Und am Ende die Wende von Wolfgang Mondorf

Vier Jugendliche kurz vor der Wende. Sie alle haben einen anderen Hintergrund und doch haben sie alle ein Ziel: Freiheit. Keine Überwachung mehr, keine politischen Parolen mehr, keine Angst und endlich die Welt sehen. Man kann als jemand der im Westen geboren ist nur erahnen, was sich hinter dem Mauer abgespielt haben muss. Es erging auch bestimmt nicht jedem gleich schlecht oder gut, aber dieses Buch rüttelt eindeutig noch einmal wach. Und das, wo die Geschehnisse gerade einmal knapp über 30 Jahre zurück liegen. Unvorstellbar erscheint die Wucht der Erlebnisse in diesem Buch.

Vier Jugendliche – Ein Ziel

Maria lebt in einer klassischen Betonsiedlung der DDR. Kurz vor der Wende und sie kann spüren, dass sich etwas verändern wird. Zuerst ist sie aber beschäftigt mit dem Tod ihrer geliebten Oma Hedde. Sie war ein wichtiger Mensch in ihrem Leben und hat ihr alles bedeutet. Oma Hedde war es immer, die Maria von der Welt erzählt hat. Von Paris und New York und Maria dachte diese Reisen könnte auch sie eines Tages antreten. Aber noch Stand die Mauer und eine Flucht in den Westen wurde mit Gefängnis bestraft. In der Schule lernt sie die Neue kennen, Ulrike. Beide nähern sich nur schwer an, aus Angst, dass eine der beiden eine Parteitreue sein könnte. Zu dieser Zeit wusste man nicht, wem man trauen kann und wem nicht. Lisa zum Beispiel, Klassenbeste und zu zweihundert Prozent Linientreu in Marias Augen. So eine würde sie bestimmt verraten. Ulrike und ihre Eltern allerdings waren anders. Sie haben bereits 1953 versucht aus dem Osten zu fliehen und den Frieden zu bekommen. Ulrike ist im Herzen eine Revoluterin. Sie und ihre Eltern schließen sich der Friedensbewegung in Leipzig an. In Halle selbst gab es so etwas leider nicht. In Halle gab es nur Beton und böse Menschen mit einem Wartburg. Man musste aufpassen. Unter anderem hatte Alex’s Vater einen Wartburg. Er war SED Funktionär. Alex selbst war verliebt in Maria und versuchte auf jede Art ihr zu helfen. Sein Vater wollte das nicht dulden, denn Maria und ihre Eltern waren nicht zu 100% Linientreu.

Vier Freunde deren Leben ganz unterschiedlich verläuft und dennoch haben sie alle das gleich Ziel, sie wollen raus aus dieser Hölle. Sie waren nun in einem Alter, in dem sie verstanden, was sich hinter der Mauer abspielte. Als Kinder fühlten sie sich wohlbehütet und konnten die Gefahr der freien Meinung noch nicht erkennen. Nun als Jugendliche mussten sie am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet seine Meinung laut zu äußern. Die Stasi war überall und die Strafen waren hart und menschenunwürdig. Gerade Maria und Ulrike erleben eine grauenhafte Zeit, weil sie zusammen auf einem Dach der Betonbauten englische Lieder gesungen haben. Englische Lieder waren nicht erlaubt, genauso wie Westfernsehen und alles andere was Spaß machen könnte. Nur der sozialistische Staat war richtig und angeblich wollte man ja nur das Bauernvolk unterstützen und voran treiben. Alles zum Wohle des Volkes, angeblich.

„Maria hasste Grabsteine, nicht zuletzt auf Grund ihrer beherrschenden, erdrückenden Dominanz. Vor allem aber wegen der Inschriften, der Namen und insbesondere der schlichten Zahlen darunter: Geburtstag-und Todesdaten, Anfang und Ende, in Stein gemeißelt, als gäbe es nicht davor, nichts dazwischen, nichts danach.“

Sowohl Maria als auch Ulrike mussten in die Dunkelkammer. Ulrike musste sogar auf den Jugendwerkhof, eine Foltereinrichtung für Jugendliche. Es endet für beide in Hoheneck, dort steht das gefürchtetste Gefängnis zu dieser Zeit. Man muss erwähnen, dass beide noch Jugendliche sind. Nicht erwachsen, noch viel zu jung, noch viel zu unerfahren, um solche Erlebnisse verarbeiten zu können. Ohne Alex wäre alles aber noch viel schlimmer ausgegangen. Doch ob es am Ende ein Happy End geben wird, das wird noch nicht verraten. Auch ich möchte nicht zu viel vom Inhalt verraten, denn man muss es eindeutig gelesen haben.

Meine eigene Meinung

Im Westen aufgewachsen zu sein scheint ein Privileg zu sein. Ein Privileg was nicht jedem bewusst wird und durch solche Bücher versteht man erst, wie viel Glück man hatte. Dieses Buch ist teilweise grausam. Es ist ehrlich und unverschönt. Die Ereignisse welche sich zu der Stasizeit abgespielt haben, müssen grauenhaft gewesen sein. Ich musste das Buch mehrfach zur Seite legen und durchatmen, bevor ich weiter lesen konnte. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen und viele Menschen aus dieser Zeit wollen auch einfach nur vergessen. Es verändert aber noch einmal den Blick auf Menschen, die so etwas mit erleben musste. Das schlimmste ist, dass es solche Staaten immer noch gibt. Es gibt immer noch Länder oder Regionen, in denen es genau so zu geht. In denen immer noch Menschen misshandelt werden und der Staat durch Gewalt seinen Willen durchsetzen möchte. Man fragt sich, warum die Menschen so schlecht sind. Was veranlasst Menschen solche Dinge zu tun. Was hat sie Stasi geglaubt, welche Bereicherung sie dadurch verspüren würden. Ist es einzig und alleine Macht? Oder sind solche Menschen krank? Ich weiß es nicht und ich bin nicht sicher, ob ich es wissen möchte. Ich finde allerdings das Wolfgang Mondorf ein guter Autor ist und das dieses Buch gelesen werden muss. Man spricht in der Schule zwar vom zweiten Weltkrieg, aber man spricht selten von der Zeit danach. Mondorf öffnet uns noch einmal die Augen, denn auch das gehört leider zur deutschen Geschichte dazu. Ich werde das neue Buch “ Wende gut, alles gut“ auf jeden Fall auch lesen, denn ich möchte wissen, wie es mit Maria und Ulrike weitergeht.

Danke an Wolfgang Mondorf für das Leseexemplar.

Schippach Verlag/ Auflage 2020/ Taschenbuch/ 334 Seiten/ 9,95€

Nachtrag: Ich selbst kann nicht beurteilen, ob diese Ereignisse sich auch so ereignet haben. Oder auch nur so ähnlich. Wenn es so ist, dann ist es weiter erschreckend. Ich kann mir, als jemand der im Westen geboren ist, wahrscheinlich auch keine weitreichende Meinung bilden, weil ich auch nur Geschichten glauben kann oder auch nicht. Dennoch muss ich diesen Autor loben, denn seine schriftstellerische Leistung ist unumstritten. Und nur darum geht es auf meinem Blog. Ich schreibe über Bücher und Autoren und was diese Bücher mit mir machen. Ich kann bei keinem Buch erahnen, ob wahr oder auch nicht. Aber das ist auch nicht meine Aufgabe dieses heraus zu stellen.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Ossiblock sagt:

    Was für eine Schmonzette. Ein Wessi aus FF/M schreibt über die DDR.

    Wessis glauben natürlich, was er sich aus den Fingern saugt.

    Es gibt nur einen Satz dazu:
    „Chinesen schreiben schließlich auch keine belgischen Heimatromane.“

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