Kurt von Sarah Kuttner

Ich sitze am Schreibtisch und denke an das Buch Kurt von Sarah Kuttner. Im Radio läuft „Marie“ von Annen May Kantereit und irgendwie passt das ganz gut. Klare und einfühlsame Worte im Buch, als auch im Lied. Eine gute Kombination in meinen Augen. Kurt ist ein Buch, was noch lange wirkt und das, obwohl es so einfach geschrieben ist. Nun sitze ich hier, draußen ist es grau und nass und versuche das gelesene in Worte zu fassen und Euch zu berichten, was ich zu diesem Buch zu sagen haben.

Sarah Kuttner

Sarah Kuttner hat in meinen Augen einen großartigen Schreibstil. Sie ist unfassbar ehrlich und nennt alles genau beim Namen. Sie beschreibt so alltägliche Kleinigkeiten in einer detaillierten Fassung und nimmt so den Leser mit. Man ist hin und hergerissen zwischen mit weinen oder einfach nur laut lachen. Sie kann Freude und Leid gleichermaßen gut beschreiben und das ohne um den heißen Brei herum zu reden. Es war für mich ihr erstes Buch und ich hoffe da kommen noch ein paar. Ihr Buch Mängelexemplar werde ich mir auf jeden Fall im Nachgang noch kaufen müssen, denn ich bin nun ein kleiner Fan. Sorry an der Stelle, dass ich mein Fazit quasi schon in den ersten Absatz packe – aber in dem Fall muss das sein.

Kurt

Lena und Kurt haben vor kurzem ein Haus in Brandenburg gekauft und sind den großen Schritt gegangen aus der Stadt raus zu ziehen. Diese Entscheidung fiel, weil der kleine Kurt, Kurt’s Sohn, auch ein Zimmer benötigen wird. Sie wollen sich ein Heim schaffen, ein zu Hause für eine kleine Familie. Kurt’s Mutter Jana lebt alleine mit ihrer Tochter in Oranienburg und sie wechselt sich mit Kurt und Lena ab. Man kann heraus lesen, dass die Erziehung von Jana eine andere ist, wie die von Lena und Kurt. Jana wirkt eher steif und streng. Der kleine Kurt wird als aufgewecktes Kind beschrieben, man schließt ihn direkt in sein Herz. Schon zu Anfang wird klar, dass es keine einfache Familienkombination ist. Dennoch eine Beschreibung, die auf ganz viele Familien in Deutschland zutreffen könnte. Mitten aus dem Leben erzählt und mit Gefühlen untermauert.

Es kommt der Tag, da fällt Kurt vom Klettergerüst und stirbt. Für die drei bricht eine Welt zusammen und harte Zeiten beginnen. Kurt kann am aller wenigsten damit umgehen. Er flüchtet sich zu Jana und lässt Lena mit ihrer Trauer alleine. Lena versucht indessen stark zu sein und sucht immer wieder einen anderen Weg, um an Kurt heran zu kommen. Sie versucht es mit Nähe und gibt ihm sogar Raum, aber die Trauer wiegt so schwer, dass Kurt niemanden so richtig an sich ran lässt. Lena findet ihren eigenen Weg damit klar zu kommen und stürzt sich in ihre Gartenarbeit. Erst als beide sich dazu entscheiden eine Auszeit an der Ostsee zu nehmen wird es ein wenig besser. Sie lernen zusammen zu arbeiten und nehmen gemeinsam ihr Leben wieder auf. Zum Ende schaffen sie es sogar zusammen zu trauern und man merkt, dass die Beziehung der beiden durch den Todesfall von Kurt nun noch stärker wird.

Einfacher Schreibstil & Tiefe Worte

Sarah Kuttner schafft es mit einfachen Worten allem einen tieferen Sinn zu geben. Sie verschönt nichts und bringt alle Gefühle genau auf den Punkt. Das macht das Buch so realistisch und echt. Manchmal braucht es keine 500 Seiten lange Romane, um ein Gefühl zu beschreiben. Trauer und Liebe sind die beiden wichtigsten Komponenten in diesem Buch und beides kann man hautnah spüren, während man es liest.

Ich möchte für dieses Buch eine ganz, ganz große Empfehlung aussprechen! Ein so großartiges Buch – bitte unbedingt lesen. Danke an der Stelle an den S.Fischerverlag für das Leseexemplar, welches ich übrigens auf der Leipziger Buchmesse erhalten hatte. Ein Schande, dass ich dieses Buch so lange habe liegen lassen. Ich bin froh, dass ich es endlich aus dem Bücherregal genommen habe.

Rezensionsexemplar/ S.Fischerverlag/ Auflage 2019/ 240 Seiten/ 20,00€

Im Schatten des Fuchses von Julie Kagawa

Im Schatten des Fuches“ ist die neue Trilogie von Julie Kagawa aus dem Heyne Verlag. Ich habe dieses Buch bei Instagram entdeckt und musste es sofort kaufen. Ich liebe Geschichten aus Japan und ich hatte schon lange keinen Fantasy Roman mehr gelesen. Schon als Kind war ich fasziniert von Japan und deren Manga Figuren und sämtlichen Fantasien, die dieses Land zu bieten hatte. Beim Lesen von „Im Schatten des Fuchses“ hatte ich direkt Bilder im Kopf, ich konnte mir die Welt rund um die Protagonisten regelrecht vorstellen. Julie Kagawa hat noch dazu einen einfachen und einfühlsamen Schreibstil, was mir sehr gut gefällt.

Im Schatten des Fuchses

Yumeko ist Gestaltwandlerin, halb Mensch und halb Füchsin. Sie ist im Kloster der Stille groß geworden und hat das Leben der dort lebenden Mönche regelrecht auf den Kopf gestellt. Ich mochte Yumeko als Protagonistin, sie war wie man sich eine kleine Füchsin vorstellen möchte. Sie hatte immer irgendeinen Blödsinn im Kopf und hat alles auf Trapp gehalten. Als das Kloster von Dämonen angegriffen wird, muss Yumeko fliehen und wird von ihrem Ziehvater Mönch um den Gefallen gebeten die geheimnisvolle Schriftrolle in Sicherheit zu bringen. Diese Schriftrolle besteht aus vier Teilen und fügt man diese zusammen, erwacht der sagenumwobene Drache wieder zum Leben. Die Dämonen sind hinter dieser Schriftrolle her und für Yumeko beginnt eine spannende und gefährliche Reise.

Auf ihrer Reise wird sie von Tatsumi begleitet, ein Schattenkämpfer. Er ist auch hinter der Schriftrolle her, aber nur, weil es eine Art Job für ihn ist. Er weiß nicht, dass Yumeko diese Schriftrolle mit sich trägt, er hofft aber, sie durch Yumeko zu finden. Die beiden kämpfen zusammen Seite an Seite gegen Dämonen und bannen sich den Weg in die große Hauptstadt. Tatsumi hat aber auch eine dunkle Seite. Er trägt ein verzaubertes Schwert bei sich, welches einem Dämon gehört. Dieser Dämon versucht Besitz zu ergreifen und schafft es am Ende die Oberhand zu gewinnen und Tatsumi zu verdrängen. Tatsumi darf sich daher nicht in Yumeko verlieben. Er weiß, welche Gefahr in seinem Inneren wohnt. Dennoch kann er seine aufkommenden Gefühle für Sie nicht verstecken. Und das, obwohl er noch nicht weiß, das Yumeko eine halbe Füchsin ist.

Die Umgebung & die Protagonisten

Jeder Protagonist wird super beschrieben von Julie Kagawa. Man kann sich alles bildlich vorstellen und man hat das Gefühl in eine fremde Welt einzutauchen. Ich könnte mir vorstellen, dass man aus der fertigen Trilogie eine Manga Reihe zaubern könnte. Die Umgebung wird klassisch japanisch beschrieben, was ich sehr mochte. Japan ist immer noch ein Wunschziel von mir und daher mochte ich die Beschreibung unglaublich gerne.  Auch wenn alles rein erfunden ist, so ist es alles zu zauberhaft um wahr zu sein.

Mein persönliches Fazit

Ich werde auf jeden Fall den zweiten und dritten Band lesen, denn ich möchte unbedingt wissen, wie es mit dem Fuchsmädchen weiter geht. Ich hoffe sie schafft es, die Schriftrolle zu schützen und ihre Liebe zu Tatsumi zurück zu bekommen. Es wird so spannende werden, ich kann es kaum erwarten. Ich kann dieses Buch für jeden, der Fantasy mag, nur empfehlen. Man muss sich aber wirklich auf diese Fiktion einlassen können. Und eine liebe zu Manga ist auch von Vorteil, um das Buch zu mögen. Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich die Gestaltung des Umschlages richtig schön fand. Mein persönliches Herbst Highlight im Bereich Fantasy Roman.

Selbst gekauft/ Gebundene Ausgabe/ Auflage 2019/ Heyne Verlag/ 17,00 €

 

An den Mauern des Paradieses von Martin Schneitewind

Ich möchte Euch heute ein Buch vorstellen, welches ich auf der Leipziger Buchmesse entdeckt habe. Ich kam nun endlich dazu “ An den Mauern des Paradieses“ von Martin Schneitewind zu lesen. Das Buch, welches im Dtv Verlag erschienen ist, ist ein ganz besonderes Buch. Der Autor selbst ist bereits verstorben und dieses Werk ist sein Einziges geblieben. Schade, wenn ihr mich fragt, denn ich finde ihn ganz großartig. Sein Schreibstil ist nicht ganz einfach und auch die geschichtlichen Hintergründe teils sehr wirr, aber literarisch wunderbar.

Zum Paradies selbst

An den Mauern des Paradieses erzählt von einem Orientalisten, der in den mittleren Osten reist, um sich biblische Tontafeln anzuschauen. Er reist an den Ort, an dem Genesis sich befand und wo die Geschichte von Adam und Eva seinen Anfang fand. Tatsächlich gibt es in diesem Buch aber wesentliche Unterschiede in der Geschichte um Adam und Eva. Es gibt die Fassung aus der Bibel und die Fassung aus dem Koran. Ehrlich gesagt übersteigt das mein persönliches Wissen über beide religiöse Schriften in dem Fall. David Ostrich, der Hauptprotagonist versucht heraus zu finden, welche Fassung nun die Wahre ist und wo die Unterschiede liegen. Er hatte bereits in den Vereinigten Staaten eine Fälschung der Geschichte aufdecken können und war nun vom Wissenschaftlergen gepackt. Angekommen am persischen Gold wird er vom Bauleiter des dort geführten Bauprojektes rund um einen Damm beauftragt seine verschwundene Tochter zu suchen. Auf der Suche nach eben dieser, geriet David Ostrich aber immer mehr selbst in die Fänge der biblischen Geschichte und wird letzten Endes festgenommen. Eine Jagd nach der Wahrheit beginnt. Nicht nur die Religion gilt es aufzudecken, sondern auch die Machenschaften rund um den Dammbau. Auf seinem Weg lernt David sehr interessante Menschen kennen und die Geschichte beginnt sich zu verwirren.

Hintergrundwissen

Am Ende des Buches wird aufgeführt aus welchen Quellen der Autor seine Daten gezogen hatte. Und tatsächlich hatte er einige wichtige Dinge zusammen getragen und hat eine Geschichte gesponnen die teilweise mit echten Menschen und Daten zu tun haben konnte. Er hat dieses Buch ausgeschmückt mit jeder Menge Wissen über Religion und Geschichte und hat noch dazu literarisch wundervolle Sätze geschrieben. In meinen Augen ein hochintelligenter Mann, der bei weitem noch viel bedeutenderes hätte schreiben können. Trotz der leichten Überlagerung von Fakten, konnte man sich in die Gefühle und Beweggründe seiner Protagonisten hinein versetzen.

Meine Lieblingsstellen:

“ Ist es möglich, über Zeit zu reden? Es heißt, sie wäre absolut, unumkehrbar und unaufhaltbar. Doch ist es das wirklich? Ergab sich diese Vorstellung von Dauer nicht eher durch die ersten mechanischen Uhren…?“

„Ich wurde hart: was sie allein an meinen Blicken wahrzunehmen schien. Ah- wie wir einander zu erkennen vermögen, wenngleich wir meist so tun, als verstünden wir nicht.“

„Eine gute Geschichte stellt etwas irgendwie Vorhersehbares in Aussicht. Sie spannt auf die Folter, indem bereits zu ahnen ist, ja zu befürchten ist, was alles vorfallen wird – und je länger man auf dieses Unausweichliche wartet, desto unerträglicher wird es. Doch in Wirklichkeit gibt es solche Spannungen kaum, weil man nie weiß, was als Nächstes geschieht, was einen erwartet, da alles offen ist, unvorhersehbar.“

Mein Abschlussfazit

Ich möchte Euch gar nicht erzählen, wie dieses Buch „An den Mauern des Paradieses“ endet und was der Protagonist heraus findet oder auch nicht. Ich möchte die Spannung an der Stelle nicht nehmen. Ich denke dieses Buch ist etwas ganz besonderes. Ich mochte es sehr und habe es wirklich genossen, auch wenn es nicht leicht zu lesen ist. Es ist eines der Bücher, welches nicht auf irgendwelchen Shortlists oder Bestseller Listen steht, das muss es auch gar nicht, denn es ist einzigartig. Ein Fund, den man nicht so oft macht. Ich kann es nur empfehlen und hoffe diesen Fund, machen noch weitere Leser/innen. Danke an den Dtv Verlag, dass ich dieses Buch auf der Messe bekommen habe.

Rezensionsexemplar/ Dtv Verlag/ Auflage 2019/ 395 Seiten/ 24,00€/ Gebundene Ausgabe

Kampfsterne von Alexa Hennig von Lange

Ein fliegender Kampfstern – unberechenbar und gefährlich. Menschen, die wie ein fliegender Kampfstern sind, die wollen immer weiter hinauf und wollen immer die Besten sein. Im Prinzip trifft diese Aussage auf alle Protagonisten in diesem Buch, auf den einen vielleicht mehr oder offensichtlicher als auf den anderen, aber dennoch trifft es auf die ganze Geschichte zu. Eine Siedlung in der die Eltern ihre Kinder bis an ihre Grenzen bringen wollen und wo jede Ehe nur dem Schein gilt. Alexa Hennig von Lange präsentiert in ihrem Buch Kampfsterne eine Welt, die in unserer aller Nachbarschaft liegen kann. Menschliche Charakterschwächen keine Seltenheit und psychologische Höchstleistungen werden dringend benötigt.

Die Siedlung und ihre Bewohner

Wir lesen in diesem Buch immer wieder verschiedene Blickwinkel, je nachdem, welcher Protagonist im Moment an der Reihe ist. Es beginnt mit Rita. Sie ist eine Person, die auf Anhieb so richtig unsympathisch ist. Sie möchte das ihre Kinder die intelligentesten sind und immer die Nase vorn haben. Ihr Mann reicht ihr schon lange nicht mehr aus und sie ist enttäuscht davon, dass er angeblich so ein langweiliger Loser ist. Sie selbst ist in meinen Augen lesbisch und kann dieses einfach nicht zugeben, es würde ja schließlich ihre heile Welt zerstören. Psychologische Höchstleistungen wie ich bereits erwähnte. Sie hat eine Tocher, Klara. Und ihren Teeniesohn Johannes, er ist seit Jahren in Ulla’s Tochter verliebt und Klara wiederum scheint in Johannes verliebt zu sein.

Rita hat ein Auge auf Ulla geworfen, die wunderschöne Nachbarin, die sich in Männerkleidung versteckt. Ulla’s Mann ein brutaler Schläger und beide wirken zunächst absolut unglücklich in ihrer Ehe. Auch hier könnte man wieder Stunden auf der Couch eines Psychologen zubringen. Ulla merkt nicht, dass Rita ein Auge auf sie geworfen hat und verfängt sich so in Zuneigungen, welche meistens nicht von ihr selbst ausgehen. Ulla ist eine Person, die nicht nein sagen kann und die keine Unruhe stiften möchte. Genau der Typ Mensch, der ungewollt Herzen brechen kann. Rita wird dadurch regelrecht wahnsinnig. Ulla hat zwei Töchter, Lexchen und Constanze ( Cotsch ).

Und dann sind da noch die Kinder, auch alle nicht ganz klar in meinen Augen. Dennoch hatte ich eine Lieblingsperson in dem Buch: Constanze ( Cotsch ). Sie ist die Einzige neben dem jungen Johannes die versteht, dass irgendwas mit dieser Siedlung nicht stimmt. Sie ist zwar auch nicht ganz normal, bedingt durch ihre Erziehung und die schlechte Vaterfigur, aber sie hat die einfachsten Einstellungen zum Leben. Geprägt durch ihre Vorbilder ( Vater ein Schläger und Mutter eine schüchterne zurückgezogene ) läuft auch bei Cotsch nicht alles richtig. Sie gilt als „Dorfmatratze“ und wird im Laufe der Story auch von einem Kerl angegangen. Das Frauenbild was ihre Mutter ihr vorlebt entspricht eben leider nicht der starken Frau von heute, sondern eher das Mittelalter, wo Frauen noch wenig zu sagen hatten und die Männer die Hosen anhatten. Und das obwohl ja Ulla die Männerhosen trägt…

Eine Sache die ich bis zum Schluss nicht ganz verstanden hatte…wer ist Ella und wie fügt sich ihre Geschichte so richtig ein? Sie ist die Mutter von Joshi, aber so ganz fügen sich diese beiden Charaktere für mich nicht ein. Lexchen scheint in Joshi verliebt zu sein, aber wie genau seine Mutter in die Geschichte passt, ist mir leider nicht ganz bewusst geworden.

Meine eigene Meinung

Ich habe das Buch innerhalb eines Tages verschlungen. Ich mag diese Art von Bücher, denn sie kommen aus dem normalen Leben. Wer denkt, dass es solche Siedlungen nicht gibt?! Weit getäuscht, dass könnte tatsächlich irgendwo in der Nachbarschaft stattfinden. Und wie Alexa Hennig von Lange die Charaktere heraus gearbeitet hat, fand ich besonders stark. Sie hat keine Tiefe umschrieben, sondern die Dinge auf den Punkt gebracht. Was mir nicht so ganz gefallen hat, war das Ende. Ich hätte mir am Ende eine schärfere Wendung gewünscht, etwas was unerwarteter gewesen wäre. Es hätte locker noch 20 Seiten länger sein dürfen mit einem subtilen Ende. Im Ganzen war das Buch aber wirklich gut und die Kritiken, welche ich vorab gelesen hatte, haben ins Schwarze getroffen.

Selbst gekauft/ Dumont Buchverlag/ Taschenbuch/ Auflage September 2019/ 224 Seiten/ 11,00 €

Unverschämtes Glück von Jamel Brinkley

„Das amerikanische Debüt des Jahres“ so wird das Buch von Jamel Brinkley in den US Medien beschrieben. Unverschämtes Glück ist ein Buch mit neun Kurzgeschichten und jede Einzelne von Ihnen hat unverschämt viel Tiefgang. Jamel Brinkley verfügt über eine großartige Sprache und nimmt den Leser unweigerlich mit. Die Protagonisten in seinen Geschichten erfahren am eigenen Leib mit der Wahrheit konfrontiert zu werden. Und zwar der Wahrheit über sich selbst. Sie erleben Geborgenheit und Familie und aber auch das harte, unverblümte Leben. Unverschämtes Glück ist dafür in meinen Augen die richtige Buchbeschreibung, manche Protagonisten müssen lernen, welches Glück sie haben und wie sie dieses Glück heraus fordern können. Andere wiederum haben nie ein solches Glück erfahren. Tiefe menschliche Gefühle, aber auch Abgründe vermag Jamel Brinkley hier zu verbinden.

Ein bisschen was zum Inhalt

Ich könnte die einzelnen Geschichten gar nicht komplett beschreiben und vor allem würde ich Ihnen nicht gerecht werden. Also werde ich Euch nun ein paar Auszüge aus dem Buch zeigen, welche mir besonders gut gefallen haben:

J’Ouvert 1996: Diese Kurzgeschichte hat mich beeindruckt. Der kleine Ty und sein Bruder haben ihren Vater verloren. Er wird vermisst oder sitzt im Gefängnis, so ganz habe ich es nicht verstanden. Man erkennt in der Erzählung, dass farbige Bürger damals oft vermisst wurden und das vor allem auch die Justiz immer strenger mit ihnen umgegangen ist, als mit weißen Bürgern. Leider gibt es diese Art von Menschen/Rassenhass bis heute. Ty versucht also der starke Bruder zu sein und kommandiert seinen kleinen Bruder herum. Ihre Mutter ist mit sich selbst und ihren Männern beschäftigt, selbst für einen Friseurbesuch muss Ty betteln und bekommt keine Aufmerksamkeit. Sein kleiner Bruder hat sich eine „Scheinfreundin“ erschaffen, rein psychologisch ein Beweis für seine Einsamkeit. Ty empfindet jede Menge Liebe für seinen Bruder, doch er kann es erst zeigen, als der kleine Bruder kurz in einer Menschenmenge droht zu verschwinden. Eine traurige Geschichte, aber auch unverschämtes Glück, denn die beiden haben einander.

Unverschämtes Glück: Auch diese kleine Geschichte von Lincoln gefiel mir sehr. Lincoln fotografiert mit seinem Handy gerne junge Frauen, man könnte meinen, dass es eine sehr anstößige Geschichte ist. Doch er ist einfach nur fasziniert von ihnen, ein Fotograf ohne Mittel in meinen Augen. Was für mich aus dieser Geschichte hervor geht, ist das er seine eigene Tochter unendlich vermisst und in anderen Frauen ihr Gesicht zu erkennen vermag. Seine Tochter studiert in einer anderen Stadt und ist nur noch selten zu Hause. Lincoln wird mitten auf der Straße von weißen Männern angegriffen, weil sie glauben das er einer Frau hinterher geschaut hat und dieses mit schlechten Gedanken getan hat. Ich bin fest davon überzeugt, dass er nie etwas schlechtes im Hinterkopf hatte, sondern eher etwas künstlerisches. Aber ich kann mich auch täuschen.

Meine eigene Meinung

Jede dieser Kurzgeschichten hat etwas ganz besonderes, jede hat ihre eigene Message. Und die Art, wie Jamel Brinkley die tiefen Gefühle seiner Protagonisten beschreibt ist einzigartig. Literarisch ein Meisterwerk und ich hoffe er wird noch mehr Bücher schreiben. Zeitweise wirken die Geschichten subtil und simpel, doch im zweiten Blick erhascht man immer ein gewisses Detail. Man muss in diesem Buch eindeutig zwischen den Zeilen lesen – sehr sehr gut gearbeitet. Was aus diesen Erzählungen heraus geht ist immer wieder, dass die Welt eines farbigen immer noch anders läuft, wie die eines weißen Menschen. Für mich natürlich nicht verständlich, weil ich dieses Problem nicht kenne. Ich persönlich finde allerdings Menschen mit anderer Herkunft unglaublich interessant. Erschreckend ist einfach, das es in einem so modernen Buch immer noch ein Thema zu sein scheint. Und das in einer Stadt wie New York, wo Multikulti eigentlich an der Tagesordnung steht. Genau deshalb muss es immer wieder Bücher geben, die daraufhin weisen, dass es immer noch die Rassenungleichheit gibt. Diversität ist immer noch ein Thema, um das wir nicht herum kommen und das immer noch oder wieder mehr an Wichtigkeit gewinnt.

Ich liebte die Eindrücke aus New York und gerade aus Brooklyn in diesem Buch, es beschreibt meine Sehnsucht in diese Stadt. In meinen Augen ein ganz wunderbares Debüt und absolut lesenswert. Würde ich Sterne vergeben, wären es fünf von fünf Sterne. Und ganz wichtig: Ich liebe den Buchumschlag! Richtig gut gestaltet.

Danke an den Kein&Aber Verlag für dieses Exemplar, es war mir ein Vergnügen es lesen zu dürfen.

Rezensionsexemplar/ Kein&Aber Verlag/ Deutsche Ausgabe 2019/ 329 Seiten/ 22,00 €

Es wird Zeit von Ildiko von Kürthy

Was, wenn du deine Vergangenheit versucht hast zu vergessen und sie dich auf einmal einholt?! Und dann auch noch im denkbar ungünstigsten Moment. Und was, wenn du auf einmal feststellen musst, dass die Verdrängung um sonst war, weil deine Vergangenheit doch eine ganz andere ist?!

Ildiko von Kürthy hat mal wieder einen wunderbaren Roman geschrieben. Ich bin ein großer Fan von ihr und „Es wird Zeit“ ist ganz oben auf der Liste meiner Lieblingsbücher. Sie hat einen ganz einfachen und unaufgeregten Schreibstil, aber ihre Geschichten sind dadurch auch einfach so nah am Leben dran. Sie schreibt Erzählungen, welche mir selbst oder meinem Umfeld tag täglich passieren könnten. Diese Authentizität macht ihre Bücher so glaubwürdig und einfühlsam zu gleich.

Judith, ihre tote Mutter und der Grabstein

Judith steht auf dem Friedhof, auf dem in der nächsten Woche ihre Mutter beerdigt werden soll. Sie trägt ihre Mutter in einer Urne mit sich und versucht die Gedanken in die Vergangenheit zu verdrängen. Einfach nur schnell die Beerdigung hinter sich bringen und wieder zurück in den Norden. Sie war davor lange nicht mehr im Rheinland und hat auch alle Erinnerungen daran verdrängt. Plötzlich sieht sie Anne, ihre damalige beste Freundin, bei dem Versuch sich zu verstecken, landet Judith auf einem Grab und zerbricht einen Porzellan Engel. Kein gutes Karma, wenn ihr mich fragt.

Ildiko von Kürthy baut schon am Anfang einen unglaublichen Humor mit ein. Unsere Protagonistin wird gerade fünfzig und nimmt sich selbst gerne auf die Schippe. Man kann sich sofort mit dieser Person identifizieren. Und auch die Geschichte von Judith und Anne ist aus dem Leben gegriffen und macht dieses Buch so tiefgründig.

Anne ist krank, sie hat Krebs und ihre letzten Jahre darf sie von nun an doch noch mit ihrer besten Freundin bestreiten. Doch zu aller Erst müssen die beiden die Vergangenheit aufarbeiten, denn sie haben den selben Mann geliebt. Ein Mann, der gestorben zu sein scheint. Eine Verkettung von diversen Umständen, ein zusammen Treffen von alten Freunden und jede Menge Selbstzweifel. Gerade Judith ist in diesem Buch der Charakter, mit den meisten Unsicherheiten.

Freundschaft

Etwas, was diesem Buch zu entnehmen ist, ist das Freundschaft einfach so viel mehr bedeutet als alles andere. Durch die Freundschaft der beiden Frauen und auch durch die anderen Protagonisten merkt man, dass man so vieles Gemeinsam schaffen kann. Familie sucht man sich in der Regel nicht aus, aber Freunde wählt man ganz konsequent und sorgsam aus. Judith ist für Anne da und begleitet sie zur Chemotherapie und Anne im Gegenzug gibt Judith immer wieder gute Ratschläge. Beide haben ein festes Band, was diese beiden verbindet. Sie können sich die Meinung sagen und unterstützen jede im eigenen tun und handeln. Aus einer Freundschaft kann man Kraft ziehen und man erkennt sich selbst in dieser Freundschaft wieder. Freunde halten dir den einen Spiegel vors Geschichte, den Spiegel den du dir nie selbst vorhalten würdest.

Happy End oder nicht

Ich könnte Euch natürlich verraten, ob Anne im Buch überlebt und ob die Vergangenheit aufgeklärt werden konnte, aber das würde zu weit führen. Außerdem bin ich der Meinung, dass ihr das Buch noch selbst lesen sollt. Eines mag ich aber verraten, es gibt einige Überraschungen und Wendungen. Es mag am Anfang den Anschein haben, dass man das Ende schon erahnen kann, aber es kommt anders. Dieses Buch brilliert mit ganz viel Tiefgang. Emotionen die alltäglich sind und doch für jeden von uns unglaublich schwer zu begreifen. Zwischenmenschliche Tiefe und der Versuch immer man selbst zu sein.

Eine kleine Sache die mir nicht ganz so gefallen hat, mir war an der ein oder anderen Stelle zu viel Werbung in diesem Buch. Wenn die Protagonisten nicht nur Chips essen, sondern Chips von Funnyfrisch, dann mag ich das nicht wirklich. Es war immer wieder versteckt und vielleicht viel mir das auch nur auf, weil es in schräger Schrift abgetippt wurde, aber ich mochte es nicht. Das kann es Kennzeichnen muss durch die Schriftart ist mir durchaus bewusst, aber ich hätte mir eine allgemein gehaltene Bezeichnung mehr gewünscht, als Werbung einzubauen. Vielleicht auch nur eine Art der Autorin, Dinge zu beschreiben, aber das kleine Detail war mir zu viel.

Mein Schlusswort

Ich mochte das Buch sehr. Ich bin sowieso ein Ildiko von Kürthy Fan von daher kein Wunder. Ich danke dem Rowohlt Verlag für dieses tolle Buch und kann es Euch nur empfehlen. „Es wird Zeit“ ist ein Buch über jeden von uns, wenn er fünfzig wird und auch in jeder anderen Altersklasse. Witz, Charme und jede Menge Freundschaft. Und noch zu erwähnen bleibt: Optisch ist das Buch toll! Nicht nur der Umschlag, sondern auch die Seitengestaltung ist wunderschön.

Zum Schluss mein Lieblingszitat:

„Wer je die Solidarität erleben durfte, die auf Frauentoiletten herrscht, der wird nie wieder einen Zweifel daran haben, dass die Zukunft weiblich ist!“ 

Rezensionsexemplar/ Rowohlt Verlag/ Auflage 2019/ 382 Seiten/ 20,00 €

Der Honigbus von Meredith May

Der Honigbus von Meredith May – ich muss es leider direkt zu Anfang sagen: Ich glaube das könnte eines meiner Lieblingsbücher in 2019 werden. Ein so mitfühlender und ergreifender Roman und dann noch auf wahren Begebenheiten, dass konnte nur gut werden. Eine Geschichte über ein kleines Mädchen, was alles verliert und durch die Liebe ihres Großvaters und dessen Bienenstamm wieder neuen Mut erlangt.

Meredith

Sie war gerade einmal vier Jahre alt, als sich Meredith’s Eltern trennen und das auf unschöne Art und Weise. Die Mutter völlig mit sich selbst beschäftigt und zu keiner Beziehung fähig, reißt die Kinder aus ihrem zu Hause in Rhode Island raus und zieht mit ihnen nach Big Sur Kalifornien zu ihren Großeltern. Meredith und ihr Bruder Matthew verstehen die Welt nicht mehr und vor allem verstehen sie nicht, warum ihr Vater denn nun der Böse sein muss. Gerade für Meredith ändert sich alles, sie ist die Ältere und sie ist es, die den ganzen Druck abbekommt.

Angekommen bei den Großeltern schließt die Mutter sich für Jahre ins Schlafzimmer ein und ist nicht im Stande sich um ihre Kinder zu kümmern. Die Kinder wirken wie eine ständige Belastung für sie und wären dort nicht die Großeltern, so hätten sie kein sicheres zu Hause. Vor allem aber der Großvater der Beiden hilft besonders Meredith wieder neuen Mut zu fassen.

„Die Bienen lehrten mich auf einer unbewussten Ebene die Wichtigkeit, mich um mich selbst zu kümmern. Ich sah mit eigenen Augen, dass eine Niederlage keine natürliche Daseinsweise war, nicht einmal für Insekten. Die Bienen zeigten mir, dass ich die Wahl hatte, wie ich leben wollte. Ich konnte unter der Trauer, dass ich meine Eltern verloren hatte, zusammenbrechen, oder ich konnte mich nicht unterkriegen lassen.“

Die Bienen

Der Großvater von Meredith war Bienenhalter und brachte ihr alles bei, was sie wissen musste. Auf eine wundersame Weise beschreibt Meredith May in ihrem Roman, wie sich ein Bienenfolk organisiert und was das besondere an jeder einzelnen Honigbiene ist. Sie vermittelt somit nicht nur ihre Geschichte, sondern auch Grundwissen rund um die Honigbienen. Es zeigt mal wieder, wieviel wir Menschen von der Natur noch lernen können. Meredith hat gelernt mit sich selbst zurecht zu kommen und die Familie so zu nehmen, wie sie nun mal ist. Sie wird in dem Buch immer stärker und findet ihren eigenen Weg. Ihr Großvater und seine Bienen haben einen großen Teil dazu beigetragen, dass Meredith sich nie selbst aufgegeben hat.

Eine Wendung

Zu Anfang des Buches habe ich Meredith’s Mutter gehasst. Ich habe nicht verstanden, wie eine Mutter ihre Kinder so im Stich lassen kann. Wie kann man seine Kinder schlagen und psychisch fertig machen. Im Prinzip hatte man zwischendurch das Gefühl, als ob sie nie Kinder gewollt hatte. Es geht immer wieder hervor, dass die Mutter gerne einen reichen Mann gehabt hätte. Einen Mann, der ihr ganzes Leben regelt, was der Vater der Kinder nicht geschafft hat. Zum Ende kommt heraus, dass Sally selbst von ihrem Vater geschlagen wurde. Nun schließt sich das Bild und es ist nicht verwunderlich, dass sie selbst keine Liebe geben kann und das sie einen Mann sucht, der ihr alles das gibt was ihr Vater hatte. Sie ist selbst so tief verletzt, dass sie ihren Kindern keine Mutter sein kann. Eine unglaublich traurige Wendung und dennoch eine Erklärung für viele Reaktionen in diesem Roman.

„Mutter Natur hatte einen sorgfältigen Plan gestrickt, und wenn man auch nur einen Faden herauszog, könnte sich das gesamte Gewebe auflösen. Diese Insekten, vor denen die meisten Menschen voller Angst davonliefen, waren der unsichtbare Klebstoff der Erde, der uns alle zusammenhielt.“

Mein Schlusswort

Der Honigbus ist ein wunderbares Buch und ich finde es ganz groß, dass Meredith May ihre Geschichte niedergeschrieben hat. Ich habe durch dieses Buch etwas über Bienen gelernt und finde, dass es mehr solche Bücher geben sollte. Das was ihr Großvater für die Natur getan hat und was Meredith weitergeführt hat ist ein ganz großer Anteil an Naturschutz, welchen mehr Menschen haben sollten. Dieses Buch beschreibt, was uns in unseren Herzen wirklich bewegen sollte. Eine absolute Leseempfehlung und vielen Dank an den S.Fischer Verlag für dieses tolle Leseexemplar.

Rezensionsexemplar/ S.Fischer Verlag/ Auflage 2019/ 317 Seiten/ 22,00€

Szenen aus dem Herzen von Familie Thunberg & Ernman

Eine kleine Klimaaktivistin, die den ganz Großen zeigt, was Klimawandel für uns bedeutet. Angefangen hat alles mit einem kleinen Sitzstreik und einem Pappschild, ein Bild, was um die ganze Welt ging. Ich denke, das der Name Greta Thunberg keinem mehr ein Unbekannter sein sollte. Nun hat ihre Familie im S.Fischer Verlag ein Buch für den deutschsprachigen Raum veröffentlicht. Ein Buch über die Familiengeschichte der Thunberg und Ernman’s und die Entstehung des Gedanken von Greta Thunberg den Klimaschutz voran zu treiben. Ich durfte dieses Buch als Leseexemplar lesen und versuche nun, Euch ein wenig davon zu erzählen. Meine eigene Meinung möchte ich erst einmal hinten anstellen, denn ich finde es schwierig einem solchen Buch eine Meinung aufzudrücken.

Beginnen wir mit dem Inhalt

Svante Thunberg und Malena Ernman leben mit ihren beiden Töchtern in Schweden ein wunderbares Leben. Er ist Produzent und sie Sängerin. Unter anderem ist sie sogar schon für Schweden beim Eurovision Song Contest angetreten. Beide Elternteile sind beruflich viel unterwegs und versuchen dennoch immer wieder genug Zeit mit den beiden Töchtern Greta und Beata zu verbringen. Beide Elternteile fliegen regelmäßig, um ihre Einsatzorte zu erreichen. Eine Tatsache die zum umdenken anstößt, aber dazu später mehr.

Das Leben der Familie ändern sich schlagartig, als beide Mädchen ungewöhnliche Krankheiten bekommen. Die Geschwister haben ungewöhnliche Symptome, welche nicht gleich diagnostiziert werden können. Es folgen schwere Zeiten für die Familie, besonders Greta macht den beiden Sorgen, denn sie isst nichts. Unendlich viele Arztbesuche, unendlich viele Gespräche und jede Menge Tests, bis heraus gefunden werden konnte das Greta an Asperger leidet. Greta sagt heute, dass es das Beste ist, was ihr passieren konnte, dass sie Asperger hat, denn sonst hätte sie die Welt mit anderen Augen gesehen. Beata’s Krankheit lässt sich wohl noch viel schlechter heraus finden und erst nach Jahren gibt es einen Lichtblick. Greta’s Mutter beschreibt den Leidensweg der Familie sehr genau und sehr emotional, da frage ich mich, wie wird das mediale Echo dazu sein?! Können die beiden Kinder mit diesem öffentlichem Striptease umgehen?!

Der Gedanke zum Klimaschutz

Wenn die eigene Familie durch eine persönliche Hölle geht, dann ist es nur natürlich, dass das große Ganze hinterfragt wird. Was stimmt in unseren Pflegesystemen nicht? Was ist falsch in unserem Bildungssystem? Und was genau spielt die Politik für eine Rolle? Nach und nach interessiert sich Greta immer mehr für das Thema Klimaschutz. Sie recherchiert und informiert sich und weiß am Ende höchstwahrscheinlich mehr wie jeder andere von uns. Vor allem aber hinterfragt sie die schwedische Politik und deren ganze Organisationsstruktur.

Die Familie beginnt nach und nach ihr Leben umzustellen. Sie informieren sich alle vollumfänglich über die Risiken des täglichen Lebens und welche Auswirkungen dieses auf den Klimawandel hat. Sie beginnen sich vegan zu ernähren, kaufen sich ein E-Auto und hören irgendwann sogar auf zu fliegen. Mutter Malena nimmt nur noch Angebote aus Stockholm an, um nicht mehr fliegen zu müssen und um auch näher bei ihren Mädchen zu sein.

Schreibstil & Botschaft

Der Schreibstil in diesem Buch ist natürlich eher gewöhnungsbedürftig. Es ist nun mal kein Roman. Im Prinzip sind es herunter geschriebene Ereignisse und jede Menge wissenschaftliches Hintergrundwissen zum Thema Klimaschutz. Jedes Kapitel ist sehr kurz gehalten, was ich persönlich sehr gut fand. Ich habe das Buch über zwei Wochen gelesen und es auch immer mal wieder zur Seite gelegt, die kleinen Kapitel sind dazu super geeignet. Viele Stellen in diesem Buch regen zum nachdenken an. Im Vordergrund steht eindeutig der Klimaschutz und was es der Familie bedeutet dieses Buch darüber zu schreiben.

Meine eigene Meinung

Nun, es ist nicht einfach ein solches Buch zu beurteilen. Und schon gar nicht zu beurteilen, welchen Standpunkt man selbst beim Thema Klimawandel einnehmen möchte. Das Buch regt auf jeden Fall dazu an, sich Gedanken dazu zu machen und ich denke, dass ist der erste richtige Weg. Genauso wie die Dokumentation “ Before the flood“ ist auch dieses Buch eine absolute Empfehlung! Ich bin der Meinung, dass unser größtes Problem ist, dass die meisten Menschen sich des Klimawandels gar nicht bewusst sind. Wenn man sich in seinem eigenen Umfeld umschaut, im Wohnort, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis und sogar in der Familie – wissen dort alle genau, was unserer Erde bevor steht? Ich denke nicht! Und solche Bücher klären zumindest viele von uns ein wenig mehr auf. Ich denke jeder Einzelne sollte für sich entscheiden, wie kann ich selbst etwas für die Umwelt tun. Und in einem Punkt gebe ich der Familie absolut Recht: Die Politik und die 10% der reichsten Menschen auf der Welt, diese sind die Ersten, die sich Gedanken machen sollten. Das ab morgen kein Mensch mehr mit Flugzeugen reisen wird, dass klingt sehr unwahrscheinlich, aber würde nur jeder Einzelne weniger fliegen und Billigflieger einfach nicht mehr existieren, so würden wir doch schon etwas erreichen. Genauso sieht es auch mit dem Fleisch essen aus, wobei Rindfleisch da die größte Rolle spielt. Ich selbst esse kein Rindfleisch und auch sonst fast gar kein Fleisch und kaufe regelmäßig vegane Produkte als Ersatz, aber es gibt nun mal genug Menschen die es tun und die nicht morgen damit aufhören werden. Ich glaube dennoch daran, dass wir etwas bewegen können und das auch tun müssen und zwar sofort und ohne Umwege. Ein wichtiger Faktor für mich ist auch, dass E-Autos bezahlbar werden müssen. Familie Thunberg beschreibt es so einfach, dass sie jetzt mit dem E-Auto fahren, ich persönlich kann mir so ein Auto zum heutigen Zeitpunkt nicht leisten und genau da ist der Fehler. Erneuerbare Energien sollten für alle zugänglich gemacht werden und gerade für Berufsreisende, die nun mal auf ihr Auto angewiesen sind. Aber diese Diskussion würde in einem Blogbeitrag eindeutig zu weit führen.

Greta Thunberg ist auf jeden Fall ein Vorbild für unsere Jugend und ich hoffe, dass sie mit ihrer Bewegung noch viel mehr Menschen bewegen kann als das sie es heute schon tut. Alleine an der Demo #fridaysforfuture sieht man, was ein kleines Mädchen für große Dinge vollbringen kann. Danke an den S.Fischer Verlag, dass ich dieses Buch lesen durfte. Der Grundgedanke/ die Message ist in diesem Buch zu erkennen, einzig die Informationen in emotionaler Form über die Familie Thunberg gehen mir ein wenig zu weit, ein wenig zu öffentlich. Man schafft eventuell Angriffsfläche für Hater, die Kinder in diesem Alter vielleicht noch nicht verarbeiten können und das obwohl Greta schon ein sehr dickes Fell besitzt.

Schlusswort: Bitte überlegt alle für Euch selbst, was könnt ihr tun, um einen Beitrag zu leisten. Es gibt so viele Möglichkeiten das eigene Leben nachhaltiger zu gestalten – wir müssen es nur tun und zwar jetzt!

Rezensionsexemplar/ S.Fischer Verlag/ Ausgabe April 2019/ 256 Seiten/ 18,00€

Kitchen von Banana Yoshimoto

Kitchen, ein Roman voll von Gefühlen, bei dem mich Banana Yoshimoto wieder einmal feststellen lässt, dass ich japanische Literatur wirklich sehr gerne mag. Ich bin ja bekennender Japan Fan, vor allem durch Haruki Murakami und auf Grund dieser Leidenschaft probiere ich immer wieder gerne neue Autoren aus. Banana Yoshimoto war also Neuland für mich. Nun bin ich aber auch Fan vom Diogenes Verlag und so konnte ich eigentlich gar nichts falsch machen. Ich habe dieses süße, kleine Buch auf einem Wühltisch entdeckt und es in einem Rutsch durch gelesen. Das ich gerne „wühle“ müsste Euch mittlerweile schon bekannt vorkommen, denn in diesen wunderbaren Tischen habe ich schon so manch ein großartiges Buch finden können.

„Zum ersten Mal in meinem Leben machte ich mit meinen eigenen Händen und Augen die Erfahrung, wie groß die Welt und wie tief ihre Dunkelheit ist, erlebte ich, von welch undenklicher Faszination, aber auch grenzenloser Einsamkeit sie ist.“

Die Geschichte von Mikage und Yuichi

Mikage wächst alleine mit ihrer Großmutter in Tokyo auf, den Rest ihrer Familie hat sie bereits verloren. Beide wohnen in einer großen Wohnung, in der allerdings die Küche ihr liebster Ort ist. Einzig und allein in der Küche fühlt Mikage sich sicher und geborgen. Als eines Tages auch ihre geliebte Großmutter stirbt, muss die junge Frau alleine durchs Leben gehen. Die steht vor der Entscheidung ihre erste eigene Wohnung zu mieten und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Yuichi ein guter Freund ihrer Großmutter macht ihr genau in diesem Moment der Einsamkeit den Vorschlag, dass sie doch bei ihm und seiner Mutter einziehen soll. Mikage ist zunächst skeptisch, denn ein für sie völlig fremder Mensch hat ihr dieses vertrauensvolle Angebot unterbreitet. Sie beschließt, dass sie sich die Wohnung und seine Mutter erst einmal anschauen möchte. Und wie könnte es anders sein, als dass die Küche als zentraler Punkt in ihrem Leben sie schlussendlich zu einer Zustimmung bringen würde. Zu dritt ist das Leben weniger einsam und zwischen Mikage und Yuichi entwickelt sich eine tiefe Freundschaft und später auch Liebe.

Eriko

Yuichi’s Mutter ist eigentlich sein Vater, denn der Alleinerziehende dachte, wenn er eine Frau wäre, dann würde es für den Sohn besser sein. Nachdem Yuichi’s richtige Mutter gestorben ist, lässt sich Eriko zu einer Frau umoperieren und leitet als Drag einen Nachtclub. Irgendwie klingt das typisch japanisch für mich und ich kann Eriko förmlich vor mir sehen. Mikage stört das nicht, denn sie sieht in Eriko eine zweite Mutter. Leider wird sie als Nachclubbesitzerin verfolgt und eines Tages ermordet. Die Beziehung von Mikage und Yuichi scheint daran zu zerbrechen, doch am Ende siegt der Drang, dass beide alleine viel zu einsam wären.

Auch Eriko hat ihre ganz eigene Geschichte, welche zum Schluss in dem Buch auch noch erzählt wird. Zuerst hatte ich den Geschichtenwechsel nicht Recht verstanden, doch am Ende erschien mir alles schlüssig. Das Buch dreht sich um den Verlust eines geliebten Menschen und wie uns so etwas nachhaltig beeinflussen kann. Denn nur jemand der wirklich einmal einsam war, der kann nachvollziehen, wie ein jemand sich dann fühlt und es scheint in diesem Buch, als könnten auch nur diese Menschen eine ganz ehrliche Liebe empfinden.

„Ich muss erwachsener, größer werden. Viel wird geschehen und mich im Innersten treffen. Vieles wird weh tun, und immer wieder muss ich auf die Beine kommen. Aber ich darf mich nicht unterkriegen lassen, darf nie die Kraft verlieren.“

Mein Fazit zu Kitchen

Ich mochte dieses Buch wirklich sehr. Banana Yoshimoto hat eine ganz einfache und doch tiefsinnige Art Dinge zu beschreiben. Einen Schreibstil, wie ich ihn bisher immer bei japanischer Literatur erlebt habe. Genau das ist es, was mich so nachhaltig an diesem Land begeistert. Die Menschen sind in der Regel ganz einfach und freuen sich über Kleinigkeiten ( im Fall von Mikage über eine Tasse mit einer Banane darauf ) und dennoch erleben sie ganz tiefe Gefühle und beschreiben die Umgebung immer mit einer faszinierenden Präzession. Ich bin Fan von Banana Yoshimoto, sodass ich mir direkt zwei weitere Bücher kaufen musste. Ich werdet also noch einmal von dieser Autorin auf meinem Blog lesen.

 

Selbst gekauft/ Diogenes Verlag/ Ausgabe 1994/ Backlist / 203 Seiten / 10,00€

So schöne Lügen von Tara Isabella Burton

New York, eine vermeintliche Freundschaft und menschliche Abgründe, dass macht den Roman „So schöne Lügen“ aus. Wobei ich tatsächlich finde das es eher ein Thriller ist, denn die ein oder andere Stelle ist schon schockierend. Der Roman von Tara Isabella Burton erscheint am 17. Mai im Dumont Buchverlag und ich durfte für Euch schon einmal hinein lesen.

Louise und Lavinia

Lavinia ist ein verwöhntes, Reiches Mädchen, was in New York ohne ihre Eltern in einem teuren Apartment lebt. Ihre Eltern denken, dass sie ein Jahr Auszeit nimmt von ihrem Studium und sie ahnen nicht, dass ihre Tochter nur von einer Party zur nächsten zieht. Sie ist jung, hübsch und ziemlich durchgeknallt. Ihr Leben ist durch den Rückhalt ihrer Eltern sehr sorglos.

Louise hingegen muss jeden Penny zweimal umdrehen. Sie hat mehrere Jobs, um sich ein billiges Zimmer leisten zu können, was nicht einmal in Manhattan liegt. Sie möchte Schriftstellerin werden, hat aber nicht den nötigen Biss dazu. Sie hat kaum Freunde, daher ist sie überglücklich, als sie Lavinia kennen lernt.

Ist das wirklich Freundschaft?

Wenn in einer Freundschaft die Unterschiede so groß sind, dann kann es auf Dauer nicht passen. Es ist ein kleines Klischee, die typische New Yorker Geschichte, so soll der Leser zumindest glauben. Doch „So schöne Lügen“ beschreibt weit mehr als das! Tara Isabella Burton erzählt uns hier von menschlichen Abgründen. Die Tiefe von verrückten Seelen, welche wir nicht zu kennen glauben.

Louise und Lavinia sind lange Zeit unzertrennlich und das Blatt wendet sich nur so nach und nach. Lavinia weiß, dass Louise sie betrügt, doch Oberflächlichkeit ist ihr nicht fremd. Sie nimmt es hin, sie denkt sie schafft für Louise ein besseres Leben. Erst als Lavinias Exfreund mit ins Spiel kommt, gerät ein Stein ins Rollen. Eifersucht und Neid, die mit Abstand schlimmsten Feinde des Menschen. Beide Eigenschaften bringen dich dem Abgrund so nah, dass Fallen vorprogrammiert ist.

Lavinia wendet sich ab und Louise lernt noch eine schlechte Eigenschaft kennen: Einsamkeit und Verlustangst. Die Frage ist nur, was wiegt schwerer? Die Angst Lavinia zu verlieren, oder der Verlust von plötzlichem Reichtum?

Ein Ende mit Schrecken und voll von Lügen

Das am Ende alle Lügen raus kommen, dass wissen wir alle und dennoch geht ein Jeder anders damit um. Louise schöpft aus einer Lüge Kraft für viele weitere und am Ende findet sie keinen Ausweg mehr. Zwischen Party’s, Drogen und einer neuen Liebe findet sie sich inmitten ihres eigenen Chaos wieder. Unfähig überhaupt noch einen klaren Gedanken zu fassen. Wenn das Handeln nur noch von Emotionen getragen wird. Tara Isabella Burton nimmt den Leser mit, tief in den Abgrund des menschlichen Wesens nimmt sie jeden mit sich. „So schöne Lügen“ ein Roman, der noch lange nachwirken wird. Nichts für schwache Nerven wenn ihr mich fragt. Jeder von uns hat menschliche Seiten und ein jeder von uns steht ganz oft selbst am Abgrund. Wir treffen unsere Entscheidungen Weise, die meisten jedenfalls. Ein großartiger Roman, mit ganz viel Tiefe. Danke das ich das Exemplar lesen durfte- ich vergebe fünf von fünf Sternen, eine absolute Empfehlung. Definitiv Potential für meine Top Bücher in 2019.

Rezensionsexemplar/ Dumont Buchverlag/ Gebundene Ausgabe/ Mai 2019/ 22,00 €

P.S.: Ich liebe den Buch Umschlag! So super schön – ein Grund mehr es zu mögen. 😉