Eine Geschichte über einen Außenseiter und eine skurrile Freundschaft. Klapper, eigentlich Thomas, lebt ziemlich zurück gezogen in seinem Jugendzimmer. Er ist 15 Jahre alt und ein klassischer Außenseiter. Sein Hobby: PC zocken. Er liebt das Spiel „Counter Strike“ und baut regelmäßige neue Welten und ist quasi eine Art unerkanntes Genie. Freunde hat Klapper leider keine, denn alle finden ihn zu ruhig und zu merkwürdig. Ich fühlte mich in meine Jugend zurückversetzt, denn einen Jungen mit Metal Band Shirts, der gerne PC zockte, gab es in meiner Klasse auch. Nur lebten diese nie ganz so zurückgezogen wie Klapper.

Klappers Eltern verkörpern die klassischen Eltern Anfang der 2000er Jahre in meinen Augen, auch wenn es im Buch bereits 2011 ist. Alles wirkt so sehr nach meiner eigenen Jugend. Klapper isst gerne Choco Pops, am liebsten die Originalen, aber es gibt nur den Fake. Nudeln mit Ketchup sind immer noch irgendwie modern und Zitronenkrümmeleistee auch. Außer dass es schon Whatsapp gibt, bei uns war es noch ICQ. Aber alles daran schreit nach meinen 90er/2000er Jugendjahren und das macht das Buch für mich so schön.

Klapper sitzt natürlich in der Schule auch alleine an seinem Tisch, einen Sitznachbarn hat er nicht. Bis eines Tages Vivi alias Bär in die Klasse kommt. Die große selbstbewusste Bär setzt sich neben ihn, neben den dürren jungen mit dem Band Shirt. Gegensätze ziehen sich an. Es entwickelt sich eine stille Freundschaft, denn viel reden können die beiden zu Anfang nicht. Klapper ist dazu zu schüchtern. Nach und nach taut er allerdings auf und der Schulweg ist bereits sein Tages Highlight. Und als die beiden feststellen, dass sie beide gerne „Counter Strike“ spielen, ist der Bann gebrochen.

Klapper und Bär haben beide ein schwieriges Elternhaus. Klappers Mutter ist depressiv und sein Vater ein kleiner Patriarch. Und bei Bär zu Hause ist es auch die Mutter, die depressiv ist und zu viel Alkohol trinkt. Mit dem Unterschied, dass Bär noch fünf Geschwister hat und sich um diese auch kümmern muss, wenn die Mutter nicht funktioniert. Klapper reagiert mit seinem Einsiedlerdasein und Bär kifft und hört Deutsch Rap. Beide für sich als Außenseiter und dennoch passen diese beiden zusammen. Wenn es auch eine toxische Beziehung zu sein scheint. Denn beiden bringen sich auch zusammen in Schwierigkeiten und sind sich öfter uneins.

Ein Schicksalsschlag ist es, der diese Freundschaft entzweit und der dazu führt, dass Klapper auch als Erwachsener immer noch nicht zu sich selbst gefunden hat. Er bleibt allein. Das stimmt einen sehr traurig, denn Klapper ist ein sympathischer Protagonist und wie bereits erwähnt, kennt man solche Jungs aus der Schule. Meistens haben sie im Erwachsenenalter eine Entwicklung vollzogen, oder bleiben IT-Nerds, aber meistens wenigstens mit Freunden. Klapper ist ein Charakter, den man gerne umarmen möchte.

Ich mochte das Buch sehr. Ein sehr stilles Buch zu Beginn, aber auch ein sehr tiefgründiges Buch. Es lässt einen darüber nachdenken, ob man stillen Menschen nicht mehr Aufmerksamkeit schenken sollte. Vielleicht brauchen sie einen Freund. Klapper hätte einen guten Freund sehr gut gebrauchen können, oder Eltern, die mitbekommen was gerade los ist. Der Schreibstil von Kurt Prödel hat mir auch sehr gut gefallen, locker trotz der Schwere des Themas.

Ich vergebe 4/5 Sterne 🌟🌟🌟🌟

Selbst gekauft/ Gebundene Ausgabe/ 256 Seiten/ Park & Ullstein Verlag/ Auflage 2025/ 22,00€

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