Gesammelte Werke von Lydia Sandgren

Dieses Buch von der schwedischen Autorin Lydia Sandgren muss man, glaube ich, gelesen haben. Rund 900 Seiten schrecken zwar erst einmal ab, aber jede einzelne Seite lohnt sich. Gesammelte Werke ist ein über zehn Jahre entstandenes Buch mit sehr viel literarischem Wert. Ein so langes Buch, so zu gestalten, dass der Leser die Motivation nicht verliert, dass nenne ich große Kunst. Aber meine Meinung folgt ja eigentlich erst zum Schluss dieses Beitrages. Kann mich wieder nicht beherrschen.

Eine Geschichte über Freundschaft

Martin und Gustav kennen sich noch aus Schultagen und verbringen ihre Studienzeit zusammen. Sie kennen den anderen in und auswendig und durchleben gemeinsam alle möglichen Ereignisse. Besonders zusammen geschweißt hat die beiden ihre Zeit in Paris. Beide waren dort zum Auslandsstudium und diese Zeit bleibt unvergessen. Gustav ist der Künstler und Martin der Schreiber, das perfekte kreative Duo sozusagen. Gustav ist ansonsten zwar der gesellige Typ, aber privat lebt er lieber alleine für sich. Heiraten oder eine Familie gründen ist nichts sein. Zuweilen muss man sich eher Sorgen um Gustav machen, da er hin und wieder zu tief ins Glas schaut. Bei Martin sieht das schon anders aus. Martin ist der vernünftige der beiden Freunde.

Eines Tages begegnet er Cecilia und sie wird seine große Liebe. Doch auch Gustav hat gefallen an ihr und malt von da an immer wieder Gemälde von ihr. Gustav findet in dem Paar die besten Freunde. Auch wenn man sich über Monate mal nicht sieht, die Drei halten zusammen. Cecilia ist eine eher egoistische Person, so kommt sie zumindest rüber, sie ist auf ihre Arbeit oder ihr Studium fixiert und hat gerne ihre Ruhe. Zu viel familiäre Nähe engt sie ein. Nachdem Martin und sie ihr zweites Kind bekommen haben, wird ihr alles zu viel und Cecilia verschwindet spurlos ohne Erklärung. Sie lässt Mann und Kinder einfach im Stich.

Rakel

Die älteste Tochter Rakel ist eine Art Schlüsselrolle in diesem Buch, denn sie kommt ihrer Mutter als Einzige auf die Schliche. Durch einen deutschen Roman, welchen Sie übersetzen soll für den Verlag ihres Vaters, kommt Rakel auf die Spur von Cecilia. Rakel hat viel von ihrer Mutter geerbt, unter anderem die sprachlichen Talente. Von ihr hatte sie auch deutsch gelernt. Wie dieser Roman und ihre Mutter in Verbindung stehen findet Rakel nach und nach heraus und auch ihr Patenonkel Gustav spielt eine entscheidende Rolle in diesem Roman. Rakel ist eine starke weibliche Rolle. Sie musste lernen ohne Mutter aufzuwachsen. Sie hatte ihren Vater und ihren kleinen Bruder, aber durchkämpfen musste sie sich alleine und aus ihr ist eine talentierte, intelligente Person geworden.

Gesammelte Werke

Der Buchtitel passt so gut zum Protagonisten Martin, denn er sammelt auch über Jahre hinweg jede Menge begonnene Schriften, welche zu einem Roman werden sollen. Eigentlich wollte er kein Verleger werden, sondern Autor. Doch die Vernunft ließ ihn erst einmal einen Verlag mit seinem Kumpel Per gründen. An seinem Roman schreibt er im Prinzip sein ganzes Leben. Er nennt ihn Nachtsonaten und die meiste Zeit spielt er in Frankreich in Antibes. Auch er sammelt seine Werke und wenn ich es richtig verstanden habe, veröffentlicht er diese auch am Ende.

…. Aber die Sache ist doch: Wir Menschen erfinden ständig Geschichten, um unser Leben auf Abstand zu halten, vielleicht macht diese Scheinwelt unser Leben überhaupt erst erträglich. Die meisten von uns zensieren die Wirklichkeit und modellieren sie um. Das Gedächtnis ist trügerisch….

Meine persönliche Meinung

Ich habe sehr viele schöne Stellen markiert, da so viel poetisches enthalten war. Lydia Sandgren ist wirklich eine tolle Autorin und ich hoffe sie schreibt noch mehr solche Bücher. Gesammelte Werke könnte für meine Begriffe auch gut und gerne eine Fortsetzung vertragen. Mich würde total interessieren, ob die Familie wieder zusammen finden kann. Lydia Sandgren schafft auf jeden Fall ein Bild von tollen Freundschaften, großer Liebe, ein wenig Betrug und starken Charakteren. Ein wahrlich großartiger Roman, den ich unbedingt empfehlen mag. Traut Euch an diese 900 Seiten ran, denn jede einzelne lohnt sich sehr. Vielen Dank an den Mare Verlag für dieses tolle Exemplar. Wieder einmal ein Glücksgriff aus dem Indie Verlag.

Rezensionsexemplar/ Mare Verlag/ Auflage 2021/ 912 Seiten/ 28,00€

Das Jahr ohne Worte von Syd Atlas

Das Jahr ohne Worte ist definitiv ein Buch, was man nicht so schnell wieder vergessen kann. Syd Atlas erlebt eine wahre Geschichte über die Krankheit ihres Mannes und was diese mit ihrem eigenen Leben anrichtet. Wenn der Ehepartner auf einmal tödlich erkrankt verläuft das für jeden Einzelnen von uns in unterschiedlicher Weise ab, doch für Syd Atlas wurde es zum persönlichen Alptraum. Zwischen Liebe, Verlust und Betrug spielt sich dieser Roman ab, welcher im Rowohlt Verlag erschienen ist.

Ein Leben mit ALS

Theo ist der Mann von Syd und er sollte ihre große Liebe sein. Nach der Scheidung ihres ersten Mannes und der Vater des ersten Kindes, wollte sie mit Theo noch einmal neu beginnen. Ein gemeinsamer Sohn und eine Hochzeit sollen das Ganze bestärken. Doch Theo bekommt die Diagnose ALS – die Krankheit die Steven Hawking hatte. Tatsächlich kann man auch sehr viele Parallelen zu dem Krankheitsverlauf von Steven Hawking und Theo beobachten. Von ersten Lähmungserscheinungen bis hin zum kompletten Stimmverlust. Auch Theo muss irgendwann mit einem Computer das sprechen neu lernen.

„Sich zu verlieben ist, als würde man Zirkusartisten dabei zusehen, wie sie durch die Luft wirbeln, sich drehen und rollen, immer mit dem Risiko, in den Tod zu stürzen, aber mühelos Schwerkraft überwinden wie eine Zeitfalte. Genau so habe ich mich gefühlt.“

Syd erlebt eine Zeit voller Angst, denn diese Krankheit verläuft in der Regel tödlich. Und voller Überforderung, denn zwei Kinder einen kranken Mann und einen Job, dass schaffen die wenigsten. Zumal Theo in seinem Charakter auch von Monat zu Monat schwieriger wird und sie nicht mehr wirklich an ihn heran kommen kann. Im Unterschied zu der Geschichte rund um Steven Hawking, bleibt Syd ihrem Theo immer treu und versucht alles, um die Beziehung nicht aufzugeben. Es fällt ihr sichtlich schwer, denn neben den krankheitsbedingten Beschwerden wird Theo einfach unerträglich zu Hause. Sogar ihre beiden Jungs können den Vater nur noch schwer ertragen.

Irgendwann kommen Syd auch Gedanken wie: “ Was wäre, wenn ich ihn nie kennen gelernt hätte? Wäre ich dann glücklicher?“ Man kann sich nur vorstellen in welcher Zwickmühle sie sich befunden hat und als Theo sie dann auch noch richtig verletzt kann man nur Mitleid mit Syd haben. Ihr Leben ist zu dieser Zeit unglaublich schwer und es wird ihr noch schwerer gemacht. Zum Glück ergeben sich in dieser Zeit aber auch neue Job Angebote, denn Syd ist Motivations Coach und das nicht einmal un erfolgreich. Der Job hält sie am Leben und bringt ihr ein wenig Glück.

„Glauben wir, was wir glauben wollen? Oder ist es, wenn man sein Leben in der Wüste vollbracht hat, vielmehr unmöglich, sich vor einem heraufziehenden Schneesturm zu fürchten, weil man keine Vorstellung davon hat?“

Meine eigene Meinung zum Buch

Ich mochte das Buch sehr und ich habe es auch sehr schnell durch gelesen. Syd Atlas hat einen sehr angenehmen und ehrlichen Schreibstil, sodass man flüssig lesen kann. Ihre Geschichte hat mich bewegt und es hat mich beeindruckt, wie stark Syd ist. Tatsächlich fand ich es ein bisschen störend, dass so vieles in diesem Buch an die Geschichte von Steven Hawking erinnert. Nicht nur die Krankheit sondern auch das drum herum. Ich möchte nicht anmaßend sein und behaupten Teile sind dessen entsprungen, denn wenn Syd Atlas wirklich dieses erlebt hat, wie es in dem Buch „Ein Jahr ohne Worte“ erzählt wird, dann ist dieses wirklich grausam und bewundernswert.

Ich bedanke mich bei Syd Atlas und den Rowohlt Verlag, dass ich dieses Buch lesen durfte. Tatsächlich hat mir übrigens dieses tolle bunter Cover auch sehr viel Freude bereitet. Die Geschichte sollte auf jeden Fall gelesen werden und ich wünsche der Autorin alles erdenklich Gute und hoffe, dass sie ihr Glück wieder finden wird und das das Leben ihr etwas zurück geben wird.

Rezensionsexemplar/ Rowohlt Verlag/ Auflage 2020/ Gebundene Ausgabe/ 20,00€/ 256 Seiten

Miracle Creek von Angie Kim

Wie weit würden wir gehen, um unsere Familie zu schützen? Und wie stark liegen die Nerven blank, wenn das Muttersein dich erdrückt?! Viele Motive und schwere Ereignisse die eine Kleinstadt ein Jahr lang beschäftigen. In Miracle Creek holt Angie Kim tiefe Geheimnisse aus ihren Protagonisten heraus und beschreibt die Geschehnisse rund um einen Brand einer Sauerstoff Station. Ein Zusammenspiel von großen Gefühlen, tiefem Hass und verworrenen Familienverhältnissen.

Miracle Creek

Die Familie Yoo ist von Seoul nach Miracle Creek gezogen, um ihrer Tochter Mary ein besseres Leben zu bieten. Der Vater Pak ist Betreiber einer sogenannten Sauerstoff Station, er hilft Menschen, die z.B. Autismus haben mit einer speziellen Sauerstoff Therapie. Dieses hat er bereits in Korea getan und hat sich dann in Miracle Creek damit selbstständig gemacht. Pak ist bekannt als liebenswerter Therapeut und Vater und absolut ehrlicher Mann.

Doch als die Scheune, in der sich die Sauerstoff Station befindet abbrennt, dreht sich der Wind in der Provinzstadt. Die Frage nach der Schuld will geklärt werden. War es ein Patient? Eine Demonstrantin, die gegen die Therapie ist oder doch der Betreiber selbst? Pak landet im Rollstuhl nach dem Brand, da er versucht hat seine Patienten aus dem Feuer zu retten. Seine Tochter Mary hat Brandwunden im Gesicht, weil sie zu nah an das Feuer heran gelaufen kam. Ein autistischer Junge stirbt und seine Mutter steht unter Verdacht das Feuer gelegt zu haben. Und eine Mutter von fünf Kindern kommt auch ums Leben und hinterlässt eine Familie. Tiefe Schicksalsschläge und jede Menge Geheimnisse klären sich nun in der Kleinstadt Miracle Creek.

Angie Kim beschreibt in ihrem Buch die einzelnen Tage der Gerichtsverhandlung zu diesem Brand. Im Visier steht Elizabeth, die Mutter des autistischen Henry’s. Ihr wird vorgeworfen eine schlechte Mutter zu sein, weil sie ihren Sohn von Therapie zu Therapie geschleppt hat und am Ende genug hatte und ihren Sohn tot sehen wollte. Aber ist sie auch wirklich die Schuldige an diesem Unglück?

Mary Yoo, die Tochter des Betreibers, hat auch so ihre Geheimnisse, vor allem in Bezug auf den verheirateten Matt. Er war der erste Patient in der Scheune und er und Mary sind sich näher gekommen. Auch seine Frau Janine hat ihre Finger mit im Spiel und es beginnt eine verrückte Jagd nach der Wahrheit. Jeder der Protagonisten hat sein eigenes Geheimnis und Angie Kim bringt diese ans Licht.

Meine eigene Meinung

Ich kann dieses Buch gar nicht so gut wiedergeben, wie es das verdient hätte. Dafür war die ganze Geschichte viel zu komplex. Ich fand das Buch großartig, spannend bis zum Schluss und irgendwie auch realitätsnah. Angie Kim erzählt von den menschlichen Abgründen. Wie bereits gesagt haben alle Protagonisten ein Geheimnis und alle verschweigen etwas und das ist so detailgetreu beschrieben, sodass es auch gut auf wahren Tatsachen beruhen könnte. Der Mensch, der sich in die Ecke gedrängt fühlt, der kann lügen und schweigen und reagiert am Ende aber doch impulsiv und verrät sich – das ist menschlich.

Ein anderer Aspekt in diesem Buch ist die Liebe einer Mutter. Die Hauptverdächtige Elizabeth wird als grauenhafte Mutter von den Dorfbewohnern dargestellt, aber im Grunde tut sie alles nur aus reiner Mutterliebe. Sie ist streng und arg übermotiviert, aber sie liebt Henry über alles. Eine der tragischsten Personen in diesem Buch und ich mochte diese Figur am meisten. Ob ihr Unrecht getan wird oder nicht, möchte ich hier natürlich nicht verraten, aber ich bin der Meinung, dass sie den spannendsten Part in diesem Buch inne hat. Angie Kim hat ein super Buch geschrieben, was ich unbedingt empfehlen möchte. Dieses Buch ist selbst erworben und steht in keinen Zusammenhang mit einer Kooperation- es war schlichtweg ein Glücksgriff für mich.

Selbst gekauft/ Hanserblau Verlag/ Auflage 2020/ 512 Seiten/ 22,00€

Rote Kreuze von Sasha Filipenko

[ Werbung, Rezension ] Eine Frau die eine folgenschwere Entscheidung getroffen hat und sich auch Jahre danach nicht verzeihen kann und ein Mann, der alles verloren hat, was er geliebt hat, treffen aufeinander und erzählen sich gegenseitig deren Geschichte. Rote Kreuze von Sasha Filipenko aus dem Diogenes Verlag ist ein Roman über die Stalinzeit und die Verbindung zur heutigen Einstellung der Menschheit. Filipenko zeigt in diesem Buch, was Verlust uns heute bedeutet und was es in der russischen Geschichte bedeutet hat.

Zum Inhalt

Tatjana ist in jungen Jahren als Fremdsprachenkorrespondentin im Außenministerium in Moskau tätig. Die in London geborene Russin wollte ein neues Leben mit ihrer Familie in Moskau beginnen. Moskau hatte damals so viel Glanz und hat so viel versprochen. Doch der zweite Weltkrieg beginnt und ihr Mann wird an die Front verlangt. Nach Wochen der Ungewissheit soll sie eine Liste des Roten Kreuzes mit Kriegsgefangenen in Rumänien übersetzen und entdeckt auf dieser den Namen ihres Mannes. Zunächst ist sie erleichtert das er lebt, doch gleichzeitig hat sie Angst um ihn. Es war bekannt, dass Kriegsgefangene als Volksverräter galten und erschossen wurden. Aus einem Kurzschluss heraus streicht sie seinen Namen und verdoppelt den Namen eines anderen Soldaten.

Alexander ist vor kurzem mit seiner Tochter nach Minsk gezogen. Er hat durch eine tödliche Krankheit seine Frau verloren und muss nun alleine sein Leben bestreiten. Eigentlich möchte er sich am liebsten nur einschließen und mit keinem anderen Menschen reden. Seine Nachbarin Tatjana dagegen hat eine Menge aus ihrem Leben zu erzählen. Die alte Dame leidet an Alzheimer und kann sich aber an ihre Zeit in Gefangenschaft zur Stalinzeit noch sehr gut erinnern. Die beiden treffen sich immer wieder im Hausflur und Tatjana erzählt ihm ihre Geschichte und versucht so, ihm begreiflich zu machen, dass sein Verlust schlimm ist, dass es aber in der Geschichte noch weitaus schlimmere Ereignisse gab.

Tatjana hat Jahre lang das Geheimnis, dass sie jemand anderen doppelt auf die Liste gesetzt hatte, für sich behalten. Erst viele Jahre nach ihrer Gefangenschaft ist sie zu dem Soldaten gegangen, welchen sie ihrer Meinung nach in den Tod hatte treiben müssen. Es stellt sich aber heraus, dass dieser Soldat unversehrt mit seiner Familie den Krieg überlebt hat. Die rumänischen Gefangenen wurden scheinbar nicht alle getötet und Tatjana erkennt ihren eigenen großen Irrtum. Hatte sie nun damals das richtige getan? Oder hat sie sich und ihre Familie damit verraten?

Meine eigene Meinung

Ich mochte die Geschichte sehr und finde russische Literatur sowieso äußerst spannend. Sasha Filipenko hat einen lockeren Schreibstil und man kann das Buch gut weg lesen. Die Tiefe der Geschichte wird einem aber erst im Nachhinein bewusst. Tatjana hat in meinen Augen versucht das Schicksal zu beeinflussen und hat am Ende die Konsequenzen getragen, dennoch glaube ich, dass jede von uns genauso gehandelt hätte. Auch ich hätte versucht meinen geliebten Mann zu schützen, auch wenn es für mich den Tod bedeuten könnte. Alexander geht in meinen Augen in der Geschichte unter. Das Einzige was er mit nehmen kann aus der Geschichte von Tatjana, dass er weiter kämpfen sollte. Er sollte für sich und seine Tochter kämpfen, dass beide ein normales Leben führen auch ohne seine Frau.

Während ich dieses Buch gelesen habe, habe ich auch viel im Internet recherchiert und mich über die Stalinzeit informiert. Ich kannte die Fakten zuvor noch nicht und mochte es sehr, dass dieses Buch mich dazu inspiriert hat. Ich liebe es, wenn Romane aus einer wahren Geschichte entspringen, auch wenn es wie in diesem Fall, eine eher grauenhafte Zeit Epoche war.

Empfehlung oder eher nicht?

Ich kann diese Buch empfehlen und ich danke dem Diogenes Verlag, dass ich dieses Exemplar lesen durfte. Sasha Filipenko hat für mich sehr viel Potenzial. Außerdem ist es der erste von fünf Romanen, der in deutsch erscheint. Ich hoffe ich werde bald noch mehr von ihm auf deutsch lesen können.

Rezensionsexemplar / Diogenes Verlag / Taschenbuch / Auflage 2020 / Seiten / 22€

Durch die Nacht von Stig Saeterbakken

Durch die Nacht“ ist der neue Roman aus dem Dumont Buchverlag und ich hatte das Glück, dass ich dieses Buch im Vorfeld lesen durfte. Nun ist es offiziell erschienen und ich darf Euch darüber berichten. Der tiefgründige Roman des bereits verstorbenen Autor Stig Sæterbakken hinterlässt auf jeden Fall spuren. Das war seit langem wieder ein Buch, welches mich lange beschäftigt hat und welches ich mehrfach aus der Hand legen musste, um Gelesenes sacken zu lassen. Ich weiß auch nicht, ob ich mit meiner Rezension diesem Buch gerecht werden kann. Es ist nun ein paar Wochen her, dass ich es gelesen habe und dennoch trifft mich die Erinnerung immer noch tief und dieses in Worte zu fassen ist tatsächlich sehr schwer.

Zum Inhalt

Karl Meyer ist Zahnarzt und führt ein normales Familienleben, doch als sein Sohn Ole-Jakob sich plötzlich das Leben nimmt, wird die Familie auf eine harte Probe gestellt. Das Familienleben war auch davor schon alles andere als einfach. Karl Meyer geht seiner Frau fremd mit einer jüngeren Frau und zerrüttet damit schon die heile Welt seiner Familie. Dennoch berichtet er hier von einer unglaublichen Liebe. Der Protagonist ist unendlich glücklich mit der jüngeren Mona und das obwohl er auch die Schattenseiten nicht versteckt. Sein Sohn Ole-Jakob wird immer stiller und auch die Tochter Stine zieht sich zurück. Der Vater verlässt die Familie und versucht dennoch einen Kontakt zu wahren. Alles in allem ist das nicht einfach. Seine Frau kann ihm nicht verzeihen und die Kinder geben ihm die Schuld an der Trennung und verurteilen ihn. Gerade der Sohn Ole-Jakob hat schwer damit zu kämpfen und zieht sich immer weiter zurück. Man merkt schon früh in dem Buch, dass der Sohn kein normales Verhalten aufweist.

Es kommt, wie es kommen muss und dennoch so unerwartet für die Familie. Ole-Jakob begeht Suizid. Karl’s Frau ist wie gelähmt und die Tochter Stine hört auf zu sprechen. Die sowieso schon zerrissene Familie driftet nun noch mehr auseinander und Vater Karl sieht sich selbst mit der Schuldfrage belastet. Ist er für den Tod seines Sohnes selbst verantwortlich? Ist sein schlechtes Verhalten und seine Untreue der Auslöser gewesen? Diese Fragen umgeben den Vater und er verliert sich selbst in diesen Gedanken. Er versucht zu fliehen, in die Slowakei, aber kann man vor seiner Angst wirklich davon laufen?!

„Die kleinsten Vergehen sind die größten. Mit ihnen zeigt man, dass man zu allem imstande ist…“

 

Meine Gedanken

Dieses Buch hat in meinen Augen tatsächlich kein Happy End, es ist durch und durch dunkel und der Titel “ Durch die Nacht“ trifft es da natürlich perfekt. Karl Meyer erlebt seine Trauer und seine Angst in einer nie enden wollenden Nacht. Am meisten geschockt, war ich von der Geschichte mit dem Haus in der Slowakei. Angeblich ein Haus, wo man mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert wird. Entweder man schafft es oder man geht daran zu Grunde. Gibt es so ein Haus wirklich? In dem Buch gibt es Bilder von diesem Haus- hat es wirklich existiert? Karl Meyer wird in diesem Haus verrückt, er träumt von Momenten, welche lange vorbei sind. Er glaubt Nachrichten von Ole- Jakob zu bekommen, welche er nie bekommen wird. Es ist grausam ihm dabei „zuzuschauen“ während man dieses Buch liest. Ich habe zwischendurch daran gezweifelt, dass es das Haus wirklich gibt und das dieses nur als Metapher gemeint ist. Richtig sicher bin ich mir bis heute noch nicht. Ist es nicht so, dass man sich in ein Haus der Angst eingeschlossen fühlt in so einer Situation? Ich glaube das Stig Sæterbakken diese Geschichte sogar selbst erlebt hat. So tief wie er seine Gedanken und Gefühle beschreiben kann, so etwas kann man nur ausdrücken, wenn man es selbst erlebt hat.

„Es war vorbei. Es ging trotzdem weiter. Es war wie eine Kraft, die sich nicht davon abhalten ließ, weiterzudonnern, genauso wie der Zug, der durch vorbeifliegende Streifen von Land und Wasser zog. Schneller und schneller ging es, während die Erde draußen die Farbe wechselte, von Gelb zu Grün zu Rot….“

 

Mein Schlusswort

Irgendwo in diesem Roman schreibt der Autor, das Trauer eine Gabe sei. Ist es nicht meistens so, dass man nur wirkliche Gefühle aufbringen kann, wenn man sie selbst erlebt hat. Ich glaube Trauer kann man nur nach empfinden, wenn man selbst trauern musste. Diese Erkenntnis bringt mich immer mehr dazu, dass er selbst eine grausame Geschichte erlebt haben muss. So tiefe Gefühle, so intensiv zu beschreiben in einem Roman, dass kann man nicht ohne ein schlechtes Erlebnis. Er beschreibt die tiefen Abgründe eines jeden Menschen und aber auch die schönen Höhepunkte. Liebe, Trauer und Angst- Stig Sæterbakken vereint sie zu einem literarischen Meisterwerk der norwegischen Kultur.

Ich kann dieses Buch absolut empfehlen! Es ist nicht einfach zu lesen und man muss es auch schon mal aus der Hand legen, aber es lohnt sich. Der Autor ist großartig und der Gedanke das es eine wahre Geschichte ist, macht seinen Schreibstil nur noch bemerkenswerter. Danke an den Dumont Buchverlag, dass ich dieses Buch lesen durfte.

 Anmerkung: Norwegen ist dieses Jahr Gastland auf der Frankfurter Buchmesse – nach diesem Buch, bin ich sehr gespannt, was wir noch lesen & erleben dürfen.

Rezensionsexemplar/ Dumont Buchverlag/ 287 Seiten/ Auflage 2019/ 22,00€

 

So schöne Lügen von Tara Isabella Burton

New York, eine vermeintliche Freundschaft und menschliche Abgründe, dass macht den Roman „So schöne Lügen“ aus. Wobei ich tatsächlich finde das es eher ein Thriller ist, denn die ein oder andere Stelle ist schon schockierend. Der Roman von Tara Isabella Burton erscheint am 17. Mai im Dumont Buchverlag und ich durfte für Euch schon einmal hinein lesen.

Louise und Lavinia

Lavinia ist ein verwöhntes, Reiches Mädchen, was in New York ohne ihre Eltern in einem teuren Apartment lebt. Ihre Eltern denken, dass sie ein Jahr Auszeit nimmt von ihrem Studium und sie ahnen nicht, dass ihre Tochter nur von einer Party zur nächsten zieht. Sie ist jung, hübsch und ziemlich durchgeknallt. Ihr Leben ist durch den Rückhalt ihrer Eltern sehr sorglos.

Louise hingegen muss jeden Penny zweimal umdrehen. Sie hat mehrere Jobs, um sich ein billiges Zimmer leisten zu können, was nicht einmal in Manhattan liegt. Sie möchte Schriftstellerin werden, hat aber nicht den nötigen Biss dazu. Sie hat kaum Freunde, daher ist sie überglücklich, als sie Lavinia kennen lernt.

Ist das wirklich Freundschaft?

Wenn in einer Freundschaft die Unterschiede so groß sind, dann kann es auf Dauer nicht passen. Es ist ein kleines Klischee, die typische New Yorker Geschichte, so soll der Leser zumindest glauben. Doch „So schöne Lügen“ beschreibt weit mehr als das! Tara Isabella Burton erzählt uns hier von menschlichen Abgründen. Die Tiefe von verrückten Seelen, welche wir nicht zu kennen glauben.

Louise und Lavinia sind lange Zeit unzertrennlich und das Blatt wendet sich nur so nach und nach. Lavinia weiß, dass Louise sie betrügt, doch Oberflächlichkeit ist ihr nicht fremd. Sie nimmt es hin, sie denkt sie schafft für Louise ein besseres Leben. Erst als Lavinias Exfreund mit ins Spiel kommt, gerät ein Stein ins Rollen. Eifersucht und Neid, die mit Abstand schlimmsten Feinde des Menschen. Beide Eigenschaften bringen dich dem Abgrund so nah, dass Fallen vorprogrammiert ist.

Lavinia wendet sich ab und Louise lernt noch eine schlechte Eigenschaft kennen: Einsamkeit und Verlustangst. Die Frage ist nur, was wiegt schwerer? Die Angst Lavinia zu verlieren, oder der Verlust von plötzlichem Reichtum?

Ein Ende mit Schrecken und voll von Lügen

Das am Ende alle Lügen raus kommen, dass wissen wir alle und dennoch geht ein Jeder anders damit um. Louise schöpft aus einer Lüge Kraft für viele weitere und am Ende findet sie keinen Ausweg mehr. Zwischen Party’s, Drogen und einer neuen Liebe findet sie sich inmitten ihres eigenen Chaos wieder. Unfähig überhaupt noch einen klaren Gedanken zu fassen. Wenn das Handeln nur noch von Emotionen getragen wird. Tara Isabella Burton nimmt den Leser mit, tief in den Abgrund des menschlichen Wesens nimmt sie jeden mit sich. „So schöne Lügen“ ein Roman, der noch lange nachwirken wird. Nichts für schwache Nerven wenn ihr mich fragt. Jeder von uns hat menschliche Seiten und ein jeder von uns steht ganz oft selbst am Abgrund. Wir treffen unsere Entscheidungen Weise, die meisten jedenfalls. Ein großartiger Roman, mit ganz viel Tiefe. Danke das ich das Exemplar lesen durfte- ich vergebe fünf von fünf Sternen, eine absolute Empfehlung. Definitiv Potential für meine Top Bücher in 2019.

Rezensionsexemplar/ Dumont Buchverlag/ Gebundene Ausgabe/ Mai 2019/ 22,00 €

P.S.: Ich liebe den Buch Umschlag! So super schön – ein Grund mehr es zu mögen. 😉

So enden wir – Daniel Galera

„Der Mensch wäre nicht das erste Wesen, das aus einem Übermaß an evolutionären Vorteilen heraus seine eigene Auslöschung herbeiführte. Nicht einmal darin waren wir etwas Besonderes..“

So enden wir“ ist das neuste Buch, was ich beendet habe. Ich habe dieses Buch aus dem Suhrkamp Verlag bekommen, mein erstes aus diesem Verlag. Daniel Galera war mir also vorher nicht bekannt gewesen und ich konnte nicht ahnen was mich erwarten wird. Ich probiere gerne neue Dinge aus und schrecke auch nicht vor neuen Autoren zurück – ganz im Gegenteil. Ich finde in der Literatur sollte man immer mal wieder ein neues Kapitel öffnen und schauen, was sich dahinter verbergen mag. „So enden wir“ ist eine zeitgenössische Erzählung von Menschen meiner Generation. Ich habe in der letzten Zeit das ein oder andere Buch gelesen, welches kurz vor der Jahrtausendwende geschrieben wurde und ich erlebe nun, dass es vielen Menschen zu der Zeit recht ähnlich ging. Im Glauben, die Apokalypse stände uns bevor, haben wir alle gehofft, wir seien unsterblich. Aber auch die Angst vor dem, was danach kommen konnte hat diese Generation deutlich geprägt.

Vier Freunde und eine Vergangenheit

Aurora, Andere und Emiliano treffen sich am Grab ihres Freundes Duke, er wurde erschossen, von einem Dieb, der nur sein Handy stehlen wollte. Oder steckt am Ende vielleicht doch mehr dahinter? Als junge Erwachsene kurz vor dem großen Millennium haben die vier ihren Durchbruch mit der Internetperformance Orangotango. Alle vier sind talentierte, ich glaube heute würde man sagen „Blogger“, welche die digitale Welt des neuen Jahrtausends beherrschen wollen. Gerade im Jahr 2000 war alles digitale noch neu und es gab noch so viel zu entdecken. Man war im Glauben, dass einem von heute auf morgen die Welt gehören kann. So auch diese vier! Im Laufe des Buches stellt sich heraus, dass keiner von ihnen den richtigen Weg gefunden hat. Erst am Grab von Duke wird allen so richtig bewusst, dass sie einen falschen Weg eingeschlagen haben und das alle Träume weit entfernt davon liegen. Die Erzählungen spielen in Porto Alegre im Jahr 2014, wo gerade Streiks an der Tagesordnung sind und wo die Welt droht daran zu zerbrechen. Allen vieren wird bewusst, dass alles was sie vom Leben erwartet haben sich so langsam in Wohlgefangen aufzulösen droht.

Der Klappentext

Am Grab ihres alten Mitstreiters kommen Aurora, Antero und Emiliano zusammen, nach einer gefühlten Ewigkeit wie Fremde. Damals waren sie unsterblich – Helden einer neuen digitalen Gegenkultur, wütend und exzessiv -, jetzt ist der genialste von ihnen tot. In seinen Büchern scheint er ihnen ein Rätsel hinterlassen zu haben. Oder ist es eine Warnung?

Meine eigene Meinung

Ich bin mir wirklich sehr unsicher, ob ich das Buch mag oder nicht?! Was mir gefallen hat, war die klare und unverblümte Sprache. Der Autor hat ausgedrückt was er denkt und die Protagonisten haben kein Blatt vor den Mund genommen. Immer wieder tauchen sexuelle Szenen in der Erzählung auf, welche einen erschrecken lassen. Auch hier hat der Autor sich einer sehr deutlichen Sprache bedient. Ich habe das Buch mehrfach weg gelegt und neu begonnen. Ich war sogar kurz davor es ganz abzubrechen. Mir war es zu radikal, zu ehrlich und zu verbittert. Es hält der Generation Millennium einen Spiegel vor, welchen dieses Jahrhundert nicht zwingend verdient hat. Es gibt durchaus wahre Aspekte und deutliche Verbindungen zu realen Welt, aber so grau und schwarz umschrieben, dass ich es irgendwie nicht richtig mochte. Dennoch habe ich einen Lichtblick in diesem Buch gefunden, ein Zitat, welches mich hoffen lässt.

Lieblingszitat

„Die Moral von der Geschichte war, dass man hochhalten müsse, was uns zu Menschen machte, und dazu gehörte auch die Angst vor dem Tod und vor der Apokalypse. Diese und alle anderen Empfindungen und Werte müsse man teilen und weitergeben, egal wie abgefuckt wir oder die Welt waren, immer im Hinblick auf die ideelle Einheit, in der alles Leben vergeht, um sich wiederzufinden, die Verbindung mit dem Leben anderer, die Hingabe, die es und erlaubte, uns im Leben aufzulösen statt im Tod…..“

Mein Schlusswort

Am Ende bleibt zu sagen, dass es Gute und Schlechte Aspekte in diesem Buch gegeben hat. So düster es auch war, so wahr waren auch so manche Einwände gegen die heutige Zeit. Eine Zeit in der alles schneller und besser sein muss und in der wir Menschen vielleicht tatsächlich irgendwann unseren eigenen Absturz produzieren werden. Danke an den Suhrkamp Verlag für dieses Buch, ich habe es trotz der Schwierigkeiten durchgezogen und bin froh darüber.

Rezensionsexemplar / Suhrkamp Verlag / Gebundene Ausgabe / Auflage 2018 / 22,00€

Die Wahrheit über das Lügen von Benedict Wells

Ich habe heute wieder einen Benedict Wells für Euch im Gepäck! „Die Wahrheit über das Lügen„, sein neuestes Werk aus dem Hause Diogenes durfte ich in der letzten Woche lesen und möchte Euch diesen nun auch nicht vorenthalten. Ich bin ein bekennender Benedict Wells Fan und habe mich daher riesig über dieses Rezensionsexemplar von „Die Wahrheit über das Lügen“ gefreut. Ich mag seinen Schreibstil unglaublich gerne, denn er bedient sich einfachster Schreibweise und dennoch haben seine Worte so viel Kraft. In diesem kleinen Büchlein findet man zehn kleine Geschichten, unter anderem eine noch nicht veröffentliche Geschichte aus seinem Buch “ Vom Ende der Einsamkeit„.

Zehn kleine Geschichten 

Ich war vorher nie ein Fan von Kurzgeschichten, muss ich leider an dieser Stelle gestehen, aber wenn es um Benedict Wells geht, komme ich nicht umhin es zu versuchen. Jede der kleinen Geschichten hat etwas magisches und jede für sich, hat einen ganz besonderen Zauber. Die ein oder andere Geschichte ist tief traurig und berührend und zugleich so wunderschön. Schon die erste Geschichte “ Die Wanderung“ ist sehr bewegend. Ein Mann der für seinen Job lebt und selbst an einem Familienwochenende nicht aufhören kann zu arbeiten. Er begibt sich auf eine Wanderung und denkt während dieser immer öfter an seine großartigen Kinder und seine liebevolle Frau, welche zu Hause auf ihn warten. Am Ende der Wanderung allerdings stellt sich heraus, dass er nur aus Erinnerungen gezehrt hat und das in Wahrheit seine kleine heile Welt, gar nicht mehr so friedlich ist. Er registriert bei dieser Wanderung, dass er sein Leben an die Arbeit vergeudet hat und seine Familie darüber völlig vernachlässigt hat…leider zu spät. Gerade diese erste Geschichte hat mich bewegt, denn kennt man das nicht selbst? Man arbeitet und arbeitet und vergisst manches Mal die wichtigen Dinge im Leben? Eine hoch emotionale erste Geschichte in diesem tollen Buch.

Die Nacht der Bücher – Eine Weihnachtsgeschichte

Oh mein Gott – ich liebe diese kleine Geschichte so sehr! Zwei Teile dieser Geschichte sind auch aus dem Buch “ Vom Ende der Einsamkeit“ entsprungen. Jeder der Bücher liebt, der kann bei dieser Geschichte nicht umhin, sich in diese zu verlieben. Es ist Weihnachtsabend und die großen Geschichten dieser Welt finden sich in einer Bibliothek zusammen und wollen heraus finden, wer an diesem bedeutenden Abend die Weihnachtsgeschichte vorliest. Von Tolstoi über Hemingway bis hin zu Shakespeare – alle tollen Geschichtenerzähler sind erwähnt und man beginnt zu träumen. Jede noch so bedeutende Geschichte aus der Literatur ist kurz erwähnt und man kann sich regelrecht vorstellen, wie man in dieser alten, verstaubten Bibliothek sitzt und wie man den Büchern beim diskutieren zu hören kann. Wirklich eine kleine, wunderbare Geschichte.

Benedict Wells der Künstler unserer Zeit

Ich bin mir bewusst, dass ich in diesem Beitrag durchweg am schwärmen bin, aber ich kann auch einfach nicht anders. Ich bin begeistert von diesem Autor und ich finde, dass er der Künstler schlecht hin der Literatur von heute ist. Irgendwann wird es eine Geschichte wie die seine geben, in der ein Benedict Wells neben einem Tolstoi steht und auch als herausragende Literatur beachtet wird. Und dann werden sich die anderen verstaubten Bücher mit ihm darüber streiten, wer denn wohl die Weihnachtsgeschichte vorlesen mag.

Eine letzte Anmerkung zu einer Geschichte habe ich noch: ich bin ein absoluter Star Wars Fan und die Geschichte “ Das Franchise“ hat mich schockiert…nicht im negativen Sinne…George Lukas ist nicht der echte Erfinder dieses Epos? Oder vielleicht doch…?…, eine großartige Geschichte über die Wahrheit…“Die Wahrheit über das Lügen„.

Danke an den Diogenes Verlag für dieses Lesevergnügen. Ich kann es nur empfehlen und hoffe es werden noch sehr viele Menschen lesen, denn es ist großartig.

 

Rezensionsexemplar / Diogenes Verlag / Auflage 2018 / 244 Seiten / 22,00€/ Hardcover