Hell strahlt die Dunkelheit von Ethan Hawke

Wenn ein oscarnominierter Schauspieler seinen zweiten Roman schreibt, man noch nie von ihm gehört hat und man dennoch sehr begeistert ist. So erging es mir mit „Hell strahlt die Dunkelheit“. Ethan Hawke habe ich zwar schon mal als Schauspieler gehört, aber als Schriftsteller noch nie. Ich muss sagen, seinen Schreibstil mag ich sehr und seine ehrlichen, unverblümten Worte noch viel mehr. „Hell strahlt die Dunkelheit“ war ein Spontankauf und ich bereue rein garnichts!

Hell strahlt die Dunkelheit

William Harding ist 32 Jahre alt und weltberühmt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Glücklich ist diese Ehe nicht, weswegen er auch einen Fehltritt wagt. Allerdings bleibt in der Promiwelt nichts im Geheimen und die Affäre kommt ans Licht. Natürlich kommt es ans Licht, dass der liebe Schauspieler aus all den tollen Filmen auf einmal der Bösewicht ist. Der Mann ist in dem Fall immer der Böse, egal was im Vorfeld gewesen ist. Ich will nicht sagen, dass ich es gut finde, aber im Laufe des Buches versteht man den Protagonisten William Harding sehr gut. Eigentlich starten William gerade seine Karriere am Broadway in einem Shakespeare Stück und möchte sich voll und ganz auf die Proben konzentrieren. Doch nun steckt er in einer Ehekriese, muss sich um seine Kinder kümmern und versucht jedem weiteren Skandal aus dem Weg zu gehen.

William hat einen interessanten Charakter. Er ist nicht immer der Saubermann, aber jemand mit vielen Stärken und tiefen Gefühlen. Er wird als großartiger Schauspieler beschrieben und seine Ängste und Sorgen sind fast greifbar. Ich denke gerade in der Öffentlichkeit wird vieles viel schlimmer ausgeschlachtet als im geheimen Leben eines Unbekannten. Und wenn man sich eigentlich auf seine Karriere konzentrieren will und jeder aber nur noch den Bösen in einem sieht, dann ist das eine schwierige Phase im Leben eines Schauspielers. Genau dieses Gefühl und diese Erfahrungen schreibt Ethan Hawke perfekt heraus, man kann als Leser mitfühlen und man entwickelt Sympathie für den Protagonisten. Und, was man nicht vergessen darf, es ist eine wunderbare Beschreibung des Theaters, denn Ethan Hawke nimmt uns auch noch mit hinter die Kulissen des Broadways. Ich weiß nicht, ob das Buch autobiografische Züge hat, aber ich könnte mir es gut vorstellen. Zumindest in Teilen ist es bestimmt ein wenig Erfahrung.

Meine Liebe zu diesen beiden Menschen war leicht, unkompliziert und endlos wie die Liebe zu Wasser, Sternen, Licht, Atmen und Nahrung. Die Ehe hatte für mich nicht gepasst, Elternschaft dagegen ein spontaner erfreulicher Reflex.

William erlebt in diesem Buch viele Höhen und Tiefen, aber die Liebe zum Theater bleibt am Ende. Auch dort wird er von einer Schauspielkollegin verführt und auch dort erlebt er, dass er nicht immer der Gute sein kann, aber er kann seiner Leidenschaft freien Lauf lassen und seine Erfahrungen auf und hinter der Bühne machen großen Spaß zu lesen. Man kann erleben, wie tief William mit dem Schauspiel verbunden ist und mit welcher großartigen Leidenschaft er am Theater spielen kann. Man konnte sich vorstellen, dass er seine Rolle super gespielt haben muss.

Meine eigene Meinung

Ich mochte dieses Buch sehr. Es ist unkompliziert und leicht geschrieben, aber hat dennoch den nötigen Tiefgang, um daraus einen hervorragenden Roman zu machen. Ich mag es sowieso, wenn Autoren/Autorinnen ehrlich schreiben und auch klare, verständliche Worte benutzen. Ich mag es nicht, wenn um den heißen Brei herumgeredet wird. Menschliche Abgründe bleiben nun mal menschliche Abgründe. Noch zu erwähnen ist, dass ich die Cover Gestaltung sehr cool finde. Eines meiner liebsten Cover im Regal, muss ich sagen.

Ein weiterer toller Auszug aus dem Buch:

Die Welt kann denken, was sie will. Sie können dich zum Versager erklären. Sie können einen scharlachroten Buchstaben auf deine Brust nähen und dich einen Schuft und Scharlatan nennen. Leise Stimmen können an jeder Ecke abschätzig über dich murmeln und tuscheln. Sie können dich hassen und darüber in Radio-Talkshows plappern, während die ganze Nation zuhört. Und trotzdem können sie alle verdammt danebenliegen.

Selbst gekauft/ KiWi Verlag/ Gebundene Auflage/ Auflage 2021/ 336 Seiten/ 23,00€

Menschen im Hotel von Vicki Baum

In unserer Buddyread Gruppe lesen wir momentan überwiegend klassische Literatur und da der Kiwi Verlag die Bücher von Vicki Baum in einer tollen Taschenbuch Ausgabe neu aufgelegt hatte, konnten wir nicht umhin, dieses Buch zu lesen. Menschen im Hotel haben wir alle drei zum ersten Mal gelesen und ich für meinen Teil hatte auch noch nie etwas von Vicki Baum gelesen. Dementsprechend hatten wir eine ganz große Erwartungshaltung an dieses Buch.

Menschen im Hotel

Im Grand Hotel in Berlin in den zwanziger Jahren treffen eine Handvoll Menschen aufeinander und keiner verlässt das Hotel am Ende so, wie er es betreten hatte. Vicki Baum beschreibt den Aufenthalt von fünf verschiedenen Hauptpersonen und wie sie im Hotel aufeinandertreffen und sich ihre Geschichten verstricken. Bis auf zwei Personen kannten sich die Gäste des Hotels vorher nicht und auch diese zwei Personen hatten sich vorher noch nie gesehen. Umso witziger ist die Tatsache, dass alle Geschichten sich irgendwie verstricken werden. Sie alle reisen allein, aus unterschiedlichen Gründen und ich würde behaupten, dass auch alle fünf in irgendeiner Form einsam sind und eine Gesellschaft dringend benötigen.

Eine der Personen ist die alternde Ballerina Grusinskaja. Sie hatte ihre Bühnen Erfolge und ist auch stadtbekannt, aber so langsam kommt sie in die Jahre. Aus Frust und aus Furcht vor Niederlagen kontrolliert sie ihr ganzes Ensemble und treibt alle um sie herum in den Wahnsinn. Ihre Vertrauten glauben weiterhin an ihren späten Erfolg und stehen ihr bei, dennoch ist sie ziemlich allein. Eines Nachts wird bei ihr im Hotelzimmer versucht einzubrechen. Baron Gaigern, ein anderer Hotelgast braucht dringend Geld und versucht ihre Perlen zu stehlen. Doch bei dem Versuch über die Balkone zu klettern kann er nicht rechtzeitig flüchten und wird von der Grusinskaja auf frischer Tat ertappt. Natürlich kann sich der feine Baron herausreden und eine wilde Nacht beginnt. Als er merkt, wie fertig mit den Nerven die Tänzerin ist, nimmt er sich ihrer an und umsorgt sie die ganze Nacht. Die Perlen vergisst er darüber hinaus völlig und eine kleine Liebesgeschichte beginnt. Diesen Teil des Buches mochte ich wirklich sehr, denn beide Charaktere waren wunderbar gezeichnet und die Story war witzig und unterhaltsam.

Auch interessant fand ich den Protagonisten Dr. Otternschlag. Er war ein einsamer Mann, der ganz allein reiste und auch offensichtlich keine Freunde hatte. Er fragte jeden Tag den Portier, ob den Post oder ein Anruf für ihn gekommen sei. Leider war dieses nie der Fall. Im Laufe der Tage im Grand Hotel begegnete er dem Herrn Kringelein, ein Mann, dem der Tod vorausgesagt wurde. Sie freundeten sich an und wollten sich zusammentreffen, doch leider kam auch hier Baron Gaigern dem Dr. Otternschlag zuvor und so verlor er auch diesen Freund. Dr. Otternschlaf hatte die These aufgestellt, dass kein Gast das Hotel durch die Drehtüre verlässt, wie er hineingekommen ist. So als ob diese Drehtür jedes Leben verändern würde. Diese Metapher fand ich großartig, denn im Prinzip ist jedes Leben wie diese Drehtür, denn es gibt keinen Stillstand, es verändert sich immer etwas.

Meine eigene Meinung

Natürlich könnte ich Euch noch mehr von den einzelnen Protagonisten erzählen, aber dann müsstet ihr dieses Buch nicht mehr lesen und das wäre wohl auch schade. Tatsächlich tat ich mich sehr schwer mit diesem Roman. Er hatte gute Szenen, aber auch lange Strecken. Zumindest ist das meine Meinung und im Buddyread kam diese Meinung auch ein wenig raus. Was ich allerdings sehr mochte, waren die Beschreibungen der Charaktere. Jeder von Ihnen war irgendwie spannend. Der eine sympathischer als der andere, aber alle spannend. Vicki Baum konnte also richtig gut Personen zeichnen und diese miteinander verbinden. Die Geschichte des Hotels an sich fand ich auch gut gewählt und auch die Botschaft dahinter hat überzeugt. Kein einfaches Buch für mich, aber dennoch mochte ich es irgendwie. Ich würde vielleicht keine fünf Sterne vergeben, weil es mich nicht komplett umgehauen hat, aber zumindest eine gute drei bis vier Sterne Bewertung hätte es schon verdient.

Hier ein Auszug aus dem Buch, welchen ich sehr nett fand:

Es ist eine dumme Fabel, dass Hotelstubenmädchen durch die Schlüssellöcher schauen. Hotelstubenmädchen haben gar kein Interesse an den Leuten, die hinter den Schlüssellöchern wohnen. Hotelstubenmädchen haben viel zu tun und sind angestrengt und müde und alle ein wenig resigniert, und sie sind vollauf beschäftigt mit ihren eigenen Angelegenheiten…

Selbst gekauft/ Kiwi Verlag/ Taschenbuch/ Auflage 2007/ 336 Seiten/ 12,00€

Panda Tage von James Gould-Bourn

Diese ergreifende und zugleich witzige Lektüre hat mich wirklich begeistert. Ich würde zu Anfang direkt sagen, dass Panda Tage ein Buch für meine Highlights 2022 werden wird. Ein super bezaubernde Vater-Sohn Geschichte, mit viel Humor und dennoch sehr viel traurigen Momenten. Ich hatte im Vorfeld bereits viel positives gelesen darüber, aber selten glaube ich einem Internet Hype bei Büchern, in diesem Fall würde ich gerne den Hype wieder aufleben lassen wollen.

Der Panda Tanz

Danny Malooley ist Witwer und muss sich seit dem Tod seiner Frau alleine um seinen Sohn Will kümmern. Will hat allerdings seit dem Tod der Mutter aufgehört zu sprechen. Ich hat einfach keine Worte mehr übrig und mit seinem Vater hatte er sowieso nie so ein gutes Verhältnis wie zu seiner Mutter. Danny arbeitet als Bauarbeiter, doch leider wird er kurzer Hand gekündigt. Sein Vermieter sitzt ihm aber auch im Nacken und dieser ist keiner der netten Sorte, sondern eher der Typ Vermieter, der einem Schläger auf den Hals hetzt, wenn man keine Miete zahlt. Danny hat einen ganz wunderbaren Freund und Kollegen: Ivan. Ivan kommt aus der Ukraine ( sehr passend für den Moment, wie ich gerade merke ) und ist ein herzensguter Freund. Er kümmert sich um Danny und backt ihm sogar immer heimlich einen Kuchen. Er sagt seine Frau backt ihn, aber in Wahrheit backt der den Kuchen immer selbst für Danny. Er ist für ihn da und steht ihm zur Seite. Ivan war einer meiner Lieblingsprotagonisten in diesem Buch, muss ich gestehen. Auch bei dem Vermieter kann Ivan ein wenig nützlich sein.

Kommen wir zu Will. Er wird in der Schule immer gemobbt, vor allem weil er nicht sprechen möchte. Auch seine Lehrer kommen nicht an ihn heran. Er hat eigentlich nur einen richtigen Freund. Er kann den Tod der Mutter nicht verarbeiten und sein Vater ist ständig nur am Arbeiten. Mit seiner Mutter hatte er Gemeinsamkeiten, und mit Danny eben nicht so. Als er eines Tages im Park einen Panda Bären trifft, beginnt er Vertrauen zu gewinnen und beginnt auch wieder zu sprechen. Er vertraut sich dem Panda Bären an, ohne zu ahnen, dass dies sein eigener Vater ist. Denn Danny hat aus verzweifelter Jobsuche heraus ein Panda Kostüm gekauft und tanzt im Park für ein paar Münzen am Tag. Im Park lernt Danny dann auch Krystel kennen. Eine Tänzerin aus einem Nachtclub. Diese bittet er um Hilfe, um tolle Tanzmoves zu lernen. Er möchte an einem Tanzwettbewerb für Straßenkünstler teilnehmen, wo man 10.000€ gewinnen kann. Krystel hilft ihm und es entwickelt sich eine weitere Freundschaft für Danny.

„Wir kommen als ein hässlicher kleiner Klumpen Nichts heraus, und dann gibt uns das Leben Farbe und gestaltet uns zu verschiedenen Formen und Größen, bis wir schließlich werden, wer wir sind.“

Meine eigene Meinung

Ich liebe Geschichten mit Happy End und ich mag Familiendramen, alles findet man in diesem Buch. Es ist an vielen Stellen wirklich witzig und an vielen Stellen ergreifend schön. Besonders gefallen hat mir, dass die Freundschaft dabei so gut weg kommt und wie wichtig tatsächlich Freundschaften in unserem Leben sind. Ohne gute Freunde wäre Danny wahrscheinlich aufgeschmissen gewesen. Die Protagonisten waren super gewählt und man mochte fast jeden in diesem Buch. Selbst die „Bösewichte“ waren gut gezeichnet. Ich kann dieses Buch daher nur empfehlen. Wer etwas herzerwärmendes lesen möchte, der findet hier das passende Buch.

Rezensionsexemplar/ KiWi Verlag/ Taschenbuch/ Auflage 2021/ 380 Seiten/ 12€

Was,wenn wir einfach die Welt retten von Frank Schätzing

Frank Schätzing ist ein deutscher Autor, der bekannt ist für seine Thriller, aber auch das ein oder andere Sachbuch. „Was, wenn wir einfach die Welt retten“ ist ein großartiges Sachbuch zum Thema Klimawandel. Gut recherchiert und nebenbei sogar ein bisschen humorvoll. Frank Schätzing verpackt den bevorstehenden Thriller in klugen Worten, die ein jeder verstehen kann.

„Wissen ist magisch! Wissen versetzt uns in die Lage, zielgerichtet zu handeln. Wissen gibt uns Kontrolle und Souveränität. Wissen ist die Wunderpille gegen fragwürdige Ideologien.“

Was ist eigentlich Klimawandel

Frank Schätzing erklärt in einfachen Worten, was Klimawandel bedeutet und welche Auswirkungen unsere täglichen Routinen auf das Klima haben können. Er beschreibt nachhaltige Lebensweisen und den CO2 Fußabdruck. Man kann einfach und simpel verstehen, um was es geht und man lernt noch einiges Neues dazu. Ich beschäftige mich nicht erst seit gestern mit dem Thema und Greta Thunberg ist mit ihrer Meinung wohl auch nicht alleine, aber Herr Schätzing macht noch mal eine andere Perspektive frei. Er beschreibt in vielen kleinen Szenen verschiedene Szenarien, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Von einer „normalen“ Zukunft bis hin zum Thriller Szenario schlecht hin. Und der Mann hat auch noch Recht! Denn uns könnte, bei unserem jetzigen Lebensstil genau so eine Zukunft drohen. Er warnt davor und beschreibt aber auch, was man besser machen könnte.

Fridays for future rüttelte die Welt wach – und dann kam Corona, Klimaschutz? Sorry, andere Probleme. Menschen, wissen wir, sind nicht multikatastrophenfähig.“

Etwas mehr zum Inhalt

Neben den Szenarien, was passieren könnte, gibt er auch wertvolle Tipps. Egal, ob es um Stromverbrauch, Ernährung oder Einkaufsverhalten geht. Frank Schätzing führt uns durch ein langes Kapitel mit tollen Tipps. Ich habe noch einmal mehr über sogenannte Bio Siegel und Fairtrade Produktionen gelernt und konnte sogar noch ein paar Hinweise mitnehmen. Manches wusste ich schon, oder setze es um. Dennoch bin ich der Meinung, dass sehr sehr viele Menschen etwas aus dem Buch lernen könnten. Zumal er es in einem absolut humorvollem Kostüm erzählt. Er zieht hin und wieder auch Tatsachen ins lächerliche und neigt zur Übertreibung, aber eben das macht es auch so absolut großartig. Frank Schätzing ist in meinen Augen ein super Autor, mit einem grandiosen Schreibstil. Und die Tatsache, dass er aus Köln kommt, macht ihn nebenbei erwähnt noch viel sympathischer.

Wer beginnt, Klimaschutz aktiv in sein Leben zu integrieren, ist automatisch ein Aktivist und stärkt die Bewegung. Ganz ohne Parolen und Heldenverehrungen.“

Also JA: ich möchte dieses Buch unbedingt empfehlen! Und ich danke dem Kiwi Verlag, dass ich dieses Buch als Rezensionsexemplar vor Erscheinungstermin lesen und beurteilen durfte. Bitte kauft dieses Buch, nicht weil ich Geld für Werbung bekomme, bekomme ich nicht, sondern weil es so ein wichtiges Thema ist.

Rezensionsexemplar / Kiepenheuer & Witsch Verlag / Auflage 2021 / Gebundene Ausgabe / 336 Seiten / 20,00 €