Sheroes von Jagoda Marinic

Sheroes, dass muss ich direkt als Erstes los werden, ist ein großartiges Buch! Ich möchte mich nicht als Feministin erklären, denn dieses Wort geht mir gegen den Strich, aber ich kann sagen, dass ich starke Frauen super finde und das Jagoda Marinic Recht hat mit der Aussage, dass diese Welt viel mehr Heldinnen braucht, als sie es heute hat. Sie erhebt ihre Stimme und räumt mit falschen Aussagen in der Vergangenheit auf. Sie durchleuchtet den Hintergrund der #MeToo Debatte mit einem scharfen Auge und einem unglaublich starkem Schreibstil – das was man hier liest, brennt sich in die Netzhaut ein.

„Bei #MeToo ging es nie darum, die Frau zum Opfer zu machen oder Männer zu Freiwild. Es ging darum zu zeigen, wie aus Verletzungen eine stärke erwachen kann, die Veränderung bringt. Daraus hätte sich ein Gespräch ergeben können. Über Männer, Frauen, Rollenbilder und Macht. Doch mit der Verletzbarkeit der Frau konnte die Öffentlichkeit hierzulande nicht umgehen.“

Der Rücktitel

#MeToo ist ein Gesprächsangebot, das wir weiter führen sollten: Wir müssen offen über Männer und Frauen, über Rollen und Macht sprechen. Wir Frauen müssen uns selbst definieren – und die Männer mit ins Boot holen. Dieses Buch ist Anstoß dazu. Für alle.

Zum Inhalt

Was mich an diesem Buch so begeistert hat, war das Jagoda Marinic nicht als klassische Feministin auftritt, sondern das große Ganze betrachtet. Sie denkt auch an die Männer in dieser Zeit und räumt mit dem ein oder anderen Vorurteil auf. Es muss definitiv Heldinnen geben, aber es sind nicht nur die Männer, die dieses Bild falsch verstehen. Viele Frauen haben immer noch Angst davor etwas zu wagen, viele Frauen verstecken sich immer noch hinter einem Mann und genau darüber sollte mal gesprochen werden. Die Autorin bringt hier ganz wesentliche Aspekte zur Sprache, Dinge und Worte die nach der #MeToo Debatte hätte ausdiskutiert werden müssen.

„Den Aufstieg der Frauen werden nicht die Frauen allein richten und auch nicht die Frauenquote. Es wird auch der Mann richten, der seine Frau stehen kann. Und ein Berufsleben, das in beiden Geschlechtern noch Menschen sieht und nicht Selbstverwirklichungsmaschinen.“

In Sheroes möchte uns die Autorin sagen, dass wir es nicht alleine zu etwas bringen müssen, sondern gemeinsam. Auf der einen Seite müssen Frauen sich heutzutage endlich mal etwas trauen und auf der anderen Seite müssen Männer lernen diesem Stand zu halten. Aber auch die Männer kennen diese Ängste und Sorgen. Gerade auch Männer, die sich entscheiden zu Hause zu bleiben, wenn die Frau arbeitet, kennen die „dummen“ Sprüche aus dem Kollegen und Freundeskreis nur zu gut. Ein Appell an alle, dass dieses Thema noch nicht ganz ausdiskutiert ist.

Mein persönliches Fazit

Ich liebe den Schreibstil von Jagoda Marinic, er ist ehrlich und unverblümt. Sie bringt zur Sprache, was lange zuvor schon hätte gesagt werden müssen. Ich hatte vorher noch nichts von ihr als Journalistin gelesen, aber ich glaube ich muss dieses dringend nachholen. Jeder, der sich für die Frauenbewegung oder besser gesagt den Wandel in unserer Gesellschaft interessiert, sollte dieses Buch lesen. Herzlichen Dank an den S.Fischer Verlag für dieses Exemplar – ich kann es nur empfehlen!

Rezensionsexemplar / S.Fischer Verlag / Ausgabe 2019 / Gebundene Ausgabe / 12,00 €

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