Ein perfekter Freund von Martin Suter

Fabio wurde erschlagen und erinnert sich an nichts mehr. Keine Erinnerungen an die letzten Wochen und seinen Sinneswandel hat er auch selbst nicht mitbekommen. Auf einmal begegnen ihm seine Freunde und Bekannte mit ganz anderen Augen und Fabio weiß nicht, was zuvor passiert war. Jeder Gedächtnisfetzen ist Gold wert und bringt Fabio zu einer erschreckenden Erkenntnis. „Ein perfekter Freund“ von Martin Suter ist mal wieder ein verworrener Roman, bei dem das Ende bis zum Schluss offen bleibt. Suter ist einer meiner Lieblingsautoren und zwar genau aus diesem Grund. Er spinnt Geschichten die durchaus eine Fortsetzung haben könnten und den Leser nachdenklich zurück lassen.

„Wie ein Unfallwagen, der nach Monaten aus dem See geborgen wurde, ein triefendes Gebilde aus Wasser, Schlick, Tang, Treibgut und Müll, dessen Konturen langsam sichtbar wurden und plötzlich deutlich und scharfkantig vor ihm lagen, tauchte vor Fabio eine Erinnerungsinsel auf.“ 

Wer ist Freund und wer ist Feind?

Fabio erwacht im Krankenhaus und erinnert sich an fast nichts. In seinen Gedanken war er noch mit Norina zusammen, war Journalist und war an einer großen Geschichte dran. Er war glücklich, genügsam und erfolgreich. Doch als er erwacht, sitzt dort nicht Norina sondern Marlen. Seine neue Freundin, von der er nichts mehr wusste. Und sein bester Freund Lucas hat sich auch von ihm entfernt. Zu allem übel, hat Fabio auch noch vor seinem Schlag seinen Job gekündigt, er selbst und ohne das er es wusste. Augenscheinlich hatte er sich in der Zeit, an die er sich nicht mehr erinnern konnte, komplett verändert und war ein anderer Mensch geworden. Er hatte eine neue Freundin, einen neuen besten Freund und hat Geld als wichtiger empfunden als Ehre. Was war bloß mit ihm passiert?!

Nicht nur die Geschichte seiner Erinnerung ist spannend, sondern auch der große Fall, an dem er dran war. Er hat einen Schokoladen Konzern im Blick gehabt der nicht ganz ehrlich mit seinen Inhaltsstoffen war. Er wollte einen großen Skandal aufdecken und genau dieser hat ihm am Ende das Genick gebrochen. Als er erfährt, dass sein ehemaliger bester Freund Lucas jetzt mit seiner Ex-Freundin Norina zusammen ist, vermutet er, dass auch Lucas etwas mit dem Schlag auf den Kopf zu tun hatte. Ihm kommen immer wieder Gedankenfetzen aus der Vergangenheit in den Kopf, aber das Puzzle will sich nicht zusammen setzen. Er versucht heraus zu finden, ob Lucas seinen Fall geklaut hatte und ob er etwas mit seinem Unfall zu tun hatte. Eine wilde Jagd nach Erinnerungen beginnt.

Meine eigene Meinung

Martin Suter hat einen ganz eigenen Stil, ich mag diesen sehr. Seine Protagonisten sind immer sehr spannend beschrieben und man findet immer eine Verbindung zu ihnen. Seine Geschichten sind verworren und manches Mal auch irgendwie surreal. Er hat meistens einen Hang zum Hollywood Erzähler, als ob man sich in einem guten Krimi befindet. Ich liebe die Art, wie er Gefühle von Menschen beschreibt, man kann förmlich fühlen, was in Fabio vorgeht und was ihn umtreiben muss. Ich würde behaupten, dass es von diesem Buch durchaus einen zweiten Teil geben könnte. Die Erzählung findet zwar ein Ende, aber sie ist nicht wirklich endlich. „Ein perfekter Freund“ ist ein großartiges Buch und ich möchte es nur empfehlen.

Selbst gekauft/ Diogenes Verlag/ Taschenbuch/ Auflage 2003/ 338 Seiten/ 13,00€

 

 

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