„In den Wäldern der Biber“ von Franziska Fischer

Nach einer langen Leseflaute hat mich dieses Buch wieder zurück zur Leseratte geholt. Dieses tolle Buch hat es geschafft mich wieder zu begeistern. Eine recht einfache Geschichte, aber mit sehr viel Liebe und Naturverbundenheit. Ich denke das Buch kam für mich zur richtigen Zeit. „In den Wäldern der Biber“ hat so etwas leichtes und doch ergreifendes und die Beschreibungen der Natur sind einfach wunderbar. Man merkt, die Autorin mag die Natur sehr.

Alina‘s Flucht aus Frankfurt

Alina hat sich gerade frisch von ihrem Freund Fabian getrennt. Sie haben in Frankfurt in der Wohnung seiner Eltern gewohnt. Alina und Fabian hatten anscheinend von Anfang an verschiedene Vorstellungen vom Leben und ein Beziehungsende kam eigentlich viel zu spät. Hals über Kopf verlässt Alina Frankfurt und reist nach Norden zu ihrem Großvater. Ihn hat sie seit über 10 Jahren nicht mehr gesehen, weil die Familie den Kontakt abgebrochen hat. Nach dem Tod von Alina‘s Vater, hat ihre Mutter den Kontakt zu seinen Eltern einfach abgebrochen. Alina weiß also auf ihrer Reise noch nicht, ob der Großvater sie überhaupt empfangen wird.

Durch den Umstand, dass ihr Opa vor Jahren umgezogen ist, landet Alina zunächst im alten Haus ihrer Großeltern und trifft auf Isabel, Elias und Mia. Isabel und Elias haben früher immer die Sommerferien dort verbracht und kennen Alina daher schon lange. Isabel hat inzwischen eine Tochter: Mia. Die allerdings, ist zunächst sehr schüchtern und geht Alina aus dem Weg. Elias weckt hingegen nette Erinnerungen. Während der Zeit bei ihrem Opa kommen sich alle auf unterschiedliche Weise wieder Nahe. Und natürlich nimmt der Großvater die Enkelin gerne vorübergehend bei sich auf.

Es gibt Momente, die sich in die Ewigkeit erstrecken. Die schon Erinnerungen sind, während man sie lebt, weil man spürt, wie sie an einem Tag in der fernen Zukunft zupfen, einem Tag, an dem man an diesen Moment zurückdenkt. Vielleicht glücklich, vielleicht nostalgisch, vielleicht traurig. Ich nicke diesem Zukunfts-Ich zu, auch wenn es mich nicht sehen kann. Alles wird gut, denke ich.

Die Wälder und die Biber

Alina‘s Opa beobachtet Biber. Er forscht richtig über sie und erklärt Alina alles über die Biber und über den Wald. Er geht mehrere Stunden am Tag im Wald spazieren und sortiert seine Gedanken. Eine wunderbare Vorstellung, wenn ihr mich fragt. Beim Lesen ist mir auch bewusst geworden, dass ich noch nie einen Biber gesehen habe. Alina und ihr Großvater kommen sich so wieder näher und werden unzertrennbar. Doch Alina muss immer noch eine Entscheidung treffen, bleibt sie in der Natur bei ihrem Großvater und Elias oder geht sie zurück nach Frankfurt und sortiert ihr Leben neu. Einen neuen Job braucht sie tatsächlich auch noch, denn diesen hatte sie bei ihrer Flucht aus Frankfurt auch einfach gekündigt.

Alina hat eine relativ fremde Beziehung zu ihrer Mutter. Sie hat einen neuen Mann und vergisst darüber anscheinend die Pflichten Mutter zu sein. Am Ende, muss ich gestehen, kommt mir das Thema ein wenig zu kurz, denn man weiß nicht, ob sie sich mit ihrer Mutter aussprechen wird oder nicht. Das fand ich etwas schade. Gibt dem Buch aber nicht weniger Zuspruch.

Meine eigene Meinung

Ich mochte das Buch sehr. Ich kann gut nachvollziehen, dass es jemanden mehr in die Natur als in die Großstadt zieht. Beides hat Vorteile, aber zum durchatmen ist ein Wald natürlich sehr viel besser geeignet. Mir gefiel besonders gut auch der Charakter Elias. Er hat sich für seine Schwester geopfert und sein Leben für sie und Mia neu sortiert. Er war ein super sympathischer Protagonist. Alles in Allem: Super, tolles Buch. Franziska Fischer kannte ich bisher nicht und mag ihren Schreibstil aber sehr. Übrigens liebe ich dieses Cover, vor allem weil grün meine Lieblingsfarbe ist. 💚

Selbst gekauft/ Dumont Buchverlag/ Gebundene Auflage/ Auflage 2022/ 219 Seiten/ 22,00€

Loyalitäten von Delphine de Vigan

Mein erstes Buch von Delphine de Vigan sollte Loyalitäten sein. Ich habe es im Zuge der Lesegruppe „Gemeinsam Mitlesen“ gelesen. Ich kannte die Autorin bisher noch nicht und musste schnell feststellen, dass ich bisher etwas verpasst hatte. Delphine de Vigan hat einen geraden und unverblümten Schreibstil. Sie bringt Empfindungen und Gefühle sofort auf den Punkt und hat offensichtlich auch keine Angst schwierige Themen zu besprechen. Loyalitäten ist ein Buch, welches einem vor Augen führt, dass man manchmal Grenzen überschreiten muss, um jemandem helfen zu können. Die Grenzen der Loyalität zu durchbrechen kann durchaus Vorteile haben, wie die Autorin hier hervorbringt.

Theo

Der Hauptprotagonist ist Theo. Er ist gerade einmal zwölf Jahre alt und ist bereits dem Alkohol zugeneigt. Dieses hat allerdings auch seine Gründe. Theo ist ein Scheidungskind, viele von uns können sich mit ihm identifizieren. Doch nicht nur, dass seine Eltern getrennt leben, sie lästern auch gegenseitig übereinander und machen Theo das Leben schwer. Theo’s Mutter bekommt in meinen Augen am wenigsten mit, dass mit ihrem Sohn etwas nicht stimmt. Sie ist so davon besessen, dass Theo’s Vater ein schlechter Mensch ist, dass sie einfach nicht mitbekommt, was bei ihrem Sohn gerade los ist. Selbst als seine Lehrerin sich beginnt einzumischen, kommt seine Mutter nicht auf die Idee, dass etwas nicht stimmen könnte.

Theo’s Vater lebt in einer Depression. Er hat seinen Job verloren, er hat sein Auto verkauft und kommt mittlerweile noch nicht mal mehr aus dem Bett. Theo schämt sich für seinen Vater. Dennoch muss er jede zweite Woche bei ihm sein. Obwohl es dort immer unsauber und herunter gekommen aussieht. Theo ist dann derjenige, der aufräumt und Lebensmittel einkaufen geht. Seine Mutter und auch sonst niemand weiß davon. Theo ist es peinlich, deswegen sagt er es keinem. Seiner Mutter schon gar nicht, denn das würde nur Streit geben.

In seiner Not flüchtet er sich in den Alkohol. Am liebsten würde er sich ins Koma trinken. Das warme Gefühl was sich in ihm ausbreitet, wenn der Alkohol seine Kehle runter fließt beruhigt ihn.

Helene

Seine Klassenlehrerin Helene merkt reichlich früh, dass mit Theo etwas nicht stimmt. Sie selbst wurde als Kind misshandelt und erkennt daher komische Verhaltensweisen. In ihrer Sorge neigt sie oftmals zu Überreaktionen und Übertritt Grenzen. Doch schlussendlich ist sie die Einzige, neben Theo’s Freund Mathis die etwas bemerkt und die Handeln möchte. Solche Lehrer kann man sich eigentlich nur wünschen. Sie hat ihre Regeln und Vorschriften und dennoch missachtet sie sie, damit sie helfen kann. Sie schafft Aufmerksamkeit und auch Mathis wird durch sie motiviert nicht mehr zu Schweigen. Im Buch geht hervor, dass Theo sie auch vertrauensvoll findet, sich aber nicht wirklich traut sich ihr zu öffnen. Am Ende hat sie aber die Möglichkeit zu helfen.

Mathis und Cecile

Mathis ist Theo’s bester Freund. Er trinkt mit ihm Alkohol, aber lange nicht im selben Maß. Dennoch zieht Theo ihn mit hinein. Mathis Mutter Cecile, die Eheprobleme hat, merkt auch sehr schnell, dass etwas nicht stimmt. Besonders als sie die beiden beim Alkohol trinken erwischt. Mathis versucht Theo immer zu schützen, er ist seinem Freund gegenüber Loyal. Cecile hat von Anfang an ein schlechtes Gefühl bei Theo, aber auch sie kennt die Hintergründe nicht. Sie ist selbst in psychologischer Behandlung, weil mit ihrer Ehe etwas nicht stimmt. Ihr Mann William hat offensichtlich ein digitales Doppelleben und beteiligt sich an Debatten im Internet. Dabei vertritt er eine aggressive und rasisstische Einstellung, welche Cecile völlig fremd ist. Von alle dem bekommt Mathis aber Gott sei Dank nichts mit, er wundert sich nur, warum seine Mutter Selbstgespräche führt.

Meine eigene Meinung

Ich mag ihren Schreibstil sehr und ich mag Geschichten, die einen Sinn haben. Wie eingangs bereits erwähnt, geht es für mich darum, Loyalitäten über Board zu werfen und Verantwortung zu übernehmen. Ich muss gestehen, dass ich jetzt noch mehr von Delphine de Vigan lesen muss. Ich bin der Lesegruppe „Gemeinsam Mitlesen“ immer wieder dankbar für diese tollen Buchtipps. Bisher war jedes Buch ein Erfolg für mich.

Rezensionsexemplar/ 174 Seiten/ Taschenbuch/ Auflage 2020/ 10€

Der perfekte Kreis von Benjamin Myers

Benjamin Myers konnte mich bereits mit seinem ersten Buch „Offene See“ beeindrucken. Sein neuer Roman „ Der perfekte Kreis“ ist eine weitere Liebeserklärung an sein Heimatland England. Außerdem spielt auch hier wieder Freundschaft eine elementare Rolle.

„…Etwas zu erschaffen, das betört und verblüfft, das begeistert und verwirrt – etwas so Fantastisches und Faszinierendes und Unerwartetes-, etwas, das über Nacht auftaucht wie ein Pilz aus der Erde, ein Geschenk an die Menschen, das ist, so finden die beiden, ein radikales und wohltätiges Werk reinster und höchster Güte. Und aus so reinen Absichten sind Mythen gemacht…“

Der perfekte Kreis

Calvert und Redbone sind zwei außerordentlich nette Typen und ziemlich gute Freunde. Beide haben eine schwierige Vergangenheit hinter sich. Zusammen beschließen sie, den perfekten Kreis in ein Kornfeld zu zaubern. Man kennt es aus alten Filmen aus den USA, dass Kreise auf Kornfeldern zumeist für Außerirdische gehalten wurden. So ähnlich ist es auch 1989 in England. In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und kurz vor einer Wende in Deutschland möchten Calvert und Redbone etwas schönes erschaffen. Die wildesten Gerüchte gehen herum, was es wohl mit den Kreisen auf sich haben könnte.

Für beide ist das Ziel, den größten und schönsten Kornkreis zu erschaffen, den es je gegeben hat. Sie lieben dieses Spiel im Versteckten und finden es äußerst amüsant, dass niemand zu erahnen vermag, wer hinter diesen Kreisen stecken mag. Beide sind ganz vorsichtig bei ihrer nächtlichen Arbeit, denn sie wollen keinen einzigen Halm beschädigen. Sie wollen etwas zauberhaftes schaffen, ohne die wunderbare Natur zu zerstören. Für beide ist es eine Therapie, ein Weg zu sich selbst zu finden und das vergangene zu vergessen.

Die Natur Englands

Wie auch in seinem ersten Roman, beschreibt Benjamin Myers die Natur Englands auf ihre schönste Weise. Man kann sich die goldenen Kornfelder perfekt vorstellen und kann erahnen wie wunderschön diese Landschaft ist. Auch der Aspekt, dass Calvert und Redbone die Natur nicht zerstören möchten ist großartig eingebunden. Es macht die beiden Protagonisten sehr sympathisch. Beide finden es grauenhaft, wenn deren schöne Umgebung zerstört wird und mit ihren Kornkreisen wollen sie auch irgendwie beweisen, wie schön die Welt sein kann.

„….Und das sie zu der Einsicht gelangt sind, dass das Leben nur eine kurze Phase auf dem hyperbolischem Kontinuum der Zeit ist, dass es andere Leben gegeben hat und dass es abermals andere Leben geben wird, liegen den beiden nur wenige Dinge wirklich am Herzen, aber das Erschaffen von Kornkreisen ist eines davon…“

Meine eigene Meinung

Ich bin ein Riesen Fan von Benjamin Myers geworden. Seine Beschreibungen der Landschaft sind so großartig und seine Beschreibung von Freundschaften so ehrlich. Man mag seine Bücher einfach, weil man sich in ihnen wohl fühlt. Man kann ganz tief eintauchen und in den Worten ins Ferne England reisen. Und auch der Bezug zur reinen Natur ist spürbar da. Sein Schreibstil ist noch dazu etwas ganz besonderes, oftmals sehr lyrisch und wunderschön. Ich danke dem Dumont Buchverlag für dieses tolle Exemplar. Würde ich Sterne vergeben müssen, dann hätte dieses Buch 5 von 5 Sternen verdient.

Rezensionsexemplar / Dumont Buchverlag / Gebundene Ausgabe / Auflage 2021 / 217 Seiten / 22,00€

Yaa Gyasi – Ein erhabenes Königreich

Mein zweites Buch von Yaa Gyasi und ich muss direkt im ersten Satz sagen, ich bin ein Fan. Sie hat einen ergreifenden Schreibstil, dass man ihre Bücher einfach mögen muss. Bei „Ein erhabenes Königreich“ brauchte ich tatsächlich ein wenig länger, um in die Geschichte hinein zu finden, aber zum Schluss war es wieder einmal superschön.

Gifty

Die Hauptprotagonistin Gifty lebt mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in einer kleinen Wohnung. Sie sind zusammen nach Amerika gekommen, um ein besseres Leben als zu Hause in Ghana zu haben. Gifty kennt Ghana eigentlich auch gar nicht wirklich und empfindet Amerika als ihre Heimat. Eigentlich war der Vater auch mitgekommen, doch relativ früh verlässt er die Familien und kehrt nach Ghana zurück. Für Gifty’s Bruder fehlt die Vaterrolle ganz besonders, er fühlt sich allein gelassen. Nana macht viel Sport und ist sehr angesehen in seinem Team. Durch eine schwere Verletzung muss er leider aussetzen und stürzt sich in den Drogen Konsum. Leider stirbt der Bruder an einer Überdosis und Gifty’s Mutter verfällt in eine tiefe Depression. Generell scheinen psychische Probleme die Familie zu prägen. Sie können alle vier ihre Schicksalsschläge nur schwer verkraften. Man muss aber sagen, dass dieses Buch zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit Trauer oder Verlust umgehen. Man sieht deutlich, dass jeder in der Familie komplett anders auf die Ereignisse reagiert. Das macht dieses Buch so vielschichtig.

Gifty wird Wissenschaftlerin und erforscht das Suchtverhalten der Menschen an Tierversuchen mit Mäusen. So versucht sie ihre Trauer zu erarbeiten und versucht heraus zu finden, was in einem süchtigen Menschen vor geht. Sie erhofft sich Antworten auf ihre eigenen Fragen in ihrer Arbeit zu finden. Ihre Mutter wohnt nach dem Tod des Sohnes bei ihr und bewegt sich nicht mehr aus dem Bett heraus. Gifty versucht alles, um ihre Mutter wieder aus dem Bett zu bekommen, leider vergebens. Währenddessen wird auch Gifty’s Gefühlswelt auf den Kopf gestellt und allgemein ist es nie wirklich leicht für die junge Frau. Der geflohene Vater ist gar keine Hilfe und hat ein neues Leben in Ghana bekommen inklusive neue Familie. Auch das macht Gifty und ihrer Mutter schwer zu schaffen.

Der Glauben

Eine zentrale Rolle in diesem Buch spielt der Glaube zu Gott. Für mich sehr schwierig, da ich selbst nicht so sehr gläubig bin. Gifty glaubt eigentlich an Gott, doch die Geschehnisse mit ihrem Bruder lassen sie zweifeln. Ihre Mutter ist sehr gläubig, doch auch sie fühlt sich nach dem Tod von Nana verlassen. Gifty begibt sich aber dann in die Kirchengemeinde ihrer Mutter und versucht ihren Glauben neu aufzubauen, sie schreibt sogar ein Tagebuch an Gott in jungen Jahren. Ich denke, dass der Glaube ihr am Ende auch hilft, dass alles zu überstehen. Denn leicht hat sie es nie und hatte sie auch niemals. Sie tut mir tatsächlich sehr leid, denn auch die Mutter vergisst, dass sie noch ein zweites Kind hat. Gifty versucht alles mit Arbeit davon abzulenken, aber ich denke im Inneren fühlt sie genau dieses allein gelassen sein und nur Gott hört ihr in dem Moment richtig zu.

Meine eigene Meinung

Ich brauchte ein paar Seiten, um in dieses Buch herein zu kommen. Die vielen Gespräche mit Gott waren mir persönlich ein bisschen zu viel, aber das ist auch nur eine eigene Meinung. Als Autorin mag ich sie sehr und ich frage mich bei ihren Büchern immer wieder, wie viel Autobiographisches dort verarbeitet wurde. Ghana ist für mich als Land interessanter geworden durch ihre Bücher. Ihren Schreibstil mag ich sehr und ich mag ihre tiefgründigen Gedanken. Yaa Gyasi schafft es, den Leser*in in den Bann zu ziehen und tief zu treffen. Man kann ihre Bücher nicht lesen, ohne danach darüber nachdenken zu können. Danke an den Dumont Buchverlag, dass ich dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen durfte.

Rezensionsexemplar/ Dumontbuchverlag/ Auflage 2021/ Gebundene Ausgabe/ 299 Seiten/ 22,00€

Ewald Arenz – Der große Sommer

Eine Geschichte über die erste große Liebe, bedeutende Freundschaften und Ereignissen, die ein Leben verändern können. Ewald Arenz erzählt in “ der große Sommer“ eine mitreißende Coming of Age Geschichte mit sehr vielen Emotionen und einem Funken sensationellem Humor. Ewald Arenz besitzt die Gabe, den Leser in einen Bann zu ziehen und mit dem Protagonisten hautnah zu fühlen.

… aber es gibt ja im Leben keine Möglichkeit, an einer Weggabelung stehen zu bleiben, wenn die Straße selbst sich unter einem bewegt. Nach links womöglich. Nach rechts – man hat keinen Einfluss darauf. Pech gehabt. Oder Glück. „

Frieder und sein großer Sommer

Frieder ist ein Teenie kurz vorm Schulabschluss. Seine Noten sind leider nicht berauschend, sodass er seine Sommerferien bei seinem Großvater verbringen muss. Kein Urlaub mit den Eltern, sondern lernen und arbeiten beim Opa. Sein bester Freund Johann ist zum Glück auch nicht weit weg und seine Schwester Alma ist in der Schwesternschule in der Nähe. Zusammen sind sie alle unzertrennbar. Frieder liebt es zu schwimmen und geht regelmäßig alleine ins Schwimmbad. Man kennt den einsam wirkenden Jungen dort bereits. Doch eines Tages lernt er Beate kennen, das Mädchen mit den Grünen Augen. Frieder ist schock verliebt. Noch nie hat er so ein Mädchen getroffen und so beginnt eine Liebesgeschichte im großen Sommer.

Neben den normalen Teenager Problemen in der ersten großen Liebe muss Frieder sich auch mit seinem Großvater auseinander setzen. Er denkt, das Opa ihn nicht mag und muss am Ende aber doch merken, dass Strenge nicht gleich negativ sein muss. Es ist der klassische Coming of Age Roman, in dem der Teenager lernen muss mit den schweren Dingen im Leben klar zu kommen. Ich mag solche Geschichten gerne. Düster wird das Buch allerdings auch, nämlich als Johann’s Vater stirbt. Man glaubt in der Geschichte, dass Johann kein gutes Verhältnis mit seinem Vater hat, allerdings nimmt ihn der Tod unglaublich mit. Johann verändert sich und die Freundschaft scheint zu bröckeln. Der große Sommer ist nicht nur mit positiven Erinnerungen bestückt, sondern auch mit ergreifenden Momenten versehen.

“ Manchmal hatte ich es satt, dass alles im Leben zwei Seiten hatte. Oder das es immer eine schlechte und eine gute Seite gab. Wieso konnte es nicht einfach zwei gute Seiten geben? So, das es immer gut ausging, egal, wie man sich entschied.“

Meine persönliche Meinung

Ich mochte das Buch sehr. Der Autor kann fesselnd erzählen und seinen Humor mag ich sehr. Die Protagonisten haben mich überzeugt, weil ich mit ihnen fühlen konnte. Ein herzerwärmendes Buch, wenn es um die erste große Liebe ging. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie gleich manche Erlebnisse aus der Jugend doch sein können. Man kann aus solchen Büchern auch immer ein Stück von sich selbst wieder finden. Immerhin hatten wir doch alle mal unseren ersten Kuss, unseren ersten Herzschmerz, unseren ersten Streit in einer Freundschaft oder unsere erste Begegnung mit dem Tod. Ich mag es, das solche Geschichten immer aus dem wahren Leben stammen.

Ich habe es im Zuge des Leseprojektes #gemeinsammitlesen gelesen und bin froh, dass ich dort mitgemacht habe. Vielleicht hätte ich mir dieses Buch sonst nicht gekauft.

Dumont Buchverlag / Auflage 2021 / Gebundene Ausgabe / 317 Seiten / 20,00 €

Literarischer Jahresrückblick 2020

Ein neues Jahr ist gestartet und da nutze ich doch heute gleich den neuen Start, um das letzte Jahr in Büchern Revue passieren zu lassen. Denn auch wenn 2020 nicht unbedingt unser Lieblingsjahr sein wird, so war es doch ein grandioses Bücherjahr. Ein Jahr ohne Buchmessen und ein schwieriges für die Branche im Allgemeinen. Keine Buchvorstellungen, keine Lesungen, Lockdown des Handels und Ausfall jeglicher Messen, alles eine nicht einfache Situation. Umso cooler finde ich es, dass ich als Blogger die Bücher in die Welt tragen konnte. Ich habe zumindest digital die Möglichkeit Neuvorstellungen oder auch Klassiker zu präsentieren und erhoffe mir, dass dadurch eine so wichtige Branche nicht ausstirbt. Ich möchte gleich vorweg sagen, dass ich in keinem Werbevertrag zu den genannten Büchern stehe, sondern ich einfach mit Euch ein paar Klasse Autoren und deren Geschichten teilen möchte. Daher starte ich nun meinen besonderen Buch-Jahresrückblick 2020:

Offene See von Benjamin Myers

Mein absolutes Lieblingsbuch in 2020 muss ich sagen. Benjamin Myers nimmt uns mit über die offene See hin nach England. Er hat das besondere Talent den Leser in einer andere Welt zu entführen. Gerade wo man in 2020 so wenig reisen durfte, war so ein besonderes Buch Gold wert. Es hat mich in ein Land entführt und dieses geschmückt mit tollen Protagonisten und einer feinen Geschichte über Freundschaft und Verpflichtung. TOP Empfehlung an der Stelle!

Das Netz von Lilja Sigurdardottir

Diesen Autorennamen schreibe ich in diesem Fall nur einmal, oh mein Gott was für ein Name. Aber ich liebe isländische Krimi’s sehr und ich habe Fernweh nach diesem wunderschönen Land. Lilja hat eine besonders spannende Erzählart und hat mich direkt gefesselt. Eine junge Mutter gerät in die Fänge von Drogendealern, um sich und ihren Sohn finanzieren zu können. Eine Schlinge, die sich schnell zuzuziehen droht. Was uns zu Buch Nummer Zwei führt, dass heißt nämlich „Die Schlinge“ und dieses liegt auf dem Stapel für 2021. Wer Krimi’s mag wird es lieben.

Das Jahr ohne Worte von Syd Atlas

Eine Geschichte über den Verlauf einer schweren Krankheit die Steven Hawkings Geschichte ähnelt, welche aber so viele Emotionen im Leser auslöst, sodass es einfach großartig ist. Syd Atlas erzählt ihre eigene Geschichte und ich war gefesselt, traurig, wütend und freudig zu gleich. Und dann verpackt sie ihre schwere Geschichte sogar teilweise mit Humor. Großartig!

Rote Kreuze von Sasha Filipenko

Ein sehr unterschätzter Autor in meinen Augen. Seine Art zu erzählen war mir neu und unbekannt, hat mich aber absolut gefesselt. Leute die sich mit den Weltkriegen befasst haben, können mit dem Begriff Rote Kreuze direkt etwas anfangen. Und normalerweise mag ich mittlerweile keine Geschichten mehr über unsere Weltkriege, aber bei Rote Kreuze darf man durchaus noch mal eine Ausnahme machen.

Kalman von Joachim B. Schmidt

In diesem Fall habe ich bisher noch nicht das ganze Buch gelesen, ich bin dran, aber mich hat hier einfach der Autor umgehauen. In einem Zoom Meeting mit dem Diogenes Verlag durften wir diesen so sympathischen Autor kennen lernen. Und alleine seine Erzählungen über Kalman und wieder eine isländische Geschichte haben mich überzeugt. Jetzt kurz vor dem Ende kann ich es nur empfehlen. So super! Aber mehr möchte ich nicht sagen, weil dieses Buch noch einen eigenen Beitrag bekommen wird. Klar, oder?!

Alle sind so ernst geworden

Oh mein Gott – was ein geiles Stück Buch das ist! Martin Suter ist eh einer meiner Lieblingsautoren und Benjamin von Stuckrad-Barre ist eine super Neuentdeckung für mich. Die beiden Autoren führen eine angeregte Unterhaltung über Badehosen und andere nette Dinge im Leben und erreichen damit, so glaube ich, ein jedem sein Humor. Man kann einfach nur schmunzeln. Ich glaube kaum das jemand an diesem Buch vorbei gehen sollte. Großes Stück Literatur inklusive Humor und jede Menge Ironie. Ein perfekter Abschluss von 2020 für mich.

In Anderen / In Unseren von Eva Opfer

Natürlich hat auch diese nette Autorin es in meinen Jahresrückblick geschafft. Self Publisher as it’s best. Ich bin beeindruckt über den Mut ein Buch zu schreiben, dieses selbst zu lektorieren, zu bewerten, zu überdenken und es dann heraus zu bringen. Ein Grund mehr, warum diese Bücher gelesen werden sollten. Ein Fantasy Roman in meinen Augen, oder New Age Utopie, man mag es nennen wie man will, aber es entführt uns zu neuen Möglichkeiten. Es geht um Ria und Nando als Hauptprotagonisten, sie haben beide besondere Talente und erfahren auf ihrer Reise woher sie diese haben und was für Gefahren diese auch mit sich bringen können. Eva erzählt mit Spannung und Talent zur Verwirrung. Ich erhoffe mir einen dritten Teil der Geschichte. Man merkt das sie im zweiten Teil gewachsen ist, sie war genauer und hat noch detaillierte den Plot gesponnen und ich denke in einem dritten Teil könnte Eva das noch zu einem Ganzen zusammenfügen. Ich lege es Euch auf jeden Fall ans Herz.

Miracle Creek von Angie Kim

Eine Scheune mit Patienten einer Versuchsstudie brennt ab und es beginnt eine spannende Reise nach dem Verursacher. Angie Kim hat ein Talent ihren Leser in die Irre zu führen, denn man glaubt eigentlich an einem anderen Verursacher und bis zum Schluss war mir die Geschichte nicht klar. Ich liebe solche spannenden Geschichten. Das Buch hatte mich so gefesselt, dass ich es in zwei/ drei Tagen durch gelesen hatte.

Die Chroniken des Aufziehvogels von Haruki Murakami

Was soll ich sagen?! Ich liebe diesen Autoren einfach! Die Neuauflage des Mister Aufziehvogel ist einfach klasse! Ich möchte aber auch hier nicht viel erzählen, denn ein eigener Blog wird folgen. Aber so viel sei gesagt: ein MUSS für Murakami Liebhaber. Und noch dazu liebe ich diese Ausgaben aus dem Hause Dumont auch optisch einfach sehr.

Ein Wochenende von Charlotte Wood

Eine ganz wunderbare Geschichte über Freundschaft und Vertrauen. Vier Freundinnen im Rentenalter haben alle ihre eigene Geschichte zu tragen, aber auch eine gemeinsame Vergangenheit. Als eine der Freundinnen stirbt und sie deren Haus ausmisten wollten treten alte Erinnerungen auf, aber auch alte Wunden werden aufgerissen. Ein mitreißender Roman, denn ich empfehlen möchte. Mir kamen an manchen Stellen die Tränen, weil ich besonders mit einer Protagonistin sehr mitfühlen konnte. Ganz tolles Buch.

Der Defekt von Leona Stahlmann

Ein weiteres Highlight aus dem Kein&Aber Verlag im letzten Jahr. Der Defekt erzählt von einer jungen Frau die glaubt Defekt zu sein. Ein mitreißender Coming of Age Roman. Die Brennnessel auf dem Cover stellt in diesem Fall den Defekt dar, denn Brennnesseln sind ja meist nicht so beliebt und werden in ihrer Kraft völlig unterschätzt, genau so verhält es sich auch mit unserer Protagonistin. Ich mochte das Buch so gerne, weil ich immer gerne Geschichten von Frauen lese, die zu sich selbst finden.

Glasflügel von Katrine Engberg

Meine Lieblings-Thriller-Autorin! Sie schreibt einfach so spannende Krimis, da kann man das Buch in der Regel einfach nicht aus der Hand legen. Und dann ist sie selbst auch noch so unglaublich sympathisch. Glasflügel ist der dritter Teil einer Thriller Trilogie. Zuvor hatte sie die beiden Bücher Krokodilwächter und Blutmond veröffentlicht. Alle Drei sind eine Empfehlung. Unbedingt lesen bitte!

Abschlussworte

So, das waren meine Highlights aus 2020. Ich habe natürlich noch viele Bücher mehr gelesen und ich könnte noch einige erwähnen, aber ich denke diese Auswahl ist schon groß genug, wie schon gesagt fand ich 2020 super aus literarischer Sicht. Nun freue ich mich auf das neue Jahr mit neuen Büchern und ich hoffe ihr lest weiter fleißig mit. Bis bald.

Das Meer der Libellen – Yvonne Adhiambo Owuor

„Vorboten neuer Jahreszeiten: Die auf dem Matlai dahingleitenden Vögel, die sonnengefleckten Libellen, die unter dem Mond tanzenden Schwertfische, die an Korallenriffen knabbernden Papageienfische, sie alle kündeten von der Veränderlichkeit der Erde, von sterbenden Sternen und dahinschmelzender Zeit.“

Ich war noch nie zuvor in Kenia gewesen, doch durch dieses Buch habe ich das Land kennen lernen dürfen. Das Meer der Libellen ist ein Roman über das Erwachsen werden und gleichzeitig auch eine Geschichte über ein Land. Ayanna lebt auf Pate, einer kleinen Insel vor der kenianischen Küste Afrikas. Durch ihre täglichen Beobachtungen erfährt man alles über diese kleine Insel und über die Menschen, die dort Leben. Yvonne Adhiambo Owuor nimmt den Leser mit auf eine ganz spezielle Reise, die Reise der „kleinen“ Ayanna und die Geschehnisse der Insel Pate und das in einer Zeit, in der der IS an macht im islamischen Raum gewinnt.

Das Meer der Libellen

Ayanna lebt mit ihrer Mutter auf Pate. Ihren Vater kennt Ayanna leider nicht, denn ihre Mutter weiß noch nicht mal mehr seinen Namen. Munira, Ayanna’s Mutter gilt auf Pate auch eher als verruchte Frau, als als liebende Mutter. Sie hat eine Vergangenheit und auf Pate bleiben Geheimnisse nicht unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit. So beginnt die kleine Ayanna schon früh nach ihrem Vater zu suchen, sie sucht auf dem Meer. Täglich sitzt sie am Strand und schaut aufs Meer hinaus, mit Blick auf das Meer gerichtet fühlt sie sich sicher. Und so hofft sie jeden Tag auf’s Neue, dass irgendwann ihr Vater über das Meer in Pate ankommt. Am Strand ist sie allerdings nicht die einzige einsame Seele, denn der alte Muhidin beobachtet sie dabei und ist fasziniert von ihrem Durchhaltevermögen. Die beiden Freunden sich an und irgendwann beschließt Ayanna einfach, dass Muhidin ab nun an ihr Vater sein soll. Wie passend, dass Munira sich auch noch in Muhidin verliebt.

In Kenia, so wie auch im restlichen islamischen Raum beginnt der IS junge Männer zu berufen, sich derer Mission anzuschließen. So auch ein Klassenkamerad von Ayanna. Die Autorin schafft es, die schwierige politische Situation von Afrika/Kenia mit ein fließen zu lassen, ohne das diese Geschichte den Roman zu politisch erscheinen mag. Immer wieder begegnet Ayanna politischen Ereignissen oder ihre Freunde begegnen diesen Situationen. Eine leichte Brise schwingt den ganzen Roman über mit und erklärt somit den Standpunkt von Pate in dem Ganzen. Für Ayanna beginnt ein Erwachsenwerden mit Höhen und Tiefen. Sowohl politische Hintergründe stellen sich ihr in den Weg, als auch psychologische Hürden, welche durch den Vaterverlust entstanden sind. Ayanna hat mehrer schwere Erlebnisse mit Männern und vertrauen fällt ihr schwer.

Ihre eigentliche Reise beginnt, als sie nach China reist, um dort zu studieren. Eigentlich eine Flucht, denn ihre Mutter Munira hätte beinahe ihre Seele verkauft und konnte Ayanna nur in letzter Sekunde davor retten versklavt zu werden. Diesen Teil des Buches fand ich persönlich auch sehr erschreckend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es so etwas heute immer noch gibt. Doch nach diesem Schrecken beginnt ein spannender Weg in China. Ayanna muss lernen erwachsen zu werden und als Frau ihren Wert zu behalten. Die Autorin erzählt eine Geschichte über eine starke, junge Frau die sich durch schlägt. Immer im Blick hat sie das Meer und Libellen, die immer wieder zu ihr zurück finden. Eine Hoffnung, ein Halt den Ayanna immer begleiten mag. In China bzw. auf dem Weg nach China trifft sie auch die Liebe ihres Lebens, doch auch dieser Teil der Geschichte ist nicht immer leicht, denn auch Lai Jin hat eine Vergangenheit. Und dennoch, er kann seine Gedanken nicht kontrollieren und so wandern sie immer wieder zu Ayanna. Eine starke Bindung entsteht.

„Ayanna richtete sich auf und schaute aufs Meer hinaus. Tränen glänzten in ihren Augen. Sie verfluchte ihr Schicksal. Es war so ungerecht. Während sich im Leben mancher Menschen endlose Möglichkeiten und immer neue Horizonte eröffneten, passte ihr eigenes in einen undichten roten Eimer.“

Meine eigene Meinung

Ich mochte dieses Buch sehr. Ayanna ist eine sehr sympathische Protagonistin und ich konnte in vielen Momenten mit ihr fühlen. Ihren Weg zum Erwachsen werden zu begleiten, hat sehr viel Freude gemacht und auch die Beschreibungen der Insel Pate fand ich wunderschön. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie es auf dieser Insel aussehen könnte. Yvonne Adhiambo Owuor ist für mich eine großartige Autorin von der ich gerne noch mehr lesen möchte. Auch wenn mich 600 Seiten am Anfang abgeschreckt haben, ich kann sagen, es lohnt sich. Das Meer der Libellen ist ein wichtiges Buch in der heutigen Zeit, um Verstehen zu können. Nicht nur ein Roman, sondern ein Lehrbuch zum islamischen Glauben und dem Leben in Afrika. Danke an den Dumontbuchverlag für dieses tolle Exemplar.

Rezensionsexemplar/ Dumont Buchverlag/Auflage 2020/ 603 Seiten/ 24€ gebundene Ausgabe

Das Netz von Lilja Sigurdardottir

Das Netz ist der erste Teil einer Thriller Reihe aus Island. Ich muss gestehen, dass mich Island sehr fasziniert und ich daher nicht umhin komme, mir Bücher aus diesem Land vorzunehmen. In diesem Fall habe ich dieses Rezensionsexemplar aus dem Dumont Buchverlag bekommen. Lilja Sigurdardottir ( was für ein Name ) habe ich als Autorin zum ersten Mal gelesen und ich habe Lust auf mehr, aber nun erst einmal zum Buch selbst.

Sonja

Sie ist frisch geschieden und ihr Sohn lebt überwiegend bei ihrem Ex- Mann Adam. Ein geteiltes Sorgerecht, dass wäre Sonja’s größter Wunsch. Ihr fehlt allerdings das Geld und die Perspektive, um ihrem Sohn ein gutes Leben geben zu können. Auf Grund dieser Geldnöte gerät Sonja in das Netz eines Drogenbosses und beginnt eine Karriere als Drogenkurier. Sie schmuggelt zu Anfang nur kleine Mengen über den Luftraum ins Land und ist dabei unfassbar geschickt. Ich habe zwar nie vor Drogenschmugglerin zu werden, aber die Art, wie sie die Vorhaben abwickelt haben mich doch sehr beeindruckt. Sonja ist eine starke Frau, die einfach nur alles für ihren geliebten Sohn tun möchte. Neben ihrem Sohn gibt es auch noch Agla, ihre lesbische Affäre. Der Grund warum Adam die Scheidung wollte. Und was Agla mit Adam zu tun hat, dass erfahren wir auch im Laufe des Buches. Ein Netz, was sich am Ende zusammenführen lässt.

Viele Reisen von Sonja gehen gut und sie kommt immer unbemerkt durch den Zoll, denn alle denken, dass sie eine gewöhnliche Geschäftsreisende ist. Nur Bragi wird auf die aufmerksam…

Bragi

Er lebt alleine, da seine Frau an Alzheimer erkrankt ist und in einem Heim lebt. Am liebsten würde er seine Frau nach Hause holen, doch ihm fehlt das nötige Kleingeld dazu. Außerdem vermutet er, dass seine Frau in dem Heim misshandelt wird, da sie immer blaue Flecken hat. Bragi steht ganz kurz vor seiner Rente und hat schon einige Jahre beim Zoll hinter sich. Seine Erfahrung ist Gold wert und er hat meistens einen guten Riecher, so auch bei Sonja.

Er bemerkt die attraktive Dame am Flughafen und findet ihre Bewegungen zu glatt, ihre Art zu einstudiert und ihr Unauffälligsein empfindet er als besonders auffällig. Er erwischt sie auf frischer Tat und möchte dennoch gerne schweigen. Er hat einen Plan, er möchte einen Teil vom Kuchen ab haben. Für beide beginnt eine harte Probe, denn beide setzen alles auf’s Spiel.

Meine eigene Meinung

Ich muss gestehen, dass ich zu Anfang dachte, dass einige Stellen zu sehr in die Länge gezogen wurden. Ich muss mir am Ende aber zum Glück auch widersprechen. Es erklärt sich erst zum Ende des Buches, dass diese Ausschweifungen sein mussten, um den ganzen Zusammenhang zu verstehen. Das Netz ist in dem Fall eine treffende Beschreibung dieses Thrillers. Ich mochte den Schreibstil von Lilja Sigurdardottir sehr gerne und mochte ihre Charakterbeschreibungen. Ich bin nun super gespannt auf den nächsten Teil und wie es mit Sonja und ihrem Sohn und auch dem lieben Bragi weitergehen wird. Ich wusste übrigens bis zum Ende nicht, dass es weitere Teile geben wird. Umso mehr freut mich das. 🙂 Danke an den Dumont Buchverlag für dieses tolle Buch. Ich kann es jedem Thriller Liebhaber empfehlen.

Rezensionsexemplar/ Dumont Buchverlag/ Taschenbuchauflage 2020/ 360 Seiten/ 10€

Offene See von Benjamin Myers

Die Natur Englands und der innere Drang nach Freiheit ist, was dieses Buch ausmacht. Benjamin Myers beschreibt England in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und erzählt von einem Naturerlebnis in sehr bildlicher Sprache. Jedes Wort ist reine Poesie und der Leser wird mit auf eine wundervolle Reise genommen. Offene See von Benjamin Myers erschien dieses Frühjahr im Dumont Buchverlag und ich durfte dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen und möchte Euch nun ein wenig daraus berichten.

Robert

Der junge Robert steht nach der Schule vor dem Beginn seines Jobs im Bergbau unter Tage. Ein Erbe, dass er von seinem Vater antreten soll, denn alle Männer vor ihm taten es auch. Doch ihn zieht es in die Ferne, er möchte das Meer sehen und ein Abenteuer erleben, bevor er unter Tage arbeiten muss. Ihm ist Freiheit ein Fremdwort und er möchte es einmal erlebt haben. Also macht er sich zu Fuß auf den Weg Richtung Süden. Auf seinem Weg trifft er auf ein abgelegenes Cottage direkt am Meer, dieser Ort scheint ihm direkt vertraut und er versucht Unterschlupf zu finden, dort trifft er dann auf Dulcie. Sie ist eine ältere Frau, die in diesem Cottage alleine mit ihrem Hund Butler lebt. Sie scheint ein wenig einsam zu sein und zwischen beiden entwickelt sich eine Freundschaft. Er verrichtet Arbeiten für sie im Garten und an der Hütte neben dem Cottage und bekommt im Gegenzug Bücher zu lesen und gutes Essen. Dinge, die Robert bisher so nicht kannte und die den 16-jährigen in eine andere Welt entführen.

Es war eine eher landwirtschaftlich als industriell geprägte Gegend – der Erde zugehörig statt von ihr beschmutzt..“

Dulcie

Die ältere Dame Dulcie scheint einen ausschweifenden Lebensstil zu haben, sie hat auch nach dem Ende des zweiten Weltkrieges eine Riesen Ration an Lebensmitteln gebunkert und lebt im Wohlstand. Sie besitzt vier Automobile und interessiert sich für die Freiheit und die Lyrik. Durch sie lernt Robert, wie man das Leben geniessen kann. Durch sie lernt Robert die Poesie kennen und lieben und am Ende erkennt er auch durch sie, was er vom Leben möchte. Bisher kannte er schließlich nur sein Pflichtgefühl. Doch auch Dulcie hat einen Verlust erlitten und bekommt durch den Besuch von Robert einen neuen Lebenswillen zurück. Nicht nur, dass er ihr eine enorme Hilfe im Garten und am Haus ist, sondern er hilft ihr auch, sich alten Dämonen zu stellen. Ihre Ehrfurcht vor dem wütenden Ozean wird ihr genommen und auch sie kann durch ihn ein neues Leben beginnen. Beide profitieren aus der zufälligen oder auch schicksalhaften Begegnung und es zeigt, wie wichtig die Bande der Freundschaft sind.

Der erste Weltkrieg war die größte Gräueltat, die die Menschheit je begangen hat. Was haben wir daraus gelernt? Größere und bessere Bomben bauen, mehr nicht…„

Die Möglichkeiten eines Lebens

Mit diesem Satz beginnt der Rücktitel des Buches und er beschreibt dieses auch besonders treffend. In diesem Buch geht es um die Sehnsucht nach Freiheit und über die Wichtigkeit von Liebe und Freundschaft. Es geht darum inne zu halten und sich zu überlegen, welchen Platz man im Leben einnehmen möchte. Dulcie glaubt an einen dritten Weltkrieg und die Passage in dem Buch bringt einen wirklich zum nachdenken, sie glaubt die Menschheit ist schlecht, gerade weil wir uns Menschheit nennen. Irgendwie hat sie Recht und auf der anderen Seite bereitet einem diese Aussage unbehagen. Benjamin Myers versteht es die dunklen Seiten dieses Buches in poetische Worte zu verpacken. Er hat den Kern der Geschichte erfasst und bringt den Leser in eine andere Welt. Man möchte nach England reisen, man möchte fast schon sein Leben überdenken. Man ist versucht sich zu fragen: „Habe ich bisher genug gelebt?“

Meine Meinung

Ein ganz großartiges Buch, welches ich unbedingt empfehlen möchte. Es ist der erste Roman von Benjamin Myers der im deutschen erschienen ist und ich hoffe, dass da noch mehr kommen wird. Offene See ist ein sehr tiefgründiges Buch und noch dazu eine wundersame Reise durch die Landschaft Englands. Und die Tatsache das der Buchtitel auch im Buch eine Rolle spielt, wurde sehr gut heraus gearbeitet und macht das Ganze noch schöner. Vielleicht hat Benjamin Myers ja eine ähnliche Erfahrung machen können, wer weiß, aber der Gedanke ist schön. Danke an den Dumont Buchverlag für dieses tolle Exemplar.

 

Rezensionsexemplar/ Dumont Buchverlag/ Zweite Auflage 2020/ 268 Seiten/ 20,00€

 

Bücher Geheimtipp

Da die Buchhandlungen nun seit einer Woche wieder offen haben dürfen, habe ich mir gedacht, dass ich zu meinen Lieblingsbüchern ( den Link dazu noch einmal hier ) noch einen Geheimtipp Beitrag schreibe. Ich finde, dass gerade in den sozialen Medien oftmals die selben Bücher gezeigt werden und das ein wenig Vielfalt da nicht schaden kann. Es gibt jede Menge tolle Bücher und diese sollten auch unbedingt noch einmal in Erinnerung gerufen werden. Ich habe also vier Bücher aus meinen Regalen gesucht, welche ich besonders toll fand und welche ich gerne als Geheimtipp empfehlen möchte.

Der Honigbus

Ein ganz besonderes Buch war für mich „Der Honigbus“ von Meredith May aus dem S.Fischer Verlag. Meredith ist fünf Jahre alt, als ihre Eltern Meredith sich selbst überlassen. Nach der Trennung sind beide nicht in der Lage sich zu kümmern und das führt sie zu ihren Großeltern. Ihr Großvater liebt Bienen und hat diverse Bienenstöcke gezüchtet, dieses Handwerk möchte er seiner Enkelin weitergeben. In diesem Buch erlebt man eine solche Liebe und Wärme, die von diesem netten Großvater ausgeht, die unbeschreiblich ist. Seine Art mit den Bienen umzugehen und seine Art die Natur zu schätzen ist einfach großartig. Gerade wo wir alle wissen, dass Bienen geschützt werden sollten, ist es eine Empfehlung für das Buch und vor allem wegen der Bienen. Ich mochte dieses Buch so gerne und ich finde, dass sollten noch viel mehr Menschen lesen. Besonders mochte ich auch den Lebensweg, den Meredith eingeschlagen hat. Ein großartiges Buch über Tradition, Familie und die Liebe zur Natur.

Der Südelefant

Im letzten Jahr war Georgien Gastland der Buchmesse und aus dieser Zeit habe ich dieses Buch mit genommen. Ein Geheimtipp auf jeden Fall, denn ich denke, dass wenige es gelesen haben könnten. Zumindest kein Buch, was in den Medien gehyped wurde. Der Südelefant von Archil Kikodze erschien im Ullstein Verlag und spielt in Tblissi Georgien. Ein Mann wandert durch die Stadt und erinnert sich an Kindheitserinnerungen. Schöne Zeiten und auch schlechte Zeiten, an Menschen, an Umgebungen und an Ereignisse. Der Südelefant heißt es deshalb, weil er als Junge den prähistorischen Südelefanten in einem georgischen Museum gesehen hat. Er unternimmt mit seinem Leser quasi eine andere Art der Städtetour. Beim Lesen dieses Buches entstehen auf jeden Fall Bilder und man kann sich die Umgebung vorstellen. Ich fand es war ein großartiger Roman mit einem klasse Schriftsteller. Ein klassischer Geheimtipp.

Der vorletzte Samurai

Ein japanisches Abenteuer von Dennis Gastmann aus dem Rowohlt Polis Verlag. Ich mag seit ich denken kann Japan gerne und würde dort auch gerne einmal hinreisen. Natürlich hat mich genau deshalb dieses Buch auch so angesprochen. Zusammen mit seiner Frau Natsumi die von den Samurei abstammt bereisen sie das Land. Auch hier kann man sich alles ganz genau vorstellen. Jede Erzählung gibt einem das Gefühl in Japan zu sein oder schon einmal dort gewesen zu sein. Auf der Reise wird natürlich auch deren Beziehung auf die Probe gestellt, denn die traditionellen Werte Japans entsprechen nicht immer den unseren. Ich liebte dieses Buch und finde, dass es auch noch mehr Leser kennen sollten. Für Japan Liebhaber ist es auf jeden Fall ein Muss.

Heimkehren

Yaa Gyasi mit Heimkehren ist eines der besten Bücher der letzten Jahre für mich. Das im Dumont Buchverlag erschienene Buch ist eine Wucht. Tiefgründig, zu Weilen düster und unvorstellbar grausam, aber auch so hoffnungsvoll und liebevoll. Meine absolute Empfehlung schlecht hin.

Effia und Esi sind Schwestern, lernen sich aber nie kennen. Die Geschichten der Familien laufen ganz unterschiedlich ab. Die eine Seite vermag mehr Glück zu haben wie die andere, doch im Grund müssen sie sich alle dem Rassenhass aussetzen. Ein jedes Familienmitglied auf seine eigene, teils grausame Weise. Alles beginnt in Ghana im 18ten Jahrhundert und spielt bis in die heutige Zeit in Amerika eine Rolle. Die Nachkommen der beiden Schwestern versuchen unabhängig voneinander ihren Platz in der Welt zu finden, ihre eigene Heimat zu finden. Heimkehren heißt in dem Moment zu sich selbst finden und Geschehenes zu akzeptieren. Heimkehren heißt den Weg der Familie zurück verfolgen zu können, um zu wissen, woher man selbst kommt. Einfach unfassbar groß geschrieben. Definitiv aber kein Buch für schwache Nerven, denn Teile der Geschichte können sehr grausam und menschenunwürdig sein.

Das waren meine Geheimtipps für Euch, ich hoffe ich konnte Euch inspirieren. Ein Teil der Bücher waren Rezensionsexemplare, aber meine Auswahl war eine freie Wahl ohne Werbehintergrund. Ich freue mich auf Kommentare zu meinen Büchern. 😊