Die Buchhändlerin von Ines Thorn

Die Buchhändlerin von Ines Thorn spielt zum Ende des zweiten Weltkrieges in Frankfurt. Wir dürfen die Protagonistin Christa bis 1949 begleiten auf ihrem Weg zu einer gestandenen jungen Frau, die mit den Folgen des Krieges einige Stolpersteine erleben muss. Besonders stark kommt heraus, dass wir Frauen zu dieser Zeit noch sehr zweitrangig waren und wie schwer es Frauen nach Ende des Krieges tatsächlich hatten. Ines Thorn umfasst kritische Themen wie Feminismus, aber auch die Liebe zwischen zwei Männern oder dem restlichen Nazi Dasein. Umstrittene Themen bis heute, eingefasst in einer wunderbaren Geschichte über die Auferstehung der Literatur in Deutschland.

Zum Inhalt

Christa ist selbst noch Teenager, als sie selbst erwachsen werden muss. Der Krieg ist gerade erst vorbei und die Amerikaner ziehen in Frankfurt ein. Das hat zwar viele Vorteile, bringt aber auch Gefahren mit sich. Gerade die amerikanischen Soldaten nutzen die Not der ein oder anderen deutschen Frau schamlos aus. Christa lebt zusammen mit ihrem Onkel Martin und ihrer Mutter Helene. Martin ist Buchhändler und führt einen eigenen Laden. Christa‘s Vater wird seit Jahren vermisst und Helene muss sich alleine durchschlagen. Kurz vor Ende des Krieges hatte Martin sein Schaufenster neu dekoriert, leider nicht mit Literatur die von den Nazis geduldet wird. Er wurde von seinem Nachbarn Herr Klein verraten und die Nazis kamen und steckten ihn in ein KZ. Nun war es an Christa die Buchhandlung zu führen.

Nach dem Ende des Krieges kehrt Martin verändert zurück und Christa versucht ein Studium zu starten. Ein jeder in der Geschichte versucht nach dem Krieg sein Leben ein wenig zu ändern. Den einen gelingt es und die anderen kommen wieder in Gefahr. Eines Tages begegnet Christa Heinz. Einem kleinen Jungen, der auf der Straße lebt und seine Eltern im Krieg verloren hat. Christa kümmert sich um ihn und verschafft ihm ein zu Hause bei sich. Doch sicher ist Heinz dadurch noch lange nicht und auch Christa muss in Zukunft noch mehr von sich selbst opfern, als ihr lieb ist.

Martin, so stellt sich heraus, ist schwul und dieses galt zu damaligen Zeiten noch als Verbrechen. So kam es nicht in Frage, dass er als Adoptivvater für Heinz eingesetzt werden kann. Außerdem landet Martin durch einen groben Fehler im Gefängnis. Nun ist wieder an Christa die Dinge zu regeln. Anstatt studieren zu gehen muss sie die Buchhandlung schmeißen und muss einen Mann heiraten, den sie nicht liebt, um Heinz zu schützen.

Meine Meinung

Die Buchhändlerin ist ein Buch über eine starke, junge Frau, die versucht ihren eigenen Weg in einem chaotischen Land nach dem Krieg zu finden. Christa ist eine herzliche Person, die sich immer für andere aufopfern würde. Doch auch sie selbst ist wichtig und manchmal vergisst ihre Umwelt das leider. Ines Thorn schafft einen emotionalen Roman mit vielen interessanten Protagonisten. Ich mochte die Geschichte sehr und freue mich schon jetzt auf Teil 2. Ich hoffe das Christa ihren eigenen Weg finden wird und das auch sie irgendwann glücklich sein darf. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr man mit Protagonisten mitfühlen kann. So was schaffen nicht alle Autoren*innen.

Selbst gekauft/ Rowohlt Polaris Verlag/ Broschierte Auflage/ Taschenbuch 2021/ 336 Seiten/ 16€

Der erste letzte Tag – Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek kennt man normalerweise nur in Verbindung mit Leichen oder anderem Stoff aus dem ein Thriller gemacht ist. Doch dieses Mal hat er einen ganz anderen Roman geschrieben. Einen Roadtrip, bei dem er seinen letzten Tag erleben soll und wo die Protagonisten einfach mal etwas ganz verrücktes unternehmen werden. Von vorne bis hinten ein humorvoller Roman und ganz das Gegenteil zu sein sonst auch großartigen Werken.

„Ich will meinem Sohn zeigen, dass es wichtiger ist, etwas zu beginnen- auch auf die Gefahr hin, dass es schiefgeht -, als die wenige Zeit, die ihm bleibt, mit Plänen zu verplempern. Das Leben ist nun mal unperfekt, es klappert.“

Der erste letzte Tag

Ich glaube jeder kennt die klassische Bucketlist. In den letzten Jahren ist diese sogar wieder richtig Trendy geworden. Doch hat man sich wirklich mal Gedanken zum letzten Tag gemacht? Lea hat das offensichtlich getan und sie hat einen Plan, wie dieser aussehen soll. Ihr Begleiter Livius ahnt allerdings nicht, das Lea tatsächlich nicht mehr lange hat und das dieser Tag tatsächlich Ernst gemeint ist. Eigentlich möchte Livius mit einem Flugzeug von München nach Berlin fliegen, um sich dort mit seiner Frau zu versöhnen. Lea möchte nach Hamburg fliegen, um eine wichtige OP ihres Vaters nicht zu verpassen. Leider spielt das Wetter nicht mit und beide stranden am Flughafen. Zum großen Übel müssen sich beide auch noch einen gemeinsamen Leihwagen teilen. Dabei sind beide so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Livius ist sehr kontrolliert und durch geplant und Lea kommt rüber wie die klassische Berliner Naturschützerin von nebenan mit den Öko Klamotten. Dennoch können die beide sich irgendwie arrangieren.

Es beginnt eine turbulente Fahrt von München nach Hamburg mit einigen ungeplanten Zwischenstopps. Unterwegs wechseln sie sogar das Gefährt, wenn auch ungewollt, zumindest aus der Perspektive von Livius. Er erlebt den wahrscheinlich schlimmsten Tag seines Lebens und so manch ein Erlebnis lässt dem Leser auch ganz klar den Mund offen stehen. Lea hingegen erlebt diesen Tag als absolut nötig und wenn es nach ihr ginge, dürfte der Tag sogar noch mehr Abenteuer enthalten. Die Geschichte wird zumeist aus der Perspektive von Livius erzählt und dieser Protagonist ist einfach unglaublich wortgewandt. Ich frage mich, wieviel von Sebastian steckt in Livius!?

Nicht das ich nicht mehr über den Inhalt sagen möchte, aber glaubt mir, dass muss man selbst gelesen haben!

“ Ich war in einem True-Crime Magazin mal auf ein Interview mit einem Kriminalpsychologen gestoßen, der behauptete, dass jeder Mensch unter gegebenen Umständen zu einem Mord fähig sei. Nun, ich konnte diese These bestätigen, ich hatte soeben diesen Zustand erreicht….“

Meine eigene Meinung

Ich liebe dieses Buch! Ich mag Sebastian Fitzek generell sehr gerne, wobei ich mich sonst in seinen Büchern eher fürchte vor den nächsten Seiten. Im Buch “ Der erste letzte Tag“ habe ich jede Seite nur so verschlungen. Dieses Buch ist einfach grandios witzig! Es hat zwar auch traurige Stellen, aber so positiv verpackt, das man dennoch schmunzeln muss. Beide Protagonisten schließt man sofort ins Herz und ich möchte dieses Buch unbedingt empfehlen. Gerade jetzt zu Corona, wo wir eh meist negative Gedanken haben, hilft so ein lockeres Buch die Stimmung zu heben. Danke an den Droemer Verlag, dass ich dieses Buch lesen durfte.

„… Das ist das Einzige, was zählt. Nicht, wie lange jemand lebt, sondern wie gut. Nicht, wie sehr wir uns bemühen, unsterblich zu sein, sondern wie gewissenhaft wir danach streben, unsere Zeit mit Erinnerungen zu füllen.“

Rezensionsexemplar / Droemer Verlag / Broschierte Ausgabe / Auflage April 2021 / 271 Seiten / 16,00€

Was,wenn wir einfach die Welt retten von Frank Schätzing

Frank Schätzing ist ein deutscher Autor, der bekannt ist für seine Thriller, aber auch das ein oder andere Sachbuch. „Was, wenn wir einfach die Welt retten“ ist ein großartiges Sachbuch zum Thema Klimawandel. Gut recherchiert und nebenbei sogar ein bisschen humorvoll. Frank Schätzing verpackt den bevorstehenden Thriller in klugen Worten, die ein jeder verstehen kann.

„Wissen ist magisch! Wissen versetzt uns in die Lage, zielgerichtet zu handeln. Wissen gibt uns Kontrolle und Souveränität. Wissen ist die Wunderpille gegen fragwürdige Ideologien.“

Was ist eigentlich Klimawandel

Frank Schätzing erklärt in einfachen Worten, was Klimawandel bedeutet und welche Auswirkungen unsere täglichen Routinen auf das Klima haben können. Er beschreibt nachhaltige Lebensweisen und den CO2 Fußabdruck. Man kann einfach und simpel verstehen, um was es geht und man lernt noch einiges Neues dazu. Ich beschäftige mich nicht erst seit gestern mit dem Thema und Greta Thunberg ist mit ihrer Meinung wohl auch nicht alleine, aber Herr Schätzing macht noch mal eine andere Perspektive frei. Er beschreibt in vielen kleinen Szenen verschiedene Szenarien, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Von einer „normalen“ Zukunft bis hin zum Thriller Szenario schlecht hin. Und der Mann hat auch noch Recht! Denn uns könnte, bei unserem jetzigen Lebensstil genau so eine Zukunft drohen. Er warnt davor und beschreibt aber auch, was man besser machen könnte.

Fridays for future rüttelte die Welt wach – und dann kam Corona, Klimaschutz? Sorry, andere Probleme. Menschen, wissen wir, sind nicht multikatastrophenfähig.“

Etwas mehr zum Inhalt

Neben den Szenarien, was passieren könnte, gibt er auch wertvolle Tipps. Egal, ob es um Stromverbrauch, Ernährung oder Einkaufsverhalten geht. Frank Schätzing führt uns durch ein langes Kapitel mit tollen Tipps. Ich habe noch einmal mehr über sogenannte Bio Siegel und Fairtrade Produktionen gelernt und konnte sogar noch ein paar Hinweise mitnehmen. Manches wusste ich schon, oder setze es um. Dennoch bin ich der Meinung, dass sehr sehr viele Menschen etwas aus dem Buch lernen könnten. Zumal er es in einem absolut humorvollem Kostüm erzählt. Er zieht hin und wieder auch Tatsachen ins lächerliche und neigt zur Übertreibung, aber eben das macht es auch so absolut großartig. Frank Schätzing ist in meinen Augen ein super Autor, mit einem grandiosen Schreibstil. Und die Tatsache, dass er aus Köln kommt, macht ihn nebenbei erwähnt noch viel sympathischer.

Wer beginnt, Klimaschutz aktiv in sein Leben zu integrieren, ist automatisch ein Aktivist und stärkt die Bewegung. Ganz ohne Parolen und Heldenverehrungen.“

Also JA: ich möchte dieses Buch unbedingt empfehlen! Und ich danke dem Kiwi Verlag, dass ich dieses Buch als Rezensionsexemplar vor Erscheinungstermin lesen und beurteilen durfte. Bitte kauft dieses Buch, nicht weil ich Geld für Werbung bekomme, bekomme ich nicht, sondern weil es so ein wichtiges Thema ist.

Rezensionsexemplar / Kiepenheuer & Witsch Verlag / Auflage 2021 / Gebundene Ausgabe / 336 Seiten / 20,00 €

Die vier Gezeiten von Anne Prettin

Helen reist von Neuseeland nach Deutschland, um sich auf die Suche ihrer Mutter zu begeben, dass sie damit Ebbe und Flut in Bewegung setzt, hätte sie nicht erwartet. Ihre richtige Familie hat einige Geheimnisse und durch ihr Auftauchen kommen die Familienmitglieder nicht darum herum, sich mit der eigenen Vergangenheit zu beschäftigen. Eine wilde Familiengeschichte mit sehr vielen traurigen Momenten und vielleicht mit einem Happy End. Für Helen beginnt auf jeden Fall ein Spießrutenlauf, um ihre eigene Geschichte heraus zu finden. Nicht jeder ist begeistert, dass sie nun da ist und Juist ist eine kleine Insel – da kommt alles ans Licht.

Johanne und Adda

Alles beginnt mit Johanne, der Großmutter in der Geschichte. Sie verliebt sich in jungen Jahren in einen Juden, der aus Deutschland fliehen muss, als die Nazis gekommen sind. Was Johanne jahrelang verheimlicht, ist das sie aber schwanger war von ihrem Gustav. Aus der Not heraus heiratet sie ihren besten Freund und niemand kennt die Umstände. Im zweiten Weltkrieg waren die Menschen sowieso mit anderen Dingen beschäftigt. Von Juist einer kleinen Insel in der Nordsee geht es für die Familie nach Dresden. Adda, die Tochter von Johanne erlebt die schlimmsten Jahre dort. Im Krieg verlieren sie alles. Nur ihr Bruder Joost ist ihr eine Stütze, auch er hat seine Geheimnisse, aber diese erfährt Adda erst im hohen Alter. Kurz vor dem Mauerbau flüchtet die Familie wieder zurück auf die Insel und versucht ein neues Leben zu beginnen. Johanne hat Verbindungen zum Hotel de Tiden und erbt diese. Von nun an soll es der Familie besser gehen. Doch auch diese Erbsache hat einen Hintergrund, den keiner sonst kennt.

Eigentlich ist Adda die Schlüsselfigur in diesem Roman, denn sie begleitet die ganzen Teile der Familiengeschichte. Mal bewusst und mal einfach unbewusst. Sie ist die Tochter von Johanne. Sie selbst bewahrt eines der größten Geheimnisse und auch nur sie kann Helen am Ende auch helfen. Doch Adda muss auch am meisten leiden in meinen Augen, denn auch sie hat sich für eine Art Zwangsehe entschieden und ihr Mann ist nicht der, der er zu sein scheint. Aber auch das erfahren wir erst zum Ende des Buches hin. Verbunden bleiben alle Teile in der Beziehung zwischen Johanne und Adda. Über Generationen hinweg scheint sich ein gleiches Schicksal abzuzeichnen.

Die vier Gezeiten

Adda hat vier Töchter, alle vier sind wie die Gezeiten so unterschiedlich. Zwei sind ruhig wie die Ebbe und zwei sind wild wie die Flut. Passend dazu sind sie auch zu diesen Gezeiten jeweils geboren. Eine der Töchter stirbt mit jungen Jahre – Selbstmord. So zumindest glaubt die Familie. Bescheid wissen alle erst, als das Tagebuch von Wanda auftaucht. Alle Frauen in diesem Roman haben wie gesagt etwas geheimes an sich, so auch Wanda. Die Autorin führt uns oftmals in die falsche Richtung, weil man denkt, dass man erahnen kann, welche Frau die Mutter von Helen sein könnte. Aber ich war am Ende positiv überrascht und fand die Wendung wirklich super. Die vier Gezeiten drehen sich meistens rund um das Hotel de Tiden auf Juist und man merkt schnell, das diese kleine Insel auch einem Gefängnis ähneln kann. Nicht nur eines der Kinder in diesem Roman entflieht dem Sog der Insel. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich die Beschreibungen der kleinen Insel sehr mochte. Aber ich mag auch generell das Meer und solche tollen Inseln.

Meine eigene Meinung

Anne Prettin hat eine super flüssigen Schreibstil und sie bringt die nötige Spannung in diesen Roman. Ich mag Geschichten über komplizierte Familien und ich liebe Geheimnisse. Ein wenig hat sie mich an Lucinda Riley erinnert, zumindest geht es in die selbe Richtung. Anne Prettin hat wunderbare Protagonisten aber auch spannende Antagonistin geschaffen. Ich mochte das Buch sehr und freue mich, dass ich es als Rezensionsexemplar aus dem Bastei Lübbe Verlag lesen durfte. Fans von solchen Romanen, wie ich, kommen voll auf ihre Kosten. Ich bin übrigens froh, das der zweite Weltkrieg nur angerissen wurde. Ich finde, es gibt mittlerweile zu viele Romane in diese Richtung. Also von mir eine kleine, feine Empfehlung zu diesem Buch.

Rezensionsexemplar / Bastei Lübbe Verlag / Auflage 2021 / 480 Seiten / Gebundene 1. Auflage / 22,00 €

„Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau“ von Björn Stephan

Ein Buch über die Herkunft eines Jungen und die Erinnerungen an den Plattenbau nach der Wende. Sascha findet heraus, was es heißt verliebt zu sein und welche Konsequenzen vorschnelles Urteilen haben kann. Dieses Buch erinnert an die DDR und ihre schönen Momente. Auch im Plattenbau gibt es Glück zu finden, wenn man nur danach sucht. Es werden auch klassische Klischees verfolgt, aber die Geschichte zeigt auch Tiefgang.

Sascha & Juri

Sascha ist 13 Jahre alt und lebt im erfundenen Ort der Siedlung in Klein Krebslow. In seinem Teenie Leben scheint nichts spannendes zu passieren, außer das er ungewöhnliche Worte sammelt. Er notiert sich Worte in allen Sprachen und deren Bedeutung. Er selbst ist nicht so sehr der Redner, was seine Schwäche für Wörter kompensieren soll. Sein bester Freund Sonny möchte einmal so berühmt werden wie Elton John und möchte die Siedlung um jeden Preis verlassen. Sascha war bisher der selben Meinung, doch dann taucht Juri auf. Die Neue in der Schule. Von da an findet Sascha die Siedlung gar nicht mehr so öde.

Zusammen versuchen sie heraus zu finden was die böse Gang der Siedlung so alles anstellt. Die Pawelkes sind eine komische Familie. Die Söhne haben Verbindungen zu ehemaligen Nazis. Als sie einen ausländischen Mann aus der Siedlung verprügeln versuchen Sascha und Juri ihnen auf die Schliche zu kommen. Das Ganze wird allerdings ganz schön gefährlich.

Juri ist allerdings das größte Risiko. Sie weiß alles über das Universum, aber gibt wenig von sich selbst preis. Man weiß nicht woher sie kommt und wer ihre Eltern sind. Sie ist für Sascha nicht durchschaubar, aber es ist dennoch extrem verliebt.

„Ich hatte das Mädchen noch nie in der Siedlung gesehen und vielleicht war das der Grund, warum ich es so aufregend fand, das es da jetzt stand. Seit ein paar Jahren hatte sich nämlich kaum jemand Neues in die Siedlung verirrt. Im Gegenteil: Wir, die Übriggebliebenen, waren mit jedem Jahr weniger geworden.

Meine eigene Meinung

An sich war es eine nette Geschichte, aber so richtig hat mich das Buch nicht mitgenommen. Ich fand es zwischendurch eher langwierig. Ich mochte die Charaktere und die Buchgestaltung sehr. Viele haben das Buch hoch gelobt und ich kann auch nicht so richtig sagen, was mich gestört hat, aber es hat mich nicht zu 100% überzeugt.

Das Element was mir gut gefallen hat, war die Tatsache das Sascha sich selbst in dem Buch finden sollte. Er war für alle unsichtbar und vor allem für sich selbst. Juri half ihm auf gewisse Weiss sich selbst zu finden. Er wurde im Laufe des Buches ein Stück weit erwachsen.

Rezensionsexemplar / Galiani Berlin Verlag / Gebundene Ausgabe 2021 / 343 Seiten / 22,00€

Und am Ende die Wende von Wolfgang Mondorf

Vier Jugendliche kurz vor der Wende. Sie alle haben einen anderen Hintergrund und doch haben sie alle ein Ziel: Freiheit. Keine Überwachung mehr, keine politischen Parolen mehr, keine Angst und endlich die Welt sehen. Man kann als jemand der im Westen geboren ist nur erahnen, was sich hinter dem Mauer abgespielt haben muss. Es erging auch bestimmt nicht jedem gleich schlecht oder gut, aber dieses Buch rüttelt eindeutig noch einmal wach. Und das, wo die Geschehnisse gerade einmal knapp über 30 Jahre zurück liegen. Unvorstellbar erscheint die Wucht der Erlebnisse in diesem Buch.

Vier Jugendliche – Ein Ziel

Maria lebt in einer klassischen Betonsiedlung der DDR. Kurz vor der Wende und sie kann spüren, dass sich etwas verändern wird. Zuerst ist sie aber beschäftigt mit dem Tod ihrer geliebten Oma Hedde. Sie war ein wichtiger Mensch in ihrem Leben und hat ihr alles bedeutet. Oma Hedde war es immer, die Maria von der Welt erzählt hat. Von Paris und New York und Maria dachte diese Reisen könnte auch sie eines Tages antreten. Aber noch Stand die Mauer und eine Flucht in den Westen wurde mit Gefängnis bestraft. In der Schule lernt sie die Neue kennen, Ulrike. Beide nähern sich nur schwer an, aus Angst, dass eine der beiden eine Parteitreue sein könnte. Zu dieser Zeit wusste man nicht, wem man trauen kann und wem nicht. Lisa zum Beispiel, Klassenbeste und zu zweihundert Prozent Linientreu in Marias Augen. So eine würde sie bestimmt verraten. Ulrike und ihre Eltern allerdings waren anders. Sie haben bereits 1953 versucht aus dem Osten zu fliehen und den Frieden zu bekommen. Ulrike ist im Herzen eine Revoluterin. Sie und ihre Eltern schließen sich der Friedensbewegung in Leipzig an. In Halle selbst gab es so etwas leider nicht. In Halle gab es nur Beton und böse Menschen mit einem Wartburg. Man musste aufpassen. Unter anderem hatte Alex’s Vater einen Wartburg. Er war SED Funktionär. Alex selbst war verliebt in Maria und versuchte auf jede Art ihr zu helfen. Sein Vater wollte das nicht dulden, denn Maria und ihre Eltern waren nicht zu 100% Linientreu.

Vier Freunde deren Leben ganz unterschiedlich verläuft und dennoch haben sie alle das gleich Ziel, sie wollen raus aus dieser Hölle. Sie waren nun in einem Alter, in dem sie verstanden, was sich hinter der Mauer abspielte. Als Kinder fühlten sie sich wohlbehütet und konnten die Gefahr der freien Meinung noch nicht erkennen. Nun als Jugendliche mussten sie am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet seine Meinung laut zu äußern. Die Stasi war überall und die Strafen waren hart und menschenunwürdig. Gerade Maria und Ulrike erleben eine grauenhafte Zeit, weil sie zusammen auf einem Dach der Betonbauten englische Lieder gesungen haben. Englische Lieder waren nicht erlaubt, genauso wie Westfernsehen und alles andere was Spaß machen könnte. Nur der sozialistische Staat war richtig und angeblich wollte man ja nur das Bauernvolk unterstützen und voran treiben. Alles zum Wohle des Volkes, angeblich.

„Maria hasste Grabsteine, nicht zuletzt auf Grund ihrer beherrschenden, erdrückenden Dominanz. Vor allem aber wegen der Inschriften, der Namen und insbesondere der schlichten Zahlen darunter: Geburtstag-und Todesdaten, Anfang und Ende, in Stein gemeißelt, als gäbe es nicht davor, nichts dazwischen, nichts danach.“

Sowohl Maria als auch Ulrike mussten in die Dunkelkammer. Ulrike musste sogar auf den Jugendwerkhof, eine Foltereinrichtung für Jugendliche. Es endet für beide in Hoheneck, dort steht das gefürchtetste Gefängnis zu dieser Zeit. Man muss erwähnen, dass beide noch Jugendliche sind. Nicht erwachsen, noch viel zu jung, noch viel zu unerfahren, um solche Erlebnisse verarbeiten zu können. Ohne Alex wäre alles aber noch viel schlimmer ausgegangen. Doch ob es am Ende ein Happy End geben wird, das wird noch nicht verraten. Auch ich möchte nicht zu viel vom Inhalt verraten, denn man muss es eindeutig gelesen haben.

Meine eigene Meinung

Im Westen aufgewachsen zu sein scheint ein Privileg zu sein. Ein Privileg was nicht jedem bewusst wird und durch solche Bücher versteht man erst, wie viel Glück man hatte. Dieses Buch ist teilweise grausam. Es ist ehrlich und unverschönt. Die Ereignisse welche sich zu der Stasizeit abgespielt haben, müssen grauenhaft gewesen sein. Ich musste das Buch mehrfach zur Seite legen und durchatmen, bevor ich weiter lesen konnte. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen und viele Menschen aus dieser Zeit wollen auch einfach nur vergessen. Es verändert aber noch einmal den Blick auf Menschen, die so etwas mit erleben musste. Das schlimmste ist, dass es solche Staaten immer noch gibt. Es gibt immer noch Länder oder Regionen, in denen es genau so zu geht. In denen immer noch Menschen misshandelt werden und der Staat durch Gewalt seinen Willen durchsetzen möchte. Man fragt sich, warum die Menschen so schlecht sind. Was veranlasst Menschen solche Dinge zu tun. Was hat sie Stasi geglaubt, welche Bereicherung sie dadurch verspüren würden. Ist es einzig und alleine Macht? Oder sind solche Menschen krank? Ich weiß es nicht und ich bin nicht sicher, ob ich es wissen möchte. Ich finde allerdings das Wolfgang Mondorf ein guter Autor ist und das dieses Buch gelesen werden muss. Man spricht in der Schule zwar vom zweiten Weltkrieg, aber man spricht selten von der Zeit danach. Mondorf öffnet uns noch einmal die Augen, denn auch das gehört leider zur deutschen Geschichte dazu. Ich werde das neue Buch “ Wende gut, alles gut“ auf jeden Fall auch lesen, denn ich möchte wissen, wie es mit Maria und Ulrike weitergeht.

Danke an Wolfgang Mondorf für das Leseexemplar.

Schippach Verlag/ Auflage 2020/ Taschenbuch/ 334 Seiten/ 9,95€

Nachtrag: Ich selbst kann nicht beurteilen, ob diese Ereignisse sich auch so ereignet haben. Oder auch nur so ähnlich. Wenn es so ist, dann ist es weiter erschreckend. Ich kann mir, als jemand der im Westen geboren ist, wahrscheinlich auch keine weitreichende Meinung bilden, weil ich auch nur Geschichten glauben kann oder auch nicht. Dennoch muss ich diesen Autor loben, denn seine schriftstellerische Leistung ist unumstritten. Und nur darum geht es auf meinem Blog. Ich schreibe über Bücher und Autoren und was diese Bücher mit mir machen. Ich kann bei keinem Buch erahnen, ob wahr oder auch nicht. Aber das ist auch nicht meine Aufgabe dieses heraus zu stellen.

Das kleine Friesencafe von Janne Mommsen

Janne Mommsen und seine bezaubernde Reihe von der Nordsee ist für mich immer wieder ein Genuss. Seine Bücher machen wirklich immer gute Laune und bereiten einem Vorfreude auf den nächsten Urlaub. Alle Bände spielen auf den Nordseeinseln und man kann regelrecht spüren, wie gerne der Autor die Meereslandschaft haben muss.

Julia aus dem Ruhrpott

Die Hauptprotagonistin Julia ist gebürtige Ruhrpottlerin und arbeitet im heimischen Blumengeschäft ihrer Oma als ausgebildete Floristin. Sie liebt ihren Job und versteht sich mit ihrer Oma super gut. Ihre Mutter ist leider früh verstorben und hinterlässt Julia eine Kladde mit Gemälden von der Insel Föhr. Da Julia nicht weiß, was ihre Mutter empfand, als sie diese Bilder malte, entschließt sie kurzerhand selbst nach Föhr zu reisen und sich die Umgebung anzuschauen. Sie möchte die Orte aus den Zeichnungen suchen und versuchen zu verstehen, wer ihre Mutter wirklich war. Im Prinzip macht sie auch eine Reise zu sich selbst, denn sie ist ihrer Mutter sehr ähnlich.

Angekommen auf der Insel kann sie erst einmal gar nichts für die Marschlandschaft empfinden. Den Teil mochte ich nicht so gerne, denn ich liebe diese Landschaften sehr. Julia muss allerdings erst einmal ankommen und zu schätzen lernen, was die Nordsee ihr zu bieten hat. Sie beginnt die Insel zu malen und sich so ein besseres Bild zu verschaffen. Da sie noch keine Bleibe hat und die Bilder einen Stellplatz benötigen, sucht sie kurzerhand nach einem Atelier auf Zeit. Fündig wird sie beim alten Kapitän Hark Paulsen. Hark ist bis zu seiner Pensionierung die Fähre gefahren, mit welcher auch Julia vom Festland nach Föhr gekommen ist. Hark hat seine Frau verloren und lebt seitdem eher zurückgezogen. Die junge Malerin bringt sein Leben von nun an voll durcheinander.

Die Insel Föhr

Die Beschreibungen in dem Buch sind einfach wunderbar. Man kann sich sofort auf die Insel denken, man riecht das Meer und träumt von Wanderungen in der Marsch. Auch Julia lernt diese Landschaft zu schätzen, vor allem weil es ein absoluter Kontrast zum Ruhrgebiet ist. Auch ihre Oma Anita hat sich in die Insel und in den lieben Kapitän verliebt. Wie geht es nun mit der kleinen Familie weiter? Zumal auch Julia auf Föhr einen netten Mann kennen gelernt hat. Wird es ein Neuanfang oder ein Abschied für immer?! Eines bleibt auf jeden Fall bestehen, und das ist die wunderbare Landschaft an der Nordsee. Janne Mommsen entführt uns mal wieder zum Träumen. Und ich kann es mir auch noch so gut vorstellen, weil auch ich Föhr total schön finde.

Meine eigene Meinung

Ich bin ein große Janne Mommsen Fan. Die Bücher sind leicht und haben immer super schöne Enden. Man bekommt bei jeder Geschichte sofort Urlaubsstimmung und seine Protagonisten sind immer interessante und freundliche Gesellen. Ich kann Euch die Bücher nur empfehlen. Vor allem jetzt während dem Dauer Lockdown- hier könnt ihr euch ans Meer träumen. Danke an den Rowohlt Verlag für dieses tolle Exemplar.

Rezensionsexemplar/ Rowohlt Verlag/ Auflage 2021/ 272 Seiten/ 16,00€

 

Der Buchspazierer von Carsten Henn

Ein Buch über den guten alten Buchhandel und welche Vorteile eine nette Beratung uns bringen kann. Ein Buch über die Liebe zum Vergangenen und zum Erhalt des Liebgewonnenen. Im Alltag vergessen wir oft, welche Dinge zählen und haben Vorurteile gegen Altbewertes, dieses Buch zeigt, dass auch alte Gewohnheiten manchmal zu mehr Glück verhelfen können. Carsten Henn fasst den Beruf des Buchhändlers in wunderbare Worte und gibt einem das Gefühl für ein gutes Buch zurück. Der Buchspazierer ist eine Hommage an das geschriebene Wort.

„Das geschriebene Wort wird immer bleiben, Frau Schäfer. Weil es Dinge gibt, die auf keine andere Art besser ausgedrückt werden können. Und der Buchdruck ist das beste Konservierungsmethode für Gedanken und Geschichten. Darin können sie Jahrhunderte überdauern.“

Der Buchspazierer

Carl Kollhoff arbeitet seit einer gefühlten Ewigkeit als Buchhändler, er ist der Kollege mit der meisten Erfahrung. Vieles davon hat er von seinem ehemaligen Chef gelernt, denn dieser brachte ihm das geschriebene Wort näher. Carl kann nicht ohne Bücher und erfreut sich jeden Tag daran seinen Kunden ein besonderes Buch zu empfehlen. Jeden Abend dreht er seine Runde und liefert eine Handvoll Bücher an seine Stammkundschaft aus. Währen des Spaziergangs denkt er sich Namen für seine Kunden aus. Zum Beispiel Mr. Darcy aus Stolz und Vorurteil. Jeder seiner Kunden bekommt einen Romanhelden zugewiesen, denn nur so kann er sich alle Namen merken. Er ist mit den Büchern und deren Geschichten so sehr verbunden, dass sie immer wieder seine eigenen Eselsbrücken darstellen.

Die Tochter seines alten Chefs übernimmt den Buchladen als dieser schwer krank wird. Leider hat sie nicht das gleiche Talent wie er und sie trägt auch nicht die selbe Liebe zu Büchern in sich. Gerade für Carl wird es somit schwer. Und das wo er doch sowieso schon in Rente gehen muss und nur noch den Wunsch hat abends seine Bücher ausliefern zu können. Doch auch diesen Wunsch möchte sie ihm nicht mehr Gewehren. Carl verfällt in ein tiefes Loch, wäre da nicht das kleine Mädchen Schascha. Sie schließt sich ihm eines abends einfach an und begleitet ihn. Zuerst ist ihm das gar nicht Recht, denn er genießt seine Spaziergänge lieber alleine. Doch im Laufe der Geschichte lernt er die Begleitung zu schätzen. Schascha hat auch noch einmal ein paar neue Ideen für neue Bücher und bringt in das Leben von allen Beteiligten neuen Schwung. Ein perfektes Zusammenspiel zwischen Jung und Alt.

Ein Schicksalsschlag trifft Carl schwer und auch der Vater der kleinen Schascha setzt dem Buchhändler schwer zu und für den Moment steht sein Leben völlig auf dem Kopf. Carl muss alle seine Bücher hergeben und er droht seine Lebenslust zu verlieren. Gott sei Dank gibt es dieses schlaue, kleine Mädchen. Sie ist quasi die Heldin in diesem Buch.

In jeden Buch ist ein Herz, das zu pochen beginnt, wenn man es liest, weil das eigene Herz sich mit ihm verbindet

Meine eigene Meinung

Der Buchspazierer ist glaube ich für jeden Buchhändler eine Traumgeschichte. Und für jeden, der nicht im stationären Buchhandel einkauft, ist dieses Buch ein Muss. Denn es spiegelt wieder, mit wieviel Liebe ein Buchliebhaber Bücher empfehlen kann. Und Bücher sind nun wirklich weit mehr als nur Geschichten. Mit jedem begonnen Buch tritt ein jeder auch eine Reise an, manchmal an ferne Orte und manchmal einfach zu sich selbst. Carsten Henn verpackt diese Gedanken in diesen wunderbaren Roman. Ich finde, es ist ein Buch, welches in jedes Bücherregal gehört. Die Geschichte lehrte mich auf jeden Fall, dass man auch den älteren Menschen mehr zutrauen sollte und ihnen auch öfter zuhören sollte. Nicht alles was neu ist, ist auch automatisch besser. Ein Zusammenspiel von beiden, so wie man es in diesem Buch finden kann, dass ist die perfekte Mischung. Ich kann dieses Buch nur empfehlen und es war mir eine Freude dieses Buch in einem Buddy Read mit der lieben Ann-Kathrin zu lesen. Sie ist übrigens auch Buchhändlerin. 🙂

„Aber selbst wenn geschenkte Bücher nicht gelesen wurden, waren sie eine liebevolle Geste – und ein Kompliment für Intellekt und Geschmack des Beschenkten.“

Selbst gekauft/ Gebundene Ausgabe/ Pendo Verlag – Piper Verlag/ 222 Seiten/ 14,00€

Hard Land von Benedict Wells

“ So was wie Euphancholie. Einerseits zerreißt’s dich vor Glück, gleichzeitig bist du schwermütig, weil du weißt, dass du was verlierst oder dieser Augenblick mal vorbei sein wird. Dass alles mal vorbei sein wird. „

In Hard Land kommt alles Gute von Benedict Wells zusammen. Ich mochte bisher alle seine Romane sehr gerne und Hard Land ist ein perfektes I- Tüpfelchen. Ein Coming of Age Roman in meinen Augen mit literarischem Tiefgang von Wells. Normalerweise sind solche Geschichten über Jugendliche leicht und dem klassischen Highschool Musical angepasst, nicht so in Hard Land. Benedict Wells schafft einen Roman über das Erwachsen werden und der Schwere des ersten Verliebtseins gepaart mit dem Tod eines geliebten Menschen.

Sam und Kristie

Sam ist der klassische Außenseiter, der Nerd unter den Schülern. Er hat vor allem möglichen Angst und zieht sich eher zurück. Seine Mitschüler finden ihn komisch. In den Sommerferien beginnt er im alten Kino im Ort Grady zu arbeiten, um sich etwas dazu zu verdienen. Die beste Entscheidung seines Lebens. Endlich kann er Anschluss finden, endlich kommt er aus sich raus. Vor allem, weil die Tochter des Besitzers des Kinos Kristie ihm den Kopf verdreht hat. Sam lernt im Kino neben Kristie auch noch Hightower und Cameron kennen. Zusammen verbringen sie einen tollen Sommer und Sam lernt endlich aus seinem Schneckenhaus heraus zu kommen. Er besteht Mutproben und erfährt was es heißt, verliebt zu sein. Die Drei sind ein Anker für Sam, eine Chance seine Jugend endlich zu genießen.

Sommer mit Schatten

Leider gibt es auch einen schweren Teil in diesem Roman. Sam’s Mutter hat Krebs und im Laufe des Sommers geht es ihr immer schlechter. Seine Eltern erzählen ihm aber nicht, dass es ihr so schlecht geht, denn sie möchten das er seinen Sommer genießen kann. Seiner Mutter ist klar, dass ihr Sohn endlich mal unter Menschen muss, um aus sich raus zu kommen. Sie möchte ihn nicht mit ihrer Krankheit belasten. Dennoch ahnt Sam, dass es jeden Tag zu Ende gehen könnte. Er hat fast jede Nacht Alpträume und versucht diese über die Tage hinweg zu vergessen. Er schreibt Songs über seine schwere Zeit und singt diese mit Gitarre bewaffnet seiner Mutter immer wieder vor. Sie ist stolz auf ihn und sie weiß, dass wenn sie gehen sollte, dann ist er auf einem guten Weg. Mit seinem Vater hat Sam ein schwieriges Verhältnis. Zumindest zu Beginn des Buches. Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, warum der Vater so unnahbar scheint und die Beziehung der Beiden entwickelt sich noch einmal in eine andere Richtung.

Zusammenfassung

Hard Land hat viele wunderbare Momente und doch auch so viele traurige. Benedict Wells hat eine so besondere Art, um Gefühle zu transportieren. Man kann nicht anders, als mit dem Protagonisten zu fühlen. Sam hat mich so sehr berührt, dass ich mehrfach schwer bedrückt beim lesen war. Eine Kleinigkeit hat mich auch an mich selbst erinnert. Grady ist ein kleiner, verschlafener Ort. Alle jungen Menschen wollen diesem Ort entfliehen und suchen die weite Welt für sich selbst. Dadurch das alle Jugendlichen verschwinden wollen, stirbt Grady nach und nach aus. Ich kenne dieses Gefühl, denn auch mich hat es in die Großstadt gezogen. Sam gehört zu den Menschen, mit denen man sich zu 100% identifizieren kann, denn die meisten Leute die ich kenne, hatten ähnliche Ängste in ihrer Jugend. Ich habe dieses Buch geliebt und möchte es Euch gerne ans Herz legen. Ein MUST READ!

Danke an den Diogenes Verlag für das tolle Rezensionsexemplar.

Nachtrag: Ein paar Hintergrund Infos von Benedict selbst:

Benedict hat extra im Vorfeld alte 80er Jahre Filme geschaut, um die Coming of Age Geschichte zu kreieren. Er hat sich generell sehr mit den 80ern beschäftigt und hat auch dazu extra eine Playlist erstellt. Diese findet ihr auch auf seiner Internetseite. Er sagt, schreiben sei wie eine lange Reise, man weiß nicht was auf dem Weg noch so kommt und wo es enden kann. Benedict Wells hat in Sam viel von sich selbst gesteckt, daher gibt es hier und da Parallelen. Er sagt selbst, dass Hard Land ihm sehr am Herzen liegt. ( Infos aus dem Bloggermeeting von Diogenes )

Der süße Wahn von Patricia Highsmith

Der Roman „Der süße Wahn“ ist ein mitreißender Fluss an Irritationen und einer verschwindenden Grenze zwischen Realität und Einbildung es Hauptprotagonisten. Patricia Highsmith versteht wirklich gut, wie man seine Leser bei Laune hält. Auch wenn das Buch in der Mitte ein wenig Spannung verliert und Längen bekommt, so kann man dennoch nicht einfach aufhören zu lesen, weil man wissen muss wie es endet. 

….“natürlich habe ich nicht ernsthaft geglaubt, dass du mit mir in diesem Haus lebst. Aber manche Menschen flüchten sich in Alkohol, andere in ich-weiß-nicht-was, und ich habe es eben auf diese Art versucht…“

Eine verworrene Geschichte über krankhafte Liebe

David Kelsey ist ein alleinstehender Mitdreißiger, der in einem kleinen Zimmer in einem Wohnheim lebt und seiner täglichen Arbeit als Chemiker nachgeht. In Amerika ist üblich, dass man sich einzelne Zimmer mieten kann, wenn man nicht genug für eine Wohnung verdiente. Er wirkt ein wenig zerstreut zu Anfang und in seiner Liebe zu Anabelle gefangen. Er ist fast krankhaft verliebt und erfindet ein Leben, welches er gar nicht mehr führt. Ich finde die Geschichte unglaublich undurchsichtig. Die Grenze zwischen Realität und Fiktion ist verschwindend gering und man muss mehrfach überlegen, was man nun glauben kann und was nicht. David schreibt Anabelle fast täglich Briefe und beteuert ihr seine Liebe und wie gerne er mit ihr zusammen leben möchte. Das Ganze sehr zum Leidwesen von ihrem jetzigen Ehemann, denn der findet die Liebesbriefe von David alles andere als witzig. David wirkt krankhaft und verbissen. Mir persönlich hätten diese Briefe eher Angst eingejagt.

Neben David gibt es noch eine Bekannte von ihm, Effie Brennan. Auch diese Person ist äußerst suspekt. Sie ist wiederrum krankhaft in David verliebt und belügt sogar für ihn die Polizei. David führt ein Doppelleben und bewohnt am Wochenende ein Haus in einer anderen Stadt. Dort hat er sich unter falschem Namen eingemietet und glaubt, dass er dort eines Tages mit seiner Anabelle leben wird. Sie ist allerdings schon längt mit einem anderen Mann verheiratet und hat ein Kind bekommen. Mit seiner zweiten Identität „Mr. Neumeister“ baut er sich ein Parallelleben auf. Seinen „Freunden“ im Wohnheim erzählt er, dass er am Wochenende seine kranke Mutter im Pflegeheim besucht. Seine Mutter ist allerdings schon längst tot.

Die Geschichte gewinnt an Fahrt, als David aus Notwehr heraus den Mann von Anabelle tot schlägt und versucht dieses Verbrechen zu verdecken. Dadurch das er einen anderen Namen verwendet kommt er eine ganze Weile damit durch und auch Effie unterstützt seine Lüge und steht hinter ihm. Doch bei einem Tod soll es auch nicht bleiben und der süße Wahn scheint aus dem Ruder zu laufen.

Meine eigene Meinung 

Bei so einem spannenden Buch ist es schwer eine Rezension zu schreiben, die nicht zu viel verraten würde. Daher verzeiht mir mein Anreißen der Geschichte. Super viele Details würden auch direkt viel zu viel verraten. Ich kann nur sagen, dass Patricia Highsmith wirklich ein Talent hat, ihre Leser zu beeindrucken. Man weiß bis zum Ende nicht, wie das Buch ausgehen wird und ob David sich nun alles einbildet oder das alles wirklich passiert ist. Ich weiß bis zum Ende auch nicht, ob er einfach komplett verrückt ist oder tatsächlich die Welt es nicht gut mit ihm gemeint hat. Züge von Patricia Highsmith ähneln ein wenig Dennis Lehane, ein weiterer Autor den ich aus dem Diogenes Verlag sehr mag. Ich liebe Bücher mit Spannung und mit ein wenig Wahnsinn. Ich empfehle es sehr und ich freue mich auf weitere Geschichten von Patricia Highsmith aus meiner Sammlung.

 

Ich habe dieses Buch selbst gekauft und habe dieses im gemeinsamen Lesekreis vom Diogenes Verlag auf Facebook gelesen.

Diogenes Verlag/ Neuauflage 2021/ 442 Seiten/ 13,00€