Das Meer der Libellen – Yvonne Adhiambo Owuor

„Vorboten neuer Jahreszeiten: Die auf dem Matlai dahingleitenden Vögel, die sonnengefleckten Libellen, die unter dem Mond tanzenden Schwertfische, die an Korallenriffen knabbernden Papageienfische, sie alle kündeten von der Veränderlichkeit der Erde, von sterbenden Sternen und dahinschmelzender Zeit.“

Ich war noch nie zuvor in Kenia gewesen, doch durch dieses Buch habe ich das Land kennen lernen dürfen. Das Meer der Libellen ist ein Roman über das Erwachsen werden und gleichzeitig auch eine Geschichte über ein Land. Ayanna lebt auf Pate, einer kleinen Insel vor der kenianischen Küste Afrikas. Durch ihre täglichen Beobachtungen erfährt man alles über diese kleine Insel und über die Menschen, die dort Leben. Yvonne Adhiambo Owuor nimmt den Leser mit auf eine ganz spezielle Reise, die Reise der „kleinen“ Ayanna und die Geschehnisse der Insel Pate und das in einer Zeit, in der der IS an macht im islamischen Raum gewinnt.

Das Meer der Libellen

Ayanna lebt mit ihrer Mutter auf Pate. Ihren Vater kennt Ayanna leider nicht, denn ihre Mutter weiß noch nicht mal mehr seinen Namen. Munira, Ayanna’s Mutter gilt auf Pate auch eher als verruchte Frau, als als liebende Mutter. Sie hat eine Vergangenheit und auf Pate bleiben Geheimnisse nicht unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit. So beginnt die kleine Ayanna schon früh nach ihrem Vater zu suchen, sie sucht auf dem Meer. Täglich sitzt sie am Strand und schaut aufs Meer hinaus, mit Blick auf das Meer gerichtet fühlt sie sich sicher. Und so hofft sie jeden Tag auf’s Neue, dass irgendwann ihr Vater über das Meer in Pate ankommt. Am Strand ist sie allerdings nicht die einzige einsame Seele, denn der alte Muhidin beobachtet sie dabei und ist fasziniert von ihrem Durchhaltevermögen. Die beiden Freunden sich an und irgendwann beschließt Ayanna einfach, dass Muhidin ab nun an ihr Vater sein soll. Wie passend, dass Munira sich auch noch in Muhidin verliebt.

In Kenia, so wie auch im restlichen islamischen Raum beginnt der IS junge Männer zu berufen, sich derer Mission anzuschließen. So auch ein Klassenkamerad von Ayanna. Die Autorin schafft es, die schwierige politische Situation von Afrika/Kenia mit ein fließen zu lassen, ohne das diese Geschichte den Roman zu politisch erscheinen mag. Immer wieder begegnet Ayanna politischen Ereignissen oder ihre Freunde begegnen diesen Situationen. Eine leichte Brise schwingt den ganzen Roman über mit und erklärt somit den Standpunkt von Pate in dem Ganzen. Für Ayanna beginnt ein Erwachsenwerden mit Höhen und Tiefen. Sowohl politische Hintergründe stellen sich ihr in den Weg, als auch psychologische Hürden, welche durch den Vaterverlust entstanden sind. Ayanna hat mehrer schwere Erlebnisse mit Männern und vertrauen fällt ihr schwer.

Ihre eigentliche Reise beginnt, als sie nach China reist, um dort zu studieren. Eigentlich eine Flucht, denn ihre Mutter Munira hätte beinahe ihre Seele verkauft und konnte Ayanna nur in letzter Sekunde davor retten versklavt zu werden. Diesen Teil des Buches fand ich persönlich auch sehr erschreckend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es so etwas heute immer noch gibt. Doch nach diesem Schrecken beginnt ein spannender Weg in China. Ayanna muss lernen erwachsen zu werden und als Frau ihren Wert zu behalten. Die Autorin erzählt eine Geschichte über eine starke, junge Frau die sich durch schlägt. Immer im Blick hat sie das Meer und Libellen, die immer wieder zu ihr zurück finden. Eine Hoffnung, ein Halt den Ayanna immer begleiten mag. In China bzw. auf dem Weg nach China trifft sie auch die Liebe ihres Lebens, doch auch dieser Teil der Geschichte ist nicht immer leicht, denn auch Lai Jin hat eine Vergangenheit. Und dennoch, er kann seine Gedanken nicht kontrollieren und so wandern sie immer wieder zu Ayanna. Eine starke Bindung entsteht.

„Ayanna richtete sich auf und schaute aufs Meer hinaus. Tränen glänzten in ihren Augen. Sie verfluchte ihr Schicksal. Es war so ungerecht. Während sich im Leben mancher Menschen endlose Möglichkeiten und immer neue Horizonte eröffneten, passte ihr eigenes in einen undichten roten Eimer.“

Meine eigene Meinung

Ich mochte dieses Buch sehr. Ayanna ist eine sehr sympathische Protagonistin und ich konnte in vielen Momenten mit ihr fühlen. Ihren Weg zum Erwachsen werden zu begleiten, hat sehr viel Freude gemacht und auch die Beschreibungen der Insel Pate fand ich wunderschön. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie es auf dieser Insel aussehen könnte. Yvonne Adhiambo Owuor ist für mich eine großartige Autorin von der ich gerne noch mehr lesen möchte. Auch wenn mich 600 Seiten am Anfang abgeschreckt haben, ich kann sagen, es lohnt sich. Das Meer der Libellen ist ein wichtiges Buch in der heutigen Zeit, um Verstehen zu können. Nicht nur ein Roman, sondern ein Lehrbuch zum islamischen Glauben und dem Leben in Afrika. Danke an den Dumontbuchverlag für dieses tolle Exemplar.

Rezensionsexemplar/ Dumont Buchverlag/Auflage 2020/ 603 Seiten/ 24€ gebundene Ausgabe

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