Miracle Creek von Angie Kim

Wie weit würden wir gehen, um unsere Familie zu schützen? Und wie stark liegen die Nerven blank, wenn das Muttersein dich erdrückt?! Viele Motive und schwere Ereignisse die eine Kleinstadt ein Jahr lang beschäftigen. In Miracle Creek holt Angie Kim tiefe Geheimnisse aus ihren Protagonisten heraus und beschreibt die Geschehnisse rund um einen Brand einer Sauerstoff Station. Ein Zusammenspiel von großen Gefühlen, tiefem Hass und verworrenen Familienverhältnissen.

Miracle Creek

Die Familie Yoo ist von Seoul nach Miracle Creek gezogen, um ihrer Tochter Mary ein besseres Leben zu bieten. Der Vater Pak ist Betreiber einer sogenannten Sauerstoff Station, er hilft Menschen, die z.B. Autismus haben mit einer speziellen Sauerstoff Therapie. Dieses hat er bereits in Korea getan und hat sich dann in Miracle Creek damit selbstständig gemacht. Pak ist bekannt als liebenswerter Therapeut und Vater und absolut ehrlicher Mann.

Doch als die Scheune, in der sich die Sauerstoff Station befindet abbrennt, dreht sich der Wind in der Provinzstadt. Die Frage nach der Schuld will geklärt werden. War es ein Patient? Eine Demonstrantin, die gegen die Therapie ist oder doch der Betreiber selbst? Pak landet im Rollstuhl nach dem Brand, da er versucht hat seine Patienten aus dem Feuer zu retten. Seine Tochter Mary hat Brandwunden im Gesicht, weil sie zu nah an das Feuer heran gelaufen kam. Ein autistischer Junge stirbt und seine Mutter steht unter Verdacht das Feuer gelegt zu haben. Und eine Mutter von fünf Kindern kommt auch ums Leben und hinterlässt eine Familie. Tiefe Schicksalsschläge und jede Menge Geheimnisse klären sich nun in der Kleinstadt Miracle Creek.

Angie Kim beschreibt in ihrem Buch die einzelnen Tage der Gerichtsverhandlung zu diesem Brand. Im Visier steht Elizabeth, die Mutter des autistischen Henry’s. Ihr wird vorgeworfen eine schlechte Mutter zu sein, weil sie ihren Sohn von Therapie zu Therapie geschleppt hat und am Ende genug hatte und ihren Sohn tot sehen wollte. Aber ist sie auch wirklich die Schuldige an diesem Unglück?

Mary Yoo, die Tochter des Betreibers, hat auch so ihre Geheimnisse, vor allem in Bezug auf den verheirateten Matt. Er war der erste Patient in der Scheune und er und Mary sind sich näher gekommen. Auch seine Frau Janine hat ihre Finger mit im Spiel und es beginnt eine verrückte Jagd nach der Wahrheit. Jeder der Protagonisten hat sein eigenes Geheimnis und Angie Kim bringt diese ans Licht.

Meine eigene Meinung

Ich kann dieses Buch gar nicht so gut wiedergeben, wie es das verdient hätte. Dafür war die ganze Geschichte viel zu komplex. Ich fand das Buch großartig, spannend bis zum Schluss und irgendwie auch realitätsnah. Angie Kim erzählt von den menschlichen Abgründen. Wie bereits gesagt haben alle Protagonisten ein Geheimnis und alle verschweigen etwas und das ist so detailgetreu beschrieben, sodass es auch gut auf wahren Tatsachen beruhen könnte. Der Mensch, der sich in die Ecke gedrängt fühlt, der kann lügen und schweigen und reagiert am Ende aber doch impulsiv und verrät sich – das ist menschlich.

Ein anderer Aspekt in diesem Buch ist die Liebe einer Mutter. Die Hauptverdächtige Elizabeth wird als grauenhafte Mutter von den Dorfbewohnern dargestellt, aber im Grunde tut sie alles nur aus reiner Mutterliebe. Sie ist streng und arg übermotiviert, aber sie liebt Henry über alles. Eine der tragischsten Personen in diesem Buch und ich mochte diese Figur am meisten. Ob ihr Unrecht getan wird oder nicht, möchte ich hier natürlich nicht verraten, aber ich bin der Meinung, dass sie den spannendsten Part in diesem Buch inne hat. Angie Kim hat ein super Buch geschrieben, was ich unbedingt empfehlen möchte. Dieses Buch ist selbst erworben und steht in keinen Zusammenhang mit einer Kooperation- es war schlichtweg ein Glücksgriff für mich.

Selbst gekauft/ Hanserblau Verlag/ Auflage 2020/ 512 Seiten/ 22,00€

Ein Wochenende von Charlotte Wood

Drei Frauen und die Geschichte einer merkwürdigen Freundschaft – darum geht es in „ Ein Wochenende“ von Charlotte Wood aus dem Kein & Aber Verlag. Nach dem Tod von Sylvie haben die übrigen drei Freundinnen nur das Ziel, ihr Haus zu räumen, doch dabei kommen unschöne Wahrheiten ans Licht. Ein Weihnachtswochenende bei tropischen Temperaturen in Australien mit vielen erhitzten Gefühlen.

Drei Frauen – ein Schicksal

Die drei Freundinnen Wendy, Jude und Adele haben ihre vierte im Bunde verloren. Sylvie ist von Ihnen gegangen. Zu dritt ist die Situation irgendwie komisch. Eine ist immer das fünfte Rad am Wagen. Gerade da die drei Freundinnen bereits in den 70er Jahren sind und vieles im Leben bereits erlebt haben. Viele Dinge sind unausgesprochen und ein Wochenende zum Ausmisten des Hauses von Sylvie schafft Klarheit. Eine Klarheit, die den meisten von Ihnen noch nicht bewusst war. So viele unausgesprochene Dinge gibt es unter den Freundinnen.

Man merkt, das die Frauen sich sehr mögen, aber das es auch ein paar Unklarheiten gibt. Gerade Wendy zum Beispiel fühlt sich oft sehr unverstanden. Sie wirkt am „Ältesten“ von den Dreien. Eine ungeschickte alte Frau, die sich nur schwer von ihrem lieben Hund Finn trennen kann. Das Tier leidet sehr an Altersschwäche, aber sie bringt es einfach nicht über sich. Und dann ist da noch Adele, die Schauspielerin, die seit Jahren keine Rolle mehr bekommen hat. Und natürlich Jude, die Perfekte, deren Welt zerbricht. Eine Geschichte über Freundschaft, die auch Hürden kennt und die noch im Alter stark wirken kann. Auch wenn sie es nicht immer wissen, diese Freundschaft scheint etwas besonderes zu sein. Man hat das Gefühl, dass die drei Frauen ein bisschen zu sich selbst finden und sich selbst erst nach dem Wochenende wieder akzeptieren. Ein paar von Ihnen werden sich vielleicht noch einmal neu erfinden.

Meine Meinung dazu

Mich hat dieses Buch stark beeindruckt. Diese Frauen sind 70 oder Älter und meistern dennoch noch zusammen das Ausmisten des Hauses und überwältigen die Unklarheiten ihrer Freundschaft. Ein starkes Band, was auch nach so vielen Jahrzehnten noch besteht. Das Buch zeigt, was Freundschaft bewirken kann und es zeigt, wie stark wir Frauen sein können. Wieder einmal ein Buch was den weiblichen Charakter bewusst positiv hervorhebt – weil es auch so ist. Charlotte Wood hat noch dazu einen tollen Schreibstil und weiß genau, wie sie über Gefühle den Leser in ihren Bann ziehen kann. Eine Buchempfehlung in meinen Augen. Danke an den Kein & Aber Verlag für „Ein Wochenende“.

Kein & Aber Verlag/ Auflage 2020/ Gebundene Ausgabe/ 288 Seiten/ 22,00€

Wurfschatten von Simone Lappert

Wurfschatten ist der zweite Roman von Simone Lappert den ich lese. Und ich muss sagen, die Autorin gefällt mir so langsam. Zuletzt hatte ich „Der Sprung“ von ihr gelesen und fand auch diesen schon sehr Aussagekräftig. Auch dazu gab es hier einen Blog Beitrag. In Wurfschatten beschäftigt sich die Autorin mit dem Thema Angstzustände und zwischenmenschliches Sein mit dieser Angst. Außerdem beschreibt sie den gesellschaftlichen Stand von Menschen, die kurz die Orientierung verloren haben und wie fremde Menschen dein Leben retten können.

Zum Inhalt

Ada hat Angstzustände, eigentlich hat sie vor fast allem Angst. Außer vor Fischen, diese mag sie gerne. Eigentlich ist sie Schauspielerin am Theater und hatte mal ein eigenes Schauspielhaus, doch seit einiger Zeit bleiben die Aufträge aus. Sie spielt für den Moment eine Leiche in einem Stück und da man nur in Sprechrollen richtig Geld verdienen kann, bleiben auch die Lohnzahlungen aus. Ada bekommt somit Probleme mit ihrem Vermieter. Dieser kommt prompt auf die Idee seinen Enkel bei ihr wohnen zu lassen, er mag die ängstliche Ada irgendwie und möchte ihr so helfen, in einer WG die Miete weiter tragen zu können.

Juri ist ein ziemlicher Draufgänger, jeden Abend hat er eine neue Frau zu Hause. Manche bleiben zum Frühstück, andere wiedrum nicht. Ada kann ihn nicht leiden, vorallem, weil sein Großvater ihn still und heimlich hat bei ihr einziehen lassen. Was bisher keiner wusste, Ada hat ein Angst Zimmer, mit Angst Plakaten und genau dieses Zimmer hat nun Juri inne.

Es entwickelt sich eine merkwürdige WG und eine kuriose Liebesgeschichte. Doch die Angst bleibt ein Thema. Ada bekommt schlagartig Anfälle, sie zittert und krampft und war daher schon oft Patientin in der Notaufnahme. Nachts kann sie oft nicht schlafen und fährt ziellos mit dem Taxi durch die Stadt, dass beruhigt sie. Juri fängt nach und nach an sie zu verstehen und möchte für sie da sein. Und auch unter ihren Freundinnen gibt es zumindest eine richtige Freundin, die ihr zur Seite steht.

Meine eigene Meinung

Simone Lappert schafft es Gefühle perfekt zu beschreiben. Sie nimmt den Leser mit und ihre Protagonisten sind immer unwahrscheinlich echt und real. Man kann sich mit ihren Büchern identifizieren. In Wurfschatten beschäftigt sich Lappert mit unserer Gesellschaft und was es mit uns Individuen macht, wenn wir den Anschluss im Leben verpassen. An Ada kann man das sehr gut sehen, sie träumt von den großen Bühnen, hat aber verpasst auf den Zug aufzuspringen und sieht nun ihre Chancen weg schwimmen. Vielen in unserer heutigen Gesellschaft geht es so und in der Regel werden diese Menschen zu Außenseitern. Eigentlich ein politisch/gesellschaftliches Buch, wenn man mal zwischen den Zeilen liest. Ich mochte es sehr. Danke an den Diogenes Verlag für dieses Exemplar.

Rezensionsexemplar/ Diogenes Verlag/ 2.Auflage 2020/ 240 Seiten/ 12€

Der Zopf von Laetitia Colombani

Der Zopf von Laetitia Colombani liegt schon sehr lange auf meinem Bücherstapel- was eine Schande! Es wurde tatsächlich Zeit, dieses Buch endlich zu lesen. Dieser Roman ist im letzten Jahr als Taschenbuch im Fischer Verlag erschienen und so lange liegt es auch schon bei mir. Der Zopf ist eine Geschichte über die Verbindungen dieser Welt und wie alles irgendwann zusammen läuft.

Die Protagonisten

Smita – eine junge Frau aus Indien lebt in den ärmlichsten Verhältnissen. Sie sammelt wortwörtlich die „Scheiße“ anderer Leute auf. In dem Dorf in dem sie lebt, haben Frauen nicht viel zu melden. Für ihre Tochter wünscht sie sich etwas besseres und flüchtet mit ihr in einer Nacht und Nebelaktion. Smita ist eine starke Charaktere und ist die bewegendste Geschichte in diesem Roman. Bei den Erzählungen über sie, musste ich oftmals inne halten, so erschütternd fand ich ihre Geschichte….

Giulia- eine taffe Italienerin aus Sizilien. Sie ist jung, hübsch und dennoch nicht an der Liebe interessiert, bis ihr eines Tages ein Inder begegnet. Giulia arbeitet in der Fabrik ihres Vaters, diese droht nach dem Unfall des Vaters Bankrot zu gehen und Giulia muss schwere Entscheidungen treffen. Ihr Vater stellt Perücken her und verschifft diese in die ganze Welt – Giulia möchte dieses Erbe gerne weiterführen und stößt auf ein paar Stolpersteine…

Sarah – die selbstbewusste Anwältin hat sich bis nach oben durch gekämpft. Vollzeitjob und Vollzeitmama – die durchorganisierte Powerfrau, doch einiges Tages kommt die schwere Nachricht – Krebs. Brustkrebs. Eine Neuigkeit, die Sarah völlig aus der Bahn schmeißt. In Montreal ist sie als erfolgreiche Anwältin bekannt und in ihrer Kanzlei erwähnt sie schon nie, dass sie überhaupt Mutter ist. In dieser Welt finden schwache Frauen keinen Platz….

Meine eigene Meinung

Ein so gewaltiges Buch. Die drei Geschichten dieser starken Frauen treffen voll meinen Geschmack – Frauenpower auf voller Spur. Laetitia Colombani flechtet wortwörtlich einen Zopf und bringt die Geschichten zusammen in Einklang. Natürlich kann ich Euch nicht sagen, wie die Geschichten zusammen passen, damit würde ich ja alles verraten. Ich kann nur sagen, dass „Der Zopf“ eine große Leseempfehlung ist!

Dieses Buch zeigt wieder, wie oft Frauen immer noch unterdrückt werden. Es zeigt aber auch, wie stark Frauen sein können und was wir alles erreichen können. Wir werden getrieben von Mut und Durchhaltevermögen – das spiegeln die Frauen in „Der Zopf“ wieder.

Selbst gekauft/ Fischer Verlag/ Auflage 2019/ 283 Seiten/ 11,00€

„Und jetzt bin ich hier“ von Jessica Andrews

Endlich kann ich Euch von diesem Roman erzählen, mir fehlte in letzter Zeit ein wenig die Luft zum Schreiben. „Und jetzt bin ich hier“ von Jessica Andrews habe ich bereits in der letzten Woche beendet und freue mich, Euch nun berichten zu können. Diesen tollen Roman habe ich aus dem Hoffmann und Campe Verlag erhalten und es war mir eine Freude ihn zu lesen.

Lucy und ihre Geschichte

Die Protagonistin Lucy lebt auf dem einsamen Cottage ihres Großvaters in Irland, sie ist aus der Metropole London geflüchtet, um zu sich selbst zurück zu finden. Ihren Beschreibungen nach hat London sie erdrückt und der Zwang dazu zugehören hat sie selbst verändert. Auf dem idyllischen Land, mitten im nichts, versucht sie sich wieder an sich selbst zu erinnern.

Im Laufe des Buches erleben wir immer wieder Zeitsprünge durch die Geschichte von Lucy. Wir erfahren von ihrer Kindheit und der Probleme ihrer Jugend. Wir erleben eine schillernde Mutter und wie das ganze Glitzer auf Lucy abgefärbt hat. Die klassische Working Class in England wird hier beschrieben und sie trifft das ein oder andere Klischee eines Teenagers in England. Lucy hat scheinbar in jeder Etappe eine bestimmte Herausforderung zu meistern und wird ihrer Entwicklung geprägt. Auch der Einfluss ihrer Mutter auf Lucy wird ganz deutlich klar. Eine Mutter die viel unterwegs ist und die ihre Tochter viel sich selbst überlässt und auf der anderen Seite aber auch ein Vorbild sein möchte und sei es nur, ihr das passende Glitzerkleid auszusuchen.

Lucy ist eine Person, die immer versucht in ein bestimmtes Muster zu passen. Sich selbst vergisst sie meistens und gerade in London ist der Druck noch größer geworden als je zuvor. Als ihr Großvater dann stirbt, zieht es Lucy nach Irland. Im abgelegenen Cottage kann sie endlich wieder Luft holen und findet langsam zu sich selbst zurück oder besser gesagt, lernt sich selbst erst richtig kennen.

Und jetzt bin ich hier, ist eigentlich auch die passende Überschrift zu diesem Buch, denn in Irland ist Lucy erst richtig im hier und jetzt.

Meine eigene Meinung

Ich mochte das Buch. Ich hatte zu Anfang Schwierigkeiten hinein zu finden, da die Abfolge der Ereignisse wie eine Art Tagebuch verfasst wurde. Jessica Andrews springt in ihren Erzählungen durch die einzelnen Etappen von Lucy’s Erinnerungen. Erst zum Ende des Buches wird das Bild über die Protagonistin komplett und man kann sich seine Meinung dazu bilden. Ich mochte daran, dass man sich mit Lucy identifizieren kann. Auch mir geht es oft selbst so, dass ich eine Pause brauche, um zu mir selbst zu finden. Durchatmen und einen Reset durchführen. Und der Druck der Gesellschaft ist nichts, was man nicht auch im wahren Leben kennt, daher mochte ich es wirklich sehr.

Danke an den Hoffman und Campe Verlag für dieses tolle Exemplar, welches ich hiermit empfehlen möchte.

Rezensionsexemplar/ Hofmann und Campe Verlag/ 23,00€/ Auflage 2020/ 352 Seiten

Offene See von Benjamin Myers

Die Natur Englands und der innere Drang nach Freiheit ist, was dieses Buch ausmacht. Benjamin Myers beschreibt England in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und erzählt von einem Naturerlebnis in sehr bildlicher Sprache. Jedes Wort ist reine Poesie und der Leser wird mit auf eine wundervolle Reise genommen. Offene See von Benjamin Myers erschien dieses Frühjahr im Dumont Buchverlag und ich durfte dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen und möchte Euch nun ein wenig daraus berichten.

Robert

Der junge Robert steht nach der Schule vor dem Beginn seines Jobs im Bergbau unter Tage. Ein Erbe, dass er von seinem Vater antreten soll, denn alle Männer vor ihm taten es auch. Doch ihn zieht es in die Ferne, er möchte das Meer sehen und ein Abenteuer erleben, bevor er unter Tage arbeiten muss. Ihm ist Freiheit ein Fremdwort und er möchte es einmal erlebt haben. Also macht er sich zu Fuß auf den Weg Richtung Süden. Auf seinem Weg trifft er auf ein abgelegenes Cottage direkt am Meer, dieser Ort scheint ihm direkt vertraut und er versucht Unterschlupf zu finden, dort trifft er dann auf Dulcie. Sie ist eine ältere Frau, die in diesem Cottage alleine mit ihrem Hund Butler lebt. Sie scheint ein wenig einsam zu sein und zwischen beiden entwickelt sich eine Freundschaft. Er verrichtet Arbeiten für sie im Garten und an der Hütte neben dem Cottage und bekommt im Gegenzug Bücher zu lesen und gutes Essen. Dinge, die Robert bisher so nicht kannte und die den 16-jährigen in eine andere Welt entführen.

Es war eine eher landwirtschaftlich als industriell geprägte Gegend – der Erde zugehörig statt von ihr beschmutzt..“

Dulcie

Die ältere Dame Dulcie scheint einen ausschweifenden Lebensstil zu haben, sie hat auch nach dem Ende des zweiten Weltkrieges eine Riesen Ration an Lebensmitteln gebunkert und lebt im Wohlstand. Sie besitzt vier Automobile und interessiert sich für die Freiheit und die Lyrik. Durch sie lernt Robert, wie man das Leben geniessen kann. Durch sie lernt Robert die Poesie kennen und lieben und am Ende erkennt er auch durch sie, was er vom Leben möchte. Bisher kannte er schließlich nur sein Pflichtgefühl. Doch auch Dulcie hat einen Verlust erlitten und bekommt durch den Besuch von Robert einen neuen Lebenswillen zurück. Nicht nur, dass er ihr eine enorme Hilfe im Garten und am Haus ist, sondern er hilft ihr auch, sich alten Dämonen zu stellen. Ihre Ehrfurcht vor dem wütenden Ozean wird ihr genommen und auch sie kann durch ihn ein neues Leben beginnen. Beide profitieren aus der zufälligen oder auch schicksalhaften Begegnung und es zeigt, wie wichtig die Bande der Freundschaft sind.

Der erste Weltkrieg war die größte Gräueltat, die die Menschheit je begangen hat. Was haben wir daraus gelernt? Größere und bessere Bomben bauen, mehr nicht…„

Die Möglichkeiten eines Lebens

Mit diesem Satz beginnt der Rücktitel des Buches und er beschreibt dieses auch besonders treffend. In diesem Buch geht es um die Sehnsucht nach Freiheit und über die Wichtigkeit von Liebe und Freundschaft. Es geht darum inne zu halten und sich zu überlegen, welchen Platz man im Leben einnehmen möchte. Dulcie glaubt an einen dritten Weltkrieg und die Passage in dem Buch bringt einen wirklich zum nachdenken, sie glaubt die Menschheit ist schlecht, gerade weil wir uns Menschheit nennen. Irgendwie hat sie Recht und auf der anderen Seite bereitet einem diese Aussage unbehagen. Benjamin Myers versteht es die dunklen Seiten dieses Buches in poetische Worte zu verpacken. Er hat den Kern der Geschichte erfasst und bringt den Leser in eine andere Welt. Man möchte nach England reisen, man möchte fast schon sein Leben überdenken. Man ist versucht sich zu fragen: „Habe ich bisher genug gelebt?“

Meine Meinung

Ein ganz großartiges Buch, welches ich unbedingt empfehlen möchte. Es ist der erste Roman von Benjamin Myers der im deutschen erschienen ist und ich hoffe, dass da noch mehr kommen wird. Offene See ist ein sehr tiefgründiges Buch und noch dazu eine wundersame Reise durch die Landschaft Englands. Und die Tatsache das der Buchtitel auch im Buch eine Rolle spielt, wurde sehr gut heraus gearbeitet und macht das Ganze noch schöner. Vielleicht hat Benjamin Myers ja eine ähnliche Erfahrung machen können, wer weiß, aber der Gedanke ist schön. Danke an den Dumont Buchverlag für dieses tolle Exemplar.

 

Rezensionsexemplar/ Dumont Buchverlag/ Zweite Auflage 2020/ 268 Seiten/ 20,00€

 

Amelie von Felix Schmidt

Was wenn die Liebe bestehen bleibt, aber der Verrat zu tief sitzt? Ein Versprechen, was einst gegeben wurde, wird in wenigen Sätzen zunichte gemacht und ein Vertrauen ist für immer gebrochen. So geht es Max. Felix Schmidt erzählt in seinem Roman Amelie von einem Ehebruch und von den tief sitzenden Gefühlen eines Mannes. Er beschreibt, wie verletzend Menschen sein können. Dieses Rezensionsexemplar habe ich aus dem Osburg Verlag bekommen und möchte mich an der Stelle ganz herzlich bedanken.

„War das die Frau, mit der ich gelebt, die ich geküsst, mit der ich Kinder gezeugt und vor der ich mein Innerstes ausgebreitet hatte? Jetzt glaubte ich einen Anflug von Heimtücke in ihren Zügen um die Mundwinkel zu erkennen, etwas Verschlagenes, Süffisantes.“ 

Max und Amelie 

Max und Amelie haben gerade ihre silberne Hochzeit gefeiert, in der Regel ein Grund, um den Rest des Lebens auch miteinander zu teilen. Max ist bereits achtzig Jahre und seine Amelie ist einige Jahre jünger als er. Dennoch hatte es den beiden nichts ausgemacht, dass zwischen Ihnen Jahrzehnte lagen. Ihre Liebe war bisher immer stark gewesen. Sie haben zwei erwachsene Kinder und genießen ihren Ruhestand zum Teil in Frankreich oder in der Heimat Hamburg. Doch der gemeinsame Freund Paul erweckt in Amelie neue, verlorene Gefühle. Ein Art, sich wieder jung fühlen. Amelie ist hin und hergerissen von den beiden Männern und würde am liebsten beide behalten.

Max hingegen leidet unter diesem Verrat. Er findet Emails und Briefe, die seine Welt aus den Ankern reißt. Seine Frau hat seit Jahren eine Affäre mit Paul und möchte diese auch nicht beenden. Die beiden Kinder können es nicht glauben und werfen ihrer Mutter die Zerstörung ihrer Familie vor. Amelie sieht das Ganze irgendwie in einem anderen Licht, man hat das Gefühl, dass sie sich der Tragweite nicht ganz im Klaren ist. Für sie scheint es das Normalste von der Welt zu sein, dass man zwei Männer lieben kann. Nach und nach stellt sich in meinen Augen heraus, dass sie Max nur behalten möchte, weil sie ein schlechtes Gewissen hat. Ihr ist das Alter ihres Mannes bewusst und sie plagt das Gewissen, dass er nun ganz alleine dastehen würde. Dennoch kann sich nicht über ihren Schatten springen und sich trennen.

Tiefe Gefühle

Erstaunlich ist für mich, dass Max sie immer noch lieben kann. Seine Gefühle sind so innig und anhaltend, dass man sich selbst so etwas nach 25 Ehejahren wünschen würde. Trotz des Vertrauensbruches glaubt er noch an diese Liebe und würde sie jederzeit zurück nehmen. Ihn macht es fertig und er verfällt in Depressionen, die in dem Moment nur ein Arzt behandeln kann. Harte Arbeit steht Max bevor und viele Gespräche mit seinem Therapeuten. Ich denke, dass man sich bei sowas nur irgendwann selbst heilen kann. Es gibt Schlüsselmomente im Leben, ab diesen Momentan beginnst du neu zu denken und genau so einen erlebt Max eines Tages. Der Moment, an dem ihm ein Abschluss leichter fallen wird.

„Mein eigentlich kritischer Verstand war von einer hochgradigen Naivität schachmatt gesetzt worden. Ich blendete aus, dass ich nur noch zweite Wahl war.“

Meine eigene Meinung

Ich hatte am Anfang noch Verständnis für Amelie. Sie war um einiges jünger als ihr Mann und vielleicht wollte sie einfach noch einmal etwas erleben. Fühlte sich noch zu jung, um alt zu sein. Ich vermute eine solche Situation wird bei jedem Paar einmal kommen, vor allem wenn so viele Jahre dazwischen liegen. Aber nach und nach mochte ich Amelie nicht mehr. Sie wurde immer gemeiner und ihre Aussagen immer egoistischer. Sie hat einfach nicht erkannt, wie tief Max seine Gefühle sind und das sie ihre ganze Familie damit verrät. Wäre sie ehrlich gewesen, von Anfang an, dann hätte das anders ausgehen können. Sie hätten beide glücklich aus der Sache heraus gehen können, doch so, hat sie Max einfach nur unfassbar schlimm verletzt. Ich stelle mir nun einen achtzig jährigen Mann vor, der in seiner eigentlich ruhigen Phase des Lebens noch einmal einen Neuanfang starten muss. Eine traurige Vorstellung und ich mag Amelie dafür einfach nur hassen. Felix Schmidt hingegen ist ein großartiger Erzähler in meinen Augen. Er hat in wenigen Seiten alles auf den Punkt gebracht und dabei einen ganz lockeren Schreibstil bewiesen. Ein Buch, was ich weiter empfehlen möchte, weil es einem die Augen öffnen kann. Die Botschaft ist einfach: Du solltest zu schätzen wissen was du hast und solltest nicht mit den Gefühlen eines Menschen spielen. Es gibt keinen schlimmeren Akt, als tiefe Gefühle der Liebe zu verletzen. Danke an den Osburg Verlag für dieses Leseerlebnis.

Rezensionsexemplar/ Osburg Verlag/ Gebundene Ausgabe/ Erste Auflage 2020/ 150 Seiten/ 18,00 €

Im Schatten des Schwertes von Julie Kagawa

Yumeko ist eine Halbfüchsin und im zweiten Teil der Trilogie von Julie Kagawa wird es wieder richtig spannend für die *Kitsune. Bereits nach dem ersten Teil war ich begeistert von der feinen Geschichte mit japanischem Touch. Ich liebe ja bekanntlich Japan und als Teenager habe ich auch Manga’s verschlungen, sodass ich natürlich auch den zweiten Teil lesen musste. Im Schatten des Schwertes ist eine wunderbare Fortsetzung von Im Schatten des Fuchses.

Zum Inhalt

Yumeko und ihre neugewonnenen Begleiter haben eine weite Reise vor sich. Sie müssen nicht nur die Schriftrolle des Drachengedichtes beschützen, sondern müssen auch noch Kage Tatsumi aus den Fängen des Dämonen Hakaimono befreien. Keine leichte Aufgabe für die Gruppe und gerade Yumeko hat eine große Aufgabe zu bewältigen. Sie wird so langsam erwachsen und muss lernen ihre Kitsune Energie zu steuern. Leichte Tricks eines Fuchses werden den Dämonen schließlich nicht aufhalten können. Mittlerweile kämpft sie aber nicht mehr allein, sie hat vier Freunde gefunden, die sie beschützen und unterstützen in all ihren Entscheidungen. Auch bei der folgenschweren Entscheidung Tatsumi zu befreien, stehen die Freunde hinter ihr.

Die Schreinmaid Reika und der Mönch folgen der Gruppe erst seit kurzem, sind aber eine große Hilfe. Der Ronin und Daisuke der Adlige folgen Yumeko nun schon länger und haben auch bereits an Seite von Tatsumi gekämpft. Im Laufe des zweiten Teils stellt sich heraus, dass diese beiden sich sogar noch mehr mögen als nur wie Freunde. Auch Yumeko sieht die beiden in einem Traum und ist verwirrt, welche Verbindung zwichen den beiden Männern entstanden ist. Ein Adliger und ein gebrochener Samurai, dass könnte noch für Probleme sorgen. Ich hoffe man bekommt im dritten Teil noch mehr Details dazu.

Der Geist von Suki

Ganz zu Anfang des ersten Buches haben wir die kleine Suki kennen gelernt. Sie musste leider schon früh in der Geschichte sterben, durfte aber als Geist weiter eine Rolle spielen. Mittlerweile glaube ich, dass die kleine Suki ein Schutzengel der Gruppe von Helden ist. Sie ist immer in der Nähe und sie hat immer einen guten Riecher, um Yumeko und ihre Freunde zu beschützen. Es war offensichtlich Schicksal, dass sie als Geist weiter leben durfte.

Meine Meinung

Ich mochte den zweiten Teil genauso gerne wie schon den ersten Teil. Julie Kagawa hat eine tolle Fantasie und die Beschreibungen der Orte und Personen gefallen mir sehr gut. Man kann sich die Welt rund um Iwagoto richtig vorstellen. Literarisch ist es kein ganz großes Buch, aber wer Fantasie und Manga’s mag, der wird sich hier wieder finden können. Ich freue mich auf den dritten Teil der Saga und hoffe auf ein tolles Ende der Geschichte und natürlich hoffe ich auf ein Happy End für Yumeko und Tatsumi. Im Schatten des Drachens folgt voraussichtlich im Juni 2020.

Selbst gekauft/ Gebundene Auflage 2020/ Heyne Verlag/ 496 Seiten

*Kitsune: bedeutet Halbfüchsin

 

 

 

 

 

 

 

Die junge Frau und die Nacht von Guillaume Musso

Mein zweiter Lieblingsautor ist ganz klar Guillaume Musso. Ich habe nun schon einige Bücher von ihm gelesen und ich muss sagen, dass ich noch keines von ihm nicht mochte. Ich mag seinen einfachen Schreibstil und seine gekonnt einfache Stimmung in den Büchern. Er schafft es mit einfachen Worten und simplen Protagonisten einen hohen Spannungsbogen aufzubauen. Bücher von Guillaume Musso kann ich immer fast in einem Zug lesen, weil ich sie nicht aus der Hand legen möchte. So ging es mir nun auch mit dem Buch “ Die junge Frau und die Nacht„.

Zum Inhalt

Schriftsteller Thomas kehrt an seinen Schulcampus zurück und damit auch in seine Vergangenheit. Er hat sich die letzten Jahre nach New York abgesetzt und hat versucht die Geheimnisse, welche sein Leben begleitet haben, zu vergessen. Seine Rückkehr an den Campus weckt alte Erinnerungen und eine neue spannende Spurensuche beginnt. Seine große Liebe Vinca ist damals verschwunden und er kann bis heute nicht von seinen Gefühlen ablassen. Für Sie hat er damals einen schlimmen Fehler begangen und auch für Sie möchte er nun alles im Dunkel verschwinden lassen. Doch es stellt sich heraus, dass nicht nur er ein Geheimnis hat und das nicht nur er die Wahrheit verstecken möchte.

„Und Leidenschaft hat nichts mit Liebe zu tun. Die Leidenschaft ist ein no man’s Land, ein ausgebombtes Kriegsgebiet, irgendwo zwischen Schmerz, Wahnsinn und Tod.“

Im Laufe des Buches stellt sich heraus, dass auch Thomas Eltern einen Teil beizutragen haben und auch Vinca, seine große Liebe, hat einige Geheimnisse mit ins Grab genommen. Guillaume Musso versteht es, eine verworrene Geschichte zu spinnen. Man meint am Anfang den Verlauf erahnen zu können, wird aber in der Regel eines Besseren belehrt. Nichts in seinen Büchern geschieht so, wie man es am Anfang vermutet hat.

Thomas ist in diesem Buch mein Lieblingscharakter und das nicht weil er der Hauptprotagonist ist. Thomas hat sich als junger Mann in Vinca verliebt und für diese Liebe hat er alles gegeben. Man erkennt in diesem Buch immer wieder, wie tief seine Gefühle für dieses Mädchen gewesen sein müssen. Er hat sie sozusagen vergöttert, er hat sie in einen Himmel gehoben, in den das Mädchen niemals hinein gepasst hat. Er hat sie größer werden lassen, als alles andere und hat darüber hinaus sich selbst verloren. Er war der Junge der anders war, er war der Junge, auf den viele gesetzt haben. Doch die Liebe verändert uns Menschen und im Fall von Thomas hat es ihn fast zerstört.

Mein persönliches Fazit

Ich kann wie immer nur eine Empfehlung aussprechen. Ich liebe diesen Autor. Wie bereits erwähnt, sind seine Bücher immer spannend und haben nebenbei immer noch genug Tiefgang. Keine komplizierte und umfangreiche Literatur, sondern perfekt für einen verregneten Herbsttag. Guillaume Musso und „Die junge Frau und die Nacht“ ist mein Buchtipp für die kommenden Wintermonate bei Tee und Wolldecke auf dem Sofa.

 

Selbst gekauft/ Pendo Verlag/ Auflage 2018/ 424 Seiten/ 16,99€ 

 

 

 

 

 

Die Zehnjahres Pause von Meg Wolitzer

„Die Zehnjahres Pause“ von Meg Wolitzer ist mal wieder ein Roman zum nachdenken für mich. Ich beschäftige mich nun schon seit längerem mit dem Frauenbild in unserer Gesellschaft und die Bücher von Meg Wolitzer regen meine Gedanken immer wieder auf’s Neue an. „Die Zehnjahres Pause“ habe ich als Rezensionsexemplar aus dem Dumont Buchverlag bekommen und ich freue mich, dass ich Euch nun davon berichten kann.

Zum Inhalt

Vier Freundinnen von Anfang vierzig leben in New York und jede Einzelne von Ihnen hat ihre eigene Geschichte. Alle haben aber eine Sache gemeinsam, sie haben alle ihre Jobs geopfert für die Familie. In den letzten zehn Jahren waren sie Hausfrauen und Mütter und haben dafür den ein oder anderen Traum sausen lassen. Die Hauptprotagonistin ist Amy. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn zusammen und sie wirkt extrem unglücklich. Sie hat ihren Mann in einer Anwaltskanzlei kennen gelernt und der Job hat die beiden immer begleitet. Als sie Mutter wurde, hat sie ihren Job aufgegeben und sich um den Sohn und den Haushalt gekümmert. Es ist im Prinzip eine klassische Geschichte in New York, wo Väter gut bezahlte Jobs haben und die Frauen ihre Freizeit mit Aktivitäten der Schulen etc. verbringen. Nur das es bei Amy so ist, dass ihr Mann gar nicht so gut verdient und sich herausstellt, das ein zweites Gehalt doch schon sehr sinnvoll wäre.

Jill ist die beste Freundin von Amy und das obwohl sie sich immer mehr auseinander leben. Zum Wohle ihrer Tochter Nadia ist Jill mit ihrem Mann und der adoptierten Tochter in einen Vorort von New York gezogen. Doch ohne ihre Freundinnen in der großen Stadt fühlt sich die Mutter zusehens einsam. Ihr Mann geht arbeiten und ihre Tochter Nadia ist irgendwie merkwürdig. Sie haben die kleine aus Russland adoptiert und der Adoptivmutter fehlt anfänglich der Zugang zu dem kleinen Mädchen. Eine Situation, die Jill zusetzt. Im Laufe des Buches lernt Jill aber, wie sie zu dem Mädchen vordringen kann und sie lernt auch, wie man neue Freunde in einem Vorort finden kann. Ihre Geschichte hat für mich eine sehr schöne Wendung genommen.

Roberta ist die dritte Freundin und auch sie hat für Mann und Familie ihre Künstlerkarriere aufgegeben. Sie wollte Künstlerin werden und hat seit der Familiengründung aber kein Bild mehr zu Stande gebracht. Trotz Atelier im eigenen Haus und der Unterstützung ihres Mannes hat sie nie wieder gemalt. Sie beschäftigt sich neben der Familie mit einer Hilfsorganisation, die jungen Mädchen beim abtreiben hilft. Dabei trifft Roberta auf Brandy. Sie ist ein junges Mädchen, die auch ihren Traum als Künstlerin leben möchte. Roberta verspricht dem Mädchen ihr zu helfen und in New York Fuß zu fassen. Sie enttäuscht das Mädchen aber und ich glaube sie tat es aus Eifersucht. Sie konnte nicht mit erleben, dass dieses Mädchen ihren eigenen Traum leben würde…aber das ist nur meine Meinung.

Die letzte Freundin ist Karen. Sie ist ein absoluter Zahlenmensch und lebt glücklich mit ihrem Mann und ihren Zwillingen zusammen. Ich muss gestehen, dass Karen die einzige in diesem Bunde ist, der ich dieses Familienleben abkaufe. Sie wirkt als einzige glücklich auf mich. Die Entscheidung für Mann und Kinder da zu sein ist bei ihr, in meinen Augen, aus reinem Herzen getroffen worden. Sie geht zwar regelmäßig zu Vorstellungsgesprächen, wo sie aber nie einen Job annimmt, und ich glaube sie macht das nur aus Spaß um ihren Marktwert zwischendurch zu testen. Ihr reicht das Gefühl zu wissen, dass sie immer wieder zurück in den Job gehen könnte als Bestätigung.

Meine Meinung zum Buch

Ich muss gestehen, dass ich diese Frauen teilweise nicht verstanden habe. Muss man denn immer seine Träume aufgeben, nur weil man heiratet und Kinder bekommt?! Ich fand die einzelnen Frauen teilweise viel zu sehr Klischee aus den oberen New Yorker Kreisen. Jeden Morgen treffen sich die Frauen in einem Café während die Kinder in der Schule sind und versuchen so ihre Zeit tot zu schlagen. Ich persönlich bin der Meinung, dass man sich niemals selbst aufgeben sollte, nur weil man eine Beziehung eingeht. Ich hatte das Gefühl, dass der Titel „Die Zehnjahres Pause“ genau treffend formuliert war, denn die Frauen haben zehn Jahre Pause von ihrem Ich genommen. Sie haben sich selbst die letzten zehn Jahre aus den Augen verloren und das finde ich nicht richtig. Ich denke man kann Ehefrau und Mutter sein ohne sich selbst zu verlieren. Und besonders Amy fand ich in diesem Buch sehr anstrengend, denn sie hat sich mehr für andere Leben interessiert, als für ihr eigenes und sie hat darüber hinaus noch nicht einmal gemerkt, dass eine ihrer Freundinnen einsam geworden ist und eine Freundin gebraucht hätte.

Mein Fazit

Ich kann dieses Buch, genau wie viele andere von Meg Wolitzer jedem empfehlen. Es öffnet einem die Augen und lässt zu, dass man sich selbst reflektieren kann. Gerade in „Die Zehnjahres Pause“ kann man sich selbst mit Sicherheit in einer der Frauen wieder finden und man beginnt zu überlegen, wie man selbst handeln würde. Ich mag die lockere Art von Meg Wolitzer mit diesem Thema umzugehen. Danke an den Dumont Buchverlag für das Leseexemplar an der Stelle.

 

Rezensionsexemplar/ Dumont Buchverlag/ Auflage 2019/ 416 Seiten/ 22,00€