Der Honigbus von Meredith May

Der Honigbus von Meredith May – ich muss es leider direkt zu Anfang sagen: Ich glaube das könnte eines meiner Lieblingsbücher in 2019 werden. Ein so mitfühlender und ergreifender Roman und dann noch auf wahren Begebenheiten, dass konnte nur gut werden. Eine Geschichte über ein kleines Mädchen, was alles verliert und durch die Liebe ihres Großvaters und dessen Bienenstamm wieder neuen Mut erlangt.

Meredith

Sie war gerade einmal vier Jahre alt, als sich Meredith’s Eltern trennen und das auf unschöne Art und Weise. Die Mutter völlig mit sich selbst beschäftigt und zu keiner Beziehung fähig, reißt die Kinder aus ihrem zu Hause in Rhode Island raus und zieht mit ihnen nach Big Sur Kalifornien zu ihren Großeltern. Meredith und ihr Bruder Matthew verstehen die Welt nicht mehr und vor allem verstehen sie nicht, warum ihr Vater denn nun der Böse sein muss. Gerade für Meredith ändert sich alles, sie ist die Ältere und sie ist es, die den ganzen Druck abbekommt.

Angekommen bei den Großeltern schließt die Mutter sich für Jahre ins Schlafzimmer ein und ist nicht im Stande sich um ihre Kinder zu kümmern. Die Kinder wirken wie eine ständige Belastung für sie und wären dort nicht die Großeltern, so hätten sie kein sicheres zu Hause. Vor allem aber der Großvater der Beiden hilft besonders Meredith wieder neuen Mut zu fassen.

„Die Bienen lehrten mich auf einer unbewussten Ebene die Wichtigkeit, mich um mich selbst zu kümmern. Ich sah mit eigenen Augen, dass eine Niederlage keine natürliche Daseinsweise war, nicht einmal für Insekten. Die Bienen zeigten mir, dass ich die Wahl hatte, wie ich leben wollte. Ich konnte unter der Trauer, dass ich meine Eltern verloren hatte, zusammenbrechen, oder ich konnte mich nicht unterkriegen lassen.“

Die Bienen

Der Großvater von Meredith war Bienenhalter und brachte ihr alles bei, was sie wissen musste. Auf eine wundersame Weise beschreibt Meredith May in ihrem Roman, wie sich ein Bienenfolk organisiert und was das besondere an jeder einzelnen Honigbiene ist. Sie vermittelt somit nicht nur ihre Geschichte, sondern auch Grundwissen rund um die Honigbienen. Es zeigt mal wieder, wieviel wir Menschen von der Natur noch lernen können. Meredith hat gelernt mit sich selbst zurecht zu kommen und die Familie so zu nehmen, wie sie nun mal ist. Sie wird in dem Buch immer stärker und findet ihren eigenen Weg. Ihr Großvater und seine Bienen haben einen großen Teil dazu beigetragen, dass Meredith sich nie selbst aufgegeben hat.

Eine Wendung

Zu Anfang des Buches habe ich Meredith’s Mutter gehasst. Ich habe nicht verstanden, wie eine Mutter ihre Kinder so im Stich lassen kann. Wie kann man seine Kinder schlagen und psychisch fertig machen. Im Prinzip hatte man zwischendurch das Gefühl, als ob sie nie Kinder gewollt hatte. Es geht immer wieder hervor, dass die Mutter gerne einen reichen Mann gehabt hätte. Einen Mann, der ihr ganzes Leben regelt, was der Vater der Kinder nicht geschafft hat. Zum Ende kommt heraus, dass Sally selbst von ihrem Vater geschlagen wurde. Nun schließt sich das Bild und es ist nicht verwunderlich, dass sie selbst keine Liebe geben kann und das sie einen Mann sucht, der ihr alles das gibt was ihr Vater hatte. Sie ist selbst so tief verletzt, dass sie ihren Kindern keine Mutter sein kann. Eine unglaublich traurige Wendung und dennoch eine Erklärung für viele Reaktionen in diesem Roman.

„Mutter Natur hatte einen sorgfältigen Plan gestrickt, und wenn man auch nur einen Faden herauszog, könnte sich das gesamte Gewebe auflösen. Diese Insekten, vor denen die meisten Menschen voller Angst davonliefen, waren der unsichtbare Klebstoff der Erde, der uns alle zusammenhielt.“

Mein Schlusswort

Der Honigbus ist ein wunderbares Buch und ich finde es ganz groß, dass Meredith May ihre Geschichte niedergeschrieben hat. Ich habe durch dieses Buch etwas über Bienen gelernt und finde, dass es mehr solche Bücher geben sollte. Das was ihr Großvater für die Natur getan hat und was Meredith weitergeführt hat ist ein ganz großer Anteil an Naturschutz, welchen mehr Menschen haben sollten. Dieses Buch beschreibt, was uns in unseren Herzen wirklich bewegen sollte. Eine absolute Leseempfehlung und vielen Dank an den S.Fischer Verlag für dieses tolle Leseexemplar.

Rezensionsexemplar/ S.Fischer Verlag/ Auflage 2019/ 317 Seiten/ 22,00€

Uns gehört die Nacht von Jardine Libaire

Jardine Libaire, die neue Autorin in unserer Leserunde #backlistlesen vom Diogenes Verlag. Uns gehört die Nacht ist ein Roman voll von Gegensätzen und den Schluchten von Arm und Reich in den USA. Elise und Jamey, ein Paar was verschiedener nicht sein könnte, entstanden aus einer Affäre wird daraus eine folgenreiche Liebesbeziehung. Ich musste mich tatsächlich ein wenig durcharbeiten, um dieses Buch zu lesen, denn am Anfang kam ich mit dem Schreibstil nicht ganz klar und auch die Story wirkte platt und so bekannt. Doch am Ende kam ich nicht umhin, meine Meinung zu ändern.

Elise und Jamey

Sie stammt aus einem zerrütteten Elternhaus in einer der ärmsten Gegenden der USA, er hingegen stammt aus einem reichen New Yorker Haus mit jede Menge Zukunftsplänen. Elise ist im Teenageralter von zu Hause geflüchtet und hat sich mühsam alleine durchgeschlagen. Erst als sie ein guter Freund bei sich aufnimmt wendet sich das Blatt. Jamey hingegen hat sein Leben durch geplant, er möchte in Yale studieren und irgendwann die Firma seines Vaters übernehmen. Klingt im ersten Atemzug alles nach dem Klischee, was man in vielen amerikanischen Geschichten wieder findet. Eine klassische Aschenputtel Geschichte, sollte man meinen.

Auch deren Eltern haben so etwas typisches an sich. Elise’s Mutter ist immer mal wieder an den falschen Mann geraten, aber liebt ihre Tochter abgöttisch. Und die Eltern von Jamey, oder besser gesagt die ganze Familie, ist eine typische arrogante New Yorker Upper East Side Familie. Die Kinder auf teuren Schulen und Probleme kann man mit Geld wieder gut machen. Sie denken, man könnte alles und jeden für Geld kaufen. Zum Glück gibt es in der Realität auch andere Familien in dieser großartigen Stadt.

Es geht um so viel mehr

Elise ist mir am Anfang äußerst unsympathisch. Sie benimmt sie wie die klassische Getto Braut, ohne Benehmen und ohne Stil. Sie sagt was sie denkt und eckt an jeder Stelle damit an. Empathie würde man einer solchen Person nicht im geringsten zutrauen. Doch im Laufe des Buches wächst sie zu einer treuen Seele heran. Sie hat in Jamey ihren Lebenspartner gefunden, ein Partner der ihr auch die schönen Seiten des Lebens näher bringen wird. Man glaubt am Anfang, dass er der Stärkere der beiden ist, alleine weil er die bessere Erziehung genossen hat. Sehr schnell wir einem bewusst, dass Erziehung in diesem Fall gar keine große Rolle spielt, denn gerade ihre schwere Vergangenheit hat Elise zu jemandem werden lassen. Sie wächst über sich hinaus und ist am Ende die Starke in der Beziehung.

Jamey hingegen ist schwach. Er ist sich seiner Gefühle erst ganz spät bewusst und stolpert quasi in diese Beziehung hinein. Er wurde jahrelang von seiner Familie in eine bestimmte Richtung gedrängt, dass er gar keine eigene Meinung bilden konnte. Eigentlich lässt er sich immer nur von anderen lenken. So war es nicht verwunderlich, dass er sich in der Mitte des Buches zu Drogen überreden lässt. Seine Wille ist in dem Moment einfach zu schwach, um Nein zu sagen. Folgenschwer, denn er verliert sich selbst im Glauben danach tot im Krankenhaus erwacht zu sein. Es ist Elise, die ihn am Ende retten wird aus diesem Sumpf wieder zu entfliehen.

Ist es nun Klischee oder nicht?!

Irgendwo trifft es schon den klassischen amerikanischen Roman, es gibt dort meistens einen „Helden“ und auch eine Diskrepanz zwischen Arm und Reich. Dennoch finde ich, dass Jardine Libaire eines super geschafft hat und das ist, die Charaktere einfach großartig auszuarbeiten. Sie schafft eine tiefe Verbundenheit zu beiden Hauptprotagonisten und baut drum herum weitere interessante Geschichten. Trotz Klischee hat das Buch etwas ganz Eigenes, was mir gut gefallen hat.

Mein Lieblingsteil im Buch

„Elise liebte diese geheimnisvolle Stimmung, die fünf Minuten des Sonnenuntergangs, wenn Straßen und Bäume und Menschen und geparkte Autos so zart und so unmittelbar sind, jedes Geräusch, jeder Geruch, jede Bewegung, vervielfacht am dunkelsten Zipfel des Lichtes oder am hellsten Zipfel der Dunkelheit. Selbst eine kaputte, dreckige Stadt kann in dieser Zeit traumhaft und zärtlich sein.“

Selbst gekauft/ Taschenbuch/ Diogenes Verlag/ 456 Seiten/ Auflage 2018/ 16,00€

Ich, Eleanor Oliphant von Gail Honeyman

Ich, Eleanor Oliphant ist die Geschichte einer wundersamen jungen Frau. Eine verstörende Vergangenheit, jede Menge Witz und eine ganz besondere Freundschaft. Der Roman von Gail Honeyman hinterlässt Spuren, das steht fest. Seit langem ein Buch, wo ich die Protagonistin sofort ins Herz geschlossen habe und jede Minute in dieser Erzählung mit ihr zusammen erlebt habe. Entdeckt habe ich das Buch auf der Leipziger Buchmesse und ich konnte nicht anders, als es zu erwerben.

Eleanor Oliphant

Eleanor ist eine ganz sonderbare, junge Frau. Sie ist eindeutig nicht wie alle anderen. Nicht nur, weil sie eine Narbe im Gesicht trägt, sondern weil ihre ganz Art einfach so komplett komisch ist. Eleanor hat sehr merkwürdige Gedanken und das was für andere „normal“ ist, ist für sie unvorstellbar. Sie lebt sehr zurück gezogen in einer Sozialwohnung in Glasgow und hat eigentlich gar keinen Kontakt zur Außenwelt. Selbst ihre Kollegen im Büro meiden die junge Frau. Sie hat gelernt alleine zu sein, wenn sie alleine ist, kann sie niemandem schaden.

Mit jeder Seite in diesem Buch lernt man Eleanor besser kennen und man fängt an, sie wirklich total zu mögen. Sie hat ganz solide Einstellungen und hat ein ganz reines Herz. Sie wird durch ihr bislang zurückhaltendes Aussehen nie richtig wahr genommen. Doch lernt man sie erst einmal kennen, dann muss man sie einfach mögen. Ich habe selten so gelacht bei einem Buch, wie bei diesem. Die Protagonistin bezaubert den Leser mit ihrem Witz und ihren ungewollt coolen Sprüchen.

Ihre Vergangenheit

Eleanor hat ein dunkles Geheimnis. Sie telefoniert angeblich einmal die Woche mit ihrer Mutter die wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Noch dazu bekommt sie regelmäßig Besuch von einer Sozialarbeiterin. Man kann bereits am Anfang des Buches erahnen, dass ihr in ihrer Kindheit etwas schlimmes Wiederfahren ist. Erst zum Ende des Buches versteht man die Geschichte ganz. Die Autorin Gail Honeyman hält die Spannung bis zum Schluss und gibt einem immer nur ein Puzzleteil zum ergründen mit auf den Weg. Erzählerisch in meinen Augen großartig gelöst.

„Im Dunkel des Tages, im Dunkel der Nacht, immerzu muss ich daran denken. Hellwach in der Dunkelheit, zwei kleine flatternde Herzen, wie aufgeschreckte Kaninchen, ihr Atem messerscharf. Immerzu Gedanken, Erinnerungen….“

Raymond

Eines Tages lernt sie durch einen Zufall ihren Arbeitskollegen Raymond kennen. Sie ist zunächst entsetzt von seinem Äußeren. Schlabberige Jeans, Sneaker und immer Shirts mit lustigen Bildern auf der Brust. Und dann raucht er auch noch. Eleanor ist nicht sonderlich angetan und dennoch entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft. Die beiden wachsen zusammen, nachdem sie einem Alten Mann der auf der Straße zusammen gebrochen ist, das Leben retten. Der Alte Sammy und seine Familie sind den beiden sehr dankbar für ihre Hilfe und so werden Eleanor und Raymond auf diverse Partys eingeladen und kommen sich so auch immer näher. Eine emotionale Bindung entsteht.

„Auch mein Herz hat Narben davongetragen, dicke, wulstige Narben. Man sieht sie nicht, doch ich weiß, dass sie da sind. Aber ich hoffe, dass eine kleine Stelle frei von verhärtetem Gewebe ist, ein kleines Fleckchen nur, durch das Liebe hinein- und hinausströmen kann. Das hoffe ich wirklich…“

Meine eigene Meinung

Ich könnte so viele Stunden über dieses Buch schreiben. Ich könnte es für Euch komplett zusammenfassen, so gut sind die einzelnen Teile noch in meinem Gedächtnis. Aber ich will eigentlich nicht zu viel vorweg nehmen, denn es muss auf jeden Fall gelesen werden! Ich, Eleanor Oliphant ist meine persönliche Leseempfehlung an Euch. In diesem Buch gibt es so viele gute Eigenschaften zu entdecken und man öffnet seinen eigenen Horizont noch einmal. Äußerlichkeiten sind sowas von unwichtig und der innerer Kern zählt so viel mehr – genau das geht aus diesem Roman hervor.

Zum Schluss ein Lieblingsabschnitt von mir, wo ich lachend von der Couch gefallen bin. Eleanor wird von einem Typen auf einer Party angesprochen, dieser möchte ihr gerne einen Drink spendieren. Ihre Antwort darauf:

„Nein Danke. Ich möchte mich von Ihnen nicht auf einen Drink einladen lassen, denn dann müsste ich Ihnen im Gegenzug auch eine Runde spendieren, und ich fürchte, ich bin einfach nicht daran interessiert, die auf zwei Getränke anfallende Zeitspanne mit ihnen zu verbringen!“ 🙂

 

Buchdaten: Ich, Eleanor Oliphant, Bastei Lübbe Verlag, Taschenbuch, Auflage 2017, 527 Seiten, 11€

Anmerkung: Dieses Buch ist selbst gekauft und steht in keinem Zusammenhang mit Werbung, dies ist lediglich eine Empfehlung für andere begeisterte Leser/innen so wie ich.

 

 

Durch die Nacht von Stig Saeterbakken

Durch die Nacht“ ist der neue Roman aus dem Dumont Buchverlag und ich hatte das Glück, dass ich dieses Buch im Vorfeld lesen durfte. Nun ist es offiziell erschienen und ich darf Euch darüber berichten. Der tiefgründige Roman des bereits verstorbenen Autor Stig Sæterbakken hinterlässt auf jeden Fall spuren. Das war seit langem wieder ein Buch, welches mich lange beschäftigt hat und welches ich mehrfach aus der Hand legen musste, um Gelesenes sacken zu lassen. Ich weiß auch nicht, ob ich mit meiner Rezension diesem Buch gerecht werden kann. Es ist nun ein paar Wochen her, dass ich es gelesen habe und dennoch trifft mich die Erinnerung immer noch tief und dieses in Worte zu fassen ist tatsächlich sehr schwer.

Zum Inhalt

Karl Meyer ist Zahnarzt und führt ein normales Familienleben, doch als sein Sohn Ole-Jakob sich plötzlich das Leben nimmt, wird die Familie auf eine harte Probe gestellt. Das Familienleben war auch davor schon alles andere als einfach. Karl Meyer geht seiner Frau fremd mit einer jüngeren Frau und zerrüttet damit schon die heile Welt seiner Familie. Dennoch berichtet er hier von einer unglaublichen Liebe. Der Protagonist ist unendlich glücklich mit der jüngeren Mona und das obwohl er auch die Schattenseiten nicht versteckt. Sein Sohn Ole-Jakob wird immer stiller und auch die Tochter Stine zieht sich zurück. Der Vater verlässt die Familie und versucht dennoch einen Kontakt zu wahren. Alles in allem ist das nicht einfach. Seine Frau kann ihm nicht verzeihen und die Kinder geben ihm die Schuld an der Trennung und verurteilen ihn. Gerade der Sohn Ole-Jakob hat schwer damit zu kämpfen und zieht sich immer weiter zurück. Man merkt schon früh in dem Buch, dass der Sohn kein normales Verhalten aufweist.

Es kommt, wie es kommen muss und dennoch so unerwartet für die Familie. Ole-Jakob begeht Suizid. Karl’s Frau ist wie gelähmt und die Tochter Stine hört auf zu sprechen. Die sowieso schon zerrissene Familie driftet nun noch mehr auseinander und Vater Karl sieht sich selbst mit der Schuldfrage belastet. Ist er für den Tod seines Sohnes selbst verantwortlich? Ist sein schlechtes Verhalten und seine Untreue der Auslöser gewesen? Diese Fragen umgeben den Vater und er verliert sich selbst in diesen Gedanken. Er versucht zu fliehen, in die Slowakei, aber kann man vor seiner Angst wirklich davon laufen?!

„Die kleinsten Vergehen sind die größten. Mit ihnen zeigt man, dass man zu allem imstande ist…“

 

Meine Gedanken

Dieses Buch hat in meinen Augen tatsächlich kein Happy End, es ist durch und durch dunkel und der Titel “ Durch die Nacht“ trifft es da natürlich perfekt. Karl Meyer erlebt seine Trauer und seine Angst in einer nie enden wollenden Nacht. Am meisten geschockt, war ich von der Geschichte mit dem Haus in der Slowakei. Angeblich ein Haus, wo man mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert wird. Entweder man schafft es oder man geht daran zu Grunde. Gibt es so ein Haus wirklich? In dem Buch gibt es Bilder von diesem Haus- hat es wirklich existiert? Karl Meyer wird in diesem Haus verrückt, er träumt von Momenten, welche lange vorbei sind. Er glaubt Nachrichten von Ole- Jakob zu bekommen, welche er nie bekommen wird. Es ist grausam ihm dabei „zuzuschauen“ während man dieses Buch liest. Ich habe zwischendurch daran gezweifelt, dass es das Haus wirklich gibt und das dieses nur als Metapher gemeint ist. Richtig sicher bin ich mir bis heute noch nicht. Ist es nicht so, dass man sich in ein Haus der Angst eingeschlossen fühlt in so einer Situation? Ich glaube das Stig Sæterbakken diese Geschichte sogar selbst erlebt hat. So tief wie er seine Gedanken und Gefühle beschreiben kann, so etwas kann man nur ausdrücken, wenn man es selbst erlebt hat.

„Es war vorbei. Es ging trotzdem weiter. Es war wie eine Kraft, die sich nicht davon abhalten ließ, weiterzudonnern, genauso wie der Zug, der durch vorbeifliegende Streifen von Land und Wasser zog. Schneller und schneller ging es, während die Erde draußen die Farbe wechselte, von Gelb zu Grün zu Rot….“

 

Mein Schlusswort

Irgendwo in diesem Roman schreibt der Autor, das Trauer eine Gabe sei. Ist es nicht meistens so, dass man nur wirkliche Gefühle aufbringen kann, wenn man sie selbst erlebt hat. Ich glaube Trauer kann man nur nach empfinden, wenn man selbst trauern musste. Diese Erkenntnis bringt mich immer mehr dazu, dass er selbst eine grausame Geschichte erlebt haben muss. So tiefe Gefühle, so intensiv zu beschreiben in einem Roman, dass kann man nicht ohne ein schlechtes Erlebnis. Er beschreibt die tiefen Abgründe eines jeden Menschen und aber auch die schönen Höhepunkte. Liebe, Trauer und Angst- Stig Sæterbakken vereint sie zu einem literarischen Meisterwerk der norwegischen Kultur.

Ich kann dieses Buch absolut empfehlen! Es ist nicht einfach zu lesen und man muss es auch schon mal aus der Hand legen, aber es lohnt sich. Der Autor ist großartig und der Gedanke das es eine wahre Geschichte ist, macht seinen Schreibstil nur noch bemerkenswerter. Danke an den Dumont Buchverlag, dass ich dieses Buch lesen durfte.

 Anmerkung: Norwegen ist dieses Jahr Gastland auf der Frankfurter Buchmesse – nach diesem Buch, bin ich sehr gespannt, was wir noch lesen & erleben dürfen.

Rezensionsexemplar/ Dumont Buchverlag/ 287 Seiten/ Auflage 2019/ 22,00€

 

Kitchen von Banana Yoshimoto

Kitchen, ein Roman voll von Gefühlen, bei dem mich Banana Yoshimoto wieder einmal feststellen lässt, dass ich japanische Literatur wirklich sehr gerne mag. Ich bin ja bekennender Japan Fan, vor allem durch Haruki Murakami und auf Grund dieser Leidenschaft probiere ich immer wieder gerne neue Autoren aus. Banana Yoshimoto war also Neuland für mich. Nun bin ich aber auch Fan vom Diogenes Verlag und so konnte ich eigentlich gar nichts falsch machen. Ich habe dieses süße, kleine Buch auf einem Wühltisch entdeckt und es in einem Rutsch durch gelesen. Das ich gerne „wühle“ müsste Euch mittlerweile schon bekannt vorkommen, denn in diesen wunderbaren Tischen habe ich schon so manch ein großartiges Buch finden können.

„Zum ersten Mal in meinem Leben machte ich mit meinen eigenen Händen und Augen die Erfahrung, wie groß die Welt und wie tief ihre Dunkelheit ist, erlebte ich, von welch undenklicher Faszination, aber auch grenzenloser Einsamkeit sie ist.“

Die Geschichte von Mikage und Yuichi

Mikage wächst alleine mit ihrer Großmutter in Tokyo auf, den Rest ihrer Familie hat sie bereits verloren. Beide wohnen in einer großen Wohnung, in der allerdings die Küche ihr liebster Ort ist. Einzig und allein in der Küche fühlt Mikage sich sicher und geborgen. Als eines Tages auch ihre geliebte Großmutter stirbt, muss die junge Frau alleine durchs Leben gehen. Die steht vor der Entscheidung ihre erste eigene Wohnung zu mieten und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Yuichi ein guter Freund ihrer Großmutter macht ihr genau in diesem Moment der Einsamkeit den Vorschlag, dass sie doch bei ihm und seiner Mutter einziehen soll. Mikage ist zunächst skeptisch, denn ein für sie völlig fremder Mensch hat ihr dieses vertrauensvolle Angebot unterbreitet. Sie beschließt, dass sie sich die Wohnung und seine Mutter erst einmal anschauen möchte. Und wie könnte es anders sein, als dass die Küche als zentraler Punkt in ihrem Leben sie schlussendlich zu einer Zustimmung bringen würde. Zu dritt ist das Leben weniger einsam und zwischen Mikage und Yuichi entwickelt sich eine tiefe Freundschaft und später auch Liebe.

Eriko

Yuichi’s Mutter ist eigentlich sein Vater, denn der Alleinerziehende dachte, wenn er eine Frau wäre, dann würde es für den Sohn besser sein. Nachdem Yuichi’s richtige Mutter gestorben ist, lässt sich Eriko zu einer Frau umoperieren und leitet als Drag einen Nachtclub. Irgendwie klingt das typisch japanisch für mich und ich kann Eriko förmlich vor mir sehen. Mikage stört das nicht, denn sie sieht in Eriko eine zweite Mutter. Leider wird sie als Nachclubbesitzerin verfolgt und eines Tages ermordet. Die Beziehung von Mikage und Yuichi scheint daran zu zerbrechen, doch am Ende siegt der Drang, dass beide alleine viel zu einsam wären.

Auch Eriko hat ihre ganz eigene Geschichte, welche zum Schluss in dem Buch auch noch erzählt wird. Zuerst hatte ich den Geschichtenwechsel nicht Recht verstanden, doch am Ende erschien mir alles schlüssig. Das Buch dreht sich um den Verlust eines geliebten Menschen und wie uns so etwas nachhaltig beeinflussen kann. Denn nur jemand der wirklich einmal einsam war, der kann nachvollziehen, wie ein jemand sich dann fühlt und es scheint in diesem Buch, als könnten auch nur diese Menschen eine ganz ehrliche Liebe empfinden.

„Ich muss erwachsener, größer werden. Viel wird geschehen und mich im Innersten treffen. Vieles wird weh tun, und immer wieder muss ich auf die Beine kommen. Aber ich darf mich nicht unterkriegen lassen, darf nie die Kraft verlieren.“

Mein Fazit zu Kitchen

Ich mochte dieses Buch wirklich sehr. Banana Yoshimoto hat eine ganz einfache und doch tiefsinnige Art Dinge zu beschreiben. Einen Schreibstil, wie ich ihn bisher immer bei japanischer Literatur erlebt habe. Genau das ist es, was mich so nachhaltig an diesem Land begeistert. Die Menschen sind in der Regel ganz einfach und freuen sich über Kleinigkeiten ( im Fall von Mikage über eine Tasse mit einer Banane darauf ) und dennoch erleben sie ganz tiefe Gefühle und beschreiben die Umgebung immer mit einer faszinierenden Präzession. Ich bin Fan von Banana Yoshimoto, sodass ich mir direkt zwei weitere Bücher kaufen musste. Ich werdet also noch einmal von dieser Autorin auf meinem Blog lesen.

 

Selbst gekauft/ Diogenes Verlag/ Ausgabe 1994/ Backlist / 203 Seiten / 10,00€

So schöne Lügen von Tara Isabella Burton

New York, eine vermeintliche Freundschaft und menschliche Abgründe, dass macht den Roman „So schöne Lügen“ aus. Wobei ich tatsächlich finde das es eher ein Thriller ist, denn die ein oder andere Stelle ist schon schockierend. Der Roman von Tara Isabella Burton erscheint am 17. Mai im Dumont Buchverlag und ich durfte für Euch schon einmal hinein lesen.

Louise und Lavinia

Lavinia ist ein verwöhntes, Reiches Mädchen, was in New York ohne ihre Eltern in einem teuren Apartment lebt. Ihre Eltern denken, dass sie ein Jahr Auszeit nimmt von ihrem Studium und sie ahnen nicht, dass ihre Tochter nur von einer Party zur nächsten zieht. Sie ist jung, hübsch und ziemlich durchgeknallt. Ihr Leben ist durch den Rückhalt ihrer Eltern sehr sorglos.

Louise hingegen muss jeden Penny zweimal umdrehen. Sie hat mehrere Jobs, um sich ein billiges Zimmer leisten zu können, was nicht einmal in Manhattan liegt. Sie möchte Schriftstellerin werden, hat aber nicht den nötigen Biss dazu. Sie hat kaum Freunde, daher ist sie überglücklich, als sie Lavinia kennen lernt.

Ist das wirklich Freundschaft?

Wenn in einer Freundschaft die Unterschiede so groß sind, dann kann es auf Dauer nicht passen. Es ist ein kleines Klischee, die typische New Yorker Geschichte, so soll der Leser zumindest glauben. Doch „So schöne Lügen“ beschreibt weit mehr als das! Tara Isabella Burton erzählt uns hier von menschlichen Abgründen. Die Tiefe von verrückten Seelen, welche wir nicht zu kennen glauben.

Louise und Lavinia sind lange Zeit unzertrennlich und das Blatt wendet sich nur so nach und nach. Lavinia weiß, dass Louise sie betrügt, doch Oberflächlichkeit ist ihr nicht fremd. Sie nimmt es hin, sie denkt sie schafft für Louise ein besseres Leben. Erst als Lavinias Exfreund mit ins Spiel kommt, gerät ein Stein ins Rollen. Eifersucht und Neid, die mit Abstand schlimmsten Feinde des Menschen. Beide Eigenschaften bringen dich dem Abgrund so nah, dass Fallen vorprogrammiert ist.

Lavinia wendet sich ab und Louise lernt noch eine schlechte Eigenschaft kennen: Einsamkeit und Verlustangst. Die Frage ist nur, was wiegt schwerer? Die Angst Lavinia zu verlieren, oder der Verlust von plötzlichem Reichtum?

Ein Ende mit Schrecken und voll von Lügen

Das am Ende alle Lügen raus kommen, dass wissen wir alle und dennoch geht ein Jeder anders damit um. Louise schöpft aus einer Lüge Kraft für viele weitere und am Ende findet sie keinen Ausweg mehr. Zwischen Party’s, Drogen und einer neuen Liebe findet sie sich inmitten ihres eigenen Chaos wieder. Unfähig überhaupt noch einen klaren Gedanken zu fassen. Wenn das Handeln nur noch von Emotionen getragen wird. Tara Isabella Burton nimmt den Leser mit, tief in den Abgrund des menschlichen Wesens nimmt sie jeden mit sich. „So schöne Lügen“ ein Roman, der noch lange nachwirken wird. Nichts für schwache Nerven wenn ihr mich fragt. Jeder von uns hat menschliche Seiten und ein jeder von uns steht ganz oft selbst am Abgrund. Wir treffen unsere Entscheidungen Weise, die meisten jedenfalls. Ein großartiger Roman, mit ganz viel Tiefe. Danke das ich das Exemplar lesen durfte- ich vergebe fünf von fünf Sternen, eine absolute Empfehlung. Definitiv Potential für meine Top Bücher in 2019.

Rezensionsexemplar/ Dumont Buchverlag/ Gebundene Ausgabe/ Mai 2019/ 22,00 €

P.S.: Ich liebe den Buch Umschlag! So super schön – ein Grund mehr es zu mögen. 😉

Das Leuchten jenes Sommers von Nikola Scott

Ein Buch wo ich seit langem mal wieder nicht weiß, wo ich anfangen soll. Das Leuchten jenes Sommers von Nikola Scott hat noch eine Weile bei mir im Kopf gearbeitet. Dennoch, beginnen wir einfach mal am Anfang. Das Leuchten jenes Sommers habe ich aus dem Rowohlt Verlag bekommen und ich freue mich, dass ich diesen Roman lesen durfte. Dieses Buch ist in dieser Woche, am 16. April erst erschienen und somit quasi noch Druckfrisch. Die Geschichte spielt in zwei Zeitepochen, einmal 1939 kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges und 2009, durch die Zeit verbunden sind zwei Frauen, die beide ihre Geheimnisse haben.

1939

Maddy lebt in Summerhill, Cornwall gefühlt am Rande der Welt. Sie bewohnt ein Anwesen zusammen mit ihrer Schwester und einigen Angestellten, was einst ihrem Vater gehört hatte. Dieser kam leider bei einem tragischen Unfall ums Leben und Maddy kann seitdem diesen Ort nicht mehr verlassen. Ihre Schwester Georgiana hingegen zieht es raus in die weite Welt und sie verurteilt ein wenig ihre kleine Schwester, die einfach nur zu Hause sein möchte. Als Georgiana von einer langen Reise zurück kommt und ihrer Schwester Maddy ihren neuen Freund Victor vorstellt, ahnt noch keiner der beiden wie tragisch die Geschichte sich noch vor Beginn des zweiten Weltkrieges wenden wird. Verlust spielt im Leben von Maddy eine unglaublich große Rolle und mit jedem weiteren Verlust verschanzt sich die Hauptprotagonistin in sich selbst. Eine Schutzwand so zu sagen.

Maddy liebt es zu Zeichnen und zusammen mit ihrer Schwester erschaffen sie ein Kinderbuch, wo es um den kleinen frechen Fuchs Foxy geht. Foxy ist in den schweren Zeiten ein Anker für Maddy. Sie kann den Verlust ihres Vaters dadurch erträglicher machen. Doch als sich herausstellt, wer Victor wirklich ist, kommt es zum Showdown 1939 und Maddy verliert auch noch ihre geliebte Schwester Georgiana. Vortan kann Maddy sich nicht mehr für das Zeichnen begeistern und eine Fortsetzung von Foxy bleibt aus. Das Buch, was sie mit ihrer Schwester zusammen geschrieben/gezeichnet hat verkauft sie irgendwann dennoch, um aus dem Erlöse ihr Haus in Summerhill halten zu können.

2009

Chloe lebt mit ihrem Mann in einem wundervollen Haus, ist total behütet und muss nicht mal mehr arbeiten gehen, weil ihr Mann alles finanziert. Klischee. Nach außen meint man, das sei ein perfektes Leben, aber im Inneren erkennt man, wie unglücklich Chloe doch ist. Sie erfährt, dass sie Schwanger ist und hat Angst es ihrem Ehemann zu beichten und darüber hinaus bekommt sie ein großartiges Jobangebot in Summerhill. Sie soll die Geschichte von Maddy abfotografieren, denn eigentlich ist Chloe Fotografin. Doch ihr Mann lässt ihr einfach keine Luft zum atmen. Chloe hat einen Bruder, Danny, dieser ist leider unheilbar krank und lebt in einer betreuten Einrichtung. Beide haben auch früh ihren Vater verloren und in Erinnerung sehen sie sich immer wieder zusammen als Familie die Geschichte des kleinen Fuchses Foxy lesen. Umso mehr freut sich Chloe über den Auftrag in Summerhill, denn so kann sie Maddy persönlich kennen lernen. Nichts ahnend, wie sehr die beiden Schicksale der Frauen verbunden sind.

Auch 2009 kommt es zu einem Unfall, doch dieses Mal ohne Todesfolge. Chloe muss vor ihrem Mann flüchten, denn dieser sperrt sie ein und nimmt ihr jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Er wird handgreiflich und eifersüchtig. Alles resultiert nur daraus, dass er ohne sie nicht Leben kann, aber diese egoistische Liebe macht alles nur kaputt. Chloe flüchtet zu Maddy nach Summerhill und es kommt an der selben Stelle zu einem Unfall, wo Chloe’s Mann schwer verletzt wird. Chloe darf am Ende frei sein und ein Scheidungsverfahren wird eingeleitet. Danny ihr kleiner Bruder hatte schon immer im Gefühl, dass dieser Mann nicht gut für sie war und zum Glück wendet sich alles zum Guten. Dennoch ist es erschreckend, wie spät Chloe erst feststellt, dass dieser Mann nicht gut für sie ist. Die Grenze zwischen beschützen wollen und kontrollieren wollen ist hier fast nicht greifbar gewesen und schon in den ersten Dialogen konnten ich diesen Mann nicht leiden. Ich fühle mich beim Lesen von ihm unterdrückt, so stark ist dieser Charakter ausgearbeitet.

Eine Verbindung

In beiden Fällen haben die Frauen ihren Vater verloren und in beiden Fällen sind es Männer, die eine Wendung herbei führen. Es mag wie ein Klischee klingen, aber solche Geschichten sind nicht unüblich. Beide Frauen können in diesem Buch ihre Stärke zeigen und was ein Zusammenhalt unter Frauen bedeuten kann. Gerade die Geschichte von Chloe hat mich tief getroffen. Was Menschen aus Liebe alles auf sich nehmen und wie unglaublich blind Liebe machen kann. Erschreckend ehrlich in diesem Buch dargestellt.

…Rückblickend erschien es ihr manchmal, als wäre ihr Vater in dem Moment aus ihrer Kindheit verschwunden, als sie aufgehört hatten, zusammen Foxy zu lesen….

Meine persönliche Meinung

Ich finde diesen Roman großartig. Das Leuchten jenes Sommers beschreibt die Sehnsucht nach ganz großer, erfüllter Liebe und gleichzeitig aber auch die Gefahr die in dieser Liebe stecken kann. Nicht jede Liebe ist gesund und manchmal muss man sich selbst eben mehr lieben, um ein glückliches Leben führen zu können. Welche Liebe in diesem Buch zählt, ist die Geschwisterliebe – diese ist unumgänglich in diesem Roman. Ein unsichtbares Band, was eine Familie verbindet ist immer noch die stärkste Liebe. Zum Glück war nicht jeder Mann in diesem Buch ein schlechter Mensch, dennoch mag ich es, dass die Frauen in dieser Geschichte zu sich selbst finden. Danke an den Rowohlt Verlag für dieses tolle Exemplar von Nikola Scott. Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen.

Rezensionsexemplar / Rowohlt Verlag / April 2019 / 487 Seiten / 20,00 €

 

 

 

 

 

Die Bücherinsel von Janne Mommsen

Mein zweites Buch von Janne Mommsen, „Die Bücherinsel„. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, weil ich das Buch „Die kleine Inselbuchhandlung“ schon so toll fand. Auch dazu hatte ich bereits einen Blog Beitrag veröffentlicht, diesen könnt ihr hier noch einmal nachlesen. Aber nun zu “ Die Bücherinsel„.

Zum Inhalt

Sandra Marien lebt in einem kleinen Haus am Strand und landet durch Zufall in einem Lesekreis in der örtlichen Inselbuchhandlung. Wir kennen Sandra bereits, denn sie war die Putzfrau von Greta in dem ersten Buch. Was wir bis dahin noch nicht auf dem Schirm hatten, Sandra war die, die nicht Lesen und Schreiben konnte. Im ersten Buch hatte die die Bibliothek von Greta nach Farben sortiert, weil sie die Titel nicht lesen konnte. Außer Greta weiß aber niemand in der kleinen Stadt von der kleinen Schwäche von Sandra. Im Lesekreis lernt Sandra Björn kennen und ist direkt bis über beide Ohren in ihn verliebt, doch Björn ist Grundschullehrer. Sandra hat Angst vor ihren Gefühlen, weil es ihr gerade vor einem Lehrer unangenehm ist, dass sie weder Lesen noch Schreiben kann. Kurzer Hand entscheidet sich Greta ihrer Freundin zu helfen.

“ Alles ist in Feststimmung, der Himmel, das Meer, die Häuser, das Gras auf den satten Marschweiden, die Gräben, sogar die Sümpfe. Der Wind spielt die Musik dazu, mal leicht, mal böig, manchmal nimmt er etwas goldfarbenen Sand auf, wirbelt ihn hoch in die Luft und lässt ihn dann ganz fein wieder herunterrieseln. Das schlanke Schilf in den Gräben raschelt dazu, es klingt wie Beifall, die ganze Welt ist Farbe und Musik.“

Die Bücherinsel

Sandra lebt bei einem bekannten Autor im Haus und landet dadurch auf einem Leseevent, was ihr noch mehr Kopfschmerzen bereitet. Sie versucht sich durch zu mogeln, mit auswendig gelernten Texten. Das großartige daran ist, dass sie selbst diese Texte geschrieben hat. Anfangs verkauft sie diese noch unter einem Decknamen, und alle glauben eine neue Autorin kennen zu lernen. Als sich am Ende heraus stellt, dass Sandra diese Texte selbst „geschrieben“ hat, sind alle begeistert und vor allem auch Björn. Zusammen ergeben seine Texte und die von Sandra einen Sinn und es wendet sich alles zum Guten. Das Leseevent wird zum Erfolg und Sandra und ihr Lesekreis werden überall bekannt und das kleine Städtchen am Meer finden wieder einmal einen großen Besucherandrang vor. Und natürlich gibt es auch in Sachen Liebe bei Sandra und Björn ein Happy End.

Mein persönliches Fazit

Ich mochte das zweite Buch von Janne Mommsen sehr, zumal diese zarte Geschichte von einem Mann geschrieben wurde. Ich hatte am Anfang, als ich beim ersten Buch den Namen des Autoren gelesen hatte gedacht, dass es sich um eine Frau handeln würde. Ich mochte Sandra als Protagonistin sehr, sie war super sympathisch beschrieben und man konnte gar nicht anders, als sie zu mögen. Ihr Kampf zwischen Angst und Motivation war wirklich schön zu verfolgen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich das erste Buch ein wenig besser fand, aber beide in Kombination ergeben eine super Sommerlektüre. Ich würde empfehlen, diese beiden Romane mit in den Sommerurlaub zu nehmen – die perfekte Begleitung in meinen Augen. Danke an den Rowohlt Verlag für dieses tolle Exemplar, ich habe es sehr gerne gelesen.

Rezensionsexemplar / Rowohlt Verlag / Ausgabe 2019 / Broschiert / 16,00 € / 271 Seiten

Blackwood von Britta Sabbag

Ich habe seit langem keinen Fantasy Roman mehr gelesen und erhoffte mir somit, mit Blackwood von Britta Sabbag wieder in die Welt der Fantasie einsteigen zu können. Der Rücktitel klang vielversprechend und da dieses Buch erst vor ein paar Tagen erschienen ist, konnte ich mir auch vorher noch keine Meinung von anderen Bloggern holen. Also begann ich ganz unvoreingenommen zu lesen.

Blackwood

Der Ort Blackwood in Irland ist in seiner Beschreibung genau so, wie man sich eine kleine irische Stadt vorstellt. Wenn mich meine Recherchen nicht täuschen, gibt es diesen Ort zumindest als Region wirklich in Irland. Romantische Häuser und jede Menge wilde Natur umzäunt vom Ozean. Es klingt nicht nur traumhaft, sondern fast magisch. Genauso auch die Beschreibung des Buches von Britta Sabbag. Gesine ist 15 Jahre alt und erhält eines Tages einen Brief von ihrem älteren Ich mittels eines alten Schreibtisches. Klingt erst einmal sehr verheißungsvoll. Gesine kommt ursprünglich aus Wien und musste nach dem tragischen Tod ihrer Mutter zur ihrer Tante nach Irland ziehen. Es ist die klassische Teenie Geschichte: Mädchen verliert Eltern, muss umziehen, findet sich nur schwer ein und verliebt sich natürlich in den Schulschwarm der neuen Schule. Sorry liebe Britta Sabbag aber das, war nicht sonderlich originell. So eine Geschichte habe ich nun schon so oft gelesen und so langsam könnte doch mal jemandem etwas besseres einfallen.

Zum Inhalt

Wie schon erwähnt muss Gesine notgedrungen umziehen und ist natürlich nicht sonderlich begeistert davon. In ihrer neuen Heimat Irland findet sie sich nur schwer ein, irgendwie sind die Iren doch ein wenig merkwürdig. Zum Glück wird Gesine von netten Menschen begleitet und so lernt sie auch ihren Schwarm Arian kennen. Wie in jedem guten Fantasy Roman kann eine kleine Liebesgeschichte nicht fehlen. In dem Haus ihrer Tante hat sie ein eigenes Zimmer, in dem sich ein uralter Schreibtisch befindet. Sofort findet Gesine gefallen an dem alten Möbelstück. Eines Tages, nachdem sie nicht mehr weiter weiß, schreibt sie einen Brief an sich selbst und versteckt diesen im Schreibtisch. Nicht ahnend, dass am nächsten Morgen eine Antwort von ihrem Ich in der Zukunft enthalten ist. Am Ende stellt sich heraus, dass auf Gesine’s Familie ein Fluch liegt und das dieser wunderschöne Schreibtisch eine gewisse Rolle darin spielt.

Die Charaktere

Um nun aber nicht direkt das Ganze Buch Blackwood schlecht machen zu wollen, möchte ich natürlich auch etwas Positives sagen. Die Charaktere, auch wenn so eine Story nicht neu ist, fand ich trotzdem alle sehr spannend. Gesine war ein sehr sympathischer Charakter, weil sie einfach unglaublich tollpatschig war und einem ihre Gedanken nah gingen. Sie hat überzeugt, genauso wie ihre spirituelle Tante. Auch der ein oder andere Nebencharakter wurde sehr gut ausgewählt. Besonders gefallen hat mir auch Café Besitzerin Molly – sehr sehr lustige Person. Auch der Schreibstil von Britta Sabbag hat mir gut gefallen.

Mein persönliches Fazit

Hmm… ich muss gestehen ich kann nicht so richtig entscheiden, ob ich Blackwood nun mag oder nicht. Die Geschichte ist wirklich flach, vor allem da der Roman als All Age Roman bezeichnet wird. Ich denke als Jung Age Roman geht er ganz gut durch und ich denke das auch jüngere Leser/innen diesen mögen werden. Ich mochte wie gesagt die Protagonisten sehr und auch den Schreibstil. Besonders großartig fand ich tatsächlich die Cover Gestaltung – ich mag solche Bücher im Regal total gerne. Müsste ich Sterne vergeben, würde ich glaube ich drei von fünf Sternen vergeben. Danke dennoch an den Fischer Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

Rezensionsexemplar / Fischer Verlag / Ausgabe März 2019 / Gebundene Ausgabe / 18,99€

 

 

 

 

 

Gezeitenwechsel von Sarah Moss

Eine Geschichte mit ganz viel Tiefgang bietet der neue Roman aus dem Mare Verlag und zwar Gezeitenwechsel von Sarah Moss. In Gezeitenwechsel geht es um das Schicksal einer Familie aber auch um das Rollenbild des Vaters, der sich als heutzutage noch eine Ausnahme, für das Hausmann Sein entschieden hat. Aus der Sicht von Adam, dem liebenden Vater wird diese rührende Story erzählt. Alles begann mit einem Anruf aus der Schule seiner Töchter: Es ist etwas passiert.

„Es gibt keine Vorwarnungen. Die Tatsache, dass man gerade ein eigentlich inakzeptables Sandwich isst oder unverantwortlich viel intellektuelle Energie auf seinen neusten Beitrag in einem sozialen Netzwerk verwendet, bedeutet nicht, dass man sich nicht zugleich in dem Intervall zwischen dem Moment befinden kann, in dem man alles verliert, was man für selbstverständlich gehalten hat, un dem Moment, in dem man davon erfährt.“

Adam

Adam ist der absolute Vorzeigepapa! Ich bin nach diesem Buch tatsächlich hin und weg von so einem großartigen Vater. Er steht seinen Mann im alten Rollenbild einer Frau und schafft so einen Einstieg in eine neue Gesellschaft. Gerade weil ich mich selbst gerne mit den alten und neuen Rollenbildern beschäftige, finde ich diese Sichtweise in diesem Buch so sehr gelungen. Adam erzählt uns ganz oft in Gezeitenwechsel, mit welchen Vorurteilen er in seinem Alltag als Vollzeitdaddy klar kommen muss. Gerade in England ist die neue revolutionäre Gesellschaft nicht ganz angekommen. Adam allerdings ist das beste Beispiel für diese neuen Modelle. Er ist in der Lage einen Haushalt zu schmeißen, den Kindern eine gesunde Ernährung zu bieten und nebenbei noch eine umfangreiche intelligente Betreuung zu sein. Und bei all diesen wunderbaren Attributen, ist Adam auch noch so unglaublich liebevoll zu seinen beiden Töchtern und seiner Frau.

Das Familienbild

Emma ist eine überarbeitete Ärztin, die das Hausfrauchen an ihren Mann Adam gerne abgegeben hat und doch merkt sie im Laufe der Geschichte, dass ihr ein Teil im Leben fehlt und das sie weniger arbeiten sollte, um weniger zu verpassen. Rose das jüngste Mädchen ist eine klassische kleine Schwester, aufgeweckt und zuckersüß beschrieben. Miriam ist die älteste Tochter, sie ist Feministin und Naturkämpferin und möchte von dem heutigen Konsumwahnsinn nichts wissen – ein echt cooler Charakter in diesem Buch. Leider trifft es Miriam in diesem Buch, dass sie durch eine allergische Reaktion oder auch Vererbung krank wird und das sich dadurch das ganze Familienleben ändert. Adam’s Familie entstammt dem Judentum und dieses wird auch an der ein oder anderen Stelle im Buch durchleuchtet. Adam’s Vater spielt auch eine wichtige Schlüsselfigur in diesem Buch, die Verbindung von der alten jüdischen Tradition und dem neuen Leben seines Sohnes. Auch finden wir in diesem Buch die Kritik an dem englischen Gesundheitssystem wieder. Mir war vorher nicht bewusst, dass das eines der großen Themen in England darstellt und fand daher die Sichtweisen sehr interessant.

Zum Inhalt

Wenn man den Klappentext von Gezeitenwechsel liest, denkt man es geht in dem ganzen Buch „lediglich“ um die Sorge der Eltern, wenn das eigene Kind krank wird. Aber dieses Buch vereint so viele wichtige und auch aktuelle Themen miteinander, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll zu loben. Literarisch ein Meisterwerk wie ich finde und unglaublich gut bearbeitete Protagonisten. Eine Familie die auf die Probe gestellt wird, eine Familie die lernen muss neu zusammen zu wachsen und die auch lernen muss als jeder Einzelne von ihnen wertvoll zu sein. Sie lernen, dass das Leben wertvoll ist und das Zeit manchmal auch verschwendet werden kann. Gerade in den Momenten der großen Sorge, erkennt man, was wirklich wichtig ist und wo man herkommt – so auch die Verbindung von Adam zum Judentum.

Meine Lieblingsstelle im Buch

„Mögen wir es vergessen. Zu schade, dass die Dinge, die wir in Krisen lernen, alle schon auf Kühlschrankmagneten und Postkarten stehen: Nutze den Tag, Genieß den Moment, Sag deinem Schatz, dass du ihn liebst. – Mögen wir lange genug leben, um die Klischees wieder zu verachten, mögen wir so weit heilen, dass wir Himmel und Wasser und Licht für selbstverständlich halten, denn der Zustand blinder Dankbarkeit für jeden Atemzug ist keine intelligente Haltung.“

Mein Fazit

Ich liebe dieses Buch! Man fängt selbst an zu denken und überlegt, was im Leben wirklich zählt. Man versucht zu verstehen, was einem dieses Buch mit auf den Weg geben mag. Besonders fasziniert bin ich immer noch von Adam, denn gerade seine Geschichte hat mich tief beeindruckt. Danke an den Mare Verlag, dass ich dieses Buch lesen durfte, es war mir ein Vergnügen und ich kann es jedem nur ans Herz legen. Ein großartiges literarisches Werk. Gezeitenwechsel ist übrigens der perfekte Name für dieses Buch – wenn sich Gezeiten verändern und wenn neue und alte Werte deinen neuen Weg beschreiben. Und aber auch der Wechsel der Zeit, dass unsere Gesellschaft sich verändert. Toller Titel.

Rezensionsexemplar/ Mare Verlag/ Frühjahr 2019/ 366 Seiten/ 24,00 €