Thomas Mann – Buddenbrooks

Was für eine Geschichte! Ich habe lange überlegt, ob ich mich an einen Thomas Mann heran trauen möchte. Ich war bereits beim Zauberberg verzweifelt. Bücher aus der Zeit erscheinen einem zuweilen langwierig und zu schwere Kost für die heutige Zeit. Nicht so Buddenbrooks. Diese Familiengeschichte hat mich seit Beginn des Jahres 2022 begleitet. Auch hier habe ich dieses Buch in einer Lesegruppe gelesen und bin froh, dass wir es durch gezogen haben. Thomas Mann konnte auf jeden Fall wunderbar Familientragödien schreiben. Seine visuelle Sprache hilft einem dabei, sich in seine Welt denken zu können. Viele Stellen in diesem Buch haben mich wirklich beeindruckt.

Familie Buddenbrooks

Wir begleiten die Familie Buddenbrooks und beginnen mit dem Konsul Johann Buddenbrook. Dieser hat mit seiner Gattin drei Kinder: Thomas, Christian und Antonie ( Tony ). Alle drei wachsen in einem goldenen Zeitalter auf, das Handelsunternehmen ihres Vater, dieser ist Kaufmann, läuft sehr gut und die Familie Buddenbrooks hat ein großes Ansehen in der Stadt Lübeck. Sie wohnen in einem großen Haus, geben oft Gesellschaften und das Familienunternehmen steht an erster Stelle. Besonders in Sohn Thomas setzt der Konsul all seine Hoffnung. Er soll eines Tages das Geschäft weiter führen. Die drei wachsen als Kinder noch sehr unbeschwert auf. Sie haben alles was sie brauchen und noch keine Sorgen, noch ahnen sie nicht, was sie noch erleben werden.

Tony

Tony wächst zu einer hübschen jungen Frau heran und natürlich muss sie schnellstmöglich heiraten. Konsul Buddenbrooks nimmt dafür eine hohe Mitgift auf. Sie heiratet den Kaufmann Grünlich. Ein sehr unangenehmer Zeitgenosse, wenn man mich Fragen würde. Er war mir von Anfang an unangenehm und unsympathisch in diesem Buch. Gemeinsam zeugen sie die Tochter Erika und scheinen ein fast glückliches Leben in Hamburg zu führen. Doch Grünlich ist eigentlich Pleite und hat die Hochzeit nur genutzt, um an neues Geld heran zu kommen. Als Tony das merkt wendet sie sich an ihren Vater und die Ehe wird sofort beendet. Scheidung Nummer 1. Man muss dazu sagen, dass Tony sich vor der Hochzeit mit Grünlich eigentlich in einen anderen verliebt hatte. Der kam jedoch nicht aus einer angesehenen Familie. Grünlich hatte sie auch nur aus reinem Pflichtgefühl heraus geheiratet. Die zweite Ehe schloss sie mit dem Bayer Permaneder. Auch hier beginnt alles recht glücklich, bis er ihr fremd geht. Johann Buddenbrooks ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot und Thomas muss nun für seine Schwestern eintreten. Er versteht den Ärger zunächst nicht, denn ein fremdgehen könnte man doch verzeihen, seiner Meinung nach. Heutzutage gar nicht vorstellbar, dass man damals so gedacht hat. Also Scheidung Nummer 2. Tony ist somit eher das schwarze Schaf der Familie und entscheidet ab da für sich zu bleiben und sich ihrer Tochter Erika zu erfreuen. Doch auch Erika erlebt eine Scheidung. Alles finanziert aus dem Vermögen der Firma Buddenbrooks.

Thomas

Thomas ist das Oberhaupt der Familie nach dem Tod seines Vaters Johann. Von ihm wurde schon immer viel erwartet. Mit Anfang dreißig muss er nun eine Familie und ein Unternehmen führen. In der heutigen Zeit würde das viele junge Männer überfordern, denke ich. Er selbst heiratet die schöne Gerda aus Amsterdam. Sie liebt die Musik und verdreht Thomas den Kopf. Die meisten mögen sie aber nicht, da sie ein eher kühles Wesen hat. Sie unterstützt ihren Mann leider auch wenig und betrügt ihn eines Tages sogar. Dennoch haben sie gemeinsam einen Sohn, Johann Junior oder kurz Hanno genannt. Hanno lebt in seiner eigenen Welt. Er liebt es Klavier zu spielen und er hat überhaupt nichts übrig für die Firma Buddenbrooks. Sehr zum Leid von Thomas, denn er hätte ihn irgendwann gerne als Erben gesehen. Wer Thomas das Leben noch schwer macht, ist der Bruder Christian. Er ist eher ein Herumtreiber. Er arbeitet zwischendurch in London und will von den Pflichten zu Hause auch nicht viel hören. Thomas ärgert das sehr, denn er könnte Unterstützung gebrauchen. Als Thomas eines Tages nach einem missglückten Zahnarztbesuch nach Hause gehen möchte, fällt er auf der Straße um und stirbt an seinen Verletzungen. Er hatte schon vorher immer wieder Probleme mit den Lungen gehabt und hat sich eindeutig mehr als überarbeitet. Die ganze Last der Familie Buddenbrooks lag auf ihm und diese hat ihn irgendwann zerdrückt. Eigentlich ist Thomas mein Lieblingsprotagonist in diesem Buch, denn mit ihm hatte ich sehr viel Mitgefühl. Er wirkte oftmals zu streng, aber er hat alles nur für die Familie getan, um sein Versprechen seines Vaters gegenüber einzuhalten.

Christian

Er war eindeutig der glücklichere Bruder. Er hat sein Leben einfach gelebt und hatte immer einen lustigen Spruch auf Lager. Gesundheitlich war er zwar auch nie ganz fit und konnte auch gut darüber lamentieren, aber im Grunde hatte er es gut. Er hat das Erbe nicht angetreten und hat sich auch sonst schön heraus gehalten. Zu Feierlichkeiten oder Beerdigungen kam er, aber sonst war er viel unterwegs. Er verliebte sich eines Tages in eine Theaterdarstellerin, sehr zum Unverständnis seiner Familie. Vor allem Thomas war darüber nicht sehr begeistert. Die beiden Brüder stritten sich oft. Christian fand Thomas immer zu ernst und zu streng und Thomas kam mit der lockeren Art von Christian nicht klar und hielt ihn für verantwortungslos. Was ja auch meiner Meinung so war. Christian als Protagonist war super interessant, aber ich glaube als Bruder wirklich selten zu gebrauchen.

Meine eigene Meinung

Ich könnte noch stundenlang aus diesem Buch erzählen, denn es gab durchaus noch ganz viele weitere Darsteller in diesem Familiendrama. Nicht umsonst hat dieses Buch so viele Seiten. Mich hat es begeistert, wie gut Thomas Mann den Verfall dieser Familie verpacken konnte. Er hat einen wahnsinnigen tollen Schreibstil gehabt. Er hat den Leser mit genommen und konnte diese tragische Geschichte irgendwie noch fröhlich erzählen. Ganz große Kunst. Ich glaube Buddenbrooks ist eines meiner liebsten klassischen Bücher bisher. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen, wenn man mal Klassik lesen möchte. Es ist lang und zwischendurch auch mal zäh, aber es lohnt sich sehr. Danke noch mal an die liebe Kerstin und die liebe Ann-Kathrin, dass wir dieses Buch gemeinsam gelesen haben. Als Buddyread war es super geeignet und es war so spannend drei verschiedene Blickwinkel auf dieses Buch zu bekommen. Ich habe, wie man auf den Bildern sehen kann, unzählige Stellen markiert, aber ich möchte auch nicht noch tiefer in die Geschichte vorgreifen- denn man muss sie gelesen haben.

Selbst gekauft/ S.Fischerverlag/ 13. Auflage 2017/ 759 Seiten/ 20€

Paul Jankowski – Das Wanken der Welt

Ich habe mich seit langem mal wieder an ein geschichtliches Sachbuch ran gewagt. Ich lese gerne Sachbücher, aber ich muss auch die nötige Lust dazu haben. In diesem Fall hatte ich wirklich große Freude daran, dieses Buch zu lesen. Mich interessiert die Geschichte rund um den zweiten Weltkrieg sowieso, weil ich gerne mehr erfahren möchte, als die Schulen uns gelehrt haben. Und in „Das Wanken der Welt- Wie 1933 der Weltfrieden verspielt wurde“ ist im Prinzip die Vorgeschichte zum zweiten Weltkrieg, eine Zeit zu der ich in der Schule rein gar nichts gelernt habe. Der erste Weltkrieg kommt meistens gar nicht vor und beim zweiten Weltkrieg lernt man auch immer nur die deutsche Sicht kennen. In “ Das Wanken der Welt“ ist es aber so, dass alle Seiten bedacht werden. Alle Länder die sich nach dem ersten Weltkrieg dem sogenannten Völkerbund anschlossen, werden in diesem Buch berücksichtigt. So bekommt der Leser einen wunderbaren Eindruck, wie die einzelnen Länder und deren Staatsoberhäupter zwischen den Kriegen agiert haben. Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar vom S.Fischerverlag bekommen und freue mich sehr, dass ich es lesen durfte.

Wie 1933 der Weltfrieden verspielt wurde

Um das ganze Buch zu verstehen, muss man es tatsächlich lesen. Ich könnte es nie in Gänze wieder geben, aber ich kann ein paar Fakten nennen, welche ich mir heraus geschrieben habe. Ich habe versucht zu verstehen, was damals geschehen ist. Ich muss sagen, dass Buch ist sehr gut aufgebaut, denn jedes Land hat sein eigenes Kapitel. Natürlich ist Hitler sehr oft genannt in diesem Buch, schließlich hat er schlussendlich die Welt noch mehr ins Wanken gebracht. Im Prinzip einigen sich die Staaten nach dem ersten Weltkrieg sich mit dem Völkerbund ein Versprechen zu geben, sie wollen zu dem Zeitpunkt keinen Krieg mehr und möchten, dass jeder Staat seine Schulden bei dem jeweils anderen begleichen kann. Heutzutage würde man es ein Abkommen nennen. Der Völkerbund entstand 1920 als Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz. Die ersten Jahre hielt das Ganze auch noch an, doch mit Jahr um Jahr kamen die Gedanken der einzelnen Länder ins Wanken. Viele Völker waren in Sorge, denn es herrschte nach dem ersten Weltkrieg eine Depression. Die Weltwirtschaft hatte durch den Krieg gelitten und in vielen Ländern versuchte man die Schäden zu beseitigen und Hunger gab es leider auch noch eine Menge in der Welt.

Der erste „Diktator“ wurde in Italien 1922 ins Amt gewählt. Mussolini wurde Ministerpräsident von Italien. Er war zwar nicht so sehr in Kritik wie Hitler, aber dennoch nicht zu unterschätzen. 1927 folgte dann Josef Stalin als Diktator der Sowjetunion und 1932 dann unser bekannter Hitler. Alle Drei waren jede Menge Munition, um einen neuen Krieg zu beginnen. Außerdem gab es immer noch Unstimmigkeiten zwischen Japan und China und Japan viel 1932 in China ein. Die USA wollte sich erst einmal aus allem raus halten und das eigene Land schützen. Nach Hoover, welcher den ersten Weltkrieg Präsident der vereinigten Staaten war, folgte Roosevelt. Er war einer der beliebtesten Präsidenten in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er musste das Land durch den zweiten Weltkrieg führen und starb zum Ende des Krieges an seiner schweren Krankheit.

Ein weiterer Part in der Geschichte spielte Stalin. Er führte die Sowjetunion bis lange nach dem zweiten Weltkrieg mit starker Diktatur. Er ließ 1927 bis 1932 eine Kollektivierung der Landwirtschaft in der Ukraine erwirken. Jeder Bauer*in durfte seine Ernte nicht behalten, sondern musste diese an den Staat abgeben. Wieder andere wurden vom Staat gekauft oder das Land wurde auch komplett verkauft und enterbt. Zwischen 1928 und 1929 starben mehrere Millionen Menschen an Hungerleiden. Stalin ließ die Menschen in der Ukraine absichtlich verhungern. Ich finde diesen Teil der Geschichte sehr wichtig, denn alle haben immer nur ein Auge auf Deutschland geworfen, wenn es um die Zeit zwischen und während dem zweiten Weltkrieg geht. Aber Stalin war mindestens genauso grausam wie Hitler es war und wahrscheinlich waren auch beide die Initiatoren dieses unsagbar grausamen Krieges. Eigene Meinung, kann falsch sein, aber so denke ich nun mal. Denn unabhängig wer diesen Krieg begonnen hat, in diesem Buch geht hervor, dass einige Länder es genauso wollten und heimlich schon dafür planten.

Als 1932 Hitler als Bundeskanzler ins Amt trat, so dachte man zuerst, dass nichts schlimmes passieren würde. Ein so nüchterner Mann kann doch kein Diktator werden, so dachte man. Er war unscheinbar, wenn auch böse, aber man hatte ihn damals eindeutig unterschätzt. Auch das Regime der Nazis hat sich erst nach und nach gebildet. Mit immer kleinen Spitzen, wie z.B. der Bücherverbrennung 1933 oder dem Reichstagsbrand wurde immer mehr klar, dass Hitler zu mehr fähig war. Nur die Oberhäupter der anderen Länder haben die Gefahr nicht sofort erkannt, viele wollte sogar mit ihm kooperieren.

Klaus Mann schrieb damals: “ Du willst Deutschland regieren? Diktator willst du sein? Mit der komischen Nase? Daß ich nicht kichere!….Du kommst nie zur Macht!“ Doch auch er sollte sich täuschen. Und spätestens als seines Vaters Bücher verbrannt wurden, muss es ihm klar geworden sein. Die New York Post schrieb damals, er sei der Innbegriff des kleinen Mannes. Unterschätzt, wie ich bereits sagte. Doch würden wir in dieser Zeit leben, so würden wir vielleicht gleich denken. Das Problem war, dass das Volk nach dem ersten Weltkrieg den Mut verloren hatte. Man wusste nicht, wo die Reise hingehen soll. Die Wirtschaft wurde nicht so richtig angekurbelt und der „kleine Mann“ hatte zumindest einen Plan. Zu der Zeit war auch noch nicht ganz das Ausmaß seines Judenhasses klar. Die Menschen folgten ihm, weil er eine Perspektive bot, wenn sie sich nun zum Ende als die falsche Perspektive heraus gestellt hatte.

Meine eigene Meinung

Wie bereits beschrieben, kann man dieses Buch ganz schlecht wieder geben. Man kann nur erahnen, wie diese ganzen Ereignisse zu dem geführten haben, was danach folgte. Doch dieses Buch gibt einem zumindest eine Idee davon. Fakten die aus der Geschichte resultieren. Paul Jankowski hat sehr gut recherchiert und hat anschaulich erklärt, wie es damals in den zweiten Weltkrieg geführt hat. Trotz das es ein Sachbuch ist, ist es sehr locker geschrieben. Ich finde es hat einen sehr guten Schreibstil für so ein schweres Thema. Es sind auf jeden Fall 464 Seiten Informationen, von denen so ziemlich jede wichtig ist. Ich habe zumindest jede Menge Post It’s gesetzt und mir einen Notizzettel mit Daten geschrieben, um alles für diese Rezension auf dem Schirm zu haben. Ich hoffe es ist mir gelungen einen Eindruck von diesem Buch zu geben. Wenn dieses Thema interessiert, der sollte es lesen. Achso eine Anmerkung noch, in der Mitte des Buches gibt es Fotos von damaligen Zeitungsartikeln und Propaganda Plakaten, teilweise sind diese wirklich lesenswert und interessant. Sehr gut gelungen ist es auf jeden Fall, diese mit einzubringen. Danke an den S.Fischerverlag für dieses Rezensionsexemplar.

Rezensionsexemplar/ S.Fischerverlag/ Gebundene Auflage von 2021/ 464 Seiten ohne Dank und Quellenverzeichnis/ 39,00 €

Der Wal und das Ende der Welt von John Ironmonger

Der Wal und das Ende der Welt ist ein Buch, was einen glauben lässt, dass der Autor in die Zukunft schauen konnte. John Ironmonger beschreibt in seinem Roman eine Situation, die uns heute sehr bekannt sein dürfte. Der Wal wird als Symbol beschrieben, als Bote, der uns das Ende der Welt prophezeien soll. Oftmals findet man solche Symbole auch in der Traumdeutung, denn der große Wal kann eine Bedrohung darstellen, eine Warnung. Sehr gut eingearbeitet von unserem Autoren muss ich sagen.

Der Wal

Joe ist Broker aus London und schaut eigentlich täglich nach den besten Kursen an der Börse und versucht heraus zu finden, wo er zuschlagen könnte. Er ist eigentlich Mathematiker und hat eine Maschine entwickelt, die Prognosen erstellt. „Cassie“ so heißt dieses System, kann durch Ereignisse und durch Aussagen von Experten ein Szenario erstellen, welche die Weltbörse beeinflussen kann. Viele politische und wirtschaftliche Ereignisse können Einfluss auf das Börsengeschehen nehmen und dieses filtert Cassie heraus und erstellt Prognosen. Joe ist stolz auf sein System, bis eines Tages Cassie eine grauenhafte Prognose gibt. Joe glaubt, dass er alles Geld verspielt hat und das durch seine Cassie eine Wirtschaftskrise entstehen könnte. Aus lauter Angst flüchtet er aus der Stadt und landet in einem kleinen, unbekannten Fischerdorf. In St. Piran geht er nackt schwimmen und droht unter zu gehen, wäre da nicht der Wal, der ihn sieht und an Land spült. Der Wal hatte ihm das Leben gerettet. Doch leider blieb dadurch der Wal auch im Watt stecken und kam nicht mehr zurück in den Ozean.

St. Piran

Die Bewohner des kleinen Fischerdorfes entdecken den nackten Joe und glauben, dass er sich umbringen wollte. Und auch den großen Wal entdecken sie und überlegen, wie sie helfen können. Einen so großen Wal hatte das Dorf bisher noch nie gesehen. Und das, wo in St. Piran doch nichts lange im Verborgenen bleibt. Die Bewohner retten dem Wal das Leben und sehen in Joe eine Art Messias. Was die Bewohner nicht wissen, Joe hat durch Cassie das Ende der Welt gesehen. Eine Grippe Epidemie bricht aus und das Öl wird knapp. St. Piran muss sich abschotten, um die Leben der Bewohner zu retten. Joe kommt auf den Gedanken, dass das Dorf Lebensmittel brauchen wird und davon jede Menge. Kurzerhand beschließt er, dass er den Kirchturm des Dorfes als Lager nutzen möchte, um genügend Lebensmittel für das Dorf zu kaufen. Er spendiert den Menschen eine Lösung für die annähernde Epidemie Welle. Man könnte meinen, dass der Autor Corona schon vor uns allen im Kopf gehabt haben muss. Die Gemeinsamkeiten der Geschichte sind erschreckend echt nachzuvollziehen.

„Das ist der größte Wahnsinn in der Geschichte der Menschheit, Joe. Wir haben die großartigste Gesellschaft erschaffen, die der Mensch je kannte – eine globale Gesellschaft. Wir kommunizieren über Kontinente hinweg, wir denken uns nichts dabei, wenn wir in ein Flugzeug steigen und zu einem Meeting nach Zürich oder Seattle oder Shanghai jetten. Und all das, alles, was wir erschaffen haben, beruht auf einer endlichen Flüssigkeit, die wir fleißig verbrennen. Haben Sie mal darüber nachgedacht, Joe?“

Meine eigene Meinung

Dieses Buch ist irgendwie erschreckend. John Ironmonger kennt unsere Zukunft ganz offensichtlich. Das unser Öl irgendwann knapp werden wird ist kein Geheimnis, aber die Kombination mit einer Grippe Epidemie ist schon erstaunlich. Im Prinzip beschreibt er mit seinem Roman die bittere Wahrheit unserer Gesellschaft. Wir klauen der Erde Ressourcen ohne darüber nachzudenken und müssen dann mit den Konsequenzen leben. Sie wie unser Körper sich gegen Antikörper wehrt, so wert sich auch die Erde vor unserem Eindringen. Ein großartiger Roman in meinen Augen, der uns die Augen öffnen soll. Noch dazu wird ein Protagonist erschaffen, der sich mehr um andere als sich selbst sorgt. Er erklärt uns, dass bei allen Prognosen nicht der menschliche Egoismus eingeschätzt werden kann. Und Joe macht es richtig und denkt nicht nur an sich selbst, aber Corona hat uns gezeigt, dass es doch einige Menschen gibt, die mit Egoismus durch diese Welt ziehen. Augenöffnendes Buch in meinen Augen und eine klare Empfehlung.

Selbst gekauft/ S.Fischer Verlag/ Taschenbuch Sonderedition/ 539 Seiten/ Auflage 2020/ 12€

Miss Bensons Reise von Rachel Joyce

Ein Buch über Freundschaft, Verlust und ein spannendes Abenteuer. Rachel Joyce ist eine großartige Autorin, die es schafft, sich in die Charaktere hinein zu versetzen. So auch in Miss Bensons Reise. Ich habe mich so sehr in die Protagonisten versetzen können, das ich bald glaubte, ich würde diese Reise selbst antreten.

Miss Benson

Margery Benson lebt zurückgezogen in London und arbeitet als Lehrerin. Sie hat sehr früh ihren Vater und ihre beiden Brüder auf tragische Weise verloren. Als die Mutter stirbt, wächst Margery dann bei ihren Tanten auf. Eines Tages ist sie ganz alleine und einen wirklichen Freundeskreis hat sie leider auch nicht. Margery wirkt zu Anfang langweilig und unsympathisch. Sie ist über die Jahre zu einer einsamen Frau ohne Perspektive geworden. Eines Tages jedoch zeichnen ihre Schüler ein Bild von ihr, welches sie in Schrecken versetzt und bei ihr im Kopf einen Schalter umlegt. Sie möchte diese Person nicht mehr sein, sie möchte ihre alten Träume verwirklichen. Denn eigentlich ist Margery Benson ein Käfer Fan, dieses hat sie von ihrem Vater in die Wiege gelegt bekommen. Als Kind hat sie oft die Geschichten ihres Vaters über die Käfer verfolgt und sie hatte schon damals nur ein Ziel. Sie wollte den goldenen Käfer von Neukaledonien finden. Neukaledonien ist eine kleine Insel in der Nähe von Australien und bedeutete für Margery eine kleine Weltreise. Doch sie wollte unbedingt diesen Käfer finden und zum Museum of Natural History bringen. Ich denke sie wollte das Erbe ihres geliebten Vaters vervollständigen und ihre Aufgabe erfüllen. Erst durch den Fund des Käfers könnte sie vielleicht mit dem Verlust ihres Vaters abschließen und ein neues Kapitel starten.

Enid Pretty

Um diese große Reise nicht alleine antreten zu müssen, suchte sich Margery eine Assistentin. Enid Pretty scheint auf den ersten Blick die falsche Person zu sein, jedoch ist sie die einzige, auf die Verlass zu sein scheint. Also begibt sich die quirlige, bunte Enid mit auf die große Reise. Enid und Margery könnten nicht unterschiedlicher sein. Enid ist jünger, bunter und freizügiger als Margery. Sie wirkt im Gegensatz zu ihr nicht so langweilig. Bereits zu Anfang wird klar, dass diese Reisebegleitung eine ganz andere Schärfe in diese Geschichte bringen wird. Denn Enid hat auch ein kleines Geheimnis, welches Margery aber nicht kennt. Es beginnt eine spannende Reise mit dem Schiff über den Ozean und eine Suche nach dem goldenen Käfer. Doch sie sind auch nicht alleine auf dem Weg nach Neukaledonien. Ein entfernter Bekannter von Margery reist ihnen hinterher und bringt ein paar Hürden in die Geschichte mit ein. Und auch auf Neukaledonien sind nicht alle Menschen auf ihrer Seite.

Freundschaft & Vertrauen

Ich finde dieses Buch vermittelt eine ganz besondere Botschaft von Freundschaft. Denn auch wenn die beiden Frauen zu Anfang sehr unterschiedlich sind, so finden sie doch zusammen. Sie verstehen, dass die Optik manchmal nichts damit zu tun hat, ob man nun zusammen passt oder auch nicht. Selbst die dunkelsten Geheimnisse der jeweiligen Anderen kann diese neugewonnene Freundschaft nicht erschüttern. Die Vergangenheit der Menschen ist es, die diese Geschichte prägen und die bei den beiden Frauen zu Vertrauen führt. Auch wenn deren Freundschaft jede Menge Hürden erfährt und auch nicht alles ein gutes Ende nimmt, so hilft es doch wenigstens, dass beide Frauen am Ende glücklich sein durften. Margery zumindest hat aus ihrem Loch heraus gefunden und kann ein neues Leben leben und vieles davon hat sie Enid zu verdanken.

Meine eigene Meinung

Ich könnte Euch noch mehr über diese Geschichte erzählen, aber das würde zu viel verraten. Ich bin immer versucht alles noch einmal nach zu erzählen, vor allem wenn mir ein Buch so gut gefällt wie dieses. Miss Benons Reise ist irgendwie ein besonderes Buch. Ich finde zum Jahresstart ist das schon mal ein echter guter Anfang und ich möchte gerne noch mehr von Rachel Joyce lesen. Sie transportiert ganz wunderbar die Gefühle ihrer Protagonisten und nimmt den Leser mit auf diese spannende Reise. Ich bewundere auch die Hauptprotagonistin für ihren Mut eines Tages doch diese Reise anzutreten. Ich weiß nicht, ob ich diesen Mut gehabt hätte. Bücher über kluge und mutige Frauen mag ich ja sowieso schon sehr gerne. Ich danke dem S.Fischer Verlag, dass ich dieses Buch lesen durfte und ich kann es nur wärmstens empfehlen. Gerade jetzt in der Lockdown Zeit verhilft dieses Buch zu einem kleinen Abenteuer.

S.Fischer Verlag / Gebundene Ausgabe / Auflage 2020 / 479 Seiten / 20,00€

Bücher Geheimtipp

Da die Buchhandlungen nun seit einer Woche wieder offen haben dürfen, habe ich mir gedacht, dass ich zu meinen Lieblingsbüchern ( den Link dazu noch einmal hier ) noch einen Geheimtipp Beitrag schreibe. Ich finde, dass gerade in den sozialen Medien oftmals die selben Bücher gezeigt werden und das ein wenig Vielfalt da nicht schaden kann. Es gibt jede Menge tolle Bücher und diese sollten auch unbedingt noch einmal in Erinnerung gerufen werden. Ich habe also vier Bücher aus meinen Regalen gesucht, welche ich besonders toll fand und welche ich gerne als Geheimtipp empfehlen möchte.

Der Honigbus

Ein ganz besonderes Buch war für mich „Der Honigbus“ von Meredith May aus dem S.Fischer Verlag. Meredith ist fünf Jahre alt, als ihre Eltern Meredith sich selbst überlassen. Nach der Trennung sind beide nicht in der Lage sich zu kümmern und das führt sie zu ihren Großeltern. Ihr Großvater liebt Bienen und hat diverse Bienenstöcke gezüchtet, dieses Handwerk möchte er seiner Enkelin weitergeben. In diesem Buch erlebt man eine solche Liebe und Wärme, die von diesem netten Großvater ausgeht, die unbeschreiblich ist. Seine Art mit den Bienen umzugehen und seine Art die Natur zu schätzen ist einfach großartig. Gerade wo wir alle wissen, dass Bienen geschützt werden sollten, ist es eine Empfehlung für das Buch und vor allem wegen der Bienen. Ich mochte dieses Buch so gerne und ich finde, dass sollten noch viel mehr Menschen lesen. Besonders mochte ich auch den Lebensweg, den Meredith eingeschlagen hat. Ein großartiges Buch über Tradition, Familie und die Liebe zur Natur.

Der Südelefant

Im letzten Jahr war Georgien Gastland der Buchmesse und aus dieser Zeit habe ich dieses Buch mit genommen. Ein Geheimtipp auf jeden Fall, denn ich denke, dass wenige es gelesen haben könnten. Zumindest kein Buch, was in den Medien gehyped wurde. Der Südelefant von Archil Kikodze erschien im Ullstein Verlag und spielt in Tblissi Georgien. Ein Mann wandert durch die Stadt und erinnert sich an Kindheitserinnerungen. Schöne Zeiten und auch schlechte Zeiten, an Menschen, an Umgebungen und an Ereignisse. Der Südelefant heißt es deshalb, weil er als Junge den prähistorischen Südelefanten in einem georgischen Museum gesehen hat. Er unternimmt mit seinem Leser quasi eine andere Art der Städtetour. Beim Lesen dieses Buches entstehen auf jeden Fall Bilder und man kann sich die Umgebung vorstellen. Ich fand es war ein großartiger Roman mit einem klasse Schriftsteller. Ein klassischer Geheimtipp.

Der vorletzte Samurai

Ein japanisches Abenteuer von Dennis Gastmann aus dem Rowohlt Polis Verlag. Ich mag seit ich denken kann Japan gerne und würde dort auch gerne einmal hinreisen. Natürlich hat mich genau deshalb dieses Buch auch so angesprochen. Zusammen mit seiner Frau Natsumi die von den Samurei abstammt bereisen sie das Land. Auch hier kann man sich alles ganz genau vorstellen. Jede Erzählung gibt einem das Gefühl in Japan zu sein oder schon einmal dort gewesen zu sein. Auf der Reise wird natürlich auch deren Beziehung auf die Probe gestellt, denn die traditionellen Werte Japans entsprechen nicht immer den unseren. Ich liebte dieses Buch und finde, dass es auch noch mehr Leser kennen sollten. Für Japan Liebhaber ist es auf jeden Fall ein Muss.

Heimkehren

Yaa Gyasi mit Heimkehren ist eines der besten Bücher der letzten Jahre für mich. Das im Dumont Buchverlag erschienene Buch ist eine Wucht. Tiefgründig, zu Weilen düster und unvorstellbar grausam, aber auch so hoffnungsvoll und liebevoll. Meine absolute Empfehlung schlecht hin.

Effia und Esi sind Schwestern, lernen sich aber nie kennen. Die Geschichten der Familien laufen ganz unterschiedlich ab. Die eine Seite vermag mehr Glück zu haben wie die andere, doch im Grund müssen sie sich alle dem Rassenhass aussetzen. Ein jedes Familienmitglied auf seine eigene, teils grausame Weise. Alles beginnt in Ghana im 18ten Jahrhundert und spielt bis in die heutige Zeit in Amerika eine Rolle. Die Nachkommen der beiden Schwestern versuchen unabhängig voneinander ihren Platz in der Welt zu finden, ihre eigene Heimat zu finden. Heimkehren heißt in dem Moment zu sich selbst finden und Geschehenes zu akzeptieren. Heimkehren heißt den Weg der Familie zurück verfolgen zu können, um zu wissen, woher man selbst kommt. Einfach unfassbar groß geschrieben. Definitiv aber kein Buch für schwache Nerven, denn Teile der Geschichte können sehr grausam und menschenunwürdig sein.

Das waren meine Geheimtipps für Euch, ich hoffe ich konnte Euch inspirieren. Ein Teil der Bücher waren Rezensionsexemplare, aber meine Auswahl war eine freie Wahl ohne Werbehintergrund. Ich freue mich auf Kommentare zu meinen Büchern. 😊

 

Kurt von Sarah Kuttner

Ich sitze am Schreibtisch und denke an das Buch Kurt von Sarah Kuttner. Im Radio läuft „Marie“ von Annen May Kantereit und irgendwie passt das ganz gut. Klare und einfühlsame Worte im Buch, als auch im Lied. Eine gute Kombination in meinen Augen. Kurt ist ein Buch, was noch lange wirkt und das, obwohl es so einfach geschrieben ist. Nun sitze ich hier, draußen ist es grau und nass und versuche das gelesene in Worte zu fassen und Euch zu berichten, was ich zu diesem Buch zu sagen haben.

Sarah Kuttner

Sarah Kuttner hat in meinen Augen einen großartigen Schreibstil. Sie ist unfassbar ehrlich und nennt alles genau beim Namen. Sie beschreibt so alltägliche Kleinigkeiten in einer detaillierten Fassung und nimmt so den Leser mit. Man ist hin und hergerissen zwischen mit weinen oder einfach nur laut lachen. Sie kann Freude und Leid gleichermaßen gut beschreiben und das ohne um den heißen Brei herum zu reden. Es war für mich ihr erstes Buch und ich hoffe da kommen noch ein paar. Ihr Buch Mängelexemplar werde ich mir auf jeden Fall im Nachgang noch kaufen müssen, denn ich bin nun ein kleiner Fan. Sorry an der Stelle, dass ich mein Fazit quasi schon in den ersten Absatz packe – aber in dem Fall muss das sein.

Kurt

Lena und Kurt haben vor kurzem ein Haus in Brandenburg gekauft und sind den großen Schritt gegangen aus der Stadt raus zu ziehen. Diese Entscheidung fiel, weil der kleine Kurt, Kurt’s Sohn, auch ein Zimmer benötigen wird. Sie wollen sich ein Heim schaffen, ein zu Hause für eine kleine Familie. Kurt’s Mutter Jana lebt alleine mit ihrer Tochter in Oranienburg und sie wechselt sich mit Kurt und Lena ab. Man kann heraus lesen, dass die Erziehung von Jana eine andere ist, wie die von Lena und Kurt. Jana wirkt eher steif und streng. Der kleine Kurt wird als aufgewecktes Kind beschrieben, man schließt ihn direkt in sein Herz. Schon zu Anfang wird klar, dass es keine einfache Familienkombination ist. Dennoch eine Beschreibung, die auf ganz viele Familien in Deutschland zutreffen könnte. Mitten aus dem Leben erzählt und mit Gefühlen untermauert.

Es kommt der Tag, da fällt Kurt vom Klettergerüst und stirbt. Für die drei bricht eine Welt zusammen und harte Zeiten beginnen. Kurt kann am aller wenigsten damit umgehen. Er flüchtet sich zu Jana und lässt Lena mit ihrer Trauer alleine. Lena versucht indessen stark zu sein und sucht immer wieder einen anderen Weg, um an Kurt heran zu kommen. Sie versucht es mit Nähe und gibt ihm sogar Raum, aber die Trauer wiegt so schwer, dass Kurt niemanden so richtig an sich ran lässt. Lena findet ihren eigenen Weg damit klar zu kommen und stürzt sich in ihre Gartenarbeit. Erst als beide sich dazu entscheiden eine Auszeit an der Ostsee zu nehmen wird es ein wenig besser. Sie lernen zusammen zu arbeiten und nehmen gemeinsam ihr Leben wieder auf. Zum Ende schaffen sie es sogar zusammen zu trauern und man merkt, dass die Beziehung der beiden durch den Todesfall von Kurt nun noch stärker wird.

Einfacher Schreibstil & Tiefe Worte

Sarah Kuttner schafft es mit einfachen Worten allem einen tieferen Sinn zu geben. Sie verschönt nichts und bringt alle Gefühle genau auf den Punkt. Das macht das Buch so realistisch und echt. Manchmal braucht es keine 500 Seiten lange Romane, um ein Gefühl zu beschreiben. Trauer und Liebe sind die beiden wichtigsten Komponenten in diesem Buch und beides kann man hautnah spüren, während man es liest.

Ich möchte für dieses Buch eine ganz, ganz große Empfehlung aussprechen! Ein so großartiges Buch – bitte unbedingt lesen. Danke an der Stelle an den S.Fischerverlag für das Leseexemplar, welches ich übrigens auf der Leipziger Buchmesse erhalten hatte. Ein Schande, dass ich dieses Buch so lange habe liegen lassen. Ich bin froh, dass ich es endlich aus dem Bücherregal genommen habe.

Rezensionsexemplar/ S.Fischerverlag/ Auflage 2019/ 240 Seiten/ 20,00€

Der Honigbus von Meredith May

Der Honigbus von Meredith May – ich muss es leider direkt zu Anfang sagen: Ich glaube das könnte eines meiner Lieblingsbücher in 2019 werden. Ein so mitfühlender und ergreifender Roman und dann noch auf wahren Begebenheiten, dass konnte nur gut werden. Eine Geschichte über ein kleines Mädchen, was alles verliert und durch die Liebe ihres Großvaters und dessen Bienenstamm wieder neuen Mut erlangt.

Meredith

Sie war gerade einmal vier Jahre alt, als sich Meredith’s Eltern trennen und das auf unschöne Art und Weise. Die Mutter völlig mit sich selbst beschäftigt und zu keiner Beziehung fähig, reißt die Kinder aus ihrem zu Hause in Rhode Island raus und zieht mit ihnen nach Big Sur Kalifornien zu ihren Großeltern. Meredith und ihr Bruder Matthew verstehen die Welt nicht mehr und vor allem verstehen sie nicht, warum ihr Vater denn nun der Böse sein muss. Gerade für Meredith ändert sich alles, sie ist die Ältere und sie ist es, die den ganzen Druck abbekommt.

Angekommen bei den Großeltern schließt die Mutter sich für Jahre ins Schlafzimmer ein und ist nicht im Stande sich um ihre Kinder zu kümmern. Die Kinder wirken wie eine ständige Belastung für sie und wären dort nicht die Großeltern, so hätten sie kein sicheres zu Hause. Vor allem aber der Großvater der Beiden hilft besonders Meredith wieder neuen Mut zu fassen.

„Die Bienen lehrten mich auf einer unbewussten Ebene die Wichtigkeit, mich um mich selbst zu kümmern. Ich sah mit eigenen Augen, dass eine Niederlage keine natürliche Daseinsweise war, nicht einmal für Insekten. Die Bienen zeigten mir, dass ich die Wahl hatte, wie ich leben wollte. Ich konnte unter der Trauer, dass ich meine Eltern verloren hatte, zusammenbrechen, oder ich konnte mich nicht unterkriegen lassen.“

Die Bienen

Der Großvater von Meredith war Bienenhalter und brachte ihr alles bei, was sie wissen musste. Auf eine wundersame Weise beschreibt Meredith May in ihrem Roman, wie sich ein Bienenfolk organisiert und was das besondere an jeder einzelnen Honigbiene ist. Sie vermittelt somit nicht nur ihre Geschichte, sondern auch Grundwissen rund um die Honigbienen. Es zeigt mal wieder, wieviel wir Menschen von der Natur noch lernen können. Meredith hat gelernt mit sich selbst zurecht zu kommen und die Familie so zu nehmen, wie sie nun mal ist. Sie wird in dem Buch immer stärker und findet ihren eigenen Weg. Ihr Großvater und seine Bienen haben einen großen Teil dazu beigetragen, dass Meredith sich nie selbst aufgegeben hat.

Eine Wendung

Zu Anfang des Buches habe ich Meredith’s Mutter gehasst. Ich habe nicht verstanden, wie eine Mutter ihre Kinder so im Stich lassen kann. Wie kann man seine Kinder schlagen und psychisch fertig machen. Im Prinzip hatte man zwischendurch das Gefühl, als ob sie nie Kinder gewollt hatte. Es geht immer wieder hervor, dass die Mutter gerne einen reichen Mann gehabt hätte. Einen Mann, der ihr ganzes Leben regelt, was der Vater der Kinder nicht geschafft hat. Zum Ende kommt heraus, dass Sally selbst von ihrem Vater geschlagen wurde. Nun schließt sich das Bild und es ist nicht verwunderlich, dass sie selbst keine Liebe geben kann und das sie einen Mann sucht, der ihr alles das gibt was ihr Vater hatte. Sie ist selbst so tief verletzt, dass sie ihren Kindern keine Mutter sein kann. Eine unglaublich traurige Wendung und dennoch eine Erklärung für viele Reaktionen in diesem Roman.

„Mutter Natur hatte einen sorgfältigen Plan gestrickt, und wenn man auch nur einen Faden herauszog, könnte sich das gesamte Gewebe auflösen. Diese Insekten, vor denen die meisten Menschen voller Angst davonliefen, waren der unsichtbare Klebstoff der Erde, der uns alle zusammenhielt.“

Mein Schlusswort

Der Honigbus ist ein wunderbares Buch und ich finde es ganz groß, dass Meredith May ihre Geschichte niedergeschrieben hat. Ich habe durch dieses Buch etwas über Bienen gelernt und finde, dass es mehr solche Bücher geben sollte. Das was ihr Großvater für die Natur getan hat und was Meredith weitergeführt hat ist ein ganz großer Anteil an Naturschutz, welchen mehr Menschen haben sollten. Dieses Buch beschreibt, was uns in unseren Herzen wirklich bewegen sollte. Eine absolute Leseempfehlung und vielen Dank an den S.Fischer Verlag für dieses tolle Leseexemplar.

Rezensionsexemplar/ S.Fischer Verlag/ Auflage 2019/ 317 Seiten/ 22,00€

Szenen aus dem Herzen von Familie Thunberg & Ernman

Eine kleine Klimaaktivistin, die den ganz Großen zeigt, was Klimawandel für uns bedeutet. Angefangen hat alles mit einem kleinen Sitzstreik und einem Pappschild, ein Bild, was um die ganze Welt ging. Ich denke, das der Name Greta Thunberg keinem mehr ein Unbekannter sein sollte. Nun hat ihre Familie im S.Fischer Verlag ein Buch für den deutschsprachigen Raum veröffentlicht. Ein Buch über die Familiengeschichte der Thunberg und Ernman’s und die Entstehung des Gedanken von Greta Thunberg den Klimaschutz voran zu treiben. Ich durfte dieses Buch als Leseexemplar lesen und versuche nun, Euch ein wenig davon zu erzählen. Meine eigene Meinung möchte ich erst einmal hinten anstellen, denn ich finde es schwierig einem solchen Buch eine Meinung aufzudrücken.

Beginnen wir mit dem Inhalt

Svante Thunberg und Malena Ernman leben mit ihren beiden Töchtern in Schweden ein wunderbares Leben. Er ist Produzent und sie Sängerin. Unter anderem ist sie sogar schon für Schweden beim Eurovision Song Contest angetreten. Beide Elternteile sind beruflich viel unterwegs und versuchen dennoch immer wieder genug Zeit mit den beiden Töchtern Greta und Beata zu verbringen. Beide Elternteile fliegen regelmäßig, um ihre Einsatzorte zu erreichen. Eine Tatsache die zum umdenken anstößt, aber dazu später mehr.

Das Leben der Familie ändern sich schlagartig, als beide Mädchen ungewöhnliche Krankheiten bekommen. Die Geschwister haben ungewöhnliche Symptome, welche nicht gleich diagnostiziert werden können. Es folgen schwere Zeiten für die Familie, besonders Greta macht den beiden Sorgen, denn sie isst nichts. Unendlich viele Arztbesuche, unendlich viele Gespräche und jede Menge Tests, bis heraus gefunden werden konnte das Greta an Asperger leidet. Greta sagt heute, dass es das Beste ist, was ihr passieren konnte, dass sie Asperger hat, denn sonst hätte sie die Welt mit anderen Augen gesehen. Beata’s Krankheit lässt sich wohl noch viel schlechter heraus finden und erst nach Jahren gibt es einen Lichtblick. Greta’s Mutter beschreibt den Leidensweg der Familie sehr genau und sehr emotional, da frage ich mich, wie wird das mediale Echo dazu sein?! Können die beiden Kinder mit diesem öffentlichem Striptease umgehen?!

Der Gedanke zum Klimaschutz

Wenn die eigene Familie durch eine persönliche Hölle geht, dann ist es nur natürlich, dass das große Ganze hinterfragt wird. Was stimmt in unseren Pflegesystemen nicht? Was ist falsch in unserem Bildungssystem? Und was genau spielt die Politik für eine Rolle? Nach und nach interessiert sich Greta immer mehr für das Thema Klimaschutz. Sie recherchiert und informiert sich und weiß am Ende höchstwahrscheinlich mehr wie jeder andere von uns. Vor allem aber hinterfragt sie die schwedische Politik und deren ganze Organisationsstruktur.

Die Familie beginnt nach und nach ihr Leben umzustellen. Sie informieren sich alle vollumfänglich über die Risiken des täglichen Lebens und welche Auswirkungen dieses auf den Klimawandel hat. Sie beginnen sich vegan zu ernähren, kaufen sich ein E-Auto und hören irgendwann sogar auf zu fliegen. Mutter Malena nimmt nur noch Angebote aus Stockholm an, um nicht mehr fliegen zu müssen und um auch näher bei ihren Mädchen zu sein.

Schreibstil & Botschaft

Der Schreibstil in diesem Buch ist natürlich eher gewöhnungsbedürftig. Es ist nun mal kein Roman. Im Prinzip sind es herunter geschriebene Ereignisse und jede Menge wissenschaftliches Hintergrundwissen zum Thema Klimaschutz. Jedes Kapitel ist sehr kurz gehalten, was ich persönlich sehr gut fand. Ich habe das Buch über zwei Wochen gelesen und es auch immer mal wieder zur Seite gelegt, die kleinen Kapitel sind dazu super geeignet. Viele Stellen in diesem Buch regen zum nachdenken an. Im Vordergrund steht eindeutig der Klimaschutz und was es der Familie bedeutet dieses Buch darüber zu schreiben.

Meine eigene Meinung

Nun, es ist nicht einfach ein solches Buch zu beurteilen. Und schon gar nicht zu beurteilen, welchen Standpunkt man selbst beim Thema Klimawandel einnehmen möchte. Das Buch regt auf jeden Fall dazu an, sich Gedanken dazu zu machen und ich denke, dass ist der erste richtige Weg. Genauso wie die Dokumentation “ Before the flood“ ist auch dieses Buch eine absolute Empfehlung! Ich bin der Meinung, dass unser größtes Problem ist, dass die meisten Menschen sich des Klimawandels gar nicht bewusst sind. Wenn man sich in seinem eigenen Umfeld umschaut, im Wohnort, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis und sogar in der Familie – wissen dort alle genau, was unserer Erde bevor steht? Ich denke nicht! Und solche Bücher klären zumindest viele von uns ein wenig mehr auf. Ich denke jeder Einzelne sollte für sich entscheiden, wie kann ich selbst etwas für die Umwelt tun. Und in einem Punkt gebe ich der Familie absolut Recht: Die Politik und die 10% der reichsten Menschen auf der Welt, diese sind die Ersten, die sich Gedanken machen sollten. Das ab morgen kein Mensch mehr mit Flugzeugen reisen wird, dass klingt sehr unwahrscheinlich, aber würde nur jeder Einzelne weniger fliegen und Billigflieger einfach nicht mehr existieren, so würden wir doch schon etwas erreichen. Genauso sieht es auch mit dem Fleisch essen aus, wobei Rindfleisch da die größte Rolle spielt. Ich selbst esse kein Rindfleisch und auch sonst fast gar kein Fleisch und kaufe regelmäßig vegane Produkte als Ersatz, aber es gibt nun mal genug Menschen die es tun und die nicht morgen damit aufhören werden. Ich glaube dennoch daran, dass wir etwas bewegen können und das auch tun müssen und zwar sofort und ohne Umwege. Ein wichtiger Faktor für mich ist auch, dass E-Autos bezahlbar werden müssen. Familie Thunberg beschreibt es so einfach, dass sie jetzt mit dem E-Auto fahren, ich persönlich kann mir so ein Auto zum heutigen Zeitpunkt nicht leisten und genau da ist der Fehler. Erneuerbare Energien sollten für alle zugänglich gemacht werden und gerade für Berufsreisende, die nun mal auf ihr Auto angewiesen sind. Aber diese Diskussion würde in einem Blogbeitrag eindeutig zu weit führen.

Greta Thunberg ist auf jeden Fall ein Vorbild für unsere Jugend und ich hoffe, dass sie mit ihrer Bewegung noch viel mehr Menschen bewegen kann als das sie es heute schon tut. Alleine an der Demo #fridaysforfuture sieht man, was ein kleines Mädchen für große Dinge vollbringen kann. Danke an den S.Fischer Verlag, dass ich dieses Buch lesen durfte. Der Grundgedanke/ die Message ist in diesem Buch zu erkennen, einzig die Informationen in emotionaler Form über die Familie Thunberg gehen mir ein wenig zu weit, ein wenig zu öffentlich. Man schafft eventuell Angriffsfläche für Hater, die Kinder in diesem Alter vielleicht noch nicht verarbeiten können und das obwohl Greta schon ein sehr dickes Fell besitzt.

Schlusswort: Bitte überlegt alle für Euch selbst, was könnt ihr tun, um einen Beitrag zu leisten. Es gibt so viele Möglichkeiten das eigene Leben nachhaltiger zu gestalten – wir müssen es nur tun und zwar jetzt!

Rezensionsexemplar/ S.Fischer Verlag/ Ausgabe April 2019/ 256 Seiten/ 18,00€

Sheroes von Jagoda Marinic

Sheroes, dass muss ich direkt als Erstes los werden, ist ein großartiges Buch! Ich möchte mich nicht als Feministin erklären, denn dieses Wort geht mir gegen den Strich, aber ich kann sagen, dass ich starke Frauen super finde und das Jagoda Marinic Recht hat mit der Aussage, dass diese Welt viel mehr Heldinnen braucht, als sie es heute hat. Sie erhebt ihre Stimme und räumt mit falschen Aussagen in der Vergangenheit auf. Sie durchleuchtet den Hintergrund der #MeToo Debatte mit einem scharfen Auge und einem unglaublich starkem Schreibstil – das was man hier liest, brennt sich in die Netzhaut ein.

„Bei #MeToo ging es nie darum, die Frau zum Opfer zu machen oder Männer zu Freiwild. Es ging darum zu zeigen, wie aus Verletzungen eine stärke erwachen kann, die Veränderung bringt. Daraus hätte sich ein Gespräch ergeben können. Über Männer, Frauen, Rollenbilder und Macht. Doch mit der Verletzbarkeit der Frau konnte die Öffentlichkeit hierzulande nicht umgehen.“

Der Rücktitel

#MeToo ist ein Gesprächsangebot, das wir weiter führen sollten: Wir müssen offen über Männer und Frauen, über Rollen und Macht sprechen. Wir Frauen müssen uns selbst definieren – und die Männer mit ins Boot holen. Dieses Buch ist Anstoß dazu. Für alle.

Zum Inhalt

Was mich an diesem Buch so begeistert hat, war das Jagoda Marinic nicht als klassische Feministin auftritt, sondern das große Ganze betrachtet. Sie denkt auch an die Männer in dieser Zeit und räumt mit dem ein oder anderen Vorurteil auf. Es muss definitiv Heldinnen geben, aber es sind nicht nur die Männer, die dieses Bild falsch verstehen. Viele Frauen haben immer noch Angst davor etwas zu wagen, viele Frauen verstecken sich immer noch hinter einem Mann und genau darüber sollte mal gesprochen werden. Die Autorin bringt hier ganz wesentliche Aspekte zur Sprache, Dinge und Worte die nach der #MeToo Debatte hätte ausdiskutiert werden müssen.

„Den Aufstieg der Frauen werden nicht die Frauen allein richten und auch nicht die Frauenquote. Es wird auch der Mann richten, der seine Frau stehen kann. Und ein Berufsleben, das in beiden Geschlechtern noch Menschen sieht und nicht Selbstverwirklichungsmaschinen.“

In Sheroes möchte uns die Autorin sagen, dass wir es nicht alleine zu etwas bringen müssen, sondern gemeinsam. Auf der einen Seite müssen Frauen sich heutzutage endlich mal etwas trauen und auf der anderen Seite müssen Männer lernen diesem Stand zu halten. Aber auch die Männer kennen diese Ängste und Sorgen. Gerade auch Männer, die sich entscheiden zu Hause zu bleiben, wenn die Frau arbeitet, kennen die „dummen“ Sprüche aus dem Kollegen und Freundeskreis nur zu gut. Ein Appell an alle, dass dieses Thema noch nicht ganz ausdiskutiert ist.

Mein persönliches Fazit

Ich liebe den Schreibstil von Jagoda Marinic, er ist ehrlich und unverblümt. Sie bringt zur Sprache, was lange zuvor schon hätte gesagt werden müssen. Ich hatte vorher noch nichts von ihr als Journalistin gelesen, aber ich glaube ich muss dieses dringend nachholen. Jeder, der sich für die Frauenbewegung oder besser gesagt den Wandel in unserer Gesellschaft interessiert, sollte dieses Buch lesen. Herzlichen Dank an den S.Fischer Verlag für dieses Exemplar – ich kann es nur empfehlen!

Rezensionsexemplar / S.Fischer Verlag / Ausgabe 2019 / Gebundene Ausgabe / 12,00 €