Uns gehört die Nacht von Jardine Libaire

Jardine Libaire, die neue Autorin in unserer Leserunde #backlistlesen vom Diogenes Verlag. Uns gehört die Nacht ist ein Roman voll von Gegensätzen und den Schluchten von Arm und Reich in den USA. Elise und Jamey, ein Paar was verschiedener nicht sein könnte, entstanden aus einer Affäre wird daraus eine folgenreiche Liebesbeziehung. Ich musste mich tatsächlich ein wenig durcharbeiten, um dieses Buch zu lesen, denn am Anfang kam ich mit dem Schreibstil nicht ganz klar und auch die Story wirkte platt und so bekannt. Doch am Ende kam ich nicht umhin, meine Meinung zu ändern.

Elise und Jamey

Sie stammt aus einem zerrütteten Elternhaus in einer der ärmsten Gegenden der USA, er hingegen stammt aus einem reichen New Yorker Haus mit jede Menge Zukunftsplänen. Elise ist im Teenageralter von zu Hause geflüchtet und hat sich mühsam alleine durchgeschlagen. Erst als sie ein guter Freund bei sich aufnimmt wendet sich das Blatt. Jamey hingegen hat sein Leben durch geplant, er möchte in Yale studieren und irgendwann die Firma seines Vaters übernehmen. Klingt im ersten Atemzug alles nach dem Klischee, was man in vielen amerikanischen Geschichten wieder findet. Eine klassische Aschenputtel Geschichte, sollte man meinen.

Auch deren Eltern haben so etwas typisches an sich. Elise’s Mutter ist immer mal wieder an den falschen Mann geraten, aber liebt ihre Tochter abgöttisch. Und die Eltern von Jamey, oder besser gesagt die ganze Familie, ist eine typische arrogante New Yorker Upper East Side Familie. Die Kinder auf teuren Schulen und Probleme kann man mit Geld wieder gut machen. Sie denken, man könnte alles und jeden für Geld kaufen. Zum Glück gibt es in der Realität auch andere Familien in dieser großartigen Stadt.

Es geht um so viel mehr

Elise ist mir am Anfang äußerst unsympathisch. Sie benimmt sie wie die klassische Getto Braut, ohne Benehmen und ohne Stil. Sie sagt was sie denkt und eckt an jeder Stelle damit an. Empathie würde man einer solchen Person nicht im geringsten zutrauen. Doch im Laufe des Buches wächst sie zu einer treuen Seele heran. Sie hat in Jamey ihren Lebenspartner gefunden, ein Partner der ihr auch die schönen Seiten des Lebens näher bringen wird. Man glaubt am Anfang, dass er der Stärkere der beiden ist, alleine weil er die bessere Erziehung genossen hat. Sehr schnell wir einem bewusst, dass Erziehung in diesem Fall gar keine große Rolle spielt, denn gerade ihre schwere Vergangenheit hat Elise zu jemandem werden lassen. Sie wächst über sich hinaus und ist am Ende die Starke in der Beziehung.

Jamey hingegen ist schwach. Er ist sich seiner Gefühle erst ganz spät bewusst und stolpert quasi in diese Beziehung hinein. Er wurde jahrelang von seiner Familie in eine bestimmte Richtung gedrängt, dass er gar keine eigene Meinung bilden konnte. Eigentlich lässt er sich immer nur von anderen lenken. So war es nicht verwunderlich, dass er sich in der Mitte des Buches zu Drogen überreden lässt. Seine Wille ist in dem Moment einfach zu schwach, um Nein zu sagen. Folgenschwer, denn er verliert sich selbst im Glauben danach tot im Krankenhaus erwacht zu sein. Es ist Elise, die ihn am Ende retten wird aus diesem Sumpf wieder zu entfliehen.

Ist es nun Klischee oder nicht?!

Irgendwo trifft es schon den klassischen amerikanischen Roman, es gibt dort meistens einen „Helden“ und auch eine Diskrepanz zwischen Arm und Reich. Dennoch finde ich, dass Jardine Libaire eines super geschafft hat und das ist, die Charaktere einfach großartig auszuarbeiten. Sie schafft eine tiefe Verbundenheit zu beiden Hauptprotagonisten und baut drum herum weitere interessante Geschichten. Trotz Klischee hat das Buch etwas ganz Eigenes, was mir gut gefallen hat.

Mein Lieblingsteil im Buch

„Elise liebte diese geheimnisvolle Stimmung, die fünf Minuten des Sonnenuntergangs, wenn Straßen und Bäume und Menschen und geparkte Autos so zart und so unmittelbar sind, jedes Geräusch, jeder Geruch, jede Bewegung, vervielfacht am dunkelsten Zipfel des Lichtes oder am hellsten Zipfel der Dunkelheit. Selbst eine kaputte, dreckige Stadt kann in dieser Zeit traumhaft und zärtlich sein.“

Selbst gekauft/ Taschenbuch/ Diogenes Verlag/ 456 Seiten/ Auflage 2018/ 16,00€

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