublich anpassungsfähig, sie ist störrig und brennt und sie ist einfach nicht „normal“.

„Welche Pflanze konnte schon die Welt schrumpfen? Das konnte nur die eine, deren wogende dunkelgrüne Felder Mina jetzt überall sah, wie sie lief, selbst in der Kreisstadt und auf dem Fussballplatz: die gemeine Brennnessel.“

Der Defekt ist dazu auch der passende Titel, denn Mina denkt, dass sie defekt sei, weil sie eben andere Vorstellungen von Liebe und Sex hat. All ihre Freundinnen haben ganz andere Sorgen rund um den Geschlechtsverkehr als sie, viel banaler, viel simpler und alles so sehr ähnlich. Zeitweise fühlt sie sich wie eine Außenseiterin und kann nur zusammen mit Vetko eine Verbindung zu dieser Welt fühlen. Schmerz wird zu ihrem Leben und ohne scheint sie nicht mehr zu können. Für jemanden, der so nicht empfinden kann, ist es maßlos und unglaubwürdig. Doch Leona Stahlmann trifft damit in eine Wunde, die niemals ganz ausgesprochen wird. Es wird maximal geflüstert oder hinter vorgehaltener Hand gesprochen, aber es gibt diese Nische tatsächlich.

„Danach lag Vetko zwischen ihren Beinen und sah Mina von dort aus an. „Ich finde, es sieht aus wie eine Furche. Eine Ackerfurche vielleicht, die lange vor uns beiden und noch vor unseren Eltern und Großeltern jemand mal gezogen hat, mit einer großen Hand in lehmige Erde.“

Mein persönliches Fazit

Ich mochte Mina als Protagonistin irgendwie gerne, ich war jedoch oftmals ein wenig verstört bei der ein oder anderen Einstellung. Das Thema ist mir fremd und ich kann mich in die Gefühle nicht hineinversetzen, aber ich kann die Message dahinter verstehen. Ich verstehe, dass auch eine Brennnessel schön sein kann und das „anders“ nicht zwingend „unnormal“ sein muss. Ich mochte den Schreibstil der Autorin unglaublich gerne und ich hoffe es folgen noch weitere Bücher, denn dieses hier war ihr Debütroman. Ich danke noch einmal dem Kein & Aber Verlag für das Exemplar – ich kann es nur empfehlen. Ich warne aber gleich: man muss Sprache und lange Sätze mögen, wenn dem so ist, dann hat man einen wunderbaren Roman gefunden. Und übrigens liebe ich das Cover sehr und ich finde es auch immer wichtig so etwas auch zu erwähnen, denn auch hinter dieser Idee steckt Arbeit, die Wertschätzung verdient.

Rezensionsexemplar/ Kein&Aber Verlag/ Gebundene Ausgabe/ Auflage 2020/ 268 Seiten/ 22,00 € im Buchhandel 

 

 

 

 

Rote Kreuze von Sasha Filipenko

[ Werbung, Rezension ] Eine Frau die eine folgenschwere Entscheidung getroffen hat und sich auch Jahre danach nicht verzeihen kann und ein Mann, der alles verloren hat, was er geliebt hat, treffen aufeinander und erzählen sich gegenseitig deren Geschichte. Rote Kreuze von Sasha Filipenko aus dem Diogenes Verlag ist ein Roman über die Stalinzeit und die Verbindung zur heutigen Einstellung der Menschheit. Filipenko zeigt in diesem Buch, was Verlust uns heute bedeutet und was es in der russischen Geschichte bedeutet hat.

Zum Inhalt

Tatjana ist in jungen Jahren als Fremdsprachenkorrespondentin im Außenministerium in Moskau tätig. Die in London geborene Russin wollte ein neues Leben mit ihrer Familie in Moskau beginnen. Moskau hatte damals so viel Glanz und hat so viel versprochen. Doch der zweite Weltkrieg beginnt und ihr Mann wird an die Front verlangt. Nach Wochen der Ungewissheit soll sie eine Liste des Roten Kreuzes mit Kriegsgefangenen in Rumänien übersetzen und entdeckt auf dieser den Namen ihres Mannes. Zunächst ist sie erleichtert das er lebt, doch gleichzeitig hat sie Angst um ihn. Es war bekannt, dass Kriegsgefangene als Volksverräter galten und erschossen wurden. Aus einem Kurzschluss heraus streicht sie seinen Namen und verdoppelt den Namen eines anderen Soldaten.

Alexander ist vor kurzem mit seiner Tochter nach Minsk gezogen. Er hat durch eine tödliche Krankheit seine Frau verloren und muss nun alleine sein Leben bestreiten. Eigentlich möchte er sich am liebsten nur einschließen und mit keinem anderen Menschen reden. Seine Nachbarin Tatjana dagegen hat eine Menge aus ihrem Leben zu erzählen. Die alte Dame leidet an Alzheimer und kann sich aber an ihre Zeit in Gefangenschaft zur Stalinzeit noch sehr gut erinnern. Die beiden treffen sich immer wieder im Hausflur und Tatjana erzählt ihm ihre Geschichte und versucht so, ihm begreiflich zu machen, dass sein Verlust schlimm ist, dass es aber in der Geschichte noch weitaus schlimmere Ereignisse gab.

Tatjana hat Jahre lang das Geheimnis, dass sie jemand anderen doppelt auf die Liste gesetzt hatte, für sich behalten. Erst viele Jahre nach ihrer Gefangenschaft ist sie zu dem Soldaten gegangen, welchen sie ihrer Meinung nach in den Tod hatte treiben müssen. Es stellt sich aber heraus, dass dieser Soldat unversehrt mit seiner Familie den Krieg überlebt hat. Die rumänischen Gefangenen wurden scheinbar nicht alle getötet und Tatjana erkennt ihren eigenen großen Irrtum. Hatte sie nun damals das richtige getan? Oder hat sie sich und ihre Familie damit verraten?

Meine eigene Meinung

Ich mochte die Geschichte sehr und finde russische Literatur sowieso äußerst spannend. Sasha Filipenko hat einen lockeren Schreibstil und man kann das Buch gut weg lesen. Die Tiefe der Geschichte wird einem aber erst im Nachhinein bewusst. Tatjana hat in meinen Augen versucht das Schicksal zu beeinflussen und hat am Ende die Konsequenzen getragen, dennoch glaube ich, dass jede von uns genauso gehandelt hätte. Auch ich hätte versucht meinen geliebten Mann zu schützen, auch wenn es für mich den Tod bedeuten könnte. Alexander geht in meinen Augen in der Geschichte unter. Das Einzige was er mit nehmen kann aus der Geschichte von Tatjana, dass er weiter kämpfen sollte. Er sollte für sich und seine Tochter kämpfen, dass beide ein normales Leben führen auch ohne seine Frau.

Während ich dieses Buch gelesen habe, habe ich auch viel im Internet recherchiert und mich über die Stalinzeit informiert. Ich kannte die Fakten zuvor noch nicht und mochte es sehr, dass dieses Buch mich dazu inspiriert hat. Ich liebe es, wenn Romane aus einer wahren Geschichte entspringen, auch wenn es wie in diesem Fall, eine eher grauenhafte Zeit Epoche war.

Empfehlung oder eher nicht?

Ich kann diese Buch empfehlen und ich danke dem Diogenes Verlag, dass ich dieses Exemplar lesen durfte. Sasha Filipenko hat für mich sehr viel Potenzial. Außerdem ist es der erste von fünf Romanen, der in deutsch erscheint. Ich hoffe ich werde bald noch mehr von ihm auf deutsch lesen können.

Rezensionsexemplar / Diogenes Verlag / Taschenbuch / Auflage 2020 / Seiten / 22€

Kitchen von Banana Yoshimoto

Kitchen, ein Roman voll von Gefühlen, bei dem mich Banana Yoshimoto wieder einmal feststellen lässt, dass ich japanische Literatur wirklich sehr gerne mag. Ich bin ja bekennender Japan Fan, vor allem durch Haruki Murakami und auf Grund dieser Leidenschaft probiere ich immer wieder gerne neue Autoren aus. Banana Yoshimoto war also Neuland für mich. Nun bin ich aber auch Fan vom Diogenes Verlag und so konnte ich eigentlich gar nichts falsch machen. Ich habe dieses süße, kleine Buch auf einem Wühltisch entdeckt und es in einem Rutsch durch gelesen. Das ich gerne „wühle“ müsste Euch mittlerweile schon bekannt vorkommen, denn in diesen wunderbaren Tischen habe ich schon so manch ein großartiges Buch finden können.

„Zum ersten Mal in meinem Leben machte ich mit meinen eigenen Händen und Augen die Erfahrung, wie groß die Welt und wie tief ihre Dunkelheit ist, erlebte ich, von welch undenklicher Faszination, aber auch grenzenloser Einsamkeit sie ist.“

Die Geschichte von Mikage und Yuichi

Mikage wächst alleine mit ihrer Großmutter in Tokyo auf, den Rest ihrer Familie hat sie bereits verloren. Beide wohnen in einer großen Wohnung, in der allerdings die Küche ihr liebster Ort ist. Einzig und allein in der Küche fühlt Mikage sich sicher und geborgen. Als eines Tages auch ihre geliebte Großmutter stirbt, muss die junge Frau alleine durchs Leben gehen. Die steht vor der Entscheidung ihre erste eigene Wohnung zu mieten und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Yuichi ein guter Freund ihrer Großmutter macht ihr genau in diesem Moment der Einsamkeit den Vorschlag, dass sie doch bei ihm und seiner Mutter einziehen soll. Mikage ist zunächst skeptisch, denn ein für sie völlig fremder Mensch hat ihr dieses vertrauensvolle Angebot unterbreitet. Sie beschließt, dass sie sich die Wohnung und seine Mutter erst einmal anschauen möchte. Und wie könnte es anders sein, als dass die Küche als zentraler Punkt in ihrem Leben sie schlussendlich zu einer Zustimmung bringen würde. Zu dritt ist das Leben weniger einsam und zwischen Mikage und Yuichi entwickelt sich eine tiefe Freundschaft und später auch Liebe.

Eriko

Yuichi’s Mutter ist eigentlich sein Vater, denn der Alleinerziehende dachte, wenn er eine Frau wäre, dann würde es für den Sohn besser sein. Nachdem Yuichi’s richtige Mutter gestorben ist, lässt sich Eriko zu einer Frau umoperieren und leitet als Drag einen Nachtclub. Irgendwie klingt das typisch japanisch für mich und ich kann Eriko förmlich vor mir sehen. Mikage stört das nicht, denn sie sieht in Eriko eine zweite Mutter. Leider wird sie als Nachclubbesitzerin verfolgt und eines Tages ermordet. Die Beziehung von Mikage und Yuichi scheint daran zu zerbrechen, doch am Ende siegt der Drang, dass beide alleine viel zu einsam wären.

Auch Eriko hat ihre ganz eigene Geschichte, welche zum Schluss in dem Buch auch noch erzählt wird. Zuerst hatte ich den Geschichtenwechsel nicht Recht verstanden, doch am Ende erschien mir alles schlüssig. Das Buch dreht sich um den Verlust eines geliebten Menschen und wie uns so etwas nachhaltig beeinflussen kann. Denn nur jemand der wirklich einmal einsam war, der kann nachvollziehen, wie ein jemand sich dann fühlt und es scheint in diesem Buch, als könnten auch nur diese Menschen eine ganz ehrliche Liebe empfinden.

„Ich muss erwachsener, größer werden. Viel wird geschehen und mich im Innersten treffen. Vieles wird weh tun, und immer wieder muss ich auf die Beine kommen. Aber ich darf mich nicht unterkriegen lassen, darf nie die Kraft verlieren.“

Mein Fazit zu Kitchen

Ich mochte dieses Buch wirklich sehr. Banana Yoshimoto hat eine ganz einfache und doch tiefsinnige Art Dinge zu beschreiben. Einen Schreibstil, wie ich ihn bisher immer bei japanischer Literatur erlebt habe. Genau das ist es, was mich so nachhaltig an diesem Land begeistert. Die Menschen sind in der Regel ganz einfach und freuen sich über Kleinigkeiten ( im Fall von Mikage über eine Tasse mit einer Banane darauf ) und dennoch erleben sie ganz tiefe Gefühle und beschreiben die Umgebung immer mit einer faszinierenden Präzession. Ich bin Fan von Banana Yoshimoto, sodass ich mir direkt zwei weitere Bücher kaufen musste. Ich werdet also noch einmal von dieser Autorin auf meinem Blog lesen.

 

Selbst gekauft/ Diogenes Verlag/ Ausgabe 1994/ Backlist / 203 Seiten / 10,00€

So schöne Lügen von Tara Isabella Burton

New York, eine vermeintliche Freundschaft und menschliche Abgründe, dass macht den Roman „So schöne Lügen“ aus. Wobei ich tatsächlich finde das es eher ein Thriller ist, denn die ein oder andere Stelle ist schon schockierend. Der Roman von Tara Isabella Burton erscheint am 17. Mai im Dumont Buchverlag und ich durfte für Euch schon einmal hinein lesen.

Louise und Lavinia

Lavinia ist ein verwöhntes, Reiches Mädchen, was in New York ohne ihre Eltern in einem teuren Apartment lebt. Ihre Eltern denken, dass sie ein Jahr Auszeit nimmt von ihrem Studium und sie ahnen nicht, dass ihre Tochter nur von einer Party zur nächsten zieht. Sie ist jung, hübsch und ziemlich durchgeknallt. Ihr Leben ist durch den Rückhalt ihrer Eltern sehr sorglos.

Louise hingegen muss jeden Penny zweimal umdrehen. Sie hat mehrere Jobs, um sich ein billiges Zimmer leisten zu können, was nicht einmal in Manhattan liegt. Sie möchte Schriftstellerin werden, hat aber nicht den nötigen Biss dazu. Sie hat kaum Freunde, daher ist sie überglücklich, als sie Lavinia kennen lernt.

Ist das wirklich Freundschaft?

Wenn in einer Freundschaft die Unterschiede so groß sind, dann kann es auf Dauer nicht passen. Es ist ein kleines Klischee, die typische New Yorker Geschichte, so soll der Leser zumindest glauben. Doch „So schöne Lügen“ beschreibt weit mehr als das! Tara Isabella Burton erzählt uns hier von menschlichen Abgründen. Die Tiefe von verrückten Seelen, welche wir nicht zu kennen glauben.

Louise und Lavinia sind lange Zeit unzertrennlich und das Blatt wendet sich nur so nach und nach. Lavinia weiß, dass Louise sie betrügt, doch Oberflächlichkeit ist ihr nicht fremd. Sie nimmt es hin, sie denkt sie schafft für Louise ein besseres Leben. Erst als Lavinias Exfreund mit ins Spiel kommt, gerät ein Stein ins Rollen. Eifersucht und Neid, die mit Abstand schlimmsten Feinde des Menschen. Beide Eigenschaften bringen dich dem Abgrund so nah, dass Fallen vorprogrammiert ist.

Lavinia wendet sich ab und Louise lernt noch eine schlechte Eigenschaft kennen: Einsamkeit und Verlustangst. Die Frage ist nur, was wiegt schwerer? Die Angst Lavinia zu verlieren, oder der Verlust von plötzlichem Reichtum?

Ein Ende mit Schrecken und voll von Lügen

Das am Ende alle Lügen raus kommen, dass wissen wir alle und dennoch geht ein Jeder anders damit um. Louise schöpft aus einer Lüge Kraft für viele weitere und am Ende findet sie keinen Ausweg mehr. Zwischen Party’s, Drogen und einer neuen Liebe findet sie sich inmitten ihres eigenen Chaos wieder. Unfähig überhaupt noch einen klaren Gedanken zu fassen. Wenn das Handeln nur noch von Emotionen getragen wird. Tara Isabella Burton nimmt den Leser mit, tief in den Abgrund des menschlichen Wesens nimmt sie jeden mit sich. „So schöne Lügen“ ein Roman, der noch lange nachwirken wird. Nichts für schwache Nerven wenn ihr mich fragt. Jeder von uns hat menschliche Seiten und ein jeder von uns steht ganz oft selbst am Abgrund. Wir treffen unsere Entscheidungen Weise, die meisten jedenfalls. Ein großartiger Roman, mit ganz viel Tiefe. Danke das ich das Exemplar lesen durfte- ich vergebe fünf von fünf Sternen, eine absolute Empfehlung. Definitiv Potential für meine Top Bücher in 2019.

Rezensionsexemplar/ Dumont Buchverlag/ Gebundene Ausgabe/ Mai 2019/ 22,00 €

P.S.: Ich liebe den Buch Umschlag! So super schön – ein Grund mehr es zu mögen. 😉

Der vorletzte Samurai von Dennis Gastmann

„Der vorletzte Samurai“ ist eine Entdeckungsreise in ein fernes Land. Dennis Gastmann entführt uns in eine Welt voll von Gegensätzen. Japan ist ein Land, welches mich schon immer fasziniert hat. Eine Mischung aus Anime und Naturwunder treffen auf dieser Rieseninsel zusammen. Als ich das Buch durch Zufall in einer Bücherei am Duisburger Bahnhof entdeckt habe, da konnte ich nicht ahnen was mich erwartet. Kennt ihr das, wenn Euch ein Buch förmlich anspringt und ihr den Grund nicht wirklich versteht?! Bei „der vorletzte Samurai“ ging es mir genau so! Ich wusste bis dahin nicht, dass ich ein Buch über Japan lesen möchte. Dennoch habe ich es gekauft und möchte es nun heute endlich vorstellen.

Eine Reise nach Japan

Dennis Gastmann nimmt uns mit auf seine persönliche Hochzeitsreise quer durch Japan. Er und seine Frau Natsumi bereisen das Land, um ihre Familie und Wurzeln zu entdecken. Natsumi ist halb Japanerin und möchte ihrem Mann Dennis ihre Welt zeigen. Dennis Gastmann ist für mich der klassische Weltenbummler und seine Art zu erzählen zeigt mir, dass er bereits die halbe Welt gesehen haben muss. Er nimmt jede noch so kleine Kleinigkeit wahr und beschreibt sie mit einer enormen Detailtreue – einfach unglaublich. Ich konnte mir in jedem Satz exakt vorstellen, dass ich mit vor Ort bin und das Gelesene selbst mit erlebe. Es gibt selten Autoren, die dieses Wunder schaffen können.

Auf seiner Reise begegnen ihm nicht nur großartige Naturwunder, sondern auch ganz eigenartige Menschen. Der Japaner wird als eher scheu beschrieben und dennoch treffen wir hier auf ganz merkwürdige Charaktere. Jeder so authentisch beschrieben, dass man Lust auf dieses eigenartige Volk bekommt. Er beschreibt das Land in einem einzigen Gegensatz. Das laute Tokyo, was schrill und bunt ist und im Gegenzug dazu die ruhigen Landschaften mit ihren Naturgewalten. Mein Lieblingsort in diesem Buch ich Hokkaido, ich mag den Namen und ich habe vorher schon viel darüber gelesen. Auch hier in diesem Buch wird er als wunderschöner Ort beschrieben. Neben den schönen Orten greift er auch die Geschichte Japans auf und auch die Erinnerungen an einen verheerenden Tsunami vor nicht allzu langer Zeit. Er begreift die Gefühle des Landes in jeder Epoche und kann diese so perfekt nachvollziehen.

Lieblingsabschnitt aus dem Buch

Ich habe mir einen für mich besonderen Abschnitt heraus gesucht, wo die japanische Sprache heraus gearbeitet wurde. Ich liebe diese Stelle in diesem Buch:

…wenn sich Euphorie und sanfte Traurigkeit umarmen: mono no aware. Dinge, die das Herz zerreißen. Angesichts vollendeter Schönheit wird der Mensch seiner eigenen Vergänglichkeit gewahr….

Der Klappentext

Dennis Gastmann entdeckt Japan– vom Rausch der Metropole bis zu den „sieben Höllen“ von Beppu, von den Feuerbergen auf Kyushu bis zum „drittschönsten Lichtermeer der Welt“ auf Hokkaido. Eine eindringliche Reiseerzählung und das faszinierende Porträt eines Landes zwischen Anarchie und Ordnung, Besessenheit und Zen.

Meine Empfehlung

Ich habe durch dieses Buch Lust auf eine Reise nach Japan bekommen und kann es daher nur empfehlen. Dennis Gastmann erlebt in diesem Buch aber auch noch eine ganz andere Reise, nämlich die Reise zu sich selbst als Mann in einer Ehe. Er erkennt, dass er nach all dem Wanderdurst endlich angekommen ist. Ein tolles Buch!

Bauch über Kopf von Stefanie Wilhelm

[Werbung, da Leseexemplar] „Bauch über Kopf“ habe ich Euch bereits letzten Sonntag versprochen und nun ist es endlich so weit. Das Sachbuch von Stefanie Wilhelm hat es mir wirklich angetan und die Tatsache das es um unseren Darm geht, hat mich nicht wirklich abgeschreckt. Mittlerweile verstehe ich sogar, was dieses Organ so unglaublich wichtig für uns macht. Glück/ Liebe geht bekanntlich durch den Magen und „Bauch über Kopf“ ist da die perfekte Titelwahl in meinen Augen.

Die Autorin

Stefanie Wilhelm wirkt in diesem Buch unglaublich sympathisch, wie eine gute Freundin die ihr Wissen mit dir teilt. Sie selbst ist mittlerweile als Bloggerin bekannt und hat mit diesem Sachbuch einen Durchbruch geschafft. Stefanie litt an einigen Lebensmittelunverträglichkeiten und leidet noch bis heute an manchen und kam daher auf den Gedanken, sich noch intensiver mit der eigenen Ernährung und vor allem dem Darm zu befassen. Dadurch das dieses Buch mit ihren eigenen Erfahrungen geprägt ist, macht es das so unglaublich authentisch.

Der Inhalt

Bauch über Kopf“ ist der perfekte Begleiter, um seine Ernährung ganzheitlich umzustellen. Neben tollen Tipps zu bestimmten Lebensmitteln und auch sehr fundierten medizinischen Facts, hat Stefanie auch noch ein paar Rezepte für uns. Sie erklärt auf den ersten Seiten, was überhaupt dieser Darm ist und was er alles kann. Sämtliche medizinischen Fakten sind bis ins Detail, oder besser gesagt, bis in die letzte Darmfalte recherchiert. Stefanie Wilhelm gibt uns alle wichtigen Info’s zu Vitaminen, Ballaststoffen und Nebenwirkungen die wir brauchen. „Bauch über Kopf“ ist kein Buch zum einmal lesen, sondern ein Helfer, welchen wir immer wieder zur Hand nehmen können.

Meine Lieblingstipps

Ich habe eigentlich alle Tipps gemocht und habe auch einiges mit in meinen Alltag genommen. Gerade die Erklärungen zu den einzelnen Lebensmitteln und wie sie wirken, fand ich unfassbar spannend. Eine Routine, welche ich behalten habe, ist es , jeden morgen ein Glas lauwarmes Wasser mit Zitrone zu trinken. Diesen Tipp und viele mehr begleiten mich nun jeden Tag.

Glücklich sein ist die Message

Stefanie Wilhelm vermittelt uns in dem Buch “ Bauch über Kopf“ , dass ein gesunder Darm essenziell wichtig ist, um wahrhaft glücklich zu sein. Eigentlich erklärt sich das von selbst, gesunde Ernährung und ein ruhiger Darmtrakt, ergo man fühlt sich wohl und ist glücklich. Klingt simpel, ist es am Ende auch.

Mein Fazit

Ich liebe dieses Buch! Ich kann es jedem, der sich für Ernährung und Gesundheit interessiert wärmstens empfehlen. Danke an das Random House Bloggerportal, dass ich dieses Buch lesen durfte. Also ihr Lieben- Buch lesen und glücklich werden!