Liebwies von Irene Diwiak

Ein Buch wo es um Schein und Sein geht oder auch ein Spiegel der Gesellschaft. In Liebwies beschreibt die Autorin Irene Diwiak eine Oberflächlichkeit die es in den 20’er Jahren gab und die es aber auch heute leider noch gibt. Schöne Menschen werden wahrgenommen und unschöne werden missachtet. Status und Optik zählt, der Mensch dahinter wird vergessen.

Liebwies

In Liebwies leben die Schwestern Karoline und Gisela. Karoline ist laut Angaben der Autorin hässlich und unscheinbar, hat dafür aber eine wunderschöne Singstimme. Gisela ist wunderschön und jeder verzehrt sich nach ihr, doch singen kann die Schönheit leider überhaupt gar nicht. Der Musiklehrer Köck entdeckt das Talent der jungen Karoline und ist begeistert von ihrer Stimme und organisiert daher eine Schulaufführung, um ihr Talent zu zeigen. Köck ist ein Mensch, der nicht nur das Optische sieht, sondern auch die inneren Werte. Zur Schulaufführung hatte er seinen alten Freund Christoph Wagenrad eingeladen, er war der Ehemann der bekannten Pianistin Ilona Wagenrad. Er hatte die Hoffnung, dass Wagenrad Karoline entdecken würde und sie mit zum Konservatorium nehmen würde. Doch die Aufführung läuft anders als geplant, denn Wagenrad sieht nur das Optische und nicht das Innere, so nimmt er die falsche Schwester mit nach Wien. Gisela soll zum neuen Stern am Opernhimmel werden und die arme Karoline bleibt im kleinen Liebwies unentdeckt zurück und von Köck wird man auch nichts mehr hören.

Gisela Liebwies & Ida Gussendorf

Gisela wurde seither Gisela Liebwies genannt, ein Künstlername der an ihr Heimatdorf erinnern sollte. Wagenrad nahm sie zur Frau und zusammen wurden sie wieder etwas mehr berühmt. Nach dem Tot von Ilona war Wagenrad immer unglücklich gewesen und Gisela brachte neuen Wind in sein Haus. Gisela ist allerdings nicht nur schön, sondern genauso oberflächlich wie er selbst und die Ehe ist nicht gerade von tiefen Gefühlen beherrscht. Um Gisela noch mehr zu fördern, stellt Wagenrad sie dem Komponisten Gussendorf vor. Er hatte in der Vergangenheit mittelmäßige Opernerfolge zu beziffern. Gussendorf war auch neu verheiratet mit der jungen Ida, auch sie hatte Talent zum Komponieren, aber welcher Mann wollte schon einer Frau den Vortritt lassen?! Und noch dazu war Ida auch keine große Schönheit, zumindest nicht in den Augen der Anderen.

Ida komponiert ein Stück, welches ein absoluter Erfolg wird mit Gisela in der Hauptrolle, jedoch wird es nie ein jemand erfahren. Denn ihr Mann bekommt all das Lob, denn er hat ihre Noten aus der Schublade gestohlen und sie als die seinen verkauft. Auch Gisela wird zum Star und das obwohl man bedenken muss, dass sie nicht einmal singen kann. Die beiden Frauen beginnen sich Briefe zu schreiben und werden Freundinnen und beichten sich dann gegenseitig ihre Geheimnisse. Und man glaubt kurz, dass die Geschichte eine Wendung nimmt und irgendwie hatte ich gehofft, dass die beiden Frauen dann gemeinsam eine Kehrtwende erzeugen, aber leider kommt es anders…..

Meine eigene Meinung

Ich mochte das Buch sehr, denn Irene Diwiak beschreibt auf sehr humorvolle Art dieses schwierige Thema. Oberflächlichkeiten in unserer Gesellschaft gibt es leider immer noch und auch die Unterdrückung von Frauen in der Gesellschaft ist immer noch ein präsentes Thema. Umso mehr hat mich dieser Roman begeistert. Ich mochte Ida Gussendorf total gerne als Charakter und gerade ihr Ende hat mich sehr mitgenommen, aber auch das die arme Karoline nie entdeckt wurde hat mich traurig gemacht. Man kann von Glück sagen, dass wir mittlerweile eine kleine Besserung erleben, aber wir sind auch 2020 immer noch nicht bei einer Menschlichkeit angekommen, wie sie wünschenswert wäre. Literarisch betrachtet ist Liebwies ein großartiges Buch. Ich kann es also nur empfehlen.

Selbst gekauft/ Diogenes Verlag/ 364 Seiten/ Backlist Ausgabe 2017/ 13,00€

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