Rote Kreuze von Sasha Filipenko

[ Werbung, Rezension ] Eine Frau die eine folgenschwere Entscheidung getroffen hat und sich auch Jahre danach nicht verzeihen kann und ein Mann, der alles verloren hat, was er geliebt hat, treffen aufeinander und erzählen sich gegenseitig deren Geschichte. Rote Kreuze von Sasha Filipenko aus dem Diogenes Verlag ist ein Roman über die Stalinzeit und die Verbindung zur heutigen Einstellung der Menschheit. Filipenko zeigt in diesem Buch, was Verlust uns heute bedeutet und was es in der russischen Geschichte bedeutet hat.

Zum Inhalt

Tatjana ist in jungen Jahren als Fremdsprachenkorrespondentin im Außenministerium in Moskau tätig. Die in London geborene Russin wollte ein neues Leben mit ihrer Familie in Moskau beginnen. Moskau hatte damals so viel Glanz und hat so viel versprochen. Doch der zweite Weltkrieg beginnt und ihr Mann wird an die Front verlangt. Nach Wochen der Ungewissheit soll sie eine Liste des Roten Kreuzes mit Kriegsgefangenen in Rumänien übersetzen und entdeckt auf dieser den Namen ihres Mannes. Zunächst ist sie erleichtert das er lebt, doch gleichzeitig hat sie Angst um ihn. Es war bekannt, dass Kriegsgefangene als Volksverräter galten und erschossen wurden. Aus einem Kurzschluss heraus streicht sie seinen Namen und verdoppelt den Namen eines anderen Soldaten.

Alexander ist vor kurzem mit seiner Tochter nach Minsk gezogen. Er hat durch eine tödliche Krankheit seine Frau verloren und muss nun alleine sein Leben bestreiten. Eigentlich möchte er sich am liebsten nur einschließen und mit keinem anderen Menschen reden. Seine Nachbarin Tatjana dagegen hat eine Menge aus ihrem Leben zu erzählen. Die alte Dame leidet an Alzheimer und kann sich aber an ihre Zeit in Gefangenschaft zur Stalinzeit noch sehr gut erinnern. Die beiden treffen sich immer wieder im Hausflur und Tatjana erzählt ihm ihre Geschichte und versucht so, ihm begreiflich zu machen, dass sein Verlust schlimm ist, dass es aber in der Geschichte noch weitaus schlimmere Ereignisse gab.

Tatjana hat Jahre lang das Geheimnis, dass sie jemand anderen doppelt auf die Liste gesetzt hatte, für sich behalten. Erst viele Jahre nach ihrer Gefangenschaft ist sie zu dem Soldaten gegangen, welchen sie ihrer Meinung nach in den Tod hatte treiben müssen. Es stellt sich aber heraus, dass dieser Soldat unversehrt mit seiner Familie den Krieg überlebt hat. Die rumänischen Gefangenen wurden scheinbar nicht alle getötet und Tatjana erkennt ihren eigenen großen Irrtum. Hatte sie nun damals das richtige getan? Oder hat sie sich und ihre Familie damit verraten?

Meine eigene Meinung

Ich mochte die Geschichte sehr und finde russische Literatur sowieso äußerst spannend. Sasha Filipenko hat einen lockeren Schreibstil und man kann das Buch gut weg lesen. Die Tiefe der Geschichte wird einem aber erst im Nachhinein bewusst. Tatjana hat in meinen Augen versucht das Schicksal zu beeinflussen und hat am Ende die Konsequenzen getragen, dennoch glaube ich, dass jede von uns genauso gehandelt hätte. Auch ich hätte versucht meinen geliebten Mann zu schützen, auch wenn es für mich den Tod bedeuten könnte. Alexander geht in meinen Augen in der Geschichte unter. Das Einzige was er mit nehmen kann aus der Geschichte von Tatjana, dass er weiter kämpfen sollte. Er sollte für sich und seine Tochter kämpfen, dass beide ein normales Leben führen auch ohne seine Frau.

Während ich dieses Buch gelesen habe, habe ich auch viel im Internet recherchiert und mich über die Stalinzeit informiert. Ich kannte die Fakten zuvor noch nicht und mochte es sehr, dass dieses Buch mich dazu inspiriert hat. Ich liebe es, wenn Romane aus einer wahren Geschichte entspringen, auch wenn es wie in diesem Fall, eine eher grauenhafte Zeit Epoche war.

Empfehlung oder eher nicht?

Ich kann diese Buch empfehlen und ich danke dem Diogenes Verlag, dass ich dieses Exemplar lesen durfte. Sasha Filipenko hat für mich sehr viel Potenzial. Außerdem ist es der erste von fünf Romanen, der in deutsch erscheint. Ich hoffe ich werde bald noch mehr von ihm auf deutsch lesen können.

Rezensionsexemplar / Diogenes Verlag / Taschenbuch / Auflage 2020 / Seiten / 22€

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jana sagt:

    Ich habe vor einiger Zeit bemerkt, dass derzeit viele Bücher (Romane, aber auch Sachbücher und Comics) über die Stalinzeit erscheinen und sie in einem kurzen Beitrag zusammengefasst.
    https://www.wissenstagebuch.com/2018/12/10/russisch-lesen-10-aktuelle-buecher-zur-sowjetunion/

    „Rote Kreuze“ kannte ich bislang noch nicht, aber es scheint ja dieses Thema genau zu treffen und klingt sehr lesenswert. Danke für den Tipp.

    Viele Grüße
    Jana

  2. sarahspancake sagt:

    Hallo Jana, das freut mich, dass ich dir einen Tipp geben konnte 🙂 und deine Sammlung werde ich mir auch mal anschauen. Lg Sarah

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