So enden wir – Daniel Galera

„Der Mensch wäre nicht das erste Wesen, das aus einem Übermaß an evolutionären Vorteilen heraus seine eigene Auslöschung herbeiführte. Nicht einmal darin waren wir etwas Besonderes..“

So enden wir“ ist das neuste Buch, was ich beendet habe. Ich habe dieses Buch aus dem Suhrkamp Verlag bekommen, mein erstes aus diesem Verlag. Daniel Galera war mir also vorher nicht bekannt gewesen und ich konnte nicht ahnen was mich erwarten wird. Ich probiere gerne neue Dinge aus und schrecke auch nicht vor neuen Autoren zurück – ganz im Gegenteil. Ich finde in der Literatur sollte man immer mal wieder ein neues Kapitel öffnen und schauen, was sich dahinter verbergen mag. „So enden wir“ ist eine zeitgenössische Erzählung von Menschen meiner Generation. Ich habe in der letzten Zeit das ein oder andere Buch gelesen, welches kurz vor der Jahrtausendwende geschrieben wurde und ich erlebe nun, dass es vielen Menschen zu der Zeit recht ähnlich ging. Im Glauben, die Apokalypse stände uns bevor, haben wir alle gehofft, wir seien unsterblich. Aber auch die Angst vor dem, was danach kommen konnte hat diese Generation deutlich geprägt.

Vier Freunde und eine Vergangenheit

Aurora, Andere und Emiliano treffen sich am Grab ihres Freundes Duke, er wurde erschossen, von einem Dieb, der nur sein Handy stehlen wollte. Oder steckt am Ende vielleicht doch mehr dahinter? Als junge Erwachsene kurz vor dem großen Millennium haben die vier ihren Durchbruch mit der Internetperformance Orangotango. Alle vier sind talentierte, ich glaube heute würde man sagen „Blogger“, welche die digitale Welt des neuen Jahrtausends beherrschen wollen. Gerade im Jahr 2000 war alles digitale noch neu und es gab noch so viel zu entdecken. Man war im Glauben, dass einem von heute auf morgen die Welt gehören kann. So auch diese vier! Im Laufe des Buches stellt sich heraus, dass keiner von ihnen den richtigen Weg gefunden hat. Erst am Grab von Duke wird allen so richtig bewusst, dass sie einen falschen Weg eingeschlagen haben und das alle Träume weit entfernt davon liegen. Die Erzählungen spielen in Porto Alegre im Jahr 2014, wo gerade Streiks an der Tagesordnung sind und wo die Welt droht daran zu zerbrechen. Allen vieren wird bewusst, dass alles was sie vom Leben erwartet haben sich so langsam in Wohlgefangen aufzulösen droht.

Der Klappentext

Am Grab ihres alten Mitstreiters kommen Aurora, Antero und Emiliano zusammen, nach einer gefühlten Ewigkeit wie Fremde. Damals waren sie unsterblich – Helden einer neuen digitalen Gegenkultur, wütend und exzessiv -, jetzt ist der genialste von ihnen tot. In seinen Büchern scheint er ihnen ein Rätsel hinterlassen zu haben. Oder ist es eine Warnung?

Meine eigene Meinung

Ich bin mir wirklich sehr unsicher, ob ich das Buch mag oder nicht?! Was mir gefallen hat, war die klare und unverblümte Sprache. Der Autor hat ausgedrückt was er denkt und die Protagonisten haben kein Blatt vor den Mund genommen. Immer wieder tauchen sexuelle Szenen in der Erzählung auf, welche einen erschrecken lassen. Auch hier hat der Autor sich einer sehr deutlichen Sprache bedient. Ich habe das Buch mehrfach weg gelegt und neu begonnen. Ich war sogar kurz davor es ganz abzubrechen. Mir war es zu radikal, zu ehrlich und zu verbittert. Es hält der Generation Millennium einen Spiegel vor, welchen dieses Jahrhundert nicht zwingend verdient hat. Es gibt durchaus wahre Aspekte und deutliche Verbindungen zu realen Welt, aber so grau und schwarz umschrieben, dass ich es irgendwie nicht richtig mochte. Dennoch habe ich einen Lichtblick in diesem Buch gefunden, ein Zitat, welches mich hoffen lässt.

Lieblingszitat

„Die Moral von der Geschichte war, dass man hochhalten müsse, was uns zu Menschen machte, und dazu gehörte auch die Angst vor dem Tod und vor der Apokalypse. Diese und alle anderen Empfindungen und Werte müsse man teilen und weitergeben, egal wie abgefuckt wir oder die Welt waren, immer im Hinblick auf die ideelle Einheit, in der alles Leben vergeht, um sich wiederzufinden, die Verbindung mit dem Leben anderer, die Hingabe, die es und erlaubte, uns im Leben aufzulösen statt im Tod…..“

Mein Schlusswort

Am Ende bleibt zu sagen, dass es Gute und Schlechte Aspekte in diesem Buch gegeben hat. So düster es auch war, so wahr waren auch so manche Einwände gegen die heutige Zeit. Eine Zeit in der alles schneller und besser sein muss und in der wir Menschen vielleicht tatsächlich irgendwann unseren eigenen Absturz produzieren werden. Danke an den Suhrkamp Verlag für dieses Buch, ich habe es trotz der Schwierigkeiten durchgezogen und bin froh darüber.

Rezensionsexemplar / Suhrkamp Verlag / Gebundene Ausgabe / Auflage 2018 / 22,00€

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.