Shutter Island von Dennis Lehane

Shutter Island ist eine Geschichte, welche ich nicht so schnell vergessen werde. Ich habe seit langem kein so großartiges Buch mehr gelesen. Dennis Lehane ist für mich ein Künstler, der es schafft, seine Leser voll in Beschlag zu nehmen und nicht mehr los zu lassen. Ich glaube ich habe beim Bloggen mal gelernt, dass man sein Feuer nicht ganz zu Anfang verschießen soll, aber in diesem Fall kann ich einfach nicht anders. Wenn ein Roman, oder wie ich finde in dem Fall ein Thriller, einen so fesselt, dass man das Buch nicht mehr zur Seite legen kann, dann hat der Autor eindeutig etwas richtig gemacht.

Shutter Island

Die Insel mit den vielen Geheimnissen, so soll man zumindest am Anfang meinen. Das am Ende aber doch eher der Protagonist derjenige mit den Geheimnissen ist, das erfahren wir erst gegen Ende des Buches. Die Insel Shutter Island ist eine Insel, auf der eine Klinik für schwere Fälle erbaut wurde. Ein vermeintlich medizinische Einrichtung, in der Schwerverbrecher mit psychologischen Problemen behandelt werden. US Marshall Edward Daniels ( kurz Teddy ) wird beauftragt, die auf der Insel verschwundene Rachel Solando wieder zu finden. Er bekommt einen Kollegen, welchen er vorher noch nie gesehen hatte und beginnt seine ungewisse Reise auf Shutter Island. Das Krankenhauspersonal ist äußerst merkwürdig und irgendwie möchte niemand so richtig kooperieren. Irgendetwas ist doch hier nicht richtig, denkt sich Teddy. Irgendjemand verheimlicht hier doch ganz klar Fakten.

Teddy

Edward Daniels kommt als Ermittler auf die Insel Shutter Island und versucht einen scheinbar unlösbaren Fall zu lösen. Doch er selbst hat auch ein kleines Geheimnis, denn er sucht den Mörder seiner Frau. Die Geschichte rund um Teddy wird von Seite zu Seite immer verworrener und man fragt sich, ob Teddy das wirklich alles erlebt oder ob alles nur reine Fiktion ist. Erst am Ende des Buches wird klar, dass Teddy gar kein Ermittler ist, sondern ein Patient der Klinik. Nicht das Prozedere ist fragwürdig, sondern die Wahrnehmung von Teddy selbst. Seine Frau hat seine Kinder umgebracht und Teddy hat aus reinem Selbstschutz danach seine Frau ermordet. Diese Situationen konnte er nie richtig verarbeiten, sodass er sich eine Geschichte ausgedacht hat. Er hat einen Mörder erfunden, wo es keinen gab. Er selbst war der schuldige und er selbst musste in intensive psychologische Behandlung. Das Klinikpersonal hat die Geschichte rund um Rachel Solando nur erfunden, um an einem Theater Stück teilzunehmen, mit welchem sich der Klinikleiter erhoffte, Teddy zu retten.

Das Ende

Über das Ende von Shutter Island kann man glaube ich am meisten diskutieren. War es nun am Ende so, dass Teddy ein Problem hat und die Klinik nur helfen wollte. Oder hat man Teddy doch unter Tabletten gesetzt, um ihn diese Geschichte glauben zu lassen. So ganz geht es aus dem Ende nicht hervor, man kann es von beiden Seiten betrachten. Der Leser selbst wird in die Irre geführt und muss entscheiden, was er am Ende glauben möchte. Gerade das fand ich aber auch so großartig. Ich finde, dass zeichnet den Autor Dennis Lehane aus – den Leser absolut zu verwirren und das Ende eigentlich offen zu lassen. Es gab keine Sekunde in dem Buch, an dem es nicht spannend war. Unglaublich gut.

Dieses Buch habe ich im Zuge der #backlistlesen vom Diogenes Verlag gelesen. Wir haben dieses auch in der genannten Lesegruppe auf Facebook besprochen. Es war mir ein Vergnügung dieses Buch zu lesen und ich kann es nur weiter empfehlen. Wie schon erwähnt, ist es für mich kein Roman, sondern ein Thriller.

Selbst gekauft / Taschenbuch / Auflage 2015 / Diogenes Verlag / 12,00 € / 418 Seiten 

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