Yoko Ogawa – Insel der verlorenen Erinnerung

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Stellt Euch vor, dass immer mehr Dinge in eurem Leben einfach verschwinden. Von heute auf morgen. Und nicht nur das, sie werden auch in euren Erinnerungen gelöscht. Ob sie Euch nun wichtig waren oder nicht, sie sind dennoch einfach verschwunden. Genau solch eine Geschichte erzählt Yoko Ogawa in „Insel der verlorenen Erinnerung“

Eine Insel auf der Dinge verschwinden

Unsere Protagonistin, ihr Name wird nicht genannt, lebt auf einer Insel, auf der immer wieder Dinge einfach verschwinden. Einfache Dinge wie Haarbänder, Rosen oder aber auch die Vögel am Himmel. Die Erinnerung an diese Dinge werden gelöscht, wahrscheinlich genetisch manipuliert durch die Regierung. Die Menschen, welche auf dieser Insel leben, finden sich damit ab. Zumindest die meisten. Es gibt aber auch wenige von Ihnen, dessen Erinnerung nicht verblasst. So auch der Lektor unserer Protagonistin namens R. Namen werden in dem Buch nicht genannt. R versteckt sich bei unserer Heldin, weil die Erinnerungspolizei ihn sucht. Sie wissen das er nicht vergessen kann.

„Ich fragte mich, was wäre, wenn eines Tages die Wörter verschwinden würden. Aber nur im Stillen. Weil etwas wahr werden kann, sobald man es laut ausspricht.

Da die Protagonistin Autorin ist kann sie auf ihren Lektor nicht verzichten und beschließt kurzerhand ihn zu verstecken. Seine Familie kann vergessen und ist außer Gefahr, aber selbst wird mal gesucht werden. Denn die Erinnerungspolizei findet jede noch so kleine Erinnerung. Nach jedem Verschwinden von Dingen durchsucht die Erinnerungspolizei die Häuser, ob auch ja ein jeder seine Gegenstände entsorgt hat. Der schlimmste Moment tritt ein, als die Bücher verschwinden sollen. Für eine Autorin unvorstellbar schlimm, denn sie vergisst auch langsam den Inhalt ihres bereits begonnen Romans. R hilft ihr diesen zu beenden, aber die Gedanken zurück zu holen ist nicht einfach.

Irgendwann verschwinden aber noch viel elementarere Dinge wie zum Beispiel das linke Bein. Es ist zwar noch dran, rein physisch, aber die Menschen auf der Insel vergessen, dass sie eines besitzen. Nach und nach verschwindet das ganze Leben und man fragt sich, ob irgendwo das Leben anderer Menschen weitergeht. Zumal die Erinnerungspolizei auch jede Menge Menschen verschleppt, wo niemand weiß, wo diese am Ende landen.

Niemand kann die Erinnerung an Geschichten auslöschen!“

Mein eigenes Fazit

Die Autorin Yoko Ogawa hat einen fesselnden Schreibstil und man konnte so richtig mit der Protagonistin mitfühlen. Man stellt sich selbst vor, wie es wäre wenn Dinge verschwinden. Am Anfang sind es banale Dinge, wo man sich denkt damit könnte ich leben. Aber mit Körperteilen fand ich den Gedanken durchaus verstörend. Ich glaube die Autorin möchte uns sagen, dass in unserer heutigen Konsumgesellschaft auch gerne mal Sachen fehlen dürfen. Ich glaube wir haben durchaus viele Dinge zu Hause, welche wir nicht zwingend brauchen. Ein Verzicht würde niemanden tatsächlich stören. Vielleicht soll das Buch zum Nachdenke animieren. Ich persönlich mochte es auf jeden Fall sehr und könnte mir einen zweiten Teil sehr gut vorstellen. Zumindest werde ich die Autorin weiter verfolgen, die sie ist wirklich super. Insel der verlorenen Erinnerung ist auf jeden Fall mein erstes Highlight in 2021.

Verlag Liebeskind / September 2020 / 352 Seiten / 22,00€ / gebundene Ausgabe

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