Eine Geschichte, wie ich sie hätte auch ähnlich schreiben können, wenn ich denn eine Autorin wäre. Vielleicht hätte ich meine Kindheit auch einmal aufschreiben sollen und es wäre vielleicht etwas ähnliches dabei heraus gekommen. Ich fühle mit Miriam und teile einige Beispiele in diesem Buch mit ihr. Schwester im Herzen würde ich sagen.

Das können wir uns nicht leisten

Miriam wird in Bukarest geboren, …btw. Eine Stadt die ich gerne mal bereisen möchte, und lernt schnell was Armut bedeutet. Allerdings in der großen Stadt in Rumänien ist sie sich ihrer sozialen Schicht nicht ganz so stark ausgesetzt, wie später in Deutschland. Denn sie verlassen ihre Heimat, in dem Glauben, dass es in Deutschland besser sein würde. Ich vermute das denken viele in den 90ern, die als klassische Gastarbeiter*innen nach Deutschland kamen. Das man dann aber einen sozialen Stempel aufgesetzt bekommt, damit rechnen Miriam und ihre Familie damals noch nicht. Für Menschen, die im Krieg flüchten müssen, scheint es hier eine sichere Bank zu sein und wahrscheinlich ist das auch so, aber um hier einen besseren Status zu bekommen, muss man vieles geben oder bekommt es nie. Und das nebenbei bemerkt nicht nur als vermeintlicher Fremde(r) in diesem Land, sondern auch als jede(r) andere Mensch aus ärmeren Familien. Und dabei wird selten hinterfragt, warum man denn ärmer aufgewachsen ist. Wie auch Miriam in ihrem Buch beschreibt, hat man den Stempel schnell bekommen und das soziale Ungleichgewicht wird einem täglich vor Augen geführt.

Ein besonderer Moment in diesem Buch, war für mich der Besuch bei Deichmann mit ihrer Mutter. Als Kind einer Alleinerziehenden Mutter kenne ich solche Besuche. Ich wollte damals zwar keine Nike Schuhe, aber auch ich wollte in der Schule dazu gehören und Victory Schuhe gingen nunmal garnicht. Ebenso war Takko nun wirklich kein Laden, in dem man sich sehen lassen konnte, wenn man in der Schule gemocht werden wollte. Heute mag ich den Laden tatsächlich, aber heute mache ich mir auch keine Gedanken mehr um Status. Es ist aber genauso, wie Miriam es beschreibt und ich kann mir vorstellen, dass es als rumänisches Mädchen noch blödere Kommentare von Mitschüler*innen gab, als schon bei mir. Man gehörte nie dazu und dreht auch heute noch jeden Euro um.

„Ich studierte Medien- und Politikwissenschaften, und in meinen Seminaren sprachen wir über die Ungerechtigkeiten dieser Welt, auch über Armut. Es ging um Menschen, die die Nachteile gemachter Politik real lebten. Das waren absurde Momente für mich: meine Lebensrealität wissenschaftlich zu analysieren. „

Ein Buch voll Liebe

Ich sehe das Buch von Miriam Davoudvandi als ein Buch der Liebe an, denn sie beschreibt eine große Liebe und Anerkennung ihren Eltern gegenüber. Sie beschreibt, wie stolz sie dennoch auf ihre Eltern ist und ehrt ihre Hingabe und Aufopferung in den ganzen Jahren. Wenn man Erwachsen ist und selbst Geld verdient, möchte man es zurückgeben, auch wenn die Eltern zu stolz dafür sind. Auch diese Momente kenne ich nur zu gut. Es wird aber sichtbar, dass Miriam dennoch stolz ist und auch ihre Herkunft nicht komplett vergessen möchte, denn geprägt hat sie diese Zeit und auch ihren Charakter geformt. Man sagt das immer so vor sich hin, aber sich Dinge erarbeiten zu müssen, ist weiterhin nichts schlechtes. Es zeigt uns Menschen immer noch, dass es sich lohnt sich auf etwas zu freuen und Stolz für sich selbst zu empfinden. Dennoch wird selten der Tellerwäscher zum Millionär, sind wir mal ehrlich.

Meine persönliche Meinung

Ich mochte das Buch sehr, alleine schon weil ich es so gut nachfühlen kann. Mein Opa kam damals als Gastarbeiter aus Italien nach Deutschland und meine beste Freundin aus der Türkei. Wir waren in der Schule immer Außenseiter und auch wir haben Sprüche von Eltern privilegierterer Kinder bekommen. Von ihrem Bruder habe ich übrigens dieses Buch hier empfohlen bekommen, denn wir haben uns dieses Jahr auf der Buchmesse getroffen. Ein Glück, dass ich es gelesen habe, denn es erdet mich und zeigt mir, dass wir hier im Land noch viel zu tun haben. Und es bringt mir meine Vergangenheit näher und ich schließe Frieden mit Victory Schuhen und Miriam vielleicht heute auch. Ein wichtiges Buch, wie ich finde – lest dieses Buch!

Selbst gekauft auf der Buchmesse/ 18€/ 256 Seiten/ Taschenbuch/ Verlagsgruppe Randomhouse

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