Das kleine Friesencafe von Janne Mommsen

Janne Mommsen und seine bezaubernde Reihe von der Nordsee ist für mich immer wieder ein Genuss. Seine Bücher machen wirklich immer gute Laune und bereiten einem Vorfreude auf den nächsten Urlaub. Alle Bände spielen auf den Nordseeinseln und man kann regelrecht spüren, wie gerne der Autor die Meereslandschaft haben muss.

Julia aus dem Ruhrpott

Die Hauptprotagonistin Julia ist gebürtige Ruhrpottlerin und arbeitet im heimischen Blumengeschäft ihrer Oma als ausgebildete Floristin. Sie liebt ihren Job und versteht sich mit ihrer Oma super gut. Ihre Mutter ist leider früh verstorben und hinterlässt Julia eine Kladde mit Gemälden von der Insel Föhr. Da Julia nicht weiß, was ihre Mutter empfand, als sie diese Bilder malte, entschließt sie kurzerhand selbst nach Föhr zu reisen und sich die Umgebung anzuschauen. Sie möchte die Orte aus den Zeichnungen suchen und versuchen zu verstehen, wer ihre Mutter wirklich war. Im Prinzip macht sie auch eine Reise zu sich selbst, denn sie ist ihrer Mutter sehr ähnlich.

Angekommen auf der Insel kann sie erst einmal gar nichts für die Marschlandschaft empfinden. Den Teil mochte ich nicht so gerne, denn ich liebe diese Landschaften sehr. Julia muss allerdings erst einmal ankommen und zu schätzen lernen, was die Nordsee ihr zu bieten hat. Sie beginnt die Insel zu malen und sich so ein besseres Bild zu verschaffen. Da sie noch keine Bleibe hat und die Bilder einen Stellplatz benötigen, sucht sie kurzerhand nach einem Atelier auf Zeit. Fündig wird sie beim alten Kapitän Hark Paulsen. Hark ist bis zu seiner Pensionierung die Fähre gefahren, mit welcher auch Julia vom Festland nach Föhr gekommen ist. Hark hat seine Frau verloren und lebt seitdem eher zurückgezogen. Die junge Malerin bringt sein Leben von nun an voll durcheinander.

Die Insel Föhr

Die Beschreibungen in dem Buch sind einfach wunderbar. Man kann sich sofort auf die Insel denken, man riecht das Meer und träumt von Wanderungen in der Marsch. Auch Julia lernt diese Landschaft zu schätzen, vor allem weil es ein absoluter Kontrast zum Ruhrgebiet ist. Auch ihre Oma Anita hat sich in die Insel und in den lieben Kapitän verliebt. Wie geht es nun mit der kleinen Familie weiter? Zumal auch Julia auf Föhr einen netten Mann kennen gelernt hat. Wird es ein Neuanfang oder ein Abschied für immer?! Eines bleibt auf jeden Fall bestehen, und das ist die wunderbare Landschaft an der Nordsee. Janne Mommsen entführt uns mal wieder zum Träumen. Und ich kann es mir auch noch so gut vorstellen, weil auch ich Föhr total schön finde.

Meine eigene Meinung

Ich bin ein große Janne Mommsen Fan. Die Bücher sind leicht und haben immer super schöne Enden. Man bekommt bei jeder Geschichte sofort Urlaubsstimmung und seine Protagonisten sind immer interessante und freundliche Gesellen. Ich kann Euch die Bücher nur empfehlen. Vor allem jetzt während dem Dauer Lockdown- hier könnt ihr euch ans Meer träumen. Danke an den Rowohlt Verlag für dieses tolle Exemplar.

Rezensionsexemplar/ Rowohlt Verlag/ Auflage 2021/ 272 Seiten/ 16,00€

 

Der Buchspazierer von Carsten Henn

Ein Buch über den guten alten Buchhandel und welche Vorteile eine nette Beratung uns bringen kann. Ein Buch über die Liebe zum Vergangenen und zum Erhalt des Liebgewonnenen. Im Alltag vergessen wir oft, welche Dinge zählen und haben Vorurteile gegen Altbewertes, dieses Buch zeigt, dass auch alte Gewohnheiten manchmal zu mehr Glück verhelfen können. Carsten Henn fasst den Beruf des Buchhändlers in wunderbare Worte und gibt einem das Gefühl für ein gutes Buch zurück. Der Buchspazierer ist eine Hommage an das geschriebene Wort.

„Das geschriebene Wort wird immer bleiben, Frau Schäfer. Weil es Dinge gibt, die auf keine andere Art besser ausgedrückt werden können. Und der Buchdruck ist das beste Konservierungsmethode für Gedanken und Geschichten. Darin können sie Jahrhunderte überdauern.“

Der Buchspazierer

Carl Kollhoff arbeitet seit einer gefühlten Ewigkeit als Buchhändler, er ist der Kollege mit der meisten Erfahrung. Vieles davon hat er von seinem ehemaligen Chef gelernt, denn dieser brachte ihm das geschriebene Wort näher. Carl kann nicht ohne Bücher und erfreut sich jeden Tag daran seinen Kunden ein besonderes Buch zu empfehlen. Jeden Abend dreht er seine Runde und liefert eine Handvoll Bücher an seine Stammkundschaft aus. Währen des Spaziergangs denkt er sich Namen für seine Kunden aus. Zum Beispiel Mr. Darcy aus Stolz und Vorurteil. Jeder seiner Kunden bekommt einen Romanhelden zugewiesen, denn nur so kann er sich alle Namen merken. Er ist mit den Büchern und deren Geschichten so sehr verbunden, dass sie immer wieder seine eigenen Eselsbrücken darstellen.

Die Tochter seines alten Chefs übernimmt den Buchladen als dieser schwer krank wird. Leider hat sie nicht das gleiche Talent wie er und sie trägt auch nicht die selbe Liebe zu Büchern in sich. Gerade für Carl wird es somit schwer. Und das wo er doch sowieso schon in Rente gehen muss und nur noch den Wunsch hat abends seine Bücher ausliefern zu können. Doch auch diesen Wunsch möchte sie ihm nicht mehr Gewehren. Carl verfällt in ein tiefes Loch, wäre da nicht das kleine Mädchen Schascha. Sie schließt sich ihm eines abends einfach an und begleitet ihn. Zuerst ist ihm das gar nicht Recht, denn er genießt seine Spaziergänge lieber alleine. Doch im Laufe der Geschichte lernt er die Begleitung zu schätzen. Schascha hat auch noch einmal ein paar neue Ideen für neue Bücher und bringt in das Leben von allen Beteiligten neuen Schwung. Ein perfektes Zusammenspiel zwischen Jung und Alt.

Ein Schicksalsschlag trifft Carl schwer und auch der Vater der kleinen Schascha setzt dem Buchhändler schwer zu und für den Moment steht sein Leben völlig auf dem Kopf. Carl muss alle seine Bücher hergeben und er droht seine Lebenslust zu verlieren. Gott sei Dank gibt es dieses schlaue, kleine Mädchen. Sie ist quasi die Heldin in diesem Buch.

In jeden Buch ist ein Herz, das zu pochen beginnt, wenn man es liest, weil das eigene Herz sich mit ihm verbindet

Meine eigene Meinung

Der Buchspazierer ist glaube ich für jeden Buchhändler eine Traumgeschichte. Und für jeden, der nicht im stationären Buchhandel einkauft, ist dieses Buch ein Muss. Denn es spiegelt wieder, mit wieviel Liebe ein Buchliebhaber Bücher empfehlen kann. Und Bücher sind nun wirklich weit mehr als nur Geschichten. Mit jedem begonnen Buch tritt ein jeder auch eine Reise an, manchmal an ferne Orte und manchmal einfach zu sich selbst. Carsten Henn verpackt diese Gedanken in diesen wunderbaren Roman. Ich finde, es ist ein Buch, welches in jedes Bücherregal gehört. Die Geschichte lehrte mich auf jeden Fall, dass man auch den älteren Menschen mehr zutrauen sollte und ihnen auch öfter zuhören sollte. Nicht alles was neu ist, ist auch automatisch besser. Ein Zusammenspiel von beiden, so wie man es in diesem Buch finden kann, dass ist die perfekte Mischung. Ich kann dieses Buch nur empfehlen und es war mir eine Freude dieses Buch in einem Buddy Read mit der lieben Ann-Kathrin zu lesen. Sie ist übrigens auch Buchhändlerin. 🙂

„Aber selbst wenn geschenkte Bücher nicht gelesen wurden, waren sie eine liebevolle Geste – und ein Kompliment für Intellekt und Geschmack des Beschenkten.“

Selbst gekauft/ Gebundene Ausgabe/ Pendo Verlag – Piper Verlag/ 222 Seiten/ 14,00€

Hard Land von Benedict Wells

“ So was wie Euphancholie. Einerseits zerreißt’s dich vor Glück, gleichzeitig bist du schwermütig, weil du weißt, dass du was verlierst oder dieser Augenblick mal vorbei sein wird. Dass alles mal vorbei sein wird. „

In Hard Land kommt alles Gute von Benedict Wells zusammen. Ich mochte bisher alle seine Romane sehr gerne und Hard Land ist ein perfektes I- Tüpfelchen. Ein Coming of Age Roman in meinen Augen mit literarischem Tiefgang von Wells. Normalerweise sind solche Geschichten über Jugendliche leicht und dem klassischen Highschool Musical angepasst, nicht so in Hard Land. Benedict Wells schafft einen Roman über das Erwachsen werden und der Schwere des ersten Verliebtseins gepaart mit dem Tod eines geliebten Menschen.

Sam und Kristie

Sam ist der klassische Außenseiter, der Nerd unter den Schülern. Er hat vor allem möglichen Angst und zieht sich eher zurück. Seine Mitschüler finden ihn komisch. In den Sommerferien beginnt er im alten Kino im Ort Grady zu arbeiten, um sich etwas dazu zu verdienen. Die beste Entscheidung seines Lebens. Endlich kann er Anschluss finden, endlich kommt er aus sich raus. Vor allem, weil die Tochter des Besitzers des Kinos Kristie ihm den Kopf verdreht hat. Sam lernt im Kino neben Kristie auch noch Hightower und Cameron kennen. Zusammen verbringen sie einen tollen Sommer und Sam lernt endlich aus seinem Schneckenhaus heraus zu kommen. Er besteht Mutproben und erfährt was es heißt, verliebt zu sein. Die Drei sind ein Anker für Sam, eine Chance seine Jugend endlich zu genießen.

Sommer mit Schatten

Leider gibt es auch einen schweren Teil in diesem Roman. Sam’s Mutter hat Krebs und im Laufe des Sommers geht es ihr immer schlechter. Seine Eltern erzählen ihm aber nicht, dass es ihr so schlecht geht, denn sie möchten das er seinen Sommer genießen kann. Seiner Mutter ist klar, dass ihr Sohn endlich mal unter Menschen muss, um aus sich raus zu kommen. Sie möchte ihn nicht mit ihrer Krankheit belasten. Dennoch ahnt Sam, dass es jeden Tag zu Ende gehen könnte. Er hat fast jede Nacht Alpträume und versucht diese über die Tage hinweg zu vergessen. Er schreibt Songs über seine schwere Zeit und singt diese mit Gitarre bewaffnet seiner Mutter immer wieder vor. Sie ist stolz auf ihn und sie weiß, dass wenn sie gehen sollte, dann ist er auf einem guten Weg. Mit seinem Vater hat Sam ein schwieriges Verhältnis. Zumindest zu Beginn des Buches. Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, warum der Vater so unnahbar scheint und die Beziehung der Beiden entwickelt sich noch einmal in eine andere Richtung.

Zusammenfassung

Hard Land hat viele wunderbare Momente und doch auch so viele traurige. Benedict Wells hat eine so besondere Art, um Gefühle zu transportieren. Man kann nicht anders, als mit dem Protagonisten zu fühlen. Sam hat mich so sehr berührt, dass ich mehrfach schwer bedrückt beim lesen war. Eine Kleinigkeit hat mich auch an mich selbst erinnert. Grady ist ein kleiner, verschlafener Ort. Alle jungen Menschen wollen diesem Ort entfliehen und suchen die weite Welt für sich selbst. Dadurch das alle Jugendlichen verschwinden wollen, stirbt Grady nach und nach aus. Ich kenne dieses Gefühl, denn auch mich hat es in die Großstadt gezogen. Sam gehört zu den Menschen, mit denen man sich zu 100% identifizieren kann, denn die meisten Leute die ich kenne, hatten ähnliche Ängste in ihrer Jugend. Ich habe dieses Buch geliebt und möchte es Euch gerne ans Herz legen. Ein MUST READ!

Danke an den Diogenes Verlag für das tolle Rezensionsexemplar.

Nachtrag: Ein paar Hintergrund Infos von Benedict selbst:

Benedict hat extra im Vorfeld alte 80er Jahre Filme geschaut, um die Coming of Age Geschichte zu kreieren. Er hat sich generell sehr mit den 80ern beschäftigt und hat auch dazu extra eine Playlist erstellt. Diese findet ihr auch auf seiner Internetseite. Er sagt, schreiben sei wie eine lange Reise, man weiß nicht was auf dem Weg noch so kommt und wo es enden kann. Benedict Wells hat in Sam viel von sich selbst gesteckt, daher gibt es hier und da Parallelen. Er sagt selbst, dass Hard Land ihm sehr am Herzen liegt. ( Infos aus dem Bloggermeeting von Diogenes )

Der süße Wahn von Patricia Highsmith

Der Roman „Der süße Wahn“ ist ein mitreißender Fluss an Irritationen und einer verschwindenden Grenze zwischen Realität und Einbildung es Hauptprotagonisten. Patricia Highsmith versteht wirklich gut, wie man seine Leser bei Laune hält. Auch wenn das Buch in der Mitte ein wenig Spannung verliert und Längen bekommt, so kann man dennoch nicht einfach aufhören zu lesen, weil man wissen muss wie es endet. 

….“natürlich habe ich nicht ernsthaft geglaubt, dass du mit mir in diesem Haus lebst. Aber manche Menschen flüchten sich in Alkohol, andere in ich-weiß-nicht-was, und ich habe es eben auf diese Art versucht…“

Eine verworrene Geschichte über krankhafte Liebe

David Kelsey ist ein alleinstehender Mitdreißiger, der in einem kleinen Zimmer in einem Wohnheim lebt und seiner täglichen Arbeit als Chemiker nachgeht. In Amerika ist üblich, dass man sich einzelne Zimmer mieten kann, wenn man nicht genug für eine Wohnung verdiente. Er wirkt ein wenig zerstreut zu Anfang und in seiner Liebe zu Anabelle gefangen. Er ist fast krankhaft verliebt und erfindet ein Leben, welches er gar nicht mehr führt. Ich finde die Geschichte unglaublich undurchsichtig. Die Grenze zwischen Realität und Fiktion ist verschwindend gering und man muss mehrfach überlegen, was man nun glauben kann und was nicht. David schreibt Anabelle fast täglich Briefe und beteuert ihr seine Liebe und wie gerne er mit ihr zusammen leben möchte. Das Ganze sehr zum Leidwesen von ihrem jetzigen Ehemann, denn der findet die Liebesbriefe von David alles andere als witzig. David wirkt krankhaft und verbissen. Mir persönlich hätten diese Briefe eher Angst eingejagt.

Neben David gibt es noch eine Bekannte von ihm, Effie Brennan. Auch diese Person ist äußerst suspekt. Sie ist wiederrum krankhaft in David verliebt und belügt sogar für ihn die Polizei. David führt ein Doppelleben und bewohnt am Wochenende ein Haus in einer anderen Stadt. Dort hat er sich unter falschem Namen eingemietet und glaubt, dass er dort eines Tages mit seiner Anabelle leben wird. Sie ist allerdings schon längt mit einem anderen Mann verheiratet und hat ein Kind bekommen. Mit seiner zweiten Identität „Mr. Neumeister“ baut er sich ein Parallelleben auf. Seinen „Freunden“ im Wohnheim erzählt er, dass er am Wochenende seine kranke Mutter im Pflegeheim besucht. Seine Mutter ist allerdings schon längst tot.

Die Geschichte gewinnt an Fahrt, als David aus Notwehr heraus den Mann von Anabelle tot schlägt und versucht dieses Verbrechen zu verdecken. Dadurch das er einen anderen Namen verwendet kommt er eine ganze Weile damit durch und auch Effie unterstützt seine Lüge und steht hinter ihm. Doch bei einem Tod soll es auch nicht bleiben und der süße Wahn scheint aus dem Ruder zu laufen.

Meine eigene Meinung 

Bei so einem spannenden Buch ist es schwer eine Rezension zu schreiben, die nicht zu viel verraten würde. Daher verzeiht mir mein Anreißen der Geschichte. Super viele Details würden auch direkt viel zu viel verraten. Ich kann nur sagen, dass Patricia Highsmith wirklich ein Talent hat, ihre Leser zu beeindrucken. Man weiß bis zum Ende nicht, wie das Buch ausgehen wird und ob David sich nun alles einbildet oder das alles wirklich passiert ist. Ich weiß bis zum Ende auch nicht, ob er einfach komplett verrückt ist oder tatsächlich die Welt es nicht gut mit ihm gemeint hat. Züge von Patricia Highsmith ähneln ein wenig Dennis Lehane, ein weiterer Autor den ich aus dem Diogenes Verlag sehr mag. Ich liebe Bücher mit Spannung und mit ein wenig Wahnsinn. Ich empfehle es sehr und ich freue mich auf weitere Geschichten von Patricia Highsmith aus meiner Sammlung.

 

Ich habe dieses Buch selbst gekauft und habe dieses im gemeinsamen Lesekreis vom Diogenes Verlag auf Facebook gelesen.

Diogenes Verlag/ Neuauflage 2021/ 442 Seiten/ 13,00€

Miss Bensons Reise von Rachel Joyce

Ein Buch über Freundschaft, Verlust und ein spannendes Abenteuer. Rachel Joyce ist eine großartige Autorin, die es schafft, sich in die Charaktere hinein zu versetzen. So auch in Miss Bensons Reise. Ich habe mich so sehr in die Protagonisten versetzen können, das ich bald glaubte, ich würde diese Reise selbst antreten.

Miss Benson

Margery Benson lebt zurückgezogen in London und arbeitet als Lehrerin. Sie hat sehr früh ihren Vater und ihre beiden Brüder auf tragische Weise verloren. Als die Mutter stirbt, wächst Margery dann bei ihren Tanten auf. Eines Tages ist sie ganz alleine und einen wirklichen Freundeskreis hat sie leider auch nicht. Margery wirkt zu Anfang langweilig und unsympathisch. Sie ist über die Jahre zu einer einsamen Frau ohne Perspektive geworden. Eines Tages jedoch zeichnen ihre Schüler ein Bild von ihr, welches sie in Schrecken versetzt und bei ihr im Kopf einen Schalter umlegt. Sie möchte diese Person nicht mehr sein, sie möchte ihre alten Träume verwirklichen. Denn eigentlich ist Margery Benson ein Käfer Fan, dieses hat sie von ihrem Vater in die Wiege gelegt bekommen. Als Kind hat sie oft die Geschichten ihres Vaters über die Käfer verfolgt und sie hatte schon damals nur ein Ziel. Sie wollte den goldenen Käfer von Neukaledonien finden. Neukaledonien ist eine kleine Insel in der Nähe von Australien und bedeutete für Margery eine kleine Weltreise. Doch sie wollte unbedingt diesen Käfer finden und zum Museum of Natural History bringen. Ich denke sie wollte das Erbe ihres geliebten Vaters vervollständigen und ihre Aufgabe erfüllen. Erst durch den Fund des Käfers könnte sie vielleicht mit dem Verlust ihres Vaters abschließen und ein neues Kapitel starten.

Enid Pretty

Um diese große Reise nicht alleine antreten zu müssen, suchte sich Margery eine Assistentin. Enid Pretty scheint auf den ersten Blick die falsche Person zu sein, jedoch ist sie die einzige, auf die Verlass zu sein scheint. Also begibt sich die quirlige, bunte Enid mit auf die große Reise. Enid und Margery könnten nicht unterschiedlicher sein. Enid ist jünger, bunter und freizügiger als Margery. Sie wirkt im Gegensatz zu ihr nicht so langweilig. Bereits zu Anfang wird klar, dass diese Reisebegleitung eine ganz andere Schärfe in diese Geschichte bringen wird. Denn Enid hat auch ein kleines Geheimnis, welches Margery aber nicht kennt. Es beginnt eine spannende Reise mit dem Schiff über den Ozean und eine Suche nach dem goldenen Käfer. Doch sie sind auch nicht alleine auf dem Weg nach Neukaledonien. Ein entfernter Bekannter von Margery reist ihnen hinterher und bringt ein paar Hürden in die Geschichte mit ein. Und auch auf Neukaledonien sind nicht alle Menschen auf ihrer Seite.

Freundschaft & Vertrauen

Ich finde dieses Buch vermittelt eine ganz besondere Botschaft von Freundschaft. Denn auch wenn die beiden Frauen zu Anfang sehr unterschiedlich sind, so finden sie doch zusammen. Sie verstehen, dass die Optik manchmal nichts damit zu tun hat, ob man nun zusammen passt oder auch nicht. Selbst die dunkelsten Geheimnisse der jeweiligen Anderen kann diese neugewonnene Freundschaft nicht erschüttern. Die Vergangenheit der Menschen ist es, die diese Geschichte prägen und die bei den beiden Frauen zu Vertrauen führt. Auch wenn deren Freundschaft jede Menge Hürden erfährt und auch nicht alles ein gutes Ende nimmt, so hilft es doch wenigstens, dass beide Frauen am Ende glücklich sein durften. Margery zumindest hat aus ihrem Loch heraus gefunden und kann ein neues Leben leben und vieles davon hat sie Enid zu verdanken.

Meine eigene Meinung

Ich könnte Euch noch mehr über diese Geschichte erzählen, aber das würde zu viel verraten. Ich bin immer versucht alles noch einmal nach zu erzählen, vor allem wenn mir ein Buch so gut gefällt wie dieses. Miss Benons Reise ist irgendwie ein besonderes Buch. Ich finde zum Jahresstart ist das schon mal ein echter guter Anfang und ich möchte gerne noch mehr von Rachel Joyce lesen. Sie transportiert ganz wunderbar die Gefühle ihrer Protagonisten und nimmt den Leser mit auf diese spannende Reise. Ich bewundere auch die Hauptprotagonistin für ihren Mut eines Tages doch diese Reise anzutreten. Ich weiß nicht, ob ich diesen Mut gehabt hätte. Bücher über kluge und mutige Frauen mag ich ja sowieso schon sehr gerne. Ich danke dem S.Fischer Verlag, dass ich dieses Buch lesen durfte und ich kann es nur wärmstens empfehlen. Gerade jetzt in der Lockdown Zeit verhilft dieses Buch zu einem kleinen Abenteuer.

S.Fischer Verlag / Gebundene Ausgabe / Auflage 2020 / 479 Seiten / 20,00€

Yoko Ogawa – Insel der verlorenen Erinnerung

Stellt Euch vor, dass immer mehr Dinge in eurem Leben einfach verschwinden. Von heute auf morgen. Und nicht nur das, sie werden auch in euren Erinnerungen gelöscht. Ob sie Euch nun wichtig waren oder nicht, sie sind dennoch einfach verschwunden. Genau solch eine Geschichte erzählt Yoko Ogawa in „Insel der verlorenen Erinnerung“

Eine Insel auf der Dinge verschwinden

Unsere Protagonistin, ihr Name wird nicht genannt, lebt auf einer Insel, auf der immer wieder Dinge einfach verschwinden. Einfache Dinge wie Haarbänder, Rosen oder aber auch die Vögel am Himmel. Die Erinnerung an diese Dinge werden gelöscht, wahrscheinlich genetisch manipuliert durch die Regierung. Die Menschen, welche auf dieser Insel leben, finden sich damit ab. Zumindest die meisten. Es gibt aber auch wenige von Ihnen, dessen Erinnerung nicht verblasst. So auch der Lektor unserer Protagonistin namens R. Namen werden in dem Buch nicht genannt. R versteckt sich bei unserer Heldin, weil die Erinnerungspolizei ihn sucht. Sie wissen das er nicht vergessen kann.

„Ich fragte mich, was wäre, wenn eines Tages die Wörter verschwinden würden. Aber nur im Stillen. Weil etwas wahr werden kann, sobald man es laut ausspricht.

Da die Protagonistin Autorin ist kann sie auf ihren Lektor nicht verzichten und beschließt kurzerhand ihn zu verstecken. Seine Familie kann vergessen und ist außer Gefahr, aber selbst wird mal gesucht werden. Denn die Erinnerungspolizei findet jede noch so kleine Erinnerung. Nach jedem Verschwinden von Dingen durchsucht die Erinnerungspolizei die Häuser, ob auch ja ein jeder seine Gegenstände entsorgt hat. Der schlimmste Moment tritt ein, als die Bücher verschwinden sollen. Für eine Autorin unvorstellbar schlimm, denn sie vergisst auch langsam den Inhalt ihres bereits begonnen Romans. R hilft ihr diesen zu beenden, aber die Gedanken zurück zu holen ist nicht einfach.

Irgendwann verschwinden aber noch viel elementarere Dinge wie zum Beispiel das linke Bein. Es ist zwar noch dran, rein physisch, aber die Menschen auf der Insel vergessen, dass sie eines besitzen. Nach und nach verschwindet das ganze Leben und man fragt sich, ob irgendwo das Leben anderer Menschen weitergeht. Zumal die Erinnerungspolizei auch jede Menge Menschen verschleppt, wo niemand weiß, wo diese am Ende landen.

Niemand kann die Erinnerung an Geschichten auslöschen!“

Mein eigenes Fazit

Die Autorin Yoko Ogawa hat einen fesselnden Schreibstil und man konnte so richtig mit der Protagonistin mitfühlen. Man stellt sich selbst vor, wie es wäre wenn Dinge verschwinden. Am Anfang sind es banale Dinge, wo man sich denkt damit könnte ich leben. Aber mit Körperteilen fand ich den Gedanken durchaus verstörend. Ich glaube die Autorin möchte uns sagen, dass in unserer heutigen Konsumgesellschaft auch gerne mal Sachen fehlen dürfen. Ich glaube wir haben durchaus viele Dinge zu Hause, welche wir nicht zwingend brauchen. Ein Verzicht würde niemanden tatsächlich stören. Vielleicht soll das Buch zum Nachdenke animieren. Ich persönlich mochte es auf jeden Fall sehr und könnte mir einen zweiten Teil sehr gut vorstellen. Zumindest werde ich die Autorin weiter verfolgen, die sie ist wirklich super. Insel der verlorenen Erinnerung ist auf jeden Fall mein erstes Highlight in 2021.

Verlag Liebeskind / September 2020 / 352 Seiten / 22,00€ / gebundene Ausgabe

In Anderen & In Unseren von Eva Opfer

Mit den Büchern von Eva Opfer lese ich seit langem mal wieder Bücher von jemandem, der sich selbst heraus gebracht hat. Und das schöne daran, sie wohnt im Nachbarort und somit lese ich auch noch ein regionales Buch. In Anderen & In Unseren gehören zu der Nandoria Reihe von Eva Opfer und ich stelle erst heute beim Tippen fest, dass sie in dem Titel der Reihe die beiden Hauptprotagonisten Nando und Ria verarbeitet. Ich mag es neue Geschichten zu entdecken und mal etwas zu lesen, was man nicht direkt auf jeder Bestseller Liste findet, denn die meisten Schätze findet man bei unabhängigen Verlegern oder auch wie hier bei einem Selfpublisher.

Nando und Ria

Ria ist ein ganz gewöhnliches Mädchen, so glaubt sie zumindest. Sie lebt zusammen mit ihrer besten Freundin in einer süßen Wohnung im Hamburger Stadtgebiet. Ihr Leben scheint normal zu sein, Arbeiten gehen, Party machen und jede Menge Mädchenkram mit Ena veranstalten. Eines Tages tritt Nando in ihr Leben und Ria ist erst einmal nicht bewusst, dass sich ihr Leben von nun an ändern wird. Denn Nando ist anders wie die anderen und auch Ria ist nicht so normal, wie sie glaubt zu sein. Als Tarnung verabredet Nando sich aber zuerst einmal mit Ena, anstatt mit Ria. Er will einfach nur ein wenig mehr über Ria in Erfahrung bringen. Das er damit am Ende ihrer Freundin Ena das Herz brechen wird interessiert ihn zunächst nicht.

Nach und nach merkt Ria, dass mit Nando etwas nicht stimmt und das er an manchen Orten irgendwie gleichzeitig sein kann. Und auch sie selbst ertappt sich dabei, dass sie sich in die Gedanken von anderen Menschen versetzen kann. Als Nando ihr das eines Tages beichtet, nimmt er sie mit zu Nikka. Sie ist seine Ersatzmutter und eine Ansprechpartnerin für Menschen mit Talenten. Denn es gibt noch mehr dieser Talente und für Ria beginnt eine spannende Reise. Eine Aufgabe steht bevor, in der Ria ihr Talent unter Beweis stellen muss. Und das, obwohl sie erst einmal verarbeiten muss, dass sie überhaupt ein Talent besitzt und von nun an nicht mehr ganz so normal zu sein scheint.

In Unseren

Im zweiten Teil der Nandoria Reihe haben Nando und Ria eine super schwere Aufgabe vor sich, denn es geht um Leben und Tod. Bei Nikka kommen täglich komische goldene Briefe an. Jeden Tag auf’s neue und Nikka versucht diese vor den beiden zu verstecken. Ria und Nando können sich das nicht erklären und gehen auf Spurensuche. Doch was sie entdecken, erschüttert die beiden und führt diese auf eine Reise nach Barcelona. Und auch die Freundschaft von Ria und Ena ist im zweiten Teil noch einmal ein Thema. Denn Ena kann Ria nicht verzeihen, dass sie jetzt mit Nando eine Art Beziehung führt, zumal Ena auch nichts von den Talenten weiß. Für mich klingt das ganz stark nach einer Fortsetzung der Geschichte, denn ich finde die Freundschaft dürfte noch einmal durchleuchtet werden. Aber das ist nur meine Meinung. Auch ein paar weitere neue Talente tauchen in Teil 2 der Reihe auf. Eva Opfer schafft dadurch viele spannende Gesichter in ihrer Reihe.

Meine eigene Meinung

Ich mochte beide Bücher sehr. Es ist nicht der Bestseller, den jeder gelesen hat, sondern ein Geheimtipp. Vor allem für Leser*innen die gerne Fantasy lesen ist es eine Empfehlung. Ich hoffe wie gesagt auch auf einen dritten Teil, denn ich würde gerne wissen, wie es weitergehen wird. Ich finde man merkt von Buch 1 zu Buch 2 auch einen Fortschritt der Autorin. Sie wird im zweiten Teil noch genauer und baut ein noch besseren Spannungsbogen auf. Ich hoffe sie bleibt an ihrem Talent in dem Fall dran und schreibt fleißig weiter. Danke an der Stelle, dass ihr die Bücher lesen durfte und ich hoffe das es noch viele andere lesen werden. 🙂 Übrigens: Ich LIEBE beide Cover!

Rezensionsexemplare / Selfpublisher Eva Opfer

Liebwies von Irene Diwiak

Ein Buch wo es um Schein und Sein geht oder auch ein Spiegel der Gesellschaft. In Liebwies beschreibt die Autorin Irene Diwiak eine Oberflächlichkeit die es in den 20’er Jahren gab und die es aber auch heute leider noch gibt. Schöne Menschen werden wahrgenommen und unschöne werden missachtet. Status und Optik zählt, der Mensch dahinter wird vergessen.

Liebwies

In Liebwies leben die Schwestern Karoline und Gisela. Karoline ist laut Angaben der Autorin hässlich und unscheinbar, hat dafür aber eine wunderschöne Singstimme. Gisela ist wunderschön und jeder verzehrt sich nach ihr, doch singen kann die Schönheit leider überhaupt gar nicht. Der Musiklehrer Köck entdeckt das Talent der jungen Karoline und ist begeistert von ihrer Stimme und organisiert daher eine Schulaufführung, um ihr Talent zu zeigen. Köck ist ein Mensch, der nicht nur das Optische sieht, sondern auch die inneren Werte. Zur Schulaufführung hatte er seinen alten Freund Christoph Wagenrad eingeladen, er war der Ehemann der bekannten Pianistin Ilona Wagenrad. Er hatte die Hoffnung, dass Wagenrad Karoline entdecken würde und sie mit zum Konservatorium nehmen würde. Doch die Aufführung läuft anders als geplant, denn Wagenrad sieht nur das Optische und nicht das Innere, so nimmt er die falsche Schwester mit nach Wien. Gisela soll zum neuen Stern am Opernhimmel werden und die arme Karoline bleibt im kleinen Liebwies unentdeckt zurück und von Köck wird man auch nichts mehr hören.

Gisela Liebwies & Ida Gussendorf

Gisela wurde seither Gisela Liebwies genannt, ein Künstlername der an ihr Heimatdorf erinnern sollte. Wagenrad nahm sie zur Frau und zusammen wurden sie wieder etwas mehr berühmt. Nach dem Tot von Ilona war Wagenrad immer unglücklich gewesen und Gisela brachte neuen Wind in sein Haus. Gisela ist allerdings nicht nur schön, sondern genauso oberflächlich wie er selbst und die Ehe ist nicht gerade von tiefen Gefühlen beherrscht. Um Gisela noch mehr zu fördern, stellt Wagenrad sie dem Komponisten Gussendorf vor. Er hatte in der Vergangenheit mittelmäßige Opernerfolge zu beziffern. Gussendorf war auch neu verheiratet mit der jungen Ida, auch sie hatte Talent zum Komponieren, aber welcher Mann wollte schon einer Frau den Vortritt lassen?! Und noch dazu war Ida auch keine große Schönheit, zumindest nicht in den Augen der Anderen.

Ida komponiert ein Stück, welches ein absoluter Erfolg wird mit Gisela in der Hauptrolle, jedoch wird es nie ein jemand erfahren. Denn ihr Mann bekommt all das Lob, denn er hat ihre Noten aus der Schublade gestohlen und sie als die seinen verkauft. Auch Gisela wird zum Star und das obwohl man bedenken muss, dass sie nicht einmal singen kann. Die beiden Frauen beginnen sich Briefe zu schreiben und werden Freundinnen und beichten sich dann gegenseitig ihre Geheimnisse. Und man glaubt kurz, dass die Geschichte eine Wendung nimmt und irgendwie hatte ich gehofft, dass die beiden Frauen dann gemeinsam eine Kehrtwende erzeugen, aber leider kommt es anders…..

Meine eigene Meinung

Ich mochte das Buch sehr, denn Irene Diwiak beschreibt auf sehr humorvolle Art dieses schwierige Thema. Oberflächlichkeiten in unserer Gesellschaft gibt es leider immer noch und auch die Unterdrückung von Frauen in der Gesellschaft ist immer noch ein präsentes Thema. Umso mehr hat mich dieser Roman begeistert. Ich mochte Ida Gussendorf total gerne als Charakter und gerade ihr Ende hat mich sehr mitgenommen, aber auch das die arme Karoline nie entdeckt wurde hat mich traurig gemacht. Man kann von Glück sagen, dass wir mittlerweile eine kleine Besserung erleben, aber wir sind auch 2020 immer noch nicht bei einer Menschlichkeit angekommen, wie sie wünschenswert wäre. Literarisch betrachtet ist Liebwies ein großartiges Buch. Ich kann es also nur empfehlen.

Selbst gekauft/ Diogenes Verlag/ 364 Seiten/ Backlist Ausgabe 2017/ 13,00€

Das Jahr ohne Worte von Syd Atlas

Das Jahr ohne Worte ist definitiv ein Buch, was man nicht so schnell wieder vergessen kann. Syd Atlas erlebt eine wahre Geschichte über die Krankheit ihres Mannes und was diese mit ihrem eigenen Leben anrichtet. Wenn der Ehepartner auf einmal tödlich erkrankt verläuft das für jeden Einzelnen von uns in unterschiedlicher Weise ab, doch für Syd Atlas wurde es zum persönlichen Alptraum. Zwischen Liebe, Verlust und Betrug spielt sich dieser Roman ab, welcher im Rowohlt Verlag erschienen ist.

Ein Leben mit ALS

Theo ist der Mann von Syd und er sollte ihre große Liebe sein. Nach der Scheidung ihres ersten Mannes und der Vater des ersten Kindes, wollte sie mit Theo noch einmal neu beginnen. Ein gemeinsamer Sohn und eine Hochzeit sollen das Ganze bestärken. Doch Theo bekommt die Diagnose ALS – die Krankheit die Steven Hawking hatte. Tatsächlich kann man auch sehr viele Parallelen zu dem Krankheitsverlauf von Steven Hawking und Theo beobachten. Von ersten Lähmungserscheinungen bis hin zum kompletten Stimmverlust. Auch Theo muss irgendwann mit einem Computer das sprechen neu lernen.

„Sich zu verlieben ist, als würde man Zirkusartisten dabei zusehen, wie sie durch die Luft wirbeln, sich drehen und rollen, immer mit dem Risiko, in den Tod zu stürzen, aber mühelos Schwerkraft überwinden wie eine Zeitfalte. Genau so habe ich mich gefühlt.“

Syd erlebt eine Zeit voller Angst, denn diese Krankheit verläuft in der Regel tödlich. Und voller Überforderung, denn zwei Kinder einen kranken Mann und einen Job, dass schaffen die wenigsten. Zumal Theo in seinem Charakter auch von Monat zu Monat schwieriger wird und sie nicht mehr wirklich an ihn heran kommen kann. Im Unterschied zu der Geschichte rund um Steven Hawking, bleibt Syd ihrem Theo immer treu und versucht alles, um die Beziehung nicht aufzugeben. Es fällt ihr sichtlich schwer, denn neben den krankheitsbedingten Beschwerden wird Theo einfach unerträglich zu Hause. Sogar ihre beiden Jungs können den Vater nur noch schwer ertragen.

Irgendwann kommen Syd auch Gedanken wie: “ Was wäre, wenn ich ihn nie kennen gelernt hätte? Wäre ich dann glücklicher?“ Man kann sich nur vorstellen in welcher Zwickmühle sie sich befunden hat und als Theo sie dann auch noch richtig verletzt kann man nur Mitleid mit Syd haben. Ihr Leben ist zu dieser Zeit unglaublich schwer und es wird ihr noch schwerer gemacht. Zum Glück ergeben sich in dieser Zeit aber auch neue Job Angebote, denn Syd ist Motivations Coach und das nicht einmal un erfolgreich. Der Job hält sie am Leben und bringt ihr ein wenig Glück.

„Glauben wir, was wir glauben wollen? Oder ist es, wenn man sein Leben in der Wüste vollbracht hat, vielmehr unmöglich, sich vor einem heraufziehenden Schneesturm zu fürchten, weil man keine Vorstellung davon hat?“

Meine eigene Meinung zum Buch

Ich mochte das Buch sehr und ich habe es auch sehr schnell durch gelesen. Syd Atlas hat einen sehr angenehmen und ehrlichen Schreibstil, sodass man flüssig lesen kann. Ihre Geschichte hat mich bewegt und es hat mich beeindruckt, wie stark Syd ist. Tatsächlich fand ich es ein bisschen störend, dass so vieles in diesem Buch an die Geschichte von Steven Hawking erinnert. Nicht nur die Krankheit sondern auch das drum herum. Ich möchte nicht anmaßend sein und behaupten Teile sind dessen entsprungen, denn wenn Syd Atlas wirklich dieses erlebt hat, wie es in dem Buch „Ein Jahr ohne Worte“ erzählt wird, dann ist dieses wirklich grausam und bewundernswert.

Ich bedanke mich bei Syd Atlas und den Rowohlt Verlag, dass ich dieses Buch lesen durfte. Tatsächlich hat mir übrigens dieses tolle bunter Cover auch sehr viel Freude bereitet. Die Geschichte sollte auf jeden Fall gelesen werden und ich wünsche der Autorin alles erdenklich Gute und hoffe, dass sie ihr Glück wieder finden wird und das das Leben ihr etwas zurück geben wird.

Rezensionsexemplar/ Rowohlt Verlag/ Auflage 2020/ Gebundene Ausgabe/ 20,00€/ 256 Seiten

In zwangloser Gesellschaft von Leonhard Hieronymi

In zwangloser Gesellschaft ist ein eher ungewöhnliches Buch. Ein Buch über einen jungen Mann der auf die Reise geht, um Gräber von toten Schriftstellern zu finden. Bereits im Titel wird einem klar, warum es sich um eine zwanglose Gesellschaft handelt. Der Protagonist begibt sich auf eine spannende Reise durch Europa und entdeckt neben den Gräbern auch noch interessante neue und alte Persönlichkeiten.

Ausgehend von all diesen Fällen und Entwicklungen und dem Gedanken, dass das endgültige Verschwinden vielleicht eher ein Glück als ein Unglück ist und außerdem einen quasi unerreichbaren Luxus darstellt, beschloss ich, eine Reise zu sowohl den Unsterblichen als auch den Vergessenen und den beinahe Verschwundenen zu unternehmen.“

In zwangloser Gesellschaft

Unser Protagonist, übrigens kenne ich glaube ich seinen Namen nicht, es sei denn ich war unaufmerksam, reist durch Europa und entdeckt Gräber und Menschen. Er bereist die Geschichte und erfährt viele neue Fakten zu den Toten. Nebenbei lernt auch immer wieder neue Weisheiten über sich selbst. Dinge die, die Verstorbenen ihm lehren können. Ich finde es schön, dass er sich nicht nur bekannte Schriftsteller und Schriftstellerinnen heraus gesucht hat, sondern auch weniger Bekannte. In seinem Wortlaut Vergessene und beinahe Verschwundene. Ich muss gestehen, dass ich nicht jeden Namen kannte. Namen wie Mozart und Hermann Hesse waren natürlich bekannt, aber ganz viele andere kannte ich nicht.

Ich mochte seine Beschreibungen über die landschaftlichen Eindrücke auf den einzelnen Friedhöfen. Man sollte meinen, dass einem Friedhöfe Angst machen sollten, aber meistens sind diese wunderbar angelegt wie Gärten und dieses geht in diesem Buch hervor. Er tritt die Reise bewusst an und entscheiden sich dafür die Toten zu ehren und seine Erfahrungen auf diesem Weg sind teilweise schön, manchmal traurig und immer mal wieder sehr witzig.

“ Der seelen- und leidenschaftslos praktizierte Massentourismus in Europa ist eine der größten Sünden unserer Zeit, und ich ließ es die Touristen, auf deren Instagram-Accounts wahrscheinlich Sprüche wie „Travel as much as you can!“ standen, mit heftigen Zwischenlauten wissen. Niemand von diesen Menschen hatte eine „Aufgabe“, sie waren einfach nur da, sie waren mittelmäßige Existenzen. „

Meine eigene Meinung

Das Buch „In zwangloser Gesellschaft“ ist kein Buch, was ich mehrfach lesen würde und es wird nicht mein Lieblingsbuch in diesem Jahr werden, aber ich fand es wirklich gut. Ich mochte den Witz des Autors Leonhard Hieronymi. Sein Schreibstil hat mich überzeugt und auch der Protagonist wirkte sympathisch auf mich und dennoch war es nicht so sehr mein Thema. Ich würde dennoch 3 von 5 Sternen vergeben wollen, weil ich es dennoch empfehlen würde. Danke an den Hoffmann und Campe Verlag, dass ich dieses Buch lesen durfte. Es war mir eine Freude und ich möchte es gerne anderen ans Herz legen, vor allem wenn man sich noch mehr mit Literatur auskennt wie ich. Ein Zitat was mir richtig gut gefallen hat, war der Kommentar oben zum europäischen Massentourismus. Der Autor hat Recht, heutzutage reißt niemand mehr bewusst in eine andere Kultur, sondern die meisten versuchen nur ein tolles Bild mit einem Hotspot zu bekommen. Der schiefe Turm von Pisa ist interessanter, als die Dolce Vita von Italien kennen zu lernen. Ich gebe ihm Recht, dass das unsere größte Sünde ist, dass wir nicht mehr wahrnehmen, was wirklich zählt.

Rezensionsexemplar/ Auflage 2020/ Gebundene Ausgabe/ 237 Seiten/ Hoffmann und Campe Verlag/ 24,00 €